Ballettgala: Tanz als Zeichen für Verlangen

Wenn man sich die 16 Choreografien bei der 26. Ballettgala am 30. September und 01. Oktober nochmals in Erinnerung ruft, stehen viel im Spannungsfeld zwischen Mann und Frau. Kriegt er sie oder lässt sie ihn stehen? Bei den klassischen Choreografien sieht es meist gut aus, beim modernen Tanz ist das Ergebnis nicht so eindeutig. Dabei stachen an den beiden Tagen die Herren-Duos mit ihrer kunstvollen synchronen Bewegungen heraus.

Die Mischung macht‘s. Verschiedene Tanzstile, verschiedene Gaststars: Am erfolgreichen Rezept musste Ballettdirektor Xin Peng Wang nicht viel ändern, um die Ballettgala zu einem erneuten Erfolg zu machen.

Das Ensemble des Dortmunder Balletts begann und schloss den Abend mit Stücken aus dem Programm „Kontraste“. Zu Beginn präsentiert das Ensemble „Rain Dogs“ und beendete den Abend mit „Unitext“ und seiner sehr industrial-lastigen Musik. Dazwischen wurde mit „Hora“ auch der dritte Teil von „Kontraste“ präsentiert.

Auch unsere ständigen Gastsolisten Lucia Lacarra und Marlon Dino präsentierten im Stück „Penumbra“ nach der neoklasssichen Choreografie von Remi Wörtmeyer ihre feinfühlige Interpretation.

Dieses Mal tanzten Marlon Dino und Lucia Lacarra nicht die Kameliendame, sondern faszinierten mit dem Stück "Penumbra". (Foto: ©Charles Tandy)
Dieses Mal tanzten Marlon Dino und Lucia Lacarra nicht die Kameliendame, sondern faszinierten mit dem Stück „Penumbra“. (Foto: ©Charles Tandy)

Wer an Ballett denke, hat immer die Bilder des klassischen Balletts vor Augen. „Schwanensee“ und andere. „Schwanensee“ gab es dieses mal nicht, aber die Freunde absoluter Körperbeherrschung kamen auf ihre Kosten. Ganz besonders bejubelt wurde das japanische Paar Ayako Ono und Yudai Fukuoka, die bei „Sylvia“ und „Dornröschen“ ihr Können unter Beweis stellen.

Große Klassik war bereits vorher zu sehen bei „Gisele“, getanzt von Jurgita Dronina und Isaac Hernández (National Ballet of Canada/English National Ballet). Die beiden tanzten auch das langsame und sehr intensive neo-klassische Stück „Two pieces for Het“.

Sehr stark war das berührende Solo „Ssss“ nach der Choreografie von Edward Clug. Getanzt wurde es von Marijn Rademacher, der nach langer Verletzung endlich wieder auf der Bühne stehen konnte. Zu den Höhepunkten des Abends gehörten – wie schon erwähnt – die Herren-Duos. „Matching Thoughts“ und „Continuo“ wurden getanzt von Iker Murilo und Vitali Safronkine. Das dritte Stück „Two and only“ präsentierten Marijn Rademacher und Timothy van Poucke.

Aber nicht nur die Choreografien waren abwechslungsreich, sondern auch die Musik. Von einem Madrigal von Monteverdi über Chopin, Tschaikowsky bis hin zu Tom Waits und Indutrialklängen am Schluss reichte die Bandbreite. Wie gewohnt führte Kammersänger Hannes Brock mit seinem Humor durch das Programm.




Die Verwandlung: Transformation einer Familie

Was tun, wenn der Ernährer der Familie plötzlich ausfällt und darüber hinaus noch zur Last wird? Was macht das mit den Angehörigen? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt der Erzählung „Die Verwandlung“ von Franz Kafka. Antje Siebers machte aus dem Stoff für das Kinder- und Jugendtheater in Dortmund eine Geschichte über Emanzipation. Ein Premierenbericht vom 22. September 2107.

„Die Verwandlung“ gehört zur bekanntesten Geschichte von Kafka. Das surreale Ereignis, dass sich Gregor, der Sohn und wie sich herausstellt, der Ernährer der Familie, in ein Ungeziefer verwandelt, hat seinen festen Platz im Literaturkanon. Doch die Geschichte handelt von mehreren Verwandlungen, wie Sievers in ihrer Inszenierung herausarbeitet. Denn die übrigen Familienmitglieder (Eltern und Tochter) müssen sich neu orientieren und ihren eigenen Weg gehen. Das wird vor allem bei der Tochter Grete deutlich.

Gregor, der Sohn, ist Reisender und ernährt durch sein Geld die Familie. Die Eltern arbeiten nicht und lassen den Sohn sogar in dem Glauben, dass der Vater keinerlei Vermögen mehr hat, was sich aber als falsch herausstellt. Grete ist 16 und an Kleider sowie dem Violinspiel interessiert. Gregor will sie mit seinem Geld sogar auf ein Konservatorium schicken. Gregor fühlt sich ausgeschlossen und abgekapselt. So geht er in seinem Pflichtbewusstsein auf, bis zu jenem Tag der „Verwandlung“. Er wird vom Leistungsträger zum Leistungsempfänger und Hilfsbedürftigen. Die Familie muss sich jetzt um ihn kümmern, was sie zuerst gerne tut, dann aber feststellt, dass Gregor immer mehr zur Belastung wird. Gregor bemerkt dies und verweigert im Akt der Selbstaufopferung die Nahrung bis zu seinem Tod.

Die Verwandlung macht aber auch vor den anderen Familienmitgliedern nicht halt, teilweise aus Zwang. Denn das gesparte (und vor Gregor verschwiegene) Geld ist nur als Notgroschen gedacht und so müssen Vater, Mutter und Tochter Geld hinzuverdienen. Der Vater als eine Art Page, die Mutter näht und die Tochter arbeitet als Verkäuferin und bildet sich weiter. Daher endet die Geschichte, dass die Familie mit Zuversicht in die Zukunft blickt.

Siebers inszeniert „Die Verwandlung“ als Kammerstück mit Gregors Zimmer als Art Gucklochbühne, in das man hereinsehen kann, ihn aber (wie Kafka es wollte) nicht sieht. Er ist nur als Stimme (Philip Pelzer) präsent. Eine wichtige Rolle hat auch Ann-Kathrin Hinz als Schwester Grete. Sie spielt die Verwandlung der Grete von naiven Mädchen, die zu einer Frau reift, die Verantwortung trägt. Bezeichnend ist sie es, die öffentlich macht, dass Gregors Pflege die Familie langsam zerstört. Auch Vater (Andreas Ksienzyk) und Mutter (Chris Nonnast) werden in ihrer Entwicklung schön charakterisiert: Von am Boden zerstört über Schicksalsergebenheit bis hin zu neuer Hoffnung nach Gregors Tod. In ihrem neuen Leben hat das Dienstmädchen (Thorsten Schmidt) keinen Platz.

Trotz der doch traurigen Geschichte baut die Inszenierung von Siebers kleine Slapstickeinlagen ein, manches wirkt ein wenig wie aus der Stummfilmära. Das lockert den Stoff auf. Gesungen wurde auch: Unter anderen wurde die „Kleine Fabel“ von Kafka vertont.

Ist das Angesichts Gregors Schicksal herzlos? Zu Zeiten von Kafka gab es sicherlich mehr Krankheiten, die jemanden für immer ans Krankenbett fesseln konnten. Auch ein Unfall konnte den Ernährer von heute auf morgen für den Rest seines Lebens arbeitsunfähig machen. Für die Familie war dies eine Katastrophe, denn ein soziales Netz wie heute gab es damals sicherlich noch nicht. So wurde der Kranke zur Belastung und sein Tod auch ein Teil der Befreiung.

Siebers und die Schauspieler präsentierten die Feinheiten des bekannten Stückes, das mehr ist als nur Schullektüre. In unseren heutigen Zeiten mit Pflege- und Unfallversicherung mag die existentielle Not beim Ausfall des Hauptverdieners gemildert sein, doch beispielsweise kann die Pflege der Eltern eine enorme Belastung für eine Familie sein.

Siebers Inszenierung von „Die Verwandlung“ zeigt deutlich, dass Kafkas Stück nichts an Aktualität eingebüßt hat, ganz im Gegenteil. Sie ist auch keinesfalls nur an Jugendliche gerichtet, sondern richtet sich auch an Besucher, die älter sind. Alles in allem ein gelungener Abend.




Portraits und Universen

[fruitful_alert type=“alert-success“]Das Bild „Mercedes“ von Virginia Novarin. (Foto: © Virigina Novarin)[/fruitful_alert]

„Jeder Mensch ist eine Welt“. Das steht bereits im Talmud. Die Künstlerin Virginia Novarin sieht das ähnlich. Für sie sind Menschen Universen. Ihre Ausstellung „lauter Menschen – lauter Universen“ in der städtischen Galerie Torhaus Rombergpark präsentiert Portraits von Menschen und wie die Künstlerin sie sieht beziehungsweise, wie die Menschen gerne gesehen werden wollen. Die Ausstellung ist noch bis zum 17. September 2017 zu sehen.

Novarins Arbeiten wirken, als wären sie Illustrationen. Wie weit der Einblick in das jeweilige Leben geht, entscheiden die Beteiligten selbst. Die Künstlerin präsentiert eine Ausstellung mit Bildern von Menschen wie Du und Ich, die erahnen lassen, was die Person bewegt. Was sie mitzuteilen bereit ist – und welches Echo bei der Malerin ausgelöst wurde. Dabei entstanden farbige Werke, die sehr mit Symbolik aufgeladen sind wie beispielsweise gekrönte Vögel oder ähnliches, so dass die Motive ein wenig in den Bereich des magischen Realismus zu fallen scheinen.

Die gebürtige Argentinierin Virginia Novarin hat in Buenos Aires Kunst studiert und sich anschließend intensiv der Goldschmiedekunst gewidmet. Sie eröffnete eine eigene Werkstatt für Kunstobjekte in Buenos Aires und stellte in Argentinien, Chile und Uruguay aus. 1997 kam sie als freischaffende Künstlerin nach Deutschland.




Analog ist besser ?!

[fruitful_alert type=“alert-success“]Fünf Künstlerinnen und Künstler mit analoger Kunst im kunstbetrieb. (Foto: © der kunstbetrieb)[/fruitful_alert]

Die Ausstellung „Der Analog“ in der Dortmunder Galerie „der kunstbetrieb“ befasst sich mit dem physischen Akt des Schaffens. Die fünf teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler haben also an ihren Arbeiten selbst Hand angelegt und gemalt, geschweißt und gestaltet. Zu sehen ist der Analog noch bis zum …

Das digitale Zeitalter gebiert virtuelle Welten. Nichts scheint mehr real. Doch die Kunst ist auch ein Hort des analogen Schaffens. Auch wenn Videokünstler und Co. Jetzt meckern werden (tolle Ausstellungen in dem Bereich gibt es oft im HMKV, im Künstlerhaus oder in Kunstverein), für die meisten Menschen ist Kunst ein physisches Schaffen. Der eine malt, die andere modelliert und am Ende entsteht etwas haptisches. Auch wenn der „Engel“ von Almut Rybarsch sich deutlich besser anfassen lässt als die filigranen Skulpturen von Udo Unkel, die scharfkantig und zerbrechlich zugleich wirken.

Analog zu sein bedeutet auch, in gewisser Weise Unikat zu sein. Einmalig also. Denn sie wurden alle aus einem bestimmten Stoff geschaffen, der nicht einfach 1:1 kopierbar ist. Die Farbpigmente, die Anke Droste für ihr Bild „XY“ benutzt hat, sind nur dort vorhanden und sind nicht in 1 und 0 aufgelöst und überall auf der Welt gleichzeitig verfügbar.

Hinzu kommt, dass in der Ausstellung die Werke miteinander in Kontakt stehen. Drostes Horizont wird in den Skulpturen von Unkel aufgenommen, Rybarschs Fisch und Engel stehen nicht nur als Objekt an sich, sondern sind künstlerische Raumteiler, die die Besucher durch die Ausstellung führen.

Hier lenken sie den Weg zu den Installationen von Susanne Grytzka, die Stoffballenhalter künstlerische verfremdet oder zu Mathes Schweinberger, der mit seinen Zeichnungen aus der Dortmunder Nordstadt ein gewisses Heimatgefühl erzeugt.

Insgesamt zeigt die Ausstellung fünf unterschiedliche Positionen, die sich trotz ihrer Verschiedenheit zu einem Ganzen verknüpfen.




Von Geräuschen und Klängen

[fruitful_alert type=“alert-success“]Verbindung zwischen Rauminstallation und Raumklang: Die Arbeit „3’2,2 m³ von Miriam Hamann. (Foto: © Künstlerhaus Dortmund)[/fruitful_alert]

Der Mensch nimmt einen großen Teil seiner Wahrnehmung über die Augen auf. Doch es gibt einen „blind spot“. So lautet der Name der aktuellen Austellung im Künstlerhaus. „Nicht alles in der Welt ist akustisch erfahrbar“, so die Kuratorin Denise Ritter. Die sechs Künstlerinnen und Künstler aus der Schweiz, Österreich und Deutschland arbeiten alle mit Klängen und Geräuschen. Sie nutzen den Raum oder geben dem Besucher die Möglichkeit mittels Kopfhörer in die Klangwelt einzutauchen. Die Ausstellung „blind spot“ wird am 01. September eröffnet und ist bis zum 08. Oktober zu sehen.

Im Keller des Künstlerhauses hat Anja Erdmann ihre Zelte ausgeschlagen. Sie benutzt Motoren als Klangerzeuger und LEDs als Beleuchtungselemente. So wird der Keller nicht nur zu einem Raum voller akustischer Reize, sondern bietet auch Möglichkeiten der visuellen Imagination. Das durchkomponierte Stück eröffnet dem besucher neue Möglichkeiten der Raumwahrnehmung.

Die Arbeit von Miriam Hamann scheinen auf den ersten Blick nur eine skulpturale Arbeit zu sein. Denn die Form der Objekte, hier Teile von Lüftungsschächten, werden dem Raum angepasst. Doch Hamann fügt über den Klang eine weitere Ebene hinzu. Mittels ferngesteuerter Ventilatoren öffnen sich die Lüftungsklappen und schließen sich wieder, so dass Klänge entstehen. Wie auch bei Erdmann hat die Künstlerin ein Stück durchkomponiert.

Wie klingen eigentlich Gehirnströme? Christoph Illing hat die Aufnahmen eines EEG akustisch umgesetzt und in eine Klanginstallation verwandelt. Jeder Lautsprecher ist eine Elektrode und die Klänge, die erzeugt werden, hören sich mitunter sehr gespenstisch an. Die Aufzeichnungen entstammen einem sprachwissenschaftlichen Eperiment.

Einen eigenen Raum im Raum schafft Martina Lussi. Ein Scheinwerfer projiziert einen weißen Kreis auf dem Boden. Der Besucher kann mittels eines Lautsprechers den Klängen und Anweisungen von Lussi Folge leisten und um den Kreis gehen. Durch die sphärische Musik im Hintergrund hat die Arbeit etwas meditatives an sich.

Evgenija Wassilew hat den Fahrtwind beim Autofahren in dünnen Glasröhren aufgenommen. Dabei wurden Geschwindigkeiten von 220 km/h erreicht., der Windgeschwindigkeit eines Orkans. Die Töne, die entstanden sind, reichen von Pfeifen, Windschlag bis hin zum Übersteuern des Mikrophons, denn die Geräte sind an ihre technischen Grenzen gestoßen. Die Glasröhren dienen nicht nur der visuellen Gestaltung des Raumes, sondern zeigen auch die Fragilität der Aufnahmesituation.

Analog, Digital und wieder zurück. Achim Zepezauer, Dortmunder Künstler, schafft mit seiner „Cardtalk Cutting Lathe“ Maschine einen Spagat zwischen Analog und Digital. Sprache wird aufgenommen und auf eine ausgediente CD geschnitten. Das besondere dabei, dadurch kann man die CD auf einem normalen Plattenspieler abspielen. Den gibt es auch noch dazu. Aus Karton. Daher ist es möglich, mittels Bleistift die entstandene CD-Schallplatte auf dem Karton-Plattenspieler zu hören.

Besondere Veranstaltungen zur Ausstellung:

02.09. 2017 16-18 Uhr Workshop mit Klangkünstler Marcus Bauter für Jugendliche und Erwachsene

02.09. 2017 18:30 bis 19:30 Kuratorinnenführung

02.09. 2017 20 Uhr Installative Performance und experimentelle Musik

16.09., 23.09. und 24.09. 2017 robot sounds – Film- und Klangworkshop für Kinde rund Jugendliche von 10 bis 14 Jahre

Künstlerhaus Dortmund
Sunderweg 1
Öffnungszeiten: Donnerstag bis Sonntag 16 bis 19 Uhr




Die Faszination Wasser

[fruitful_alert type=“alert-success“]Die Vielfalt der Farben des Meeres symbolisiert Margarita Eppendorf mit dieser Installation.[/fruitful_alert]

Schon seit Jahren beschäftigt sich die Künstlerin Margareta Eppendorf mit dem Thema Wasser oder dem „Blauen Gold“ wie sie ihre aktuelle Ausstellung im Torhaus Rombergpark nennt. Dabei geht es nicht nur um die Faszination dieses Elements, sondern auch um eine kritische Betrachtung von Wasserwirtschaft und der Privatisierung von Wasser. Die Ausstellung ist vom 30. Juli bis zum 20. August 2017 zu sehen.

Wasser ist der Quelle des Lebens. Es ist schwer vorstellbar, dass es irgendwo im Universum Leben geben könnte ohne Dihydrogenmonoxid. So bezeichnen Chemiker scherzhaft Wasser, denn es besteht aus zwei Wasserstoffatomen und einem Sauerstoffatom – kurz und bekannter als H2O.

Wasser war auch immer der Träger von Zivilisation. Ohne die Beherrschung von Wasser gäbe es wohl weder die sumerische Zivilisation, ganz zu Schweigen von der ägyptischen, die stark vom Nil abhängig war.

Die Faszination von Wasser zeigt Eppendorf in mehreren Arbeiten. In der „Blauen Symphonie“ zeigt sie acht Bilder, die mit kräftigen Blautönen die Kraft des Wassers beschreiben, doch dabei durch ihre halb abstrakten Motive den Betrachter einladen, sich seine eigenen Gedanken zu machen.

Interessant ist auch das Triptychon „Blau“, das – wie der Titel vermuten lässt – aus drei Bildern besteht, die wiederum aus mehreren kleineren Bildern zusammengesetzt sind. Ähnlich wie ein Puzzle zeigt das Triptychon in seine Gesamtheit die Lebendigkeit von Wellen.

Eppendorf ist von den verschiedenen Farben des Wassers angetan. In „Farbe des Wassers“ zeigt sie in einer Installation 90 mit Tinte gefüllte Folienbeutel, die die unterschiedlichen Farben des Meeres repräsentieren. Die Künstlerin begeistert sich vor allem für das südliche Wasser und war schon des öfteren in Mexiko oder auf Kuba.

Doch Eppendorf wirft in ihren Werken auch einen anderen Blick auf das Wasser. Wasserwirtschaft, industrielle Nutzung von Wasser und die Privatisierung sind die Themen in den Arbeiten „Hydropiraterie“, „DURST“ oder in der Videoinstallation „Gedächtnis des Wasser.

Die Öffnungszeiten der Galerie Torhaus Rombergpark sind dienstags bis samstag 14 bis 18 Uhr, sonntags und feiertags von 10 bis 18 Uhr.

Ein kraftvolles Blau benutzt Margareta Eppendorf für ihre Meeres-Bilder.




Nordstadt-Geschichten

Was ist die Nordstadt? Für die einen eine Art Favela, in die man sich nicht hinein traut, schon gar nicht bei Dunkelheit, für die anderen ist es hippe Mischung zwischen Künstlerbohème und Multikulti. Das Theater im Depot präsentierte das Programm „Sprich mit mir“ als Nachfolgeprojekt von „Schau mich an“. Hier erzählen die Bewohner unter der Regie von André Wülfing des Stadtviertels Geschichten – traurige, lustige und nachdenkliche.

Der Beginn des Stückes erinnerte noch kurz an das Pilotprojekt „Schau mich an“: zwei Menschen sitzen sich gegenüber, schauen sich an, aber sprechen nicht. Aus dieser Wahrnehmung des Anderen ergibt sich der nächste Schritt. Nachdem man sein Gegenüber wahrgenommen hat, möchte man in Kontakt mit ihn oder ihr treten. Die erfolgreichen und erfolglosen Versuche werden in kaleidoskopartigen Szenen aufgeführt.

Untermalt von Geräuschen vom Nordmarkt kommen skurrile oder traurige Geschichten zum Vorschein. Der weibliche Anmachversuch in der Straßenbahn wird vom männlichen Gegenüber irritiert zur Kenntnis genommen, in einer späteren Szene dreht sich das Spiel. Nun ist es der Mann, der die Frau versucht zu überreden, zu ihm zu kommen. Aber ohne Erfolg.

Neben den Geschichten um die multikulturelle Entwicklung der Nordstadt geht es auch um berührende Ereignisse, die im Kopf des Zuschauers haften bleiben. Dazu gehört die Geschichte einer alten Frau, die dem Altersheim entflieht, nur um wieder in ihrer Wohnung in der Nordstadt zu leben und die Erzählung eines Mannes, der bei einem Autounfall seinen Sohn verloren hat.

Versteht man die Nordstadt und ihre Bewohner nach dem Stück jetzt besser? Nein, das nicht. Aber man kommt ihnen ein Stück näher. Zwischen Romantik und Verdammnis blüht etwas im Verborgenen: die Menschlichkeit.




Dennemanns Mixtape

Diejenigen, die die Programme von Rolf Dennemann, dem Kopf von artscenico, bereits länger verfolgen, werden bei seinem neuen Programm „Rosinenblues II“ einige bekannte Geschichten wiederentdecken. Doch Dennemann schafft es, die Texte so vorzutragen, dass sie auch beim zweiten Mal noch spannend und interessant klingen. Dabei halfen ihm die Musiker Thomas Erkelenz und Gregor Hengesbach. Ein Bericht vom 08.07.2017 aus dem Theater im Depot.

Dennmann mixt beim „Rosinenblues II“ Texte aus seinem ersten Rosinenblues-Programm aus dem Jahre 2014 mit seinen Krankenhaus-Geschichten „Unterwegs mit seinem Körper“ von 2015. Auch das Setting ist wie beim ersten „Rosinenblues“: Dennemann erzählt, Erkelenz und Hengesbach spielen dazu, machen Geräusche, die nach Weltmusik oder „Ethno“ klingen und gut zu den ab und an ins surreale abdriftenden Geschichten passen.

Gut ist Dennemann immer, wenn er als akribischer Beobachter die Realität beschreibt und die ist manchmal skurriler als mancher Traum. Denn er bekommt nach eigener Aussage Albträume,wenn er Rosinenbrot mit Käse isst. Daher der Titel.

Mit der lakonischen Gelassenheit eines Ruhrgebietlers beschreibt er die Erlebnisse als Alleinreisender im Restaurant oder den Tag in einem Krankenhaus. Seine gesprochene und gesungene Hommage an seine Geburtsstadt Gelsenkirchen darf natürlich nicht fehlen. Bei Dennemann wird Gelsenkirchen zu „Gelsenkirky“.

Was bleibt vom „Rosinenblues II“? Die, die Dennemann schon länger kennen, würden sich sicher über mehr neue Geschichten freuen, für alle die es noch nicht kennen: Es lohnt sich.




All you need is love and Britain

[fruitful_alert type=“alert-success“]Cupid (Sophie Junker) erwärmt das Frostelementar (Sebastian myrus). (Foto: © Barton Kirchmann)[/fruitful_alert]

„King Arthur“ von Henry Purcell in der Reinoldikirche. Eines der Höhepunkte des diesjährigen Festivals „Klangvokal“. Trotz der etwas ungewohnten Form eines Erzählers verzaubert die Oper heute noch. Vor allem, weil sie so herrlich un-opernhaft ist.

Die Legende von König Artus kennen Sie sicher. Auch von Merlin werden Sie vielleicht gehört haben. Beide kommen als Gesangsrollen aber nicht vor. Henry Purcell hat die Artus-Legende noch ein wenig mit Figuren wie Schäferinnen und Schäfer, Pan, Comus, Venus angereichert, so dass eigentlich eine kleine Nummern-Revue entstanden ist. Vaudeville aus der Barockzeit. Viel Liebe und im Schlussakt eine gehörige Portion Patriotismus.

So kommt es, dass ein Frostelementar, eine der berühmtesten Arien „What power art thou“ singt. Manchen ist die Arie auch unter „Cold song“ bekannt, das durch Klaus Nomi in den 80er Jahren bekannt wurde. Nomi, der kein „Pop-Barde“ war, wie das Programmheft suggerieren will, sondern Countertenor mit klassischem Hintergrund, hat die Arie in den 80er Jahren bekannt gemacht und auch den Countertenor in den Fokus der Öffentlichkeit.

Ein weiterer Spaß am Rande: In der Arie sind Comus (in der Mythologie ein Sohn von Dionysos) ein Schmählied auf die Kirchenabgaben. „Warum sollte der Dummkopf [gemeint ist der Pfarrer] den Zehnten bekommen“. Das in einer Kirche…Musikalisch ist das Lied auch ein schönes Beispiel wie Purcell und die Volksmusik sich beeinflusst haben müssen, denn das Lied könnte heute zum Repertoire einer jeden Folk-Band gehören.

Da passt es ganz gut, dass ein Erzähler, François van Eeckhaute, uns die Geschichte dazu erzählt. Den größten Teil übernehmen die Sängerinnen und Sänger und das Orchester: Vox Luminis aus Belgien.

Man spürte schnell, dass alle Beteiligten großen Spaß an der Inszenierung hatten. Es wurde gealbert, aber auch ernsthaft gesungen. Sophie Junker verzauberte als „Cupid“, wir froren mit dem Frostelementar (Sebastian Myrus) und feierten mit Comus (Robert Buckland). Alle Solisten bildeten bei bedarf auch den Chor, beispielsweise den der siegesfrohen Sachsen gleich Beginn.

Das Orchester fügte sich nahtlos in die gute Vorstellung ein. Herauszuheben waren Rudolf Lörinc und Moritz Görg an der Trompete sowie Mariana Soroka an den unterschiedlichen Percussions.

Auch wenn es ein wunderbarer Abend war: Mein Traum wäre „King Arthur“ in einer Inszenierung mit dem Puppentheater „Buchty a loutky“, die Händels „Acis und Galatea“ aufgeführt haben.




Geistliche Musik durch die Jahrhunderte

[fruitful_alert type=“alert-success“]Tenebrae verzauberte die Besucher der Bonifatiuskirche durch eine beeindruckende Performance. (Foto: © Bülent Kirschbaum) /fruitful_alert]

Ein besonderes Programm präsentierte der Chor „Tenebrae“ aus England am 23.06.17 im Rahmen des Festivals „Klangvokal“ in der Bonifatiuskirche. Geistliche Lieder von der Renaissance bis zur Neuzeit skizzierten die musikalische Hingabe von gläubigen Menschen. „Tenebrae“ bedeutet übersetzt „Dunkelheit“ oder „Finsternis“, ist aber auch ein Begriff für die Karmette zu den drei Kartagen Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag. Kein Wunder, dass viele Texte die Themen „Tod“ und „Hoffnung auf Auserstehung“ behandelten.

Der erste Teil des Programmswar den Komponisten der Renaissance und des Frühbarocks gewidmet. Spontanen Sonderapplaus gab es für die wunderbare Interpretation der „Burial Sentences“ von William Croft, wobei ein Teil von Henry Purcell komponiert wurde. Das Stück ist in England sehr bekannt, weil es oft bei Staatsbegräbnissen gespielt wird.

Danach ging es ein wenig in die Zeit zurück. Drei Stücke von Thomas Tallis, einem englischen Komponisten der Reformationszeit, zeigten mit welcher Klangkunst das 16. Jahrhundert die gregorianische Musik veredelte.

Am Ende stand wiederum ein Klassiker: Das „Miserere mei, Deus“ von Gregorio Allegri ist ebenso schön wie bekannt und wurde von den Künstlerinnen und Künstlern in Perfektion dargebracht.

Der zweite Teil war den modernen Komponisten gewidmet und hatte mit drei Werken von John Tavener einen ersten Höhepunkt. Tavener, ein Engländer, der zum orthodoxen Glauben konvertierte, zeigt dies auch in seiner Musik. Sein „Funeral Ikos“ zitiert orthodoxe Riten bei der Beerdigung und auch die Musik ist durch die orthodoxe Gregorianik beeinflusst. Das dritte Stück von Tavener „Song for Athene“ verbindet den Komponisten mit William Croft, denn das Lied wurde wie auch die „Burial Sentences“ bei der Beerdigung von Prinzessin Diana gespielt.

Orthodox ging es weiter, denn der Chor präsentierte zwei Versionen des „Cherubikon“-Gesangs. Das erste von Rachmaninow, das zweite von Chesnokov. Nach zwei Arbeiten des Spätromantikers Holst endete das Konzert mit den Zeitgenossen Whitcore und Harris.

Musikalisch war das Konzert von allererste Güte. Die Sängerinnen und Sänger nutzten den Raum der Bonifatiuskirche optimal aus und zeigten große Vokalkunst.