Identitätsfindung mit Shakespeare

Der Sommernachtstraum der Kulturbrigaden verspricht ein farbenfrohes Spektakel zu werden. (Foto: © Kulturbrigaden)
Der Sommernachtstraum der Kulturbrigaden verspricht ein farbenfrohes Spektakel zu werden. (Foto: © Kulturbrigaden)

Die neueste Produktion der Kulturbrigaden bzw. des jungen Theaters Bubamara ist ein Klassiker auf den Bühnen: Der „Sommernachtstraum“ nach William Shakespeare. Das Stück, das zwischen höfischer Hochkultur und anarchischen Naturidyll hin und her springt, kann auch als Suche nach dem wahren „Ich“ gesehen werden. Wunsch und Realität treffen in bunten Bildern aufeinander. Die Premiere im Theater im Depot ist am 26. Februar 2016 um 20 Uhr.

Im Mittelpunkt des Stückes stehen Demetrius und Lysander sowie Hermia und Helena. Die Liebeswirren werden noch komplettiert durch die Ehekrise des Feenkönigs Oberon mit seiner Frau Titiana.

In der Inszenierung von Rada Radojcic und Jens Wachholz werden die Liebeswirren quasi gedoppelt. Es gibt die geordnete Welt der Menschen sowie die Ungeordnete der Feenwelt. Das wird durch die Art des Spielens deutlich sowie durch die aufwändigen Kostüme. Die sind in der „realen Welt“ eher schwarz-weiß, in der Feenwelt hingegen farbenprächtig. Für die Kinder und Jugendlichen war das Thema der „Freiheit“ sehr akut, zumal manche der Ensemblemitglieder Migrationshintergrund haben. Denn im „Sommernachtstraum“ soll Hermia zwangsverheiratet werden und widersetzt sich. Somit konnten sie sich mit diesem leider immer noch aktuellen Thema auseinandersetzen.

Wer die vorherigen Produktionen der Kulturbrigaden wie „Carmen“ oder vor allem „Alice“ gesehen hat, kann sich wieder auf eine sehr bildhafte Inszenierung mit einer minimalistischen Bühne freuen.

Für die 13 Ensemblemitglieder von neun bis 22 Jahren geht eine sechsmonatige intensive Vorbereitungszeit zu Ende. Die Kulturbrigaden arbeiten zwar mit Laien, benutzen aber eine professionelle Herangehensweise. Neben den theaterpädagogischen Übungen, wird beispielsweise sehr viel Wert auf Sprechtraining gelegt.

Aufgrund der Menge des Stoffes wurde der Text eingekürzt, so dass der „Sommernachtstraum“ etwa 85 bis 95 Minuten dauern wird. Neben der Premiere am 26. Februar um 20 Uhr gibt es noch eine weitere Vorstellung am 27. Februar um 18 Uhr. Für den Juni sind weitere Vorstellungen geplant.




Innere Landschaften

Innere und äußere Landschaften von Karin Micke sind in der Artothek zu sehen.
Innere und äußere Landschaften von Karin Micke sind in der Artothek zu sehen.

Farbenfrohe Bilder zeigt Karin Micke vom 23. Februar bis zum 05. April in der Artothek der Stadt- und Landesbibliothek. Der Titel „Ansicht“ steht einerseits für die Tatsache, dass die Künstlerin ihre Bilder zur Ansicht freigibt, andererseits will Micke auch ihre Innenansichten präsentieren.

Es war ein Schicksalsschlag, der Karin Micke zur Malerei brachte. Zwar hatte sie als Lehrerin für Englisch und Kunst schon immer mit dem Thema zu tun, aber erst nach ihrer überstandenen Krebserkrankung widmete sie sich intensiv der Malerei, quasi als Therapie.

In ihren frühen Werken, die sie in Acryl malte, wird ihre Auseinandersetzung mit der Krankheit thematisiert. „Neugeburt“ oder „Alles ist gut“, so lauten die Titel. Bei letzterem Bild dominieren hellorange Farbtöne, die eine fröhliche Stimmung verbreiten.

In der Ausstellung überwiegen aber die abstrakten Landschaftsbilder. Ein paar geben dem Betrachter konkrete Hinweise („Frühling in McPom“), andere lassen einen größeren Raum an Interpretation. Bilder die an Meeres- oder Seenlandschaften erinnern sind ebenso zu finden, wie Arbeiten, die Assoziationen mit der Wüste hervorrufen.

Die farbintensiven Landschaften haben aber keine Entsprechung, sind also keine Fotografien oder Zeichnungen. „Die Bilder entwickeln sich aus dem Malprozess heraus“, so Micke. Durch die vielen Schichten und den Trocknungsprozess der Ölfarben kann dieser Malprozess durchaus drei bis vier Monate andauern.

Öffnungszeiten der Artothek: Dienstag und Freitag von 10 bis 19 Uhr.




Entfernt zusammen

Isoliert in ihrer Beziehung trotz Skype: (v.l.n.r.) Friederike Tiefenbacher, Julia Schubert und Peer Oscar Musinowski. Foto: © Birgit Hupfeld
Isoliert in ihrer Beziehung trotz Skype: (v.l.n.r.) Friederike Tiefenbacher, Julia Schubert und Peer Oscar Musinowski. Foto: © Birgit Hupfeld

Sie ist anscheinend das Zeichen einer modernen, mobilen Gesellschaft: Die Fernbeziehung. Der Schmerz der räumlichen Trennung kann zumindest im IT-Zeitalter ein klein wenig gemildert werden durch Skype. Hier kann man nicht nur mit dem Partner reden wie beim Telefon, sondern ihn auch sehen. Das Stück „Die Liebe in Zeiten der Glasfaser“ wurde von Regisseur Ed. Hauswirth und dem Ensemble erarbeitet und hat am 25. Februar 2016 im Megastore Premiere.

Am Anfang standen Interviews: Die Schauspieler und der Regisseur machten zunächst mit Menschen aus ihrem Umfeld, die Erfahrung mit Fernbeziehung hatten, einstündige Interviews. Mit diesem und weiteren Material entstand in gemeinsamer Arbeit „Die Liebe in Zeiten der Glasfaser“.

Die Geschichte: Europa in einigen Jahren. Tomasz ist Logistiker bei Ikea, seine Freundin Antonia ist Studentin für Mediensoziologie und bekommt die Chance ein Jahr nach Rom zu gehen. Das zweite Paar ist Wolf-Adam (Professor für Mediensoziologie) und die Schauspielerin Helena. Wolf-Adam bekommt die Möglichkeit für ein Jahr nach Aalborg zu gehen, während seine Lebensgefährtin für ein Theaterprojekt nach Breslau gehen kann.

Das Stück dreht sich um die Frage: Was verbindet einem mit den Partner? Denn zunächst wird freudig geskypt, um mit dem anderen in Kontakt zu bleiben. Doch reicht das? Was ist mit der fehlenden Nähe, die kein Skype oder ähnliches ersetzen kann. „Ist man eigentlich nicht immer allein? Was bleibt einem“, fragt Regissseur Hauswirth.

Durch den Kniff, dass es in der nahen Zukunft spielt, bleibt ein „fiktionales Gefühl eines Unbehagens über die Situation in Europa“, so Dramaturg Alexander Kerlin. Um was es genau geht, wird in dem Stück nicht verraten.

Das Stück wird um die 1 Stunde und 50 Minuten gehen. Mehr Informationen unter www.theaterdo.de




Buntes Dortmund im ehemaligen Ostwall-Museum

Im großen Lichtsaal sind Beispielarbeiten aller Künstler versammelt.
Im großen Lichtsaal sind Beispielarbeiten aller Künstler versammelt.

Vom 21. Februar bis zum 02. März 2016 zeigt das Baukunstarchiv (ehemaliges Museum Ostwall) die Ausstellung „Dortmund ist bunt“. Für die teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler gilt „Bunt“ sicherlich nicht nur für die Farbigkeit ihrer Bilder, sondern auch als Statement für die Vielfalt in dieser Stadt. Darüber hinaus wird mit dem Ausstellungsraum auch die kulturelle Kontinuität des Gebäudes am Ostwall 7 gelebt. Kuratiert wurde die Ausstellung von Bettina Bröckelschen.

Insgesamt 13 Künstlerinnen und Künstler zeigen in den altehrwürdigen Räumen ihre Kunst. Dabei haben die meisten Künstler einen eigenen Raum. Sehr farbenfrohe Bilder zeigt Beate Bach, deren Arbeiten starke florale und organische Elemente ausweisen. Auch Bettina Bröckelschen malt sehr bunte und detailreiche Bilder. Für sie sind ihre Bilder wie eine Theaterbühne, auf der sie die Personen platziert.

Anette Göke zeigt in ihren Arbeiten, dass die verschiedenen Kulturen auf der Welt, unser Leben bereichern kann. Silke Schulz stellt Reiseimpressionen aus Indien aus. Licht- und Schattenspiel sowie subtile Farbgebung sind ein Markenzeichen ihrer Bilder. In der breiten Öffentlichkeit ist sie als Krimiautorin bekannt, doch Gabriella Wollenhaupt malt auch. Sie zeigt eine Auswahl von „Menschenbildern“ in ihrem Raum.

Politisch sind die Arbeiten von Rita-Maria Schwalgin und Franz Ott. Während Ott seine großformatigen Ölbilder zeigt, stellt Schwalgin ihre Fotografien aus. Fotografien zeigen auch Karin Hessmann und Cornelia Suhan. Dabei ging es in die Katakomben Dortmunds. Unter der Fragestellung „Was würdest du mitnehmen?“ zeigen sie Bilder mit beklemmender Wirkung.

Ungewöhnlich sind die Skulpturen von Almut Rybarsch-Tarry. Unterschiedliche Oberflächen und Formen laden den Besucher zur Berührung ein. Sie teilt sich ihren Raum mit Tanja Melina Moszyk, Acrylbilder zeigt.

Auf ganz kleinem Format präsentiert Marlies Blauth ihre Collagen und Landschaftsbildern. Mit scheinbar einfachen Strichen entstehen architektonische Ansichten oder Landschaften.

Düster erschienen die Arbeiten von Era Freidzon. Ihr Zyklus „Lullaby“ zeigt Bilder zwischen Traum und Realität, verschüttete Erinnerung aus der Kindheit scheinen wieder an die Oberfläche zu gelangen.

Am Sonntag, dem 28. Februar 2016 um 12 Uhr gibt es in den Räumen des ehemaligen Museum Ostwalls eine Lesung aus dem Buch „Schöner Schlag“ von Gabriella Wollenhaupt und Friedemann Granz, dazu spielt das „Zimmaorkestra“.

Die Öffnungszeiten der Ausstellung sind von Dienstag bis Sonntag von 15 bis 18 Uhr.




Eine kurzweilige Videoausstellung

Bis zum 27. März 2016 zeigt das Künstlerhaus am Sunderweg 1 die Ausstellung „keine Zeit“. 19 Künstlerinnen und Künstler zeigen Videoarbeiten, die in der Regel drei Minuten nicht überschreiten. Kurzweilige, surreale, schrille und ruhige Arbeiten sind bunt gemischt.

Die schrillste Arbeit der Ausstellung stammt ohne Zweifel von Heidi Hörsturz. Ihr Video „Sex Trashart Attacks! Cybercat Maturbation! Unicorn deconstruction!“ vereint Noise Musik mit audiovisullen Gehirnattacken. Eine grelle Kombination aus Puppen und Sexbilder, wild ineinanderkopiert.

Im gleichen Raum ist das ruhige, fast meditative „Trainstation“ von Jungwoon Kim. Schwankende und unstete Räume verändern sich durch den Wind. Architektonische Elemente werden zu irrationalen und absurden Formen.

Ruhig ist ebenfalls die Arbeit von Stefan Hurtig. Sein Video „Challenge“ setzt sich mit Heidi Klum auseinander. Ihr Satz „Leider kein Foto“ wird als Loop gespielt, während von Klum nur die roten Lippen auf schwarzem Grund zu sehen ist, ähnlich wie beim Anfang der „Rocky Horror Picture Show“.

Unterschrift und Fotografie haben eine Art von magischer Beweiskraft. Die Arbeit von Johannes Gramm „Failed Marian apparition“ ist ein gescheiterter Porträtversuch von Maria in einer Kirche. Doch sie taucht nicht auf. Eine Besonderheit: Der Film wird in einer Kiste gezeigt.

Steffi Linder beschäftigt sich mit dem vergeblichen menschlichen Bemühens. Das Video „Happy in bits“ zeigt eine Frau in vergeblichen Bemühen verschiedene Dinge zu tun. Beispielsweise ein Blatt Papier durch Pusten an einer Wand zu halten.

Nicht ohne Humor ist auch der Beitrag von Barbara Dévény „Steh auf und geh“. Hier erzählen ein Mann und eine Frau über ihren letzten Tag in ihrer Beziehung. Soviel sei verraten: Die Sichtweise beider Protagonisten unterscheidet sich fulminant voneinander.

Kurator der Ausstellung ist Cornelius Grau. Die Ausschreibung war bewusst allgemein gehalten, nur die Zeitvorgabe war vorgegeben. Zur Raumaufteilung sagte Grau: „Der Sound ist ein Kriterium, denn die meisten Projektionen laufen laut.“

Die teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler: Ankabuta, Sven Bergelt, Barbara Dévény, Karin Felbermayr, Jeanne Fredac, Johannes Gramm, Simone Haeckel, Heidi Hörsturz, Stefan Hurtig, Jungwoon Kim, Timo Klos, Karoline Kreißl, Patrik Leppert, Steffi Lindner, Anna May, Hannes Nienhüser, Sara Pfrommer, Anja Sijben und Anne-Theresa Wittmann

Die Öffnungszeiten des Künstlerhauses sind Donnerstag bis Sonntag von 16 bis 19 Uhr

Infos unter www.kh-do.de




Gespenster der Vergangenheit

Die Minions bei der Eanimation Lenins, währed Tschumalows (Sebastian Kuschmann) Beziehung zu seiner Frau Dascha (Caroline Hanke) in die Brüche geht. (Foto: © Birgit Hupfeld).
Die Minions bei der Reanimation Lenins, während Tschumalows (Sebastian Kuschmann) Beziehung zu seiner Frau Dascha (Caroline Hanke) in die Brüche geht. (Foto: © Birgit Hupfeld).

Heiner Müller und Rambo – eigentlich treffen zwei komplett unterschiedliche Welten aufeinander. Doch Müllers „Zement“ und Rambo haben eine Gemeinsamkeit. Ihre Titelhelden sind Gespenster aus der Vergangenheit, die stören und weg müssen. Klaus Gehre verwandelt beide Stücke in einen surrealen Live-Film mit einer ähnlichen Technik wie bei seiner Vorgängerproduktion „Minority Report“. Ein Premierenbericht von „Rambo plusminus Zement“ vom 17. Februar 2016.

In der Mitte ein Bett. Da schläft Gleb Tschumalow (Sebastian Kuschmann). Soldat der Roten Armee, die erfolgreich gegen die Weißen gekämpft hatte. Nun kehrt er in seine Stadt zurück und will die neue Gesellschaft aufbauen. Doch die Realität hat die Utopie besiegt. Seine Frau hat ihr Kind ins Kinderheim gegeben, die Zementfabrik, in der Tschumalow als Schlosser arbeitete, ist dem Verfall preisgegeben. Angebliche „Feinde“ der Revolution werden hingerichtet.

Plötzlich ein Schnitt. John Rambo möchte in Hope (Texas) nur was essen. Doch der örtliche Sheriff hat etwas dagegen. Die Situation eskaliert.

„Rambo plusminus Zement“ ist dreigeteilt. In den beiden Zement-Teilen stehen die Schauspieler im Mittelpunkt, während der „Rambo“-Part in vielen dem „Minority Report“ ähnelt. Es ist faszinierend, mit welchen Material die fünf Schauspieler einen Film auf die Leinwand bringen. Klaus Gehre hat um die 15 Stationen aufgebaut, die als Setting für den Live-Film dienen. Matchbox-Autos werden zu Polizeifahrzeugen, ein altes Landschaftsbild wird zum Filmhintergrund und Rambo (auch Kuschmann) simuliert bravurös den Abstieg aus einer Felswand.

Exklusion statt Inklusion. Ausgrenzung statt Mitnahme. Das ist das Kernthema von „Zement“ und „Rambo“. Die Revolution frisst ihre Feinde, in ihrer maßlosen Gier aber auch mehr als ihr gut tut. Der Ingenieur Kleist (Andreas Beck) ist Tschumalows letzte Hoffnung für das Zementwerk, obwohl er die Revolution hasst. Denn Kleist hat das Wissen, wie das Werk funktioniert. Daher darf er nicht getötet werden. Auch Rambo will niemanden töten, sondern einfach nur in Ruhe gelassen werden.

Sebastian Kuschmann überzeugt in der Doppelrolle des John Rambo/Gleb Tschumalow ebenso wie Andreas Beck in der Rolle des feisten Ingenieurs Kleist bzw. des ebenso feisten Sheriffs Teasle. Kleinere Rollen übernahmen noch Ekkehard Freye, Caroline Hanke und Marlena Keil.

Wer „Minority Report“ von Gehre mochte, wird auch „Rambo plusminus Zement“ lieben. Es sind mehr schauspielerische Elemente enthalten, das Stück bietet aber wieder die gewohnte skurrile Filmoptik wie die Vorgängerproduktion. Trotz des eher tragischen Stoffes, gibt es einige sehr erheiternde Momente, beispielsweise wenn die Minions versuchen, Lenin wiederzubeleben.

Mehr Infos und Termine unter www.theaterdo.de




Erzählende Bilder

Für die Bilder von Rudi Meisel muss man sich Zeit nehmen. Denn viele Details laden zum Entdecken ein. Eine kleine Maggi-Flasche oder eine Zeitung auf einem Verkaufstisch. Darüber hinaus haben die Bilder auch etwas Nostalgisches, was durch das Schwarz-Weiß verstärkt wird. Meisels Bilder handeln vom alltäglichen Leben der Menschen in beiden Deutschlands. „Two Germanys“ nimmt uns mit auf eine Reise in die Vergangenheit und es ist manchmal schwer zu sagen, ob ein Bild in West- oder Ostdeutschland entstanden ist. Die Ausstellung im Studio des MKK läuft vom 20. Februar bis zum 08. Mai 2016.

Die meisten Bilder entstanden zwischen den 70er und 80er Jahren. Sie zeigen zwei Länder, die sich in der Nachkriegszeit eingerichtet haben. Stammtische, Volksfeste, Biedermeiergemütlichkeit, Jugend prägen die Bilder von Meisel. Die hohe Kunst von Meisel ist es, als Fotograf unsichtbar zu bleiben. Staunen und beeindruckt sein, das sind die Kernthesen seiner Arbeiten. „Man muss neugierig wie ein Kind sein“, so der Fotograf, der für verschiedene Magazine wie GEO, Spiegel, TIME oder dem ZEITmagazin gearbeitet hat.

Eine weitere Besonderheit ist es, zwei Bildmotive in einem Bild zu verschmelzen. Beispielsweise in dem Bild aus Bonn 1983. Neben den Demonstranten am Bahnhof steht ein Bahnbeamter scheinbar entrückt, als ob in die Menschen um ihn herum nichts anhaben könnten.

Meisel geht unideologisch an seine Fotomotive. Er will weder Menschen bloßstellen, noch herablassend über sie urteilen. Das Elend in den Wohnquartieren gibt es in Ost und West und die Sorgen und Nöte sind für die Menschen in beiden Staaten ähnlich.

Das Faszinierende an diesen Street-Fotografien sind eben die Details: Die Mode der Jugendlichen aus den 80ern, die Autos, die Inneneinrichtungen. Ein Zeitsprung zurück in zwei Länder, die sich zwar ideologisch unterschieden, aber sich dennoch sehr ähnlich waren. „Es gab den gleichen Mief im Westen wie im Osten. Nur das der West-Mief ein paar Chromstreifen hatte“, fasst Meisel zusammen.




Verschmelzung von Theaterformen

Bertram (Thorsten Behegue) erzählt über Feinstrumpfhosen. (Foto © Jule Jäger)
Bertram (Thorsten Behegue) erzählt über Feinstrumpfhosen. (Foto © Jule Jäger)

Die vierten Petra Meurer Theatertage stehen unter dem Stichwort „Fusion“. Denn hier zeigt die freie Theaterszene unterschiedliche Theaterformen wie Performance, Lesung, Poetry Slam. Am 19. Februar 2016 steht die Performance im Vordergrund: Drei Gruppen zeigen ihr Programm, während am 20. Februar 2016 die Preisverleihung stattfindet. Von 24 Bewerbungen wurden fünf ausgewählt.

Am Freitag, dem 19. Februar 2016 beginnt der Abend mit dem Theater-pädagogischen Projekt der Theatermacherin Clara Nielebock. Gezeigt wird die Performance „HAMLET.3“. Danach gibt es einen Preisträger zu sehen: Das Dortmunder Ensemble „Komplott legal“ mit Thorsten Bihegue und Isabel Stahl zeigt „Bertram und die Feinstrumpfhosenfabrik“. Das Stück gewann die Versionale 2015“ in Leverkusen.

Nach der Pause präsentiert das „Mercator Ensemble“ eine Fusion von klassischer Musik und Poetry Slam. In drei Blöcken (Pop, Liebe und Mozart) werden drei Slammer, unterstützt von einem Streichquartett, klassische Musik und Literatur fusionieren. Nach der Premiere in Duisburg wird das Format in Dortmund zum zweiten Mal zu sehen und zu hören sein.

Am Samstag, dem 20. Februar 2016 steigt die Preisverleihung. Der dritte Preis, mit 300 € dotiert, wird zweimal verliehen, ebenso wie der zweite Preis (jeweils 500 €). Der Gewinner des ersten Preises geht mit 1.000 € nach Hause.

Von allen fünf Preisträgern wird natürlich auch etwas zu sehen sein.

Tickets für den Performance Abend am Freitag kosten 7 €, der Eintritt zur Preisverleihung ist kostenlos.




Dada in Dortmund

Das "Huelsenherz" von A. Diéga wird am Grab von Huelsenbeck reanimiert.
Das „Huelsenherz“ von A. Diéga wird am Grab von Huelsenbeck reanimiert.

Dieses Jahr feiert die Kunstrichtung Dada ihren 100. Geburtstag. Auch in Dortmund gab es Dadaisten und ihr Hauptvertreter hieß Richard Huelsenbeck. Was liegt also näher, als dieses Ereignis gebührend zu feiern. 100 Tage lang – vom 21. April bis zum 29. Juli 2016 – werden vornehmlich Dortmunder Künstler unter dem Label „DADADO 100“ Dortmund mit dadaistischer Kunst beglücken. Literatur, Musik, bildende Kunst oder Performance alles wird dabei sein.

Den Startschuss gibt ein Symposium zu „Dada“. Die Kunsthistorikerin Uta Schmidt wird am 21. April 2016 im Evinger Schloss eine Einführung über die Kunstrichtung geben. Am 23. April 2016 findet die erste große Veranstaltung statt und eigentlich sind es zwei: Zunächst treffen sich die Teilnehmer um 15 Uhr am Südwestfriedhof. Am Grab von Huelsenbeck wird das von A. Diéga gestaltete „Huelsenherz“ reanimiert. Danach zieht der Marsch weiter zur Pauluskirche. Dort beginnt um 18 Uhr der zweite Teil mit einen vielfältigen kulturellen Programm. Dieser Teil wird etwas kosten. Der Eintritt beträgt 19,16 € plus 0,84 € Spende für gemeinnützige Zwecke.

Dabei sein werden die Dadainen (vier Frauen vom Dortmunder Sprechchor), Eberhard Kranemann (Gründungsmitglied von Kraftwerk) und weitere Künstlerinnen und Künstler.

Das sind aber noch keine 100 Tage, wird vielleicht der eine oder andere bemerken. Richtig, denn am endgültigen Programm wird noch gestrickt. Geplant sind Veranstaltungen in ganz Dortmund wie dem Balou in Brackel oder dem domicil. Mitte März werden die Programmflyer gedruckt und verteilt.

Für die Organisatoren Anette Göke, Richrad Ortmann und Dieter Gawohl (A.Diéga) steht also noch einiges an Arbeit bevor. Die rund 20 Veranstaltungen sollen auf jeden Fall höchst unterschiedlicher Art sein und auch neben der Geschichte des Dada die aktuelle Dadaszene porträtieren.

Informationen gibt es auch auf der Homepage www.dadado100.de




Lichtbild-Kunst im Torhaus

Karl-Ulrich Peisker vor seinem Lichtbild "Rot 2.0" und neben der Bildstele "rund".
Karl-Ulrich Peisker vor seinem Lichtbild „Rot 2.0“ und neben der Bildstele „rund“.

Die Fotografie hatte von Beginn an nicht nur eine dokumentarische Funktion, sondern besaß auch eine künstlerische Komponente. Die Beschäftigung mit dem Medium führte bereits in der analogen Zeit zu spannenden Erkenntnissen, im digitalen Zeitalter sind die Möglichkeiten dank Software wie Photoshop oder GIMP quasi unerschöpflich. Karl-Ulrich Peisker zeigt in der Ausstellung „Ein-Augen-Blick“ im Torhaus Lichtbilder, die dokumentarischen, inszenierten und virtuellen Charakter haben. Die Ausstellung läuft vom 14. Februar bis zum 06. März 2016.

Peisker versucht in seinen Bildern andere Sichtweisen auf die Wirklichkeit zu schaffen. Die etwa 25 ausgestellten Fotografien können in drei Gruppen aufgeteilt werden. Zunächst ist die Beobachtung ein wesentlicher Faktor in der ersten Gruppe. Hier führt der Künstler die Betrachter durch die Vergrößerung in die faszinierende Welt der Details. So enthüllt uns beispielsweise ein Briefbeschwerer aus Glas seine inneren Geheimnisse.

Die zweite Gruppe besteht aus inszenierter Wirklichkeit. Hier ist mit „stadtbewegt“ eine Collage aus menschlichen Füßen zu sehen und der Betrachter spürt förmlich die Schwere der getragenen (aber nicht sichtbaren) Einkaufstaschen. Ebenso verwandelt sich ein Bild durch den Tausch von Farben (grün statt rot) in ein Landschaftsbild mit Wasser, das aber nie vorhanden war.

Kennzeichnend für die Arbeiten von Peisker ist die Beschäftigung mit der Vertikale. Das ist durchaus schon in den erstgenannten Gruppen zu sehen, richtig deutlich wird es in der „virtuellen Wirklichkeit“. Hier sind Farben und ihre vertikale Form im Vordergrund. Manche Bilder lassen an Spektrografien denken. In diese Gruppe gehören auch drei Bildstelen (dreikant, vierkant, rund), die die Motivik der virtuellen in die dreidimensionale Wirklichkeit übernehmen.

Die Öffnungszeiten der Galerie Torhaus Rombergpark:

dienstags bis samstags 14 bis 18 Uhr

sonntags und feiertags 10 bis 18 Uhr