Vitueller Blick in Ateliers

In Zeiten von Corona ist auch für die Kunstschaffenden und Kulturinstitutionen eine große Herausforderung. Der Schritt ins Digitale mit Streamings, virtuellen Museen oder Galeriebesuchen, Lesungen oder andere Performances sind im Augenblick die einzige Möglichkeit künstlerisch zu arbeiten und ein Publikum zumindest virtuell zu erreichen. Zudem wurden soziale Netzwerke intensiviert.

Eine Gruppe von innovativen Kulturmanagern und Digital-ExpertInnen aus dem Ruhrgebiet sehen auch eine große Chancen der Digitalität, gerade in dieser Zeit.

Beteiligte am kooperativen digitalen Projekt „Der erste Kontakt“ sind neben dem Dortmunder U (Kommissarischer Leiter: Dr. Stefan Mühlhofer) auch das storylab kiU der FH Dortmund (Leiter und Initiator des Projekts Harald Opel), das Kulturforum Witten (Vorständin: Jasmin Vogel) und Projektfabrik Witten sowie freie Kulturschaffende aus Bochum.

Wollen Kunstschaffende virtuell vorstellen: (v.l.n.r.) Beáta Nagy, Wolfram Lakaszus, Jasmin Vogel (Vorständin Kulturforum Witten), Harald Opel (Leiter kiU im U der FH Dortmund) und Dr. Stefan Mühlhofer, Geschäftsführender Direktor der Kulturbetriebe Dortmund. (Foto: © Katrin Pinetzki / Stadt Dortmund)
Wollen Kunstschaffende virtuell vorstellen: (v.l.n.r.) Beáta Nagy, Wolfram Lakaszus, Jasmin Vogel (Vorständin Kulturforum Witten), Harald Opel (Leiter kiU im U der FH Dortmund) und Dr. Stefan Mühlhofer, Geschäftsführender Direktor der Kulturbetriebe Dortmund. (Foto: © Katrin Pinetzki / Stadt Dortmund)

Kunstschaffende und ihre Arbeiten vorstellen – das ist ein Ziel des künstlerischen Experiments „Der erste Kontakt“. Im ersten Schritt geht es zunächst um die virtuelle Erkundung ihrer Ateliers und Werkstätten. Die User des „Ersten Kontakts“ wandern durch einen dreidimensionalen Kunstraum, neu zusammengebaut von diesen Ateliers und Werksstätten.

Die Nutzer können darin Kunst mit eingebetteten Videos, Sounds, 3D-Modelle (von den Objekten) entdecken.

Kunstschaffende, die sich an dem Projekt beteiligen, müssen zuvor ihre Räume und Kunstobjekte nach dem speziellen Verfahren der Photogrammetrie ablichten. Aus diesen Fotos entsteht der virtuelle Raum, der mit Performance und virtueller Kunst gefüllt wird.

Wie die Vordenker des innovativen Projekts beim Pressegespräch verrieten, geht es dann letztendlich um eine interdisziplinäre Kooperation über alle Kultursparten hinweg

Das ist eine große Aufgabe und Experiment. Wo es hinführt, wird man sehen.

Neben dem künstlerisch-innovativen Ansatz ist es das Ziel dieses Projekts, Kunstschaffenden eine finanzielle Unterstützung zu bieten. Dafür wird ein Budget bereit gestellt. Wie Harald Opel erklärte, hoffen die Initiatoren auch auf Gelder vom Land NRW.

Über die weitere Entwicklung wird die Öffentlichkeit über die Medien informiert.




Gedankenbilder zur Schöpfungsgeschichte im Torhaus

In der Städtischen Galerie Torhaus Rombergpark in Dortmund ist vom 07. bis zum 21. Juni 2020 die Ausstellung „Gedankenspross“ mit 28 Werken der Künstlerin Bärbel Thier-Jaspert zu sehen. Ursprünglich studierte Thier-Jaspert an der Fachhochschule Münster visuelle Kommunikation. Seit1999 ist sie Mitglied des Depot Dortmund und hat dort auch ihr Atelier. Neben Deutschland stellte sie unter anderem in Korea, China oder Ägypten aus.

Ihre Arbeiten in verschiedenen Formaten präsentiert sie zum großen Teil mit Grafitstift auf Papier oder Leinwand als zusammenhängende Rauminstallation. Die grafischen Arbeiten stehen gleichwertig neben malerischen Umsetzungen.

„Gedankenspross“ ist wie ein wachsender Keimling, der etwas zartes und gleichzeitig kraftvolles hat, so die Künstlerin. Als Zentrum in der Mitte des Raumes befinden sich im Halbkreis angeordnete über neun Gestelle hängende Zeichnungen auf Pappelholzstele („ Der Kreis“). Inspiriert wurde die Ausstellung von einem indischen (Veba) Text.

Mit dem Oberthema Schöpfungsgeschichte verbunden sind die grundsätzlichen Fragen wie: War am Anfang „Nichts“? Wo war oben, wo unten? Welcher Art sind die Gedanken, die alles formten? Die Natur spielt natürlich eine große Rolle.

Bärbel Thier-Jaspert zeigt ihre Arbeiten in der Galerie Torhaus mit dem Titel "Gedankenspross".
Bärbel Thier-Jaspert zeigt ihre Arbeiten in der Galerie Torhaus Rombergpark mit dem Titel „Gedankenspross“.

Sinnbildlich für diese vielen Gedanken erkennt man bei näherer Betrachtung auf einer Arbeit ganz klein eine „nachdenkende“ Person in hervorstechender roter Farbe.

Es entsteht ein Raum voller Gedankenbilder, der den Betrachtern viel Raum für eigene Assoziationen und Überlegungen lässt.

Die Arbeiten können auch käuflich erworben werden (Preisliste liegt aus)

Corona-bedingt fällt die übliche Eröffnungsveranstaltung am Sonntag, den 07.06.2020 aus. Das Torhaus ist jedoch für interessierte BesucherInnen geöffnet. Es dürfen jeweils acht Personen (natürlich mit Mund-Nasen-Schutz) herein gelassen werden.

Zur näheren Information ist ein Film mit einer Einführung der Kunsthistorikerin Anke Schmich unter www.virtuellegalerie-dortmund.de im Netz zu sehen.

Darüber hinaus macht das Kulturbüro die Ausstellung unter der Web-Adresse http://www.torhaus-rombergpark.de als virtuellen Durchgang verfügbar.




Jubiläumsausstellung „Zuhause bei Freunden“ im Museum Ostwall

Freunde sind gerade in der jetzigen Zeit wichtig. Im neuen Schaufenster auf der Ebene 6 des Museum Ostwall im Dortmunder U ist die Jubiläumsausstellung „60 Jahre Freunde des Museums Ostwall“ bis zum 30. August 2020 zu sehen.

Seit dieser langen Zeit begleiten die Freunde des Museums das MO sowohl finanziell mit Ankäufen oder Schenkungen, aber wie Dr. Stefan Mühlhofer auf einer Pressekonferenz betont, vor allem auch ideell.

Der Verein ging 2001 aus der Stiftergesellschaft der Förderung des Museums am Ostwall (gegründet 1960) in Dortmund hervor.

Bis jetzt unterstützte der Verein „Freunde des Museums Ostwall“ das MO allein mit knapp 500 Objekten und Dokumenten aus der Fluxus-Sammlung von Wolfgang Feelisch sowie Gemälde sowie Skulpturen (z.B. Hans Arp) aus dem Bereich der klassischen, der informellen bis hin zur Fluxus-Kunst.

Sie sind sozusagen Begleiter und Zeitzeugen der Geschichte des Museums Ostwall.

Die Kuratorin Natalie Calkozan stellte die Ausstellung zusammen.
Die Kuratorin Natalie Calkozan stellte die Ausstellung zusammen.

Viele interessante Ankäufe gelangen ihnen im Laufe der Jahre. Um nur ein Beispiel zu nennen: Im Jahr 2015 schafften sie es, ein Gemälde von Heinrich Nauen zurückzukaufen, das 1937 von den Nationalsozialisten als „entartet“ beschlagnahmt wurde und später wieder auf dem Kunstmarkt auftauchte.

Eine Auswahl der Werke wurde von der Kuratorin Natalie Calkozan aus einer freundschaftlichen „Fenstersicht“ zusammen gestellt.

Über ein besonderes „Geburtstagsgeschenk“ darf sich das Museum Ostwall freuen. Als Neuerwerbung zum 60. Geburtstag wurde von den Freunden des MO zusammen mit den Kulturbetrieben (für 50.000 Euro) drei Fotografien (Foto-Abzüge Großformat. gerahmt) der US-amerikanischen Künstlerin Nan Goldin (*1953) erworben, die in die Sammlung des Museums übergehen.

Die teilweise in Berlin lebende New Yorker Künstlerin gibt in ihren ausdrucksvollen Fotografien Einblicke in ihr Leben und das Leben ihrer Freunde aus der New Yorker Subkultur (Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transsexuelle).

Zu der Ausstellung wurde auch ein Katalog erstellt.




Fotoausstellung mit transzendentaler Bildwirkung im Studio des MKK

Nach der achtwöchigen Corona-Zwangspause freut sich das Museum für Kunst und Kulturgeschichte (MKK) in seinem auch von außen gut einsehbaren Studio bis zum 25. Oktober 2020 die Fotoausstellung „The Elements of Transcendence“ der innovativen, in Bamberg 1969 geborenen, Fotokünstlerin Astrid Lowack zeigen zu können.

Wie Dr. Jens Stöcker (Direktor des MKK) verriet, ist diese Fotoausstellung als Gesamtkunstwerk gestaltet. Zu sehen sind farbintensive großformatige und experimentelle Fotografien zwischen abstrakter Momentaufnahme und Realität. Die insgesamt acht, wie gemalt wirkenden Fotografien mit ihren Wirbeln und Strudeln in starken Farben Rot, Gelb, Blau und Grün, ist in die Bodeninstallation eines Flusses eingebettet, an deren Ende als Highlight die Arbeit „Tatendrang“ (2019, 200 x 200 cm) wartet. Die Betrachter werden in die Werke regelrecht hineingezogen. Immer neue Assoziationen entstehen, je länger man die Werke betrachtet. Figuren oder andere Einzelheiten werden nach und nach aus dem Unbewussten hervor gerufen.

Natürlich mit Mundschutz: Dr. Jens Stöcker (Direktor des Musuems für Kunst und Kulturgeschichte) und die Künstlerin Astrid Lowack vor ihrem Bild "Tatendrang".
Natürlich mit Mundschutz: Dr. Jens Stöcker (Direktor des Musuems für Kunst und Kulturgeschichte) und die Künstlerin Astrid Lowack vor ihrem Bild „Tatendrang“.

Die Künstlerin sagt: „Ich fotografiere das, was es nicht gibt“. Sie experimentiert mit Licht, Wasser und Bewegung und erschafft so Welten, die sie mit dem Medium Fotografie spontan einfängt. Die Foto-Arbeiten entstehen meist in der Natur und beschäftigen sich mit dem Spiel der Elemente.

Wichtig ist dabei der Moment. Die jeweiligen Gefühl und Stimmungen müssen aus ihr dann heraus, so Lowack. Eine Kommunikation mit den betrachteten Dingen und Einflüssen von außen und eine Art Selbstreflexion. Für die Künstlerin ist es das Festhalten von Vergänglichem als Momentaufnahme. Der Entstehungsprozess ist dabei am wichtigsten.

Obwohl die Arbeiten als Orientierung Titel wie etwa „Firebird“ (Feuervogel, 2017) haben, können und sollen die Besucherinnen und Besucher sie individuell auf sich wirken lassen. Es lohnt sich, in diese vieldeutigen Werke jenseits vertrauter Sinneserfahrungen einzutauchen.

Die Fotos sind nicht bearbeitet, in einem Fall aber künstlerisch zusammen geschnitten.

Im Juni ist ein kurativer Vortrag geplant und ebenfalls noch ein Workshop. Zu der Ausstellung ist übrigens ein Katalog für 19,90 Euro im MKK erhältlich. Genaueres erfahren Sie in diesen unsicheren Zeit über die (sozialen) Medien.

Es gilt wie überall: Nur mit Gesichtsmaske ins Museum!




Neue Ausstellung im Kunstbonbon nach Corona-Zwangspause

Endlich ist es wieder so weit. Das kleine, aber feine Kunstbonbon in der Chemnitzer Str. 11 lädt nach einer Coronabedingten Zwangspause vom 16.05.2020 bis 20.06.2020 zu einer neuen Ausstellung unter dem Titel „Die macht mit Draht und so“ – Drahtcollagen, Drahtobjekte und Malerei von Claudia Dröge ein.

Schon beim „Bunten Teller“ im Kunstbonbon konnte das Publikum die interessanten und ausgefallenen Drahtzeichnungen bewundern. Einige gerahmte und ungerahmte Malereien und Drahtobjekte der Künstlerin sind ab dem 16. Mai 2020 zu sehen. Je nach Lichteinfall verändern sich deren ungewöhnlichen Schattenspiele.

Die Leinwandbilder von Dröge beinhalten zumeist alte Abrisspapiere von Werbetafeln, die bei der Einarbeitung verschiedener malerischer und typographischer Element schöne Schichtungen bilden. So wird ein tiefen-räumliches Empfinden geschaffen.

Beispielarbeiten von Claudia Dröge. (Foto: © Claudia Dröge/kunstbonbon)
Beispielarbeiten von Claudia Dröge. (Foto: © Claudia Dröge/kunstbonbon)

Die vielschichtigen Materialien und farbigen Elemente in neuer Kombination der einzelnen Abrisse wecken die Neugier des Betrachters.Trotz der teilweise farbintensiven Element und Vielschichtigkeit sind die Bilder harmonisch für das Auge.

Da die Räumlichkeiten recht klein sind, sollten sich Besucherinnen und Besucher auf Wartezeiten einrichten.

Wegen der Corona-Pandemie dürfen nur maximal zwei Personen gleichzeitig die Galerie betreten, natürlich mit Gesichtsmaske.

Die Ausstellungseröffnung findet am Samstag, den 16.05.2020 um 15:00 Uhr im Kunstbonbon statt. Die beliebten Schaumküsse und „offenen Getränke“ werden dieses mal fehlen.

Vorläufige Öffnungszeiten ab dem 19.05.2020 dienstags von 13.00 bis 18.00 Uhr, freitags (NEU) von 15:00 bis 18.00 Uhr und samstags von12:00 bis 15:00 Uhr.




Emanzipatorische Kunst und weiblicher Blickwinkel

Unter dem Titel „Formen, Muster, Erinnerungen“ sind vom 08.03.2020 bis zum 29.03.2020 im Torhaus Rombergpark Zeichnungen, Illustrationen, Skulpturen oder Fotografien von der freischaffenden Künstlerin Anna Hauke zu sehen.

Für das Verständnis ihrer Arbeiten zwischen Realität und Phantasie (Surrealität) ist ihr Lebensweg von zentraler Bedeutung.

Die Künstlerin wurde 1986 in Polen (ehemals Oberschlesien) in ein streng katholisches Elternhaus hinein geboren. Die negative Einstellung zur Gleichstellung von Mann und Frau, Sexualität, insbesondere Homosexualität sowie der religiöse Macht in Polen erlebte sie von Kindheit an. Auch die Konflikte und Feindseligkeiten zwischen Polen und Deutschen war spürbar. Mit der Pubertät wuchs ihre Konflikt mit dem religiösen Dogmen. 2005 wanderte sie nach Deutschland aus aus, schloss ihr Studium der Pädagogik (Schwerpunkt Kunst- und Theaterpädagogik) ab und lebt seit 2014 als freischaffende Künstlerin in der Dortmunder Nordstadt.

Das Cover der Einladungskarte zeigt eine Arbeit der Künstlerin Anna Hauke.
Das Cover der Einladungskarte zeigt eine Arbeit der Künstlerin Anna Hauke.

Sie verarbeitet in ihren Illustrationen Elemente aus ihrer alten Heimat. So sind deutlich Frauen in polnischer Tracht auch in Kontrast zur urbanen aktuellen Wirklichkeit zu erkennen. Wie Anna Hauke beim Pressegespräch erklärte, ist sie inzwischen aus der Kirche ausgetreten. Das dies ein befreiender Akt war, zeigt sich in ihrer Arbeit „Warum ich aus der Kirche austrat“ mit einer glücklich aussehenden Frau (in Tracht) auf einer Blumenwiese.

Interessant ist auch ihr partizipatorisches „Mind-Stempel-Mappin“Projekt (Acryllack, Tusche), wo an die zwanzig Personen „Koseworte“ für das weibliche Geschlecht (zum Beispiel „Pflaume“, „Maultasche“ u.s.w.) mit Stempel aufdrücken durften.

Ein besonderes Statement mit ihren duftenden Skulpturen aus handgemachter Seife. Dort wurden Abdrucke von verschiedenen weiblichen Geschlechtsorganen verewigt. Die „saubere Seife“ wurde in in die oft in die Schmuddelecke verbannten weiblichen Geschlechtsorgane gebracht.

Aus der Serie Kindheitserinnerungen „Kinder und Fische haben keine Stimme“ ist eine künstlerisch gelungene Anspielung auf ein altes polnisches Sprichwort.

Anna Hauke ist aber auch begeistert von der Farbe Indigo. Da sie gerne mit verschiedenen Techniken experimentiert, benutze sie sowohl Webtechnik, japanische Shibori-Technik, Origami- Falttechnik auf Stoff und echter Indigo-Farbe.

Die Ausstellungseröffnung findet am Sonntag, dem 08.03.2020 um 11:00 Uhr in der Galerie Torhaus Rombergpark statt.

Die Künstlerin ist selbstverständlich anwesend.

Einführung: Angelika von Ammon (M.A. Kulturanalyse und Kulturvermittlung).

Soundperformance: Trio Randale




Emotionale und kraftvolle Ausstellung im Dortmunder Kunstverein

Im Dortmunder Kunstverein (Nähe U) sind vom 22. Februar bis zum 03. Mai 2020 unter dem Titel“La La CUNT“ aktuelle Werke der französischen Künstlerin Anne-Lise Coste (*1973) zu sehen.

Coste setzt sich in ihrer Arbeit mit den Themen Umwelt, Sex, Gewalt, Machtstrukturen, Frauenfeindlichkeit und Politik kraftvoll intuitiv und gleichzeitig sensibel auseinander. Wie sie beim Pressegespräch erklärte, geht in Frankreich wie in der übrigen Welt ein tiefer Riss durch die Gesellschaft, der in ihrer Kunst seinen Ausdruck findet. Sie bringt dabei viel emotionaler Subjektivität mit hinein.

Anne-Lise Coste vor ihrem gerade gesprühten Werk in den Räumen des Dortmunder Kunstvereins.
Anne-Lise Coste vor ihrem gerade gesprühten Werk in den Räumen des Dortmunder Kunstvereins.

In ihren Kunstwerken verbindet sie einfache schematische Formen und Worte, die vom Dadaismus und der Art Brut beeinflusst sind. Auf Papier, Leinwand oder direkt auf die Wand bringt sie ihre emotionalen „Kunststatements“ zumeist mit filigranen Airbrush, kräftiger Sprühfarbe oder auch mit Pinsel, Lack oder Öl zur Geltung. Auch Gegenstände wie beispielsweise beim Schrotthändler ergatterte Motorhauben von Renault Twingos („Frauenwagen“), einer mit dem Aufdruck „Pute“ (Hure) werden bei ihr zu einem feministischen künstlerischen Aussage. Die direkte Sprache des Graffiti oder die Aneinanderreihung politisch assoziativer Worte in schwarzer Spray-Schrift regen zu Nachdenken an.

Der Ausstellungstitel verbindet das preisgekrönte Liebes-Filmmusical „La La Land“ mit dem frauenfeindlichen abwertenden „CUNT“ („Fotze“). Diese Setzung steht sinnbildhaft für eine Ausstellung, die Ironie, Rebellion sowie Emotionen ausstrahlt und gleichzeitig zeitgenössische Ängste offenbart. Diese Kunst ist voller Kraft und Fragilität, Gewalt und Sinnlichkeit und eine Mischung aus Poesie und Gesellschaftskritik.

Die Eröffnung der Ausstellung findet am Freitag, den 21.02.2020 um 19:00 Uhr im Dortmunder Kunstverein statt.

Begrüßung: Marion Edelhoff (Vorsitzende)

Einleitung: Oriane Durand (Künstlerische Leitung)




Das Künstlerhaus schwelgt im Dadaismus

Man kann mit Fug und Recht sagen, dass Dortmund eine Stadt des Dadaismus ist. Auf dem Dortmunder Südwestfriedhof liegt Richard Huelsenbeck (1892-1974) begraben, einer der Mitbegründer der DADA-Bewegung. Vor vier Jahren wurde auch das 100-jährige Jubiläum von DADA groß in Dortmund gefeiert, organisiert von der Dortmunder DADADO Gruppe um Anette Göke, Richard Ortmann und Dieter Gawol.

1920 fand in Berlin die „Erste Internationale Dada-Messe“ statt. DADADO hat diese Idee wiederbelebt unter dem Motto „!ViVa DADA 20!“ und organisiert die Internationale DADAMesseDo vom 21. Februar bis 06. März 2020 im Dortmunder Künstlerhaus. 15 Tage gibt es historische und aktuelle Kunst zu sehen, viele Veranstaltungen, die an unterschiedlichen Orten stattfinden.

Im Künstlerhaus selbst zeigen Künstlerinnen und Künstler aus der Schweiz, Rumänien, England, Italien und Deutschland ihre Auseinandersetzung mit DADA. Es gibt eine Adaption des „Berliner Zimmers“ aus der ersten Dada-Messe. Die „Vier Kriegskrüppel“ von Otto Dix wurden modernisiert zu den „4K+“. Zu sehen sind in dem Bild Thomas Kemmerich, Kardinal Marx, Annegret Kramp-Karrenbauer und Jürgen Klinsmann. Künstler des Werkes ist Franz Ott.

Sind von Kopf bis Fuß auf Dada eingestellt (v.l.n.r.) Matthias Ruhnke, Guido Richard, Paul Dorn, das Alien (Scarlett Schauerte), Anke Frankemöller, Richard Ortmann, Christiane Köhne und Dieter Gawol alias A.Diéga)
Sind von Kopf bis Fuß auf Dada eingestellt (v.l.n.r.) Matthias Ruhnke, Guido Richard, Paul Dorn, das Alien (Scarlett Schauerte), Anke Frankemöller, Richard Ortmann, Christiane Köhne und Dieter Gawol alias A.Diéga

Natürlich wird auch den beiden Hauptfiguren des Dortmunder DADA Richard Huelsenbeck und Jürgen Kalle Wiersch gedacht. An beide wird in separaten Räumen in Ton und Bild erinnert.

Ein Hauptereignis der DADA-Messe ist die Dada-Collage. Über 150 Künstlerinnen und Künstler haben sich an dieser Collage beteiligt und ein oder zwei Objekte in der Größe von 20 x 20 cm nach Dortmund geschickt. Einige der Objekte stehen auch zum Verkauf, erklärte Dieter Gawol alias A. Diéga.

Dazu gibt es regelmäßige Führungen durch die Ausstellung, Vorträge, Lesungen und Performances sorgen für ein dadaistisches Lebensgefühl.

Des Weiteren gibt es zwei sehr besondere Veranstaltungen außerhalb des Künstlerhauses. Am 29. Februar 2020 wird im Kunstraum (Braunschweiger Straße 22) das kosmische Lautgedicht „Allschall“ aufgeführt. Am 01. März 2020 performt das Ensemble von „Oper, Skepsis und Gleisbau“ mit „ […alles gut…] ihre elektronische Kammeroper im domicil.

Weitere Informationen zu den Veranstaltungen finden Sie unter https://www.dadado.eu/

Das Künstlerhaus hat geöffnet von Dienstag-Freitag von 16 bis 19 Uhr sowie Samstag und Sonntag von 13 bis 19 Uhr.




Visconti-Tarotkarten künstlerisch aktuell transformiert

Unter dem Motto „Sehnsüchte und Sinnfragen“ ist im Haus Rodenberg (Café und obere Etage VHS) in Dortmund-Aplerbeck vom 8. März bis 09. Mai 2020 eine Kunstausstellung zu den ältesten Tarot-Karten (Visconti) zu sehen.

Die Idee zum „Visconti-Projekt – Hommage an das älteste Tarot der Welt – hatte vor drei Jahren die Schriftstellerin und Malerin Gabriella Wollenhaupt. Im Rahmen ihres historischen Romans um den holländischen Maler Vermeer wuchs ihre Begeisterung vor allem für die strahlend-kraftvollen Farben der Renaissance.

Wie sie beim Pressegespräch verriet, interessierte sie nicht so sehr der esoterische Aspekt der Visconti-Tarot-Karten, sondern besonders der kulturhistorische Aspekt.

Das älteste Tarot-Kartenspiel wurde für die Mailänder Fürstin Bianca Maria Visconti im Jahr 1442 erschaffen. Die Menschen damals wie heute suchten Orientierung und Hilfestellung in den Sinnfragen des Lebens und ihrer Sehnsüchte. Ganz pragmatisch etwa Antwort auf die Frage, wer im Konflikt zwischen Mailand und Venedig gewinnen würde.

Mit dem „Visconti Projekt“ setzten sich 23 Künstler*innen aus ganz Deutschland unter der Leitung und Organisation von Gabriella Wollenhaupt mit dem Thema auseinander. Für die Herstellung der Kartendecks und der finanziellen Angelegenheiten war die Malerin Ulla Schönhense verantwortlich. Beide ließen es sich nicht nehmen, selbst künstlerisch am Projekt Teilzunehmen.

Das Original erhaltenen Visconti Tarot-Kartenspiel besteht aus 22 Trumpfkarten, 16 Hofkarten und 40 Nummernkarten. Es werden 38 Gemälde ausgestellt.

Tarotkarten aus der Renaissance waren die Inspiration für die moderne Variante. (v.l.n.r.) Die Künstlerinnen Anette Göke, Ulla Schönhense und Gabriella Wollenhaupt sowie Jochen Köller (Öffentlichkeitsarbeit vhs) und Jörg Wiedelmann (Schlosscafe Rodenberg)
Tarotkarten aus der Renaissance waren die Inspiration für die moderne Variante. (v.l.n.r.) Die Künstlerinnen Anette Göke, Ulla Schönhense und Gabriella Wollenhaupt sowie Jörg Wiedelmann (Schlosscafe Rodenberg) und Jochen Köller (Öffentlichkeitsarbeit vhs).

Vorgabe für die Künstler*innen war das Format von 40 x 80 cm, ein „schwarzer Kartenrand“, goldener Hintergrund für die Trumpfkarten und ein spezielles Rot für die Hofkarten. Die Bezeichnung der Karte durfte natürlich auch nicht fehlen.Nach einer Jury-Auswahlverfahren wurden dann letztendlich die Aufträge an die 23 Künstler*innen vergeben. Jede und jeder von ihnen brachte seinen persönliche Assoziationen zur heutigen Zeit in sein Kunstwerk mit hinein. In einem Katalog kann man die Gedanken von ihnen zu ihrer Arbeit nachlesen. Dort stehen auch die Preise für die Kunstwerke.

Um nur ein Beispiel zu zu geben: Die Trumpfkarte „Die Liebenden“ zeigt bei Ulla Schönhense eine blonde junge Frau und einen dunkelhäutigen jungen Mann in inniger Zweisamkeit. Ein wunderbar aktuelles Statement, dass die Kraft der Liebe eine über alle Grenzen hinweg gehende Verbindung schafft.

Das „Visconti-Projekt“ ist aber nicht bloß eine Ausstellung, sondern bietet auch ein spezielles Programm. Für Interessierte besteht die Gelegenheit, sich bei der Vernissage für 20,- Euro aus den Tarotkarten von Arkania Spirit legen lassen (oder ein Tarot-Kartenspiel für 25,- Euro käuflich erwerben).

Die Kosten von 20,- Euro pro Person gehen vollständig an den Förderverein der Mitternachtsmission Dortmund.

Die Vernissage findet am Sonntag, den 08.03.2020 um 11:00 Uhr im Wasserschloss Haus Rodenberg & Schosscafé statt. Die Ausstellung wird von der vhs-Dortmund unterstützt. Musikalisch begleitet wird die Ausstellungseröffnung von Jonas Taler (Saxophon) und Julian Friedrich (Bass-Gitarre).




Form und Farbe – Arbeiten von Angela Adele Möllenbeck im Torhaus

Abstrakte Malerei in ausdrucksstarker Farb- und Formensprache zeigt die Künstlerin Angela Adele Möllenbeck in der städtischen Galerie im Torhaus Rombergpark. Mit 15 Gemälden und fünf Skulpturen füllt sie Wände und Raum des Torhauses.

Obgleich die Bilder alle betitelt sind, lassen die meist großformatigen Werke dem Betrachter Raum seinen Vorstellungen und Assoziationen nachzuspüren. Dazu möchte die Malerin auch explizit einladen.

Offen erzählt die Künstlerin wie sie die Arbeit an ein Gemälde gestaltet. Wenn sie beginnt, hat sie eine bestimmte Vorstellung von Farbe und Format, dann übernimmt ihre Intuition die Führung. Nach zweistündiger Arbeit taucht sie wieder auf und bewertet, was bis dahin entstanden ist. Vielleicht ist das Bild dann schon fertig, vielleicht bedarf es dann weiterer Bearbeitung.

Angela Adele Möllenbeck zeigt abstrakte Arbeiten im Torhaus. (Foto: © Anja Cord)
Angela Adele Möllenbeck zeigt abstrakte Arbeiten im Torhaus. (Foto: © Anja Cord)

Das Zeichnen begleitet die Künstlerin täglich. In einer Kladde hält sie ihre Eindrücke und Vorstellungen fest. Diese Übungen geben ihr beim Malen in großen Formaten die nötige Sicherheit, die Linienführung und Anlage der Flächen sicher zu finden. Speziell ist auch ihre Methode, die Bilder auf dem Boden liegend in der Aufsicht zu malen.

Ähnlich geht sie in ihrer bildhauerischen Arbeit vor. Sie wählt gezielt die Steinart und die Steinform aus, dann beginnt die Reise zur Entstehung einer Skulptur. Während die gezeigten Bilder schon vor zehn Jahren entstanden, kommen die Skulpturen frisch aus dem Atelier.

In den fünf ausgestellten Arbeiten setzt sie sich mit dem Prinzip der Spannung zwischen konvexen und konkaven Formen und Linien auseinander. Die Oberflächen der Arbeiten aus Anröchter Kalksandstein und Granit Kiesel sind durch intensive Bearbeitung uneben gestaltet und schimmern durch die Behandlung mit Steinöl samtig matt.

Angela Adele Möllenbeck ist Mitglied im Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK), der Internationalen Gesellschaft der Bildenden Künste (IGBK), sowie der Künstlergruppe „Duktus“ Künstler im RuhrRevier.

Die Ausstellung läuft vom 9. Februar bis zum 1. März.