Klangvokal 2018 – Auf Entdeckungstour durch Südamerika
Am 26. Mai konnten die Besucher auf eine musikalische Entdeckungsreise durch das spanische Südamerika gehen. Und dies in ungewöhnlicher Atmosphäre. Die Maschinenhalle der ehemaligen Zeche Zollern II öffnete ihre Tore für „Carmina latina“, dargeboten durch den Chœur de Chambre de Namur, dem Orchester und Solisten der Capella Mediterranea unter der Leitung von Leonardo García Alarcón.
Auf dem Programm standen Komponisten der Renaissance und des Barock, die zwar überwiegend in Spanien geboren waren, manche davon gelangten aber auf unterschiedliche Weise in die damals noch junge Welt.
Namen wie Juan de Araujo, Gaspar Fernandez oder Mateo Flecha werden nur dem ausgewiesenen Experten etwas sagen und das ist sehr schade. Denn die dargebotene Musik ist absolut mitreißend. Ein wunderbares Beispiel ist Mateo Flechas „La Bomba“. Flecha lebte von 1481-1553 und entwickelte eine spanische Musikform, die „Ensalada“. Der „Salat“ ist eine Mischung aus verschiedenen Elementen: bekannte Melodien, verschiedene Sprachen, weltliche und religiöse Texte. „La bomba“ oder „Die Pumpe“ handelt von Seeleuten, die auf einem untergehenden Schiff auf Rettung hoffen. Exquisit dargeboten von den Solisten Mariana Flores (Sopran), Leandro Marziotte (Alt), Valerio Contaldo (Tenor) und Matteo Ballotto (Bass).
Das Konzert hatte auch leise Töne. Nicht nur die geistlichen Lieder wie das „Salve regina“ von Juan de Araujo oder das „Magnificat“ von Francisco Correa de Araujo, sondern auch kleine weltliche Lieder wie das „Romerico florido“ von Matheo Romero, sorgten für atemlose Stille.
Die Musiker und Sänger kamen nicht ohne Zugaben aus. Die zweite Zugabe war das bekannte Lied „Alfonsoina y el Mar“, großartig interpretiert von Flores und dem Gitarristen Quito Gato.
Ein erlebnisreicher Abend, der Appetit gemacht hat, auf mehr Musik aus Spanien und Südamerika.
Wie hitlert man am besten oder ist Opas Theater tot?
„Was wollte der Regisseur uns damit sagen?“, „Viel zu viel Technik und Video“ oder „Müssen immer alle nackig sein?“ Wenn Theaterbesucher eine – sagen wir mal – ausgefallene Interpretation eines bekannten Werkes erleben, fallen danach im Foyer diese oder ähnliche Sätze. Wie muss denn beispielsweise ein Hamlet gespielt werden? So wie im Original? Als Parodie? Oder mal als Frau besetzt?
„Ein bisschen Ruhe vor dem Sturm“ von Theresia Walser in der Inszenierung von Thorsten Bihegue ist eine Komödie für Theatergänger, in der die unterschiedlichen Positionen, wie Theater denn gemacht werden sollte, aufeinander prallen. Und das ausgerechnet an einer Person, die unspielbarer nicht vorzustellen ist: Hitler. Ein Premierenbericht vom 25.Mai 2018 aus dem Studio des Schauspielhauses Dortmund.
Die Situation: Drei Personen warten in einem ominösen Raum auf ihren Auftritt. Franz Prächtel (Uwe Rohbeck), Peter Soest (Ekkehard Freye) und Ulli Lerch (Alexandra Sinelnikowa). Prächtel ist Schauspieler alter Schule, dessen Präferenz eindeutig die Werktreue ist. Er ist der Figur des Bruno Ganz angelehnt, der Hitler in „Der Untergang“ versucht hatte, extrem naturalistisch zu spielen und sogar Hitlers Parkinsonsche Zittern studiert hat. Soest hat ebenfalls Hitler gespielt, aber eher in einer parodistischen Weise, um die Unspielbarkeit darzustellen. Lerch ist weiblich und hat es nur bis zum „Goebbels“ geschafft. Sie kommt aus dem modernen Regietheater, bei dem alte Zöpfe abgeschnitten werden und auch Frauen in typischen Männerrollen agieren.
Aus diesen unterschiedlichen Auffassungen von Theater entwickeln sich abstruse Dialoge, die auf köstlicher Weise die Klischees bloßlegen. Wenn beispielsweise Lerch erzählt, bei der nächsten „Hamlet“ Aufführung, sei sie einer von sieben „Hamlets“, die auf der Bühne stehen, dann geht ein Grinsen durchs Publikum, denn fast jeder hat so eine „moderne Inszenierung“ bereits erlebt.
Rohbeck ist der Star des Abends. In seiner weißen Paradeuniform reagiert er zunächst nur mit seinem Minenspiel auf die Thesen seiner jungen Kollegin, um dann im Laufe des Stückes immer mehr die zu einem Hitler-Imitat zu mutieren. Seine Bissigkeit gegenüber dem Regietheater bleibt aber bestehen.
Rohbecks Kollegen stehen ihm aber nicht nach: Freye ist ein einer Phantasieuniform gekleidet, die angelehnt ist an Helmut Berger in der Verfilmung von „Salon Kitty“: Eine Art Superheldenkostüm für die SS. Sein Charakter Soest ist sehr opportunistisch. Er gibt Prächtel recht, einige Augenblicke später dann wieder Lerch. Soest alias Freye darf gegen Ende des Stückes auch ein Lied zum besten geben: als Hitler in rosafarbenen Fellstrumpfhosen mit Blumen in der Hand.
Sinelnikowa spielt die Repräsentantin des „modernen Theaters“, das von Prächtel nicht ernst genommen wird. Lerchs These ist „Opas Theater ist tot“. Dabei hat Lerch am eigenen Leib gespürt, dass die unbedingte Freiheit der Kunst, Grenzen gesetzt bekommt, wenn plötzlich Morddrohungen auftauchen.
Alles in allem ist „Ein bisschen Ruhr vor dem Sturm“ eine wunderbare Komödie über das Theater und seine Marotten. Im Laufe des Stückes geht es mehr darum, wie Theater in der Zukunft funktionieren soll und welche Tabus es gibt, als um die Frage wie man Hitler richtig darstellt. Wer sich generell für das Theater interessiert, sollte das Stück besuchen. Rohbeck, Freye und Sinelnikowa sind großartig und der Kostümbildnerin Mona Ulrich gehört ein ganz dickes Lob.
Am 20. Mai 2018 ging die Schatzsuche beim Festival Klangvokal weiter. Nach Albanien ging es in den Norden nach Estland. Der Estnische Philharmonische Kammerchor unter der Leitung von Kaspars Putniņš sang in der Nikolaikirche Werke der estnischen Komponisten Avro Pärt, Cyrillus Kreek und Veljo Tormis.
Zu Beginn erklangen Stücke des wohl berühmtesten estnischen Komponisten Pärt. Die Auswahl erfolgte beinahe chronologisch, so begann der Abend mit „Solfeggio“, einem Werk von 1963, das einen eher rationalen Zugang zum musikalischen Material besitzt. Nach Pärts Übertritt zur russisch-orthodoxen Kirche wurde auch seine Musik religiös. Faszinierend ist zu hören, in wie vielen Sprachen Pärts Werke gehalten sind. So sang der Chor bei „Summa“ auf Latein, bei „Zwei Beter“ auf Deutsch, „The Woman with the Alabaster Box“ auf Englisch und „Dopo la vittoria“ auf Italienisch.
Danach folgten drei Stücke von Cyrillus Kreeg (1889-1962) aus seinem Zyklus „Taaveti Laulud (Davids Psalmen). Kreeg kann man sicher zu den Neoklassikern zählen. Die Entdeckung des Abends war jedoch Veljo Tormis (1930-2017). Ebenso wie Kreeg sammelte er die folkloristischen Lieder seiner estnischen Heimat und lies sie in seine Musik einfließen. Zu hören waren die „Lieder zum St. Johannestag“. Der „Johannestag“ ist die christliche Überstülpung der Sonnenwendfeier, die von vielen Völkern seit Jahrtausenden gefeiert wird. Tormis lässt die archaischen und heidnischen Ursprünge des Festes in seiner Musik wieder aufleben. Nicht nur durch die Vertonung von „Feuerzaubern“, sondern durch die expressive Art der Musik.
Ein großer Dank gilt dem Chor, der uns in der Nikolaikirche den Nordosten Europas näher gebracht und mit seinen großartigen Stimmen einen gelungenen Abend beschert hat.
Klangvokal 2018 – Auf Schatzsuche nach Albanien
Entdecker neuer Musik kamen am 19. Mai 2018 im domicil auf ihre Kosten. Mit der Gruppe Saz‘iso kam als Deutschlandpremiere – die traditionelle Musik aus dem Süden Albaniens auf die Bühne des Jazzclubs. Die acht Musikerinnen und Musiker sorgten für ausgelassene Stimmung nicht nur bei den Besuchern der albanischen Community.
Das besondere der Musik von Saz‘iso ist die sogenannte Iso-Polyphonie. Einer besonderen Art der Mehrstimmigkeit (Polyphonie), bei der die Solostimmen zusätzlich mit einem tiefen Halteton (Bordun) kombiniert wird. Bei der Gruppe war es in der Regel die Violine (Aurel Qirjo), der mit seinem Spiel auf seinem Instrument drone-artig die Sängerinnen und Sänger begleitete.
Eine weitere Besonderheit ist auch die Instrumentierung. Ende des 19. Jahrhundert begann eine Zuwanderungswelle in die Stadt hinein. Dieses Phänomen passierte weltweit und brachte neue Musikformen hervor wie den Jazz oder den Tango. Die Verknüpfung zwischen der Musik der Landbevölkerung und der Stadtgesellschaft schlug sich in der Instrumentierung nieder und befruchtete sich gegenseitig. Neben archaischen Instrumenten wie der Flöte, kommen beispielsweise bei Saz‘iso auch die Violine oder die Klarinette hinzu.
Was erhalten blieb waren die alten Geschichten über die Liebe und den Tod, denn diese Ensembles spielten auf Hochzeiten ebenso wie auf Beerdigungen. Daher finden sich herzerweichende Liebeslieder wie „Penxherenë e zotrisë sate“, das einen durchaus erotischen Charakter hat, neben melancholischen traurigen Melodien und Instrumentalstücken.
Eine wichtige Komponente ist aber der Tanz und hier sprang der Funke direkt zum Publikum über. Nach den drei offiziellen Zugaben wurde direkt im Publikum weitergespielt und die Musiker zogen bis in den Kassenbereich des domicils.
Neben erstklassigen Könnern auf ihren Instrumenten konnte Qirjo zeigen, dass er auf der Violine nicht nur die Bordun-Begleitung beherrscht. Die beiden Sängerinnen Donika Pecallari und Adrianna Thanou sowie Sänger Robert Tralo bewiesen hohe Gesangskunst. Von tiefer Trauer bis ausgelassener Fröhlichkeit – alles kam von Herzen.
Neben Quiro spielten Pellumb Meta (Gesang, Laute und Flöte), Agron Murat (Laute), Agron Nasi (Handtrommel) und Telando Feto (Klarinette).
Wer das Konzert verpasst hat (oder nochmal erleben möchte), dem sei die CD/LP „At least Wave Your Handkerchief At Me“ der Band ans Herz gelegt.
Klangvokal 2018 – Musikerfamilie Bach
Wenn es ein Name verpflichtet Musiker zu werden, dann ist es wohl „Bach“. Knapp 80 Musiker haben eifrige Familienforscher ausmachen könne, angefangen vom Stammvater Veit Bach, der Bäcker und Amateurmusiker(!) war. Vox Luminis aus Belgien präsentierten am 12.Mai 2018 in der Marienkirche Motetten aus dem „Familienalbum“ des Bachs, die im übrigen ihren Söhnen gerne den Vornamen „Johann“ gaben.
So erklangen zunächst zwei Motetten von Johann Bach (1604-1673) , den Begründer der Erfurter Linie: „Sei nun wieder zufrieden“ und „Unser Leben ist ein Schatten“. Gerade die erste Motette lies die Inspiration von Komponisten wie Schütz erahnen, denn auch Bach arbeitet mit dem Raumklang und ließ einen Chor aus großer Entfernung singen.
Weiter ging es mit vier Motetten von Johann Michael Bach (1648-1994) und zwei von Johann Christoph Bach (1642-1703).
Danach war ein Zeitgenosse von Johann Sebastian an der Reihe: Johann Ludwig Bach (1677-1731). Die schätzen auch einander und Johann Sebastian führte einige Kantaten seines Verwandten auf. Zu Gehör kamen seine beiden Motetten „Das Blut Jesu Christi“ und „Das ist meine Freude“.
Den Schlusspunkt setzte der berühmteste Bach: Johann Sebastian (1685-1750). mit seinem Werk „Jesu, meine Freude“.
Es war ein sehr inspirierendes Konzert in der Marienkirche, denn die Musik der Vorgänger von Bach hört man in den Konzertsälen nicht allzu oft, denn es ist auch sehr wenig überliefert. Dennoch konnten die Zuhörer einen kleinen Einblick in die musikalische Entstehung der Barockmusik bekommen – von den Anfängen bei Johann Bach bis hin zur Vollendung bei Johann Sebastian.
Vox Luminis konnte wie im vergangenen Jahr bei „King Arthur“ wieder mit ihren wunderbaren Stimmen überzeugen.
Klangvokal 2018 – Mit Gloria ins Festival
Das Eröffnungskonzert des diesjährigen Klangvokal-Festivals am 11. Mai 2018 feierte den 100. Geburtstag des Komponisten Leonard Bernstein. Im Konzerthaus erklangen von im die 1. Sinfonie und die Chichester Psalms. Vor der Pause spielte das WDR Funkhausorchester unter der Leitung von Wayne Marshall „The fruit of silence“ von Peteris Vasks und Das „Gloria“ von Francis Poulenc.
Der Höhepunkt vor der Pause war das „Gloria“ von Poulenc. Ein sehr rhythmisches Stück mit viel musikalischem Humor. Hier konnten die Musiker so wie die beiden Chöre (Kammerchor der TU Dortmund und der Philharmonische Chor Essen) Poulencs Meisterwerk mit ihre Kunst würdigen. Besonders der Schluss „Qui sedes ad dexteram Patris“ ist beeindruckend. Genauso beeindruckend war die Sporanistin Elena Gorshunova.
Mehr religiöse Ernsthaftigkeit hatte Peteris Vasks Werk „The fruit of silence“. Das etwa sechs Minuten lange Stück besticht durch ihren meditativen Charakter.
Nach der Pause erklang Musik von Bernstein. Seine erste Sinfonie erzählt die Geschichte des Propheten Jeremia und enthält Texte auf Hebräisch, die von der Zerstörung Jerusalems und des Tempels künden. Der erste Satz ist im düsteren Ton gehalten, während er zweite Satz das entstandene Chaos nach der Zerstörung musikalisch umsetzt. Die Klage im dritten Satz wurde gekonnt von der Mezzosopranistin Christa Mayer gesungen.
Der Schluss gehörte den „Chicester Psalms“. Auch hier waren die Texte auf Hebräisch, dessen Sprachmelodie auch das Stück prägen. Ungewohnte Taktarten wie 7/4 im ersten Teil sind bewusste gewählt, denn die Zahl 7 hat im Judentum und Christentum eine besondere Bedeutung. Zu Beginn des zweiten Satz hatte Ben Walz seinen großen Auftritt. Er sang den Knabensopran mit Bravour und bekam am Ende wie alle Beteiligten stehende Ovationen.
Das Motto des diesjährigen Klangvokal-Festival lautet ja „Schatzsuche“. Mit dem Eröffnungskonzert hat man bereits am ersten Tag eine riesige Schatztruhe gefunden. Es ist war nicht alles Gold was glänzt (Vasks), aber allein das „Gloria“ war den Besuch des Konzertes wert. Auch der große amerikanische Komponist und Dirigent Bernstein hat einige Schätze komponiert, die durchaus öfter auf den Spielplänen stehen könnten.
Juckpulver und Hagebuttentee – mitten aus der echten Nordstadt
Das hätte sich Regisseur und Mastermind Rolf Dennemann nicht besser ausdenken könne. Während der Premiere von „Juckpulver und Hagebuttentee“ am 05. Mai 2018 im Hinterhof der Missundestraße 8-12, brach ein real existierender Nachbarstreit aus. Mit wüsten Beschimpfungen. Auf der Zuschauerbühne gab es zuerst einige Irritationen, ob denn das zum Stück gehörte. Aber es passte ideal in die Kulisse und das Stück.
Zum Inhalt: Deniz (Linus Ebner)kommt nach seinem Studium des „Manager of Communication“ wieder zurück in seine alte Heimat, die Dortmunder Nordstadt, und versucht den schlechten Ruf zu verbessern. Wie macht man das? Natürlich mit einem Casting für das Stück „Im Tal der fliegenden Messer“.
Somit ist den Besuchern klar: Der zweite Teil ist ein Prequel vom Vorgängerstück, das im vergangenen Jahr Premiere hatte. Mit dabei sind auch die skurrilen Typen aus der Nachbarschaft wie Walla (Thomas Kemper) und Kalla (Mathias Hecht). Hier erfährt der Besucher, warum sie im zweiten Teil zu Ommas werden.
Das aktuelle Stück beginnt dort, wo das letztjährige Stück endete: Bei den alten Garagen. Der überwiegende Teil des Ensembles von „Juckpulver und Hagebuttentee“.
Wie beim Vorgängerstück zeigt Dennemann seine Liebe für die sonderlichen Typen, von denen es in der Nordstadt anscheinend viele gibt, aber bei „Juckpulver und Hagebuttentee“ gibt auch viele Szenen, die den Zusammenhalt der Nachbarschaft in der Nordstadt zeigen oder den täglichen Überlebenskampf der Menschen.
Musikalisch hatte das Stück einiges zu bieten: Cellist Daniel Brandl, der zuerst von Emmi (Elisabeth Pleß) entführt wurde, spielte einige schöne Passagen, wobei das auf deutsch gesungene „Bang bang (My baby shot me down) von Emmi für Gänsehautmomente sorgte. Doch auch Flöten und Trompetenklänge, gespielt von zwei Darstellern, bereicherten die Szenerie.
Wer sich in die Nordstadt traut, den erwarten bei „Juckpulver und Hagebuttentee“ ein engagiertes selbstironisch-humorvolles Spiel von Profi- und Laienschauspielern. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall. Für alle, die sich für die Fortsetzung „Im Tal der fliegenden Messer“ interessieren, gibt es zwei Termine.
Termine: 11. bis zum 13. Mai 2018, jeweils um 19:30 Uhr. Am 18. und 19. Mai 2018 gibt es eine Wiederaufnahme von „Tohuwabohu“, ebenfalls um 19:30 Uhr.
Die Eintrittspreise betragen 12 € / bzw. 7 € ermäßigt. Karten gibt es unter orga@artscenico.de oder unter der Telefonnummer 0176 63826162 oder 0231 8634113. Auch im Quartiersmanagement Nordstadt (Mallinckrodtstraße 56) sind Karten erhältlich.
Spielzeitvorstellung Theater Dortmund – gute Zahlen und ein neues Gesicht
Am 25. April präsentierte das Theater Dortmund das neue Spielzeitheft. Der kommissarische Direktor Tobias Ehinger konnte mit den Zahlen zufrieden sein. Die Auslastung in der vergangenen Spielzeit betrug 81 Prozent gegenüber den 76,2 Prozent davor. Die Spartenleiter präsentierten das Programm für die Spielzeit 18/19. den Beginn machte ein neues Gesicht: Heribert Germeshausen, designierter Opernintendant und Nachfolger von Jens-Daniel Herzog.
Germeshausen möchte die Oper weiter in die Stadtgesellschaft tragen. Dazu beitragen soll das Stück „MusiCircus“ nach John Cage, bei der Dortmunder Bürger aktiv mitmachen werden. Dazu wird im Herbst 2018 das Projekt „Bürgeroper Dortmund“ starten.
Ein besonderes Highlight ist „Fin de Partie“, dessen Premiere am 18.04. 2019 sein wird. Sie ist die erste Neuinszenierung nach der Urauführung in der Mailänder Scala.
Erfreuliches für Wagner-Fans: Ein neuer „Ring“ ist in Dortmund geplant.
Die „Junge Oper“ feiert ihr 10-jähriges Bestehen. Am 10.11.2018 gibt es eine Geburtstagsfeier. Gleichzeitig ist die Premiere von „Romeo & Zeliha“.
Ballettdirektor Xin Peng Wang beginnt mit einem Projekt, das ihn über mehrere Spielzeiten begleiten wird: „Die göttliche Komödie“ von Dante. In der kommenden Spielzeit beginnt er mit dem „Inferno“. Als weitere Premiere ist „Visionen“ geplant mit Choreografien von Douglas Lee, Jacopo Godani und Wubkje Kuindersma.
Für Freunde des klassischen Balletts: „Schwanensee“ steht in der kommenden Spielzeit wieder auf dem Programm.
Gute Zahlen machen die Spartenleiter und den kommissarischen Leiter zufrieden. (v.l.n.r.) Kay Voges (Schauspiel), Xin Peng Wang (Ballett), Tobias Ehinger (kommisarische Direktor), Andreas Gruhn (KJT) und Herbert Germeshausen (Oper).
Eine Welturaufführung steht beim Schauspiel ins Haus. Mit „Die Parallelwelt“ wird zum ersten Mal ein Stück gleichzeitig in Berlin und in Dortmund aufgeführt. Die Besucher dürfen gespannt sein. Die Premiere ist am 15.09. 2018. Ein Wiedersehen gibt es mit einem alten Bekannten: Jörg Buttgereit wird wieder ein Stück in Dortmund produzieren. Mit „Im Studio hört dich niemand schreien“ wird dank eines Geräuschemachers der Horror wieder in unseren Köpfen aktiv.
Vom norwegischen Schriftsteller Henrik Ibsen wird nach einigen Jahren Abstinenz mit „Hedda Gabler“ wieder ein Stück präsentiert.
Der Liedermacher, Schauspieler und Kabarettist Rainald Grebe war schon in Dortmunder Schauspielhaus mit seinem Soloprogramm, aber in der kommenden Spielzeit wird er das Stück „Dieser Titel ist in Ihrem Land derzeit nicht verfügbar“ inszenieren.
Der Sprechchor darf natürlich nicht fehlen. Er wird sich dem Thema „Fußball und Homosexualität“ widmen mit dem Stück „Echte Liebe“.
Last but not least: Mit Anke Zillich ist eine neue Kollegin aus Bochum nach Dortmund gewechselt.
Das Kinder- und Jugendtheater pflegt stärker die internationalen Kontakte. So wird aus „Pottfiction“ jetzt „Eurofiction“ und das KJT bekommt einen Partner aus Paris.
Der Leiter des KJT, Andreas Gruhn, stellte den Spielplan kurz vor. „Fast Faust“ dreht sich um Goethes gleichnamiges Mammutwerk, „Emil und die Detektive“ von Kästner wird als Monolog aufgeführt. Das kommende Weihnachtsmärchen heißt „Cinderella“, wobei sich Gruhn eher an die französische als an die durchaus brutale deutsche Fassung halten wird.
Der Generalmusikdirektor Gabriel Feltz freute sich über 80% Auslastung bei den Konzerten. Er war wegen einer Verpflichtung im Ausland nur per Videobotschaft zu sehen. Das Thema der kommenden Spielzeit lautet „Krieg und Frieden“, passend zu den Ereignissen vor hundert Jahren. Bei der Wiener Klassik dreht sich alles um die drei Städte Berlin, Wien und Paris. Auch sie sehr stark von den Einwirkungen des Ersten Weltkrieges geprägt.
Das Spielzeitheft ist im Theater Dortmund kostenlos zu bekommen.
Juckpulver und Hagebuttentee im Hinterhof
„Prequels“ sind ja in. Damit bezeichnet man die „Vorgeschichte“ einer Erzählung oder eines Films. Beispielsweise ist der erste Teil der „Star Wars“-Saga 1999 erschienen, während der erste „Star Wars“-Film 1977 erschien. Es war allerdings die vierte Episode.
Im vergangenen Jahr brachte Rolf Dennemann und Artscenico das Stück „Im Tal der fliegenden Messer (Tohuwabohu)“ in den Hinterhof der Missundestraße 10. jetzt kommt mit „Juckpulver und Hagebuttentee“ die Vorgeschichte. Premiere ist am 05. Mai 2018.
Das Experiment mit dem Theater im Hinterhof war ein großer Erfolg 2017. Alle Aufführungen waren ausverkauft und das Publikum verlangte nach einer Fortsetzung. Auch die Hausverwaltung war positiv gestimmt, so dass einer Neuauflage nichts mehr im Wege stand. Doch statt einer Fortsetzung überlegte sich Dennemann etwas anderes. Er schrieb darüber, wie es zu der Show „Tohuwabohu“ kam.
Emmi (Elisabeth Pleß) auf dem weg nach oben. Probenfoto von „Juckpulver und Hagebuttentee“.
Und wie kam es dazu? Ein junger Mann (Linus Ebner), in der Nordstadt groß geworden, kommt nach dem Studium des „Manager of Communication“ zurück in seine alte Heimat. Mit seinen Flausen im Kopf will er was auf die Beine stellen und sucht nach Talenten in der Nordstadt, um eine Show – eben „Tohuwabohu“ auf die Beine zu stellen.
Bei „Juckpulver und Hagebuttentee“ spielen die gleichen Akteure mit wie in der letztjährigen Produktion. Elisabeth Pleß spielt „Emmi“, eine leicht missmutige Nachbarin, die bei sich zu Hase „Juckpulver“ und „Hagebutten“ anbaut und nicht gestört werden möchte.
Dazu kommen die bekannten Walla (Thomas Kemper) und Kalla (Mathias Hecht), die aber noch nicht die „Ommas“ sind. Ansonsten existiert immer noch ein Mix zwischen Profis und Laienschauspielern.
Für die musikalischen Arrangements ist der Cellist Daniel Brandl zuständig, der manchen vielleicht durch die Reihe „Mundorgelprojekt“ von Tommy Finke im Institut des Schauspielhauses bekannt ist.
Die Bühne ist die gleiche wie im vergangenen Jahr: Der Hinterhof der Missundestraße 8 bis 12. Im Hinterhof steht momentan ein Kran, weil die Häuser renoviert werden. Dennemann und sein Team bekamen die Erlaubnis, den Kran zu Aufführungszwecken zu benutzen.
Termine: Neben der Premiere am 05. Mai 2018 finden noch weitere Aufführungen am 06. Mai sowie vom 11. bis zum 13. Mai 2018 statt, jeweils um 19:30 Uhr. Am 18. und 19. Mai 2018 gibt es eine Wiederaufnahme von „Tohuwabohu“, ebenfalls um 19:30 Uhr.
Die Eintrittspreise betragen 12 € / bzw. 7 € ermäßigt. Karten gibt es unter orga@artscenico.de oder unter der Telefonnummer 0176 63826162 oder 0231 8634113. Auch im Quartiersmanagement Nordstadt (Mallinckrodtstraße 56) sind Karten erhältlich.
Peer‘s Poetry – ungewöhnliche künstlerische Verbindung im Konzerthaus
Das 3. Konzert für junge (und jung gebliebene) Leute lud am Montag, den 23.04.2018 zu einem interessanten Crossover-Projekt ein. Die Grundlage für diesen Abend im hiesigen Konzerthaus bildete Henrik Ibsen „Peer Gynt“ mit der Musik (zwei Suiten) des norwegischen Komponisten Edvard Grieg (1843 – 1907).
Den musikalischen Part des Konzerts übernahmen die wie immer hervorragend die Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von Motonori Kobayashi. Daneben wurde es Literarisch: LMBN, Dortmunds Poetry-Slam Lesebühne im domicil, schickte mit Sebastian23, Sulaiman Masomi, Jan-Philipp Zymny und Andy Strauß ein wortreiches Quartett auf die Bühne des Konzerthauses. Sie begleiteten Peer Gynt mit ihren Texten. Mal heiter – mal nachdenklich.
Mit im Team war DJ Nachtfalke und Artur Fast aka FastART, der live zu den Texten und zur Musik eindrucksvolle Bilder an die übergroße Leinwand im Konzert malte.
Es war beeindruckend die Kombination von Musik, Literatur und bildender Kunst live zu erleben. Vielleicht gibt es ja in der nächsten Spielzeit eine Neuauflage.