Hommage und Auseinandersetzung mit Joseph Beuys

In diesem Jahr wäre der Aktionskünstler, Bildhauer, Medailleur, Zeichner, Kunsthistoriker und streitbarer Professor an der Kunstakademie Düsseldorf, Joseph Beuys (1921 – 1986), einhundert Jahre alt geworden.

Das Museum Ostwall im Dortmunder U reiht sich mit „revolution beuys“ (vom 12. August bis 21. Oktober 2021 im MO Schaufenster auf der fünften Etage) in das Programm Beuys2021 ein.

Das Programm wurde als Kooperation und Kollaboration im Zusammenwirken der Kuratorinnen Dr. Sahrah Hübscher und Elvira Neuendank von der TU Dortmund, der Szenografin Lisa Fischer und vom Kulturverein „Frappanz-Kollektiv kultureller Freiheiten e.V.“ entwickelt.

Diese Ausstellung greift Fragen, Themen und künstlerische Strategien von Beuys und setzt sie einem Kontext zu unserer aktuellen gesellschaftlichen Situation. Die auf den Plakaten, Postkarten sowie in Objekten eingeschriebenen Konzepte werden auf ihr revolutionäres Potenzial hin befragt. Die Besucher*innen werden angeregt, Beuys fragende Haltung zu gesellschaftlichen Prozessen und Zusammenhängen einzunehmen, aber auch in einem „Gesellschaftslabor“ auch (selbst)-kritisch zu reflektieren sowie dem Grundgedanken, dass Leben durch Kunst und mit Kunst gestaltbar ist, nachzugehen.

Ausstellungsansicht „revolution
beuys“, Museum Ostwall im
Dortmunder U ©VG Bild-Kunst,
Bonn 2021. Foto: Constantin
Grolig.
Ausstellungsansicht „revolution
beuys“, Museum Ostwall im
Dortmunder U ©VG Bild-Kunst,
Bonn 2021. Foto: Constantin
Grolig.

Eine bedeutende Rolle in der Präsentation spielen die zahlreichen Multiples und Editionsobjekte, die im MO Schaufenster ungewöhnliche Perspektiven auf das Werk des Künstlers zeigen. Dabei hat das Multiple „Intuition“ (1968), das einen konkreten Ort für Denkprozesse darstellt, eine tragende Rolle. Die aus fünf geklammerten Holzelementen formierten Kisten (30 x21 x 6 cm) unterscheiden sich in der Holzmaserung. Die Kiste fungiert als eine Art Archiv zum Einlagern von Gedanken, aus denen man schöpfen kann und die immer wieder kritisch überdacht werden können.

Es gibt auch eine überdimensionale Intuitionsbox, in der sich die Besucher*innen zum reflektieren hinein setzen können. Die teilweise verspiegelten Vitrinen dienen als Reflexionsfläche. Sie laden zusätzlich dazu ein, sich selbst im Kontext des Raumes, der Werke und der Thematik zu „spiegeln“. Alles ist im Raum miteinander verbunden.

Filmisch begleitet wurde das Programm mit „Kontext Beuys“ (Frappanz). Auf einer großen Leinwand sind Statements von Personen aus Politik (Claudia Roth, Marco Bülow), Kultur, Wissenschaft und Bildung zu Beuys und seiner Bedeutung für heute zu hören.

Eine auch kritische Auseinandersetzung mit der ambivalenten Persönlichkeit des Künstlers. Die Frage nach Funktion der Kunst als gestaltendes Element der Gesellschaft bleibt.

Zur Eröffnung am 12. August sind die Kuratorinnen und die Szenografin ab 18:00 Uhr im Museum und beantworten gerne Fragen rund um die Ausstellung „revolution beuys“.




Eine „quadratische“ Ausstellung im Torhaus Rombergpark

Die Künstlerinnen und Künstler der „Dortmunder Gruppe“ präsentieren mit der Ausstellung „ FORMAT QUADRAT“ erneut Arbeiten zu einem außergewöhnlichen Thema. Dabei ist der Ort, das Torhaus am Rombergpark, quasi das Gegenteil eines Quadrates. Dennoch überzeugen die Mitwirkenden mit erstaunlichen und abwechslungsreichen Werken. Zu sehen ist die Ausstellung vom 01. bis zum 22. August 2021.

Malerei, Fotografie und Objekte – die Vielfalt der Dortmunder Künstlergruppe ist groß. Dabei gab es keine Vorplanung, wie Alexander Pohl, der Vorsitzende der Dortmunder Gruppe verriet. Jedes Mitglied konnte soviel Arbeiten abgeben, wie es wollte. Letztendlich entschied die „Hängekommission“, was in dem Raum im Torhaus für die Besucherinnen und Besucher zu sehen ist.

Wolfgang Schmidt präsentiert seine typischen Figuren, die Fotografin Erika A. Schäfer zeigt doppelseitig bedruckte Fotos in Quadratform, die sie zu dreidimensionalen Figuren faltet und über ihren Bildern verteilt. So entsteht Chaos in der Ordnung. Birgit Feike arbeitet mit rot-weißen Absperrbändern, die sie zu dreidimensionalen Installationen verwebt.

(v.l.n.r.) Jan Bormann, Alexander Pohl und Monika Pfeiffer in der "Speaker's Corner" von Bormann.
(v.l.n.r.) Jan Bormann, Alexander Pohl und Monika Pfeiffer in der „Speaker’s Corner“ von Bormann.

Claudia Terlunen ist mit zwei Arbeiten vertreten, die minimalistisch und monochrom gehalten sind. Auch Monika Pfeiffer hat Farbe reduziert. „Manchmal hat man das Bedürfnis nach Farbe, manchmal nicht“, so die Künstlerin.

Etwas provozierend formuliert Silvia Liebig ihre Arbeit mit „Dann fickt euch doch in die Bundeskunsthalle“. Ein Seitenhieb auf die Kunstszene, die Beziehungen und Vitamin B dazu benutzt, um auf dem Kunstmarkt weit nach oben zu kommen. Die sechs quadratischen Bilder von Alexander Pohl drehen sich um die Verfügbarkeit von (weiblicher) Sexualität im Internet. „POR-NO“ tragen die verfremdeten Fotografien als Titel, wobei die Vaginas der Frauen durch schwarze Quadrate verdeckt sind.

Roul Schneider zeigt zwei Arbeiten, die er hauptsächlich aus Erde gemacht hat. Nicht einfache Erde, sondern aus besonderen Fundorten. Das große Bild „Maya“, das an das südamerikanische indigene Volk erinnert, wurde aus Erde gemacht, die aus einer archäologischen Ausgrabung in Dortmund stammt. Dort war eine alte Ziegelei. Die besonderen Erden mit ihrer individuellen Farbgebung machen den Reiz der Bilder von Schneider aus, die zudem sehr meditativ sind. Gut zu sehen beim Bild „Beyond“, das aus Erde aus Norddänemark, Rügen und Mecklenburg-Vorpommern entstand. Der weiße Trichter im Zentrum des Bildes scheint den Betrachter direkt hineinzuziehen.

Auch Installationen gibt es: Neben Holzskulpturen von Pia Bohr und einer Arbeit von Dina Nur hat sich Jan Bormann mit der Corona-Pandemie auseinandergesetzt und eine „coronakonforme“ Speaker-Corner geschaffen.

Es würde zu weit führen, alle Arbeiten vorzustellen, denn insgesamt stellen 22 Künstlerinnen und Künstler ihre Werke aus. Von daher lohnt sich ein Besuch der Ausstellung auf jeden Fall.

Die Öffnungszeiten des Torhauses sind: dienstags bis samstags von 14 bis 18 Uhr, sonntags und feiertags 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.




Galerie im Depot lädt zur künstlerischen Gedankenreise ein

Im Rahmen der Reihe „Depot stellt vor“ zeigt die Künstlerin Bärbel Thier-Jaspert vom 15.07.2021 bis zum 25.07.2021 in der Galerie im Depot hier in Dortmund insgesamt fünfunddreißig Arbeiten auf Papier, Leinwand und dazwischen ungewöhnliche Buchobjekte. Entstanden sind die Werke vor über anderthalb Jahren, wie die Künstlerin beim Pressegespräch verriet. Thier-Jaspert ist seit 1999 Mitglied des Depot Dortmund.

Passend zur Ferienzeit lädt ihre Ausstellung „Weißt du noch?“ die Besucherinnen und Besucher ein, ihre Gedanken auf eine assoziative Reise zu schicken. Es entstehen ganz persönliche Bilder und Erinnerungen an Orte und Landschaften. Ihre groß- und kleinflächigen Arbeite auf Leinwand sind oft in himmelblauen oder verschiedenen Weiß- und Grautönen gehalten. Die Strukturen auf der Leinwand werden ab und an durch nachträgliche feine Zeichnungen zusätzlich bearbeitet.

Assoziationen und Anregungen zum Nachdenken bieten auch die an den Seiten auf „weißen Schleifen“ angebrachten Sinnsprüche oder Stichworte. Die minimalistischen Zeichnungen führen assoziativ in familiäre Lebens- und Wohnsituationen, die bei einigen sicher Erinnerungen aus ihrer Vergangenheit wach rufen.

Eine Buchobjekte von Bärbel Thier-Jaspert - zu sehen in der Galerie im Depot. (Foto: © Depot Dortmund)
Eine Buchobjekte von Bärbel Thier-Jaspert – zu sehen in der Galerie im Depot. (Foto: © Depot Dortmund)

Ein besonderer Bestandteil der Ausstellung sind die ungewöhnlichen bunten, zumeist mit nur einem Schlagwort auf den bunt gestaltetem Deckblättern versehenen Buchobjekte. Eindrucksvoll ist da beispielsweise die sensible Illustration zu einem Gedicht von Heinrich Heine.

Der Eintritt ist frei und eine vorherige Anmeldung (nach momentanen Stand) nicht mehr notwendig.

Öffnungszeiten: Montag bis Mittwoch geschlossen.

Donnerstag und Freitag von 17:00 bis 20:00 Uhr geöffnet.

Samstag und Sonntag von 16:00 bis 19:00 Uhr geöffnet.

Weitere Informationen finden Sie auf www.depotdortmund.de




Sehnsucht nach Nähe

Das Künstlerhaus am Sunderweg zeigt noch bis zum 25. Juli die Ausstellung “All Tomorrow’s Parties”. Sechs Fotografinnen und Fotografen zeigen ihre Arbeiten, die sich um zwischenmenschliche Beziehungen drehen. Dabei geht es von Partys über Beziehungen zu Puppen bis hin zu Demonstrationen in Hongkong. In Zeiten von Corona steht natürlich die grundsätzliche Frage von Nähe zur Diskussion.

Das Nachtleben von Berlin hat es Miron Zownir angetan. Seit den 80er Jahren fotografiert er für seine Reihe “Berlin Noir” die Protagonisten des Nachtlebens mit ihren Partys und ihrem Lebensstil. Die analogen Schwarz-Weiß-Fotos entwickeln eine enorme Faszination auf den Betrachter.

Auch während der Pandemie wird gefeiert. Natürlich heimlich und unerlaubt. Dennoch schaffte es Constantin Grolig einige Raves im Ruhrgebiet zu fotografieren, ohne die Menschen bloßzustellen. In seinen Fotos wird deutlich, wie vergessene Orte zu einem Platz des gemeinsamen Tanzes werden, immer in Angst vor Entdeckung durch die Behörden.

nche Menschen suchen sehr stark die emotionale Nähe zu Puppen. Julia Steinigeweg schafft Fotos, die beim Betrachter unterschiedliche Gefühle hervorrufen. (Foto: © Julia Steinigeweg)
Manche Menschen suchen sehr stark die emotionale Nähe zu Puppen. Julia Steinigeweg schafft Fotos, die beim Betrachter unterschiedliche Gefühle hervorrufen. (Foto: © Julia Steinigeweg)

Lois Hechenblaiker hatte Glück oder Pech, je nachdem. Er war in Ischgl als die Pandemie dort ausbrach und zum Symbol für Behördenversagen wurde, da Profit über die Gesundheit der Touristen gestellt wurde. Der ausgelebte Hedonismus wird beim Fotografen zu einer Anklage gegen den Umgang des Menschen mit der Natur.

Ein außergewöhnliches Thema hat Julia Steinigeweg für ihre Serie gefunden: Das Verhältnis von Menschen zu Puppen. Steinigeweg hat hier bewusst die sexuelle Komponente außen vor gelassen, um sich auf die tief empfundene Hinwendung zu konzentrieren. Da Puppen mittlerweile sehr menschenähnlich gefertigt werden können, verströmen manche Bilder eine etwas gruselige Atmosphäre.

Sabine Springer zeigt Bilder aus einem Club, in dem Paare ihre Sexualität gemeinsam feiern können. Dabei arbeit sie dank Infrarot sehr diskret. Springer geht es um ein Bild von Sexualität und Verlagen, aber auch um Kommunikation und Verständnis.

Politisch wird es bei Thaddé Comar. Seine Arbeiten “How was your dream?” von 2019 dokumentieren die Proteste in Hongkong. Sein Thema ist die Nichtverfolgbarkeit des Individuums und das Aufgehen des Protestes in einer nicht länger individuellen Identität.




Gemeinschaftsausstellung von Künstlern aus Dortmund und Mülheim

In der BIG gallery in der Rheinischen Straße (Westentor) neben dem Dortmunder U ist vom 04. Juli bis zum 29. August 2021 die Ausstellung „Unter AnDeren – AnDer Wand“ – eine Zusammenarbeit des Westfälischen Kunstbund Dortmund (WKD) mit der Gast Künstlergruppe AnDer aus Mülheim zu sehen.

Das Wortspiel im Titel verrät, dass kein Thema vorgegeben ist, sondern als aus versicherungstechnischen Gründen nur die Wand genutzt werden darf. Jeder der acht beteiligten Künstler*innen aus jeder Gruppe soll seinen ganz persönlichen Zugriff zeigen. Es geht um Austausch Dialog und Interaktion.

(v.l.n.r.) Axel M. Mosler (WKD), Irmgard Koeniger-Rosenlecher (WKD) und Jochen Leyendecker (AnDer) präsentieren Arbeiten der Westfälischen Kunstlerbundes Dortmund und der Künstlergruppe AnDer aus Mülheim.
(v.l.n.r.) Axel M. Mosler (WKD), Irmgard Koeniger-Rosenlecher (WKD) und Jochen Leyendecker (AnDer) präsentieren Arbeiten der Westfälischen Kunstlerbundes Dortmund und der Künstlergruppe AnDer aus Mülheim.

Vielseitig sind die künstlerisch verarbeiteten (oft aktuellen) gesellschaftlichen Themen sowie auch die verwendeten Materialien und künstlerischen Ausdrucksformen. Ob Acryl, Öl auf Leinwand oder moderne Fotoarbeiten, um nur einige zu nennen.

Hier nur zwei interessante Beispiele: Brigitte Felician Siebrecht (WKD) verarbeitet in ihrer Arbeit FAKENEWS (150cm x 150 cm: Zeichnung auf Pigmentdruck auf Leinwand 2020) die gesellschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie. Ein Paar in Schwarz-weiß möchte Nähe und sich küssen. Die Corona Viren sind als „Störenfriede“ dazwischen. Sie mischt analoge Zeichnung/ Malerei zusätzlich mit digitalen „Ornamenten“ (QR-Codes).

Der Betrachter braucht zum Decodieren eine App, um letztendlich zu erfahren, ob es sich um eine neue „eingebaute“ Bedeutung handelt oder nur um eine Spiegelung des schon dargestellten. Facebook & Instagram Texte werden in QR Codes verschlüsselt. Diese kann man mit dem Smartphone entschlüsseln und sie auf ihren widersprüchlichen oder verschwörungstheoretischen Inhalt testen.

Brigitte Felician Siebrecht (WKD) und ihre Arbeit "FAKENEWS".
Brigitte Felician Siebrecht (WKD) und ihre Arbeit „FAKENEWS“.

Natalija Usakova (AnDer Mülheim) aus Lettland bringt die Betrachter ihrer Arbeiten French Girl (60 cm x 50 cm, Acryl auf Leinwand 2019) oder Kiss me (70 cm x 130 cm, Acryl auf Leinwand 2019) dazu, unsere Sinneswahrnehmung zu Hinterfragen. Die „verpixelten“ Arbeiten (Schwarz-weiß) verändern sich mit dem Perspektivwechsel.

Es gibt viel zu entdecken!

Natalija Usakova (AnDer Mülheim) und ihre Werke "French Girl" und "Kiss me".

Natalija Usakova (AnDer Mülheim) und ihre Werke „French Girl“ und „Kiss me“.

Zur Ausstellung ist auch ein Katalog erhältlich.

Öffnungszeiten: Freitag, Samstag und Sonntag: 10:00 bis 17.00 Uhr




Ausstellungsprojekte zu „Club, Kunst & Kultur“ in Dortmund

Der Hardware MedienKunstVerein (HMKV ) und die UZWEI im Dortmunder U haben unter dem Motto „Hello again, Dortmunder Clubkultur! We can‘t get you out of our heads“ ein gemeinsames Kooperationsprojekt mit lokalen Clubs, Akteur*innen sowie Medienkünstlerinnen und Künstler ins Leben gerufen. Vom Lockdown in der Pandemie-Zeit besonders hart betroffen, soll der Szene jetzt Solidarität und Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Schwerpunkt liegt dabei auf den politischen Aspekt von Clubs als Orte des Widerstands, Emanzipation, Erinnerung, Einebnung von Klassengrenzen und Diversität.

Dabei übernimmt die Ausstellung „Hello again“ auf der UZWEI die lokalen Clubs, verschieden Akteur*innen aus Dortmund aus der Gegenwart und Vergangenheit vor und bietet Einblicke in unterschiedliche Aspekte von Clubkultur. In einer einladenden Club-Atmosphäre mit Bar und gemütlichen Sitzgelegenheiten können die Besucher*innen mit geliehenen oder mitgebrachtem Kopfhörern an verschiedenen Stationen interaktiv in das Clubleben von gestern bis heute eintauchen. Interviews mit verschiedenen Persönlichkeiten der Clubs (aus verschiedenen Bereichen) geben interessante Einblicke. Ausstellungsdauer: 25. Juni – 07.11.2021

Louis Henderson, Evidence of Things Unseen But Heard, HD-Video, 2018 (still), 20:00 Min.
Louis Henderson, Evidence of Things Unseen But Heard, HD-Video, 2018 (still), 20:00 Min.

Der HMKV geht mit der dezentralen Medienkunst-Ausstellung „Can‘t Get You Out of My Head“ in sieben Dortmunder Clubs und macht diese zum ersten mal seit langer Zeit wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Mit dabei: sind: Großmarktschänke, Langer August, Oma Doris, Rekorder, subrosa, Tresor West , Zum Schlips. Diese Orte sollen sollen als Kulturorte sichtbar und neu erfahrbar gemacht werden. Es ist eine Einladung an Interessierte, die gesellschaftliche Rolle von Clubkultur in Krisenzeiten neu zu lesen.

An den nächsten sechs Wochenenden können Besucher*innen in diesen Club verschieden lange Video-Installationen erleben wie etwa in der Großmarktschänke afrokolumbianische „Picó-Kultur“, die in der karibischen Küstenregionen Kolumbiens stark präsent ist. Selbstgebaute , eindrucksvoll bemalte Soundsysteme, bestehend aus Lautsprechern,Verstärkern und Turntables gehören zu dieser Kultur.

In die 1970 und frühen 1980iger Jahre führt Louis Hederson mit „Evidene of Things Unseen But Heard“ (HD Video, 20:00 Minuten). Es geht um die historische Bedeutung der aus dem karibischen Raum stammenden Soundsystem-Kultur für Schwarze Communities in Großbritannien (Bristol). Dieser Ausdruck afrokaribischer Identität wurde durch die neoliberale Regierung Thatcher unterdrückt. Es kam zu blutigen Auseinandersetzungen mit gewaltsamen polizeilichen Überfall ausgehend von den sogenannten .„St. Pauls Riots“.

Ans Ende des Universums mit „one day, the universe began to breathe“ führen Jana Kerima Stolzer / Lex Rütten die Besucher*innen. Eine Gruppe Raver bleibt als Einzige nach dem „Ende“ des Universums übrig. Die Loslösung von Raum und Zeit gelingt ihnen durch die Aufgabe von Schlaf, durch Konsum unterschiedlicher Substanzen, repetitivem Tanz und Körpernähe. (Tresor West).Zwei-Kanal Videoinstallation, 4K Video. 2021, 30:00 Min.

Genau Informationen über die Club-Event-Termine und anderen Veranstaltungen im Rahen der Ausstellungsprojekte erhalten Sie unter: https://hmkv.de/ausstellungen/ausstellungen-detail/cant-get-you-out-of-my-head.html




Kunstwerke zwischen Vergangenheit und Gegenwart

Der Dortmunder Kunstverein zeigt bis zum 09. September 2021 Werke von Theresa Weber unter dem Titel „Woven Memories“. In ihrer Malerei und Installation setzt sie sich mit kultureller Vermischung, Schönheitsidealen und Symbolen von Zugehörigkeit auseinander.

Vielleicht muss der Künstler oder die Künstlerin eine gewisse Sammelleidenschaft besitzen. Denn was für den Betrachter ein banales Ding ist, wird in der Hand der Künstlerin zu einem Teil eines Kunstwerkes. In den bildhaften Objekten verbindet Weber vertraute und fremde Objekte wie auch persönliche Fund- und Erinnerungsstücke. Wie beispielsweise Kunstnägel oder Hüftpolster. Denn Weber interessiert sich sehr für die künstliche Erweiterung von Körpern. Welche Funktionen besitzen sie? Die Frage wird in unterschiedlichen Kulturen unterschiedlich beantwortet. So sind künstliche Fingernägel hier eher negativ konnotiert, während in Afrika die Angelegenheit deutlich positiver betrachtet wird. Vielfach werden die Objekte in Kunstharz gegossen, dadurch wirken sie wie in einer Zeitkapsel ähnlich wie Insekten, die in Bernstein gefangen wurden.

Foto der Ausstellungseröffnung von Theresa Weber. (Foto: © Kunstverein Dortmund)
Foto der Ausstellungseröffnung von Theresa Weber. (Foto: © Kunstverein Dortmund)

Zwischen den Arbeiten stehen ab und zu Mauerreste und Lianen wie bei einer archäologischen Ausgrabung irgendwo im südostasiatischen Raum oder im Amazonasgebiet. Sie stehen zwischen Gegenwart (architektonisches Element) und Vergangenheit (Artefakt).

Einen wichtigen Aspekt in ihren Arbeiten ist das Flechten von Haaren. In Zeiten, in denen viele Afrikaner in die neue Welt als Sklaven verschifft wurden, wurden geflochtene Zöpfe (Braids) und Kunsthaar (Weaves) als Symbol des Widerstandes. Daneben gab es die Tradition des Flechtens bereits im antiken Griechenland. Daher tauchen sie prominent und zeitenübergreifend in den Arbeiten der afrodeutschen Künstlerin auf, die deutsch-jamaikanisch-griechische Wurzeln hat.

Am 25. Juli 2021 findet um 16 Uhr ein Künstlerinnengespräch mit Rebekka Seubert statt. Zudem gibt es am 12. und 14. August 2021 eine Performance von Theresa Weber und Anys Reimann. Die Performance am 12. August begintn um 19 Uhr, die am 14. August um 16 Uhr.




Fotofestival widmet sich Fragen um die Identität

Die Coronazahlen fallen beständig, die Hoffnung auf einen kulturellen Sommer steigen. Daher geht das diesjährige f² Fotofestival in die Vollen und präsentiert 16 Ausstellungsprojekte, die vom 17. bis zum 27. Juni in verschiedenen Orten zu sehen sind. Neben Museen oder Galerien wird Kunst im öffentlichen und privaten Raum geboten. Doch das Zentrum ist das Depot Dortmund. Hier findet in der Haupthalle die Ausstellung „Facing Gender“ statt sowie „Promised Realities“ in der Galerie im Depot.

Die große Ausstellung „Facing Gender“ beschäftigt sich um das Konstrukt des Geschlechts. Über die biologische Komponente hinaus gibt es auch eine weit facettenreichere Welt von Homosexualität, Drags und Transsexualität. In den großformatigen Bildern werden beispielsweise lateinamerikanische Balletttänzer gezeigt, die dort als „unmännlich“ gelten, Homosexualität im Iran wird thematisiert oder das Frauenbild in Italien seziert. Immer steht die Frage um das Geschlecht und das Rollenverständnis wird im Mittelpunkt. Die Ausstellung ist durchaus textlastig, die Besucher sollten sich also etwas Zeit mitnehmen.

Die Ausstellung in der großen Halle des Depots zeigt spannende Fotografien rund um das Thema "Gender und Identität".
Die Ausstellung in der großen Halle des Depots zeigt spannende Fotografien rund um das Thema „Gender und Identität“.

In der Galerie im Depot finden sich Fotografien afrikanischer Nachwuchsfotografen unter dem Titel „PROMISEDrealities“, die ihren Blick auf den afrikanischen Alltag zeigen. Geplant war eigentlich ein Residenzprogramm in Dortmund, doch das musste wegen Corona abgesagt werden.

Im Hafenbereich der Nordstadt zeigt das Fotografie-Kollektiv „The Journal“ ihre Arbeiten im öffentlichen Raum. „Amateurfotografie aus Hörde“ wird beim Cafe Aufbruch in der Hinteren Schildstraße 18 präsentiert. Verborgene Fotoschätze werden ans Licht gebracht. Bei Jugendlichen und junge Erwachsenen ist die Identitätsfindung noch im vollen Gange. Sie zeigen in der Ausstellung „ID:me“ im Betenhof ihre Auseinandersetzung mit dem Thema.

Eine besondere Veranstaltung ist „Home and Identity“, denn sie findet in privaten Räumen im Kaiserviertel statt.Jede Wohnung zeigt mit einer Arbeit von internationalen Fotografen einen neuen Aspekt zum Thema „Heimat und Identität“. Es wird auch ein Rundgang angeboten.

Für die Ausstellungen im Depot können sich die Besucherinnen und Besucher online ein Zeitfenster buchen, da die Personenzahl immer noch begrenzt ist. Es besteht aber auch die Möglichkeit, direkt vorbei zukommen. Ein negatives Testergebnis ist nicht mehr vonnöten.

Welche Regeln für welche Veranstaltung gelten, finden Sie auf der Seite www.f2-fotofestival.de. Dort gibt es weitere Informationen über die Ausstellungen, Öffnungszeiten und die digitalen Rahmenprogramme wie das Vortragsprogramm.




Totalkünstler Timm Ulrich ist willkommen im Museum Ostwall

Vom 15. Juni bis zum 18. Juli 2021 zeigt das Museum Ostwall in der 5. Etage die Ausstellung „Willkommen im Museum Ostwall“ des Totalkünstlers Timm Ulrich. Zu sehen sind 18 Arbeiten überwiegend aus den 60er und 80er Jahren, die einen guten Querschnitt über das Schaffen von Ulrich bieten.

Der Künstler ist sichtlich zufrieden, „Meine Werke gehören ins Museum“, sagte Ulrich beim Presserundgang vor der offiziellen Eröffnung. Deshalb hat er auch bereits einige Werke von Privatpersonen zurückgekauft, damit sie die Möglichkeit haben wie in Dortmund gesehen zu werden. Für ihn als 80-jähriger sei es wichtig, bereits über den Tod hinaus zu denken. Daher sind Museen der ideale Ort für den künstlerischen Nachlass. Denn „was im Museum ist, bleibt im Museum“, ist Ulrich überzeugt.

Auch wenn das Schaffen von Ulrich nicht in eine Schublade gesteckt werden kann, ist er beeinflusst vom Dadaismus, Konstruktivismus oder Surrealismus.Was auffällt ist, dass er in seinen Werken gerne Sprachspiele benutzt oder Dinge gern beim Namen nimmt. Ein gutes Beispiel dafür ist die Arbeit „Wolf im Schafspelz – Schaf im Wolfspelz“, die bereits 2014 in der Ausstellung „Arche Noah“ zu sehen war. Die Arbeit kostete Ulrich in der Herstellung alleine 45.000 €, denn der Wolfspelz kam aus Kanada und verursachte bereits 10.000 € Kosten. Inzwischen hat das Museum Ostwall diese Arbeit dauerhaft erworben, sie ist in der 4. Etage zu sehen.

Timm Ulrich spielt in seinen Werken gerne mit Doppeldeutigkeiten.
Timm Ulrich spielt in seinen Werken gerne mit Doppeldeutigkeiten.

Auch wenn Ulrich in seinen Werken von der Bildsprache der Bibel inspiriert wird, ist er kein religiöser oder transzendenter Mensch. „Religion ist was für Feiglinge“, so der Künstler. Dennoch beschäftigt ihn sein Ableben, er hat bereits seinen Grabstein auf dem Künstlerfriedhof in Kassel gestaltet. In der Ausstellung ist auch die Arbeit „THE END“ zu sehen. 1981 lässt sich Ulrich wie in den klassischen Filmen „THE END“ auf sein Augenlid tätowieren.

Bekannt ist auch die Arbeit „Ich kann keine Kunst mehr sehen“ von 1975, auf der Ulrich als vermeintlich blinder Besucher über die Kunstausstellung „Art Cologne“ ging. Das war seine Kritik auf die Kommerzialisierung des Kunstmarktes. Das Werk zeigt besonders gut die Doppeldeutigkeit in vielen Arbeiten des Künstlers.

Timm Ulrichs ist 1940 in Berlin geboren und wandte sich nach seinem abgebrochenen Architekturstudium der Kunst zu. Er gründet 1961 die „Werbezentrale für Totalkunst & Banalismus“. Sich selbst erklärt er zum lebenden Kunstwerk. Anfang der 70er Jahre erhält er eine Professur an der Universität Münster als Professor für Bildhauerei und Totalkunst, die er bis 2005 innehatte.




Land NRW verleiht Staatskunstpreise im Konzerthaus Dortmund

Seit 1991 wird alle zwei Jahre unter der Schirmherrschaft des Landes Nordrhein-Westfalen im Wechsel jeweils in Köln und Dortmund der mit insgesamt 60.000 Euro hoch dotierte Staatspreis für das hiesige Handwerk in sechs Kategorien verliehen.

Am 24.04.2021 wird dieses Mal (11:00 Uhr) im Dortmunder Konzerthaus sechs Preisträger*innen aus Münster, Düsseldorf, Kerken, den Kreisen Kleve, Coesfeld und dem Märkischen Kreis für ihre kreativen Werke von hoher kunsthandwerklicher Qualität von NRW-Wirtschaftsminister Prof. Andreas Pinkwart ausgezeichnet.

Im Museum für Kunst und Kulturgeschichte (MKK) ist seit dem 10.04.2021 bis zum 27.06.2021 die Sonderausstellung „MANUFACTUM 2021“ mit den Werken aller 121 Nominierten einschließlich der Staatspreisträger*innen zu sehen.

Für die durchführenden Organisatoren verriet Beate Amrehn (Formgebungsberaterin der Akademie für Handwerksdesign Gut Rosenberg der Handwerkskammer Aachen) beim Pressetermin, dass die gestalterische innovative Qualität der zur Wahl stehenden Arbeiten hoch war. Als Anker für alle Beteiligten gilt: Alle Kunsthandwerke müssen selbst entworfen und selbst gefertigt worden sein.

Präsentieren die 121 Nominierten des Staatspreises für Kunsthandwerk auch im Museum für Kunst und Kulturgeschichte (v.l.n.r.) Beate Amrehn, Formǵebungsberaterin der Akademie für Handwerksdesign, Dr. Jens Stöcker, Direktor des MKK, und Birgit Müller vom Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes NRW.
Präsentieren die 121 Nominierten des Staatspreises für Kunsthandwerk auch im Museum für Kunst und Kulturgeschichte (v.l.n.r.) Beate Amrehn, Formǵebungsberaterin der Akademie für Handwerksdesign, Dr. Jens Stöcker, Direktor des MKK, und Birgit Müller vom Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes NRW.

Die Preisträger*innen:

Kategorie Bild- und Druckmedien: Jan Göller (Fotograf aus Kerken)

Kategorie Kleidung und Textil: Sharokina Golpashin (Düsseldorf)

Kategorie Möbel: Oliver Trepper (Münster)

Kategorie Objekt und Skulptur: Maria Pohlkemper (keramikerin Billerbeck

Kategorie: Schmuck: Carola Kosche (Lüdenscheid)

Sonderpreis Bild- und Druckmedien: Theresa Wedemeyer (Münster)

Die Ausstellung zeigt die große Vielfalt und gestalterische künstlerische Kraft des NRW-Kunsthandwerks in all seinen interessanten Facetten. Umwelt- und gesellschaftliche Problem werden dabei nicht ausgespart.

Jan Göller etwa führt uns mit seinen aus vielen Einzelaufnahmen zusammengesetzten und bearbeiteten und auf circa 1,60 m Fotografien (an Drucke aus dem 18. Jahrhundert erinnernden) vergrößerten Algen nicht nur deren Faszination vor Augen. Die sich rasant vermehrenden Algen in unseren Meeren zeugen von der zunehmenden Verschmutzung unserer Gewässer und deren fragilen Zustands.

Parallel zur Ausstellung ist zudem auch ein dazu entstandener Katalog erworben werden.

Die Preisverleihung am Samstag, den 24.04.2021 im Konzerthaus ist im Internet (ab 11 Uhr) kann unter dem Link www.staatspreis-manufactum.de/stream verfolgt werden.