Spannende Einblicke in die Kunstszene von Novi Sad

„Schere, Stein, Papier“ ist ein einfaches Spiel, um
Entscheidungen herbeizuführen. Bekannt ist es auch unter „Schnick,
Schnack, Schnuck“. In der BIG gallery stellen 12 Künstlerinnen und
Künstler aus Novi Sad vom 11.08. bis zum 30.08.2019 unter dem Titel
„Stein-Papier-Schere“ ihre Arbeiten aus. In ihren Positionen geht
es auch um die Frage von Macht, Gerechtigkeit, Entscheidungsfindung
und Glück. Die Kuratorin der Ausstellung war Maja Erdeljanin vom
Kultur Centrum in Novi Sad.

Das Schöne beim
„Schere, Stein, Papier“, ist ja, dass kein Element eine führende
Rolle einnimmt. Jedes wird von einem Element geschlagen und besiegt
eines. Keines ist besser als der andere. Diesen Aspekt der
Ausstellung greift Danijel Babić mit einem gleichnamigen Stück
konkret auf. Babić stellt eine problematische emotionale Beziehung
zwischen zwei Menschen dar, bei der jeder von ihnen versucht, über
den anderen zu dominieren. Durch reduzierte Figuren und Linien, fast
ohne Farbe, gibt er eine klare grafische Darstellung der persönlichen
Enttäuschung.

Doch „Schere,
Stein, Papier“ sind natürlich auch Materialien und Werkzeuge.
Während Papier sofort Assoziationen mit Malerei oder Grafiken weckt,
wird es bei Stein schwieriger, denn es sind kein Skulpturen zu sehen.
Und die Steine, die zu sehen sind, führen den Betrachter in die
Irre, denn Danica Bićanić zeigt weiche Objekte, die an Steine
erinnern und eigentlich entweder Stapel von Plastiktüten mit Müll
oder Nylons sind, die zu einer Collage auf einer Papieroberfläche
verarbeitet wurden. Interaktive Skulpturen aus Weichgummi, genannt
„Shaping“, sind für das Publikum da, um sich nach Belieben
zu formen, so dass die willigen Besucher Künstler werden und
gemeinsam die Realität, d.h. die Skulptur, in Abhängigkeit von
ihren unterschiedlichen Wahrnehmungen, Beziehungen und Kommunikation
gestalten können.

"Stein-Papier-Schere" - Kunst aus Novi Sad in der BIG Gallery vom 11.08. bis 30.08.2019. (v.l.n.r.) Peter Kaetsch (Vorstand der BIG direkt gesund), Pia Bohr (Dortmunder Gruppe), Mileta Poštić (Künstler), Alexander Pohl (Dortmunder Gruppe), Maja Erdeljanin (Kuratorin und Künstlerin), Georg Vinokic (Künstler) und ein Techniker.
„Stein-Papier-Schere“ – Kunst aus Novi Sad in der BIG Gallery vom 11.08. bis 30.08.2019. (v.l.n.r.) Peter Kaetsch (Vorstand der BIG direkt gesund), Pia Bohr (Dortmunder Gruppe), Mileta Poštić (Künstler), Alexander Pohl (Dortmunder Gruppe), Maja Erdeljanin (Kuratorin und Künstlerin), Georg Vinokic (Künstler) und ein Techniker.

Doch die Steine
kommen auch vor, in Form von Lithographien. Denn Lithographie wird
auch als Steindruck bezeichnet. Jelena Sredanović zeigt dem
Betrachter eine Vision eines freien Vogelfluges. In ihren farbigen
Drucken stellt sie den blauen Himmel über den Wolken dar und erhebt
sich über die vorübergehenden Schwierigkeiten, die uns vergessen
lassen, dass die Sonne immer wieder über uns scheint. Das Gefühl
der Leichtigkeit in den fast fotorealistischen Bildern von weichen
Wolken wird durch das sehr feine Japanpapier, auf dem diese
großformatigen Stücke gedruckt werden, verstärkt.

Jetzt fehlt nur noch
die „Schere“. Die ko0mmt bei den Kollagen zum Tragen. Ein gutes
Beispiel sind die Arbeiten der Kuratorin Maja Erdeljanin. Sie
versteht Collage als Ausgangspunkt für eine Geschichte über die
Momente, die nicht unvergesslich sind, die wir am wenigsten schätzen,
die aber den Großteil unseres Lebens ausmachen. Ihre Arbeit ist eine
Collage aus Bustickets, Flyern, Quittungen für bezahlte Rechnungen.
„The Days of Awareness“ ist ihr persönlicher Kalender und
Tagebuch, den sie gelegentlich seit mehr als 10 Jahren wieder
besucht, um für jedes Datum im Kalender ein Stück zu widmen.

Die Arbeiten der
zwölf Künstlerinnen und Künstler hängen nicht nur an den Wänden.
Goran Despotovski behandelt die menschliche Figur und die Rollen, die
wir während unseres Lebens einnehmen, sich anpassen, uns von außen
und innen verändern lassen. Die Druck- und Videoarbeit „Electricity“
schneidet die menschliche Hautoberfläche auf Segmenten wie ein
Schneidermodell. Es zeigt auch „Muster“ in Form von Poren
und Körperhaaren sowie Schäden, Hautstellen und Narben, die bei
längerem Gebrauch auftreten.

Die Ausstellung
bietet einen guten Einblick in die Kunstszene der serbischen Stadt
Novi Sad. Dieser Blick lohnt sich, denn die Dortmunder Partnerstadt
wird 2010/21 europäische Kulturhauptstadt werden. Sehr erfreulich
ist, dass die Künstlerinnen und Künstler der „Dortmunder Gruppe“
die Kontakte nach Novi Sad kontinuierlich pflegt.

Zu sehen sind
Arbeiten von: Danijel Babić, Danica Bićanić, Maja Erdeljanin,
Goran Despotovski, Jelena Đurić, Goran Jureša, Nebojša Lazić,
Lazar Marković, Mileta Poštić, Monika Sigeti, Jelena Sredanović
und Georg Vinokić.

Die Vernissage ist
am Sonntag, dem 11.08. 2019 in der BIG gallery um 11 Uhr.




Hoesch als bedeutender Motor des Dortmunder Hafens

Der Dortmunder Hafen
feiert in diesem Jahr seinen 120-sten Geburtstag. Passend dazu zeigt
das hiesige Hoesch-Museum vom 11.08.2019 bis zum 27.10.2019 mit ihrer
Sonderausstellung „Hoesch maritim“ eindrucksvoll die besondere
Funktion des Eisen- und Stahlwerks Hoesch und weiteren
Stahlindustriellen als Motor und Förderer und starker Partner des
Dortmunder Hafens sowie des Dortmund-Ems-Kanals.

Man kann sagen, ohne
das „komplexe Phänomen“ Hoesch mit seinem Netzwerk und
innovativen Ideen, gäbe es den Dortmunder Hafen wohl nicht. Mit der
Ansiedlung des Stahlwerks in unserer Stadt im Jahr 1871 hatte die
Familie Hoesch dank der Erz- und Kohlevorkommen in Dortmund und
Umgebung zunächst eine gute Wahl getroffen. Entscheidend war zudem,
dass die Stadt zum Knotenpunkt eines weitverzweigten Eisenbahnnetzes
geworden war.

Schon in den 1880er
Jahren erforderten die technischen Veränderungen in der
Stahlproduktion die Zufuhr von schwedischem Eisenerz. Um auf dem
Weltmarkt konkurrenzfähig zu bleiben, mussten neue Verkehrsweg und
Zugänge zum Meer erschlossen werden. Eisenbahntransporte allein
waren zu kostenträchtig und führten zu einem existenzbedrohenden
Wettbewerbsnachteil. Gemeinsam mit den anderen Dortmunder
Hüttenwerken sowie Bergbauunternehmen setzte sich Hoesch intensiv
für den Bau des Dortmunder Hafens und des Dortmund-Ems-Kanals ein.

Die Geschichte des Dortmunder Hafens ist mit der Geschichte von Hoesch verknüpft. Am Steuerrad sind (v.l.n.r.) Wolfgang E. Weick (stellv. Vorsitzender der Freunde des Hoesch-Museums), Hans Wacha (Hoesch-Museum) und Isolde Parussel (Leiterin des Hoesch-Museums).
Die Geschichte des Dortmunder Hafens ist mit der Geschichte von Hoesch verknüpft. Am Steuerrad sind (v.l.n.r.) Wolfgang E. Weick (stellv. Vorsitzender der Freunde des Hoesch-Museums), Hans Wacha (Hoesch-Museum) und Isolde Parussel (Leiterin des Hoesch-Museums).

Die Ausstellung gibt
Zeugnis von Stahlprodukten, Wasserwegen und Schiffsbau und
dokumentiert über 100 Jahre maritime Partnerschaft. Die Firma Hoesch
und ihre Unternehmen investierten in Reedereien und Werftanlagen,.
Sie halfen bei der Erweiterung der deutschen Kanalwege. Die
Erfordernisse der Globalisierung machte diese Maßnahmen auch damals
schon notwendig. Übrigens: Der Hafen wurde überwiegend von
holländischen und italienischen Arbeitskräften bewerkstelligt.
Exponate unter anderem aus dem Thyssen-Krupp Konzernarchiv geben
einen kleinen Überblick.

Historische
Ansichten und Gemälde des Hafens, alte Fotografien aus der
Union-Vorstadt (Werksiedlung 1871 -1961) oder Modellschiffe zeigen
das Arbeiten und Leben mit dem Wasser. Globale maritime
Verflechtungen von Hoesch lassen Teile einer Holzspundwand, kleine
Anker sowie einer Auswahl von Erzen aus aller Welt die Besucherinnen
und Besucher erahnen. Zwei kleinere Filme aus den 1950er Jahren geben
Einblicke in die Kanalschifffahrt.

Mittelpunkt der
Sonderausstellung ist allerdings die selten gezeigte
Hoesch-Denkschrift aus dem Westfälischen Wirtschaftsarchiv. Diese
handschriftlich festgehaltene Denkschrift aus dem Jahr 1894 war
auslösend für den Bau des Hafens..

Zur Ausstellung
erscheint ein Textheft „Hoesch Maritim“ (Hans Wacha,
ehrenamtlicher Mitarbeiter Hoesch-Museum) und ein Fotoband
„Streifzug durch 120 Jahre Dortmunder Hafen“.

Als Abschluss
verbindet sich Vergangenheit und Gegenwart mit einem großen
Steuerrad (Jahr 1930) vor der Silhouette des aktuellen Hafenkanals.

Die Ausstellung wird
am Jahrestag der Hafeneinweihung am Sonntag, den 11.August 2019 im
Hoesch-Museum ( Eberhardstr. 12, 44145 Dortmund) um 11:00 Uhr
eröffnet.

Übrigens: Am Donnerstag, den
05.09.2019 findet um 18:00 Uhr ein Museumsgespräch statt. Unter dem
Titel „Das Schiffshebewerk Henrichenburg und der Schleusenpark
Waltrop“ gibt der Leiter des LWL-Industriemuseums in Waltrop, Dr.
Arnulf Siebeneicker Einblicke in die Geschichte und Gegenwart des
Schiffshebewerks (mit seinen aktuellen Problemen).




Doppelausstellung mit spitzer Feder im Kunstbonbon

Nach der Sommerpause geht es in dem kleinen, aber feinen Kunstbonbon
(Chemnitzer Str. 11) in Dortmund mit einer erfrischend boshaften und
„spitzfedrigen“ Ausstellung unter dem Titel „Nur nicht
persönlich werden!“ (Zeichnungen, Malerei und Literarisches von
Volker Krieger und Peter Bucker) vom 03.08.2019 bis zum 07.09.2019
weiter.

Ungewohnt ist, dass
zwei Männer ausstellen und dass es eher „unbunt“ wird. Es werden
hier überwiegend Zeichnungen gezeigt. Für seine Bilder,
Zeichnungen, Grafiken und Illustrationen (etwa Plakate für das
Mikrofestival, Buchcover oder Motive für Kampagnen) ist vor allem
Peter Bucker bekannt. Mit dem Namen Volker Krieger verbindet man eher
Filmisches (Beteiligungen mit experimentellen und satirischen
Kurzfilmen, Videoclips über Kunstausstellungen u.a.).

Nun entwickelte sich
wieder seine literarische und zeichnerische Ader als Ausdrucksform.
Seit 2015 sehr intensiv in „Selbstgesprächen“, die ihren
lyrischen Niederschlag zu Nachtzeiten als „Facebook-Elegien“.
Seit 2018 wurde sein zeichnerisches Talent wieder neu belebt. Mit
schwarzem Fineliner entstanden in Hochformat (13 x 15 cm) intensive
Selbstporträts. Sie stellen stark reduzierte minimalisierte
Köpfe/Gesichter dar, die eine Haltung und eigenen Charakter
ausdrücken.

Volker Krieger und Peter Bucker zeigen ihre Arbeiten im Kunstbonbon.
Volker Krieger und Peter Bucker zeigen ihre Arbeiten im Kunstbonbon.

Von Peter Bucker werden unter anderem Federzeichnungen aus der reihe „Wicht-Ich“ zu sehen sein. Der Künstler nimmt sich die „Leute von heute“ ironisch – humorvoll mit einem feinen Federstrich vor. Mal fein schraffiert, mal etwas ruppig ausgeführt. Außerdem sind auch Werke der Serie „ego“ auf Wellpappe zu sehen. Sie sind mit Hilfe von Tusche, Acryl und Pigment entstanden und Bucker nennt sie einen „kalligrafischen Ausflug ins innere Zentrum deiner selbst“.

Die Kunst kann zudem
jeweils in kleiner Buchform gekauft werden.

Die Vernissage
findet am Samstag, den 03.08.2019 um 15.00 Uhr im Kunstbonbon
(Chemnitzer Str. 11) in Dortmund statt. Worte: Peter Bucker und
Volker Krieger




3D-Drucke zum Eintauchen im Torhaus Rombergpark

In der Städtischen Galerie im Torhaus Rombergpark sind vom
28.07.2019bis zum 18.08.2019 über 25 neue manuelle 3D-Drucke (teils
digitale 3D-Drucke) des bildenden Künstlers Marc Bühren (Atelier in
Dortmund-Hörde) zu bewundern. Seit 2917 entdeckte er den manuellen
3D-Druck für sich und konnte seine erste Installation zum DEW21
Kunstpreis im Dortmunder U auch schon erfolgreich präsentieren.

Für die Technik des
manuellen 3D-Drucks erhält er maßgebliche Unterstützung durch eine
amerikanische Firma, die Ausstellungen wie diese erst ermöglichen.

Bühren arbeitet mit
einem sogenannten „3Doodler“, einem 3D Stift, der es ermöglicht,
kreative dreidimensionale Kunstwerke zu erschaffen. Da ihm die
Nachhaltigkeit wichtig ist, werden hier Bio-Kunststoffe verwendet,
die auch kompostierbar sind. Die Ausstellung mit dem Titel
„Immersion“ wurde extra für das Torhaus Rombergpark konzipiert
und hat auch einen Bezug zur Flora, Fauna und Geschichte des Parks,
wie etwa die Ermordung jüdischer und politische Häftlinge hier noch
kurz vor ende des NS-Regimes.

Der Titel
„Immersion“ bezieht sich auf das emotionale „Eintauch-Erlebnis“
in das Kunstwerk. Es ist zunächst frei von jeglichen
Interpretationsversuchen. Erstmals kombiniert der Künstler zum Teil
den manuellen und den digitalen 3D-Druck miteinander. Die
BesucherInnen werden zu einer optischen Erforschung aus verschiedenen
Blickwinkel eingeladen.

Marc Bühren zeigt außergewöhnliche Arbeiten im Torhaus Rombergpark, die mit der 3d-Drucktechnik entstanden sind.
Marc Bühren zeigt außergewöhnliche Arbeiten im Torhaus Rombergpark, die mit der 3d-Drucktechnik entstanden sind.

Die Farben schwarz,
weiß und rot sind dabei vorherrschend. Benutzt werden zudem
Substanzen wie Schellack, Moorlauge, Pigmente, Kreide, Bienenwachs,
Canauberwachs, Leinölfirnis oder Eitempera

Die Natur sowie Aspekte zur kritischen Hinterfragung der Wohlstandgesellschaft spielen eine bedeutende Rolle in dieser Ausstellung. Das zeigt zum Beispiel eine als Herzstück sich mitten im Raum freistehende Installation mit dem Titel „Evolution“. Sie besteht aus einer raumgreifenden multiplen Zeichnung, eine Baumstruktur kombiniert mit kulturellen Fundstücken aus dem Rombergpark. Wie Bühren beim Presserundgang erklärte, stammen diese „Hinterlassenschaften“ von einer großen Hochzeitsfeier hier im Rombergpark zur Pfingstzeit.

Außerdem werden
fünf Kunstwerke auf Galeriesockeln sowie verschiedene Wandobjekte
präsentiert.

Es lohnt sich, in diese außergewöhnliche Kunst-Installation mit der 3D-Technik einzutauchen und sich auf sie einzulassen. Der Künstler spielt geschickt mit der Multiplikation und Imitation natürlicher Formen und Strukturen, sowie auch mit den Sehgewohnheiten der Ausstellungsbesucherinnen und Besucher.

Die Vernissage der
Ausstellung „Immersion“ findet am Sonntag, den 28.07.2019
in der Städtischen
Galerie Torhaus Rombergpark
um 11:00 Uhr statt.

Werkeinführung: Michael Schulz-Runge
(Kunstvermittler)

Öffnungszeiten:

dienstags bis
samstags: 14.00 – 18:00 Uhr

sonntags und
freitags: 10:00 – 18:00 uhr




Ausstellung im Künstlerhaus erinnert an Christine Refke

Eine beeindruckende Werkschau von Christine Refke ist zur Zeit im
Dortmunder Künstlerhaus zu sehen. Die Dortmunder Künstlerin starb
im November 2017 mit nur 57 Jahren. Unter dem Titel „Wo komm ich
her, wo gehe ich hin“ haben ihre Kinder Nehle und Manuel gemeinsam
mit Freunden aus dem Nachlass eine wunderbare Auswahl an Grafiken,
Malereien, Skizzen und Skulpturen zusammengestellt, die die große
Begabung von Christine Refke aufzeigt.

Im
Andenken an Christine Refke weicht das Künstlerhaus vom Konzept
ausschließlich Gruppenausstellungen zu zeigen ab, und stellt die
gesamte Ausstellungsfläche für mehr als 100 Werke zur Verfügung.
Die Objektdesignerin arbeitete von 1988 bis 1994 im Künstlerhaus.

Die
Organisation vor Ort übernahmen Peter Schmieder und Mira Posingies
vom Künstlerhaus, die Laudatio am Abend der Vernissage hielt Hans
Dieter Christ, heute stellvetetender Kurator des Württembergischen
Kunstvereins Stuttgart. Er war zeitgleich mit Christine Refke im
Künstlerhaus tätig.

Bei
der Sichtung des Nachlasses reifte bei den Kinder Nehle und Manuel
Refke und den Freundinnen Claudia Schurian, Dina Nur und Ulla
Illerhaus der Entschluss das umfangreiche Werk von Christine Refke in
einer Ausstellung zu zeigen.

Künstlerkollegen Dina Nur, Hans Dieter Christ und Claudia Schurian (links) und die beiden Kinder Manuel und Nehle Refke präsentieren Arbeiten von Christine Refke. (Foto: © Anja Cord)
Künstlerkollegen Dina Nur, Hans Dieter Christ und Claudia Schurian (links) und die beiden Kinder Manuel und Nehle Refke präsentieren Arbeiten von Christine Refke. (Foto: © Anja Cord)

Monatelang
sichteten, fotografierten und katalogisierten die Geschwister die
über 1000 Werke von Christine Refke und waren immer wieder von der
großen Bandbreite der Arbeit ihrer Mutter beeindruckt.

Christine
Refke studierte Objektdesign an der Fachhochschule Dortmund mit den
Schwerpunkten Malerei und Bildhauerei. Sie beteiligte sich an
zahlreichen Gruppen- und Einzelausstellungen, war häufig in der
Ausstellung zum Dortmunder Kunstkalender zu sehen und ihre Bilder
wurden mehrfach für den Kalender ausgewählt.

Seit
2001 arbeitete sie im Fachbereich Architektur der FH Dortmund im
Bereich Mediendidaktik und Visualisierung. Dass ihre künstlerische
Arbeit dadurch nur noch eingeschränkt möglich war, war für sie
manchmal schwer zu ertragen.

Während
die älteren Bilder und Grafiken sich sehr mit düsteren und
melancholischen Themen beschäftigen, sprühen die Bilder ihres
späteren Schaffens voll Lebensfreude in hellen, grünen und rosa
Farben. Bilder dieser Periode waren in ihrer letzten Ausstellung im
Torhaus Rombergpark zu sehen. Ein immer wiederkehrendes Motiv ist der
„Meaux“. Fabeltiere oder Ungeheuer, manchmal wie vorwitzige
Comicfiguren gezeichnet und doch in keinem Fall eindimensional
tauchen in den verschiedensten Varianten und Zusammenhängen immer
wieder auf. Die Faszination der „Meaux“ packte die Künstlerin
während der Besichtigung französischer Kirchen und der skurrilen
Anmutung der Wasserspeier.

Wenn
man von Raum zu Raum wandelt und die Kraft und Dynamik der Bilder
sich dem Besucher mitteilt, wird es nie langweilig. Die Kunstwerke
bieten dem Betrachter immer neue Anknüpfungspunkte um einen Einstieg
in das jeweilige Bild zu finden. Ein Oeuvre, das einmal mehr bedauern
lässt, dass es keine Fortsetzung erfahren wird.

Die
wunderbaren Bilder von Christine Refke sind noch von Donnerstag (25.
7.) bis Samstag 27.7.) jeweils von 16 Uhr bis 19 Uhr zu besichtigen.
Am Sonntag den 28. 7. beginnt die Finissage um 17 Uhr.




Werkschau zeigt Arbeiten von Jan Bormann im Torhaus

Noch bis zum 21. Juli 2019 zeigt die städtische Galerie Torhaus
Rombergpark die Ausstellung „Skulpturen Plastiken Montagen“ von
Jan Bormann. Bormann ist 1939 in Dortmund geboren, lebt aber im
benachbarten Castrop-Rauxel. Die Ausstellung präsentiert ein großes
Spektrum seines Schaffens.

Nicht alles hat
Platz gefunden im Ausstellungsraum, so scheint es. Im
Einzelstrangbereich sind verschiedene Holz- und Stahlskulpturen von
Bormann zu sehen. Eindrucksvoll Basieren die Formen auf
geormetrischen Mustern: Würfel, Kugel oder vor allem Stelen. Auch im
eigentlichen Ausstellungsraum in der ersten Etage hat man manchmal
den Eindruck, Votivfiguren von alten, vergessenen Völkern aus der
Südsee zu begegnen.

Schon im Eingangsbereich des Torhauses präsentiert Jan Bormann seine typischen Arbeiten.
Schon im Eingangsbereich des Torhauses präsentiert Jan Bormann seine typischen Arbeiten.

Der Ausstellungsraum
zeigt auch eine ganz besondere Facette von Jan Bormann: Kunst im
öffentlichen Raum. Seine Installationen und Skulpturen im
öffentlichen Raum. Da diese absolut den Rahmen des Torhauses
sprengen würden, sind sie auf Fotos präsent, die an den Wänden
hängen. Beeindruckend sind sie durch ihre Verschiedenheit allemal.

Neben lebendigem
Material wie Holz und dem Werkstoff Stahl hat sich Bormann in
jüngster Zeit einem besonderen Material gewidmet: Computerplatinen.
Auch wenn Platinen massenhaft industriell hergestellt werden, sind
sie doch von Menschen konzipiert worden. Platinen bestehen aus
Kunststoff und Metall und Bormann verbindet sie beispielsweise mit
dem Ur-Material Holz zu einem eigenen Kunstwerk. Ein Beispiel ist
aktuell auch in der Gemeinschaftsausstellung in der BIG gallery zu
sehen.

Alles in allem
zeigen die über 50 Werke eine große Bandbreite des künstlerischen
Schaffens von Jan Bormann.




Werkschau der Dortmunder Gruppe

Vom 07.
Juli bis 04. August 2019 zeigt die Künstlervereinigung DORTMUNDER
GRUPPE eine Gemeinschaftsausstellung von 16 der 25 Künstler in der
BIG gallery. Zu sehen sind Malerei, Grafik, Fotografie und Skulptur.
Die Mitglieder der Gruppe zeigen einen repräsentativen Querschnitt
ihres derzeitigen Schaffens.

Die
Kohlestaub-Landschaften von Marlies Blauth sind Schwarz-Weiß
gehalten. Ihre abstrakten Werke wirken irgendwie düster oder wie aus
einem alten Zeichentrickfilm entsprungen.

Die
Bildhauerin Pia Pohr präsentiert diesmal keine Skulpturen, sondern
Holzschnitte, die mit alten Stempeln verziert sind. Dadurch bekommen
ihre „Schwarzen Madonnen“ eine Art Heiligenschein.

Jan
Bormanns „Digilogos“ verbindet das uralte Material Holz mit
Platinen. So wird der Zwiespalt oder die Symbiose zwischen
organischem und anorganischem Material deutlich.

Hexen
haben es Mariana González Alberti angetan. Im Vorraum steht ihre
Skulptur „Triumph der Hexe“, im Saal hängen zwei Bilder von ihr.

Das
großformatige Werk von Michael Odenwaeller „Frauenstolz
Pentimento“ zeigt erotisch aufgeladene Bananen, Wolfgang Schmidt
präsentiert weitere Varianten seiner Figuren. Die Arbeiten stammen
zwischen 2012 und 2015.

Aktuelle
Positionen zeigen Sabine Held („Mischwald“) und Claudia Terlunen,
die mit drei Bildern vertreten ist.

Wie
schon bei den „ARTgenossen“ und in der Galerie „Kunstraum“
stellt Roul Schneider zwei seiner „Erdbilder“ aus. Die beiden
Werke tragen den Titel „Hommage an die Erde“ und bestehen aus
unterschiedlichen Materialien wie Erde aus dem Wurzelballen einer
alten umgestürzten Buche in Mecklenburg-Vorpommern.

Alexander
Pohl präsentiert zwei seiner großformatigen Bilder, die sich durch
zurückgenommene Farbigkeit auszeichnen. Dabei gibt es einen
Überraschungseffekt, denn der Betrachter kann auf die erste Schicht
schauen wie durch eine Öffnung.

Insgesamt
sind werke folgender Künstlerinnen und Künstler zu sehen: Mariana
González Alberti, Pia Bohr, Jan Bormann, Marlies Blauth, Sabine
Held, Gudrun Kattke, Silvia Liebig, Michael Odenwaeller, Brian John
Parker, Monika Pfeifer, Alexander Pohl, Christian Psyk, Erika A.
Schäfer, Wolfgang Schmidt, Roul Schneider und Claudia Terlunen. 

Die
Ausstellungseröffnung ist am Sonntag (07.07.19) um 11 Uhr in der BIG
gallery.




Dokumentarfotografie stellt Menschen in den Mittelpunkt

Mit der Ausstellung „encounters“ präsentieren vier
Dokumentarfotografen des DOCKS Collective vom 22. Juni bis 14. Juli
2019 im Künstlerhaus Dortmund ihre Arbeiten. Behandeln ihre Werke
unterschiedliche Themen, so ist doch immer der Mensch im Mittelpunkt.
Ob Klimawandel, Naturkatastrophe oder dörfliche Sitten und
Gebräuche: Überall prägt der Mensch durch sein Tun und Handeln
seine Umgebung. Zum Guten, aber auch zum Schlechten. Die Ausstellung
zeigt eindrucksvolle Bilder von aktuellen Langzeitprojekten.

Arne Piepke
fotografierte Schützenvereine und die dazugehörigen Schützenfeste
seiner Heimat im Sauerland. Er hat seinen Bildern den übergreifenden
Titel „Für Glaube, Sitte, Heimat“ gegeben, ein Motto, das noch
auf manchen Vereinsflaggen zu sehen ist. Warum haben die
Schützenvereine in den Dörfern noch eine Bedeutung, wollte Piepke
hinterfragen. Sie sind vor allem identitätsstiftend. Für
Jugendliche ist es oft der einzige Weg, sich in die Dorfgemeinschaft
zu integrieren. Es besteht schon ein gewisser Gruppenzwang. Piepke,
der die Schützenvereine drei Jahre lang begleitet hatte, erkannte
deutliche Unterschiede: Es gebe konservative Vereine und weniger
konservative, bei denen die Gemeinschaft wichtiger sei als das
Beharren auf Werte. Seine Bilder geben einen Einblick in eine Welt,
die oft nach bestimmten choreografischen Regeln arbeitet.

Mit „Incendio“
behandelt Fabian Ritter das Thema des verheerenden Waldbrandes in
Portugal 2018. Dabei vermeidet er Sensationsbilder und fragt sich
eher, wie geht es den Menschen jetzt. Seine Bilder sind an zwei
Wänden aufgehängt und zeigen Fotografien kurz nach dem Brand und
welche, die sechs Monate später aufgenommen wurden. Während die
Natur sich ganz langsam erholt, schwanken die Menschen zwischen
Resignation und Wiederaufbau. Die Landschaftsfotografien von Ritter
erinnern wegen der Farbe und dem Licht manchmal an Landschaftsmalerei
aus der Renaissance, aber ohne zu romantisieren.

Nicht nur in Dortmund gibt es „Horrorhäuser“, auch in Göttingen. Das „Iduna-Zentrum“ ist ein Relikt aus den 70er Jahren, als man vorhatte, ein luxuriöses Hochhaus zu errichten mit allen Besonderheiten wie Sicherheitsdienst, Pförtner oder Sauna. Doch die finanziell Bessergestellten nahmen das Projekt nicht an und so verwandelte sich das Vorzeigeobjekt zum sozialen Brennpunkt. Seit zweieinhalb Jahren begleitet Ingmar Björn Nolting, der mehrere Monate selbst dort lebte, mit seiner Reihe „Hinter Fassaden“ die Bewohner der Appartements im Kampf ums Überleben. Suchtkranke, SozialhilfeempfängerInnen, Geflüchtete und Menschen in Altersarmut prägen die Nachbarschaft. Noltings Bilder geben eindrucksvoll Zeugnis vom Kampf um ein klein wenig Würde in ihrer privaten Lebenswelt ohne voyeuristisch zu sein. Nolting ergänzt seine Bilder mit selbstverfassten Gedanken der Bewohner des Hochhauses zu ihrer Situation.

Ein See wird zur
Wüste. Die ökologische Katastrophe rund um den Urmia-See im
Nordwesten Irans ist in der Öffentlichkeit weitgehend ungekannt. War
der See vor einiger Zeit noch zehnmal größer als der Bodensee,
mittlerweile ist er auf ein Zehntel seiner ursprünglichen Größe
geschrumpft. Das führt zu vielen Problemen: Zunächst stieg der
Salzgehalt sehr stark an und ist mittlerweile mit dem Toten Meer zu
vergleichen. Darüber hinaus gibt es regelrechte Salzstürme, die die
Felder schädigen. Die Konsequenz: Bald könnten über 5 Millionen
Menschen aus der unwirtlicher werdenden Gegend fliehen. Maximilian
Mann Fotoreihe „Lake Urmia“ beschäftigt sich mit den sich
verändernden Lebensgrundlagen der Menschen und möchte damit auf das
Schicksal des Sees und der ihn umgebenden Bevölkerung aufmerksam
machen.

Mehr Informationen
zum DOCKS Collective unter https://dockscollective.com

Künstlerhaus Dortmund Sunderweg 1 | 44147 Dortmund
Öffnungszeiten Ausstellung Do – So 16 – 19 h




Ein Rundgang zur Kunst im Saarlandstraßenviertel

Am 15. und 16. Juni 2019 öffneten wieder Künstlerinnen und Künstler
im Saarlandstraßenviertel die Türen zu ihren Ateliers. Zu entdecken
gab es für die Besucher einiges: Skulpturen, Malerei, Objekte,
Grafik und andere Spielarten der bildenden Kunst. Der Autor machte
sich zusammen mit seiner Kollegin und Fotografin Anja Cord auf zu
Orten der Kunst.

Die Bildhauerin Pia
Bohr lud sich gleich drei Gäste ein. Petra Eick und Rosa Fehr-von
Ilten zeigten ihre Malerei in einem Zelt im Hinterhof des Ateliers.
Die abstrakten Arbeiten von Frank Pinkvoss waren im Atelier verteilt
und ergänzten sich mit den Arbeiten von Pia Bohr. Die Gastgeberin
präsentierte unter anderem ihre Bronzen.

Pia Bohr (Foto: © Anja Cord)
Pia Bohr (Foto: © Anja Cord)
 Frank Pinkvoss (Foto: © Anja Cord)
Frank Pinkvoss (Foto: © Anja Cord)
Rosa Fehr-von Ilten (Foto: © Anja Cord)
Rosa Fehr-von Ilten (Foto: © Anja Cord)
Petra Eick (Foto: © Anja Cord)
Petra Eick (Foto: © Anja Cord)

Weiter ging es zu
Roul Schneider, der in seinem Atelier unter anderem einige Arbeiten
seiner „wERDEn“ zeigte. Die aktuellsten Arbeiten sind in der
gleichnamigen Ausstellung im Kunstraum Dortmund zu sehen. Dina Nur
war leider nicht am Samstag vor Ort.

Roul Schneider (Foto: © Anja Cord)
Roul Schneider (Foto: © Anja Cord)
Eine Arbeit von Dina Nur. (Foto: © Anja Cord)
Eine Arbeit von Dina Nur. (Foto: © Anja Cord)

Sebastian Wien
stellte seine Objekte aus Metall aus. Der Clou: Bei einigen gibt es
einen Schlitz durch den der Betrachter durchsehen kann. Mit dabei war
auch Claudia Karweick die aufwändige Papiereliefs präsentiere.

Sebastian Wien (Foto: © Anja Cord)
Sebastian Wien (Foto: © Anja Cord)
Claudia Karweick (Foto: © Anja Cord)
Claudia Karweick (Foto: © Anja Cord)

Mathias Schubert
zeigte seine Malerei in seinem Atelier. Doch Schubert ist nicht nur
bildender Künster, er ist auch Bühnenbildner und Musiker und wird
in der Sportrevue „Der Trainer muss weg“ vom 17. bis 20. Juli im
Spiegelzelt zu sehen sein.

Mathias Schubert (Foto: © Anja Cord)
Mathias Schubert (Foto: © Anja Cord)

Unser Weg führte
weiter zum gemeinsamen Atelier von Claudia Terlunen und Sabine Held.
Held beschäftigte sich aktuell mit dem Thema „Wald“ und zeigte
abstrahierte, aber noch gegenständlich erkennbare Werke. Ähnlich
arbeitet Terlunen in ihrer Malerei, die sich das Gemüse als Thema
genommen hat.

Claudia Terlunen (Foto: © Anja Cord)
Claudia Terlunen (Foto: © Anja Cord)
Sabine Held  (Foto: © Anja Cord)
Sabine Held (Foto: © Anja Cord)

Zum Schluss
gelangten wir noch zu einem besonderen Ort: Dem ehemaligen(?)
Friseursalon „Loretta“. Hier stellten Thomas Autering und Silvia
Liebig passenderweise zum Thema „Haare“ aus. Auterings
Zeichnungen erschaffen haarige, mit Klauen und Tentakeln versehene
Urzeitkreaturen, während Liebigs Collagen sich kritisch mit dem
Themen „Haare“ und „Schönheit“ auseinandersetzen.

Silvia Liebig (Foto: © Anja Cord)
Silvia Liebig (Foto: © Anja Cord)
Thomas Autering (Foto: © Anja Cord)
Thomas Autering (Foto: © Anja Cord)



Drag – Die Verteidigung des Non-Konformen

Vom 15. Juni bis zum 18. August 2019 zeigt der Dortmunder Kunstverein die Gruppenausstellung „Display. Staging Identites“. In der Gruppenausstellung zeigen Johannes Paul Raether, Victoria Sin, Mikołaj Sobczak und Philipp Timischl ihre Positionen zum Thema „Drag“.

In
unserer Populärkultur ist „Drag“ meist mit dem Begriff der
„Dragqueen“ verbunden. Olivia Jones und Conchita Wurst sind
bekannte Beispiele aus
dem deutschsprachigen Raum. Doch Drag bezeichnet zunächst das
Auftreten in Kleidung des jeweils anderen Geschlechts, wobei ein
Charakter angenommen oder eine eigene Identität entwickelt wird.
Daher gibt es natürlich auch Dragkings, also Frauen in
Männerkleidung. Angefangen von Frauen, die als Soldaten in Kriege
zogen, bis hin zu Hosenrollen in der Oper. Die
barocke Oper war in der Hinsicht von Mann/Frau sehr flexibel. Das
Festival Klangvokal bot mit
dem Abend „Gender Stories“ einen schönen Einblick in dieses
Thema.

Doch
in der Ausstellung geht es um mehr als Unterhaltung, denn Drag hat
auch eine politische Seite, die als Werkzeug zur Selbstermächtigung
dient und die Möglichkeit einer immer wieder neu zu erfindenden
Identität bietet.

"A Weak Female Figure" von Victoria Sin erinnert ein wenig an das Grabtuch von Turin.
„A Weak Female Figure“ von Victoria Sin erinnert ein wenig an das Grabtuch von Turin.

Bilder
beschrieben Geschichte. Der polnische Künstler Mikołaj
Sobczak probiert sich an
der Umdeutung historischer Gemälde. In seinen jüngsten Arbeiten
setzt er sich mit der Hexenverfolgung auseinander. Bei ihm
triumphieren die angeklagten Dragqueens über
die als Dragkings gezeichneten Kirchenvertreter.

Johannes
Paul Raethers Thema ist die Reproduktionstechnologie.
In-Vitro-Technologie, Leihmutterschaft
und Pränatale Implantationsdiagnostik möchte er zur Gründung eines
anti-heteronormativen „ReproTechnoTribes“ nutzbar machen. Das
heißt, ein Kind könnte das Produkt mehrerer Väter und Mütter
sein.

Victoria
Sin sieht sich weder als weiblich noch als männlich. Ihre Definition
ist non-binär. Im Drag inszeniert sie sich als Frau, eine Kunstfigur
zwischen Marilyn Monroe, Marlene Dietrich und Jessica Rabbit. Sins
Videoarbeiten thematisieren die Objektifizierungen in der Kunst.

Für
Philipp Timischl ist Drag eine Methode zur Überwindung sozialer
Klassen. In seinen Arbeiten fragt er sich, welche
Codes und Normen es gibt, um in bestimmte Räume zu kommen. Reicht es
die Codes zu adaptieren?

Die Umdeutung historischer Gemälde ist das Interesse von Mikołaj Sobczak ("Witch Examination")
Die Umdeutung historischer Gemälde ist das Interesse von Mikołaj Sobczak („Witch Examination“)

Während
der Ausstellung gibt es auch ein Rahmenprogramm:

Am
Freitag, den 14. Juni, veranstalten die beiden Künstler Nicolas
Grafia und Mikołaj
Sobczak um 20 Uhr eine
Performance, ebenso wie am 02. August der Künstler
Adam Christensen (20 Uhr).

In
Kooperation mit dem Kino Schauburg werden dort die Filme
Victor/Victoria (04. Juli 2019, 20:15 Uhr) und ONE ZERO ONE (
25. Juli 2019, 20:15 Uhr)
gezeigt.

Matthias
Zalthen
bietet am 05. und 12. August von 11 bis 18 Uhr einen Workshop für
Kinder an. Die Teilnahme ist kostenlos, Anmeldung unter
info@dortmunder-kunstverein.de