Wasser und finnische Mythologie

Taru Mäntynen (links) und Erika Schäfer entführen die Besucher in die nordische Welt.
Taru Mäntynen (links) und Erika Schäfer entführen die Besucher in die nordische Welt.

Vom 20. November bis zum 11. Dezember 2016 zeigt die städtische Galerie im Torhaus Rombergpark die Ausstellung „Eis, Wasser, Mythen“ von Taru Mäntynen und Erika Schäfer. Neben großformatigen Fotografien werden Skulpturen aus Bronze ausgestellt. Das Torhaus entführt die Besucher in die raue nordische Welt voller Eis und fremden Mythen.

Eigentlich wäre der Termin im Torhaus für die Künstlerin Erika Schäfer alleine bestimmt, aber sie hat sich entschlossen, ihre Künstlerfreundin Taru Mäntynen mitzubringen. Das ist auf jeden Fall eine gute Entscheidung gewesen, so bilden die teilweise archaisch ausschauenden Skulpturen von Mäntynen einen Kontrast zu den Fotografien von Schäfer. Insgesamt gibt die Ausstellungen einen künstlerischen Einblick in den finnischen Winter.

„Eis ist nicht nur ein Ärgernis“, erklärt Schäfer ihre Faszination zum gefrorenen Element Wasser und den nordischen Winter. „Ich möchte zeigen, wie schön Wasser im gefrorenen Zustand ist“. Dieses Ziel ist ihr gelungen. Von filigranen Eisstrukturen bis hin zu massiven Formationen reicht die Bandbreite ihrer Eisbilder, aber auch majestätisches Wasser stellt die Künstlerin in den Mittelpunkt ihrer Arbeiten. Die Fotografien stammen zwar überwiegend aus Finnland, Schweden und Grönland, aber auch in Deutschland kann man Eisformationen bewundern.

Die Motive der Skulpturen von Mäntynen entstammen meist der finnischen Sagenwelt, der sogenannten „Kalevala“ wie beispielsweise beim „Mondteerer“. Hier handelt es sich um eine Geschichte über eine Hexe, die den Mond anmalt. Mäntynen thematisiert gerne Tiermenschen wie den „Wolfsmensch“ oder auch archaisch wirkende Krieger.

Mäntynen hat sich intensiv mit dem Bronzeguss auseinandergesetzt und sie gießt ihre Werke sogar selber. „Damit habe ich die Kontrolle über meine Arbeit und kann sie in jeder Phase steuern“, begründet die Künstlerin diesen Schritt.

Die Öffnungszeiten der Galerie Torhaus Rombergpark sind

dienstags bis samstags 14 bis 18 Uhr

sonntags und feiertags 10 bis 18 Uhr

Eintritt frei!




Neuer Weihnachtsklassiker im Theater im Depot

Das Ensemble mit Regisseur. (v.l.n.r.) Thorsten Strunk, Stefan Keim, Sandra Wickenburg und Cordula Hein
Das Ensemble mit Regisseur. (v.l.n.r.) Thorsten Strunk, Stefan Keim, Sandra Wickenburg und Cordula Hein

So wie Charles Dickens Weihnachtsgeschichte zum Fest gehört, ist auch der tschechische Film „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ oft ein fester Bestandteil zu Weihnachten. Ein guter Grund für das Theater im Depot neben „A Christmas Carol“ jetzt auch „Aschenbrödel“ ins Programm zu nehmen. Kulturjournalist und Kabarettist Stefan Keim hat aber eine besondere Version entwickelt. Bei ihm ist „Nuss mit Lustig“ und hat Premiere am Freitag, dem 18. November um 20 Uhr.

„Aschenbrödel – Nuss mit Lustig“ ist quasi ein Stück im Stück. Es spielt an einer Dortmunder Tankstelle. Eine, die 24 Stunden auf hat, auch an Heiligabend. So muss die Angestellte die Stellung halten. Zwei Gäste schneien herein: Ein besserwisserischer Familienvater, den seine Ehefrau raus geschmissen hat und eine tschechische Truckerin, die es leider nicht mehr nach Hause schaffen wird. Was die drei Personen zusammenschweißt ist, dass sie den Film „Aschenbrödel“ kennen, also spielen sie zwischen Kaffeeautomaten, Süßigkeiten und Autoreifen die Geschichte nach. Da werden die Autoreifen zu Pferden oder Scheibenwischer zu Armbrüsten. Selbstverständlich spielen die Schauspieler Cordula Hein, Thorsten Strunk und Sandra Wickenburg viele verschiedene Rollen und so wird jede(r) einmal Aschenbrödel sein.

Das Stück ist familientauglich wie Regisseur und Autor Stefan Keim verspricht. Kinder ab acht Jahren könne man problemlos mitnehmen. Inhaltlich gibt es keine Unterschiede zwischen den Nachmittags- und den Abendvorstellungen.

Passend zum Stück gibt es eine kleine Musikdramaturgie aus etwa 30 Stücken. Angefangen vom Italo-Western über Musikkomponisten Danny Elfman bis hin zur klassischen Aschenbrödel-Musik aus dem Film.

Eines war Keim besonders wichtig zu erwähnen: „Es ist keine Persiflage des Films“. Kenner des Films werden die gespielten Szenen mit Sicherheit wiedererkennen.

Neben der Premiere am 18. November 2016 um 20 Uhr gibt es weitere Termine:

Samstag, den 19. November um 20 Uhr,

Sonntag, den 27. Nove,ber um 16 Uhr,

Sonntag, den 04. Dezember um 16 Uhr und

Freitag, den 30. Dezember um 20 Uhr.




Das Baukunstarchiv wird DADA

Freuen sich auf ein DADA-Wochenende im Baukunstarchiv: (v.l.n.r.) Richard Ortmann, Dieter Gawohl und Anette Göke.
Freuen sich auf ein DADA-Wochenende im Baukunstarchiv: (v.l.n.r.) Richard Ortmann, Dieter Gawohl und Anette Göke.

Am 19. und 20. November 2016 verwandelt sich das Baukunstarchiv (ehemaliges Museum am Ostwall) in ein DADA-Festival. Unter dem Titel „Ab/sind“ gibt es hochprozentige Kunst unterschiedlichster Art von unterschiedlichen Künstlerinnen und Künstlern. Der Eintritt ist kostenlos.

Die beiden „DADAdäys“ im November haben eine Vorgeschichte: Vom 21. April bis zum 29. Juli 2016 wurde der 100jährige Geburtstag von DADA innerhalb von 100 Tagen mit 25 Veranstaltungen gefeiert. An den beiden Novembertagen gibt es Neues und Altes aus dem Reich des Dadaismus, ein Wiedersehen mit bekannten Akteuren und die Erwartung auf neue Künstler.

Der Samstag (19.11.16) beginnt um 17 Uhr mit einem Flashmob vom Westenhellweg zum Baukunstarchiv. Lyriker und Musiker werden die Passanten mit ihrer Kunst konfrontieren und versuchen, Formen und Strukturen aufzubrechen. Mit dabei sind wieder die DADAinen, die die „Letzte Lockerung“ vorführen.

Der Höhepunkt des Tages dürfte das DADAerotische Lustspiel „ADDA et ONNO“ von Christiane Köhne und A. Diéga sein, das um 21 Uhr beginnt. Es ist frei ab 18 Jahre.

Der darauf folgende Sonntag (20.11.16) gehört eher den Literaten. Den Anfang machen Thomas Kade und Reinhard Lampe um 13 Uhr, Paul Dorn erzählt über die DADA Bewegung in Zürich (14 Uhr) und es gibt eine Lesung über Richard Huelsenbeck und Jürgen Wiersch (16 Uhr).

Daneben gibt es im Baukunstarchiv verteilt weitere Kunstaktionen, Ausstellungen und den „Vorurteilszertrümmerer“. Die Künstlerin Ulrike Fischer gibt den Besuchern die Möglichkeit ihre Vorurteile (symbolisiert durch Haselnüsse) aufzubrechen.

Programm für die zwei Tage im Baukunstarchiv Dortmund

Vorläufiges P R O G R A M M  Stand 09.11.2016

Samstag, 19.11.2016 von 18.00h bis 22.30h Sonntag, 20. 11.2016 von 11.00 bis 18.00h
17.00h DADAFläshMob vom Westenhellweg zum BKA 11.30h Wir vermachen Dir das Huelsenherz
18.00h Eröffnung 12.00h Die DADA-Braut, ein Film von Paul Dorn u.a.
18.15h Aschegeister 13.00h Thomas Kade, Reinhard Lampe
19.00h Die DADAinen – Letzte Lockerung 14.00h Paul Dorn (Zürich)
20.15h Sabine Küster (Berlin) 15.00h Marika Bergmann – Fensterbilder
21.00h ADDA et ONNO – DADAerotisches Lustspiel 16.00h Lesung – R. Huelsenbeck, Jürgen Wiersch
22.00h Trio Randale – Schwitters Szenen 17.00h Radikal Audio Lab. & Scarlett Schauerte
im Haus Intermezzi: Das Schwarze Einhorn, Paul Dorn im Haus Intermezzi: Das Schwarze Einhorn, Paul Dorn
  und Ausstellung/Aktionen der Künstler   und Ausstellung/Aktionen der Künstler



Einfach nur Rot sehen

Richard A. Cox, Red Sky, 2003
Richard A. Cox, Red Sky, 2003

Die Farbe Rot lässt wohl niemanden kalt. Rot ist so dominant, dass es schnell nach „hell“ und „dunkel“ zu den frühesten Wörtern der Menschheit gehörte. Die BIG Gallery (Rheinische Straße 1) zeigt die Ausstellung „Rot“ der vier Dortmunder Künstlerverbände vom 13. November 2016 bis zum 13. Januar 2017.

Die meisten Säugetiere haben Probleme, die Farbe Rot zu erkennen. Auch ein Stier reagiert nicht auf die Farbe des Tuches, sondern auf die schnellen Bewegungen des Toreros. Dafür ist die Farbe Rot beim Menschen sehr dominant. Kein Wunder, dass es also für Warnsignale benutzt wird. Dazu hat es eine erotische und eine politische Dimension.

Zu sehen sind 64 Werke von 61 Künstlerinnen und Künstlern. Neben Malerei ist auch Grafik, Fotografie, Skulptur und Installation ausgestellt. Im Gegensatz zur Vorgängerfarbe „Grau“ dominiert die Farbe Rot bereits beim Eintritt in den Galerieraum. Auch wenn manche Töne Richtung Orange oder Pink gehen, die Signalwirkung von Rot ist überwältigend. Mit am Besten kommt dies beim Bild „red sky“ von Richard A. Cox zur Geltung. Sein Gemälde wirkt wie eine Ansicht eines Waldbrandes.

Die Öffnungszeiten sind montags bis freitags von 08 bis 17 Uhr und sonntags von 13 bis 17:00 Uhr.

 

 




Museum Ostwall zeigt Urbanes auf Papier

Am 12. und 13. November 2016 ist das „Wochenende der Grafik“. Das Museum Ostwall präsentiert im Grafikkabinett „Living Cities: Ansichten des Urbanen von Picasso bis zur Gegenwart“. Dazu gibt es an den beiden Tagen noch ein ausführliches Programm. Am ganzen Wochenende sind der Eintritt in die Sammlung des Museum Ostwall sowie alle Angebote im MO frei.

Mehr als 5.500 Arbeiten auf Papier besitzt das Museum Ostwall. Davon ist immer nur ein kleiner Teil zu sehen, denn die Werke würden aufgrund ihrer Lichtempfindlichkeit leiden. Insgesamt machen beim „Wochenende der Grafik“ zehn NRW-Museen mit, die jeweils unterschiedliche Schwerpunkte haben. Der Schwerpunkt beim Museum Ostwall liegt auf der künstlerischen Auseinandersetzung mit Stadt.

War die Stadt bei den Expressionisten durchaus noch positiv besetzt wie bei Ernst Ludwig Kirchner (Straßenszene, 1913) und Matthias Beckmann, wird die Stimmung immer kritischer. Max Beckmann präsentiert die Schattenseiten der Stadt, bis hin zu Joseph Beuys Forderung „Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung“ aus dem Jahre 1982. Die aktuellsten Arbeiten stammen von Barbara Hlali. Ihre Zeichnugnen handeln vom Unterwegssein in der Stadt und schließen den Kreis von Kirchner.

Das Programm am Samstag, 12. November

11 bis 12 Uhr: Raus aus der Kiste! Einblicke in die Graphik-Mappen „Jazz“ von Henri Matisse und „Cirque“ von Fenand Léger

Manche Kunstwerke verlassen das Museumsdepot nur zu besonderen Anlässen, weil sie sehr empfindlich oder schwierig zu präsentieren sind. Am Samstag haben Besucherinnen und Besucher die einmalige Möglichkeit, einen Blick auf die Mappen „Jazz“ (1943- 1947) und „Cirque“ (1950) aus der Grafischen Sammlung des Museums Ostwall zu werfen. Kuratorin Nicole Grothe und Restauratorin Lisa Schiller zeigen die mit Text und faszinierend leuchtenden Lithographien beidseitig bedruckten Blätter und bieten so ein Kunsterlebnis der besonderen Art.

Treffpunkt an der Kasse im Eingangsbereich des Dortmunder U.

14 und 16 Uhr: Kuratorinnenführung zur Ausstellung „Living Cities. Ansichten des Urbanen von Picasso bis zur Gegenwart“

Nicole Grothe, Kuratorin der aktuellen Präsentation im Graphik-Kabinett, lädt ein zum Gespräch über Werke von der Klassischen Moderne bis zur Gegenwart, die das Leben in der Stadt zum Thema haben: Ernst Ludwig Kirchner faszinierten die im Pariser Chic gekleideten Städterinnen, Joseph Beuys forderte „Stadtverwaldung, statt Stadtverwaltung!“, Thomas Bayrle zeichnet die Stadt als kleinteilige, aber überbordende Struktur und Barbara Hlali integriert Fahrpläne öffentlicher Verkehrsmittel in ihre Bilder über das Reisen. Welche Stadt gefällt Ihnen am besten?

Start im Foyer des MO, Ebene U4, Dauer: ca. 45 Minuten.

15 bis 17 Uhr: Stadtcollage. Workshop für Familien, Jugendliche und Erwachsene

Ein Bruchstück der städtischen Skyline – eine Brücke? ein Turm? eine Häuserzeile? – wird vervielfältigt und neu zusammengesetzt. Thomas Bayrle, dessen Druckgraphik „Die Stadt“ zu diesem Workshop anregt, war fasziniert von den kleinteiligen, aber überbordenden geometrischen Strukturen einer Stadt. Aus einer besonders interessanten Form erschaffen wir das Bild einer riesigen Metropole.

Start: Kasse im Eingangsbereich des Dortmunder U.

Sonntag, 13. November 2016

14 bis 18 Uhr: Strukturen der Stadt. Aktionspunkt zum Mitmachen

Rau, glatt, gleichmäßig strukturiert oder chaotisch – die Oberflächen der Materialien, aus denen ein Raum gebaut ist, prägen seinen Charakter. Inspiriert von Stadtansichten, die in der Ausstellung „Living Cities. Ansichten des Urbanen von Picasso bis zur Gegenwart“ im Graphik-Kabinett zu sehen sind, gestalten wir aus bunten Frottagen von Oberflächenstrukturen des Dortmunder U eine neue Stadt.

Ort: Foyer des MO, Ebene U4

15 bis 16.30 Uhr: Kunst auf und aus Papier. Öffentliche Führung

Kunst auf Papier gehört zu den besonderen Schätzen eines Museums. In der Führung werden Lithografien der Klassischen Moderne ebenso vorgestellt wie Handlungsanweisungen für Aktionen der Fluxus-Bewegung und sogenannte Plakatabrisse, mit denen die Nouveaux Réalistes, in den 1960er Jahren auf die Bilderflut im Stadtraum reagierten. Im Graphik-Kabinett sind Stadtansichten von Pablo Picasso bis zur Gegenwart zu sehen.

Start im Foyer des MO, Ebene U4.

Das MO im Web: www.mo.dortmund.de




Was war eher – das Ei oder die Kunst?

Aus den Eiern sind die Vögel geschlüpft. Das Ende der künstlerischen Kette.
Aus den Eiern sind die Vögel geschlüpft. Das Ende der künstlerischen Kette.

Die Ausstellung „Nesting Box“ von Shelly Nadashi im Kunstverein Dortmund handelt auf den ersten Blick über ein künstliche Brutkasten, sie zeigt aber auch die Entstehung von Kunst in ironischer Weise.

Kunst hat viel mit Technik zu tun, wie Shelly Nadashi zeigt. Die erste Vitrine enthält Werkzeug, Vaseline und die Form für die Eier. Ohne Zollstock und Werkzeuge keine Kunst, hier ist der Künstler hauptsächlich Handwerker. Doch ist reines Handwerk Kunst? Diese Frage versucht die Künstlerin ironisch aufzubrechen. Das ist in einer weiteren Vitrine gut zu sehen, bei der es um die Vermarktung der fertigen Papiermaché-Eier geht. Hübsch verpackt, mit Stempel versehen, warten sie, verschickt zu werden.

Nadashi benutzt Papiermaché. Dieses vergängliche und billige Material steht metaphorisch für den produktiven, künstlerischen Prozess.

Doch die Ausstellung hat auch einen zweiten Aspekt. Am Anfang steht der einsame Wald, symbolisiert von einigen nackten Baumstämmen, die Brutkästen sorgen dafür, dass die Vogeleier bebrütet werden und am Ende ist der Wald voller Vögel.

Zu sehen ist die Ausstellung vom 12. November 2016 bis zum 05. Februar 2017. Die Öffnungszeiten des Kunstvereins (Park der Partnerstädte 2) sind Dienstag bis Freitag von 15 bis 18 Uhr sowie Samstag und Sonntag von 11 bis 16 Uhr.




Mensch oder Uhrwerk?

Es gehört schon eine gewisse Portion Mut dazu, „A clockwork Orange“ als Jugendstück aufzuführen. Für Rada Radojcic und ihre Kulturbrigade hat es sich aber gelohnt. Die Premiere am 05. November 2016 im Theater im Depot war ein gelungenes Beispiel jugendgerechter Umsetzung eines schwierigen Stoffes.

Die Geschichte in Kürze: Alex und die Mitglieder seiner Bande, die Droogs, terrorisieren des Nachts aufgeputscht durch Drogen ihre Umgebung. Sie verprügeln, stehlen und vergewaltigen. Doch einmal geht Alex zu weit und tötet jemanden. Seine Mitstreiter, unzufrieden mit seinen Führungsmethoden, lassen ihn fallen und die Polizei schnappt ihn. Im Gefängnis bekommt er die Chance an einem Regierungsprogramm teilzunehmen. Er soll Übelkeit bekommen, wenn er Gewalt ausüben will. Dadurch sofort wieder aus dem Gefängnis entlassen, kommt er draußen nicht zurecht, denn er bekommt die Gewalt am eigenen Leib zu spüren. Alex bittet ausgerechnet bei dem Schriftsteller um Hilfe, dessen Frau seien Bande vergewaltigt hat. In Folge dessen hat sie sich umgebracht. Vor dem aufgebrachten Schriftsteller springt Alex aus dem Fenster und kommt ins Krankenhaus, wo seine Konditionierung aufgehört hat zu wirken.

Radojcic und ihre Truppe zeigen diese Gewalt in einer sehr choreographierten Form. Hinzu kommt Musik als unterstützendes Element hinzu. Die Regisseurin setzt mehr auf Mimik und Symbolik als auf die realistische Gewaltdarstellen. Zwar ist das Stück erst ab 12 Jahren, aber Jugendliche (und ihre Eltern) brauchen keine Angst zu haben.

Wer Produktionen von den Kulturbrigaden bereits gesehen hat (beispielsweise Alice oder Carmen) erkennt die typische Handschrift von Radojcic wieder. Sehr ausgefeilte Kostüme sind ihr Markenzeichen. So tragen die Droogs Bomberjacken und DocMartins, die typische Melone und karottenorangene Perücken. Bei ihren Gewaltexzessen setzen sie noch eine Maske auf, wie sie der Killer in „Freitag, der 13“ trägt. Dagegen ist das Bühnenbild spärlich. Vier Klappstühle bilden die Milchbar, in der sich Alex und seine Kumpane treffen.

Gewalt ist männlich, oder nicht? Radojcic bürstet auch hier gegen den Strich, denn Alex ist in ihrer Inszenierung weiblich, wie auch zwei Mitglieder der Droogs. Im Zeitalter von Mobbing und Cybergewalt scheinen die Grenzen zwischen den Geschlechtern zu verschwimmen.

Positiv ist auch, dass die Inszenierung komische Elemente bereit hält. Als Alex aus dem Gefängnis zurück nach Hause kommen möchte, stellt sie fest, dass ihr Zimmer von einer Untermieterin belegt ist. Ihre Mutter vergiesst Krokodilstränen („Es tut mir so leid“), ist aber sichtlich erleichtert, als Alex weg ist.

Eine wichtige Rolle in der Inszenierung ist die Musik. Der Musiker Dixon Ra ist live auf der Bühne und unterstützt mitsaxophon und vor allem Schlagzeug die Emotionen der Beteiligten. Natürlich darf Ludwig van Beethoven und seine Neunte Sinfonie nicht fehlen, die per Einspieler zu hören ist.

Darf man einem Menschen mittels Medikation seine Entscheidungsfähigkeit berauben? Bei Burgess ging es noch um das Thema Gewalt und Jugendkriminalität. Doch die Frage ist und bleibt hochaktuell, beispielsweise bei Sexualstraftätern. Soll man einem Pädophilen seinen Trieb durch Medikamente austreiben? Bleibt derjenige noch ein Mensch oder entwickelt er sich zum reinen Uhrwerk (clockwork)? Andererseits: Was ist, wenn die Treibunterdrückung versagt? Diese ethischen Fragen stehen immer noch zur Diskussion und daher bleibt „A clockwork orange“ immer noch aktuell.




Freiheit zu Entscheiden?

Musiker Dixon Ra und Ronahi Kahraman als "Alex". (Foto: © Kulturbrigaden)
Musiker Dixon Ra und Ronahi Kahraman als „Alex“. (Foto: © Kulturbrigaden)

„A clockwork orange“ als Jugendstück? Wer den Film von 1971 von Stanley Kubrick und seine Kontroverse um Gewaltverherrlichung kennt, wird vielleicht die Stirn runzeln. Doch Rada Radojcic, die künstlerische Leiterin und Regisseurin der Kulturbrigaden, die das Stück auf die Bühne bringen, beruhigt. Es wird nach einer Theaterfassung konzipiert, die für Jugendliche geeignet ist. „Zudem ist der Film sehr kunstvoll gemacht. Ich finde ihn weniger brutal, die Gewalt ist eher choreografisch.“ Das kommende Theaterstück ist ab 12 Jahre. Die Premiere ist am 5. November 2016 um 20 Uhr im Theater im Depot.

Das Erstaunliche ist dabei, dass die Jugendlichen der Kulturbrigaden sich diesen Stoff gewünscht haben. Die Figur des Protagonisten Alex mit seiner Kleidung hat es in die Popkultur geschafft. Die Bekanntheit des Films von Kubrik überstrahlt ein wenig das Buch von Anthony Burgess. In Deutschland ist auch die CD/LP „Ein kleines bisschen Horrorschau“ von den „Toten Hosen“ bekannt, vor allem das Lied „Hier kommt Alex“. Das Stück basiert aber weitgehend auf den Film von Kubrick.

Alex, ein Teenager erzählt seine Geschichte selbst: Aus Spaß an der Gewalt verbringen er und seine drei Freunde ihre Zeit damit, wahllos wehrlose Opfer brutal zusammenzuschlagen, auszurauben und, sofern diese Frauen sind, zu vergewaltigen. Alex‘ Freunde lassen ihn aber nach Unstimmigkeiten im Stich. Alex wird wegen Mordes angeklagt und zu 14 Jahren Haft verurteilt. Dort nimmt er an einem neuartigen Experiment teil, bei dem er so konditioniert wird, dass ihm beim Gedanken an Gewalt sofort übel wird. Dummerweise trifft er auf einige seiner Opfer, die die günstige Gelegenheit ausnutzen wollen.

„Gruppen bilden, Mobbing, andere Leute dissen, damit werden die Jugendlichen konfrontiert“, erklärt Radojcic die Aktualität des Stoffes. Es gehe auch um die Frage, was ist das Reizvolle an einer Gang? Und wie schafft man es, da wieder herauszukommen?

Für die Inszenierung hat sich die Regisseurin etwas besonderes einfallen lassen: Alex ist ein Mädchen, gespielt von Ronahi Kahraman. Wichtig war Radojcic, dass die Gewaltszenen für die Jugendlichen auf der Bühne und auch im Zuschauerraum kompatibel sind. „Wir benutzen stark stilisierte Mittel. Die Aggression wird über die Musik erzeugt. Die Schauspieler müssen Hass, Unzufriedenheit über ihre Mimik zum Ausdruck bringen“, so Radojcic.

Musik spielt natürlich auch eine große Rolle. Neben Livemusik von Dixon Ra (Schlagzeug, Saxophon und Klavier) wird natürlich Musik von Beethovens Neunter eingespielt.

Auf die Kostüme kann man – wie bei allen Produktionen der Kulturbrigaden – sehr gespannt sein. Die Droogs (Die Gang von Alex) beispielsweise werden mit Bomberjacken und DocMartens auftreten.

Bei „A Clockwork Orange“ spielen neun Mitglieder der Kulturbrigaden im Alter von 14 bis 24 Jahren mit. Insgesamt sind bei den Kulturbrigaden rund 30 Kinder und Jugendliche aktiv, die sich in zwei Gruppen aufteilen: bis 14 Jahre und über 14 Jahre. Die nächste Produktion wird etwas märchenhafter: „Die Schneekönigin“ und hat wird am 14. und 15. Januar 2017 im Depot zu sehen sein. Mehr Infos über die Arbeit und Theaterkurse der Kulturbrigaden unter www.kulturbrigaden.com




Literarischer Blick auf die Heimat

Das 17. LesArt.Festival präsentiert vom 02. bis 13. November unterschiedliche Blickweisen auf die Heimat. Unter dem Titel „Heimat, wie bist du so…“ präsentieren Literaten, Schauspieler und Musiker Ernstes und Heiteres, Unerhörtes und Vielsagendes.

Den Auftakt macht traditionell die Lyrik. Unter dem Titel „Heimat – lyrisch & ausgezeichnet“ zeigen mit Preisen ausgezeichnete Lyrikerinnen und Lyriker, dass das Gedicht im Ruhrgebiet Zukunft hat. Mit dabei sind Jürgen Brôcan, Lütfiye Günzel, Ivette Vivien Kunkel und Ralf Thenior.

2.11.2016, 19:30 Uhr, Literaturhaus Dortmund, Neuer Graben 78, Eintritt 5 €

Danach wird die Heimat kriminell. Dietmar Bär liest aus dem Münsterländer Krimi „Erwin, Enten und Entsetzen.

3.11.2016, 19:30 Uhr, Theater Fletch Bizzel, Humboldtstraße 45, Eintritt 13 €

Musikalisch geht es Freitag weiter, Tom Liwa (u.a. Flowerpornoes) singt „ganz normale Songs“. Er kommt aber nicht alleine, sondern bringt Werner Muth (Leseperformance) und Guiseppe Mautone (Gitarre) mit.

4.11.2016, 19:30 Uhr, Theater Fletch Bizzel, Humboldtstraße 45, Eintritt 10

Die NSU ist das Thema bei Dirk Laabs „Heimatschutz – Der Staat und die Mordserie der NSU“. Laabs schrieb mit Stefan Aust das gleichnamige Buch.

5.11.2016, 19:30 Uhr, Literaturhaus Dortmund, Neuer Graben 78, Eintritt 5 €

Kalendergeschichten, Erinnerungsskizzen, Erzählungen und Essays – das alles präsentiert Otto Jägersberg. Zu erleben am

6.11.2016, 19:30 Uhr, Literaturhaus Dortmund, Neuer Graben 78, Eintritt 7

Die Lesung in den Umkleidekabinen des Westfalenstadions hat schon Tradition. Ein Heimspiel hat dieses Jahr Tim Gräsing von schwatzgelb.de, die Auswärtskabine bespielt Thomas Koch. In der Halbzeit wechseln die Besucher die Kabine.

7.11.2016, 19.30 Uhr (Einlass 19.00 Uhr), Signal-Iduna-Park, Strobelallee 50, Eintritt: 10,- €

Christoph Hein spricht über Bergleute und andere Deutsche unter dem Titel „Heimat – alles gut?“ Hein war erster Präsident des gesamtdeutschen PEN-Clubs.

8.11.2016, 18.00 Uhr LWL-Industriemuseum Zeche Zollern, Grubenweg 5, Eintritt: frei

Für die Chamisso-Tage an der Ruhr nimmt sich das Festival zwei Tage Zeit. Der erste Tag ist dem Verhältnis zwischen Deutschland und Osteuropa gewidmet, hier lesen Marjana Gaponenko und Artur Becker. Am zweiten Tag geht es um eine türkisch-deutsche Geschichte von Zafer Şenocak.
9.11.2016, 19.30 Uhr, literaturhaus.dortmund, Neuer Graben 78, Eintritt: 5,- €
10.11.2016, 19.30 Uhr, literaturhaus.dortmund, Neuer Graben 78, Eintritt: 5,- €

Für Lal Laleş ist Heimat ganz nah und gleichzeitig ganz weit weg. Er ist Kurde und wird über die aktuelle Situation seines Volkes berichten.
12.11.2016, 19.00 Uhr, literaturhaus.dortmund, Neuer Graben 78, Eintritt: frei

Studentinnen und Studenten des Fachbereichs Kulturwissenschaften gestalten einen kunterbunten Heimatabend mit Künstlern, Dichtern und Singer/Songwritern ihrer Wahl
12.11.2016, 19.30 Uhr Theater Fletch Bizzel, Humboldtstraße 45, Eintritt: 5,-

Die traditionelle Abschlussmatinee findet dieses Jahr nicht in der Sparkassenhalle statt, da diese umgebaut wird. Schade, denn es geht ums Geld. Daniel Berger liest aus dem Buch „Der gute Banker“ von Paul Murray. Mit dabei sind Moderatorin Hatice Akyün und Gregor Schnittker als Zeremonienmeister.
13.11.2016, 11.00 Uhr, Jazzclub domicil, Hansastraße 7-11, Eintritt: 13,- €

Noch ist nicht ganz Schluss. Der Adelbert-von-Chamisso-Preisträger Michael Stavaric stellt sein neues Kinderbuch „Milli Hasenfuß“ vor.
13.11.2016, 15.00 Uhr, literaturhaus.dortmund, Neuer Graben 78, Eintritt: frei




Reduzierte Farbigkeit mit Akzenten

Elke Emmert präsentiert Objekte, Malerei und Photografie.
Elke Emmert präsentiert Objekte, Malerei und Photografie.

Die aktuelle Ausstellung in der Galerie Dieter Fischer im Depot Dortmund zeigt Objekte, Malerei und Fotografie von Elke Emmert unter dem Titel „Akzente“. Die Künstlerin, die auch ein Atelier im Depot hat, zeigt neben reduzierter Farbigkeit auch Fotografie, bei der architektonische Motive und strenge Linien dominieren. Die Ausstellung läuft noch bis zum 13. November 2016.

Die Ausstellung trägt den Titel „Akzente“ von einer Serie, bei der Emmert überwiegend in Weiß und Grau arbeitet, aber dafür einen frechen Farbtupfer in Neonpink hinzufügt. Die Bilder in 30×30 cm haben für die Künstlerin den Vorteil, dass das Format sehr vielseitig sei.

Emmert arbeitet gerne in Serien, wie auch in der Serie „Konkret“. Hier dominiert Schwarz und weiß-schimmernden Collagelementen aus Transparenzpapier. Hierfür hat Emmert viele Schichten übereinander gemalt.Aus der Entfernung wirken diese Bilder wie eine Tafel mit Kreide.

Doch die Künstlerin kann auch bunt. Hochformate spielen mit Blau und Türkisfarben und auch andere abstrakte Werke zeigen punktuell gesetzte Farbakzente.

Zum ersten Mal stellt Emmert auch Fotografie aus. Hierbei stehen Linien und architektonische Elemente im Fokus. Das Thema wird wie in ihrer Malerei minimalistisch in Szene gesetzt.

Die Öffnungszeiten der Ausstellung sind von Donnerstag bis Sonntag von 17 bis 20 Uhr.