Zechen gehen – der Geierabend bleibt bestehen

Der Bergbau im
Ruhrgebiet ist Vergangenheit, der Geierabend aber ist als Institution
geblieben. Das ist gut so. Trotz eines Wechsels am Regiepult und dem
Ausscheiden von Hans Martin Eickmann zeigte das Ensemble in der
Spielzeit 2019 ihre große Spielfreude. Das Ergebnis: Ein großartiger
Abend am 10. Januar 2019 auf Zeche Zollern II.

Nix mit
Akklimatisierungsschwierigkeiten. Andreas Obering (der „Obel“)
spielte in seiner ersten Spielzeit mit den anderen „Geiern“ so
selbstverständlich, als ob er schon immer mit dabei gewesen wäre.
Seine Stimmungskanonen – eine aus dem Osten, eine aus Köln –
waren allererste Sahne.

Neben altbekannten und bewährten Nummern wie die Geschichten aus dem Sauerland von Martin F. Risse gab es auch eine Premiere für ein neues Duo. Denn Eickmann war ein Teil der legendären „2 vonne Südtribüne“. Mit „Frauenrausch“ versuchen Franziska Mense-Moritz und Sandra Schmitz den schwarz-gelben Wahnsinn beim Geierabend weiterleben zu lassen. Durchaus mit Erfolg. Jetzt kann an einer neuen Legende weitergestrickt werden.

Bleiben wir bei
Sandra Schmitz. Ihre Paraderolle als leicht prollige Mutter wie beim
„Elternsprechtag“ konnte sie jetzt als Eiche aus dem Hambacher
Forst erweitern. Hier nahm sie den Preis zum „Baum des Jahres“
nicht an. Ein kleiner Seitenhieb an die Baumschützer im Hambacher
Forst, die dort um jeden Baum kämpfen, denen es aber anscheinend
egal ist, wenn viel mehr Bäume wegen Windräder gefällt werden.

Das zeigt schon, der
Geierabend ist nicht nur zum „geiern“ (lachen), sondern setzt
auch politische Nadelstiche: Über die „Kaffeefahrt ins Braune“
über die Beziehung zwischen Macron und Merkel in „Liason
dangereux“ bis hin zur Talkshowveräppelung „Brei mit Illner“
zeigt der Geierabend Flagge. Der Brexit wurde selbstredend ebenfalls
thematisiert: Die „Euro-WG“ verliert ihren Mitbewohner Harry.
„Political Correctness“ war wie immer nicht angesagt.

Auch gesanglich war der Geierabend auf der Höhe. Das Haldenquartett (v.l.n.r.):  Franziska Mense-Moritz, Murat Kayı, Roman Henri Marczewski und Andreas Ruhnke (Schlagzeuger der Geierabend-Band). Foto: © StandOut)
Auch gesanglich war der Geierabend auf der Höhe. Das Haldenquartett (v.l.n.r.): Franziska Mense-Moritz, Murat Kayı, Roman Henri Marczewski und Andreas Ruhnke (Schlagzeuger der Geierabend-Band). Foto: © StandOut)

Altbewährtes
bleibt: da wäre an erster Stelle der Präsident (Roman Henri
Marczewski) zu nennen sowie der Steiger (Martin Kaysh), der wie
gewohnt lässig durchs Programm führte. Auch die „Bandscheibe“
(Franziska Mense-Moritz) zeigte sich wieder von ihrer netten,
freundlichen Art. Nicht zu vergessen sind natürlich Murat Kayı
und Hans-Peter Krüger. Krüger spielte in der großartigen Nummer
„Nachspielzeit“. Kurz gesagt: Stellen Sie sich vor, ein
klassischer Musiker würde nach einem Konzert so interviewt wie ein
Sportler. Super Nummer.

Zwei
Dinge dürfen beim Geierabend nicht fehlen: Der Pannekopporden und
die Partnerstadt. Dieses Jahr ist es Schwerte und sie wurden von
Kayı, Krüger,
Schmitz und Marczinkowski
hardrockmäßig eingeführt. Schwerter sind ja quasi auch Heavy
Metal.

Beim
Pannekopporden hatte das Publikum die Auswahl zwischen Armin Laschet
(„A40 ohne Stau“) und DB Netz für die „ungebremste Förderung
der Stadt Herten“, die bis 2022 ohne Bahnhof bleibt.

Was
bleibt mir noch zu erwähnen: Die Band des Geierabends rockte den
Abend und ein ganz großes Lob an Anna Ignatieva für die wunderbaren
Kostüme.

Wer
Karten haben möchte, wendet sich an www.geierabend.de




Makulatur mit Eva-Maria Deutschewitz im Kunstbonbon

Nur
wenige werden noch wissen, was das Wort „Makulatur“ eigentlich
bedeutet. Es ist „Altpapier“ oder wiederverwendetes Papier. Auch
die künstlerische Facebookseite von Eva-Marie Deutschewitz trägt
den Namen „Makulatur?“. Die Künstlerin zeigt im Kunstbonbon
Allerdings ist es relativ wertvolles Altpapier, das sie für ihre
Arbeiten verwendet: Uralte Medizinbücher, alte Werbebroschüren und
Modezeitschriften oder Postkarten aus vergangenen Jahrzehnten. Aus
diesen Schätzen reißt oder schneidet sie die Einzelteile für ihre
Werke.

Da
sie gern seriell arbeitet finden sich bestimmte Themengruppen immer
wieder. Ob sie nun die Rolle der Frau in den 50er/60er-Jahren mit
einem durchaus kritischen Augenzwinkern betrachtet und dabei auch
gleich noch den Beginn der Konsumgesellschaft mit einbaut oder sich
mit dem Inneren des menschlichen Körpers beschäftigt und ziemlich
schwarzhumorig einige Zutaten beisteuert: die „Heile Welt“ der
Magazine und des darin gezeigten Lifestyles der jeweiligen Epoche
wird von der Künstlerin immer wieder in Frage gestellt.

Durch ihre Collagen gewährt Eva-Maria Deutschewitz einen interessanten Einblick auf das Frauenbild der 50er und 60er Jahre.
Durch ihre Collagen gewährt Eva-Maria Deutschewitz einen interessanten Einblick auf das Frauenbild der 50er und 60er Jahre.

Genauso
verfährt sie mit der Tierwelt und drückt in einer Serie namens
„Party Animals – wenn Tiere feiern“ z.B. einem Feldhamster eine
bestickte Einkaufstasche voller Flaschen in die Pfötchen.

Einige
dieser Serien von Eva-Marie Deutschewitz werden ab 05.01.2019 im
Kunstbonbon zu sehen sein. Aber nicht nur die Originalcollagen,
sondern auch große Drucke der Werke auf Leinwand oder Kissenbezügen
sowie Postkarten sind präsent und können natürlich auch gern
erworben werden.

Bei
der Vernissage am 05.01.2019 um 15 Uhr wird Holger Krüssmann noch
mit einigen Worten etwas zur Künstlerin und ihrem Werk sagen und
anschließend ist Eva-Marie Deutschwitz sicherlich gern bereit mit
den Besuchern über ihre Arbeit zu reden.

Die
Ausstellung dauert bis zum 09.02.2019 und ist di 13-18, fr 15-20 und
sa 12-15 Uhr zu sehen.

Der Eintritt ist wie immer frei.




Computerspiel mit lebendigem Avatar

Wer auch nur etwas für Computerspiele übrig hat, wird das neue Abenteuer „realREALITY“von Anna Kpok lieben. Mit Elementen von Point & Click Adventures wie „Monkey Island“ sowie Elementen moderner MMORPG wird die Besucher zum aktiven Spieler, der die Aufgaben nur in der Gruppe lösen kann. Am Freitag und Samstag gibt es noch dreimal die Möglichkeit für maximal fünf Spieler pro Partie im Studio des Schauspielhaus Dortmund daran teilzunehmen.

Am Anfang ist es ungewohnt, doch man gewöhnt sich schnell daran: Die Besucher steuern einen echten Menschen. Zunächst einigt man sich, wer welche Befehle gibt und welchen Backgrund unser Avatar hat und los geht’s. „Start“, „Stopp“, Rechts“ und „Links“ steuern den Avatar in die richtige Richtung und mit den weiteren Befehlen können beispielsweise Gegenstände in ein Inventar abgelegt werden.

Hauptprobe zu Anna Kpok: RealReality im Ringlokschuppen Ruhr am 19.09.18 Bild: Stephan Glagla
Hauptprobe zu Anna Kpok: RealReality im Ringlokschuppen Ruhr am 19.09.18 Bild: Stephan Glagla

Und hier über kommendem Rezensenten wieder die Erinnerungen an Spiele wie „Monkey Island“ oder „Day of the Tentacle“. Wie bringt man den Avatar dazu, den Gegenstand aufzunehmen oder zu benutzen? Erst „Ducken“ und dann „Benutzen“? Meine Gruppe hat jedenfalls schnell herausgefunden, wie der Avatar gut durchs Spiel gelenkt wird.

Die Rahmengeschichte: In einer nicht allzu fernen Zukunft wird die Avatarin Anna Kpok umgezogen sein und ein schickes neues Smart-Home des Anbieters realReality bezogen haben. Sie wird sich in dem Smart-Home eingerichtet haben, das ihr jeden Morgen ihr Lieblingsgetränk mixt – das Leben kann so schön sein! Lieblingsmusik, Lieblingsklamotten, Lieblingsfreunde, Lieblingsträume, Lieblingsleben. Und all das nur gegen ein paar persönliche Daten. Lieblingsdaten. Anna Kpok auf Kuschelkurs mit ihrem Data Double. Doch nach merkwürdigen Vorfällen wird Anna Kpok misstrauisch und wieder zur Kämpferin.

„realReality“ ist ein ganz besonderes Theatererlebnis. Nicht nur wegen des ungewöhnlichen Settings, sondern auch durch die Diskussionen in der Gruppe waren spannend. Denn wir mussten uns entscheiden, wie es weitergeht. Die Zusammenarbeit war auch nötig, denn nur im richtigen Zusammenspiel untereinander „funktionierte“ der Avatar. Das war besonders wichtig bei den Computerspielen im Spiel.

Termine: 07.
Dezember 2018 17 Uhr, 07. Dezember 2018 19 Uhr, 07. Dezember 2018 21
Uhr, 08. Dezember 2018 16 Uhr, 8. Dezember 2018 18 Uhr, 8. Dezember
2018 20 Uhr.

Infos unter www.theaterdo.de oder 0231 5027 222




Tartuffe oder der Wolf im Schafspelz

Eigentlich erstaunlich, wie aktuell Molièrs „Tartuffe“ immer noch ist. Immer noch lassen sich Menschen von anderen leicht übers Ohr hauen, trotz allen Warnungen der Umstehenden. Eine der realen Figuren war beispielsweise Rasputin, der die Familie des letzten russischen Zaren lange unter Kontrolle hatte. Was Rasputin und Tartuffe gemeinsam haben: Sie versuchen mit der Religion die Leute zu beherrschen. Das Schauspielhaus Dortmund präsentierte am 01.12. 18 eine frische und freche Variante von „Tartuffe“ unter der Regie von Gordon Kämmerer.

Ganz in Weiß: Tartuffe hat schon die gesamte Familie von Orgon unter seine Fittiche und hat sie wie damals die Bhagwans uniformiert, aber halt im unschulduigen Weiß. So stehen sie zusammen und proben tanzend ihren Aufstand: Mariane, die Tochter Orgons (Merle Wasmuth), Damis, sein Sohn (Christian Freund), Orgons Ehefrau Elmire (Bettina Lieder), Organs Bruder Cléante (Ekkehard Freye) und das Dienstmädchen Dorine (Marlena Keil).

Nur Orgons Mutter Pernelle (Uwe Schmieder) und natürlich Orgon (Uwe Rohbeck) selbst sind zu 1000 Prozent von Tartuffe (Björn Gabriel) überzeugt. Und so geht das Unglück seinen Gang, denn Orgon verspricht Tartuffe erst die Hand seiner Tochter und dann überschreibt er ihm auch noch sein Vermögen.

Während Orgon (Uwe Rohbeck oben auf dem Wohnwagen) zu lange an Tartuffe festhält, hat seine Familie (Kevin Wilke, Merle Wasmuth, Christian Freund, Marlena Keil) den bBtrüger längst durchschaut. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Während Orgon (Uwe Rohbeck oben auf dem Wohnwagen) zu lange an Tartuffe festhält, hat seine Familie (Kevin Wilke, Merle Wasmuth, Christian Freund, Marlena Keil) den bBtrüger längst durchschaut. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Es ist wohl die Angst vor dem Tod oder die Suche nach dem Sinn des Lebens, was Orgon leichtgläubig macht. Er erkennt nicht, dass die frommen Sprüche von Tartuffe nur dazu dienen, ihn zu benebeln, während er Tartuffes Taten ignoriert. Was nicht in sein neues Weltbild passt, wird ignoriert. Es wird es einem Heuchler leicht gemacht, macht und Besitz zu erlangen. Er muss sich nicht besonders anstrengen.

Dass Molièrs Theaterstück nicht in der Katastrophe endet, hat einem „deus exmachina“ zu verdanken, in der Realität sieht es aber anders aus.Ich mag mir nicht vorstellen, wie viele Existenzen ruiniert wurden durch Betrüger, die den Menschen ihr Geld aus der Tasche zogen oder sie in seelische Not brachten (und dann finanziell ruinierten).

Daher ist das Stück auch keine Komödie und so wird es glücklicherweise auch nicht dargeboten. Ja, es gab wirklich komische Szenen, als Elmire so tut, als ob die den Schmeicheleien von Tartuffe nachgibt. Meistens bleibt einem das Lachen im Halse stecken, weil man weiß, überall lauern Tartuffes, deren Motto „Jeden Tag steht ein Dummer auf“ ihnen ein üppiges Einkommen generiert.

Das Dortmunder Ensemble, mit seinen alten und neuen Mitgliedern, ist zu einer starken Einheit zusammengewachsen. Gemeinsam mit ihren drei Gästen aus Graz (Bérénice Brause, Frieder Langenberger und Mario Lopotta) sowie dem Dortmunder Sprechchor boten sie eine glanzvolle Leistung.

Besonders zu würdigen war die Abschlusschoreografie der von Tartuffe erlösen Familie, die zeigt, dass tänzerisch ein großes Potential im Ensemble ist.

Wie kommt man an Karten? Entweder unter www.theater.dooder telefonisch unter 0231 502722




Café International im Theater im Depot

Kennen Sie das Spiel„Café International“? Dort muss man Personen unterschiedlicher Nationalität und in ausgewogener Geschlechter-Verhältnis an einen Tisch setzen. Rolf Dennemann und artscenico haben mit „Zuflucht /Time Lines“ verschiedene Charaktere ins Café gesetzt, als etwas dramatisches passiert und die Zeit stehen bleibt. Ein Premierenbericht vom 24.11.18 aus dem Theater im Depot.

Das Thema lautet„Heimat“. Was erinnert die Darsteller auf der Bühne an ihre Heimat, aus der sie aus unterschiedlichen Gründen nach Deutschland gekommen sind. Ein Syrer, eine Griechin, eine Polin und zwei Menschen aus Venezuela. Was auffällt, ist schon eine gewisse Form von Dankbarkeit an Deutschland, dass das Land es ihnen ermöglicht hat, ihr künstlerisches Leben zu entwickeln.

 Ismael Monages und Anna Hauke im Gespräch. (Foto © Guntram Walter)
Ismael Monages und Anna Hauke im Gespräch. (Foto © Guntram Walter)

Der größte Teil des Stückes bestand aus der Vorstellung der Darsteller inklusive Kindheitsfotos. Es war sehr spannend zu erfahren, wie die Kindheit der Protagonisten verlief und auch die Fotos brachten Einblicke in das Leben als Kind in Venezuela oder Griechenland.

Was auffallend ist: Es geht sehr viel um Gerüche, Gerüche aus der Kindheit. Wie roch das Meer, die ersten Süßigkeiten. Vor allem das Wasser hat es den meisten angetan, bis auf Rezan Kanat, der die Wüste liebt.

Mit dabei waren Ismael Monagas (Venezuela), Cynthia Scholz (Venezuela), Anna Hauke (Polen), Rezan Kanat (Syrien) und Photini Meletiadis (Griechenland).




Dantes Inferno oder The Dancing Dead

Es ist keine
leichter Kost, das vorweg. Wer sich aber auf Xin Peng Wangs ersten
Teil der „Göttlichen Komödie“ von Dantes Inferno einlässt,
erlebt eine bildgewaltige Balletchoreografie. Die Solisten und das
Ensemble inklusive dem NRW Juniorballett entführen in eine Hölle,
die trotz aller Dissonanz eine ästhetische Komponente enthält und
die Liebe als Kraft feiert, die die Hölle überwindet. Ein
Premierenbericht vom 03. November 2018.

In Dantes „Göttliche
Komödie“ geht es um die Reise des Dichters durch die drei Reiche
der Toten: Das Inferno, der Läuterungsberg und das Paradies. Im
ersten Teil konzentrierte sich Xin Peng Wang auf das Inferno, die
beiden anderen Teile werden in den folgenden Jahren gezeigt, so dass
die Zuschauer sich 2021 auf eine komplette Trilogie freuen können.

Im „Inferno“
lernt verzweifelte und unglückliche Dante (Javier Cacheiro Alemán)
den römischen Dichter Vergil (Dustin True) kennen, der ihn durch die
verschiedenen Höllenkreise führt. Hin und wieder erscheint Dantes
Jugendliebe Beatrice (Lucia Lacarra). Eine wichtige Rolle spielt auch
der Fährmann Charon (Cyrill Pierre), der für Nachschub an Toten
sorgt.

Die Toten,
dargestellt von Mitgliedern des Ensembles und des NRW Juniorballett,
machen den ersten Teil zu einem durchaus gruseligen Erlebnis, denn
sie stecken in Ganzkörperanzügen, die sie skelettartig aussehen
lassen. Ein großes Lob an Kostümbildner Bernd Skodzig. Die
tanzenden Toten symbolisieren die verschiedenen Sünden, die sich die
Menschen zu Lebzeiten zu Schulden kommen ließen. Hier konnten einige
Ensemblemitglieder in einem Pas de deux, Pas de trois oder Pas de
quarte ihr Können zeigen: Sehr beeindruckend waren die Reminiszenzen
an das klassische Ballett mit seinen Sprüngen und Drehungen.

Das Ensemble kämpft mit dem Höllentor. (Foto: © ©Maria-Helena Buckley)
Das Ensemble kämpft mit dem Höllentor. (Foto: © ©Maria-Helena Buckley)

Atemberaubend war
das Licht (Carlo Cerri) und das Bühnenbild von Frank Fellmann. Ein
sehr beeindruckendes Anfangsbild, als Dante unter der Last der Ketten
schier erdrückt wurde und später dann der umgedrehte Höllenturm.

Zum infernalischen
Genuss gehört natürlich die passende Musik: Mit Musik aus der
Symphonie „Decasia“ von Michael Gordon wurde das Inferno
akustisch wunderbar dargestellt. Gordon gehört zur Künstlergruppe
„Bang On A Can“ , und seine Musik ist im Grenzbereich zwischen
Klang und Geräusch anzusiedeln. Das Publikum wurde in den 75 Minuten
magisch in eine Welt hineingezogen, und ein Kopfkino entwickeltet
sich sich denjenigen, die sich darauf eingelassen haben.

Diese dunkle Sphäre
(oft verdrängt) gehört auch zum Leben, genau wie Schönheit, Liebe
und Genuss auf der anderen Seite.

Xin Peng Wang hat
mit „Inferno“ wieder ein Ballett geschaffen, das einen packt und
in die tiefen der Hölle zieht. Mit seinen exzellenten Solisten und
den beiden Ensembles kreiert er ein bildgewaltiges Ballett, das alle
Sinne anspricht. Was bleibt ist die Vorfreude auf den zweiten Teil.

Termine und Infos
unter www.theaterdo.de




Weihnachtsmärchen 2018: Cinderella als wildes Mädchen

Am 15. November 2018
feiert das Weihnachtsmärchen der Spielzeit 18/19 seine Premiere:
Cinderella. Vielen bekannt durch den Zeichentrickfilm von Walt Disney
aus dem Jahre 1950, aber hierzulande kennen es die meisten unter dem
Namen „Aschenputtel“ der Gebrüder Grimm. Auch wenn das Märchen
uralt und in vielen Gegenden der Welt in der einen oder anderen
Variante bekannt ist: Die Basis des Stückes ist die Version von
Charles Perrault aus dem Jahre 1697.

Zurück in der alten
Heimat. Nach zwei Jahren, in denen das Weihnachtsmärchen des Kinder-
und Jugendtheaters (KJT) – wegen der Renovierung des
Schauspielhauses – im eigenen Haus aufgeführt werden musste, sind
alle Beteiligten froh, wieder zurück zu kommen. „Es war für uns
schon sehr anstrengend“, erzählte Andreas Gruhn, der Leiter des
KJT, denn das Ensemble musste wegen der geringeren Zuschauerplätze
die Stücke häufiger aufführen.

Die Geschichte von
Aschenputtel ist hinlänglich bekannt. Neben dem bekannten Märchen
der Gebrüder Grimm und dem erwähnten Zeichentrickfilm von Disney
gab es noch in den 70er Jahren die tschechische Version „Drei
Haselnüsse für Aschenbrödel“. Hier agiert
Aschenbrödel/Cinderella schon etwas selbstbewusster. Auch in der
Bearbeitung von Gruhn sind die beiden Hauptfiguren Cinderella und der
Prinz moderner gezeichnet. Cinderella ist ein „typisches junges
Mädchen“ und der Prinz hat auch mit inneren Konflikten zu kämpfen.

Das Ensemble von "Cinderella". (Foto: © Birgit Hupfeld)
Das Ensemble von „Cinderella“. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Gruhn hat sich
bewusst gegen die deutsche, durchaus brutale Version entschieden. Es
gibt also keine abgehakten Füße oder ähnliches. Es wird die
leichte französische Version aufgeführt mit viel Musik und
Choreografien. Die Kleidung lässt auf die Barockzeit (Anfang des 18.
Jahrhunderts) schließen. Die Musik orientiert sich an höfischen
Tänzen und französischen Volksliedern.

Neun
Schauspielerinnen und Schauspieler bevölkern die Bühne, darunter
zwei Gäste Talisa Lara, die zwei Jahre lang Ensemblemitglied im KJT
war. Hinzu kommt Harald Schwaiger, ehemaliges Ensemblemitglied des
Schauspielhauses unter Michael Gruner. Dazu stehen noch drei
Statisten auf der Bühne.

Am 13.11.2018 gibt
es von 15 bis 18 Uhr eine Lehrerfortbildung mit anschließendem
Besuch der Hauptprobe. Die Teilnahme an der Lehrerfortbildung ist
kostenlos. Erforderlich ist aber eine Anmeldung an die
Theaterpädagogin Erika Schmidt-Sulaimon: eschmidt@theaterdo.de

Von den 23.000 zur
Verfügung stehenden Karten sind schon über 19.500 verkauft. Es gibt
noch Karten für den:

15.11. um 19 Uhr

02.12. um 15 und 17
Uhr

06.12. um 17 Uhr

11.12. um 15 Uhr

16.12. um 15 und 17
Uhr

18.12. um 17 Uhr

23.12. um 11 Uhr

25.12. um 15 Uhr

16.12. um 11 Uhr




Der Weibsteufel oder wenn die Schachfigur selbst aktiv wird

Auf den ersten Blick
wirkt es so wie die klassische Dreiecksbeziehung. Eine Frau steht
zwischen einem älteren und einem jüngeren Mann. Doch der
österreichische Schriftsteller Karl Schönherr verfasste mit seinem
Stück „Der Weibsteufel“ keine Geschichte über eine willenlose,
getriebene Frau. Hier bestimmt die Frau letztendlich selbst ihr
Schicksal. Fast schon ein Stück feministischer Literatur, dass das
Theater glassbooth am 26.10.2018 zum ersten Mal unter der Regie von
Jens Dornheim im Theater im Depot aufführte.

Regisseur Jens
Dornheim hat dem Stück von 1914 einen Zeit- und Ortswechsel
verpasst: Es spielt jetzt in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg und
auch nicht mehr im bayerisch-österreichischen Grenzgebiet, sondern
im Ruhrgebiet. Daher hat Dornheim auch die Sprache ins Hochdeutsche
übertragen und nicht ins Ruhrdeutsche, um nicht einen ungewollten
Comedyeffekt zu erzeugen.

Denn das Thema ist ernst: Der Mann (gespielt von Ulrich Penquitt) ist eine ältere kränkliche Person, die als Hehler für Schmuggelware arbeitet. Sein Traum ist es, aus dem „Rattenloch“ herauszukommen und ein Haus auf dem Marktplatz zu kaufen. Seine Frau, im Stück „Das Weib“ genannt, wird von Alexandra Lowygina gespielt. Sie ist jünger rund attraktiver als ihr Ehemann. Doch bisher ist sie ihm treu geblieben. Carl Bruchhäuser spielt den „Soldat“. In Dornheims Bearbeitung ist er Mitglied eines Freikorps. Der Soldat versucht, die Hehlerei des Mannes zu beweisen.

Das Fatale der
Geschichte: Beide versuchen die Frau für ihre Zwecke einzuspannen.
Der Soldat soll die Frau verführen, um so an die Informationen zu
kommen, der Mann will seine Frau als Lockvogel benutzen, damit er bei
seiner illegalen Tätigkeit ungestört bleibt. Zudem betrachtet er
seine Frau als sein „Eigentum“.

Jetzt wird‘s
spannend: Die Frau fühlt sich missbraucht und entwickelt ihre
eigenen Pläne, die sie in die Tat umsetzt und im Laufe des Abends
immer mehr an Selbstbewusstsein gewinnt.

Noch steht die Frau (Alexandra Lewygina) abseits, aber weder der Mann (Ulrich Penquitt) noch der Soldat (Carl Bruchhäuser) ahnen von ihren Plänen. (Foto: © Uwe Faltermeier / Theater Glassbooth)
Noch steht die Frau (Alexandra Lowygina) abseits, aber weder der Mann (Ulrich Penquitt) noch der Soldat (Carl Bruchhäuser) ahnen von ihren Plänen. (Foto: © Uwe Faltermeier / Theater Glassbooth)

In „Der Weibsteufel“ steht und fällt alles mit der Rolle der Frau. Sie ist die zentrale Figur. Erst als Schachfigur benutzt, dreht sie den Spieß um. Alexandra Lowygina zeigt sich dabei von ihrer besten Seite. Angefangen von der treuen, naiven Ehefrau über den verführerischen Vamp bis hin zur eiskalten Fallenstellerin, zeigt sie die Bandbreite ihres schauspielerischen Könnens.

Die Männer spielen
nur die Nebenrollen, auch wenn sie glauben, die Hauptrolle zu sein.
Ulrich Penquitt interpretiert den Ehemann als bedächtige Person, die
glaubt, alles im Griff zu haben. Bruchhäuser hingegen zeigt den
Soldaten zunächst als schneidigen Menschen, der forsch seine
Karriere vorantreiben will. Doch die Frau erkennt schnell die
geheimen Wünsche nach Familie und treibt ihn ins Verderben.

Neben den
Schauspielern gab es weitere Gründe für das gelungene Stück: Die
atmosphärische Musik von Danny-Tristan Bombosch und das in
schwarz-weiß gehaltene Bühnenbild der Künstlerin Sabine Bachem,
das Anleihen an den Expressionismus der 20er Jahre aufleben lässt.

Es war eine
gelungene Premiere zum 15-jährigen Jubiläum von theater glassbooth.
Ein Stück, das unter die Haut geht, aber dennoch Platz lässt für
einige heitere Stellen. Drei tolle Schauspieler machen aus dem
„Weibsteufel“ einen dramatischen Parforceritt.

Freitag, 02. November 19:00 Uhr, Magazin Gladbeck (ausverkauft)

 

Sonntag, 04. November 18:00 Uhr, Magazin Gladbeck (ausverkauft)

 

Donnerstag, 08. November 20.00 Uhr, Theater im Depot Dortmund

 

Freitag, 09. November 20:00 Uhr, Theater im Depot Dortmund

 

Samstag, 17.November 20:00 Uhr, Katakomben Theater Essen

 

Samstag, 24. November 19:30 Uhr, Rottstr 5 Theater! Bochum

 

 




Wenn Wünsche wahr werden…

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Manchmal ist es gar
nicht so gut, wenn Wünsche in Erfüllung gehen. Das muss das Mädchen
Coraline in dem gleichnamigen Theaterstück von und mit den
Kulturbrigaden feststellen. Regisseurin Rada Radojcic präsentierte
eine temporeiche Märchenreise in eine vermeintlich schönere Welt.
Ein Premierenbericht vom 13. Oktober aus dem Theater im Depot.

Die Basis für das
Theaterstück „Coraline – Sei vorsichtig, was du dir wünscht“
ist der Animationsfilm „Coraline“ von Henry Selick aus dem Jahre
2009. „Die Kinder kamen mit der Idee“, erzählte die Regisseurin
nach der Premiere. „Zuerst wollten wir ‚Das doppelte Lottchen‘
spielen“. Es war eine gute Entscheidung, denn die Heldin Coraline
ist nicht süß und klug wie vielleicht in manchen anderen
Kinderbüchern, sondern hat ihre Ecken und Kanten, was sie viel
menschlicher macht.

Radojcic hatte auch
die glänzende Idee, aus der Heldin eine gespaltene Persönlichkeit
zu machen. Vielleicht inspiriert aus „Alles steht Kopf“ von
2015, gibt es eine mutige, ängstliche oder zynische Version von
Coraline, die sich ab und an im Stück in die blauen Haare bekommen.

Das Stück selbst
handelt von Coraline, das mit ihren Eltern auf Land zieht und dann
von ihren Eltern vernachlässigt wird, die ununterbrochen arbeiten.
Coraline wünscht sich ein schöneres Leben und gelangt durch eine
Geheimtür in eine Parallelwelt mit anderen Eltern. Vor allem die
Mutter verwöhnt sie sehr. Doch haben alle Bewohner statt Augen
Knöpfe. Die „andere Mutter“ will sie mit Gewalt bei sich
behalten und entführt sogar ihre richtigen Eltern.

Es ist nicht alles Gold was glänzt - das muss auch Coraline erkennen. (Foto: © Rada Radojcic)
Es ist nicht alles Gold was glänzt – das muss auch Coraline erkennen. (Foto: © Rada Radojcic)

Es ist durchaus ein
schwieriger Stoff, den die siebzehn Beteiligten auf der Bühne
bravourös meistern. Radojcic zaubert wieder fantasievolle Kostüme,
vor allem für die Nachbarinnen Miss Spink und Miss Forcibel. Um die
beiden Welten darstellen zu können, hat die Regisseurin auch mit
einem Bühnenbild gearbeitet.

Die Musikauswahl
passte ebenfalls zu dem Stück. Beim nächtlichen Auftritt der Mäuse
durfte natürlich Musik aus der „Nussknacker-Suite“ nicht fehlen.
Ein großer Spaß war die (Playback)-Arie der Königin der Nacht, die
die „anderen Nachbarinnen“ in der Parallelwelt zum Besten gaben.

Auch wenn es gegen
Ende des Stückes durchaus etwas gruselig wurde, das Stück ist ideal
für Kinder ab 8 Jahren. Eine beeindruckende Leistung aller Akteure
der Kulturbrigaden.

Das Stück ist eine
Veranstaltung der LAG Arbeit, Bildung, Kultur des Landes NRW e.V. Es
gibt noch am 02. November um 20 Uhr sowie am 06. November um 18 Uhr
die Möglichkeit im Theater im Depot sich „Coraline“ anzuschauen.
Es lohnt sich auf jeden Fall.




Starke Stimmen beim Willkommenskonzert

Mit dem
Willkommenskonzert „Von Barock bis Broadway“ präsentierte der
neue Intendant Heribert Germeshausen am 06. Oktober einen weiteren
Teil des neuen Ensembles. Freuen konnten sich die Besucher auch auf
die Bühnenpremiere eines gebürtigen Dortmunders.

Am Samstag war die
Dortmund einiges los. Erst der Last-Minute-Erfolg des heimischen
Ballspielvereins gegen den FC Augusburg und dann war auch noch der
MusiCircus in der Stadt. Mehr als 600 Teilnehmer machten aus der
Westfalenmetropole eine klingende Stadt – ganz im Sinne von John
Cage.

Abends wich die
klingende Anarchie den geordneten Klängen von Klassik und Musical.
Dabei wurden Stücke aus dem aktuellen Programm gespielt. So sang
Aytaj Shikhalizada die Arie „Una voce poca fa“ aus der kommen den
Oper „Il barbiere die Siviglia“ und die Dortmudner Philharmoniker
spielten ein Medly aus „West Side Story“, das im November
Premiere feiert.

Beim MusiCircus wurde Dortmund zum Klangkörper. (Foto: ©Anke Sundermeier, Stage Picture)
Beim MusiCircus wurde Dortmund zum Klangkörper. (Foto: ©Anke Sundermeier, Stage Picture)

So konnten sich neue
Stimmen präsentieren. Neben der erwähnten Shikhalizade sangen
Sunnyboy Dladla, Stéphanie Müther und Matias Tosi. Hinzu kam Morgan
Moody als altbekanntes Gesicht und als besonderer Gast Mirko
Roschkowski. Roschkowski ist in Dortmund aufgewachsen und hat auf
vielen Bühnen in Europa gesungen, nur noch nicht in der Dortmunder
Oper. Das ist am Samstag geschehen.

Durch das Programm
führte der Intendant Heribert Germeshausen, der Matias Tosi das
Geständnis entlockte, dass er eigentlich Fußballprofi geworden
wäre. Vielleicht wäre Tosi ja auch in Dortmund gelandet, aber dann
in einem schwarz-gelben Trikot.

Der Abend wurde
abgeschlossen durch ein Feuerwerk mit Musik vom Triumphmarsch von
„Aida“. Leider war den Organisatoren nicht bewusst, dass nebenan
im Schauspielhaus noch das Stück „Im Studio hört dich niemand
schreien“ lief, was die Kollegen um Uwe Rohbeck und Co. ziemlich
störte.