Zum 15. Mal ist Dortmund der Mittelpunkt in der Kurzfilmbranche. Fast 300 Einsendungen zeugen von der Beliebtheit des XXS Kurzfilmfestivals. In diesem Jahr gibt es eine Premiere: Nach den Jahren im Schauspielhaus findet das Festival am 12. September 2015 um 19:30 Uhr in einem Kino statt. Das Roxy in der Münsterstraße bietet das entsprechende Ambiente.
Der Abschied vom Schauspielhaus hatte mehrere Gründe. Zum einen befindet sich das Schauspielhaus bald in einer Umbauphase, so dass im kommenden Jahr sowieso kein XXS-Festival mehr dort stattfinden könnte. Außerdem musste die technische Infrastruktur immer ins Schauspielhaus mitgebracht werden, was mit finanziellen Kosten verbunden war. Zudem bestand mit dem Roxy schon ein längerer Kontakt.
Organisiert wird das Festival von den Studierenden des Fachbereichs Kultur- und Eventmanagement der Medienakademie WAM. Sie mussten über 300 Bewerbungen sichten und die zehn Filme des Abends auswählen. Wichtige Kriterien waren Aussage, Länge und die Qualität der Bilder. Wie in den vergangenen Jahren haben die Studierenden darauf geachtet, eine bunte Mischung auszuwählen. So gibt es Comedy, Romantik, Drama und einen Animationsfilm. Durch den Abend führen Nico Schmid und Elena Stenczl, zwei Studenten des zweiten Semesters Journalismus und Moderation.
Von den zehn ausgewählten Filmen werden drei ausgezeichnet und erhalten einen Filmpreis in Gold resp. Silber und Bronze. Die Siegerfilme wird eine Jury auswählen, die aus Raphael Vogt, Julian Weigend und Sascha Bisley besteht. Daneben gibt es traditionell den Publikumspreis.
Auch in diesem Jahr wird der Amnesty International Preis der Stiftung Menschenrechte verliehen und ein Film erhält den DEW Kreative Energie Preis.
Die Galerie in der Oesterholzstraße 103 zeigt unter dem Titel „1000 Fenster“ vom 11. September bis 09. Oktober 2015 zehn Bilder von Kai Eickler. Zu den Besonderheiten dieser Bilder gehört ihr ausgeprägter Detailreichtum. In der Ausstellung soll ein Gemeinschaftsbild entstehen. Eickler malt ein Haus und lädt Besucher ein dort zu wohnen. Man muss nur ein Foto (2×3 cm) mitbringen.
Ein Jahr lang malt Eickler an einem Bild. Denn er leidet an einer Nervenkrankheit und sitzt im Rollstuhl. Laufen kann er nicht mehr, aber er kann noch malen. Und das mit beeindruckender Präzision und Liebe zum Detail. Zu seinen Lieblingsmotiven gehört neben der Stadt Dortmund und dem Westfalenstadion die Stadt New York mit ihrer Architektur und der Skyline im Mittelpunkt.
Die Anschläge vom 11. September 2001 haben den New York-Fan schockiert. In seinen Bildern tauchen die Türme daher immer wieder auf, in den Anfangsjahren sogar mit surrealistisch anmutenden Farbspiel.
Eickler hat sich in den letzten Jahren immer stärker von Farbbildern gelöst und malt seine Acrylbilder überwiegend in Schwarz-Weiß, setzt aber hin und wieder einzelne Farbtupfer wie beispielsweise eine amerikanische Flagge oder das typische Geld der Pylonen des Westfalenstadions.
Einen besonders starken Effekt hat die schwarz-weiß Malerei des Künstlers in seinem Bild von Köln aus dem Jahre 2011. Aus etwas weiterer Entfernung sieht das Bild aus wie eine Zeichnung oder ein Druck und besticht durch sein Wechselspiel von Licht und Schatten.
Wer also zu Eicklers Hausbewohnern gehören möchte, der schickt ein Foto (2×3 cm) seines beleuchteten Fensters an info@borsig11.de
Mit der Inszenierung von Wagners „Tristan und Isolde“ befördert Regisseur und Opernintendant Jens-Daniel Herzog das romantische Mittelalterdrama in eine DDR der 80er Jahre. Für Romantik ist kein Platz mehr, selbst nicht für Isoldes Liebestod. Ein Premierenbericht vom 06. September 2015.
Romantik trifft auf ein kaltes, durchorganisiertes Regime. Kühler Beton, eine nüchterne Schreibstube und ein Porträt des Staatsoberhauptes, König Marke. So empfing der erste Akt von „Tristan und Isolde“ die Zuschauer. Jens-Daniel Herzog entführt uns nicht die die mittelalterliche Märchenwelt, sondern in die kalte Atmosphäre eines totalitären Systems. Von den Uniformen könnte es in der DDR der 80er Jahre Spiegeln oder in einem der unzähligen Militärdiktaturen. Welches Schicksal Systemfeinden droht, zeigt gleich eine Hinrichtung zu Beginn des ersten Aktes. Wer kann, der flüchtet. Auch dieses hochaktuelle Thema behandelt Herzog und sein Team Bühnenbildner Mathis Neidhardt und Sibylle Gädeke (Kostüme).
Tristan (Lance Ryan) ist in der Inszenierung treuer Gefolgsmann von Kornwalls König Marke (Karl-Heinz Lehner). Für den Erhalt des Staatswesens überredet Tristan Marke, eine Frau zu nehmen. Die Wahl fällt auf die Irenprinzessin Isolde (Allison Oakes), die von Tristan als eine Art Rosenkavalier nach Kornwall eskortiert wird. Pikant: Tristan hatte Isoldes Verlobten im Kampf umgebracht. Isolde will Rache, vertauscht aber die Zaubertränke und nimmt den Liebestrank. Die beiden verlieben sich ineinander, sehr zum Unwillen von König Marke und seinen Begleitern. Schnell wird die Liaison entdeckt und Tristan vom Ziehkind zum Verräter.
Herzogs Inszenierung wusste vor allem in den ersten beiden Akten zu gefallen. Es beginnt mit einem Schockmoment der Hinrichtung eines Gefangenen und der Abfertigung von Isolde und ihrer Begleiterin Brangäne (Martina Dike). Alles erinnert an die deutsch-deutsche Grenze und gleichzeitig an die aktuelle Flüchtlingssituation. Gegen Ende des ersten Aktes legt Herzog auch Wagners Humor frei, als Tristan den Liebestrank zu sich genommen hat. Lustig und beschwingt lässt er sich auch von Kurwenal (Sangmin Lee) kaum bändigen.
Auch im zweiten Satz ist das Bild perfekt. Tristan und Isolde scheinen es zu spüren, dass ihre Affäre nicht unentdeckt geblieben ist. Schon gar nicht in einem solchen Staat wie ihn Herzog zeigt. Tristan und Isolde gehen von einem Raum zum anderen, überall sitzt jemand, der Akten anlegt, überwacht und aufzeichnet. Im letzten Raum dann die dramatische Auflösung. Kurwenal sitzt blutüberströmt auf einen Stuhl, Tristan wird mit Melot, dem neuen Ziehsohn von Marke gefoltert.
Der dritte Akt bringt die Entscheidung: Kurwenal wird von Melot erschossen (im original ist es andersherum), Tristan stirbt, bekommt aber ein ehrenvolles Begräbnis, obwohl in autoritären Regimes die Abweichler gerne aus der Geschichte getilgt werden wie beispielösweise bei Stalin und Trotzki. Isolde bleibt der Liebestod erspart. Vielleicht ist in dieser kalten Gesellschaft auch kein Platz für solche Romantik.
Lance Ryan und Allison Oakes sind routinierte Wagner-Interpreten und sangen ihren Part ebenso gekonnt. Doch den größten Applaus gab es für die Lokalmatadoren Karl-Heinz Lehnert und Sangmin Lee. Lehnert spielte einen eiskalten Marke, der für den Machterhalt ohne mit der Wimper zu zucken auch seinen Ziehsohn fallen lässt. Lee spielte Kurwenal als treuen Adlatus, der seinem Freund Tristan auf Gedeih und Verderb folgt und konsequenterweise in dieser Inszenierung dessen Schicksal teilen muss.
Ein großes Lob verdienten sich die Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von Gabriel Feltz, der gekonnt die Feinheiten von Wagners Partitur ausarbeitete.
Die Inszenierung stieß nicht auf ungeteilten Beifall des Dortmunder Publikums. Waren die beiden Hinrichtungen (Gefangener, Kurwenal) zu viel? Auch wenn Herzogs Regiearbeit im dritten Akt nicht mehr die wunderbaren Bilder produzierte wie in den beiden ersten Akten, war die Gesamtkonzeption stimmig: Menschlichkeit (die Liebe als intensive menschliche Regung) dringt in ein bürokratisch-autoritäres System ein und muss scheitern. Es ist wie fast immer bei Herzogs Arbeiten: Man muss sich schon trauen, aber es lohnt sich.
Wie klingt der Markt?
Was wohl in der Tüte ist? Rolf Dennemann wird es beim „Forum Markt“ verraten.
Ein Markt hat viele Geräusche. Die Gespräche zwischen Verkäufern und Kunden, das Rufen von Angeboten, das Hin- und Herlaufen zwischen den Ständen. Und es gibt noch vieles mehr. Artscenico präsentiert vom 11. bis zum 13. September 2015 auf dem Vorplatz des Dortmunder U eine performative Installation unter dem Titel „Forum Markt“.
Welchen Sound haben Märkte? Gibt es hörbare Unterschiede zwischen einem Markt in Dortmund oder einen in Riga oder Athen? Für Rolf Dennemann, den Kopf von artscenico haben Märkte eine besondere Funktion: „Sie bieten einen unmittelbaren Kontakt zwischen Käufer und Verkäufer, man kann ein Schwätzchen halten. Dennoch haben es Märkte immer schwerer. „Die Mittelschicht kauft mehr, die armen Schweine eher weniger auf dem Markt“, so Dennemann.
Was ist die „performative Installation“? „Es wird fünf verschiedene Räume geben“, erklärte Dennmann, die in großen Containern beheimatet sind. Die Filmemacher „knallrotfilm“ präsentieren ihre Dokumentation über Märkte. Foto, Film und Sound laden die Besucher ein, Geschichten über Händler und Käufer zu erleben.
Rolf Dennemann präsentiert im „Sounds of markets“ Marktschreier aus Dortmund-Aplerbeck und Soundcollagen aus Spanien, Litauen und dem Ruhrgebiet.
Einen Apfel von einer Birne blind zu erkennen ist noch einfach. Aber der Unterschied zwischen Petersilie und Pastinake zu erfühlen, ist schon schwieriger.
Macht Obst und Gemüse Geräusche? Wenn ja, welche? Im vierten Container findet eine Soundcollage statt, die interessante und spannende Geräusche aufnimmt, die man mit Obst und Gemüse so machen kann: Essen, schaben, kratzen, kauen.
Was darf auf einem Markt nicht fehlen? Der Eiermann. Beim „Forum Markt“ ist sogar die ganze Familie Eiermann anwesend. Vier Schauspieler (Matthias Hecht, Denise Rech, Elisabeth Pleß und Sandra Wickenburg) machen ein kleines experimentelles Stück mit möglicher Beteiligung der Besucher. Machen Sie es sich im Wohnzimmer der Familie Eiermann gemütlich, es gibt sogar etwas zu essen.
Noch etwas typisches für einen Markt: Die Plastiktüten, in der die Ware hineingesteckt wird. In der Mitte des Vorplatzes wird Photini Melatiadis mit 200 dieser kleinen Tüten eine Tanzperformance aufführen.
Zwei Menschen halten am Ende ihres Lebens Rückschau. Eine Frau und Ein Mann. Marcus Lobbes inszeniert im Studio Samuel Becketts „Glückliche Tage“ und „Das letzte Band“ als intensives Kammerspiel und vergisst dabei nicht den Humor, der den Stücken von Becketts innewohnen. Ein Premierenbericht vom 05. September.
Die letzte Reise. In Lobbes Inszenierung überquert Winnie (Merle Wasmuth) in einer Mischung zwischen Boot und Sarg den Fluss Styx, der in der griechischen Mythologie die Lebenden von den Toten trennt. Bleich geschminkt auf ihrer Reise spricht Winnie meist mit sich selbst, denn sie ist ist in der Beziehung mit Willie der aktive Teil, Willie (gespielt von Ekkehard Freye) der deutlich passive. Nur spärlich und beinahe widerwillig kommentiert er Winnies Monologe. Trotz dieser Entfremdung ist immer eine Art Band zwischen den beiden zu spüren, selbst wenn Lobbes das Ehepaar durch eine Glaswand trennt. Willie sitzt im Zuschauerraum und kann trotz zweier Versuche nicht zu Winnie gelangen, die in ihrem Boot langsam Richtung Toteninsel gezogen wird. Man merkt es Winnie an, dass sie sich freut, wenn Willie reagiert. „Ich weiß, welche Mühe es dich kostet“, sagt sie einmal.
Winnie freut sich an den vergangenen Dingen, an den Gewohnheiten, die sie „der alte Stil“ nennt. Dennoch ist ihr die Vergänglichkeit deutlich bewusst. „Früher dachte ich, dass all die Sachen, zu früh in den schwarzen Sack gesteckt, wieder heraus geholt werden könnten“, erinnert sie sich. Jetzt weiß sie, dass dies nicht passiert. Aus und vorbei.
Krapp hingegen sieht die Rückschau auf sein Leben weniger gelassen. „Welkom op het feest van de gemiste kansen, jongen!“ (Willkomen auf dem Fest der verpassten Chancen, Junge!) sang die niederländische Band „Tröckener Kecks“, doch für Krapp ist es kein Fest. Schon gar kein fröhliches. Die Fragen „Was wäre, wenn…“ und „Wie konnte ich nur so blöd sein.“ Freye, diesmal mit Perücke und Brille, zeigt dabei die Karikatur eines älteren Intellektuellen. Auf der Leinwand erscheint sein jüngeres Ich mit 38-jahren, das selbstgefällig und überheblich über die Ereignisse des vergangenen Jahres berichtet. Anfänglich noch mit lustigen Kommentaren bedacht, werden diese Anmerkungen immer bitterer. Die angestrebte Karriere als Schriftsteller ist als Seifenblase zerplatzt und die Liebesbeziehung aus Überheblichkeit zerbrochen oder gar nicht erst entstanden. So bleibt Krapp im Alter nur noch das letzte Band als bittere Erinnerung, bei dessen Betrachtung er in Selbstmitleid zerfließt.
Winnie und Krapp. Zwei Menschen, deren Rückblick auf ihr Leben nicht unterschiedlicher sein kann. Winnie ist ein klein wenig sentimental, aber zufrieden mit den kleinen Dingen. Krapp hingegen versinkt in Selbstmitleid, nachdem seine selbstgefällige Maske heruntergerissen wurde.
Lobbes inszeniert das Beckett-Doppel nicht ohne Humor, vor allem Krapp bietet durch sein Selbstmitleid ein Quell an Humor, die Freye durch sein Spiel auch wunderbar aus-reizt.
Wasmuth zeigt als Winnie eine fast klaglose Sanftmut auf ihrem letzten Weg.
Ein intensiver Abend, ohne Musik, aber mit zwei sehr präsenten Schauspielern. Für die Vorstellung am 11. September gibt es noch Restkarten. Weitere Termine in diesem Jahr sind 23. September, 01. Oktober, 25. Oktober und 28. Oktober.
Carmen im Zirkus
Carmen ist und bleibt eine faszinierende Persönlichkeit. Ihre tragische Liebesgeschichte inspirierte im vergangenen Jahr das Kinder- und Jugendtheater mit „Carmen: Außer Kontrolle“, zum Festival „Djelem Djelem“ zeigten die Kulturbrigaden am 04. September 2015 das Jugendmusiktheaterstück „Circus Carmen“ im Theater im Depot.
Im Original schließt sich Carmen einer Schmugglerbande an, in „Circus Carmen“ hingegen wird sie (kindgerechter) Zirkusartistin. Ansonsten bleibt die Geschichte fast gleich. Carmen bandelt mit Don José an, der sich sich unsterblich in Carmen verliebt, seine Verlobte Micaela und sein Leben als Soldat aufgibt, um ebenfalls mit dem Zirkus umher zu ziehen.
Doch Carmen lernt den Matador Don Camillo kennen und verliebt sich in ihn. Nachdem er erkannt hat, dass er Carmen nicht mehr zurückbekommt, ermordet Don José Carmen.
Eigentlich ist Carmen eine tragische Geschichte, die mit einer „Beziehungstat“ (so heißt das wohl juristisch) endet. Radojcic und Wachholz haben sich dennoch alle Mühe gegeben, den Stoff spannend und kindgerecht aufzubereiten. Die bunte Zirkusatmosphäre half natürlich dabei. Auch Slapstickeinlagen wie ein simulierter Faustkampf unter der Musik von „Kung Fu Fighting“ brachten das Theater im Depot zum Beben. Carmen wird durchaus als selbstständige dominante Frau gezeigt. Beim Duell zwischen Don José und Don Camillo geht sie mit zwei Degen dazwischen.
Alle Figuren in den Stück wurden von Frauen gespielt, mit Ausnahme des Gitarristen und Sängers Alberto Carrasco. Vielleicht die Folge eines Männermangels in solchen Theaterprojekten. Dennoch haben die beiden „Dons“ ihre Rollen sehr amüsant gespielt. Besonders, wenn sie aus der Rolle gefallen sind und beispielsweise auf Sächsisch besprochen haben, statt mit einem spanischen Akzent. In dem Stück wurde mit Humor das romantische Bild der Roma auf die Schippe genommen. So wurde der deutsche Text der „Habanera“ aus der Oper vom Chor gesungen, die die Liedzeile „Die Liebe von Zigeunern stammet“.
Besonders hervorzuheben waren die Kostüme. Angefangen vom Theaterdirektor, der ein wenig indisch-orientalisch gestylt war bis hin zu den Hauptfiguren, die alle Kostüme trugen, wie sie in Zeiten von Carmens Entstehung üblich waren. Alle Akteure brachten viel Spielwitz auf die Bühne. Ein großes Lob an die Verantwortlichen. Ein Extralob verdiente sich Carrasco, der mit seinen Flamenco-Stücken für spanisches Feeling sorgte. Nach „Alice“ ist „Circus Carmen“ eine weitere gelunge Produktion von Radojcic und Wachholz 2015. Neben Carrasco spielten Freya Erdmann, Leonie Goeke, Lina Härmstaädt, Ronahi Kahraman, Alicia Maselli und Anna Schwarz mit.
Wer es verpasst hat, am 12.09.2015 um 20 Uhr im Depot bietet sich nochmals die Gelegenheit das Stück zu sehen. Es lohnt sich.
Fragil und Vergänglich
Das „Green Monster“ von Udo Unkel.
Die Galerie „der kunstbetrieb“ zeigt vom 05. September bis zum 03. Oktober 2015 die Ausstellung „Menschenfreund“ mit Werken von Udo Unkel. Im Mittelpunkt stehen seine Figuren aus Stahlblech und die „Monster“. Daneben zeigt er Videos und weitere Objekte. Zur Museumsnacht ist eine besondere Aktion mit dem Künstler geplant.
Zart und fragil, so wirken die Figuren, obwohl sie aus dem harten Material Stahl sind. Angefangen hat er mit vollen Figuren, doch „ich konnte das, was ich ausdrücken wollte, damit nicht erreichen“, stellte Unkel irgendwann fest und arbeitet seit drei Jahren mit seinen Figuren. Dass sie sehr zerbrechlich sein können, musste Unkel beim Pressegespräch feststellen, als er seine Figur „Kapitän“ vom Luftballon stieß. Die Figur zerbrach in mehrere Teile und muss von Künstler wieder neu geschweißt werden.
Diese Vergänglichkeit steht im Mittelpunkt seiner Figuren. Sie wirken extrem verletzlich, wie von Motten zerfressen oder dem Verfall preisgegeben. Dennoch behalten sie alle immer ihre innere Würde. Die Figuren bestehen aus unzähligen Stahlplatten, die von Unkel in aufwändiger Arbeit zusammengeschweißt werden, eine Art dreidimensionales Puzzle. Vor und nach dem Lackieren werden sie mit Sandstrahl behandelt und zum Schluss gewachst. Seit einiger Zeit arbeitet Unkel die Gesichter seiner Figuren detaillierter aus und gibt ihnen so mehr Persönlichkeit.
Auch die „Monster“, kleine mechanische Apparate, haben das Thema „Vergänglichkeit“. Sie bestehen aus unterschiedlichsten Materialien wie Tierschädel, Draht, Holz. „Ich integriere Dinge, die Geschichten erzählen. Beispielsweise hatte Oma eine Blechdose mit Geld drin“, erzählt der Künstler. So werden diese Sachen künstlerisch recycelt. „Bei den Geräten mag ich das Provisorische“, ergänzt Unkel. Hier müssen die Besucher selber aktiv werden und Knöpfe drücken, damit etwas passiert.
Als kleinen Kontrast benutzt er häufiger die Farbe Rosa. „Rosa ist die Farbe für einen Klein-Mädchentraum, für die Wünsche, die jemand hat. Das setze ich der Vergänglichkeit gegenüber“, erklärt er.
Die Arbeit „Mi Ballon Dog“ ironisiert das Werk von Jeff Koons, dessen „Ballon Dog“ über 58 Millionen Dollar gekostet hat. Nur ist der Hund von Unkel aus Schweinedarm und ihm geht langsam die Pressluft aus. „Es zeigt den vergänglichen Wert der Kunst“, so Unkel.
Für die Museumsnacht hat sich Udo Unkel das Projekt „Wireworld“ ausgedacht. Die Besucher werden hinter einer weißen Plexiglasscheibe gefilmt. „Dieses Schemenhafte werde ich dann zu einem Film gestalten mit Samples und wiederkehrenden Elementen. Das wird dann ins Internet gestellt“, erklärte der Künstler. Wer also Lust hat, kann am 19. September zwischen 17 und 20 Uhr in die Galerie kommen.
Galerie der kunstbetrieb
Gneisenaustraße 30
montags bis freitags 11 bis 13 Uhr und 15 bis 18 Uhr
Mit dem Doppelpack „Glückliche Tage/Das letzte Band“ startet das Studio am 05. September um 20 Uhr in die Spielzeit 15/16. Die beiden Stücke von Samuel Beckett werden – soweit bekannt – zum ersten Mal zu einem Stück kombiniert. Regisseur Marcus Lobbes setzt in seiner Inszenierung auf die Kraft der Schauspieler. Keine Effekte, keine Musik – Lobbes will den Text wirken lassen.
Die beiden Stücke von Beckett sind eine Art Rückschau auf das Leben. In „Glückliche Tage“ ist es eine Frau, Winnie, die ihre Erinnerungen Revue passieren lässt. In „Das letzte Band“ reflektiert Krapp sein Leben. „Die beiden Stücke präsentieren die weibliche und männliche Sichtweise auf das Leben“, erzählt Lobbes. „die Rückschau bei Winnie ist großzügiger, während Krapp mit seinem Leben hadert und über seine verpassten Chancen trauert.“
Winnie wird von Merle Wasmuth gespielt während Ekkehard Freye den Willie in „Glückliche Tage“ spielt sowie den Krapp in „Das letzte Band“.
Die Premiere am 05. September 2015 ist bereits ausverkauft, für den 11. September gibt es noch Restkarten. Weitere Termine in diesem Jahr sind 23. September, 01. Oktober, 25. Oktober und 28. Oktober.
Eine Ausstellung mit allen Sinnen erfassen
Am Kaugummiautomaten können die Besucher sich Gerüche ziehen.
Die Ausstellung „Über Sinne“ in der zweiten Etage des Dortmunder U beschäftigt sich nicht mit Geistern oder anderem Übersinnlichem. Hier geht es um das Begreifen, das Zuhören, das Zuhesen, Riechen, Schmecken. Denn konzipiert und erarbeitet haben dies 60 blinde und sehbehinderte Kinder der Martin-Bartels-Schule in Dortmund im Alter von 6 und 16 Jahren mit Unterstützung von Künstlern. Zu erleben ist diese Ausstellung vom 04. September bis 01. November 2015.
„Über Sinne“ ist keine Ausstellung über Blindheit. Auch wenn es einen kleinen Dunkelraum gibt, in dem eine Schulsituation nachgespielt wird, geht es nicht um das Nicht-Sehen, sondern wie es Dr. Birgit Drolshagen vom Fachbereich Rehabilitationswissenschaften an der TU Dortmund beschrieb, um Kinder mit anderen Merkmalen. Die genauso Träume und Hoffnungen haben wie andere Kinder auch.
Für Blinde und Sehbehinderte stehen andere Sinneseindrücke im Vordergrund. Geräusche sind sehr wichtig, ebenso wie Gerüche oder die Haptik von Gegenständen. So entstanden Soundcollagen, es gibt eine Ausgrabungsstätte, einen Kaugummiautomaten mit Gerüchen, aber auch Filme und Fotografie.
Zehn freie Künstlerinnen und Künstler erarbeiteten im Rahmen eines Workshops mit den Schülerinnen und Schülern die jeweiligen Kunstobjekte. „Für die Schüler war es toll, mit den Künstlern und deren technische Instrumente zu arbeiten“, erzählte Ulrike Witte, Schulleiterin der Martin-Bartels-Schule.
Für die Ausstellung wird es ein Leitsystem für Blinde geben sowie ein Audiogästebuch.
Über Sinne – Eine Ausstellung über das Sehen hinaus
04. September bis 01. November 2015
UZWEI im Dortmunder U
Öffnungszeiten:
Dienstag und Mittwoch 11 bis 18 Uhr
Donnerstag und Freitag 11 bis 20 Uhr
Samstag und Sonntag 11 bis 18 Uhr
feiertags von 11 bis 18 Uhr
Eintritt frei
Hier können Formen von unterschiedlichen Zitursfrüchten erkundet werden.
Auf dem rieselnden Sand sollen Bilder projiziert werden.
Mobil zur Wiener Klassik
Mit sehr viel Eigeninitiative konnten die Dortmunder Theater- und Konzertfreunde ein erfreuliches Zeichen für mehr Teilnahme am Kulturleben von Seniorinnen und Senioren setzen. Zu den ersten drei Konzerten der Wiener Klassik wird es künftig möglich sein, für 8 Euro per Sammeltaxi von Zuhause zum Konzerthaus und wieder zurück zu fahren. Bei einem Erfolg wird das in Deutschland wohl einzigartige Konzept fortgesetzt.
Konzerte am Abend können für manche ältere Menschen zum Problem werden. „Die Hemmnisse sind beispielsweise der später Anfangstermin, die hohen Kosten. Menschen in Seniorenheimen bekommen nur etwa 100 € Taschengeld, von dem sie die Dinge des täglichen Bedarfs bezahlen müssen“, erzählt Gerhard Stranz, Koordinator der Publikumsinitiativen „Theater- und Konzertfreunde“ und „Publikum pro Philharmonie“. „Hinzu kommt, dass manche Besucher eine Begleitung zum und im Konzerthaus brauchen. “
Wenn die Konzerte zu Ende sind, ist es – vor allem im Herbst und Winter – dunkel, bei einer Fahrt mit den öffentlichen Nahverkehrsmittel müssen sie im Dunkeln nach Hause laufen und ein Taxi ist meist zu teuer. Daher bleiben diese Menschen lieber zu Hause, statt ins Konzerthaus zu gehen.
Um dieser Gruppe dennoch die Möglichkeit zu geben, die Konzerte der Wiener Klassik zu besuchen, mussten erst dicke Bretter gebohrt werden. Zunächst wurde versucht mit der DSW21 zusammenzuarbeiten. Ideen wurden diskutiert wie etwas Schulbusse einzusetzen oder eine Art System wie der Behindertenfahrdienst einzurichten. Nachdem die Pläne aber nicht realisierbar waren, sprang die Taxigenossenschaft ein, die auch die Logistik übernahm.
Warum zunächst bei „Wiener Klassik“? Die Konzertreihe ist ein idealer Startpunkt für das Projekt, denn die Konzerte beginnen bereits um 19 Uhr und sind gegen 21.30 Uhr beendet. Hinzu kommt, dass der Eintrittspreis auf allen Plätzen 20 € beträgt und Personen, die auf Begleitung angewiesen sind, erhalten 50 Prozent Rabatt.
Für das Sammeltaxi können sich alle Personen anmelden, die eine Eintrittskarte haben. Service Bestellungen sind unter der Telefonnummer 0231 / 90600 (Stichwort: Wiener Klassik) möglich. Damit die Taxigenossenschaft entsprechend planen kann, müssen die Sammeltaxen bis zu einem bestimmten Zeitpunkt bestellt werden. Für das erste Konzert am 05.10.2015 bis zum 25.09.2015, für das zweite Wiener Klassik Konzert am 01.02. 2016 bis zum 22.01.2016 und für das dritte Konzert am 02.05.2016 bis zum 22.04.2016. Alle Sammeltaxen können faltbare Rollstühle sowie faltbare Rollatoren transportieren. Wichtig: Der Fahrdienst ist auf den Bereich der Stadt Dortmund und die Wiener Klassik Konzertreihe beschränkt.
Über die ehrenamtlich tätigen Mitglieder von proKultur kann eine Begleitung von zu Hause oder innerhalb des Konzertes organisiert werden. Anmeldungen sind bei proKultur unter 0231 22696263 möglich. Hierbei gelten die gleichen Stichdaten wie beim Taxidienst.