Wie lassen wir uns täuschen? – TÄUSCHEND ECHT:ECHT TÄUSCHEND
Was ist echt und was ist nur vorgespielt? In der virtuellen Welt treffen wir auf Personen, von denen wir nicht wissen, ob sie das sind, was sie behaupten zu sein. Das Künstler:innen-Kollektiv Mia ter Horst, Joshua Martin und Tim Semrau hat sich in seinen Fotografien und Filmen mit der Fragilität der Wahrnehmung beschäftigt. Am 18. Juni 2022 ist die Finissage seiner Ausstellung in .dott.werk, Düsseldorfer Straße 18, ein. Zu sehen sind Film- und Fotoinstallationen.
Bild vom Kollektiv Mia ter Horst, Joshua Martin und Tim Semrau für die Ausstellung „Täuschend Echt:Echt Täuschend.
Die gezeigten Bilder sind spannend aufgebaut. Die haben eine sehr starke architektonische oder zumindest geometrische Komponente. Dann ist oft eine Person in einer ungewöhnlichen Perspektive zu sehen. „Das ist sicher gephotoshopped“ werden manche Besucher*innen denken, dennoch bleibt es unklar. Ist es die ungewöhnliche Perspektive, die die Bildkomposition unwirklich erscheinen lässt? Das Multi-Media-Projekt „TÄUSCHEND ECHT:ECHT TÄUSCHEND“ zeigt unter Berücksichtigung dieser Fragen „Fotocollagen“ aus der realen Welt. Welche der Fotografien sind digital zusammengesetzt? Welche Motive bilden tatsächlich 1:1 das ab, was den Künstler:innen vor die Linse kam?
Am Samstag noch von 12 bis 20 Uhr im .dott.werk, Düsseldorfer Straße 18, 44143 Dortmund zu sehen.
Parkstreifzüge und Gedankengänge als Collage
Die Städtische Galerie Torhaus Rombergpark in Dortmund lädt Besucherinnen und Besucher vom 29.05.2022 bis 19.06.2022 zu der sehr persönlichen Ausstellung „Me And My Park“ der hiesigen Künstlerin Silvia Liebig (Jahrgang 1966) ein. Der schöne naturbelassene Rombergpark hat ja schon vielen Generationen zum Flanieren sowie dem Bewundern und Beobachten der Pflanzen- und Tierwelt inspiriert.
„Selphywand“ von Silvia Liebig. Zu sehen in der Galerie Torhaus Rombergpark.
Mit ihren Foto- und Bildcollagen, Tiermasken, Skizzen auf Papier (Liebespaare und mehr) stellt die Künstlerin den persönlichen Erlebnissen und Erfahrungen der Betrachtenden ihr Narrativ zur Seite.
Neben all den schönen Erlebnissen in „ihrem Park“ (etwa mit dem Vater) stellt sie musterhafte Strukturen infrage und es kommt auch Bedrohliches (zum Beispiel für Frauen) vor oder es befindet sich eine Menschengruppe von Strafgefangenen im Zweiten Weltkrieg im Hintergrund. Es geht auch um die Beziehung von Mensch und Natur. Warum füttern zum Beispiel Menschen so gerne Tiere im Park? Was ist wichtig in unserem Leben? Der Rombergpark steht dabei stellvertretend für Parks dieser Art.
Die Besucher*innen der Ausstellung haben Gelegenheit, ein Selfie vor einer Leinwand mit den meisten Sehenswürdigkeiten des Parks zu machen. Das kann mit vielen Menschen im Netz geteilt werden.
Obwohl es keine offizielle Eröffnung der Ausstellung gibt, lädt eine Aktion am Sonntag, dem 29.05.2022 zwischen 11 und 16 Uhr ein, gemeinsam mit anderen Zufallsgästen zu essen und plauschen.
Auf der linken Seite des Raums im Torhaus ist ein langer Tisch mit Stühlen für bis zu zwölf Personen gedeckt, die dort zeitgleich Platz finden können. Das Porzellan-Geschirr stammt aus verschiedenen Haushalten. Jedes einzelne Teil hat seine ganz eigene Geschichte. Essen und Trinken bringt jede und jeder dazu selbst mit.
Genug Gesprächsstoff und zu entdecken gibt es auf alle Fälle.
Blade Memory II – Kooperative Ausstellung in neuen Räumlichkeiten
In den ehemaligen Büroräumen einer Versicherung (direkt gegenüber der Big Gallery , Park der Partnerstädte 2) hat der Dortmunder Kunstverein seine neue Heimat gefunden. Auf zwei Ebenen bieten sich jetzt neue künstlerische Darstellungsmöglichkeiten. Mit „Blade Memory II“, eine Kooperation mit dem Center for Contemporary Art (CCA) Tel Aviv-Yafo, wird dort vom 21.05.2022 bis zum 30. Juli 2022 erstmals eine Ausstellung gezeigt. Den ersten Teil von „Blade Memory“ konnte das Publikum in Tel Aviv (Israel) erleben.
Lee Nevo, Dis-play (for the sexual and social anthology of the ejections seat), 2021
Kuratiert wird die „Blade Memory II“ von Naama Arad, I.S. Kalter und Eran Nave. Beteiligt sind zwölf Künstler*innen aus Israel, drei aus Deutschland und eine aus Belgien. Durch Corona-Pandemie oder diverse kriegerische Auseinandersetzungen gerade in den letzten Jahren wurden die Künstler*innen in ihrer Außenwirkung beeinträchtigt. Zudem bietet sich ihnen in einer immer schnelllebigeren (digitalen) Welt und sich ständig verdichteten Innenstädten immer weniger Raum für individuellen Ausdruck. Moderne zeitgenössische Kunst aus Israel und europäische aus dem 20. Jahrhundert werden in einen besonderen Kontext gebracht.
Blade Memory beschwört eine schmerzhafte Erinnerung wie von einer Klinge oder einem Dolch. Es wird die Rolle von Künstler*innen, die von einer enttäuschenden Gegenwart geprägt sind, befragt. Mit einfachen Mitteln und Werkstoffen setzten sich die Beteiligten mit (oft männlich geprägten) Machtstrukturen künstlerisch auseinander und suchen Freiräume.
Schon im Eingangsbereich wird man von einem älteren Bürotisch mit der Spitze nach Vorne empfangen. In einem riesigen Holzregal auf der linken Seite (Bread Library, Uri Ara, 2020/2022) hat sich eine Bäckerei die „Freiheit genommen“, Brot nach den Buchstaben des Alphabets zu formen.
Viele Werke haben eine eigene Symbolkraft. So etwa die viel zu große Besenbürste für einem winzige Kehrblech (Marianne Berenhaut, 2019) in einem Hausmeisterraum auf der Ebene 2. Sie kann den vielen „Schmutz, Unrat“ nicht aufnehmen.
Ein sehr deutlicher Hinweis auf Machtstrukturen ist der lange, an den „Putin-Tisch“ erinnernde Tisch mit einer die Hände ausbreitenden Bronzestatue von Max Ernst (1961).
Eine spezielle Leihgabe mit Heimatbezug ist auf der unteren Ebene zu sehen. Es ist ein Bild ( Bleistift auf Papier) ohne Titel des leider früh verstorbenen Dortmunder Künstlers Martin Kippenberger (1953 – 1997). Es gibt einiges zu Entdecken und viel Raum für Assoziationen.
Die Eröffnung der Ausstellung findet am Samstag, den 21.05.2022 (16 – 20 Uhr) statt.
„It takes two to tango“ ist nicht nur der Titel der Ausstellung im Erdgeschoss im Künstlerhaus, sondern „zwei“ ist auch die Anzahl der Ausstellungen, denn im 1. Stock des Gebäudes ist auch noch die Ausstellung „Schwarzzseite Projekt“ mit Druckgrafiken zu sehen. Beginnen wir im Erdgeschoss.
Hier präsentieren zehn Künstlerinnen Arbeiten, die sich stark mit Rhythmus, Struktur oder Materialität beschäftigen. Gemeinsam ist allen Künstlerinnen, dass sie entweder als Mentorin oder Mentee an den Kunst-Mentorinnenprogrammen in Nordrhein-Westfalen oder Mecklenburg-Vorpommern teilgenommen haben. Die Ausstellung ist bis zum 19. Juni 2022 zu sehen.
Maria Seitz, multicolor 4
Uli Böhmelmann arbeitet raumbezogen mit transparenten oder empfindlichen Materialien. Für die Ausstellung im Künstlerhaus zeigt sie ihre Arbeit „Kette geschlossen“, die aus Porzellan besteht. Somit entsteht eine neue Einteilung des Raumes. Die Analogie zwischen Kunst und Natur beschäftigt die Künstlerin Rabea Dransfeld. Ihre „kosmischen korrelate“ wirken einerseits wie Stücke von Meteoriten, andererseits aber auch wie Waben von Bienen oder Wespen. Bei Maria Seitz stehen serielle Strukturen und repetitive Verfahren im Vordergrund. Sie zeichnet mit Buntstiften auf Papier und erzeugt komplexe Strukturen. Ramona Seyfarth arbeitet bei ihren fotografischen Arbeiten mit der Zeit, Sie fotografiert ein Motiv über 24 Stunden und komprimiert die Bilder anschließend. Ein weiteres Werk von ihr ist der „Rote Teppich“, der aus einzelnen Glasfäden geknüpft ist. Eine Zeichnung im Raum, so könnte man die Arbeit „Raumgestrick“ von Karin Schroeder bezeichnen. Ein Faden wird eine Linie, die Linie durchdringt den Raum und wird zu einem 3D-Gebilde.
Johanna Herrmann arbeitet mit dem Wind und dem Zufall. Hier im Künstlerhaus muss sie sich mit Ventilatoren begnügen, doch es bleibt spannend, welches Ergebnis bei dem „Experiment“ herauskommt. Denn der Wind bewegt Pinsel, an denen Farbe klebt, so entstehen spannende Bilder. Die Zeichnungen von Justyna Janetzek beziehen sich auf ihre Skulpturen, an denen sie sonst arbeitet. Sie sind eine Art Muster, Skizze, die von ferne an Gebilde im Raum erinnern. Mit verlorenen Handschuhen arbeitet Susanne Gabler. Zusätzlich „vermenschlicht“ sie die Handschuhe, in dem sie Kontaktanzeigen darunter platziert. Ob sich dadurch der zweite passende Handschuh findet? Das Grundelement der Werke von Dorthe Goeden ist die Linie. So sind ihre Papierschnitte ein Spiel von Licht und Schatten, vom dem „was ist“ und von dem „was nicht ist“. Dazu zeigt sie viele Arbeiten, die als Werkarchiv oder Skizzenbuch dienen könnten. Zusätzlich arbeiten Lisa Tschorn und Sierra Diamond an der Performance „Trotzdem“.
Freundinnen und Freunde von Druckgrafiken können sich auf die Ausstellung „Schwarzzseite Projekt“ freuen, die bis zum 29. Mai 2022 läuft denn zu sehen sind insgesamt 28 Druckgrafiken aus aller Welt, kuratiert von Debora Ando. Viele Drucktechniken sind vertreten und von Unikaten bis zu großen Auflagen ist alles dabei.
World Press Photo 2022 – Eindrückliche Pressefotografie
Der Kulturort Depot im Dortmunder Norden zeigt bis zum 29. Mai 2022 bereits zum 10. Mal die „World Press Photo“ Ausstellung. Rund 150 Fotos von preisgekrönten Pressefotofotografen sind in der Mittelhalle zu sehen.
Wer das Titelbild der diesjährigen Ausstellung sieht, denkt vielleicht, dass sich viele Bilder in der Ausstellung über das Thema Corona drehen. Doch weit gefehlt, andere Themen bleiben leider immer noch aktuell wie Bürgerkriege oder Umweltzerstörung. Dennoch bietet die Ausstellung auch Raum für leise Geschichten, wie die über das Leben eines argentinischen Mädchens und dessen Wünsche für die Zukunft.
Doch im Vordergrund stehen die weniger schönen Dinge. Eine Reportage über Migranten, die in der US-amerikanischen Fleischindustrie ausgebeutet werden, die Waldbrände in Sibirien oder in Griechenland, Konflikte in Myanmar und in anderen Ländern. Spannend sind auch Fotos über die letzten Jahre der Präsidentschaft von Trump oder die Konflikte in der Ukraine nach 2014, die ja durch den Krieg an Aktualität gewonnen haben.
Das Pressefoto des Jahres von Amber Bracken und dreht sich um die Assimilierung der indigenen Völker in Kanada, dessen Kinder in Internaten misshandelt wurden. Manche starben.
Die Ausstellung ist Sonntag bis Donnerstag von 11 bis 20 Uhr geöffnet, Freitag und Samstag sogar von 11 bis 22 Uhr. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 6 Euro. Karten sind an der Tageskasse erhältlich. Die World Press Photo Foundation empfiehlt den Besuch der Ausstellung ab 14 Jahren. Für gemütliche Stimmung an den Wochenenden sorgt das Café Vital: Freitag bis Sonntag von 13 bis 18 Uhr gibt es Kaffee und Kuchen in der Mittelhalle.
Vier öffentliche Führungen bieten zudem die Möglichkeit, noch tiefer in die Welt der Pressefotografie einzutauchen: An drei Samstagen (14., 21. und 28. Mai) um jeweils 15 Uhr sowie an einem Mittwoch (18. Mai) um 18 Uhr begleiten fachkundige Guides durch die Ausstellung. Der Eintritt beträgt hierbei 8 Euro, ermäßigt 6 Euro zzgl. 4 Euro Führungsgebühr. Zu den Führungen ist eine Anmeldung per Mail an depot@depotdortmund.de oder unter der Telefonnummer 0231 900 806 erforderlich.
Führungen für Gruppen und Schulklassen können unter diesen Kontaktdaten gesondert angefragt werden.
Unter dem Motto „Auch ich war einst ein Kind“ stellen sich zwölf KünstlerInnen in der Gemeinschaftsausstellung 2022 im Dortmunder Kunstbonbon (Chemnitzer Str. 11) vom 14.05.2022 bis 25.06.2022 ihren persönlichen Erlebnissen und Stimmungen aus der Vergangenheit.
In verschiedenster Form drücken sie sich durch Malerei, Illustration, Fotografie, Skulpturen, Objekte sowie Installationen aus. Die Gastkünstlerinnen des Kunstbonbons sind in vielen Kunstrichtungen unterwegs. Da alle beteiligten Personen im Alter zwischen 50 und 70 Jahren sind, decken sie verschiedene Kindheitserlebniswelten ab. Sicher kommen auch bei den BesucherInnen verschiedene Gefühle und Erinnerungen hoch. Da gibt es einigen Gesprächsstoff.
Teilnehmende KünstlerInnen: Michaela Düllenberg, Ilse Hilpert, Markus Jöhring, Claudia König, Ingrid Lacher, Hendrik Müller, Ari Plikat, Almut Rybarsch-Tarry, Karin Schmidt, Gine Selle, Lotte Wagner sowie Michael Wienand.
Die Vernissage findet im Kunstbonbon am 14.05.2022 u m 15:00 Uhr statt.
Das Kunstbonbon nimmt zudem an den „Offenen Ateliers 2022“ teil und ist am Samstag, den 18.06 von 15-20 Uhr und am Sonntag, den 19.06. von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Ansonsten kann die Ausstellung bis zum 25.06.2022 zu den üblichen Öffnungszeiten (di 13.18, fr 15-18, sa 12-15 Uhr) besucht werden.
Wolfgang Knappmann präsentiert ungewöhnliche Perspektiven
Noch bis in den Mai zeigt Wolfgang Knappmann in der Westerfilder Gaststätte „Im schönen Wiesengrund“ seine Ausstellung „Spuren“. Seine Fotografien, von Drohnen aufgenommen, zeigen eine unerwartete Perspektive der Landschaft.
Es ist erstaunlich, wie sich Landschaft verändert, wenn eine Drohne sie von großer Höhe fotografiert. Plötzlich werden aus Bodenstrukturen organische Bilder, die aussehen wie Zellen oder Aufnahmen von Nieren. Manchmal entstehen Aufnahmen, die an mittelalterliche Karten erinnern oder die völlig abstrakt wirken.
Wolfgang Knappmann und seine Drohnenfotos im Westerfilder „Wiesengrund“.
Doch Knappmann hat einfach nur mit seiner Drohne die Nachbarschaft überflogen und so außergewöhnliche Aufnahmen entstehen lassen. Ob Mengede, Wischlingen oder den Dortmunder Hafen. Alle wirken aus der Höhe aufgenommen fremd und merkwürdig. Doch das ist ja das faszinierende an den Aufnahmen.
Natürlich gibt es auch Bilder, die schnell zu erkennen sind, wie beispielsweise Treckerspuren auf dem Acker zwischen Westerfilde und dem Jungferntal. Die klare Geometrie ist in Knappmanns Bildern sehr gut zu erkennen. Kein Wunder, dass Drohnen auch zur Suche nach archäologischen Funden benutzt werden.
Einige Panoramabilder von Westerfilde runden die Ausstellung ab. Die Gaststätte „Im schönen Wiesengrunde“ sollte eigentlich geschlossen werden. Aber es gründete sich eine Bürgerinitiative, die die einzige Kneipe in Westerfilde retten wollen und es letztendlich geschafft haben.
Kunst in einem spannungsvollen räumlichen und grafischen Dialog
In der Städtischen Galerie Torhaus Rombergpark in Dortmund ist vom 01.05.2022 bis 22.05.20222 die Ausstellung „Relationen“ mit Werken des Bildhauers Walter Hellenthal (Jahrgang 1946) aus Herdecke zu sehen. Die meisten Arbeiten sind in den letzten zwei Jahren entstanden.
In dem besonderen Raum des Torhauses zeigt der Künstler sowohl grafische Arbeiten wie auch auf zehn Sockeln platzierte Skulpturen. Die hat Hellenthal aus im Steinbruch gefundenen unterschiedlichen Materialien wie Stein oder Eisen, Stahl und Aluminium, zusammengestellt und in neue „Relationen“ gebracht.
Walter Hellenthal zeigt neben Skulpturen auch grafische Arbeiten im Torhaus Rombergpark.
Ausgangspunkt ist die Gegensätzlichkeit der Materialien in Material und Form, die in ihrer offenen und unzulänglichen Zusammenstellung eine besondere Energie und Kraft ausstrahlen.
Bei seinen Arbeiten auf Papier wirken die unterschiedlichen, manchmal zufällig gefundenen Materialspuren. So ist die Färbung durch oxidierendem Eisenpulver zum Beispiel nicht vorhersehbar.
Für Walter Hellenthal ist die Ausdrucksqualität wie Masse und Volumen, Spuren der Be- und Verarbeitung, Oberflächenstrukturen oder die unterschiedlichsten Spuren und deren Farben von Bedeutung.
Mit seinen plastischen Objekten und Arbeiten auf Papier bringt der Künstler ihre Gegensätzlichkeit in einen spannungsvollen räumlichen und grafischen Dialog. Er ermöglicht den Betrachtenden so eine Erfahrung von Einheit (Nicht-Zwei).
Keine Illustrationen geäußerter Gedanken sind hier zu sehen, sondern in jedem Fall immer neue Relationen.
Eine offizielle Vernissage wird am Sonntag, dem 01.05.2022 nicht stattfinden, der Künstler wird aber ab 11:00 Uhr für Interessierte im Torhaus anwesend sein.
Die Ausstellung ist dienstags bis samstags von 14:00 bis 18:00 Uhr und sonntags sowie feiertags von 10:00 bis 18:00 Uhr geöffnet. Eintritt ist frei.
Ein Rundgang durch die Ausstellung wird zudem auch in der virtuellen Galerie präsentiert: www.virtuellegalerie-dortmund.de
Office Work
Ausstellung von Ignacio Uriarte im Museum am Ostwall im Dortmunder U, Leonie Reygers Terasse, MO_Schaufenster
Office Work, Kunst aus dem Büroalltag erwachsen? Ist das so was wie Telefonkritzeleien, weil das Gespräch anstrengend oder langweilig ist? Oder arrangierte Schreibmaschinen und Ordner? Was muss, was soll man sich darunter vorstellen?
Kreative Büroarbeiten von Ignacio Uriarte, begleitet von MO-Direktorin Dr. Florence Thurmes (li) und Kuratorin Natalie Çalkozan.
Zuerst einmal Ignacio Uriarte ist Rheinländer, was der Name zuerst einmal nicht verrät. Seine Arbeiten, komplex, zugleich simpel und eindringlich verwirrend. Was aus dem Büroalltag alles zu Kunst werden kann, man ist erstaunt wie aus dem Banalen, ja Langweiligen, ein kreativer Akt Kunst macht.
Aus dem „Zerreißen“ von Papier eine Struktur geben, die neue Formen entstehen lässt, wie z.B. Landschaften, oder die Wellenmuster im Watt erinnernd. Man kennt es vielleicht selber, wenn man aus einem Schreibblock eine Seite herausreißen will und dabei das Blatt unsauber herauslöst. Also nochmal, und wieder und wieder … Und vielleicht haben wir uns dabei ertappt, wie unsere Augen uns eine Landschaft zeigten.
Der Ausgang von Uriartes Werk ist das Banale, das Alltägliche aus dem Büroalltag, denn im vorherigen Leben war Uriarte Büroangestellter.
Die in Kreisen angeordneten Dreiecke erinnern an auf dem Kopf stehende Tannen, die in unterschiedlichen Winkeln, aus einiger Entfernung, wie in einem Tannenwald stehen. Es sind aber präzise und zeitraubend, sich wiederholende Tastenschläge mit der Schreibmaschine, tritt man direkt vor das Bild, man erkennt den Schrägstrich. Weiß man um die Herstellung, schmerzt geradezu der Finger.
Oder die Videoinstallation der Aktenordner im Regal, die eine Art Ballett aufzuführen scheinen, dabei im Takt laufend, plötzlich sich aus der Ordnung lösen und unterschiedlich rasen und doch wieder, zack, eingefangen werden und in der alten Ordnung wieder laufen. Amüsante 8 Minuten.
Die Kreise und „kreiseigen“ Linien auf Papier in drei Farben und einmal übereinander gemalt verwirren das Auge und suggerieren eine monochrome Fläche, die sich bei näherer Betrachtung in besagte Kreise und Kreislinien auflöst. Denken sie bei der Betrachtung nicht an ihr Handgelenk.
Und Bauhaus hat Uriarte auch. Seine Fotografien von unterschiedlich angeordneten Geometriedreiecken. Es IST die Formensprache des Bauhauses, dass von 1919 bis 1933 in Deutschland neue Wege einer integrativen Kunst und Architektur fand … die einzige Kunst, Design und Architekturschule die es je gab und unser Leben bis heute beeinflusst, unsere Sehgewohnheiten, den NAZIs zum Trotz, bestimmt. Denken Sie nur an das iPhone von Apple, die Elektrogeräte von Braun oder den Schneewittchensarg. Diese Four Geometry Sets ergeben die unterschiedlichsten Figuren, je nachdem wie sie verschoben werden und zueinander stehen. Spannend.
Uriarte schafft Spannendes mit einfachsten Techniken. Er abstrahiert aus dem Büroalltag zu Minimal Art wodurch er mit der Wahrnehmung seines Gegenübers des Werkes geschickt spielt und die „Fleißarbeiten“ werden zu Kunst. Zugleich ist diese Kunst im heutigen Technikzeitalter, der Digitalisierung historisch, denn es werden Materialien verwendet, die in den 1950er bis 1980er Jahren Bürostandard waren, heute aber selten werden, wie z. B. das schwarz-rote Farbband einer Schreibmaschine.
Die Ausstellung ist vom 22.04.2022 bis zum 19.06.2022 geöffnet