Postapokalyptische Archäologie

Die Installation von Veit Laurenz Kurz wirk wie ein außerirdisches Artefakt auf den Betrachter.
Die Installation von Veit Laurenz Kurz wirk wie ein außerirdisches Artefakt auf den Betrachter.

Mit der Ausstellung „Picknick am Wegesrand“ zeigt der Dortmunder Kunstverein sechs Positionen zeitgenössischer Künstler, die sich mit der Fusion von Technik und Natur auseinandergesetzt haben. Angesiedelt zwischen postapokalyptischen Szenarien wie „Mad Max“ und Entdeckung von Artefakten wie bei „Prometheus“ entwickeln die entstandenen Kunstwerke eine fremde Aura von Zukunft und Vergangenheit. Die Ausstellung läuft vom 05. März bis zum 22. Mai 2016.

Der Titel der Ausstellung nimmt Bezug auf die Erzählung „Picknick am Wegesrand“ von Arkadi und Boris Strugazki, die Basis war für den Film „Stalker“ von Andrei Tarkowski war. In dieser Erzählung gibt es eine Zone mit außerirdischen Artefakten, die zwar abgeriegelt ist, dennoch von Schatzsuchern heimgesucht wird. Veränderungen der Natur und der Schatzsucher sind die Folge.

Die Arbeiten der Ausstellung haben zumeist etwas Archäologisches an sich. Am deutlichsten wird das in der Arbeit von Phillip Zach, dessen Teppichstücke aus Erde, Schaumstoff und Restmüll an Relikte von Ausgrabungen erinnern. Dazu hat er seine Teppichstück in Stücke geschnitten, die an das Spiel Tetris erinnern.

Auch die Beton- und Sandskulpturen von Tiril Hasselknippe scheinen aus einer Ausgrabung zu kommen, oder sind es moderne Artefakte aus einem postapokalyptischen Zeitalter?

Wenn Menschen eine ausgestorbene außerirdische Zivilisation entdecken würden, gebe es dann eine Maschine wie sie Veit Laurenz Kurz ersonnen hat? Sein raumfüllendes Werk stellt eine Art Produktionsanlage für ein „Vitaminpräpaprat“ oder ähnliches dar, denn es scheint Extrakte von Pflanzen ab zu zapfen. Jedoch scheint es schon über Jahrhunderte nicht mehr benutzt worden zu sein, der Behälter ist überwuchert und die Schläuche lecken. Der Besucher kann sich in einen Astronauten versetzen, der auf einem neu entdeckten Planet erste Erkundungen macht und staunend vor dieser Maschine steht.

Die Zeichnungen, die Martin Schepers ausstellt, scheinen wissenschaftlicher Natur zu sein, haben aber auch eine extraterristische Funktion.

Rochelle Goldbergs Arbeiten erinnern etwas an die Terminator-Filme. Hier wirkt es, als ob das tote Material sich selbstständig verändert. Noch ist die alte Erscheinungsform, ein Krokodil, schwach zu erkennen, der untere Teil hat sich aber schon „verflüssigt“. In welcher Form das Material sich danach manifestiert, bleibt unklar.

Hybride Gestalten zwischen Tier, Mensch und Maschine entwirft Raphaela Vogel. Action-Kameras lassen das Digitale zu einem Teil der Natur werden und die Natur zu einem Teil des Digitalen.

 

Dortmunder Kunstverein
Park der Partnerstädte 2 (neben dem Dortmunder U)

Öffnungszeiten: Dienstag-Freitag 15 bis 18 Uhr sowie Samstag und Sonntag von 11 bis 16 Uhr




Fundstücke zu Kunstwerken

Der "Burger" von Marc Taschowsky.
Der „Burger“ von Marc Taschowsky.

Vom 05. März bis zum 09. April zeigt die Galerie ART-isotope an der Kampstraße 80 Malerei, Grafik , Objekte von Marc Taschowsky. Der Künstler lässt sich durch die Popkultur inspirieren und schafft mit seinen Werken spannende neue Einsichten.

Aus Fundstücken schafft Taschowsky Abbilder von Medienstars. Ein Farbtopf, ein umgedrehter Lampenschirm, ein Überraschungsei als Nase und andere Dinge dazu und es entsteht für jeden ersichtlich „Bert“ aus der „Sesamstraße“.

Der Künstler stammt aus der Malerei und besitzt malerisch eine große Bandbreite, die er in seinen Portraits von Persönlichkeiten zum besten gibt. Neben Helmut Schmidt und Christoph Maria Herbst sind Figuren aus Kinderserien wie „Hallo, Spencer“ porträtiert. In der Galerie nimmt ein Bild eines „Stormtroopers“ aus „Star Wars“ eine ganze Wand ein.

Seine Objekte spielen auch mit der Pop-Kultur. „Ohne Pop-Art hätte ich diese Motivik nicht gemacht“, gibt Taschowsky zu. So verwandeln sich Alltagsgegenstände in Superhelden, Häschen begehen Selbstmord oder Käfer wurden zu Kämpfern. „Ich sammle Sachen, die kaputt sind oder Freunde schenken mit Material“, erzählt Taschowsky wie er zu seinen Gegenständen kommt. Manche Objekte hat er komplett in Schwarz lackiert. „Das mache ich manchmal, wenn ich finde, dass eine weitere Entfremdung notwendig ist“. Was kommt zuerst? Die Idee oder der Gegenstand? Beim Objekt „Burger“ wird deutlich, dass die Idee zum Objekt führt. Ein Ball wird in zwei „Brötchenhälften“ geteilt und mit Material gefüllt, so dass ein gut gefüllter „Ballburger“ entsteht.

Ausgestellt sind auch einige Druckgrafiken. Unter anderem auch eine Grafik von David Bowie, die bereits 2013 entstand.

ART-isotope

Galerie Schöber

Kampstraße 80

Öffnungszeiten: Dienstag, Mittwoch, Freitag, Samstag von 11 bis 14 Uhr sowie 15 bis 19 Uhr.

www.art-isotope.de




Wir lieben Brahms

Die beliebte Liedmatinee am Sonntagmorgen wurde in der Spielzeit 15/16 weitergeführt durch das Konzert von Keiko Matsumoto und Natascha Valentin, ihres Zeichen Solistinnen des Dortmunder Opernchores, am 28. Februar 2016 unter dem Titel „Lieben Sie Brahms?“. Spätestens nach dem Konzert war diese Frage nur noch rhetorischer Natur,

Begonnen wurde das Konzert aber nicht mit Brahms, sondern mit Musik von seinem Freund Antonin Dvořák. Seine „Klänge aus Mähren“ op. 32 erfüllten in seiner Musik und in den Texten alle romantischen Bedingungen. Natur,Liebe und Heimat stehen im Mittelpunkt.

Die Lieder, die von Brahms zu hören waren, stammten ebenfalls (bis auf Goethe) aus der Romantik. Angefangen von Herders „Stimmen der Völker in Liedern“ über den niederdeutschen Dichter Klaus Grothe bis hin zu „Des Knaben Wunderhorn“.

Der Sopran von Matsumoto und der Mezzosopran von Valentin ergänzten sich sehr gut, vor allem bei den Mutter/Tochter Stücken „In den Beeren“, „Guter Rat“ und „Walpurgisnacht“, dem kraftvollen Höhepunkt und Abschluss des Konzertes. In der Zugabe verwandelten sich die beiden Sängerinnen in Schwestern und sangen das gleichnamige Lied von Brahms nach dem Text von Mörike. Dazu passte, dass Matsumoto und Valentin Kleider mit Blumenmuster trugen.

Die beiden Sängerinnen aus dem Dortmunder Opernchor wurden einfühlsam begleitet von Granville Walker, seines Zeichens ehemaliger Chordirektor der Dortmunder Oper.




Haptisches Vergnügen

Suse Solbach vor einigen ihrer Arbeiten.
Suse Solbach vor einigen ihrer Arbeiten.

Die Ausstellung von Suse Solbach in der Galerie Dieter Fischer im Depot Dortmund trägt den Titel „Allerweltsbunt“. Wer sich umschaut, wird Besonderheiten feststellen. Manche Bilder sind auf einem Nagel aufgespießt. Das ist kein Versehen, denn so haben die Besucher die Möglichkeit, die Bilder auch anzufassen. Denn Solbach arbeitet nicht nur mit unterschiedlichen Papieren, sondern auch mit flüssigem Wachs, der ihre Bilder beinahe einschließt. So kann man die Bilder nicht nur sehen, sondern auch haptisch erleben. Die Ausstellung läuft vom 04. März bis zum 27. März 2016.

Suse Solbach malt ihre abstrakten Bilder mit unterschiedlichen Materialien wie Öl, Acryl oder Buntstiften. Zudem benutzt sie verschiedenes Papier. Um den haptischen Effekt der Bilder noch zu verstärken, übergießt sie die Bilder mit Wachs. Dabei benutzt sie nicht nur weiße, sondern auch farbige Kerzen. „Ich achte darauf, dass das Wachs das Bild nicht komplett einschließt, ich will dass man das Papier noch erkennt“, erklärt die Künstlerin.

Von den etwa 70 Bildern fallen einige aus dem Rahmen. Mehrere Kreidearbeiten aus ihrer „quadratischen Phase“ wie Solbach anmerkte, tanzen ihrer strengen Geometrie mit den geraden Linien aus der Reihe der ansonsten sehr freien abstrakten Bilder. „ich möchte mit meinen Bildern die Fantasie anregen“, wünschst sich Solbach.

Es ist auch möglich die Bilder anzufassen. Daher die ungewöhnliche Hängung an einen Nagel. Wer sich traut, kann das Bild abnehmen und das Wachs und die unterschiedlichen Papiere spüren und somit einen weiteren Erkenntnisgewinn erlangen.

Die Vernissage ist am Freitag, dem 04. März um 19 Uhr.

Die Galerie Dieter Fischer ist von Donnerstag bis Sonntag von 17 bis 20 Uhr geöffnet.

Galerie Dieter Fischer

Immermannstraße 29

44147 Dortmund

www.galerie-dieter-fischer.de




Einladung zum kreativen Beisammensein

Volker Sternemann (rechts unten)  und weitere Besucher beim Porträtieren von Jason (links mitte)
Viktor Sternemann (rechts unten) und weitere Besucher beim Porträtieren von Jason (links mitte)

Die Galerie 103 in der Oesterholzstraße 103 zeigt die Ausstellung „Borsigplatz-Portraits“ von Viktor Sternemann. Doch Sternemann hat noch mehr vor: Wer sich vielleicht selber künstlerisch betätigen möchte, kann dies zwanglos in den „offenen Ateliers“ tun, die der Künstler jeden Dienstag von 14 bis 18 Uhr anbieten wird.

Sternemann zeichnete acht Monate lang gegen die Borsigplatz-Währung „Chancen“ etwa 100 Portriats von Menschen rund um den Borsigplatz. Etwa 84 von ihnen hängen nun in der Galerie 103. Angefangen von Motorradfahrern über Nachbarn bis hin zu Bewohnern des AWO-Wohnheims, die Bandbreite von Sternemanns Acrylportraits ist groß. „Ich habe meist nach der Natur gemalt, aber auch manchmal experimentell“, erklärte der Künstler.

Daneben läuft in der Galerie ein weiteres Projekt von Sternemann: Das „offene Atelier“. Hier können Menschen künstlerisch tätig werden. Sternemann wird in der Regel vor Ort sein und bei Bedarf Unterstützung leisten. Doch es ist kein Malkurs oder ähnliches. „Die Leute sollen locker werden“, so der Künstler, „und ihre Ideen eigenständig umsetzen“. Dieses Experiment ist zunächst für zwei Monate geplant. Unterstützt wird Sternemann von René Becerra-Pinto sowie Pia Drüphake.




Romantische Komödie mit Livemusik

Was gibt es Schöneres als den Schalttag mit dem absoluten Filmklassiker „Lichter der Großstadt“ zu begehen, der live begleitet wird von den Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von Gabriel Feltz? 90 Minuten Kino- und Konzerterlebnis im Konzerthaus Dortmund. Der lang anhaltende Schlussapplaus galt nicht nur den Musikern, sondern auch dem Schauspieler und Humanisten Charles Chaplin, der sogar die Musik zum Film geschrieben hatte.

Vielleicht lag die besondere Magie genau darin, dass sich die beiden Hauptdarsteller Chaplin und Virginia Cherill (Blumenmädchen) angeblich nicht ausstehen konnten. So blieb eine gewisse Distanz übrig, die den Film vor dem Kitsch rettet. Die romantische Komödie von 1931 vom Tramp (Chaplin), der sich in ein blindes Blumenmädchen verliebt und durch die temporäre Freundschaft zu einem Millionär (Marry Myers) in der Lage kommt, ihr zu einer Operation zu verhelfen, ist ein Stummfilm, trotz der aufstrebenden Tonfilms. Das Ende bleibt im Film offen, auch das ist das Schöne, ohne Hollywoodeskes Happy-End.

Die Musiker und ihr Dirigent mussten bei dem Film auf Zack sein, denn die vielen Slapstick-Einlagen wurden auf die Sekunde genau von entsprechenden Klangeffekten begleitet. Für die übrigen Musik ist Chaplin überwiegend verantwortlich, bis auf das Leitmotiv für das Blumenmädchen, das stammt von José Padilla. Chaplins Musik ist passender weise romantisch beeinflusst mit verschiedenen Leitmotiven für die Hauptcharaktere. Ein Heimspiel für die Philharmoniker.

Ein lustiger, berührender, auf jeden Fall emotionaler Filmabend ging endete und man darf gespannt sein, welcher Film in der nächsten Spielzeit gezeigt wird.




Keine Grenzen beim Musikfestival Klangvokal

Elsa Dreisig wird beim Abschlusskonzert "Von Wien nach New York" singen. (Foto: © Camilla Storvollen)
Elsa Dreisig wird beim Abschlusskonzert „Von Wien nach New York“ singen. (Foto: © Camilla Storvollen)

Zum 8. Mal findet in Dortmund das Festival Klangvokal statt. Unter dem Titel „grenzenlos“ erklingen vom 13. Mai bis zum 12. Juni 2016 25 Konzerte aus den Genres Klassik, Jazz und Weltmusik. Musik aus 30 Ländern wird zu hören sein. Die passenden Veranstaltungsorte sind neben den Dortmunder Kirchen das Konzerthaus, das Orchesterzentrum und das domicil. Im Westfalenpark freuen sich die Menschen erneut auf das A-capella-Festival, ein weiterer Höhepunkt das das große Fest der Chöre am 04. Juni mit über 150 Chören.

Klangvokal möchte Grenzen überschreiten, seien es kulturelle oder Genres. Daher gibt es im Programm einige Konzerte, die die eingefahrenen Wege verlassen und mischt beispielsweise Barock mit Pop oder mit nordeuropäischen Anklängen. Eine weitere Besonderheit ist, dass viele Künstler zum ersten Mal in Deutschland spielen oder ihr Programm exklusiv in Dortmund aufführen. So wird der vierte Akt von Puccini „Edgar“ zum ersten Mal in Deutschland zu hören sein. Ein weiterer Höhepunkt aus dem Bereich Oper und Operette ist das Abschlusskonzert „Von Wien nach New York“ am 12. Juni im Konzerthaus. Es präsentiert eine bunte Mischung aus der italienischen Oper, der Wiener Operette und dem amerikanischen Musical.

Doch das Festival Klangvokal ist wegen eines anderen Schwerpunktes weit über Dortmund hinaus bekannt: Die Alte Musik. Barockmusik trifft auf Pop und Weltmusik. So beim „Meer der Erinnerungen“ am 29. Mai in der Marienkirche wenn traditionelle Mittelmeermusik und Barockmusik von Cavalli und Rossi erklingen. Poppig wird’s bei „Mine meets Monteverdi“ am 03. Juni im domicil, wenn Popsängerin Mine und Sopranistin Robin Johannsen Monteverdi neu interpretieren.

Aber auch Barockmusik „pur“ darf nicht fehlen: Am 10. Juni geht das Publikum mit der „Cappella Mariana“ in der Marienkirche auf Entdeckungsreise in die osteuropäische Vokalmusik um 1500. Das Barockoratorium „Nabucco“ von Michelangelo Falvetti eröffnet das Klangfestival am 13. Mai in der Reinoldikirche. Für dieses Konzert werden extra die Renovierungsarbeiten an der Kirche unterbrochen.

Wenn ein Motto „grenzenlos“ heißt, kann der Besucher sich auf Musik aus unterschiedlichen Regionen freuen. Weltmusik ist ein wichtiger Bestandteil von Klangvokal. Die „Songs aus Thessaloniki“ am 14. Mai im domicil erzählen vom reichen kulturellen Erbe der griechischen Hafenstadt, die ein Schmelztiegel der Kulturen war.

Persische Liebeslieder werden am 18. Mai in der Marienkirche von Alireza Ghorbani angeboten, ebenfalls dort gibt Magam-Sänger Alim Qasimov aus Aserbaidschan am 25. Mai ein Konzert.

Das domicil ist Schauplatz für Jazz (20. Mai), Tango (27. Mai) und kubanische Musik (11. Juni).

Neben den bereits erwähten A-capella-Festival im Westfalenpark und dem Fest der Chöre gibt es weitere spannende Chormusik beim Klangvokal. Ein Höhepunkt ist sicher das Sonderkonzert „De profundis“ des Dortmunder (eigentlich Hörder) Komponisten Daniel Friedrich Eduard Wilsing. Fünf Chöre werden das Konzerthaus am 11. Juni gemeinsam mit den Dortmunder Philharmonikern zum Klingen bringen.

Die Preise für die Konzertkarten liegen in der Regel zwischen 10 und 30 Euro. Der Kartenvorverkauf ist bereits gestartet. Weitere Infos zum Programm und zu den Konzertkarten gibt es unter www.klangvokal.de




Ein bunter Sommernachtstraum

Ja, es ist noch Winter. Doch die Kulturbrigaden haben es für zwei Abende geschafft, ein wenig sommerliches Gefühl ins Theater im Depot zu bringen. Ihre neue Produktion besticht erneut mit fantasievollen Kostümen, kleineren Gesangseinlagen, eine große Portion Humor sowie exzellenten Darstellerinnen und Darstellern. Die Premiere war am 26. Februar 2016, ein Bericht vom 27. Februar 2016.

„Ein Sommernachtstraum“ von Shakespeare in farbenfrohen Bildern. Rada Radojcic und Jens Wachholz präsentierten dem Publikum die Komödie um die Wirrnisse der Liebe in jugendgerechter Weise. Neben einer modernen Übersetzung haben sie noch auf aktuelle Bezüge aufgenommen. So fordert Helena, der zwangsverliebte Lysander solle doch bitte „eine Armlänge Abstand“ halten.

Die Geschichte in kurz: Lysander liebt Hermia, Hermia muss aber Demetrius heriaten, in den aber Helena verliebt ist. In der Parallelwelt der Elfen möchte König Oberon seine Ehe mit Titiana ein wenig aufpeppen. Gleichzeitig will der Herzog von Athen, Theseus, die Amazonenkönigin Hippolyta heiraten und Handwerker proben für diese Feier ein Theaterstück. Klingt kompliziert? Keine Sorge, Oberons Diener Puck schafft es, die Verwirrung noch zu steigern.

Ähnlich wie bei den vorherigen Produktion wie „Alice“ oder „Carmen“ verzauberte das Ensemble der Kulturbrigaden (Petra-Meurer-Preisträger) mit originellem Kostümen und professionellem Spiel. Es hat Spaß gemacht und war selbst für die kleinen Zuschauer niemals langweilig. Zu den Highlights bei den Kostümen gehörte der mit slawischen Akzent sprechende Demetrius, der im Elvis-Look unterwegs war. Puck als Gothic-Queen war ebenfalls ein Hingucker. Herrlich war das Spiel der fünf Handwerker, die „Pyramus und Thisbe“ bei Theseus‘ Hochzeit aufführten.

Jemanden aus dem 13-köpfigen Ensemble hervorzuheben, wäre vielleicht nicht fair. Aber Puck war mit seinen Intrigen und seiner Schusseligkeit der Mittelpunkt des Stückes und wurde hervorragend interpretiert.

Es bleibt zu hoffen, dass die nächsten Termine für „Ein Sommernachtstraum“ bald veröffentlicht werden, denn dieses Stück hat es auf alle Fälle verdient, öfter gespielt zu werden. Mit Humor, Engagement und viel Phantasie schaffen es Wachholz und Radojcic sowie die Beteiligten auf der Bühne einen „Sommernachtstraum“ zu spielen, der Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene zum Träumen bringt.




Beziehung in weiter Ferne

Am Anfang ist die Fernbeziehung zwischen Antonia (Julia Schubert) und Tomasz (Peer Oscar Musinowski) noch in bester Ordnung. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Am Anfang ist die Fernbeziehung zwischen Antonia (Julia Schubert) und Tomasz (Peer Oscar Musinowski) noch in bester Ordnung. (Foto: © Birgit Hupfeld)

So wie im richtigen Leben: Im entscheidenden Moment stürzt das Internet ab und man ist offline. Bei der Premiere von „Die Liebe in den Zeiten der Glasfaser“ von Ed. Hauswirth am 25. Februar 2016 im Megastore fiel dann Julia Schubert in der Rolle der Antonia der rettende Kniff ein: Sie ging einfach zur Nachbarin.

Zwei Paare – vier Schicksale. Drei Personen brechen auf zu einem entfernten Ort, nur einer bleibt daheim. Wie funktioniert eine Fernbeziehung? Anscheinend abgeklärt sehen das Wolf-Adam (Uwe Schmieder) und seine Frau Helena (Friederike Tiefenbacher), angespannter ist Tomasz ( Peer Oscar Musinowski), der zuhause bleibt, dafür auf seine Freundin Antonia (Julia Schubert) verzichten muss. Antonia, Studentin der Mediensoziologie, geht für ein Jahr nach Rom, um ein wenig die Welt zu verändern. Ihr Freund Tomasz bleibt und versucht, bei IKEA Karriere zu machen. Wolf-Adam ist Professor für Mediensoziologie (und „Magistervater“ von Antonia) bekommt die Chance für ein Jahr nach Aalborg zu gehen, während seine Frau Helena, für ein internationales Schauspielprojekt nach Breslau geht.

Kann eine Beziehung halten, in der der Partner hunderte Kilometer weit weg ist und die nur mit Hilfe einer Software namens Skype aufrecht gehalten wird? Hauswirth ist da eher skeptisch und obwohl das Stück sehr viele komödiantische Elemente hat, gehen die beiden Paare auseinander, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen.

Das Stück dreht sich nicht nur um Skype, sondern es ist auch eine kleine Partneranalyse. Bei Tomasz und Antonia fragt man sich von Anfang an, warum die beiden überhaupt zusammen sind. Tomasz ist relativ einfach strukturiert, er will Karriere bei IKEA machen und versteht davon, was sein Freundin macht, so gut wie nichts. Der Frust über sein Scheitern schlägt schnell in Agression um. Antonia hingegen ist naiv und ichbezogen, sie will die Welt vom Kapitalismus retten, interessiert sich für die Probleme ihres Freundes überhaupt nicht. Mit der Zeit wird klar, dass sie eigentlich in zwei völlig anderen Welten leben.

Bei Helena und Wolf-Adam dreht sich viel um den zweiten Frühling oder die Midlife-Crisis. Das zeigt sich zu Beginn, als Wolf-Adam seinen Seminarzettel vorliest, auf dem nur Frauennamen stehen. Helena kann dadurch kontern, dass sie die einzige Frau unter vierzehn Männern sei. Zwischen Antonia und ihrem Professor läuft auch was. Wolf-Adam kann aber die Einsamkeit in Dänemark nicht verkraften und stirbt.

Das Stück will keine objektive Wahrheit über Fernbeziehungen verkünden. Das wäre auch vermessen. Die beiden Beispiele sind natürlich theatralisch überhöht. Daher sind bei aller Tragik sehr viele komödiantische Elemente enthalten wie der Seitenhieb von Hauswirth auf das moderne Regietheater, die Helena dazu zwingt, eine Vergewaltigungsszene zu simulieren. Auch Antonias erfrischende Naivität sorgt für Lacher.

Die „Liebe in den Zeiten der Glasfaser“ lebt auch durch die guten Darsteller. Oscar Musinowski geht in der Rolle des Tomasz auf und auch Julia Schubert spielt die Antonia mit entwaffnender Naivität. Uwe Schmieder als vergeistigter Professor und Friederike Tiefenbacher als leidgeprüfte Schauspielerin stehen den beiden in Nichts nach. Das Quartett ist ein echter Glücksgriff.

Alle, die schon mal in einer Fernbeziehung gelebt haben oder noch leben, werden einige Elemente wiedererkennen wie beispielsweise den verzweifelten Versuch, durch den Computer Nähe zum Partner zu erzeugen, indem man ihn ins Bett nimmt. Alle anderen, die keine Erfahrungen in Fernbeziehungen haben oder denen es noch bevorsteht, können sich über die Fallstricke informieren.

Letztendlich ist die Tragikomödie von Hauswirth ein vergnügliches, wenn auch tragisches Theaterstück mit tollen Darstellen, das den donnernden Applaus des Publikums mehr als verdient hat.

Infos und Karten unter www.theaterdo.de.

 




Oper im Klassenzimmer

Mit der mobilen Kinderoper „Herr Orpheus geht zur Schule“ von Wiebke Hetmanek möchte die Junge Oper Dortmund den Grundschülern und Kindergartenkindern die Kunst der Oper näher bringen. Ein Klassenzimmer genügt, um die beiden Sänger sowie Klavier und Cello Platz zu geben und es kann los gehen. Die Premiere war am 16. Februar 2016 in der Peter-Vischer-Grundschule.

Es geht sofort dynamisch los: Der Sänger ist als Prof. Musensohn verkleidet und hat eine Unmenge an Bücher über die Oper verstaut. Die Sängerin spielt die Viola Gabelstimme, die ein wenig pragmatischer wirkt. So erfahren die Kinder, dass die Oper eine „gesungene Geschichte“ ist. Anhand von allerlei Requisiten, die die beiden Darsteller in einem Koffer verstaut haben, wird die Geschichte von Orpheus in der Unterwelt erzählt. Dabei gibt es natürlich Kostproben aus Arien verschiedener Komponisten, die sich mit dem Stoff auseinandergesetzt haben.

Doch die Kinder werden auch zum Mitmachen aufgefordert. Als Orpheus in die Unterwelt abtaucht, müssen die Kinder das Klopfen der Skelette simulieren sowie seufzende Seelen und grollende Winde spielen. Am Ende dürfen die Schüler auch entscheiden, wie die Geschichte enden soll: Gut, schlecht oder soll Orpheus sich in sein Schicksal fügen. Bei der Premiere wählten die Kinder die dritte Variante.

Was wird von den Schulen erwartet? Natürlich ein Klassenzimmer, in dem das Stück stattfindet, dann einen Raum zum Umziehen und Verstauen der Sachen. Normalerweise beginnt die Vorstellung um 10 Uhr und dauert etwa 40 Minuten. Im Anschluss kann ein Nachgespräch stattfinden.

Die Vorstellung kostet 180 € pro Klasse. Falls eine Schule Interesse an einer Aufführung hat, kann sie sich bei Heike Buderus melden. Telefon 0231 50 22 413 oder hbuderus@theaterdo.de