Freiheit zu Entscheiden?

Musiker Dixon Ra und Ronahi Kahraman als "Alex". (Foto: © Kulturbrigaden)
Musiker Dixon Ra und Ronahi Kahraman als „Alex“. (Foto: © Kulturbrigaden)

„A clockwork orange“ als Jugendstück? Wer den Film von 1971 von Stanley Kubrick und seine Kontroverse um Gewaltverherrlichung kennt, wird vielleicht die Stirn runzeln. Doch Rada Radojcic, die künstlerische Leiterin und Regisseurin der Kulturbrigaden, die das Stück auf die Bühne bringen, beruhigt. Es wird nach einer Theaterfassung konzipiert, die für Jugendliche geeignet ist. „Zudem ist der Film sehr kunstvoll gemacht. Ich finde ihn weniger brutal, die Gewalt ist eher choreografisch.“ Das kommende Theaterstück ist ab 12 Jahre. Die Premiere ist am 5. November 2016 um 20 Uhr im Theater im Depot.

Das Erstaunliche ist dabei, dass die Jugendlichen der Kulturbrigaden sich diesen Stoff gewünscht haben. Die Figur des Protagonisten Alex mit seiner Kleidung hat es in die Popkultur geschafft. Die Bekanntheit des Films von Kubrik überstrahlt ein wenig das Buch von Anthony Burgess. In Deutschland ist auch die CD/LP „Ein kleines bisschen Horrorschau“ von den „Toten Hosen“ bekannt, vor allem das Lied „Hier kommt Alex“. Das Stück basiert aber weitgehend auf den Film von Kubrick.

Alex, ein Teenager erzählt seine Geschichte selbst: Aus Spaß an der Gewalt verbringen er und seine drei Freunde ihre Zeit damit, wahllos wehrlose Opfer brutal zusammenzuschlagen, auszurauben und, sofern diese Frauen sind, zu vergewaltigen. Alex‘ Freunde lassen ihn aber nach Unstimmigkeiten im Stich. Alex wird wegen Mordes angeklagt und zu 14 Jahren Haft verurteilt. Dort nimmt er an einem neuartigen Experiment teil, bei dem er so konditioniert wird, dass ihm beim Gedanken an Gewalt sofort übel wird. Dummerweise trifft er auf einige seiner Opfer, die die günstige Gelegenheit ausnutzen wollen.

„Gruppen bilden, Mobbing, andere Leute dissen, damit werden die Jugendlichen konfrontiert“, erklärt Radojcic die Aktualität des Stoffes. Es gehe auch um die Frage, was ist das Reizvolle an einer Gang? Und wie schafft man es, da wieder herauszukommen?

Für die Inszenierung hat sich die Regisseurin etwas besonderes einfallen lassen: Alex ist ein Mädchen, gespielt von Ronahi Kahraman. Wichtig war Radojcic, dass die Gewaltszenen für die Jugendlichen auf der Bühne und auch im Zuschauerraum kompatibel sind. „Wir benutzen stark stilisierte Mittel. Die Aggression wird über die Musik erzeugt. Die Schauspieler müssen Hass, Unzufriedenheit über ihre Mimik zum Ausdruck bringen“, so Radojcic.

Musik spielt natürlich auch eine große Rolle. Neben Livemusik von Dixon Ra (Schlagzeug, Saxophon und Klavier) wird natürlich Musik von Beethovens Neunter eingespielt.

Auf die Kostüme kann man – wie bei allen Produktionen der Kulturbrigaden – sehr gespannt sein. Die Droogs (Die Gang von Alex) beispielsweise werden mit Bomberjacken und DocMartens auftreten.

Bei „A Clockwork Orange“ spielen neun Mitglieder der Kulturbrigaden im Alter von 14 bis 24 Jahren mit. Insgesamt sind bei den Kulturbrigaden rund 30 Kinder und Jugendliche aktiv, die sich in zwei Gruppen aufteilen: bis 14 Jahre und über 14 Jahre. Die nächste Produktion wird etwas märchenhafter: „Die Schneekönigin“ und hat wird am 14. und 15. Januar 2017 im Depot zu sehen sein. Mehr Infos über die Arbeit und Theaterkurse der Kulturbrigaden unter www.kulturbrigaden.com




Literarischer Blick auf die Heimat

Das 17. LesArt.Festival präsentiert vom 02. bis 13. November unterschiedliche Blickweisen auf die Heimat. Unter dem Titel „Heimat, wie bist du so…“ präsentieren Literaten, Schauspieler und Musiker Ernstes und Heiteres, Unerhörtes und Vielsagendes.

Den Auftakt macht traditionell die Lyrik. Unter dem Titel „Heimat – lyrisch & ausgezeichnet“ zeigen mit Preisen ausgezeichnete Lyrikerinnen und Lyriker, dass das Gedicht im Ruhrgebiet Zukunft hat. Mit dabei sind Jürgen Brôcan, Lütfiye Günzel, Ivette Vivien Kunkel und Ralf Thenior.

2.11.2016, 19:30 Uhr, Literaturhaus Dortmund, Neuer Graben 78, Eintritt 5 €

Danach wird die Heimat kriminell. Dietmar Bär liest aus dem Münsterländer Krimi „Erwin, Enten und Entsetzen.

3.11.2016, 19:30 Uhr, Theater Fletch Bizzel, Humboldtstraße 45, Eintritt 13 €

Musikalisch geht es Freitag weiter, Tom Liwa (u.a. Flowerpornoes) singt „ganz normale Songs“. Er kommt aber nicht alleine, sondern bringt Werner Muth (Leseperformance) und Guiseppe Mautone (Gitarre) mit.

4.11.2016, 19:30 Uhr, Theater Fletch Bizzel, Humboldtstraße 45, Eintritt 10

Die NSU ist das Thema bei Dirk Laabs „Heimatschutz – Der Staat und die Mordserie der NSU“. Laabs schrieb mit Stefan Aust das gleichnamige Buch.

5.11.2016, 19:30 Uhr, Literaturhaus Dortmund, Neuer Graben 78, Eintritt 5 €

Kalendergeschichten, Erinnerungsskizzen, Erzählungen und Essays – das alles präsentiert Otto Jägersberg. Zu erleben am

6.11.2016, 19:30 Uhr, Literaturhaus Dortmund, Neuer Graben 78, Eintritt 7

Die Lesung in den Umkleidekabinen des Westfalenstadions hat schon Tradition. Ein Heimspiel hat dieses Jahr Tim Gräsing von schwatzgelb.de, die Auswärtskabine bespielt Thomas Koch. In der Halbzeit wechseln die Besucher die Kabine.

7.11.2016, 19.30 Uhr (Einlass 19.00 Uhr), Signal-Iduna-Park, Strobelallee 50, Eintritt: 10,- €

Christoph Hein spricht über Bergleute und andere Deutsche unter dem Titel „Heimat – alles gut?“ Hein war erster Präsident des gesamtdeutschen PEN-Clubs.

8.11.2016, 18.00 Uhr LWL-Industriemuseum Zeche Zollern, Grubenweg 5, Eintritt: frei

Für die Chamisso-Tage an der Ruhr nimmt sich das Festival zwei Tage Zeit. Der erste Tag ist dem Verhältnis zwischen Deutschland und Osteuropa gewidmet, hier lesen Marjana Gaponenko und Artur Becker. Am zweiten Tag geht es um eine türkisch-deutsche Geschichte von Zafer Şenocak.
9.11.2016, 19.30 Uhr, literaturhaus.dortmund, Neuer Graben 78, Eintritt: 5,- €
10.11.2016, 19.30 Uhr, literaturhaus.dortmund, Neuer Graben 78, Eintritt: 5,- €

Für Lal Laleş ist Heimat ganz nah und gleichzeitig ganz weit weg. Er ist Kurde und wird über die aktuelle Situation seines Volkes berichten.
12.11.2016, 19.00 Uhr, literaturhaus.dortmund, Neuer Graben 78, Eintritt: frei

Studentinnen und Studenten des Fachbereichs Kulturwissenschaften gestalten einen kunterbunten Heimatabend mit Künstlern, Dichtern und Singer/Songwritern ihrer Wahl
12.11.2016, 19.30 Uhr Theater Fletch Bizzel, Humboldtstraße 45, Eintritt: 5,-

Die traditionelle Abschlussmatinee findet dieses Jahr nicht in der Sparkassenhalle statt, da diese umgebaut wird. Schade, denn es geht ums Geld. Daniel Berger liest aus dem Buch „Der gute Banker“ von Paul Murray. Mit dabei sind Moderatorin Hatice Akyün und Gregor Schnittker als Zeremonienmeister.
13.11.2016, 11.00 Uhr, Jazzclub domicil, Hansastraße 7-11, Eintritt: 13,- €

Noch ist nicht ganz Schluss. Der Adelbert-von-Chamisso-Preisträger Michael Stavaric stellt sein neues Kinderbuch „Milli Hasenfuß“ vor.
13.11.2016, 15.00 Uhr, literaturhaus.dortmund, Neuer Graben 78, Eintritt: frei




Reduzierte Farbigkeit mit Akzenten

Elke Emmert präsentiert Objekte, Malerei und Photografie.
Elke Emmert präsentiert Objekte, Malerei und Photografie.

Die aktuelle Ausstellung in der Galerie Dieter Fischer im Depot Dortmund zeigt Objekte, Malerei und Fotografie von Elke Emmert unter dem Titel „Akzente“. Die Künstlerin, die auch ein Atelier im Depot hat, zeigt neben reduzierter Farbigkeit auch Fotografie, bei der architektonische Motive und strenge Linien dominieren. Die Ausstellung läuft noch bis zum 13. November 2016.

Die Ausstellung trägt den Titel „Akzente“ von einer Serie, bei der Emmert überwiegend in Weiß und Grau arbeitet, aber dafür einen frechen Farbtupfer in Neonpink hinzufügt. Die Bilder in 30×30 cm haben für die Künstlerin den Vorteil, dass das Format sehr vielseitig sei.

Emmert arbeitet gerne in Serien, wie auch in der Serie „Konkret“. Hier dominiert Schwarz und weiß-schimmernden Collagelementen aus Transparenzpapier. Hierfür hat Emmert viele Schichten übereinander gemalt.Aus der Entfernung wirken diese Bilder wie eine Tafel mit Kreide.

Doch die Künstlerin kann auch bunt. Hochformate spielen mit Blau und Türkisfarben und auch andere abstrakte Werke zeigen punktuell gesetzte Farbakzente.

Zum ersten Mal stellt Emmert auch Fotografie aus. Hierbei stehen Linien und architektonische Elemente im Fokus. Das Thema wird wie in ihrer Malerei minimalistisch in Szene gesetzt.

Die Öffnungszeiten der Ausstellung sind von Donnerstag bis Sonntag von 17 bis 20 Uhr.

 

 




Der Mensch als Ware

Andreas Beck zeigte wie bei "Steve Jobs" eine unglaubliche Präsenz. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Andreas Beck zeigte wie bei „Steve Jobs“ eine unglaubliche Präsenz. (Foto: © Birgit Hupfeld)

„Money makes the world go round“, singt Liza Minelli im Film „Cabaret“. Übersetzt: Geld regiert die Welt. Und wer sorgt dafür, dass Geld fließt? Der Handel. Gehandelt wurde schon immer über Grenzen, Kontinente und Völker. Das Mittelmeer war schon immer ein Zentrum des Handels. Angefangen über die Phönizier über die Römer und Venedig bis hin zu den heutigen Statten. Natürlich kann nicht alles legal ablaufen. Waffen, Drogen oder Menschen werden gerne „schwarz“ gehandelt und mit einer „schwarzen Flotte“ transportiert. Wer verdient daran? Wer sind die Hintermänner? Aus einer Recherche von Correctiv machte Dramaturgin Anne-Kathrin Schulz ein bewegendes Ein-Personen-Stück unter der Regie von Kay Voges. Hier brillierte Andreas Beck wie bereits in „Agonie und Extase des Steve Jobs“. Dank seiner Präsenz wurde aus der „schwarzen Flotte“ ein packendes Erzählstück. Ein Premierenbericht vom 23. Oktober 2016.

Welche Wege geht der Journalismus? Print, Online und TV/Radio haben alle ihre Vor- und Nachteile. David Schraven hat es vor einigen Jahren neue Wege beschritten und hat seine Recherche „Weisse Wölfe“, über Verbindungen von Neonazis in Europa, als Comic herausgegeben. Für „Die schwarze Flotte“ haben Mitglieder des „correctivs“ Cecilia Anesi, Frederik Richter, Giulio Rubino und Schraven recherchiert. Jetzt ein Theaterstück. Kann man trockene Recherche in ein knapp 90-minütiges Stück verarbeiten? Klare Antwort: Ja.

Mal angenommen Sie hätten einen Frachter. Alt, kaum seetüchtig. Keine Versicherung der Welt würde das Schiff noch versichern, weil es zu riskant wäre. Die einzige Möglichkeit, um noch etwas Geld zu verdienen, ist das Schiff nach Indien zu schleppen und für 300.000 Dollar zu verschrotten. Dann bekommen Sie ein spezielles Angebot: Flüchtlinge über das Mittelmeer nach Griechenland oder Italien zu bringen. Der Vorteil ist, die Menschen zahlen vorher und es ist, im Gegensatz zu Drogen oder Waffen, egal, ob das Schiff ankommt oder nicht. Über 2 Millionen Euro würden Sie garantiert erhalten, denn so ein Ticket nach Europa ist teuer und begehrt. Wie würden Sie entscheiden?

Das war nur ein Aspekt, den Andreas Beck in der „schwarzen Flotte“ ansprach. Mit der Baseballcap wirkte er auf den ersten Blick wie Autor und Regisseur Michael Moore. Und ähnlich wie Moore verkörperte Beck einen Rechercheur, jemanden, die Dingen gerne auf den Grund gehen möchte. Dabei lernte der Zuschauer viel über die Methoden von Journalisten, die Wahrheit herauszufinden. Regisseur Kay Voges war auch für die Bühne zuständig und verwandelte sie in einen kleinen Multimedia-Tempel mit kleinen Monitoren, einer Kamera und großer Videowand im Hintergrund. Das Schöne daran war, dass Beck im Mittelpunkt blieb und es schaffte, dass die Zuschauer an seinen Lippen hingen trotz vieler Schiffsnamen und Personen.

Denn die Wahrheit ist vertrackt. Sie versteckt sich gerne in Piräus oder den Marschall-Inseln. Denn Schiffe gehören in der Regel nicht einer Person, sondern einer Gruppe von Menschen. Das hat den Vorteil, dass man das Risiko und den Gewinn auf mehrere Schiffe verteilen kann. Für die Rechercheure ein Problem. Wem gehört jetzt das Schiff, das Drogen oder Waffen transportiert hat. Beck führt uns auf den harten Weg der Wahrheitsfindung, der auch Rückschläge beinhaltet. Doch ist die gleiche syrische Elite, die gegen ihre eigene Bevölkerung Krieg führt auch diejenige, die an der Flucht profitiert? Die Frage bleibt offen.

Beck spricht in dem Stück auch über die „weisse Flotte“. Diejenige, die legal Waffen an Staaten wie Saudi-Arabien oder Katar liefert, selbst in dem Wissen, dass damit in anderen Regionen Krieg geführt wird. Deutschland ist vorne mit dabei. Der aktuelle Rüstungsexportbericht spricht eine deutliche Sprache. Die Ausfuhr von Munition für Kleinfeuerwaffen hat sich im aktuellen Jahr verzehnfacht.

Das Stück begann und endete mit Lucy. Lucy? Ein Schiffsname? Nein, Lucy war 1974 eine wissenschaftliche Sensation. Lucy gehörte zu den „südlichen Affen aus der Afar-Region“, wie ihr wissenschaftlicher Name übersetzt heißt. Ihre Art war die erste, die den aufrechten Gang entwickelte. Der aufrechte Gang ist etwas, was uns heute sehr gut zu Gesicht stehen würde.

Weitere Termine und Infos unter www.theaterdo.de




Heldenhafter Kampf gegen die Monotonie

Die Damen von der Telefonzentrale (Dortmunder Sprechchor) erzählten von Burnout und Depressionen. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Die Damen von der Telefonzentrale (Dortmunder Sprechchor) erzählten von Burnout und Depressionen. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Herzlich willkommen zum „Tag der offenen Tür“ in ihrem Finanzamt. Was wie eine komische Idee klingt, gab und gibt es aber in der Realität. Julia Schubert präsentiert – zum ersten Mal als Regisseurin – in den Kulissen der „Borderline Prozession“ eine irre Reise durch die Räume eine fiktiven Steuerbehörde. Merkwürdiges, Verzweifeltes, Komisches wechseln in jeder Runde ab. „Heimliche Helden“ könnte der skurrile Zwillingsbruder der „Borderline-Prozession“ sein. Auch bei den „Heimlichen Helden“ sieht der Zuschauer nicht alles, es sei denn, er kommt öfter wieder. Da wir von Ars tremonia zu Zweit unterwegs waren, konnten wir bei der Premiere am 21. Oktober 2016 einen Blick in alle Räume erhaschen.

Wie bereits geschrieben, das Stück findet in den Kulissen der „Borderline-Prozession“ statt, genauer gesagt, im vorderen Teil. Es gibt acht Räume und den Garten, aber nur sieben Runden, die jeweils um die 10 Minuten dauerten. Natürlich unterbrochen von der Mittagspause („Mahlzeit“) Jeder Zuschauer erhält eine Karte mit einer Nummer. Dort ist penibel (wir sind ja in einer deutschen Steuerbehörde) aufgezeichnet, welche Räume in welcher Runde man zu besuchen hat. Nicht, dass noch etwas durcheinander kommt.

Doch am Anfang erzählte uns Frank Genser im Wartebereich über die „heimlichen Helden“: Die Beamten in der Steuerbehörde, die treu gegen die Monotonie ihres Tagesablauf ankämpften. Ich halte es aber eher wie Schriftsteller Terry Pratchett, der in seinem Buch „Das Licht der Fantasie“ eine Figur folgendermaßen charakterisierte: „Er machte graue Durchschnittlichkeit zu einer erhabenen Kunst, und in seinem Bewusstsein herrschte die gleiche dunkle, gnadenlose Logik wie in einer Beamtenseele“.

Stichwort: Grau. Schauspieler und Mitglieder des Sprechchores trugen beinahe allesamt diese schöne unbunte Farbe.

Für mich begann der Zug durch die Büros bei Herrn Genser, der gekonnt die Möglichkeiten darbot, wie man sich die Zeit vertrieb, wenn man nichts zu arbeiten hatte. Gekonntes Kugelschreiber bewegen von rechts nach links und ein kleines Theaterstück mit Spielfiguren. Danach hatte ich gleich in zwei Räumen die Konfrontation mit dem negativen Auswirkungen der sich ständig wiederholenden Arbeiten. Depression bei den Damen vom Telefondienst und Marlena Keil präsentierte eine Mitarbeiterin mit persönlichen Problemen.

Hier noch ein kleiner Einschub: Innerhalb der Räume wechseln sich die Szenen auch noch ab, so dass kaum jemand den gleichen Abend erleben wird.

Eine besondere Rolle spielte Uwe Schmieder, alias Herr Krüger. In ziemlich mitgenommener Kleidung schlürfte er schon zu Beginn durch den Gang. In dem kleinsten grottenartigen Raum der „Büros“ konnten die Besucher erfahren, das er schon über 35 Jahre im Steuerbüro gearbeitet hat und nun in den Ruhestand geschickt wird. Sein Wellensittich im Einweckglas hat diese Zeit nicht überlebt. Tragisch-komisch dargestellt.

Neben „normalen“ Büros, gab es auch noch sehr besondere Räume: Im Garten wurde das Betriebsfest vorbereitet und die Zuschauer durften mit Hand anlegen. Käsewürfel zurecht machen, an einer Büroklammergirlande basteln oder Buchstaben ausschneiden. Der abgefahrenste Ort war sicherlich das Auto mit den Einschusslöchern der Borderline Prozession. Hier unterhielten Ekkehard Freye und Thorsten Bihegue die Besucher auf ihre spezielle Art.

Zum Abschluss des Tages der offenen Tür stieg dann noch das Betriebsfest, bei dem der altgediente Kollege Krüger verabschiedet wurde und der Alleinunterhalter Rene Carmen drei Lieder sang.

Julia Schubert schafft es, zusammen mit dem Ensemble und dem Sprechchor, ein warmherziges Stück auf die Bühne zu bringen. Ein liebevoller und humorvoller Blick auf Typen und Situationen von Menschen, die eben nicht 24 Stunden, sieben Tage die Woche kreativ arbeiten müssen, dafür aber nach 17 Uhr den Stift fallen lassen können. Welches Leben ist das bessere? Das muss jeder Besucher für sich selber entscheiden.

Wann ist wieder Tag der offenen Tür in der Finanzbehöre? Am 01. und am 27. November 2106 oder unter www.theaterdo.de nachschauen.




Ein Blick auf unbeachtete Schönheiten

Rosa Fehr-von Ilten vor ihren beiden Bildern "Big Bags" und "Streugutcontainer".
Rosa Fehr-von Ilten vor ihren beiden Bildern „Big Bags“ und „Streugutcontainer“.

„Da macht ein Hauch mich von Verfall erzittern“, die Zeile aus Georg Trakls Gedicht „Verfall“ passt sehr gut in die Ausstellung von Rosa Fehr-von Ilten im Torhaus Rombergpark, die den Titel „So kann man es auch sehen“ trägt. Zu sehen ist sie vom 23.10 bis 13.11. 2016.

Was bei Trakl die vergehende Natur ist, sind bei Fehr-von Ilten vergessene oder vom Abriss und Verfall bedrohte Orte und Gegenstände sowie unbeobachtete Schönheiten jenseits gefälliger Motive. So porträtiert sie große Abfallsäcke oder auch von blauen Tüchern verhülltes Objekt in einem Hinterhof. Ihre Motive findet sie neben dem Torhaus und dem benachbarten Rombergpark im Unionsviertel, an der Lindemannstraße und an der Borsigstraße.

So haben es beispielsweise der Künstlerin die Scharten im Erdgeschoss des Torhauses angetan. Ihrer ursprünglichen Funktion beraubt, dienen sie als architektonische Elemente. Dabei arbeitet sie mit reduzierten Flächen, die die Wirkung der Scharten als Lichtquelle noch verstärkt wird.

Faszinierend ist auch das Eins zu Eins-Bild einer Ofenklappe, die im Laufe der Jahre Rost angesetzt hat. Sehr detailreich setzt Fehr-von Ilten die verschiedenen Rostflecken in Szene. Ähnlich detailreich ist das Bild „Stragula 3“. Stragula ist eine alte Linoleum-Imitation, die später duch PVC abgelöst wurde. In alten Wohnungen findet man bei Renovierungen Lagen von Stragula. Wie archäologische Ausgrabungen wirkt dieses Werk. Die neue Nutzung einer Tankstelle weckt bei der Künstlerin ebenfalls Interesse. Was sind das für Gegenstände, die vor dem Gebäude stehen? Wie auch in den anderen Bildern ist die Fantasie des Betrachters gefragt.

Zusätzlich zu den 18 Bildern in der Ausstellung zeigt Fehr-von Ilten auch noch 18 Zeichnungen (30×40 cm) aus der Umgebung des Rombergparkes.
Internetseite der Künstlerin: www.rosafehr.de




Die etwas andere Heimatkunde in der Schule

Keine Angst, es gibt keine Klassenarbeiten und Vokabelprüfungen bei der „performativen Heimatkunde in Klassenzimmern“ der „Abendschule“ von artscenico. Am 21. und 22. Oktober 2016 können die Besucher die Luft in den Klassenzimmern der Kreuz-Grundschule spüren. Der Einlass ist jeweils um 18:30 Uhr, der Schulbeginn um 19 Uhr.

„Es ist Heimatkunde im weitesten Sinne“, erklärt Rolf Dennemann, der künstlerische Leiter von artscenico. „Aber man kann sich der Tatsache entziehen, dass man wieder in der Schule ist“. Der Geruch von Kreidestaub wird wieder in der Luft hängen und die Tafel lässt alte Erinnerungen wieder hochkochen.

Es wird insgesamt sechs Unterrichtseinheiten geben, die gleichzeitig stattfinden. Nach der ersten Stunde zu 45 Minuten gibt es fünf Minuten Pause, danach kommt die zweite Stunde. Nach der großen Pause beginnt dann die dritte Stunde. Das heißt, wenn man alle sechs unterschiedlichen Unterrichtsstunden erleben will, muss man beide Tage zur Schule gehen. Zu Beginn wird jeder Besucher nach dem Zufallsprinzip in eine Fächerkombination gesteckt.

Worüber handeln die Unterrichtsstunden? Rolf Dennemann hat wieder sein bewährtes Team von Schauspielern um sich geschart. Elisabeth Pleß wird etwas über „Enthusiasmus und Hirnforschung“ erzählen, Matthias Hecht klärt auf über „Sicherheit“ und das Thema von Matthias Scheuring ist das Pausenbrot.

Für Dennemann ist wichtig zu erläutern, dass von den Besuchern kein Wissen abgefragt wird. Niemand wird in eine Verlegenheit gebracht. Vielmehr wird beispielsweise beim „Pausenbrot“ einiges über gesunde Ernährung erzählt.

Wer die Stücke von artscenico kennt, kann gespannt sein, was passieren wird. Denn ein „normaler“ Unterricht wird es kaum werden, wenn Theater auf eine reale Kulisse wie eine Schulklasse trifft. „Das ganze ist nicht humorfrei“, kommentierte Dennemann.

Unter der Leitung von Rolf Dennemann sind Matthias Hecht, Elisabeth Pleß, Martina Kock, Matthias Scheuring (Schauspieler), Photini Meletiadis (Tänzerin), Karin Brindöpke (Expertin) und Frank Niehusmann (Musiker) die Stoffvermittler.

Für Ordnung sorgen unsere Hausmeister  Jürgen Dilling und Rezan Kanat. Schulleitung: Marianne von Berzestowski

Wir bitten um Voranmeldungen wegen begrenzter Plätze. orga@artscenico.de, Tel: 0231-8634113

Eintritt 15,00/10,00 – für jeweils beide Tage 20,00/12,00

  1. & 22.10.2016 Kreuz-Grundschule – Kreuzstraße 145 – 44137 Dortmund 18.11. & 19.11.Rudolf-Steiner-Schule Bochum – Hauptstraße 238 – 44892 Bochum

jeweils 18.30 – Abendschulbeginn 19.00 Uhr




Luther im Theater im Depot

Luther (mit dem Doktorhut). Foto: (© glassbooth)
Luther (mit dem Doktorhut). Foto: (© glassbooth)

Das Theaterstück „Luther“ von John Osbourne wird am 23. Oktober 2016 um 18 Uhr von mit Profis und Laien aus Gladbeck und der Region unter der Leitung der Theatergruppe „glassbooth“ in Theater im Depot aufgeführt.

 

Inhalt: Das 1960 verfasste Theaterstück von John Osborne umspannt den Zeitraum von 1506-1530. Martin Luther (Dominik Hertrich) ist hier kein Held im klassischen Sinne. Osborne führt Luther vielmehr als Zweifler vor, nicht nur als Zweifler an Papst und Kaiser, sondern vor allem als Zweifler an sich selbst, als einen Getriebenen, zerrissen zwischen Geist und Welt, zwischen eigenen Idealen und väterlichen Erwartungen, zwischen Hoffnung auf Erlösung und Einsicht in die eigene Fehlbarkeit.

 

Dadurch, dass in die Produktion Menschen aller Bevölkerungsschichten einbeziehen und Laien mit erfahrenen Theatermachern zusammenarbeiten können, werden vermeintliche Barrieren abgeschafft und alle Beteiligten hatten und haben die Möglichkeit voneinander zu lernen und zu profitieren.

Im Blick auf das kommende Lutherjahr 2017 können sich interessierte reformatorische Zentren und Kirchen in NRW als Gastspielorte bewerben und die Produktion buchen. Mehr Infos unter www.glassbooth.de

Die freie Theatergruppe glassbooth wurde im November 2003 von Jens Dornheim gegründet. Der für den (deutschen) Betrachter zunächst ungewöhnliche Name geht zurück auf die erste Produktion der Gruppe: „Der Mann im Glaskasten“ („The man in the glassbooth“) von Robert Shaw, das im Oktober 2004 als deutsche Uraufführung auf die Bühne gebracht wurde. Seither adaptiert die Gruppe unter der Leitung von Jens Dornheim jedes Jahr neue Stoffe, oft ungewöhnlich oder kontrovers – für Gesprächsstoff sorgt die Theaterformation jedoch immer.

2015 gewann glassbooth den Sonderpreis der Jury bei den Petra Meurer Theatertagen für das erste selbstverfasste Stück der Gruppe, „Containr Love“, das 2014 und 2015 gespielt wurde.

Die Aufführung im findet am Sonntag den 23. Oktober um 18:00 Uhr im Theater im Depot, Immermannstr. 29 statt. Vorverkauf über www.depotdortmund.de und 0231-982120
Ticketpreise: 14 Euro VVK, 16 Euro AK




Walzer zur Verzweiflung

Das 1. Philharmonische Konzert in der Spielzeit 2016/17 stand zwar unter dem Titel „zauber_bilder“, es war aber auch ein sehr emotionales Konzert. Denn Tschaikowskys 5. Sinfonie zeigte den Komponisten in einem Zustand emotionaler Zerrissenheit und Depression. Genau diese Emotionen brachten die Dortmunder Philharmoniker unter GMD Gabriel Feltz am 28. September wunderbar zum Klingen.

Die Schicksalsmelodie zum Tanz. Der dritte Satz der 5. Sinfonie von Tschaikowsky ist sehr ungewöhnlich, er lockert die teilweise doch sehr düstere Stimmung auf. Sein Schicksalsmotiv erklingt durch alle Sätze und wird am Ende wieder prominent aufgenommen. Das Stück in seiner Perfektion war der Höhepunkt des 1. Philharmonischen Konzertes.

Begonnen hatte es mit dem „Zauberlehrling“ von Paul Dukas. Ein bekanntes Stück für die Dortmunder Philharmoniker, denn es wurde bereits in der letzten Spielzeit unter GMD van Steen 2012/13 (ebenso wie die 5. Sinfonie von Tschaikowsky) zur Aufführung gebracht. Der „Zauberlehrling“ handelt von Goethes gleichnamiger Erzählung und wurde weltberühmt als Filmmusik für Walt Disneys Zeichentrickfilm mit Mickey Maus als Zauberlehrling. Das Stück enthält viele komische Elemente, z.B. wenn der Zauberlehrling versucht, sich an den Zauberspruch zu erinnern, werden seine Fehlversuche in unterschiedlichen Tonarten gespielt.

„Ibéria“ ist von Debussys „Images – Drei Bilder für Orchester“ wohl das bekannteste. Ibéria, das klingende Bild von spanischen Straßen und Wegen, von Düften der Nacht und dem Morgen eines Fests, wurde mit viel spanischen Flair dargebracht. Schlagwerk und Celesta entführten die Besucher des Konzerthauses in ein wildromantisches Spanien.




Geometrie als Basis

Albert Wagner und eines seiner auf geometrischen Strukturen reduzierten Bilder.
Albert Wagner und eines seiner auf geometrischen Strukturen reduzierten Bilder.

Aus der Entfernung könnte man die Bilder von Albert Wagner für Drucke halten. Doch seine, auf die geometrische Struktur reduzierten, Werke sind überwiegend mit Acrylfarbe gemalt. Die Ausstellung „Der zweite Blick“ in der Artothek (vom 07. Oktober bis zum 18. November 2016) präsentiert den Bochumer Künstler mit seinen neueren Arbeiten.

Kennen Sie diese Wackelbilder? Bei denen Augen und Gehirn einen Streich spielen und man die Perspektiven ändern kann. Das gleiche gilt für viele Bilder von Wagner. Seine abstrakten, auf die geometrischen Formen reduzierten Bilder lassen durch ihre geschickte Farbwirkung dreidimensionale Räume entstehen. Der Betrachter kann nun entscheiden, welche Perspektive er am liebsten hat oder er hat die Möglichkeit, zwischen den verschiedenen Ebenen hin und her zu wechseln.

Die Liebe zu geraden Linien scheint bei Wagner aus seinen Erfahrungen als technischer Zeichner zu stammen, während seiner späteren Arbeit als Therapeut lernte er die Gestalttheorie kennen. Gegenständliches, wie beispielsweise ein Segelboot, wird auf einfache geometrische Figuren reduziert und dank monochromer Malweise eine räumliche Illusion erzeugt. Die Bilder erzeugen manchmal den Eindruck, als würde das Bildmotiv sich bewegen.

Der Arbeitsaufwand für ein Bild ist durchaus hoch. Teilweise arbeitet Wagner über drei Monate an einem Bild. Vor allem seine Lasurtechnik mit rund 40 bis 45 Farbaufträgen ist sehr aufwändig.

Die Artothek der Stadt- und Landesbibliothek ist dienstags und freitags zwischen 10 und 19 Uhr geöffnet.

Mehr Infos über den Künstler auf seiner Internetseite www.wagner-albert.de