Ingrid Lacher – Kontrastreiche Naturimpressionen im Kunstbonbon
Das Kunstbonbon in der Chemnitzer Str. 11 in Dortmund zeigt unter dem Titel „Klatschnass und Knochentrocken“ vom 06.01.2018 bis zu 03.02.2018 in ihrer kleinen, aber feinen Örtlichkeit Bilder, Fotografien und Objekte der Designerin Ingrid Lacher.
Die 1962 in Rhaden geborene Künstlerin hat an der Fachhochschule in Dortmund erfolgreich (Foto-) Design studiert. Seit 1989 ist sie freiberuflich tätig.
Inspiration findet sie hauptsächlich in der Natur, dessen Schönheit und Bedeutung sie als Lebensgrundlage in jeder Form in ihrer neuen Ausstellung verdeutlicht.
Kontrastreich zeigt Ingrid Lacher in ihren Werken die Folgen von „zu viel Wasser“ bei Überschwemmungen mit effektvollen Spiegelungen, aber auch die und Fotos von ausgetrockneten Landschaften.
Mit ihren Objekten fügt sie auch noch eine weitere Kontrast-Ebene hinzu. So wenn etwa feine abgestorbene Blätter auf raues altes Leinen ihrer Großmutter. Der große Kontrast zwischen dem filigran leicht goldig schimmernden Blattfragmenten und starken, rauen Leinen veranschaulicht dessen Schönheit nur um so mehr.
Außerdem sammelt Ingrid Lacher auch Pflanzenteile und „macht sie ein“. Das „Einmachen“ hatte für unsere Eltern und Großeltern als Vorratshaltung gerade im Winter einen hohen Stellenwert. Die Objekte sind ein sichtbares Zeichen für die Bedeutung von Pflanzen und Natur für das Klima, sondern auch als wichtiger Teil der Nahrungskette.
Einen ganz besonderen Blick auf die Schönheit der Natur und ihren Wert als Lebensgrundlage bietet dieses Ausstellung den Besuchern.
Die Vernissage im Kunstbonbon ist am 06. Januar 2018 um 15:00 Uhr.
Öffnungszeiten: Dienstags 13:00 bis 18:00 Uhr, freitags 15:00 bis 20:00 Uhr und samstags von 12:00 bis 15:00 Uhr.
Axel M. Mosler gewinnt BIG-Kunstpreis 2017
154 Stimmen wurden abgegeben. Am Ende stand fest: Der Fotograf Axel M. Mosler durfte sich am Sonntag, 17. Dezember, über den 1. BIG-Kunstpreis 2017 freuen. Markus Bäumer, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der BIG direkt gesund, überreichte die mit 2000 Euro dotierte Auszeichnung in der BIGgallery.
Auf Wunsch der vier ausstellenden Künstlerverbände hatten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Direktkrankenkassen im BIG-Intranet ihren Favoriten für den Kunstpreis gewählt. Jeder Mitarbeiter hatte eine Stimme, 154 gültige Stimmen wurden abgegeben. Axel M. Mosler hatte mit der Fotografie eines Rennradfahrers, das dessen Geschwindigkeit erahnen lässt, die meiste Zustimmung erhalten.
Auf dem zweiten Platz folgte Andrea Hüsken mit ihrer Installation der „Soul-Surfer“-Skulpturen. Karla Christoph belegte mit ihrer Arbeit „Rasender Stillstand“ Platz 3. Hintergrund für den erstmals ausgelobten Preis ist die fünfjährige Kooperation zwischen der BIG und den vier Dortmunder Künstlerverbänden BBK Ruhrgebiet, BBK Westfalen, Dortmunder Gruppe und Westfälischer Künstlerbund Dortmund. „Anlässlich dieses kleinen Jubiläums wollten wir die BIG in das Ausstellungskonzept unter dem Titel „Bewegung“ einbeziehen“, erklärt Monika Pfeiffer, stellvertretende Sprecherin der vier Künstlerverbände. Diese Geste habe man sehr zu schätzen gewusst, so Markus Bäumer. Gefreut habe er sich, dass es der ausdrückliche Wunsch der Künstler gewesen sei, die Mitarbeiter der BIG über den Preisträger entscheiden zu lassen.
Wut – Die schnellste Ausstellung der Welt in der UZWEI
Angespornt durch den 1. Preis (und dem Preisgeld) vom Bundesverband der Jugendkunstschulen für das gemeinsame Kunstprojekt „Über Sinne“ im letzten Jahr, folgt jetzt ein weiteres kooperatives Projekt der UZWEI (Zentrum für kulturelle Bildung – Dortmunder U) und der Martin-Bartels-Schule. Es handelt sich hierbei um eine Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Sehen.
Die Schülerinnen und Schüler der Martin-Bartels-Schule mussten sich mit einem eher unangenehmen Gefühl auseinandersetzen: Wut.
Unterstützt von ihrer engagierten Direktorin Ulrike Witte, den beteiligten Künstlerinnen und Künstlern Etta Gerdes, Mathias Frank, Dagmar Lippok und Susanne Henning erarbeiteten sich Schülerinnen und Schüler der Martin-Bartels-Schule in etwas mehr als 5 Stunden in nur 1,5 Tagen eine Kunstausstellung mit dem Motto „Wut – Die schnellste Ausstellung“. Sie bearbeiteten das Thema in vier Gruppen in den Disziplinen Fotografie, Installation, Performance und Sound. In der fünften Disziplin, dem Kuratieren, wurde dann alles in Form gebracht. Die Projektleitung hat Claudia Wierz übernommen. Es war eine große Herausforderung in kurzer Zeit, die eigenen Emotionen darzustellen, zu visualisieren und erlebbar zu machen.
Im „Glaskasten“ auf der UZWEI warten den Besucher schon kleine pelzig-bunte „Wutmonster“. Drückt man auf einen Sensor, wird man mit wütenden Sprüchen empfangen. Neben Fotografien und Sprüche zum Thema gibt es auch eine „Wutküche“ und einem Schornstein zum „Dampf ablassen“. In vielen Flaschen mit den passenden Ingredienzien wie etwa Krieg, Hass oder Neid. Ein großer „Kloß“ zum Draufschlagen bietet den Anwesenden die Gelegenheit, seine Wut und Aggressionen los zu werden. In der linken Ecke gibt es eine gemütliche Ecke mit Tipps zum wieder Runterkommen. Einfach mal die „Reset-taste“ drücken, die Lieblingsmusik hören, sich wieder vertragen und ähnliche gute Ratschläge sind da zu lesen. Eine mit fantasievollen Kostümen gekleidete Performance-Gruppe von Dagmar Lippok bilden den beweglichen Blickfang und „Aktion-Part“.
Einen bewussten Umgang mit ihrer Wut ist das Mindeste, was die Künstler und Besucher hier mit nach hause nehmen können.
Am 12. Dezember .2017 wurde die unter Anwesenheit aller Beteiligten von der Leiterin der UZWEI, Mechthild Eickhoff eröffnet.
Sie ist bis zum 21. Januar 2018 im „Glaskasten“ zu sehen.
Grafik-Kalender 2018 für Dortmund präsentiert
Der Vorsitzende des Vorstandes der Dortmunder Sparkasse Uwe Samulewicz übergab am Donnerstag , den 07.12.2017 im Rathaus das Exemplar Nr. 1 des Kalenders Grafik aus Dortmund für das Jahr 2018 an Bürgermeisterin Jörder.
Dieser erscheint wie immer in einer limitierten Auflage von 500 Exemplaren.
Jeder der aufwendig hergestellten Grafik-Kalender (mit je zwei Bildern von sechs Künstlerinnen und Künstler aus dem lokalen künstlerischen Umfeld) ist einzeln handschriftlich signiert. Der besondere Kalender ist käuflich nicht zu erwerben, sondern wird vergeben.
Die Künstler und Organisatoren präsentieren stolz den neuen Kalender „Grafik aus Dortmund“. Im Vordergrund Uwe Samulewicz (Vorstandsvorsitzender Sparkasse Dortmund) und Bürgermeisterin Birigt Jörder.
Die an dem hochwertigen Kunstkalender beteiligten Künstler (vier Frauen und zwei Männer), wurden in einem vom Dortmunder Kulturbüro organisierten längerem Prozess durch eine kompetente Jury ausgewählt.
Bereits zum 42. Mal finanziert die Sparkasse Dortmund dieses künstlerisch beeindruckende und begehrte Produkt. Herausgegeben wird der Grafik-Kalender vom Kulturbüro der Stadt und der Sparkasse Dortmund in enger Zusammenarbeit mit dem Dortmunder Kunstverein e.V.
„Das ist eine gute Tradition. Sie ist gut für das Image der Stadt und für die Künstler. Es zeigt zudem die künstlerische Kreativität in unserer Stadt,“ so Samulewicz.
Alle Beteiligten lobten die langjährige Zusammenarbeit mit der Druckerei Klenke GmbH und die gute Umsetzung des Projekts.
Der Kunstkalender erfreut sich großer Beliebtheit und auch ältere Exemplare haben einen hohen Wertschätzung bei Interessierten im Internet.
Beteiligte Künstlerinnen und Künstler: Stephanie Brysch, Achim Farys, Magdalena Hellström Zimmermann, Lutz Kemper, Claudia König und Bärbel Thier-Jaspert.
Das Fenster zum Code – künstlerischer Blick auf moderne Bildwelten
Digitale Technologien beherrschen nicht nur unseren modernen Alltag, sie erweitern unsere Wahrnehmung und entfremden uns von physisch-analogen Wirklichkeit. Neun Studierende der Kunstakademie Münster haben sich im Rahmen des Seminars „Das Fenster zum Code“ mit der Geschichte des Bildermachens von Leonardo Da Vincis Camera Obscura, (Panorama, Futurama) oder dem Cyclorama als Vorläufer moderner Projektoren (VR-Videos) beschäftigt.
Sie haben die Entwicklung virtueller Realitäten hinterfragt und sich in neu Positionen mit ihren künstlerischen Arbeiten mit der Konstruktion von Wirklichkeit und dem Einfluss virtueller Spielräume auseinander gesetzt. Dabei spielen die Auswirkungen digitaler Scheinwelten und Ambivalenz zwischen analoger und digitaler Welt im Allgemeinen eine Rolle. Ihre kreativen Installationen und Performances sind nun in einer Ausstellung im Dortmunder Künstlerhaus (Sunderweg 1) vom 2. Dezember 2017 bis zum 14. Januar 2018 zu sehen.
Als kleiner Eindruck seien hier nur zwei Beispiele für die unterschiedlichen neun Positionen genannt. Als erste Position wird Lisa Tschorn bei der Eröffnung der Ausstellung am Freitag, dem 1. Dezember 2017 um 20:00 Uhr ihre zwanzig minütige Performance und Wandmalerei „all colors are beautiful“ (2017) live vorführen.
Sie setzt sich kreativ mit der Kulturtechnik des Copy&Paste auseinander. Auf einen noch leere schwarze Wandtafel schreibt sie mit Kreide in gleichen Abständen immer wieder den Satz „all colors are beautiful“. Zum einen sind in der Farbe Weiß alle Farben enthalten, zum anderen als ästhetisches Urteil zu verstehen. Wie a beim „Copy&Paste“ wird dabei keine exakt gleiche „Wiedergabe“ des Textes möglich sein. Das Setting erinnert an das Intro zur Zeichentrickserie „Die Simpsons“. Hier schreibt Bart Simpson immer wieder den selben Satz an die Tafel. Ein Hinweis auf seinen Charakter.
Sowohl analoge und digitale Technik verbindet Judith Kaminski in ihrer „Doppelarbeit“: System 1 (Arbeitstitel), Wandmalerei mit Ölmalerei auf Leinwand (2016-2017) und die dazu entstandene animierte Videosequenz „welcome“ (2017).
Judith Kaminski und ihre Arbeit „System“. Zu sehen aktuell im Künstlerhaus Dortmund.
Ihre Konzeption einer 9 m langen und 4 m hohen Wandmalerei ist durch mehrere Arbeiten auf Leinwand erweitert. Die Kanten der Leinwände sind, entsprechend der dreidimensional anmutenden Motive, farbig gefasst. So werden die Werke optisch in die Wandmalerei integriert. Die Wandmalerei bildet zusammen mit den Kanten ein System, in welchem die Werke vereint werden. Eine unabhängige Betrachtung ist so nicht möglich und dieses System ist nicht geschlossen. Es können Arbeiten hinzugefügt oder weggenommen werden.
Die hier angerissenen Fragen von Digitalität werden in der animierten Videoarbeit „welcome“ vertieft. Kaminski übernimmt die blumigen Motive und das Ebenen-Spiel aus ihrer „analogen“ Malerei und übersetzt sie mit Hilfe des Computers in eine faszinierende digitale und räumliche Bildwelt. Der Betrachte wird durch die Bildwelt geführt und und taucht visuell in die Animation ein.
Beteiligte Künstlerinnen und Künstler: Katharina Sophie Heck, Judith Kaminski, Juli Lee, Tamara Malcher, Raoul Morales-Marquez, Cristina Prims, Vicario, Lioba Schmidt, Veronika Simmering, Lisa Tschorn.
Weitere Termine:
Samstag, den 2.12.2017 – 15:00 bis 19:00 Uhr: Digitale Aktionen für Kinder und Jugendliche. Anmeldung bis zum 30.11.2017 (siehe Website)
Sonntag, den 14.01.2018 – ab 17:00 Uhr: Finissage mit KünstlerInnenführung.
Kuratiert von: Johanna Reich und Adriane Wachholz.
Weitere Informationen erhalten Sie unter www.kh-do.de
Naama Arad – Installationen um das Verhältnis Mensch-Objekt
Der Dortmunder Kunstverein zeigt vom 2.12.2017 bis 18.02.2018 mit der Ausstellung „Love Handles“ zwölf skulpturale und installative Werke der israelischen Künstlerin Naama Arad (*1985).
Mit Humor und teilweise provokativ offenbaren ihre aus alltäglicher Massenproduktionen gefertigten Skulpturen eine Symbiose zwischen Individuum und und den ihm umgebenden Dingen. Diese Objekte hat die Künstlerin aus Baumärkten, Drogerie – oder Supermärkten erworben. Naama Arad stellt diese in einen neuen assoziativen Zusammenhang. Da wird zum Beispiel aus einer umgedrehten Kehrschaufel eine Art Phallus-Symbol stilisiert und aus zwei weißen Mund-Nasen-Schutzkappen ein Büstenhalter.
Installation „XX“ von Naama Arad in ihrer Ausstellung „Love Handles“ im Dortmunder Kunstverein.
Oft sind die Objekte bewusst mit weiblichen wie auch männlichen Attributen versehen. Wer bestimmt über unsere Identität? Was ist „Frau“ und was „Mann“. Im Kontext der heutzutage geführten „Gender-Debatte“ eine aktuelle Fragestellung.
Die kopflosen personifizierten Skulpturen erhalten eine eigene Identität und werden über formale, ästhetische oder auch sprachliche Assoziationen miteinander verknüpft. Für individuelle Projektionen und subjektiven Zuschreibungen lassen die Installationen genügend Raum. Es geht vor allem auch um die Frage nach den Regeln und den Wert von Kunst. Dieser wird unter anderem von dem Betrachter und dem institutionellem Raum festgelegt.
Die im laufe des letzten halben Jahres entstandenen Arbeiten handeln vom Suchen und Finden von Identität. Sie dienen den Betrachter als Projektionsfläche und geben ihm die Möglichkeit zur Reflexion über seine Gefühle und Begierden. Es sind Spiegelungen aus der Tiefe des Unbewussten. Genügend Anregungen zur intensiven Auseinandersetzung.
Die Ausstellung wird am Freitag, den 1. Dezember 2017 um 19:00 Uhr im Kunstverein neben dem Dortmunder U eröffnet.
Begrüßung : Marion Edelhoff (Vorstandsvorsitzende)
Einführung durch die Kuratorin Linda Schröer.
Kunstpause am Mittag – eine halbe Stunde Inspiration
Im Museum Ostwall im Dortmunder U startet ab 29.11.2017 die neue Reihe „Kunstpause am Mittag“. Es bietet sich hier für interessierte Besucherinnen und Besucher die Gelegenheit, eine halbstündige (13:30 bis 14:00 Uhr) Stippvisite durch die neu eingerichtete Sammlung des Museums zu unternehmen. In mehrwöchigen Abständen wird immer Mittwochs die Kunstpause zu einem anderen Thema angeboten.
Dieses Angebot soll nicht nur der Kunstvermittlung dienen, sondern ganz im Sinne von Edwin Jacobs (Direktor Dortmunder U) , die Verbindung von Kunst und Stadtgesellschaft verstärken und mögliche Hemmschwellen abbauen.
Bei der ersten Veranstaltung am Mittwoch, den 29.11.2017 führte Dr. Nicole Grothe, Leiterin der Sammlung. Zum Thema „Du und Ich“ durch die Mitte November eröffnete Ausstellung „Fast wie im echten Leben“. Ars tremonia war bei der Premiere des Formats anwesend.
Es geht um die Wechselwirkung von Kunst und Betrachter. Wir sehen die Kunst, und die Kunst blickt zurück. Was verändert sich bei und in uns durch sie? Die knappe halbe Stunde war bewusst auf Kommunikation angelegt. Dr. Grothe fragte die Anwesenden direkt nach ihren Eindrücken zu den gezeigten Porträts.
Dr. Nicole Grothe führte die Besucher durch die erste Kunstpause im Museum Ostwall.
Gezeigt wurden Selbstporträts (z.B. von Max Beckmann) oder die auf längere Lebensdauer angelegten Porträts wichtiger Persönlichkeiten in Gips, Stein oder Bronze vom Hörder Bildhauer Bernhard Hoetger. Spannend und symbolhaft war das ganz andere Selbstporträt von Dieter Roth. Er zeigt sich als vielfaches „Löwenselbst“ mit ganz vielen, als kleine Löwen aus Schokolade gemacht – mit deutlichen Verfallserscheinungen. Das zeugt nicht nur für Humor und dem erleben der eigenen Vergänglichkeit, sondern auch von der Vielschichtigkeit seiner Persönlichkeit.
Das die Begegnungen zwischen Du und Ich auch von gesellschaftlich gewachsenen Verhaltensmustern geprägt ist, zeigt zum Beispiel die Arbeit von Freya Hattenberger.
Sie weist mit ihrem Video-Statement „Ich bin‘s“ gängige Erwartungen an weibliches Rollenverhalten mit Selbstbewusstsein zurück.
Die halbstündige Kunstpause war kurzweilig und inspirierend nachhaltig.
Die nächsten „Kunstpause am Mittag“ unter der Leitung von Dr. Nicole Grothe finden zu anderen Themen jeweils am Mittwoch den 13.12.2017, 10.01.2018 und den 14.02.2018 von 13:30 bis 14:00 Uhr statt.statt.
Pieter Hugo – künstlerische Spuren einer postkolonialen Gesellschaft
Das Museum für Kunst und Kulturgeschichte (MKK) in Dortmund und ihr Direktor Dr. Jens Stöcker freuen sich sehr, als zweite Stadt nach Wolfsburg in Deutschland die Ausstellung Pieter Hugo „Between the devil and the deep blue sea“ in ihren Räumlichkeiten vom 25.11.2017 bis 13.05.2018 zeigen zu können.
Rund 200 Stillleben, Porträts und Landschaftsbilder besitzen eine starke Bildsprache. Sie macht die Spuren und Narben sichtbar, die durch durch Kolonialzeit und Apartheid im Kontinent Afrika hinterlassen wurden. Andererseits zeugt sie vom einen mutigen und selbstbewussten Blick nach vorne.
Es sind keine dokumentarischen Fotos, sondern gestellte Fotografien, die sensibel Geschichten erzählen. Die Arbeiten zeigen die Menschen respektvoll in ihrem Zwiespalt von Ideal und Realität, Tradition und Moderne. Die Menschlichkeit steht oft im Kontrast zur sozialen Härte. Wie Hugo selbst sagt, versucht er in langen Gesprächen mit den beteiligten Personen, den „Augenblick der Zulassung der freiwilligen Verletzlichkeit“ einzufangen. Seine Stillleben Porträts gleichen Metaphern oder aufklärerischen gesellschaftlichen Kommentaren.
Der 1976 in Südafrika geborene südafrikanische Künstler erlebte am Ende seiner Schulzeit 1994, das Ende des Apartheid-Regimes in seinem Land. Zur selben Zeit fand ein brutaler Genozid in Ruanda statt. Die Ausstellung ist in mehrere Serien aufgeteilt. Die Erste hat den Namen „1994“ und zeigt Porträts von Kindern, die in diesem Jahr geboren wurden.
Pieter Hugo mit einem Foto aus der Serie „1994“.
Die Bandbreite der weiteren Serien geht von der „Familiensippe“, humorvoll über „Nollywood“ (afrikanische kleine Filmproduktionen) bis hin zu politisch brisanten Fotografien aus einer Elektroschrott-Müllhalde in Ghana („Permanent Error“). Dort sammeln Menschen den Elektroschrott oder verbrennen ihn, um ein wenig Geld zu verdienen. Das ganze unter gesundheitsgefährdenden Umständen.
Eindrucksvoll sind auch zwei Aufnahmen aus der Vogelperspektive. Sie zeigen ein gut bewachtes Viertel der „Reichen“ neben einem nur fünf Kilometer entfernt liegenden ärmlichen „Township“ in Südafrika. Dabei sind die Grenzen durchlässiger geworden. Es gibt nicht nur die „reichen Weißen“ und „armen Schwarzen“, so die Wolfsburger Kuratorin Dr. Uta Ruhkamp.
Fotografiert hat der Künstler nicht nur in Südafrika oder Ruanda, sondern auch in Nigeria und Ghana. Eine Abteilung zeigt auch respektvolle Bilder von obdachlosen in San Francisco oder auch Fotografien aus der chinesischen Kultur zwischen Tradition und Moderne.
Die Ausstellung endet mit dem ironischen „There‘s a Place in Hell for me and my Friends“. Hier zeigt Pieter Hugo Porträts von all seinen Freunden. Den ehemals farbigen Porträts wurde nachträglich die Farbe entzogen. So sind alle Personen nicht nur in ihrem „Schwarz-Weiß“ gleich, sondern auch jede Pore und Unebenheit im Gesicht ist erkennbar.
Informationen über das umfangreiche Begleitprogramm und den Katalog zur Ausstellung erhalten Sie unter info.mkk@stadtdo.de oder www.mkk.dortmund.de oder telefonisch unter 0231/ 50 26028
Juliana Borinski – Experimentelle Fotografie im Kunstbetrieb
Der Dortmunder Kunstbetrieb in der Gneisenaustraße zeigt in ihren Räumlichkeiten vom 25. November bis 23. Dezember 2017 unter dem Titel „Visual Agnosia“ (Visuelle Blindheit) insgesamt 50 arbeitsintensiv entstandene experimentelle Fotografien der brasilianisch-deutschen Künstlerin Juliana Borinski. Sie ist 1979 in Rio de Janeiro (Brasilien) geboren, lebt heute in Paris. Als Kosmopolitin ist sie aber nicht nur dort zu Hause.
Bei ihrer Arbeit setzt sie nicht auf analoge oder digitale Fotoapparate, sondern es interessieren sie mehr die spannenden Prozesse der Photochemie. Es entstehen dabei Arbeiten auf lichtempfindlichen Photopapier sowie Bilder auf Papier. Wie sie betonte, möchte sie den perfektionistischen digitalen Fotografien etwas entgegensetzen, was die Fantasie der Betrachter anregt.
Die Fotoarbeiten entstanden ohne Kamera: Fotokünstlerin Juliana Borinski.
Obwohl sie ein modernes Handy besitzt, nutzt sie dieses nur als Ideenstütze und für Schnappschüsse. Die Dunkelkammer mit ihren vielfältigen Möglichkeiten ist da eher ihre Welt. Da „kribbelt es mehr“ bei ihr, wie sie beim Pressegespräch erklärte. Es gibt aber noch ein weiteres Argument für sie: „Filme halten 100 Jahre, Festplatten vielleicht fünf Jahre oder etwas mehr“.
Sie nutzt für ihre Arbeiten zumeist lichtempfindliches Photopapier und die Chemie. Der Herstellungsprozess ist kompliziert und im Ergebnis überraschend. Eine Reihe der Bilder entstanden beispielsweise durch Langzeitbelichtung auf Metallplatten, die später, nach ihrer photochemischen Aufbereitung, auf Papier gedruckt wurden. Ihre „Fotoobjekte“ sind unter anderem einfacher Staub, Seifenblasen oder zerknülltes Papier, welche als solche für das Auge des Betrachters dann nicht mehr zu erkennen sind. Froh ist die Künstlerin darüber, dass es auch im digitalen Zeitalter Unternehmen gibt, die noch Filme, Fotopapiere und die notwendige Chemie herstellen. Die Nachfrage dafür wächst.
Borinski ist mit ihren Arbeiten im In-und Ausland auf vielen Ausstellungen vertreten und hat einen in der Fachwelt beachteten Vortrag vor der Stiftung Henri Cartier-Bresson in Paris zum Thema „Die lichtempfindliche Geschichte der Fotografie ohne Kamera“ gehalten
Die Vernissage ist am Samstag, den 25. November 2017 um 18:00 Uhr im Kunstbetrieb, Gneisenaustraße 30, 44147 Dortmund.
Zur Eröffnung spricht der Künstler und Philosoph Klaus Pfeiffer
Sturm auf den Winterpalast – Forensik eines Bildes im HMKV
Unter dem Titel „Sturm auf den Winterpalast- Forensik eines Bildes“ zeigt der Hardware MedienKunstVerein im (HMKV) im Dortmunder U auf der Ebene 6 vom 25.11.2017 bis zum 08.04.2018 Teil Eins einer Doppelausstellung, die inhaltlich nichts miteinander zu tun haben, aber gut zusammen passen, so Inke Arns, die Direktorin des HMKV und Kuratorin der Ausstellung. Gemeint ist damit die Ausstellung „Die Grenze“.
Im Jahr 2017 jährt sich zum die Oktoberrevolution und Geburtsstunde der ehemaligen Sowjetunion zum hundertsten Mal. Im Blickpunkt dieser Ausstellung steht deren Gründungsmythos, der sich in der bekannten Fotografie „Sturm auf den Winterpalast“ manifestiert. Das Foto stammt allerdings nicht vom historischen Ereignis selbst, sondern von einem mit vielen Statisten nachgestellten theatralen Reenactment aus dem Jahr 1920 unter der Regie von Regisseur Nikolaj Evreinov. Die Ausstellung präsentiert Filmaufnahmen und Fotografien der „scheinbaren Realität“ und stellt sie dem eigentlichen realen Foto gegenüber. Es gab keine Revolution der Massen, sondern es war nur eine Handvoll Rotgardisten, die eine Gruppe Minister gefangen nahm, die längst aufgegeben hatten.
Die beiden Kuratorinnen der Ausstellung: Inke Arns (links) und Sylvia Sasse.
Aus einer retuschierten Fotografie wurden ein „historisches Dokument“ zur kulturellen Identitätsstiftung in der Sowjetunion. Dokumentiert wird das auch in den damaligen Schulbüchern.
Es ist aber keine historische Ausstellung zum „Sturm auf den Winterpalast“, wie Arns betonte. Es geht vielmehr darum zu verdeutlichen, wie fragil die Entstehung von Geschichte ist und um den Kontrast von Schein und Sein. Im digitalen Zeitalter durchaus von aktueller Brisanz.
Untermauert wird das durch neue Arbeiten zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler, die das Reenactment kommentieren und in einen politischen Zusammenhang bringen. Eindrucksvoll ist da als Beispiel ein höchst aktuelles Video von Regisseur und Autor Milo Rau. Es in Ausschnitten die in der Berliner Schauburg vom 03. bis 05. November 2017 durchgeführte „Generalversammlung“ mit sechzig Abgeordneten aus der ganzen Welt. Diese widmeten sich mit ihrem Entwurf eines Weltparlaments den globalen Problemen Menschenrechtsverletzungen, Steuerung ökologischen Entwicklungen oder sozialer Ungerechtigkeit. Stellvertretend für alle betroffenen Menschen, die kein politisches Mitspracherecht haben,wollten sie das neu gewählte deutsche Parlament herausfordern.
Zusammen mit der Wanderausstellung „Die Grenze“ wird die Ausstellung am Freitag, den25. November 2017 um 19:00 Uhr im Dortmunder U (HMKV) auf der Ebene 6 eröffnet.
Begrüßung: Edwin Jacobs, Direktor Dortmunder U
Einführung der Kuratorinnen: Dr, Inke Arns, Direktorin HMKV und Prof. Dr. Sylvia Sasse (Slavisches Seminar, Universität Zürich).