Matrix ohne asiatische Kampfkunst

Nein, Martin Hohner ist als de Posa kein glatter Erlösertyp wie Keanu Reeves als Neo im Film „Matrix“. Doch gibt es bei der neuen Produktion von Sir Gabriel Dellmann „Poser (sic!) – gebt Gedankenfreiheit“ einige Parallelen. So taucht mit Matthias Hecht eine Art „Morpheus“ auf und es gibt eine Art Zwischenzone wie die Stadt „Zion“ im Film. Die Vorpremiere war am 16. April 2016 im Theater im Depot.

Wie reagiert der Mensch in Zeiten der totalen Überwachung? Wird er vorsichtiger? De Posa ist auf der Suche nach der Antwort, zunächst eher widerwillig, doch seine engagierte Freundin setzt ihn auf die Spur. Ähnlich wie bei „Matrix“ gelangt de Posa in eine Zwischenwelt, die ihn aber wegen des gezeigten Hedonismus nicht wirklich befriedigen kann.

Musik, Video, Animationen nehmen einen prominenten Platz in der Produktion ein, ebenso taucht das Stilmittel „Schauspieler sprechen im Pausenraum über das Stück und das Publikum sieht es auf der Leinwand“ auf, beinahe typisch für die Produktionen von Sir Gabriel Dellmann. Auch wenn mit Fiona Metscher, Aischa-Lina Löbbert und Matthias Hecht

drei weitere Akteure mit von der Partie sind, stellt das Stück die Hauptfigur de Posa in den Vordergrund. Hohner spielt den Anti-Helden de Posa mit großen Engagement.

Auch wenn das Thema „Überwachungsstaat“ ein Dauerthema ist, gelingt es Sir Gabriel Dellmann mit „Poser (sic!) – gebt Gedankenfreiheit“ mit leichten Anleihen an „Matrix“, die Zerrissenheit und Unsicherheit des Individuums in Zeiten der permanenten Kontrolle und Datensammelei eindringlich auf die Bühne zu bringen.

Das Stück wird seine eigentliche Premiere im Herbst auf dem Dortmunder Theaterfestival Favoriten 16 haben.




Komplexe Mischung aus darstellender und bildender Kunst

Die Lolitas stürmen die Wohnung. (Foto: © Maximilian Steffan)
Die Lolitas stürmen die Wohnung. (Foto: © Maximilian Steffan)

Nicht nur Not macht erfinderisch, sondern auch ungewöhnliche Örtlichkeiten. Hat das Team um Regisseur Kay Voges schon die kleinere der beiden Hallen mit ungewöhnlichen Stücken wie „Das schweigende Mädchen“ bespielt, wurde die große Halle jetzt im Breitwandformat quasi eingeweiht. Stilecht durch eine Prozession. Mit „Die Borderline Prozession“ schuf Voges eine Bilderflut, die den Megastore voll ausnutzt, denn das Stück wäre im Schauspielhaus so nicht zu realisieren gewesen. Wer sich aufmacht, um die dreistündige Prozession zu erleben, kann sich an Bildern sattsehen und an Musik satthören. Premierenbericht vom 15. April 2016.

 

Der Beginn ist beeindruckend: Angeführt von einem Kamerawagen marschieren die Schauspieler (fast das gesamte Ensemble plus Schauspielstudenten) in einer feierlichen Prozession um die eindrucksvoll gestaltete Spielfläche. Nach und nach verschwanden sie in die einzelnen Räume. „Die Borderline Prozession“ ist ein würdiger Nachfolger des Kultstückes „Das goldene Zeitalter“. Wie dort geht es um Loops, um wiederkehrende Szenen und Situationen, leicht variiert. Das Kommando gab wie beim „Zeitalter“ Voges live.

 

Ein wichtiges Element: Die Zuschauer konnten vorab wählen, ob sie auf die Südseite oder die Nordseite gehen wollten. Während den kurzen Pausen zwischen den insgesamt drei Teilen wurden die Besucher aufgefordert ihre Perspektive zu wechseln. Logischerweise konnte man nur eine Seite live erleben, während man von der anderen Seite per Videobild informiert wurde. Ein klein wenig kam man sich vor, als schaue man auf eine Sammlung von Bildern einer Überwachungskamera, die alle Räume überwachte.

 

Der erste Teil fing ruhig und gemächlich an. Die Nordseite zeigte das Innenleben einer gewöhnlichen Wohnung mit Küche, Schlafzimmer und Wohnzimmer, während die Südseite eine Bushaltestelle, einen Kiosk und einen Van zeigte. Die Außen- und Innenseite wurde durch einen Zaun getrennt. Im ersten Teil war er noch offen und zugänglich.

In den einzelnen Zimmern wurde die ganze Bandbreite des Lebens wie zum Beispiel Einsamkeit, Rituale der tägliche Schulgang des Kindes einer alleinstehenden Frau oder die Abendtoilette eines Paares u.s.w., auf der Südseite eher die dunkle Seite des Alltagslebens gezeigt.

Der zweite Teil war mit „Krise“ übertitelt und fühlte sich an wie ein 3:4 in der Nachspielzeit. Von überall strömten negative Emotionen: Gewalt, Soldaten, Vergewaltigungen. Die Grenze war geschlossen, zwei Soldaten ließen niemanden hinein.

Der dritte Teil, die Synthese war surrealistisch aufgebaut. Major Tom, eine kleine Reminiszenz an David Bowie, schwebte beinahe durch die Gänge, Napoleon las ein Gedicht von Jonathan Meese über das Lolitatum vor und wurde danach feierlich mit der Musik von Gustav Mahlers 2. Sinfonie („Auferstehungssinfonie“) zu Grabe, -pardon: zur Bushaltestelle getragen.

 

Das Lolitatum, spielte im Stück eine durchgehende Rolle. In den ersten beiden Teilen noch dezent, kam es im dritten Teil zu einer wahren Invasion. „The Walking Lolitas“ quasi. Dabei verwandelten sich die meisten der Schauspieler, ob Mann oder Frau, in gleich aussehende, beinahe schon zombiehafte Lolitas, die die Wohnung stürmten.

Neben den sehr ausdrucksstarken Bildern faszinierte die Musik. Ob Glass, Mahler, Bowie oder der „Prozessions-Song“ von Tommy Finke, man hätte auch einfach die drei Stunden nur der Musikspur lauschen können. Dann hätte man aber das optische Vergnügen nicht gehabt. Ein Dilemma!

In den einzelnen Räumen wurde nicht gesprochen. Die Texte wurden aus einem „Studierzimmer“ von den Spielern vorgelesen. Einige der Texte stammten aus dem Beginn des 19. Jahrhunderts, andere von Größen wie Nietsche oder Brecht, aktuellere waren meist politischer Natur wie Ausschnitte aus der Rede von François Hollande oder Frauke Petry.

Eine durchgehende Handlung existiert bei der „Borderline Prozession“ nicht, es gibt nur Handlungsfetzen, Szenen, die auf Zuruf kreiert werden. Sämtliche Darsteller sind eher Teil eines Gemäldes oder eines Films, als dass sie einen Charakter darstellen. Dieses Stück sprengt die Grenzen zwischen darstellender und bildender Kunst. Das mag für den einen für Aha-Erlebnisse sorgen, wenn er Szenen aus Filmen oder Gemälden wiedererkennt, für den anderen bleibt das ästhetische Empfinden.

Ein großes Lob verdienten sich die Schauspieler. Denn die drei Stunden waren für alle Beteiligten ein Parforceritt, ohne die Möglichkeit, eine Figur schauspielerisch zu entwickeln. Exquisite Musik und ein wunderbares Bühnenbild rundeten das ungewöhnliche Spektakel ab.
Wer sich auf die „Borderline Prozession“ einlässt, sollte einen wachen und offenen Geist mitbringen. Es werden sicher nicht so viele Veränderungen möglich sein wie beim „Goldenen Zeitalter“, aber es lohnt sich sicher öfter hineinzugehen.




Freiheit im Netz?!

Plakat zu Poser(sic!) (Foto: © Sir Gabriel Dellmann)
Plakat zu Poser(sic!) (Foto: © Sir Gabriel Dellmann)

Wie gehen wir damit um, wenn wir überall im Netz unsere Spuren hinterlassen? Werden wir vorsichtiger? Haben wir bereits eine Schere im Netz? In der Vorpremiere von „Poser(sic!) – Gebt Gedankenfreiheit“, einer multimedialen Performance von Sir Gabriel Dellmann, stellt sich die Hauptfigur John le Posa genau diese Fragen. Die Vorpremiere findet statt am 16. April 2016 um 20 Uhr im Theater im Depot.

Das Stück handelt von John le Posa. Er ist ein Nachfahre des berühmten Marquis de Posa, der Figur aus „Don Carlos“ von Schiller. Im Gedenken an die ständige Überwachung des Netzes fragt sich de Posa wie sieht es aus mit der „Gedankenfreiheit“? Ändert man sein Konsumverhalten oder tut man das Gegenteil und gibt extra alles preis?

Vier Schauspieler (Martin Hohner, Fiona Metscher, Aischa-Lina Löbbert und Matthias Hecht) versuchen mit Mitteln der Popkultur und Video-Art diese Fragen zu beantworten und wie man es bei Sir Gabriel Dellmann gewohnt ist, mit Humor und ohne die moralische Keule herauszuholen.

Das Stück wurde geschrieben von Björn Gabriel, der auch Regie führt. Anna Marienfeld ist für die Produktionsleitung zuständig und Steffi Dellmann für die Ausstattung.

Die „echte“ Premiere findet im Rahmen des Festivals Favoriten16 am 28. und 29. September statt.




Der Kampf um die Vorhaut

Judith (Jasmina Musić) und Ibrahim (Murat Seven) diskutieren über die Beschneidung ihres Sohnes. (Foto:  © Edi Szekely)
Judith (Jasmina Musić) und Ibrahim (Murat Seven) diskutieren über die Beschneidung ihres Sohnes. (Foto: © Edi Szekely)

Ein kleines Stück Haut hat in den letzten Jahren die Gesellschaft in Aufruhr gebracht: Darf man einem Kind aus religiösen Gründen an seiner empfindlichsten Stelle etwas abschneiden? Die Beschneidung ist das Thema bei der Uraufführung von „Der Goldene Schnitt“ am 16. April 2016 um 20 Uhr im Studio des Schauspielhauses. Geschrieben hat das Stück der Regisseur Tuğsal Moğul, der mit dem Stück „Die deutsche Aische“ beim Theaterfestival 2014 in Dortmund für Furrore gesorgt hat,

Ibrahim und Judith bereiten die Feier zur Beschneidung ihres Sohnes vor. Verwandte ud Freunde werden eingeladen, alles ist grell und bunt, doch je näher der Tag rückt, desto stärker werden die Bedenken. Denn Ibrahim und Judith haben nicht nur muslimisch-jüdische Wurzeln, sondern sind auch Ärzte. So wird das Thema von verschiedenen Seiten beleuchtet.

Was wiegt höher: das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit oder das Grundrecht auf Religionsfreiheit? Während die Beschneidung bei Mädchen meistens geächtet wird, hat die Bundesregierung im Schnellverfahren ein Gesetz von 2012 die Beschneidung von Jungen aus religiösen Gründen durch den Bundestag gebracht. Damit ist die Diskussion aber nicht beendet. Wie geht eine Gesellschaft mit diesem Thema um, wie wirkt sich der Zuzug von überwiegend muslimischen Flüchtlingen auf eine säkularisierte Gesellschaft aus?

Das Stück lädt zu einer intensiven Auseinandersetzung ein und ist als Dialog mit der türkischen und arabischen Community gedacht, so Dramaturg Michael Eickhoff.

Da die meisten Ensemblemitglieder bei der „Borderline Prozession“ beschäftigt sind, spielen zwei Gäste in dem Stück. Jasmina Musić spielt die Judith und Murat Seven den Ibrahim.

Mehr Informationen unter www.theaterdo.de




Verschiebbare Perspektive

Ein Blick auf die Bühne der "Borderline Prozession". (Foto: © Birgit Hupfeld)
Ein Blick auf die Bühne der „Borderline Prozession“. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Stand bei „Das Goldene Zeitalter“ die Wiederholung im Mittelpunkt geht es beim Nachfolger „Die Borderline Prozession“ (Premiere am 15. April 2016 um 19:30 Uhr im Megastore) um die Grenzen und deren mögliche Überwindung. Musik – Video – Theater – bildende Kunst: alles ist in dem Mammutwerk (um die drei Stunden) erlebbar. Dafür ist eine Rekordzahl an Schauspielern notwendig. 23 Schauspieler sind in verschiedenen Räumen und Situationen zu sehen.

Ort der Handlung ist ein bewohntes Haus mit zehn Zimmern, Pool, Garage und bewachter Außenfront. Draußen ist ein mysteriöser Parkplatz, scharf getrennt vom Haus durch eine Mauer aus Beton und Draht. Im Haus geschieht das pralle Leben: Geburt, Tod, Liebe Hass. Draußen sind Menschen, die hinein wollen, aber nicht können.

Das besondere an dieser Produktion ist, dass die Zuschauer nicht alles Facetten gleichzeitig sehen können. Sie haben die Wahl, ob sie an der Nordseite oder an der Südseite Platz nehmen wollen. Was auf der gegenüberliegenden Seite geschieht wird ihnen per Kamera über Monitore angezeigt. Wollen sie die Perspektive wechseln, so müssen sie sich der „Prozession“ anschließen, die die Schauspieler und Besucher auf die andere Seite bringt.

Der Titel des Stückes bezieht sich einerseits auf die psychische Erkrankung „Borderline“, andererseits auf die biblische Geschichte vom Fall der Mauern Jerichos durch eine Prozession (und Trompeten). Daher ist die Kernfrage des Stückes „Wie überwinde ich Mauern?“. Dabei geht es Regisseur Kay Voges und die Dramaturgen Alexander Kerlin und Dirk Baumann darum, Denkräume zu öffnen und keine bestimmten Antworten zu geben.

Neben dem größten Teil des Dortmunder Ensembles sind neun Schauspielstudierende der Folkwang Universität Essen dabei sowie Raafat Daboul. Daboul ist syrischer Flüchtling, der in seiner Heimat vor dem Krieg Schauspiel studiert hat. Das beeindruckende Bühnenbild schuf Michael Sieberock-Serafimowitsch, die Musik kommt von Tommy Finke und für die bewegten Bilder ist Voxi Bärenklau verantwortlich.

Mehr Informationen unter www.theaterdo.de




Stimmungslandschaften und surreale Gemälde

Aquarelle, Acrylbilder und Objekte von Erika Grabe in der Artothek.
Aquarelle, Acrylbilder und Objekte von Erika Grabe in der Artothek.

Bis zum 20. Mai zeigt die Artothek der Stadt- und Landesbibliothek Dortmund Arbeiten der Künstlerin Erika Grabe unter dem Titel „Aspekte der Wahrnehmung“. 45 Acrylbilder, Aquarelle und Collagen aus den vergangenen elf Jahren sind dort zu sehen.

Die ausgestellten Arbeiten kann man grob in drei Kategorien unterteilen. Zunächst sind da die Landschaftsbilder zu nennen, die Grabe „Stimmungslandschaften“ nennt. Sie sind mit Aquarellfarben gemalt. Hier sind die Motive gegenständlicher gemalt. Die Landschaften entstammen der Erinnerung der Künstlerin und werden oft mit Sturm oder der wilden Natur kombiniert. Diese Bilder entstehen häufig im Zusammenhang mit den Kursen für Aquarell- und Acrylmalerei in der Erwachsenenbildung, die Grabe seit 1990 gibt.

Bei den Porträts, die Grabe ausgestellt hat, kommt es ihr nicht so sehr auf die naturalistische Wiedergabe an. Bei manchen Bildern tauchen surrealistische Elemente auf wie beispielsweise eine Schlange oder eine Eule. Beim Bild „Die Fischerin“ trägt die rothaarige Fischerin keinen Korb voller Fische, sondern einen Korb voller Obst. Oft haben die Porträts einen „textilen Hintergrund“. Grabe war als Textildesignerin tätig und arbeitet die Stoffmuster als Hintergrund in ihre Bilder ein.

Bei den surrealistischen Acrylbildern lässt die Künstlerin ihrer Fantasie freien Lauf. Teilweise in sehr bunten Farben gehalten erinnern die Werke an psychedelische Bilder aus den 70er Jahren. Auch wenn diese Bilder sehr abstrakt sind, teilweise arbeitet Grabe auch figürliche Elemente ein. So erscheint plötzlich ein Gesicht in einem Bild oder ein winziges Paar taucht in der Mitte des Bildes auf. Hier sollte sich der Betrachter auf jeden Fall Zeit nehmen, um die Details genau zu studieren.

Die Artothek hat dienstags und freitags von 10 bis 19 Uhr geöffnet.




Facetten der Nordstadt

Eine gemalte Hommage an die Nordstadt mit ihren faszinierenden Häusern von Günter Rückert.
Eine gemalte Hommage an die Nordstadt mit ihren faszinierenden Häusern von Günter Rückert.

Bis zum 01. Mai 2016 zeigt das Torhaus Rombergpark Malerei und Zeichnung von Günter Rückert mit dem Schwerpunkt „Nordstadt“. Das größte zusammenhängende Altbaugebiet des Ruhrgebiets mit ihren Häusern aus der Gründerzeit ist für Künstler eine Fundgrube an Motiven.

Die Nordstadt lässt einen nicht kalt. Für den einen ist sie ein angehendes Szeneviertel mit einer Vielzahl an Kultur, für die anderen der Ort von Drogen, Armut und Arbeiterstrich. Hier findet das Leben draußen statt und wunderschöne Fassaden stehen neben heruntergekommen Problemhäuser.

Die 21 Bilder, die Rückert im Torhaus zeigt, präsentieren eher den landschaftlichen Aspekt des Stadtteils. Häuserkomplexe und Hinterhöfe teilweise aus der ungewohnten Vogelperspektive. Dabei geht es Rückert nicht um die naturalistische Sicht der Dinge. Oft wirken die Bilder unfertig, weil der Künstler sich auf einen Häuserkomplex konzentriert und den Rest weggelassen hat, obwohl im „wahren Leben“ daneben noch andere Häuser existieren. Wer sich in der Nordstadt auskennt, wird auf Anhieb einige Orte wiedererkennen wie beim Bild „Ararat Grill“ am Anfang der Münsterstraße, in der der gleichnamige Imbiss und die Kneipe „Bei Ernie“ ihre Heimat haben.

Für die Ausstellung hat sich Rückert ganz auf die Acrylmalerei konzentriert, obwohl sonst Aquarell und Zeichnung im Vordergrund stehen. Rückert beschäftigt sich nicht nur malerisch mit der Nordstadt, er ist auch bekannt als Autor und Regisseur für den „Geierabend“ dem alternativen Ruhrpottkarneval. Die Typen, die in der Show vorkommen, sind Nordstadt-Typen, die aus ihrer Sicht ihre Geschichten vorkommen.

Passend zur Ausstellung ist das kleine Bändchen „Nordwärts“ mit Bilder und Szenen von Rückert herausgekommen.

Die Öffnungszeiten der Galerie Torhaus sind dienstags bis samstags 14 bis 18 Uhr und sonntags und feiertags von 10 bis 18 Uhr.




Spieglein, Spieglein …

Heike Kabisch", "If you go Bold, I go Bolder", 2014
Heike Kabisch“, „If you go Bold, I go Bolder“, 2014

Nein, die Ausstellung „Mirrors“, die seit dem 09. April 2016 im Künstlerhaus zu sehen ist, beschäftigt sich nicht mit Märchen. Die elf Künstlerinnen und Künstler beschäftigen sich mit den unterschiedlichen Facetten, die Spiegel und Reflexionen mit sich bringen. Die Ausstellung ist bis zum 08. Mai 2016 zu sehen und wurde von Adriane Wachholz kuratiert.

Zu Reflexionen gehört Licht. Das Licht ist ein wesentlicher Bestandteil der Skulptur „-scape“ von Dorothea Nold. Ihre Turmmodule aus Spanholzplatten besitzen winzige Schilze durch die das Licht einfällt. So verändert das Licht je nach Stand der Sonne die Skulptur. Zusätzlich wirkt das spröde, matte Material roh im Gegensatz zu den speigelnden Hochglanzflächen.

Kitsch as Kitsch can – so könnte man die Arbeiten „Detox“ von Katja Tönnissen beschreiben. Ihre Lampen scheinen ihre Struktur zu verändern und wirken organisch wie eine sich öffnende Auster, die statt einer Perle eine Glühbirne besitzt. Mit starken Rottönen und Echtgold wirken die Lampen „overkitsched“.

Heike Kabisch zeigt mit „If you go Bold, I go Bolder“ ein Objekt, das auf den ersten Blick anmutig aussieht. Zwei kleine Figuren schauen sich vor einem blauen Kreis an. Ist es eine Art Sonnenuntergang oder droht eine Katastrophe? Diese Ungewissheit macht den Reit dieses Objektes aus.

Ein zerbrechliches Gleichgewicht ist die Arbeit „Tagundnachtgleiche“ von Gereon Krebber. An einer Aluminumstange hängt ein ovaler Spiegel und als Gegengewicht fungieren Gehwegplatten und ein Bronzeguss. Durch einen Anstoß kommt alles in Bewegung. Alles dreht sich um um die eigene Achse und auf eigenen Bahnen, aber ist auch gleichzeitig in Abhängigkeit mit den anderen Objekten.

Die Arbeiten von Thomas Musehold sind Fundstücke, er einerseits als Anschauungsmaterial andererseits an Anschauungsmaterial nutzt. Die Objekte werden durch Zeichnungen, Abformung oder chemische Prozesse bearbeitet. Daraus entstehen Objekte, die an Wohnungseinrichtungen aus den 50er Jahre erinnern oder tatsächlich der Natur entstammen können wie beispielsweise an Tannenzapfen.

Ein Spiegel, der mit Stoff bezogen wurde, steht im Mittelpunkt von Timo Kubes „United White Cloth“. Denn dadurch reflektiert der Spiegel nur sehr schwach den Raum, trotzdem bleibt eine Ahnung der Räumlichkeit erhalten. Somit bildet das Gewebe eine Art Schnittstelle zwischen dem bildlich Vorstellbaren und dem Tatsächlichen.

Folgende Künstlerinnen und Künstler sind zu sehen: Sophie Erlund, Philipp Fürhofer, Anton Ginzburg, Heike Kabisch, Gereon Krebber, Timo Kube, Claudia Mann, Thomas Musehold, Dorothea Nold, Linda Sanchez und Katja Tönnissen.

Öffnungszeiten des Künstlerhauses Dortmund: Donnerstag bis Sonntag von 16 bis 19 Uhr.




Versteigerung für Haus-zu Haus-Service

versteigerung
Musikalisch wurde die Eröffnung durch Matthias Grimminger (links) und Jörg Wehner von den Dortmunder Philharmonikern gestaltet.

Unter dem Titel „Musik für alle“ verbirgt sich ein Haus-zu-Haus-Service, um vor allem älteren Menschen den Zugang zu Konzerten der Dortmunder Philharmoniker zu ermöglichen. Der in dieser Saison gestartete Service wurde in dem erwarteten Umfang für die Konzertreihe Wiener Klassik angenommen. Zukünftig soll er jedoch nicht nur erneut für diese Reihe, jedoch auch für jedes 2. Philharmonische Konzert, damit nicht nur für 3, sondern 13. Veranstaltungstermine zur Verfügung stehen.

„Unsere Bewerbung des Formates „Wiener Klassik“ hat wohl mit dazu beigetragen, dass diese Konzerte inzwischen auch intensiver nachgefragt und sehr gut besucht werden“, so Organisator Gerhard Stranz. „Es hat sich herausgestellt, dass der finanzielle Förderungsbedarf relativ gering ist, zumal mit der Eigenleistung von 4 Euro pro Fahrt und der guten Tourenplanung ein Großteil der Aufwendungen abgedeckt und vor allem das Nebenziel erreicht werden kann, dass sich Menschen treffen, die sich vorher nicht kannten und sich vielleicht auch zu weiteren gemeinsam besuchen Veranstaltungen verabreden, da sie ja ein gleiches Interesse haben“

Neben einer sehr hilfreichen ersten Förderung, soll durch die Versteigerung des Bildes „Hörst Du?“, das Walter Liggesmeyer gestiftet hat, ein großer Anteil zusammenkommen. Das Bild wird während des Versteigerungszeitraums vom 8.4. bis 6.5. in einem Seitenfenster des Eingangs der Galeria Kaufhof (Westenhellweg) ausgestellt und als Druck auch während der Konzerte der Philharmoniker im Konzerthaus präsentiert. Zusätzlich soll mit Aktionspostkarten die Versteigerung beworben und gleichzeitig auf die Ausstellung weiterer Gemälde Walter Liggesmeyer auf allen Etagen des Kaufhofs aufmerksam gemacht werden, die während des Versteigerungszeitraums zu besichtigen sind.

Gebote können unter Verwendung der als Datei beigefügten Postkarte an die Geschäftsstelle der Theater- und Konzertfreunde und auch per Email abgegeben werden: hoerst.du.versteigerung@gmx.de.




Grau ist alle Theorie

"inside-outside" und "Rahmenbedingungen" von Maria Teresa Crawford Cabral. Beide Öl auf präparierter Leinwand, 90 x 70 cm
„inside-outside“ und „Rahmenbedingungen“ von Maria Teresa Crawford Cabral. Beide Öl auf präparierter Leinwand, 90 x 70 cm

Die Farbe Grau hat nicht den besten Ruf. Sie ist eine unbunte Farbe und steht in Begriffen wie „mausgrau“ eher für Langeweile. Dennoch wählte die Dortmunder Gruppe für ihre 3. Werkschau ausgerechnet diese Farbe als Themenvorgabe. Herausgekommen sind nicht etwa 36 Werke in Grau, sondern spannende Auseinandersetzungen von 20 Künstlerinnen und Künstlern. Zu sehen ist die Ausstellung in der BIG Gallery vom 10. April bis zum 10. Juni 2016.

Mit unterschiedlich warmen Grautönen arbeitet beispielsweise Alexander Pohl in seiner Arbeit „SIGNS. Illustrationen subjektiver Suggestion“. Pohl spielt nicht nur mit den Farbschattierung von Grau, sondern erzeugt durch Unregelmäßigkeiten in der Höhe der Leinwände je nach Lichteinfälle einen anderen Schattenwurf.

In den Bildern von Maria Teresa Crawford Cabral „ist etwas Graues im Gange“. In „inside-outside“ schaut ein älteres Ehepaar nach draußen und der Betrachter sieht im spiegelnden Glas, dass Fallschirmjäger oder Bomben vom Himmel fallen.

In „Dancing Killers I“ von Michael Odenwaeller versucht der Künstler eine Balance zu schaffen zwischen der Ästhetik der Panzer und deren zerstörerischer Kraft. Die grauen Panzer sind vor einem neongelben Hintergrund platziert, so dass auch ein farblicher Kontrast zu dem thematischen hinzukommt.

Aber nicht nur Malerei kommt zu ihrem Recht, auch Skulpturen sind zu sehen. Jan Bormann zeigt mit „Faszination Grau“ eine Holzskulptur aus einer über 200 Jahre alten Polaren Trockenfichte und Pia Bohr zeigt mit „Rhinoceros“ und „Amazone“ zwei Arbeiten, die trotz ihrer abstrahierten Form noch Reminiszenzen an Gegenständlichkeit besitzen.

Zu sehen sind Arbeiten von Martin Becker, Pia Bohr, Jan Bormann, Marlies Blauth, Maria Teresa Crawford Cabral, Ulla Dretzler, Era Freidzon, Mariana González Alberti, Ulrike Harbach, Sabine Held, Gudrun Kattke, Erwin Löhr, Dana Nur, Michael Odenwaeller, Brian John Parker, Monika Pfeiffer, Alexander Pohl, Christian Psyk, Wolfgang Schmidt, Roul Schneider, Claudia Terlunen und Garrett Anderson Williams.