Tschaikowsky und Shakespeare

Das erste Philharmonische Konzert am 15. und 16. September 2015 stand unter dem Titel „freuden_tränen“. Waren es nun mehr Freunden als Tränen? Alban Bergs „Dem Andenken eines Engels“ handelt vom Tod der jungen Manon Gropius und wie die Geschichte von Romeo und Julia ausgeht, brauche ich Ihnen nicht zu erzählen. Dennoch (oder gerade deshalb) war es ein bewegender Abend am 15. September.

Tschaikowsky und Shakespeare. Der russische Komponist des 19. Jahrhunderts verehrte den englischen Dichter und Autor aus dem 16. Jahrhundert. Neben dem „Sturm“ und „Romeo und Julia“ komponierte Tschaikowsky auch die Fantasie-Ouvertüre zu „Hamlet“. „Der Sturm“ und „Romeo und Julia“ bildeten die Klammer beim ersten Philharmonischen Konzert.

Gleich schwungvoll kräftig, aber auch liebevoll zärtlich ließ Gabriel Feltz seine Musiker den Sturm bezwingen und die Liebesgeschichte zwischen Ferdinand und Miranda besingen. Ein Kleinod der russischen Musik, die gerne häufiger auf dem Spielplan stehen könnte.

Mit Tschaikowsky endete auch der Konzertabend. „Romeo und Julia“. Auch wenn die ersten Takte eher an Russland als an Verona erinnern, zaubert Tschaikowsky in seinem Liebesmotiv mit Englischhorn und Bratsche eine zärtliche Stimmung bis Pauken und Schlagwerk die Kämpfe und das bittere Ende der beiden Liebenden symbolisieren.

Neben Tschaikowsky stand das Violinkonzert „Dem Andenken eines Engels“ von Alban Berg im Mittelpunkt. Die Solovioline spielte der 1. Konzertmeister Alexander Prushinskiy. Trotz der Zwölftonmusik hat Bergs Werk etwas tragisches Zerbrechliches an sich. Prushinskiy gelang es, dieses Zarte auch in ein Spiel zu integrieren, im zweiten Teil, dem „Andante“ wird die Stimmung düsterer und die Katastrophe scheint sich anzubahnen. Auch hier zeigte Prushinskiy seine Klasse.

Ebenfalls mit im Programm war Schuberts 7. Sinfonie, die „Unvollendete“. Schubert, dessen Liederzyklen ja bekannter sind als seine Sinfonien, bleibt auch hier ein Meister der Melodien. Auch wenn sich Musikwissenschaftler darüber streiten, warum Schubert seine Siebte unvollendet ließ – er starb zwar jung, aber er legte die Sinfonie bereits fünf Jahre vor seinem Tod beiseite – vielleicht brauchte Schubert nicht mehr als zwei Sätze um seine musikalischen Ideen auf den Punkt zu bekommen.




Requiem für Frida Kahlo

Am 20. September 2015 um 18 Uhr präsentiert das Roto Theater in der Gneisenaustraße 30 eine neue Premiere: „Frida Kahlo – ein Requiem für eine Malerin“. In dem literarischen Stück präsentiert Barbara Kleyboldt die mexikanische Malerin unter den Schwerpunkten „Liebe“ und „Tod“. Musikalisch begleitet wird sie dabei vom Saxophonisten Roger Hanschel. Regie führt Rüdiger Trappmann.

Frida Kahlo (1907-1954) ist mit Abstand die bekannteste Malerin Mexikos. Ihr Schicksal, ihre Liebesbeziehungen und natürlich ihre Kunst lieferte den Stoff für Filme, Opern und Theaterstücken. Ihre Bilder, die zwischen volkstümlichen Surrealismus, magischen Realismus und Neue Sachlichkeit einzuordnen sind, zeigen Kahlos Sichtweise auf das Leben in farbenfrohen Gemälden.

So bunt wie ihre Bilder war ihr Leben oft nicht. Kahlo litt zeitlebens unter starken Schmerzen, sie erkrankte mit sechs Jahren an Kinderlähmung und hatte in jungen Jahren einen schweren Busunfall, worauf rund 40 Operationen folgten. Ihre lange Leidenszeit überlebte sie durch das Malen.

Sie war (zweimal) mit dem mexikanischen Maler Diego Rivera verheiratet, der sie mit anderen Frauen betrog. Aber auch Frida war kein Kind von Traurigkeit, einer ihrer berühmtesten geliebten war der Revolutionär Trotzki, der vor Stalins Rache nach Mexiko geflohen war.

Frida Kahlo war durch ihre Krankengeschichte zeitlebens mit dem Tod verbunden. Besonders faszinierte sie anscheinend der mexikanische Feiertag „Día de los Muertos“ (Tag der Toten) am 02. November. An dem Tag wird auf dem Friedhof ein Feiertag zelebriert, dabei wird auch die Leibspeise der Verstorbenen zubereitet. Kahlo hatte in ihrem Tagebuch eine Kochrezepte für diese Opferspeisen gesammelt.

Wer einen kunsthistorischen oder mexikanisch-folkloristischen Abend mit Mariachi und Sombrero erwartet, wird enttäuscht sein, denn die Musik, die Hanschel spielt, ist eher moderne, symphonische Jazz-Musik. Das Sopran-Saxophon unterstützt die Texte, die Kleyboldt liest, tritt aber auch ab und an in Dialog.

Die Basis der Texte stammt aus dem Roman „Das geheime Buch der Frieda Kahlo“ des mexikanischen Autors Francisco Haghenbeck.

Die Premiere am 20. September 2015 ist bereits ausverkauft, für die Vorstellungen am 23. Oktober (19.30 Uhr) und am 13. Dezember (18 Uhr) gibt es noch Restkarten.




Afrikanische Tanzkunst eroberte Ballettgala

Die Tänzerinnen udn Tänzer der Compagnie Moving Into Dance Mophatong zeigten irh Können. (Foto: © Ed Blignaut)
Die Tänzerinnen udn Tänzer der Compagnie Moving Into Dance Mophatong zeigten irh Können. (Foto: © Ed Blignaut)

Die 22. Ausgabe der Dortmunder Ballettgala vereinigte wieder klassisches und zeitgenössisches Ballett. Ein besonderes Highlight der Galas sind die Gäste. Neben Wiederholungstätern wie Steven McRae oder Marlon Dino gaben Vittoria Valerio und Claudio Coviello ihr Ballettgala-Debut. Doch einen großen Eindruck auf das Publikum machte eine Compagnie aus Afrika, die Compagnie Moving Into Dance Mophatong. Ein Bericht vom 13. September 2015.

Es war ein deutlicher Kontrast: Die Balkonszene aus „Romeo & Julia“ klassisch getanzt nach der Musik von Sergej Prokofiev und die Ausschnitte aus „Romeo & Juliet“ mit starken afrikanischen Einflüssen. Die Tänzerinnen und Tänzer der Compagnie Moving Into Dance Mophatong zegiten das Leben und die Gewalt in Afrika in kräftigen und eindrucksvollen Bildern.

Sehr stark war auch Joseph Gatti, der mit seiner Hommage an den Tanzstil von Michael Jackson das Publikum begeisterte. Doch der Star des Abends war ohne Zweifel Steve McRae. Sein Pas de deux aus „Don Quichotte“ mit Iana Salenko war schon eine Klasse für sich, doch sein Solo als Steptänzer brachte das Opernhaus aus dem Häuschen.

Xin Peng Wang hat es erneut geschafft, ein abwechslungsreiches Programm auf die Opernbühen zu stellen. Ernste Stücke wie der „Sterbende Schwan“ mit Polina Semionova waren ebenso vertreten wie humorige Choreografien wie „Cacti“, getanzt von Denise Chiarioni und Guiseppa Ragona.

Alles in allem war es ein gelungener Abend mit gut aufgelegten Solisten und Compagnien. Natürlich durfte auch der Conferencier, Kammersänger Hannes Brock, nicht fehlen.




Kurzfilmfestival XXS ist zurück in der Heimat

Standbild vom Gewinnerfilm "In passing" von Allan Miller (Kanada). (Foto: © Allan Miller)
Standbild vom Gewinnerfilm „In Passing“ von Allan Miller (Kanada). (Foto: © Allan Miller)

10 Filme, fünf Preise, drei Mitglieder, eine neue Location: Die fünfzehnte Ausgabe des Dortmunder XXS-Kurzfilmfestival hatte einiges zu bieten. Dieses Jahr kam das Festival zurück in die Nordstadt, der Heimat der Medienakademie WAM. Das Kino „Roxy“ in der Münsterstraße öffnete am 12. September 2015 seine Pforten.

Vom Zwei-Minuten-Film „Revue“ bis zu „Chain“ und „Schuld um Schuld“ reichte das Spektrum. Romantik, Drama, Krimi, Animationsfilm: Fast alle Genres waren vertreten und die Qualität der Filme war beeindruckend. Die Jury, bestehend aus Raphael Vogt, Julian Weigend und Sascha Bisley, hatte also eine sehr schwierige Entscheidung zu treffen.

Den dritten Platz schaffte der Film „Herman the German“ von Michael Binz aus Köln. In seinem Film geht es um den Bombenentschärfer Herman, der durch eine seltene Krankheit seien Ängste verliert. Daher ist er gezwungen sämtliche Phobien auszuprobieren. Der Film ist Freunden der „Schnitzeltorte“ ausdrücklich zu empfehlen.

Auf Platz 2 kam „Chain“ von Eicke Bettinger (Berlin). Der Film spielt in Bulgarien am Ende der 80er Jahre. Die Studentin Andrea aus Leipzig möchte über Bulgarien nach Griechenland. Sie trifft auf den Bulgaren Dian, der ihrem Leben eine schicksalhafte Wendung gibt.

Der Siegerfilm des diesjährigen XXS-Kurzfilmfestivals ist der kanadische Film „In Passing“ von Allan Miller. In dem fünf Minuten langen Film treffen sich zwei Menschen, die sich gerade vom Hochhaus gestürzt haben. Plötzlich verlangsamt sich die Zeit und sie haben die Chance, die Liebe und das Leben neu zu entdecken bevor sie unten ankommen.

Zusätzlich zu den drei Preisen gab es wieder zwei Sonderpreise. Der DEW21 Kreative Energie Preis ging an den spanischen Animationsfilm „Juan y la Nube“, der ein wenig holzschnittartig die Freundschaft eines Jungen mit einer Wolke beschreibt. Im späteren Erwachsenenleben ist natürlich alles grau und schlimm, bis er die Wolke wieder entdeckt und sich vom Saulus zum Paulus wandelt.

„Sadakat“ hieß der Siegertitel des Amnesty International Preis der Stiftung Menschenrechte. Die junge Ärztin Asli lebt in gesicherten Verhältnissen, bis sie einem Demonstranten hilft. Dadurch gerät sie ins Visier der Polizei und auch ihre Beziehung droht zu Zerbrechen.

Organisiert wurde die Veranstaltung in gewohnter Weise von den Studierenden aus dem Fachbereich Kultur- und Eventmanagement der WAM. Durch den Abend führten mit Humor Nico Schmid und Elena Stenczl.

Auch wenn das „Roxy“ logischerweise der ideale Ort ist, um Filme zu zeigen, fehlte ein wenig der Glamour der vergangenen Jahre im Schauspielhaus. „Früher war mehr Lametta“, würde Loriot sagen. Vor allen Dingen war es Schade, dass es keinen Publikumspreis gab.




Der erste Musiker war Schlagzeuger

Die drei Wesen (Johanna Weißert, Philip Pelzer und Bettina Zobel) entdecken über den Würfel den Zauber der Musik. (Foto: © Birigt Hupfeld)
Die drei Wesen (Johanna Weißert, Philip Pelzer und Bettina Zobel) entdecken über den Würfel den Zauber der Musik. (Foto: © Birigt Hupfeld)

Zumindest wenn man dem Stück „Als die Musik vom Himmel fiel“ von Andreas Gruhn und Peter Kirschke folgt. Hier entdecken drei Wesen einen schwarzen Würfel, der Musik abspielt und plötzlich aufhört. Sie versuchen mit allen möglichen Gegenständen diese Musik nach zuspielen, was am Ende auch gelingt. Ein Premierenbericht vom 11. September 2015 aus dem Sckelly.

„Als die Musik vom Himmel fiel“ ist ein Stück für Kinder ab drei Jahre. Daher wird man auch keine musikwissenschaftliche Analyse erwarten, es geht eher darum, Kindern die Klänge beizubringen und die Möglichkeit, allen möglichen Gegenständen Musik oder Töne zu entlocken.

Zunächst wurden in dem etwa 40 Minuten langen Stück die drei Wesen (Philip Pelzer, Johanna Weißert und Bettina Zobel) vorgestellt, die in einem offenen zeltähnlichen Bau leben und die anscheinend allerlei Alltagsgegenstände gesammelt haben. Besonders witzig dargestellt wurde das morgendliche Waschen der Drei.

Dann erschien plötzlich der Würfel und machte Musik. Ein wenig erinnerte die Situation an den Film „Die Götter müssen verrückt sein“, bei dem eine aus einem Flugzeug geworfene Cola-Flasche bei einem Eingeborenenstamm landet. Staunend lauschen sie der Musik, bis sie verklingt. Danach machen sie sich auf der Suche in ihrem Gerümpel und probieren aus, was sich zum Musikmachen eignet.

Zuerst entdecken sie die Kunst des Schlagzugspielens und der Percussioninstrumente. Später gelangen sie zu den Blasinstrumenten, in dem sie in Gartenschläuche und ähnliches hinein blasen. Durch Trichter und Gießkannen lernen sie, den Resonanzkörper zu verändern. Zuletzt experimentieren sie auf spielerische Art und Weise mit Schnüren und ähnlichen Gegenständen die Saiteninstrumente. Ein wenig aus Reihe fiel die Melodica, die ja ein „fertiges“ Instrument ist.

Am Ende waren die drei Wesen in der Lage, die Melodie des Würfels nach zuspielen. Danach entschwebte der Würfel genauso wie er gekommen war.

Ein ganz klein wenig bedauere ich die Eltern schon, deren Kinder jetzt auf die Idee gekommen sind, auf alles herumzukloppen oder in alles hineinzublasen. Aber nur auf diese spielerisch-experimentelle Weise lernt man die schönen Seiten der Musik kennen.




Von der Kunst zuzuhören

Yasemin Cetinkaya (Hamide) und Thorsten Schmidt (Anton) haben sich was zu erzählen. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Yasemin Cetinkaya (Hamide) und Thorsten Schmidt (Anton) haben sich was zu erzählen. (Foto: © Birgit Hupfeld)

„Gespenstermädchen“ ist kein Gruselstück, obwohl es um ein Mädchen geht, das kurz auftaucht und wieder verschwindet. Es geht vielmehr um die Kunst, jemanden zuzuhören. Das Stück ist ein Klassenzimmerstück und kann für Schulklassen gebucht werden. Daher ist die Premiere am 18.09.2015 auch im Robert-Schumann-Berufskolleg. 2012 gewann das Stück den Jurypreis des 3. dm-Autorenwettbewerbs.
Das Mädchen Hamide ist nur einen Tag in der Schule anwesend und hinterlässt dennoch deutliche Spuren. Zu Beginn spricht sie nicht, und Anton versucht ihr mit Hilfe der Zeichensprache etwas zu erzählen und sie aus der Reserve zu locken. Hamide ist schüchtern und taut aber langsam auf. Nach und nach erzählt sie ihre Geschichte. Ihre Mutter ist Deutsche, sie kommt aber aus Afghanistan. Hamide erzählt vom Krieg und von Menschen auf der Flucht. Anton erzählt von seiner Befürchtung, dass die tote Biene, die er in den Käsekuchen gesteckt hat, seinen Opa umgebracht hat. Wohin sie am Ende des Stückes geht wird offen gelassen.

„Gespenstermädchen“ ist ein Zweipersonenstück mit unterschiedlichen Rollen. Während der Gespräche schlüpfen die Schauspieler in die verschiedenen Charaktere. Schauspieler Thorsten Schmidt hat die Arbeit an dem Stück auch selbst bereichert. Die Auseinandersetzung mit der aktuellen Flüchtlingssituation sei für ihn viel intensiver geworden.

Da das Stück in verschiedenen Klassen vor unterschiedlichen Schülern und verschiedenen Orten gespielt wird, ist auch viel Improvisation mit eingeplant. Reaktionen und Bemerkungen der Schüler sollen aufgegriffen werden, ohne den roten Faden der Handlung zu verlieren. Es wird vor 3. – 6. Klassen gespielt. Termine sind noch frei. Die Dauer des Stückes beträgt 35 Minuten. Der gesamte Zeitbedarf mit Vor- und Nachbesprechung mit der Theaterpädagogin etwa zwei Schulstunden.

Die Premiere am 18.09.2015 im Robert-Schuman-Berufskolleg ist ausverkauft. Mobile Termine sind am: 22., 23., 29., 30. September 2015, Informationen und Buchung unter: 0231 / 50 22 416.




Zwischen Realität und Phantasie

Zeichnerische Ode an einen Briefträger von Horst Jenssen. "Heinzi", 1988, Farbradierung, 60,5x60 cm, 35/100.
Zeichnerische Ode an einen Briefträger von Horst Jenssen. „Heinzi“, 1988, Farbradierung, 60,5×60 cm, 35/100.

15 Jahre Art-Isotope in der Wilhelmstraße. Für dieses kleine Jubiläum präsentiert Galeriebesitzer Axel Schöber bis zum 25. Oktober 2015 eine besondere Ausstellung mit Werken von Horst Janssen unter dem Titel „Die Lust des Augenblicks“. Aus dessen umfangreichen Werk des vor 20 Jahren gestorbenen Künstlers fokussiert sich Schöber auf die Portraits und zeigt überwiegend Radierungen und Zeichnungen.

Horst Janssen (1929-1995) gehört mit Sicherheit zu den bedeutendsten Grafikern und Zeichnern der Nachkriegszeit. Er beginnt nach dem Zweiten Weltkrieg als Illustrator und entwickelte ab den 60er Jahren seinen eigenen Stil. Obwohl in der Nachkriegszeit die abstrakte Kunst sehr im Fokus stand, hat sich Janssen zeitlebens auf die Figürlichkeit konzentriert.

Janssen machte aus seinen Drucken, die meist in einer Auflage von 100 erschienen, manchmal auch Unikate, indem er sie per Hand kolorierte. So kann es passieren, dass zwei Werke von ihm komplett anders aussehen, obwohl sie zur gleichen Serie gehören.

Sind seine früheren Arbeiten noch vom Expressionismus geprägt, steht der Hauptteil seiner Arbeiten zwischen der Neuen Sachlichkeit und dem Phantastischen Realismus. Janssen zeichnete oft sich selbst, hatte aber bei seiner Motivwahl keine Wertigkeit, was zu zeichnen würdig ist. Von seinem Briefträger Heinzi bis zu einem bemoosten Stein reicht das Spektrum. Dazu scheint Janssen sehr impulsiv gewesen zu sein. „Er hat den Augenblick sehr gelebt und hatte eine Spontanität im Gefühlsausdruck“, charakterisiert Schöber den Künstler.

In den 80er Jahren wendet sich Janssen auch der Landschaft als Motiv zu. Auch hiervon sind einige Beispiele („Kartoffelfeuer“) in der Ausstellung zu sehen.

Zu der Ausstellung gibt es auch Lesestoff über Horst Janssen zu kaufen sowie ein Momory-Spiel „Face to face“ mit verschiedenen Portraits. Das Memory-Spiel kostet 25 €. Währen der Museumsnacht werden Ausschnitte des Films „Janssen:Ego“ von Peter Voss-Andreae gezeigt.

70 Ausstellung hat Axel Schöber in seiner Galerie in den vergangenen 15 Jahren bereits gezeigt. „Qualität und Einzigartigkeit sind mir wichtig“, so Schöber über seine Auswahlkriterien. Im Fokus stehen Künstler, die bereits seit einiger Zeit auf dem Kunstmarkt etabliert sind, so dass plötzliche Sprünge in der Karriere eher selten ist. „Der Kunstmarkt ist ein langfristiges Projekt“, erklärt Schöber, der neben seiner Galerie auch auf Kunstmessen aktiv ist.

Zu den Höhepunkten zählt der Galeriebesitzer daher keine Einzelausstellung, sondern die Gemeinschaftsausstellungen wie „ART Spanner“. Hier mussten verschiedene Künstlerinnen und Künstler mit einem bestimmten Objekt ein Kunstwerk schaffen. Die Ergebnisse waren in ihrer Vielfalt überraschend.

Horst Janssen
„Die Lust des Augenblicks“
noch bis zum 25. Oktober 2015

Art isotope
Axel Schöber
Wilhelmstr. 38

Öffnungszeiten:Sonntag, Montag, Dienstag, Freitag von 14:30 Uhr bis 19:30 Uhr
www.art-isotope.de




Episoden-Theaterstück über Essen auf Rädern

Die drei von Culinaritas (v.l.n.r.) Holger Wontorraczewski (Thomas Kemper), Hedwig Liebermann (Kule Vollmer) und Herr Stöhr (Jörg Hentschel). (Foto: © Meike Willner / Phil Niggemeier).
Die drei von Culinaritas (v.l.n.r.) Holger Wontorraczewski (Thomas Kemper), Hedwig Liebermann (Kule Vollmer) und Herr Stöhr (Jörg Hentschel). (Foto: © Meike Willner / Phil Niggemeier).

Essen auf Rädern hat nicht den besten Ruf, er gilt als „Alte Leute Essen“, obwohl jeder dort bestellen kann. Am 18. September 2015 hat die Produktion „Culinaritas – Essen auf Rädern“ im Theater im Depot Premiere. In der Tragikomödie geht es um einen Lieferdienst, der nicht nur Essen liefert, sondern auch „Gesprächs-Zeit“ im Angebot hat. Ähnlich wie bei einer Fernsehserie gibt es einen „Pilotfilm“ sowie mehrere Episoden der ersten Staffel.

Die Handlung in Kurzform: Der Hauptcharakter Holger Wontorraczewski (Thomas Kemper) ist ein ehemaliger Sterne-koch, der seinem Hartz IV Schicksal entkommen möchte und bei „Culinaritas“ als Essen Austräger anfangen möchte. Die Chefin von „Culinaritas“ ist Hedwig Liebermann (Jule Vollmer) und Jörg Stenzel spielt Herrn Stöhr, den Buchhalter mit leicht autistischen Zügen.

In den drei jeweils 25 Minuten langen Folgen geht es um die Erlebnisse von Wontorraczewski mit seinen Kunden, die ebenfalls von Vollmer und Stenzel gespielt werden. Am Ende gibt es eine Abschlussfolge mit einem Cliffhanger.

Am Anfang des Stückes stand die Recherche. Thomas Kemper ist also tatsächlich für einen Tag beim Dortmunder Menüservice mitgefahren. „Ich finde das Essen erstaunlich gut“, so Kemper über die Qualität der Speisen. Die Essensauslieferung ist für die überwiegend älteren Menschen eine der wenigen Gelegenheiten, bei der sie Kontakt zur Außenwelt haben. Daher spielt das Thema Einsamkeit auch eine Rolle in manchen Episoden niederschlägt. „Viele Menschen werden diese Situationen durch ihre eigenen Verwandten wiedererkennen“, ist sich Regisseur Olaf Reitz sicher.

Geschrieben wurde die gesamte „Staffel“ von Molly Müller, dem Pseudonym von Jule Vollmer. Das Konzept war, etwas ähnliches zu machen wie beispielsweise der „Tatortreiniger“. Und ähnlich wie beim Fernsehen gibt es eine Trailermusik, die von Elmar Dissinger komponiert wurde. Das Bühnenbild wird projiziert, ansonsten ist das weitere Bühnenbild auf Tisch und Stühle reduziert.

Neben der Premiere am 18. September um 20 Uhr gibt es weitere Aufführungen am 19. September (20 Uhr), am 04. Oktober (18 Uhr), am 08. November (18 Uhr) und am 19. November (20 Uhr).

Für ganz Neugierige hier der Trailer: [vsw id=“138319298″ source=“vimeo“ width=“425″ height=“344″ autoplay=“no“]




Ungewöhnliche Bildhauertechniken

Angelika Loderer, Ohne Titel (Dose), 2105 (Foto: © Angelika Loderer)
Angelika Loderer, Ohne Titel (Dose), 2105 (Foto: © Angelika Loderer)

Bis zum 01. November 2015 zeigt der Dortmunder Kunstverein in der Ausstellung „Coming in pieces“ Werke der österreichischen Künstlerin Angelika Loderer. Ihre Arbeiten spielen mit dem Spannungverhältnissen zwischen Oberflächen, Materialität und Fragilität.

Schon die erste Arbeit im Eingangsbereich zeigt die ungewöhnliche Arbeit mit Materialien. Denn die bildhauerische Arbeit aus Gips, Plastik, Sand und einem Teppich liegt flach auf dem Boden. „Die Arbeit ist hier entstanden. Teilweise mit Materialien, die ich hier vor Ort gefunden habe wie zum Beispiel den Teppich“, erklärte Loderer. „Für mich ist es eine Skulptur, aber vielleicht kann man es auch als Collage betrachten Oft entstehen diese Arbeiten aus Neugier zum Material, wie verhält sich beispielsweise Sand auf Plastik oder es sind Beobachtungen aus der Natur.“

Die Arbeit wird nach dem Abbau der Ausstellung wieder zerstört. Doch das macht Loderer nicht traurig. „Es gibt so viele Materialien aus denen ich mich bedienen kann, da brauche ich nicht neue zu kreieren, sondern verwende, was mich umgibt. Sachen bestehen und sind dann wieder weg. Das Vergängliche finde ich schön daran. Ich kann es ja immer wieder machen.“

Ein Schwerpunkt in der Ausstellung sind die Aquarien. Die bestehen aus Aluminium, Glas und Wasser. Die Metallumfassungen haben eine Anmutung von weichen Ton und wirken organisch. Hier geht die Künstlerin zurück in die Vergangenheit. „Bei den Aquarien geht es mir um die Geschichte des Objektes. Im 19. Jahrhundert schauten die Aquarien ganz anders aus. Sie bestanden aus Stahlgerüsten mit Jugendstilelementen und Verschnörkelungen“, so Loderer.

Diese Faszination hat sie künstlerisch umgesetzt und mit modernen Elementen kombiniert. „Diese Konstruktionen wollte ich bildhauerisch interpretieren“, beschreibt die Künstlerin. „Die Aschenbecher und Dosenhalter sind für mich eher Pop-Art-Elemente, die wieder auf die Gegenwart zurückführen.“ Hinzu kommt das Spiel der Gegensätze wie Härte und Weichheit und der Fragilität von Glas.

Jeder kennt es, jeder fürchtet es: Ein vergessenes Papiertaschentuch in der Hosentasche, die in der Waschmaschine gewaschenen wurde. Diesen Fusseln hat Loderer mit ihren „Waschmaschinenskulpturen“ ein kleines bildhauerisches Denkmal gesetzt. „Diese Fussel sind die Ausgangspunkte zu den Arbeiten. Sie wurden in eine Gipsform integriert“, so Loderer. So sind Arbeiten aus einem Zufallsprinzip mit organischen Formen entstanden, die zeigen, wie eine Hosentasche von innen ausschaut. Das ist auch typisch für eine Künstlerin, die gerne mit alltäglichen Materialien arbeitet.

Angelika Loderer „Coming in pieces“

Dortmunder Kunstverein

Park der Partnerstädte 2

Öffnungszeiten

Dienstag bis Freitag 15 bis 18 Uhr

Samstag und Sonntag 11 bis 16 Uhr




Getanzte Paarbeziehung

Der Bildhauer Rodin bei der Arbeit. In Tanzbilder umgesetzt durch Boris Eifmann. (Foto: © Berin Artmanagement)
Der Bildhauer Rodin bei der Arbeit. In Tanzbilder umgesetzt durch Boris Eifmann. (Foto: © Berin Artmanagement)

Mit gleich zwei Vorstellungen am Sonntag, den 11.10.2015 um 16 und 20 Uhr erwartet die Ballettfreunde im Opernhaus Dortmund ein besonderes Erlebnis. An diesem Tag kommt der erfolgreiche russische Choreograf Boris Eifman, geboren 1946 in Sibirien, mit seinen Sankt Petersburger Ballett-Theater und seinem neuen Programm „Rodin“ nach Dortmund. Bei einem französischen Thema gehört auch französische Musik. Zu hören sind Musikcollagen von Ravel, Saints-Saëns sowie Massenet nach Dortmund.

Eifman leitet das besondere „Ballett-Theater“ seit über 30 Jahren und gilt als ein Meister des modernen russischen Ausdruckstanzes. Ballett-Manager Tobias Ehinger machte beim Pressegespräch deutlich, dass Eifman versucht, neue Bewegungen und Themen zu finden. Das schafft Parallelen zu Ballettdirektor Xin Peng Wang, der ähnliche Ansätze hat. Eifman vertanzte Literatur (Dostojewski, Tolstoi) und gestaltete „Klassiker“ neu. Für die russische Tanzwelt ist es die aktuellste, am meisten vernetzte Companie. Denn Eifman hat schon früh darauf gesetzt, Gastspiele zu geben.

Das neue Stück „Rodin“ befasst sich mit dem Leben des Bildhauers Auguste Rodin (1840 – 1917) und der Beziehung zu seiner Muse Camille Claudel. Die Beziehung endete tragisch. Claudel kam in die Psychiatrie. Eifman thematisiert in seinem Ballett die Verbindung zwischen den beiden Menschen und die künstlerische Schaffensprozesse. Im Spannungsfeld von Kunst und Privatem zahlen die Beteiligten oft einen hohen Preis.

Für diese tänzerische Darstellung von künstlerischen Schaffensprozessen arbeitet Eifman mit vielen starken physischen Elementen. Daher braucht man auch entsprechende Tänzerinnen und Tänzer. Die um die 50 Tänzerinnen und Tänzer sind sehr groß und athletisch. Ihre Bewegungen sind dynamisch-aggressiv.Denn Eifman sucht im Gegensatz zum klassischen Ballett Reibungspunkte.

Stehen im klassischen Ballett Körper und Schönheit im Fokus, sind es bei Eifman Charakter, Kanten und Ecken.

Die Vorstellung dauert knapp 2 Stunden. Mehr Informationen und Online Tickets unter www.berin-artmanagement.de