Grau ist alle Theorie

"inside-outside" und "Rahmenbedingungen" von Maria Teresa Crawford Cabral. Beide Öl auf präparierter Leinwand, 90 x 70 cm
„inside-outside“ und „Rahmenbedingungen“ von Maria Teresa Crawford Cabral. Beide Öl auf präparierter Leinwand, 90 x 70 cm

Die Farbe Grau hat nicht den besten Ruf. Sie ist eine unbunte Farbe und steht in Begriffen wie „mausgrau“ eher für Langeweile. Dennoch wählte die Dortmunder Gruppe für ihre 3. Werkschau ausgerechnet diese Farbe als Themenvorgabe. Herausgekommen sind nicht etwa 36 Werke in Grau, sondern spannende Auseinandersetzungen von 20 Künstlerinnen und Künstlern. Zu sehen ist die Ausstellung in der BIG Gallery vom 10. April bis zum 10. Juni 2016.

Mit unterschiedlich warmen Grautönen arbeitet beispielsweise Alexander Pohl in seiner Arbeit „SIGNS. Illustrationen subjektiver Suggestion“. Pohl spielt nicht nur mit den Farbschattierung von Grau, sondern erzeugt durch Unregelmäßigkeiten in der Höhe der Leinwände je nach Lichteinfälle einen anderen Schattenwurf.

In den Bildern von Maria Teresa Crawford Cabral „ist etwas Graues im Gange“. In „inside-outside“ schaut ein älteres Ehepaar nach draußen und der Betrachter sieht im spiegelnden Glas, dass Fallschirmjäger oder Bomben vom Himmel fallen.

In „Dancing Killers I“ von Michael Odenwaeller versucht der Künstler eine Balance zu schaffen zwischen der Ästhetik der Panzer und deren zerstörerischer Kraft. Die grauen Panzer sind vor einem neongelben Hintergrund platziert, so dass auch ein farblicher Kontrast zu dem thematischen hinzukommt.

Aber nicht nur Malerei kommt zu ihrem Recht, auch Skulpturen sind zu sehen. Jan Bormann zeigt mit „Faszination Grau“ eine Holzskulptur aus einer über 200 Jahre alten Polaren Trockenfichte und Pia Bohr zeigt mit „Rhinoceros“ und „Amazone“ zwei Arbeiten, die trotz ihrer abstrahierten Form noch Reminiszenzen an Gegenständlichkeit besitzen.

Zu sehen sind Arbeiten von Martin Becker, Pia Bohr, Jan Bormann, Marlies Blauth, Maria Teresa Crawford Cabral, Ulla Dretzler, Era Freidzon, Mariana González Alberti, Ulrike Harbach, Sabine Held, Gudrun Kattke, Erwin Löhr, Dana Nur, Michael Odenwaeller, Brian John Parker, Monika Pfeiffer, Alexander Pohl, Christian Psyk, Wolfgang Schmidt, Roul Schneider, Claudia Terlunen und Garrett Anderson Williams.




Abstrahierte Landschaften

Haysam Sarhan, "Haus am Hang", Acryl , 85x52
Haysam Sarhan, „Haus am Hang“, Acryl , 85×52

Bis zum 08. Mai zeigt das Luther-Zentrum in der Flurstraße Werke des syrischen Künstlers Haysam Sarhan. Der Künstler lebt bereits seit 1982 in Dortmund hat sein Atelier in einem ehemaligen Kiosk in der Nähe der Hohensyburg, in dem er Kurse und Workshops anbietet.

Viele Bilder von Sarhan leben von der Kombination der Farben. Die Motive stammen überwiegend aus dem Nahen Osten und der Künstler benutzt die typischen Farben der Region für seine Werke.

Stilistisch wechseln abstrahierte, aber immer noch erkennbare landschaftliche oder architektonische Elemente, mit starken abstrakten Flächen ab. Somit entsteht für den Besucher die Möglichkeit, die Bilder in seiner Vorstellung zu vervollständigen.

Weitere Infos zum Künstler gibt es unter www.h-sarhan.de




Vielfalt der Schlaginstrumente

Schlagzeuger im klassischen Orchester sind meist unüberhörbar. Meist an der Pauke stehend unterstützen sie mit kraftvollen Schlägen die dramatischen Stellen der Musik oder setzen lautstarke Akzente (und wecken damit den einen oder anderen im Publikum). Doch Schlagzeuger können noch mehr. Beim 3. Kammerkonzert der Dortmunder Philharmoniker im Orchesterzentrum Dortmund am 04.04.16 präsentierten vier Schlagzeuger mit einem Flötisten die unglaubliche Spannweite der Schlaginstrumente.

Ein Schlagzeug ist laut und macht Krach, so die gängigen Vorurteile. Aber man kann Schlaginstrumenten auch zärtliche und wohlklingende Töne entlocken. Lorris Dath, der Schlagzeuger der Dortmunder Philharmoniker, und seine Kollegen aus den benachbarten Sinfonieorchestern, zeigten dies bereits im ersten Stück. Die Sonate von Johann Sebastian Bach im g-moll (BMV 1020) wurde in der Kombination Flöte und Marimbaphon gespielt. Hier waren neben Flötist Felix Reimann von den Dortmunder Philharmonikern gleich zwei Schlagzeuger an dem Marimbaphon, das an ein überdimensionales Xylophon erinnert. Diese ungewöhnliche Zusammenstellung erinnerte ein wenig an den Komponisten George Benjamin, der alte Stücke auch ungewöhnlich instrumentiert, beispielsweise Purcell mit einer Celesta. Bei Bach ersetzte das Marimbaphon das Cembalo.

Schlagzeuger trommeln ja auf allen Dingen gerne herum. Das machte sich der Komponist Thierry de Mey zunutze und komponierte ein Stück für drei Holzbretter. Sein „Musique de table“ ist ein wunderbaren kleines choreografiertes Stück voller Rhythmik und nonverbaler Kommunikation zwischen den Musikern.

Ein Standartwerk für Schlagzeuger ist das Stück „Suite en concert“ von André Jolivert. Hier werden die uralten Instrumente Flöte und Schlagwerk in einer mystischen Kombination verpackt. Die Klänge, die dabei entstehen erinnern die Anfänge der Menschheitsgeschichte oder an alte, untergegangene Kulturen.

Nach der Pause wurde es artistisch. Denn dann kam zur Musik noch eine Künstlerin die mit zwei Vertikaltüchern einige Kunststücke präsentierte. Passend zum Stück „Bordel 1900“ von Astor Piazolla wurde die Bühne in Rot getaucht.

Dass Schlagzeuger auch schauspielerische Qualitäten haben müssen, zeigte „Toucher“ von Vinko Globokar. Basierend auf der französischen Version von Brechts „Galileo“ musste Dath nicht nur die französischen Laute der Textfragmente auf Schlaginstrumenten nachahmen, sondern auch die Szenen darstellen. Auf alle Fälle war es ein großer Spaß für das Publikum.

R-L-R-R, L-R-L-L. Schlagzeuger wissen sofort: Das ist ein Paradiddle, eine Schlagfolge. Paradiddles und sogennante Rudiments gehören zum täglichen Brot des Schlagzeugers. Passend zum Titel „Teamwork“ von Mitch Markovich kamen alle vier Schlagzeuger auf die Bühne und präsentierte die unterschiedlichen Rudiments, die ihre Wurzeln in der amerikanischen Marschmusik haben.

Den Abschluss des sehr abwechslungsreichen Programms bildete die „Chega de Saudade“ für Flöte und vier Schlagzeuger des brasilianischen Komponisten Antonio Carlos Jobim.

Neben Lorris Dath spielten Slavik Stakhov, Klaus Bertagnolli und Aron Leijendeckers an den Schlaginstrumenten.




Nebensachen, aber keine Bagatellen

Heike Kollakowski vor ihren Aarbeiten "Gottesanbeterin" und "Ameise".
Heike Kollakowski vor ihren Aarbeiten „Gottesanbeterin“ und „Ameise“.

Die Galerie Dieter Fischer im Depot zeigt vom 01. bis zum 17. April Atelierarbeiten von Heike Kollakowski. Die Grafik- und Webdesignerin stellt eine Auswahl ihrer Werke aus, die sie ohne Zwang eines Auftraggebers „zur Entspannung“ malt, zeichnet, kalligrafiert oder drucken lässt.

Während Webdesign ja überwiegend am PC entsteht, tobt die Künstlerin sich in ihren freien Arbeiten aus. Ein Themenschwerpunkt ist der Rabe. Gezeichnet, getuscht, als Linolschnitt – mit völlig unterschiedlichen Techniken und Materialien geht Kollakowski ans Werk. Von eher naturalistischen bis hin zu abstrakten reicht ihr Spektrum.

Neben den Raben und Krähen sind Insekten ein Schwerpunkt in ihren Arbeiten. Doch in den Gemälden steht eher die Farbgebung im Vordergrund als die Wiedergabe nach der Natur. Dennoch kann man die Insekten wie Gottesanbeterin oder Ameise auf Anhieb erkennen.

An zwei Wänden findet der Betrachter ein Potpourri an Arbeiten von Kollakowski. Hier erkennt man schnell, dass die Künstlerin vom Grafikdesign kommt. Grafische Arbeiten wie Kalligrafien oder Spielereien mit Schrift sind zu sehen, ebenso wie Werke, die als Vorstufe zu Logoentwicklungen dienen könnten.

Die Vielzahl an Arbeiten zeigt die große Bandbreite, die Kollakowski in ihren Arbeitsformen und Themen besitzt. Der Betrachter kann auf den vielen unterschiedlich großen Werken vieles entdecken.

Öffnungszeiten: Donnerstag bis Sonntag 17 bis 20 Uhr.




Ist die Zeit relativ?

Das Ensemble bei der Probe zu "Einstein". Foto: © Oskar Neubauer.
Das Ensemble bei der Probe zu „Einstein“. Foto: © Oskar Neubauer.

Ein Theaterstück über Albert Einstein und die Relativitätstheorie? Keine Angst, es wird keine Physikvorlesung, sondern die Theatermacher wollen herausfinden, wie die Relativitätstheorie das Miteinander berührt. Geschaffen wurde das Stück „Einstein“ vom Künstlerkollektiv „I can be your translator“ und produziert von InTakt e.V. Die Premiere ist am 02.April um 20 Uhr im Studio des Schauspielhauses Dortmund.

Die Relativitätstheorie hat mit unserem täglichen Leben erst einmal kaum Berührungspunkte. Für uns Menschen ist die subjektiv erlebte Zeit zunächst wichtiger als die „objektive“ Zeit oder die Raumzeit. Zeit ebenso wie der Begriff der Geschwindigkeit spielen nichtsdestotrotz eine wichtige Rolle in der Gesellschaft. Alles muss schnell gehen und möglichst effizient.

Das Stück „Einstein“ ist eine Mischung aus Darstellung, Performance und Abstraktion. Wie in einem Tutorial sollen die Berührungspunkte zwischen Theorie und Praxis aufgezeigt werden. Dafür haben die Theatermacher sich mich dem Dortmunder Physiker Metin Tolan getroffen und ihn interviewt. Seine Antworten sind ein wichtiger Teil des Stückes. Aber auch die Schauspieler haben eigene Texte geschrieben.

Dazu gibt es Musik von Einsteins Lieblingskomponisten Johann Sebastian Bach und Minimal Musik von Steve Reich und Philipp Glass.

Das Kollektiv „I can be your translator“ war bereits in der vergangenen Spielzeit im Schauspielhaus zu Gast. Hier spielte man das Stück „Displace Marilyn Monroe“ mit Szenen aus ihrer Biografie und ihren Liedern.

Weitere Termine: 30. April, 19. und 26. Mai 2016. mehr Infos unter www.theaterdo.de




Russische und böhmische Vollendung

Mit Dvořák, Prokofjew und Schostakowitsch bekam das 7. Philharmonische Konzert am 15. und 16. einen slawischen Touch. Die Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von Gastdirigent Oleg Caetani und die Solistin Caroline Goulding sorgten für für einen vollendeten Abend. Ein Bericht vom Konzert am 15. März 2016.

Hinter Dvořáks „Othello“-Ouvertüre op.93 steht keine Oper, wie man vielleicht vermuten könnte. Der böhmische Komponist schrieb die drei Konzertouvertüren „In der Natur“, Karneval“ und eben „Othello“ zwischen 1891 und 1892 um verschiedene Aspekte des menschlichen Lebens in musikalische Form zu bringen. Bei „Othello“ geht es um die Liebe. Sehr eindringlich geht es in dem kurzen Stück um die Daseinsformen eines Liebenden, von der Leidenschaft über die Eifersucht bis hin zur Missgunst. Die Musiker der Dortmunder Philharmoniker schafften es die unterschiedlichen Empfindungen musikalisch umzusetzen. Ab und an erklingen einige Takte, die wie ein Vorgriff auf Dvořáks berühmte 9. Sinfonie „Aus der neuen Welt“ klingen.

Danach stand das Konzerthaus ganz im Bann der jungen Violinistin Caroline Goulding. Die Amerikanerin spielte das 2. Violinkonzert von Sergej Prokofjew. Das Konzert schrieb der russische Komponist kurz vor seiner Rückkehr in die Sowjetunion. Der heitere Charalter des Stückes täuscht, denn das dreisätzige Violinkonzert ist für den Solisten sehr fordernd. Doch die technischen Herausforderung meisterte Goulding souverän.

Nach der Pause ging es mit der 15. Sinfonie von Dimitri Schostakowitsch weiter. In der modernen Musik würde man so etwas „sampeln“ nennen, was der Komponist in seiner Sinfonie verarbeitet hat. Zunächst ist im ersten Satz die „Reitmusik“ aus Rossini Ouvertüre zu „Guillaume Tell“ prominent zu hören. Im vierten Satz zitiert Schostakowitsch neben Wagners „Walküre“ auch sich selbst. Die gewaltige Sinfonie ist eine Art Zusammenfassung eines Lebens. Es beginnt sinnbildlich mit Uhrenschlägen und endet auch damit. Die 15. Sinfonie ist vielleicht nicht so bekannt wie Schostkowitschs 7. Sinfonie (Leningrader), aber sie ist ein schönes Beispiel seiner Kompositionskunst in den letzten Jahren seines Lebens.




Der Friedensplatz wird zum Konzertsaal

Hoffen auf gutes Wetter: für die vier Konzerte (v.l.n.r.) Sabine Gliniewicz (Sparkasse Dortmund) Dirk Rutenhofer (Cityring), Ashley Thouret (Sängerin Oper Dortmund), Generalsmusikdirektor Gabriel Feltz (Dortmunder Philharmoniker) und Frank Schulz (City Marketing Dortmund)
Hoffen auf gutes Wetter: für die vier Konzerte (v.l.n.r.) Sabine Gliniewicz (Sparkasse Dortmund) Dirk Rutenhofer (Cityring), Ashley
Thouret (Sängerin Oper Dortmund), Generalsmusikdirektor Gabriel Feltz
(Dortmunder Philharmoniker) und Frank Schulz (City Marketing Dortmund)

Oper, Musical, Familienkonzert und Elektro meets Classic. Der Sommer wird heiß auf dem Friedensplatz zwischen dem 26. und 28. August 2016. Denn erstmals finden dort die Cityring-Konzerte statt. Im Mittelpunkt stehen die Dortmunder Philharmoniker.

Die Auftaktveranstaltung gehört der Oper. Am 26. August heißt es ab 20:30 Uhr „Sempre libera!“ und es erklingen viele bekannte Opernmelodie wie dem „Zigeunerchor“ oder der Arie „Sempre libera!“ aus „La Traviata“. Neben dem Dortmunder Opernchor werden auch einige Solisten dabei sein wie Emily Newton, Ileana Mateescu und Karl-Heinz Lehner.

Am Samstag, dem 27. August um 20:30 Uhr vereinigen sich Orchesterklang mit Elektronischer Musik. Moonbootica feat. MIKI wollen mit den Dortmunder Philharmonikern einen Mix aus Soul, Elektro und HipHop zaubern.

Olympisch wird der Friedensplatz am 28. August um 11 Uhr. Denn dann erscheinen die Musiker des Orchesters nicht wie gewohnt im Anzug, sondern wie es sich bei Olympischen Spielen gehört, im Trainingsanzug und zeigen, zu welchen Leistungen sie in der Lage sind.

Der 28. August wird um 20 Uhr mit einer Musical-Night beendet. „A Night full of stars“ lautet der Titel und neben Alexander Klaws und Patricia Meeden steht auch das Dortmunder Ensemblemitglied Morgan Moody auf der Bühne. Die Besucher erleben dann eine Entdeckungsreise durch die Welt des Musicals von den Anfängen bis zu den Hits der Gegenwart.

Karten sind ab sofort erhältlich unter der Internetadresse: https://www.etix.com/ticket/v/11626/cityring-konzerte-friedensplatz-dortmund?cobrand=Cityring




Wenn Buchstaben zu Bildern werden

Buchstaben verschmelzen zu einer Implosion. (Emmett Williams, o.T., o.J. Gummistempelung auf Papier).
Buchstaben verschmelzen zu einer Implosion. (Emmett Williams, o.T., o.J. Gummistempelung auf Papier).

Emmett Williams (1925-2007) gehört zu den Begründern der Kunstrichtung „Fluxus“. Der Künstler hat sich in seinen grafischen Arbeiten aber auch mit visueller und konkreter Poesie beschäftigt. Das Museum Ostwall zeigt vom 15. März bis zum 11. September 2016 unter dem Titel „Emmett Williams: Visuelle und Konkrete Poesie“ 18 Arbeiten im Grafikkabinett in der 5. Etage.

Die gezeigten Arbeiten aus den 50er und 60er Jahren präsentierten eine fortwährende Auseinandersetzung mit Text und Sprache. Häufig benutzt Williams Stempel oder die gute alte Schreibmaschine. Im Bild „like attracts like“ (gleich und gleich gesellt sich gern) laufen zwei „likes“ trichterförmig in ein „attracts“ hinein. Wie gekonnt Williams mit den Möglichkeiten der Schreibmaschine arbeitete, sieht man deutlich an „Meditation No 1“. Hier sind Buchstaben und Leerzeichen so geschickt angeordnet, dass es aussieht, als wären dort Schraffuren zu sehen. Doch es sind „nur“ die Buchstaben von a bis z, die Williams in einer Raute angeordnet hat.

Mit verschiedenen Stempeln hat sich Williams dem Satz von Gertrude Stein „when this you see remember me“ genähert. Die Worte werden mit sechs farblich unterschiedlichen Stempeln zunächst in separaten Clustern platziert, die sich auf den weiteren Blättern immer stärker annähern und ein Wollknäuel aus Worten und Farben werden.

In der Tradition von John Cage und Fluxus-Kollege George Brecht steht die Arbeit „archaeological poem“. Brecht hatte gesagt, dass wir ständig Musik hören, wenn wir akzeptieren, dass jedes Geräusch ein Klang ist und jeder Klang die Grundlage von Musik ist. Williams „Archäologisches Gedicht“ ist eines ohne Worte oder Text, sondern es besteht nur aus den Altersspuren auf dem Papier, die für sich ein konkretes Gedicht formen.

Der Zufall erfährt beim „Fluxus“ eine gewisse Wertschätzung. In der Ausstellung zeigt das MO ein Blatt, auf dem man Umrisse von Fischen sieht, die einen Buchstaben auf dem Rücken tragen. Die Arbeit geht auf Williams „Fischgedicht“ von 1970 zurück, hier hat der Künstler Karpfen mit Buchstaben auf dem Rücken versehen und die zufällig entstehende Kombination notiert.

Williams ist zwar in den USA geboren, kam aber schon 1949 nach Europa, zunächst nach paris. Ende der 50er Jahre bewegte er sich im „Darmstädter Kreis“ zusammen mit Diether Roth, Claus Bremer und Daniel Spoerri.




Meister der Klangfarben

Auch wenn George Benjamin der Lieblingsschüler von Olivier Messiaen gewesen ist, ein französischer Komponist ist er dennoch nicht werden. Das wäre für den 1960 in London geborenen Komponisten, Dirigenten und Pianisten auch ziemlich ungewöhnlich. Das Konzerthaus Dortmund präsentierte Benjamin von 10. bis zum 12. März 2016 in einer dreitägigen Zeitinsel. Die Besucher erlebten in den drei Tagen aufregende neue Musik mit einer ganzen Fülle von unterschiedlichen Klangfarben.

Der erste Tag der Zeitinsel begann mit einem schönen Beispiel von Benjamins Klangmagie. In Purcells „Fantasia Nr. 7“ baute er eine Klarinette und eine Celesta ein. Vor allem der glockenartige Klang der Celesta sorgte für eine sphärische Klangfarbe in dem Werk aus der Barockzeit.

Danach wurden auch werke von Benjamin gespielt. „Flight“ aus dem Jahre 1979 machte die Flöte zu einem besonderen Soloinstrument. Benjamin schafft es in dem kleinen Werk der Flöte neben Dramatik auch einen Hauch von Mehrstimmigkeit zu verleihen. Ein großes Lob gebührt Julia Gallego für ihre Darbietung.
Die Viola oder Bratsche ist ein wenig das Stiefkind des Orchesters. Daher hat Benjamin mit „Viola, Viola“ (1997) ein mitreißendes Werk für dieses Instrument komponiert. Sehr schön gespielt von Méatrice Muthelet und Anna Puig Torné.

Zwischen den Stücken war Zeit für ein Gespräch. Marie Luise Maintz, die an den drei Tagen auch die Einführung gab, sprach mit Benjamin über seine Musik. Eine sehr informative Sache, zumal Benjamin auch über eine gute Portion britischen Humors verfügte.

Am zweiten Tag konnten die Besucher Benjamin zum ersten Mal auch als Dirigenten bewundern. Bachs Kanon und Fuge aus „Die Kunst der Fuge“ sowie Arnold Schönbergs „Verklärte Nacht“ standen vor der Pause auf dem Programm. Der Höhepunkt des Abends war die konzertante Aufführung von „Into the Little Hill“, eine lyrische Erzählung in zwei Teilen aus dem Jahre 2006. Inhaltlich bezieht sich die Erzählung aus die Rattenfänger-Saga. Zu der Besonderheit, die Benjamin für sein Werk auszeichnet, gehört, dass die Erzählung von der Kontraaltistin Hilary Summers sowie von der Sopranistin Anu Komsi gesungen werden. Die beiden übernehmen natürlich unterschiedliche Rollen. Auch für sein 45-minütiges Werk benutzt Benjamin ungewöhnliche musikalische Klangfarben wie dem ungarischen Hackbrett, dem Zymbal.

Der dritte Tag gehörte der großen Oper von Benjamin „Written on Skin“, die er 2012 komponierte. Die halbszenische Aufführung über die Sage des Troubadours Guillaume de Cabestanh riss die Besucher am Samstagabend zu Begeisterungstürmen hin. In der Legende verführt de Cabestanh die Frau eines anderen Adligen. Dieser tötet de Cabestanh und gibt dessen Herz seiner Frau zu essen. Die wiederum stürzt sich zu Tode.

Bei Benjamins Librettisten Martin Crimp ist der Troubadour ein junger Maler, der dem Landesherrn, dem Protektor, ein Buch malen soll, in dem er und seine Frau Agnès als gütiges Herrscherpaar eine positive Rolle spielen sollen. Doch es stellt sich schnell heraus, dass der Protektor ein grausamer Mensch ist und Agnès, jung verheiratet, sich nach Liebe sehnt. So nimmt das Schicksal wie in der Sage ihren Lauf.

Ein großes Lob verdienten sich neben den Musikern des Mahler Chamber Orchestra sich die Sängerinnen und Sänger. Vor allem die drei Hauptfiguren Agnès (Barbara Hannigan), der Protector (Christopher Purves) und vor allem Countertenor TimMead (Junge).

Die Zeitinsel über George Benjamin war eine großartige Entdeckungsreise in die Welt der neuen Musik.




Retrospektive aus 45 Jahren

Druckgrafiken, Zeichnungen und Objekte zeigt Irmhild Koeniger-Rosenlecher vom 13. März bis zum 03. April 2016 im Torhaus Rombergpark. Von den abstrakten Anfängen aus ihrer Studienzeit bis hin zu den gegenständlichen Arbeiten zeigt die Künstlerin ihr breites Spektrum unter dem Titel „Körper & andere Landschaften“.

Die Titanen haben es Koeniger-Rosenlecher besonders angetan. Sisiyphos und Tantalus sind gleich zweimal abgebildet. In ihren frühen Zeichnungen aus dem Jahre 1977 wirken sie, als ob sie mit der Landschaft verwachsen sind. Dagegen sind die beiden in den Arbeiten von 2003 ein wenig autonomer geworden und haben sich von der Landschaft emanzipiert. Sie sind zu einer handelnden Figur geworden.

Die Künstlerin arbeitet mit unterschiedlichsten Techniken, beispielsweise mit Silberstiften aus Barytpapier, einem Photopapier. Durch diese aufwändige Techniken entstehen filigrane Werke wie bei der „Lärche“ (1980) und den „Birken“ (1978) deutlich zu sehen ist.

Koeniger-Rosenlecher setzt sich neben Landschaftsbilder und mythologischen Figuren auch mit Personen aus der Zeitgeschichte auseinander. So wurde „Elisabeth II“ und ihre Tasche Thema einer Arbeit ebenso wie Justin Bieber. Auch Fußballfans (eigentlich logisch in Dortmund) wurden von der Künstlerin in dem Werk „Zeitgenossen: Fußballfans nach der Niederlage“ aus dem Jahre 1982 porträtiert.

Zu den Schwerpunkten der Künstlerin gehört auch die politische Grafik. Davon ist jedoch nichts in der Ausstellung zu sehen, sieht man vom Objekt „Die stille Frau – Kokoschkas Amla Puppe“ von 2013 ab. Hier steht die Frau als Betrachtungsobjekt im Mittelpunkt.

Die Öffnungszeiten der Galerie Torhaus Rombergpark:

dienstags bis samstags 14 bis 18 Uhr
sonntags und feiertags 10 bis 18 Uhr