Faszination des menschlichen Körpers

Skulpturen von Karl-Friedrich Fritzsche, im Hintergrund zwei Arbeiten aus der Reihe "Sisyphus" von Barbara Wolff.
Skulpturen von Karl-Friedrich Fritzsche, im Hintergrund zwei Arbeiten aus der Reihe „Sisyphus“ von Barbara Wolff.

Bis zum 08. Januar 2017 zeigt die Galerie Dieter Fischer im Depot die Ausstellung „PaarWeise“. Gezeigt werden Bilder von Barbara Wolff und Skulpturen von Karl-Friedrich Fritzsche. Im Mittelpunkt beider Künstler steht die menschliche Figur.

Während die Wände seiner Frau gehören, bespielt Fritzsche mit seinen Holzskulpturen den Raum. Die weibliche Figur hat es ihm angetan, denn sie ist in der gesamten Kunstgeschichte ein ständig wiederkehrender Topos. Angefangen von den uralten Muttergottheiten. Die üppigen Formen sind Fritzsche lieber als dürre Modelle. „Ich finde die barocken Formen wunderbar“, so der Künstler. „Aber es würde auch mit männlichen Figuren funktionieren.“ Die Schönheit und die Körperlandschaft der weiblichen Figur setzt er mit heimischen Hölzern um.

Dazu stellt Fritzsche einige Skizzen aus, die er nach frühen Aktfotografien aus den Jahren 1850 bis 1920 gezeichnet hat.

Seine Frau, Barbara Wolff, zeigt einige Arbeiten auf Reis- oder Japanpapier. Auch hier ist eine menschliche Figur zu sehen, deutlich abstrahierter als Fritzsches Skulpturen, aber immer als Mensch zu erkennen. Thema ihrer Arbeiten ist das Verhältnis von Mensch und Natur. So thematisiert sie die legende von Sisyphos oder lässt sich von Schuberts Lied „Der Wanderer“ inspirieren. Da Papier ein sehr empfindliches Material ist und sehr leicht reißt, muss die Künstlerin schnell mit Tusche arbeiten.

Barbara Wolff arbeitet auf Reis- oder Japanpapier.
Barbara Wolff arbeitet auf Reis- oder Japanpapier.




Disney im Zauberflötenland

Tamara Weimerich (Papagena) und Morgan Moody (Papageno). (Foto: © Theater Dortmund)
Tamara Weimerich (Papagena) und Morgan Moody (Papageno). (Foto: © Theater Dortmund)

Die Interpretationen zu Mozarts „Zauberflöte“ sind Legion. Mal steht Sarastro für die Aufklärung, mal für die Fürstenmacht, mal für die Vernunft oder auch für eine zweifelhafte Persönlichkeit. Für Regisseur Stefan Huber ist Sarastro Walt Disney und er lässt Karl-Heinz Lehner im goldfarbenen Anzug Disneys Wunderwelten erkunden. Von den drei kleinen Schweinchen (die drei Knaben) über Papageno, der ein wenig Donald Duck ähnelte, bis hin zu Monostatos mit seinen Mickey-Maus-Ohren. Passend dazu kam Tamino in einem Pfadfinder-Outfit, als wäre er Mitglied im Fähnlein Fieselschweif. Ein Premierenbericht vom 26. November 2016.

Die Handlung in aller Kürze: Tamino soll im Auftrag der Königin der Nacht ihre Tochter Pamina aus den Händen von Sarastro befreien. Jedoch wird unser Held durch die Güte von Sarastro überzeugt und lässt sich in die Mysterien einweihen und bekommt am Ende seine geliebte Pamina. Auch Taminos Begleiter Pagageno findet am Ende seine Papagena.

So weit, so gut, der Text von Emanuel Schikaneder vereint drei Elemente: Freimaurertum, die französischer Revolution und die altägyptische Exotik, die damals in Wien Mode war. O Isis und Osiris. Heute würde man ergänzen, dass der Text nicht ganz politisch korrekt ist. Vor allem Sarastros patricharchalische Welt duldet keine Frauen: „Ein Weib tut wenig, plaudert viel“. Seinem schwarzen Diener Monostatos geht es ähnlich. Nichts ist mehr von „Menschenliebe“ zu spüren, wenn ihn Sarastro mit 77 Sohlenhieben bestraft, nur weil er seine Pflicht erfüllt hat und Pamina zurückbringt.

Unbeeindruckt von allen Interpretationen bleibt Mozarts Musik und der wahrscheinlich ungewöhnlichste Beginn einer Oper: Der heldenhafte Tenor flieht vor einem Untier und muss von drei Frauen gerettet werden. Mozarts Musik wurde meisterhaft dargeboten von den Dortmunder Philharmonikern unter der Leitung von Gabriel Feltz.

Auch die Sänger machten einen guten Job: Joshua Whitener bot als Tamino ebenso eine Klasse Vorstellung wie Lehner (Sarastro), Marie-Pierre Roy (Königin der Nacht), Morgan Moody (Pagageno) oder Hannes Brock (Monostatos). Wobei Moody seine schauspielerischen Fähigkeiten immer wieder aufblitzen ließ. Auch die Nebenrollen waren sehr stark besetzt, für die drei Kaben (Jushua Krahnefeld, Vincent Schwierts und Nick Esser) gab es verdientermaßen großen Applaus. Chor und Statisterie ergänzten auf positive Weise das Gesamtbild.

Vielleicht ist die Kostümierung für den einen oder anderen zu schrill, doch dem Dortmunder Publikum hat es zumeist gefallen. Auch das Bühnenbild mit den europäisch-westlichen Wahrzeichen (u.a. Brandenburger Tor, Schiefer Turm von Pisa, Freiheitsstatue) passte zur Inszenierung.

„Die Zauberflöte“ ist in der Dortmunder Inszenierung von Huber ein schönes buntes Stück geworden zusammen mit der unsterblichen Musik von Mozart.

Weitere Infos unter www.theaterdo.de




Aschenbrödel in der Tanke

Das Beste waren die Tauben? Nein, ganz bestimmt nicht. Das gesamte Stück „Aschenbrödel – Nuss mit Lustig“ von Stefan Keim nach dem tschechischen Film „Drei Nüsse für Aschenbrödel“ machte gute Laune, sorgte für vorweihnachtliche Stimmung im Theater im Depot und hat definitiv das Zeug zu einem Klassiker. Ok, die Tauben waren schon echt Klasse. Ein Premierenbericht vom 18. November 2016.

Der Film „Drei Nüsse für Aschenbrödel“ orientiert sich stark an das Märchen von „Aschenputtel“, so dass ich mir die Inhaltsangabe mal erspare. Keims „Nuss mit Lustig“ ist ein Stück im Stück, denn es spielt einerseits in einer Dortmunder Tankstelle am Heiligabend und andererseits nimmt es Bezug zum Film. In aller Kürze: Drei Menschen treffen sich in einer Tankstelle und stellen fest, dass sie eine Gemeinsamkeit haben, sie alle kennen den Film „Drei Nüsse für Aschenbrödel“. Sie beschließen also, die wichtigsten Szenen des Films nachzuspielen.

Cordula Hein als Angestellte der Tankstelle, Thorsten Strunk als besserwisserischer Familienvater und Sandra Wickenburg als tschechische Truckerin sorgen schon von Beginn an für gute Stimmung unter den Zuschauern. Denn das Besondere von Keims Inszenierung ist, dass alle Requisiten quasi aus dem Fundus der Tankstelle entnommen wurden. Zwei Scheibenwischer verwandeln sich in eine Armbrust und Autoreifen werden zu Pferden. Glücklicherweise hat Libuše, die tschechische Truckerin, einige Altkleider geladen, die prima zum Nachspielen geeignet sind. Auch Libušes Weihnachtsgeschenk an ihre Tochter, ein Erdmännchen aus Plüsch, wird als Akteur verpflichtet.

Das Schöne an dem Stück ist, dass der Humor durchaus unterschiedlicher Art ist. Lokalkolorit (Nä?/Woll?) und Kmamauk haben ebenso ihren Platz wie feinsinnige Bemerkungen. Dazu kommt die große Spielfreude der drei Akteure auf der Bühne, die sich auch auf das Publikum überträgt. Ein ganz besonderer Abend.

Ob es zum Klassiker reicht wie bei der „Weihnachtsgeschichte“ von Dickens? Das wird die Zukunft zeigen, aber Stefan Keim und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter haben schon einmal gut vorgelegt. Jetzt muss das Publikum entscheiden.




Wasser und finnische Mythologie

Taru Mäntynen (links) und Erika Schäfer entführen die Besucher in die nordische Welt.
Taru Mäntynen (links) und Erika Schäfer entführen die Besucher in die nordische Welt.

Vom 20. November bis zum 11. Dezember 2016 zeigt die städtische Galerie im Torhaus Rombergpark die Ausstellung „Eis, Wasser, Mythen“ von Taru Mäntynen und Erika Schäfer. Neben großformatigen Fotografien werden Skulpturen aus Bronze ausgestellt. Das Torhaus entführt die Besucher in die raue nordische Welt voller Eis und fremden Mythen.

Eigentlich wäre der Termin im Torhaus für die Künstlerin Erika Schäfer alleine bestimmt, aber sie hat sich entschlossen, ihre Künstlerfreundin Taru Mäntynen mitzubringen. Das ist auf jeden Fall eine gute Entscheidung gewesen, so bilden die teilweise archaisch ausschauenden Skulpturen von Mäntynen einen Kontrast zu den Fotografien von Schäfer. Insgesamt gibt die Ausstellungen einen künstlerischen Einblick in den finnischen Winter.

„Eis ist nicht nur ein Ärgernis“, erklärt Schäfer ihre Faszination zum gefrorenen Element Wasser und den nordischen Winter. „Ich möchte zeigen, wie schön Wasser im gefrorenen Zustand ist“. Dieses Ziel ist ihr gelungen. Von filigranen Eisstrukturen bis hin zu massiven Formationen reicht die Bandbreite ihrer Eisbilder, aber auch majestätisches Wasser stellt die Künstlerin in den Mittelpunkt ihrer Arbeiten. Die Fotografien stammen zwar überwiegend aus Finnland, Schweden und Grönland, aber auch in Deutschland kann man Eisformationen bewundern.

Die Motive der Skulpturen von Mäntynen entstammen meist der finnischen Sagenwelt, der sogenannten „Kalevala“ wie beispielsweise beim „Mondteerer“. Hier handelt es sich um eine Geschichte über eine Hexe, die den Mond anmalt. Mäntynen thematisiert gerne Tiermenschen wie den „Wolfsmensch“ oder auch archaisch wirkende Krieger.

Mäntynen hat sich intensiv mit dem Bronzeguss auseinandergesetzt und sie gießt ihre Werke sogar selber. „Damit habe ich die Kontrolle über meine Arbeit und kann sie in jeder Phase steuern“, begründet die Künstlerin diesen Schritt.

Die Öffnungszeiten der Galerie Torhaus Rombergpark sind

dienstags bis samstags 14 bis 18 Uhr

sonntags und feiertags 10 bis 18 Uhr

Eintritt frei!




Neuer Weihnachtsklassiker im Theater im Depot

Das Ensemble mit Regisseur. (v.l.n.r.) Thorsten Strunk, Stefan Keim, Sandra Wickenburg und Cordula Hein
Das Ensemble mit Regisseur. (v.l.n.r.) Thorsten Strunk, Stefan Keim, Sandra Wickenburg und Cordula Hein

So wie Charles Dickens Weihnachtsgeschichte zum Fest gehört, ist auch der tschechische Film „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ oft ein fester Bestandteil zu Weihnachten. Ein guter Grund für das Theater im Depot neben „A Christmas Carol“ jetzt auch „Aschenbrödel“ ins Programm zu nehmen. Kulturjournalist und Kabarettist Stefan Keim hat aber eine besondere Version entwickelt. Bei ihm ist „Nuss mit Lustig“ und hat Premiere am Freitag, dem 18. November um 20 Uhr.

„Aschenbrödel – Nuss mit Lustig“ ist quasi ein Stück im Stück. Es spielt an einer Dortmunder Tankstelle. Eine, die 24 Stunden auf hat, auch an Heiligabend. So muss die Angestellte die Stellung halten. Zwei Gäste schneien herein: Ein besserwisserischer Familienvater, den seine Ehefrau raus geschmissen hat und eine tschechische Truckerin, die es leider nicht mehr nach Hause schaffen wird. Was die drei Personen zusammenschweißt ist, dass sie den Film „Aschenbrödel“ kennen, also spielen sie zwischen Kaffeeautomaten, Süßigkeiten und Autoreifen die Geschichte nach. Da werden die Autoreifen zu Pferden oder Scheibenwischer zu Armbrüsten. Selbstverständlich spielen die Schauspieler Cordula Hein, Thorsten Strunk und Sandra Wickenburg viele verschiedene Rollen und so wird jede(r) einmal Aschenbrödel sein.

Das Stück ist familientauglich wie Regisseur und Autor Stefan Keim verspricht. Kinder ab acht Jahren könne man problemlos mitnehmen. Inhaltlich gibt es keine Unterschiede zwischen den Nachmittags- und den Abendvorstellungen.

Passend zum Stück gibt es eine kleine Musikdramaturgie aus etwa 30 Stücken. Angefangen vom Italo-Western über Musikkomponisten Danny Elfman bis hin zur klassischen Aschenbrödel-Musik aus dem Film.

Eines war Keim besonders wichtig zu erwähnen: „Es ist keine Persiflage des Films“. Kenner des Films werden die gespielten Szenen mit Sicherheit wiedererkennen.

Neben der Premiere am 18. November 2016 um 20 Uhr gibt es weitere Termine:

Samstag, den 19. November um 20 Uhr,

Sonntag, den 27. Nove,ber um 16 Uhr,

Sonntag, den 04. Dezember um 16 Uhr und

Freitag, den 30. Dezember um 20 Uhr.




Das Baukunstarchiv wird DADA

Freuen sich auf ein DADA-Wochenende im Baukunstarchiv: (v.l.n.r.) Richard Ortmann, Dieter Gawohl und Anette Göke.
Freuen sich auf ein DADA-Wochenende im Baukunstarchiv: (v.l.n.r.) Richard Ortmann, Dieter Gawohl und Anette Göke.

Am 19. und 20. November 2016 verwandelt sich das Baukunstarchiv (ehemaliges Museum am Ostwall) in ein DADA-Festival. Unter dem Titel „Ab/sind“ gibt es hochprozentige Kunst unterschiedlichster Art von unterschiedlichen Künstlerinnen und Künstlern. Der Eintritt ist kostenlos.

Die beiden „DADAdäys“ im November haben eine Vorgeschichte: Vom 21. April bis zum 29. Juli 2016 wurde der 100jährige Geburtstag von DADA innerhalb von 100 Tagen mit 25 Veranstaltungen gefeiert. An den beiden Novembertagen gibt es Neues und Altes aus dem Reich des Dadaismus, ein Wiedersehen mit bekannten Akteuren und die Erwartung auf neue Künstler.

Der Samstag (19.11.16) beginnt um 17 Uhr mit einem Flashmob vom Westenhellweg zum Baukunstarchiv. Lyriker und Musiker werden die Passanten mit ihrer Kunst konfrontieren und versuchen, Formen und Strukturen aufzubrechen. Mit dabei sind wieder die DADAinen, die die „Letzte Lockerung“ vorführen.

Der Höhepunkt des Tages dürfte das DADAerotische Lustspiel „ADDA et ONNO“ von Christiane Köhne und A. Diéga sein, das um 21 Uhr beginnt. Es ist frei ab 18 Jahre.

Der darauf folgende Sonntag (20.11.16) gehört eher den Literaten. Den Anfang machen Thomas Kade und Reinhard Lampe um 13 Uhr, Paul Dorn erzählt über die DADA Bewegung in Zürich (14 Uhr) und es gibt eine Lesung über Richard Huelsenbeck und Jürgen Wiersch (16 Uhr).

Daneben gibt es im Baukunstarchiv verteilt weitere Kunstaktionen, Ausstellungen und den „Vorurteilszertrümmerer“. Die Künstlerin Ulrike Fischer gibt den Besuchern die Möglichkeit ihre Vorurteile (symbolisiert durch Haselnüsse) aufzubrechen.

Programm für die zwei Tage im Baukunstarchiv Dortmund

Vorläufiges P R O G R A M M  Stand 09.11.2016

Samstag, 19.11.2016 von 18.00h bis 22.30h Sonntag, 20. 11.2016 von 11.00 bis 18.00h
17.00h DADAFläshMob vom Westenhellweg zum BKA 11.30h Wir vermachen Dir das Huelsenherz
18.00h Eröffnung 12.00h Die DADA-Braut, ein Film von Paul Dorn u.a.
18.15h Aschegeister 13.00h Thomas Kade, Reinhard Lampe
19.00h Die DADAinen – Letzte Lockerung 14.00h Paul Dorn (Zürich)
20.15h Sabine Küster (Berlin) 15.00h Marika Bergmann – Fensterbilder
21.00h ADDA et ONNO – DADAerotisches Lustspiel 16.00h Lesung – R. Huelsenbeck, Jürgen Wiersch
22.00h Trio Randale – Schwitters Szenen 17.00h Radikal Audio Lab. & Scarlett Schauerte
im Haus Intermezzi: Das Schwarze Einhorn, Paul Dorn im Haus Intermezzi: Das Schwarze Einhorn, Paul Dorn
  und Ausstellung/Aktionen der Künstler   und Ausstellung/Aktionen der Künstler



Einfach nur Rot sehen

Richard A. Cox, Red Sky, 2003
Richard A. Cox, Red Sky, 2003

Die Farbe Rot lässt wohl niemanden kalt. Rot ist so dominant, dass es schnell nach „hell“ und „dunkel“ zu den frühesten Wörtern der Menschheit gehörte. Die BIG Gallery (Rheinische Straße 1) zeigt die Ausstellung „Rot“ der vier Dortmunder Künstlerverbände vom 13. November 2016 bis zum 13. Januar 2017.

Die meisten Säugetiere haben Probleme, die Farbe Rot zu erkennen. Auch ein Stier reagiert nicht auf die Farbe des Tuches, sondern auf die schnellen Bewegungen des Toreros. Dafür ist die Farbe Rot beim Menschen sehr dominant. Kein Wunder, dass es also für Warnsignale benutzt wird. Dazu hat es eine erotische und eine politische Dimension.

Zu sehen sind 64 Werke von 61 Künstlerinnen und Künstlern. Neben Malerei ist auch Grafik, Fotografie, Skulptur und Installation ausgestellt. Im Gegensatz zur Vorgängerfarbe „Grau“ dominiert die Farbe Rot bereits beim Eintritt in den Galerieraum. Auch wenn manche Töne Richtung Orange oder Pink gehen, die Signalwirkung von Rot ist überwältigend. Mit am Besten kommt dies beim Bild „red sky“ von Richard A. Cox zur Geltung. Sein Gemälde wirkt wie eine Ansicht eines Waldbrandes.

Die Öffnungszeiten sind montags bis freitags von 08 bis 17 Uhr und sonntags von 13 bis 17:00 Uhr.

 

 




Museum Ostwall zeigt Urbanes auf Papier

Am 12. und 13. November 2016 ist das „Wochenende der Grafik“. Das Museum Ostwall präsentiert im Grafikkabinett „Living Cities: Ansichten des Urbanen von Picasso bis zur Gegenwart“. Dazu gibt es an den beiden Tagen noch ein ausführliches Programm. Am ganzen Wochenende sind der Eintritt in die Sammlung des Museum Ostwall sowie alle Angebote im MO frei.

Mehr als 5.500 Arbeiten auf Papier besitzt das Museum Ostwall. Davon ist immer nur ein kleiner Teil zu sehen, denn die Werke würden aufgrund ihrer Lichtempfindlichkeit leiden. Insgesamt machen beim „Wochenende der Grafik“ zehn NRW-Museen mit, die jeweils unterschiedliche Schwerpunkte haben. Der Schwerpunkt beim Museum Ostwall liegt auf der künstlerischen Auseinandersetzung mit Stadt.

War die Stadt bei den Expressionisten durchaus noch positiv besetzt wie bei Ernst Ludwig Kirchner (Straßenszene, 1913) und Matthias Beckmann, wird die Stimmung immer kritischer. Max Beckmann präsentiert die Schattenseiten der Stadt, bis hin zu Joseph Beuys Forderung „Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung“ aus dem Jahre 1982. Die aktuellsten Arbeiten stammen von Barbara Hlali. Ihre Zeichnugnen handeln vom Unterwegssein in der Stadt und schließen den Kreis von Kirchner.

Das Programm am Samstag, 12. November

11 bis 12 Uhr: Raus aus der Kiste! Einblicke in die Graphik-Mappen „Jazz“ von Henri Matisse und „Cirque“ von Fenand Léger

Manche Kunstwerke verlassen das Museumsdepot nur zu besonderen Anlässen, weil sie sehr empfindlich oder schwierig zu präsentieren sind. Am Samstag haben Besucherinnen und Besucher die einmalige Möglichkeit, einen Blick auf die Mappen „Jazz“ (1943- 1947) und „Cirque“ (1950) aus der Grafischen Sammlung des Museums Ostwall zu werfen. Kuratorin Nicole Grothe und Restauratorin Lisa Schiller zeigen die mit Text und faszinierend leuchtenden Lithographien beidseitig bedruckten Blätter und bieten so ein Kunsterlebnis der besonderen Art.

Treffpunkt an der Kasse im Eingangsbereich des Dortmunder U.

14 und 16 Uhr: Kuratorinnenführung zur Ausstellung „Living Cities. Ansichten des Urbanen von Picasso bis zur Gegenwart“

Nicole Grothe, Kuratorin der aktuellen Präsentation im Graphik-Kabinett, lädt ein zum Gespräch über Werke von der Klassischen Moderne bis zur Gegenwart, die das Leben in der Stadt zum Thema haben: Ernst Ludwig Kirchner faszinierten die im Pariser Chic gekleideten Städterinnen, Joseph Beuys forderte „Stadtverwaldung, statt Stadtverwaltung!“, Thomas Bayrle zeichnet die Stadt als kleinteilige, aber überbordende Struktur und Barbara Hlali integriert Fahrpläne öffentlicher Verkehrsmittel in ihre Bilder über das Reisen. Welche Stadt gefällt Ihnen am besten?

Start im Foyer des MO, Ebene U4, Dauer: ca. 45 Minuten.

15 bis 17 Uhr: Stadtcollage. Workshop für Familien, Jugendliche und Erwachsene

Ein Bruchstück der städtischen Skyline – eine Brücke? ein Turm? eine Häuserzeile? – wird vervielfältigt und neu zusammengesetzt. Thomas Bayrle, dessen Druckgraphik „Die Stadt“ zu diesem Workshop anregt, war fasziniert von den kleinteiligen, aber überbordenden geometrischen Strukturen einer Stadt. Aus einer besonders interessanten Form erschaffen wir das Bild einer riesigen Metropole.

Start: Kasse im Eingangsbereich des Dortmunder U.

Sonntag, 13. November 2016

14 bis 18 Uhr: Strukturen der Stadt. Aktionspunkt zum Mitmachen

Rau, glatt, gleichmäßig strukturiert oder chaotisch – die Oberflächen der Materialien, aus denen ein Raum gebaut ist, prägen seinen Charakter. Inspiriert von Stadtansichten, die in der Ausstellung „Living Cities. Ansichten des Urbanen von Picasso bis zur Gegenwart“ im Graphik-Kabinett zu sehen sind, gestalten wir aus bunten Frottagen von Oberflächenstrukturen des Dortmunder U eine neue Stadt.

Ort: Foyer des MO, Ebene U4

15 bis 16.30 Uhr: Kunst auf und aus Papier. Öffentliche Führung

Kunst auf Papier gehört zu den besonderen Schätzen eines Museums. In der Führung werden Lithografien der Klassischen Moderne ebenso vorgestellt wie Handlungsanweisungen für Aktionen der Fluxus-Bewegung und sogenannte Plakatabrisse, mit denen die Nouveaux Réalistes, in den 1960er Jahren auf die Bilderflut im Stadtraum reagierten. Im Graphik-Kabinett sind Stadtansichten von Pablo Picasso bis zur Gegenwart zu sehen.

Start im Foyer des MO, Ebene U4.

Das MO im Web: www.mo.dortmund.de




Was war eher – das Ei oder die Kunst?

Aus den Eiern sind die Vögel geschlüpft. Das Ende der künstlerischen Kette.
Aus den Eiern sind die Vögel geschlüpft. Das Ende der künstlerischen Kette.

Die Ausstellung „Nesting Box“ von Shelly Nadashi im Kunstverein Dortmund handelt auf den ersten Blick über ein künstliche Brutkasten, sie zeigt aber auch die Entstehung von Kunst in ironischer Weise.

Kunst hat viel mit Technik zu tun, wie Shelly Nadashi zeigt. Die erste Vitrine enthält Werkzeug, Vaseline und die Form für die Eier. Ohne Zollstock und Werkzeuge keine Kunst, hier ist der Künstler hauptsächlich Handwerker. Doch ist reines Handwerk Kunst? Diese Frage versucht die Künstlerin ironisch aufzubrechen. Das ist in einer weiteren Vitrine gut zu sehen, bei der es um die Vermarktung der fertigen Papiermaché-Eier geht. Hübsch verpackt, mit Stempel versehen, warten sie, verschickt zu werden.

Nadashi benutzt Papiermaché. Dieses vergängliche und billige Material steht metaphorisch für den produktiven, künstlerischen Prozess.

Doch die Ausstellung hat auch einen zweiten Aspekt. Am Anfang steht der einsame Wald, symbolisiert von einigen nackten Baumstämmen, die Brutkästen sorgen dafür, dass die Vogeleier bebrütet werden und am Ende ist der Wald voller Vögel.

Zu sehen ist die Ausstellung vom 12. November 2016 bis zum 05. Februar 2017. Die Öffnungszeiten des Kunstvereins (Park der Partnerstädte 2) sind Dienstag bis Freitag von 15 bis 18 Uhr sowie Samstag und Sonntag von 11 bis 16 Uhr.




Mensch oder Uhrwerk?

Es gehört schon eine gewisse Portion Mut dazu, „A clockwork Orange“ als Jugendstück aufzuführen. Für Rada Radojcic und ihre Kulturbrigade hat es sich aber gelohnt. Die Premiere am 05. November 2016 im Theater im Depot war ein gelungenes Beispiel jugendgerechter Umsetzung eines schwierigen Stoffes.

Die Geschichte in Kürze: Alex und die Mitglieder seiner Bande, die Droogs, terrorisieren des Nachts aufgeputscht durch Drogen ihre Umgebung. Sie verprügeln, stehlen und vergewaltigen. Doch einmal geht Alex zu weit und tötet jemanden. Seine Mitstreiter, unzufrieden mit seinen Führungsmethoden, lassen ihn fallen und die Polizei schnappt ihn. Im Gefängnis bekommt er die Chance an einem Regierungsprogramm teilzunehmen. Er soll Übelkeit bekommen, wenn er Gewalt ausüben will. Dadurch sofort wieder aus dem Gefängnis entlassen, kommt er draußen nicht zurecht, denn er bekommt die Gewalt am eigenen Leib zu spüren. Alex bittet ausgerechnet bei dem Schriftsteller um Hilfe, dessen Frau seien Bande vergewaltigt hat. In Folge dessen hat sie sich umgebracht. Vor dem aufgebrachten Schriftsteller springt Alex aus dem Fenster und kommt ins Krankenhaus, wo seine Konditionierung aufgehört hat zu wirken.

Radojcic und ihre Truppe zeigen diese Gewalt in einer sehr choreographierten Form. Hinzu kommt Musik als unterstützendes Element hinzu. Die Regisseurin setzt mehr auf Mimik und Symbolik als auf die realistische Gewaltdarstellen. Zwar ist das Stück erst ab 12 Jahren, aber Jugendliche (und ihre Eltern) brauchen keine Angst zu haben.

Wer Produktionen von den Kulturbrigaden bereits gesehen hat (beispielsweise Alice oder Carmen) erkennt die typische Handschrift von Radojcic wieder. Sehr ausgefeilte Kostüme sind ihr Markenzeichen. So tragen die Droogs Bomberjacken und DocMartins, die typische Melone und karottenorangene Perücken. Bei ihren Gewaltexzessen setzen sie noch eine Maske auf, wie sie der Killer in „Freitag, der 13“ trägt. Dagegen ist das Bühnenbild spärlich. Vier Klappstühle bilden die Milchbar, in der sich Alex und seine Kumpane treffen.

Gewalt ist männlich, oder nicht? Radojcic bürstet auch hier gegen den Strich, denn Alex ist in ihrer Inszenierung weiblich, wie auch zwei Mitglieder der Droogs. Im Zeitalter von Mobbing und Cybergewalt scheinen die Grenzen zwischen den Geschlechtern zu verschwimmen.

Positiv ist auch, dass die Inszenierung komische Elemente bereit hält. Als Alex aus dem Gefängnis zurück nach Hause kommen möchte, stellt sie fest, dass ihr Zimmer von einer Untermieterin belegt ist. Ihre Mutter vergiesst Krokodilstränen („Es tut mir so leid“), ist aber sichtlich erleichtert, als Alex weg ist.

Eine wichtige Rolle in der Inszenierung ist die Musik. Der Musiker Dixon Ra ist live auf der Bühne und unterstützt mitsaxophon und vor allem Schlagzeug die Emotionen der Beteiligten. Natürlich darf Ludwig van Beethoven und seine Neunte Sinfonie nicht fehlen, die per Einspieler zu hören ist.

Darf man einem Menschen mittels Medikation seine Entscheidungsfähigkeit berauben? Bei Burgess ging es noch um das Thema Gewalt und Jugendkriminalität. Doch die Frage ist und bleibt hochaktuell, beispielsweise bei Sexualstraftätern. Soll man einem Pädophilen seinen Trieb durch Medikamente austreiben? Bleibt derjenige noch ein Mensch oder entwickelt er sich zum reinen Uhrwerk (clockwork)? Andererseits: Was ist, wenn die Treibunterdrückung versagt? Diese ethischen Fragen stehen immer noch zur Diskussion und daher bleibt „A clockwork orange“ immer noch aktuell.