Viva – lateinamerikanisches Festival im DKH

Zum dritten Mal
findet am 22 und 23. März 2019 im Dietrich-Keuning-Haus (DKH) das
lateinamerikanische Kulturfestival „Viva“ statt. Das diesjährige
Gastland ist Argentinien. In den beiden Tagen erfahren die Besucher
vieles über die Gaucho-Kultur des südamerikanischen Landes. Daneben
gibt es Tanz, Musik und kulinarische Köstlichkeiten aus ganz
Lateinamerika.

Das Festival „Viva“
hat 2017 klein angefangen. Aber schon damals kamen 500 Besucher, was
zeigte, dass diese Veranstaltung Zukunft hatte. 2019 erwartet Levent
Arslan, der Direktor des DKH, rund 1.000 Besucher. „Viva“ ist
bundesweit das größte Festival für lateinamerikanische Kultur,
schließlich sind zwölf lateinamerikanische Länder vertreten.

Der erste
Festivaltag steht ganz im Zeichen von Argentinien. Hierbei wird es
aber nicht nur um Fußball und Tango gehen, sondern die
südamerikanischen Cowboys, die Gauchos, stehen von 18 bis 22 Uhr im
Mittelpunkt.

Das Quartett „Mate para cuarto“ spielt traditionelle argentinische Musik wie Chacarera, Zamba oder Carnavalito und ähnliche. Dabei erzählt sie auch den Besuchern etwas über die Stilrichtungen und Bedeutungen der Lieder. Wer tiefer in die Kultur der Gauchos eindringen will, kann sich einen Film über das Leben in der Provinz Corrientes ansehen, ein Landstrich mit riesigen Rinderfarmen. Die argentinische Küche hat aber mehr zu bieten als Steaks. Empanadas, Arollado de Dulce de Leche und Mate cocido können verkostet werden. Dazu zeigt sie argentinische Künstlerin Virginia Novarin eine Auswahl ihrer Arbeiten. Die Karten für den Freitag kosten 8 € plus VVK Gebühr, an der Abendkasse sind 10 € fällig. Das Kartenkontingent ist begrenzt.

Der Samstag ist ganz
dem Tanz, der Musik und der lateinamerikanischen Küche. An vielen
Ständen können Sie probieren und genießen. Dem Gastland
Argentinien mit seiner Steak-Kultur es zu verdanken, dass auf dem
Festival zum ersten Mal richtig gegrillt wird.

Die Organisatorinnen des Festivals und die Verantwortlichen des DKH freuen sich auf viele Besucher.
Die Organisatorinnen des Festivals und die Verantwortlichen des DKH freuen sich auf viele Besucher.

Und noch eine
Premiere gibt es: Zum ersten Mal wird ein Kinderprogramm bei „Viva“
veranstaltet. Am Samstag zwischen 15 und 18 Uhr finden
unterschiedliche Kreativangebote statt. Unter anderem ein
Theaterworkshop mit einer venezolanischen Theaterpädagogen. Der
Höhepunkt wird eine Piñata in den
Farben Argentiniens sein.Die Piñatas
sind bunt gestaltete Figuren aus Pappe, die mit Süßigkeiten und
anderem Dingen gefüllt sind. Kinder,
deren Augen verbunden sind, schlagen abwechselnd mit einem Stock auf
die Piñata
ein, bis sie zerbricht und die in ihr versteckten
Überraschungen herausfallen.

Von 14 bis 19:30 Uhr
findet im DKH ein Bühnenprogramm mit Musik und Tänzen aus
unterschiedlichen lateinamerikanischen Ländern statt. Wer noch nicht
genug vom Tanzen bekommen hat, kann selber aktiv werden. Bis 23 Uhr
gibt es Live-Musik mit Patty Gamero. Hierfür müssen die Besucher
aber Eintritt bezahlen. Er beträgt 5 € inklusive VVK-Gebühr oder
8 € an der Abendkasse.

Organisatorisch ist
das Festival in Frauenhand: Vertreterinnen verschiedener
lateinamerikanischer Gruppen haben sich zusammengetan, um „Viva“
auf die Beine zu stellen: Virginia Novarin (Künstlerin), Patricia
Ferreyra und Alejandra Oviedo (Café Latino), Patricia Hohlsiepe
(Misterio del sur) und Melissa Hernandez-Blasquez (Moderatorin).

Weitere
Informationen gibt es auf Facebook unter:
www.facebook.com/VivaKulturfestivalDortmund




Impressionen von der Nacht der Bibliotheken

Am 15. März 2019 fand die „Nacht der Bibliotheken“ statt. Das Motto lautete: Mach es!
Anja Cord sammelte für Ars tremonia einige Impressionen.




Torsten Sträter und Melanie Raabe – auf der Erfolgswelle

In der zweiten Ausgabe des 1. Wortklub Dortmund im domicil lud Gastgeber Thomas Koch am 14. Februar zwei Menschen ein, die eine Durststrecke bis zu ihrem großen Durchbruch erleben mussten. Torsten Sträter und Melanie Raabe erzählten aus ihren Erlebnissen, die Musik dazu kam von Cynthia Nickschas.

Die Manager bei
Decca Records werden sich wohl noch jahrelang über ihre
Fehlentscheidung maßlos geärgert haben, den Beatles keinen
Plattenvertrag angeboten zu haben. Auch Melanie Raabe wurde von vier
Verlagen abgelehnt, bevor sie ihren Krimi „Die Falle“ bei btb
veröffentlichen konnte. Seitdem gehört sie zu einer der
erfolgreichsten deutschen Autorinnen und hat mit „Die Wahrheit“
und „Der Schatten“ zwei Fortsetzungen geschrieben. Die Filmrechte
wurden ebenfalls schon vergeben. Bei Thomas Koch erzählte sie von
den Zweifeln, die sie überkamen, als immer mehr Verlage sie
ablehnten.

Auch Torsten Sträter
hatte einen dornigen Weg vor sich, um als gefeierter
Geschichtenerzähler in Funk und Fernsehen zu gelten. Eigentlich war
die Logistikbranche schuld, dass er zum meistre
humoristisch-grotesker Kurzgeschichten wurde. Denn nach seinen Touren
fand er Zeit, um auf dem PC Geschichten zu schreiben. Sträter, der
gelernte Herrenschneider, musste jahrelang durch Kneipen und
Lesebühnen tingeln, bevor der große Durchbruch als
Unterhaltungskünstler kam.

Was macht der Erfolg mit einem Menschen? Torsten Sträter und Melanie Raabe gaben bei der zweiten Ausgabe des 1. Wortklubs Dortmund Einblicke. (Foto: © Anja Cord).
Was macht der Erfolg mit einem Menschen? Torsten Sträter und Melanie Raabe gaben bei der zweiten Ausgabe des 1. Wortklubs Dortmund Einblicke. (Foto: © Anja Cord).

Erfolg schlägt sich
im besten Fall auch finanziell nieder und so erzählte Sträter über
die ersten 8.000 DM, die er als Tantiemen von einem Verlag bekommen
hatte und stolz seiner Mutter präsentierte. Dass Geld auch
unvernünftig machen kann, war auch Thema. Sträter, der unter
Flugangst leidet, gönnte sich und seinem Sohn einen Flug in der
Business-Class nach New York.

Nebenbei bemerkt: Im
Laufe des Gespräches kam auch heraus, dass Sträter und Raabe zur
gleichen Zeit in New York waren, aber begegnet waren sie sich dort
nicht.

Was macht Erfolg mit
einem? Eine Erkenntnis ist wohl, dass die Selbstzweifel geringer
werden. Wer ständig von Verlagen abgelehnt wird, hat auch kein
großes Selbstvertrauen, wer Bestsellerromane schreibt, hat weniger
Angst vor dem weißen Blatt.

Eine kleine
Raffinesse hatte Moderator Thomas Koch auch noch parat: Sträter
musste einen Text von Raabe lesen und umgekehrt. Dabei hatte Raabe
sehr zur Freude des Publikums mehr Mühe bei Sträters Geschichte
über das Ende von „Struppi“ Ernst zu bleiben.

Die Musik steuerte
die Liedermacherin Cynthia Nickschas und ihre Freunde bei. Sie sang
einige Stücke aus ihrem neuen Album „Egoschweine“. Ihre Mischung
aus Folk und Rock mit punkiger Attitüde wurde im domicil vom
Publikum begeistert aufgenommen.

Nach „Religion vs.
Freiheit“ und „Erfolg“ geht der 1. Wortklub Dortmund am 04.
April in die dritte Runde mit einem Thema, das natürlich zu Dortmund
passt: Fußball. Mit dabei sind Birgit Schönau, Klaus Theweleit und
das Sergej Gorlukowitsch Sextett.

Wie man an Tickets
kommt, steht auf der Seite vom Wortklub: www.wortklub.de.




Wenn das Konzerthaus zum Club wird

Am 11. März 2019
war es wieder soweit: Die Groove Symphony lockte wieder Alt und vor
allem Jung ins Dortmunder Konzerthaus zum „2. Konzert für junge
Leute“. Mit dabei waren neben den Dortmunder Philharmonikern unter
der Leitung von Ingo Martin Stadtmüller der DJ Larse, der Gitarrist
Tim Bücher und Sebastian23 als Moderator.

Das Besondere bei
der Groove Symphony ist das Zusammenspiel zwischen den klassischen
Musikern auf ihren „analogen“ Instrumenten und den digitalen
Klängen der DJs. DJ Larse hatte sich zusammen mit dem Dirigenten
Stadtmüller sowie den Arrangeuren Henning Hagedorn und Matthias
Grimminger Sergej Rachmaninows „Symphonische Tänze“ näher
angeschaut und fand, dass sie sich ideal für die Bearbeitung mit
elektronischen Grooves eignen.

Der erste Teil des
Konzertes bestand aus sechs Musikstücken, die aus Elementen der
„Symphonischen Tänze“ bestanden. Das Besondere daran war, dass
die digitalen und analogen Klänge wunderbar miteinander
harmonierten. Zusammen ergaben sie einen faszinierenden Klang. Das
Schlagwerk der Dortmunder Philharmoniker machte einen tollen Job.

Besonders
hervorzuheben sind auch die beiden Solisten Matthias Grimminger
(Klarinette) und Tim Bücher (Gitarre). Ihre abwechselnden Soli waren
der Höhepunkt des gesamten Konzertes und wurden zu Recht mit
Sonderapplaus vom Publikum bedacht.

Groove Symphony: Wieder einmal eine gelungene Kombination zwischen klassischer und elektronischer Musik. (Foto: © Anneliese Schürer)
Groove Symphony: Wieder einmal eine gelungene Kombination zwischen klassischer und elektronischer Musik. (Foto: © Anneliese Schürer)

Im zweiten Teil
unterstützten die Philharmoniker die Tracks von DJ Larse. Mit „The
More I Want“ hatte er einen veritablen Hit auf Ibiza. Der
Dortmunder DJ zeigt in seinen Songs seine soulige, chillige Seite.
Leider hat im zweiten Teil niemand den Mut gehabt, im Konzerthaus zu
tanzen trotz der Aufforderung von Sebastian23. Der Poetry-Slammer
erzählte zwischen den Blöcken kurz etwas zur Geschichte der
elektronischen Musik.

Die „Groove
Symphony“ entwickelt sich zum Dauerbrenner im Konzertbetrieb. Die
angeblichen Gegensätze zwischen modernen elektronischer Musik und
klassischen Kompositionen werden in den knapp 75 Minuten
pulverisiert. Zurück blieben glückliche Besucher, die den Musikern
mit nicht endend wollenden Applaus von der Bühne verabschiedeten.




Gelungenes musikalisches Doppel mit Bach und Bartók

Es klingt nicht sehr
positiv, wenn jemand sagt „Sie spielt nur die zweite Geige“. Doch
in einem Orchester haben die zweiten Geigen eine wichtige Funktion
und sind veritable Musiker. Das konnte die Gruppe der zweiten Geigen
der Dortmunder Philharmoniker beim 3. Kammerkonzert eindrucksvoll
unter Beweis stellen. Am 04. März 2019 erklangen Werke von Bach und
Bartók im Orchesterzentrum.

Im Mittelpunkt des
Abends standen die 44 Duos für zwei Violinen von Bartók. Diese
kurzen Etüden schrieb Bartók für den Freiburger Musikpädagogen
Erich Doflein. Um den Übungscharakter der Stücke aufzubrechen,
hatten die Musiker die gute Idee, die Etüden in Gruppen zu ordnen
und mit Chorälen von Johann Sebastian Bach in Bezug zu setzen. So
erklangen nach dem Choral „Das alte Jahr vergangen ist“ (BWV 614)
vier Neujahrslieder aus den 44 Duos von Bartók. Es ist schon eine
besondere Mischung. Auf der einen Seite der protestantische Bach,
dessen Choral „Seelenbräutigam“ (BWV 496) sich natürlich auf
Jesus Christus bezieht, während der als einer der großen Atheisten
der Musikgeschichte geltende Bartók in seinen Etüden die
weltlich-bäuerliche Natur zum Klingen bringt.

Eine weitere
Inspirationsquelle von Bartók ist die Volksmusik. Es ist daher nicht
überraschend, wenn in den 44 Duos viele Tänze aus Ungarn sowie den
umliegenden slawischen Ländern zu finden sind.

Die zweiten geigen spielten ein erstklassiges Konzert mit Werken von Bach und Bartók im Prchesterzentrum. (Foto: © Dortmunder Philharmoniker)

44 Duos, elf Choräle
und neun zweite Geigen: Wie wurde das Konzert organisiert? In der
Regel standen vier Violinistinnen und Violinisten in der Mittel der
Bühne, während die fünf anderen an der Seite auf der „Ersatzbank“
warteten. Die vier spielten zunächst gemeinsam einen Choral und dann
abwechselnd als Duo einige Stücke von Bartók. Nach einem solchen
Block wurde gewechselt.

Eine weitere gute
Idee war, Anne Kussmaul als Moderatorin zu integrieren. Kussmaul ist
freischaffende Musikvermittlerin und spielte zehn Jahre lang bei den
zweiten Geigen der Dortmunder Philharmoniker mit. Sie erklärte
zwischen den Blöcken die Funktion der zweiten geigen und führte
kleine Interviews.

Ein kleines Bonbon
gab es als Zugabe. Denn das Konzert fand ja am Rosenmontag statt. So
wurde im Orchesterzentrum das bekannte Kölner Karnevalslied „Denn
wenn et Trömmelche geht“ von „De Räuber“ gespielt.

Es spielten an
diesem Abend Oleguer Beltran Pallarés, Frank Rudolph, Renate
Morocutti, Ulrike Grosser-Krotzinger, Vera Plum, Iris Plettner,
Natalie Breuninger, Susanne Schmidt, Kathrin Averdung und Anne
Kussmaul.




Struwwelpeter kräftig durchgebürstet

Fast jeder kennt das Buch „Struwwelpeter“ aus dem Jahre 1844 von Heinrich Hoffmann. Der „Suppenkasper“ oder „Hans-guck-in-die-Luft“ sind sprichwörtlich geworden. Das Buch ist weit über die deutschen Grenzen hinaus bekannt geworden, so dass es in England unter dem Titel „Shockheaded Peter“ erschienen ist. Die Dark-Cabaret-Gruppe „The Tiger Lillies“ machte aus dem Stoff 1998 ein Musical. Die Kulturbrigaden unter der Leitung von Rada Radojcic setzten noch einen drauf und brachten das Stück als Grusical in das Theater im Depot. Die Premiere war am 22. Februar 2019, auch wenn das Stück bereits seine Vorpremiere Silvester 2018 hatte.

Die „Tiger Lillies“ haben die Geschichte etwas umgeschrieben. Zunächst das Wichtigste: Während im Original nur einige Kinder sterben, so kommen bei „Shockheaded Peter“ konsequent alle Kinder um. Zudem gibt es eine kleine Rahmenhandlung: Ein Paar sehnt sich vergeblich nach einem Kind, aber als es endlich da ist, ist es ein „Struwwelpeter“, so dass es in den Keller gesperrt wird. Darüber werden die Eltern langsam, aber sicher wahnsinnig.

Phantasievolle Kostüme sind ein Markenzeichen von Rada Radojcic. Auf bei "Shockheaded Peter" zu bewundern. (Foto: © Wulf Erdmann)
Phantasievolle Kostüme sind ein Markenzeichen von Rada Radojcic. Auf bei „Shockheaded Peter“ zu bewundern. (Foto: © Wulf Erdmann)

Durch die Handlung führte ein Conferencier, der eindrucksvoll von Christiane Wilke gespielt wird. Sie war neben Birgit Götze der einzige Profi in einer sehr gut eingespieltes Truppe der Kulturbrigaden. Die fantasievollen Kostüme – nicht nur des Conferenciers – wurden wie gewohnt von Rada Radojcic gefertigt. Überhaupt Radojcic: Sie hatte in dieser Aufführung weitere Aufgaben. Sie führte nicht nur Regie, sondern sang auch die meisten Songs. Sie wurde begleitet durch eine kleine Band, angeführt vom musikalischen Leiter der Produktion Dixon Ra und dem Schlagzeuger Lennart Rybica. Dabei wurde die Musik der „Tiger Lillies“ als Inspirationsquelle benutzt. Da sowieso niemand den Falsett-Gesang von Martyn Jaques kopieren konnte, interpretierte das Trio die Lieder wieder neu und brachte auch eine größere musikalische Bandbreite zu Gehör.

Von den
Kulturbrigaden machen Amelia Braun, Annika Czaia, Solveig Erdmann,
Helen Gierhake und Mika Kuruc mit. Die die einzelnen Geschichten
stumm spielten, da der Conferencier ja in die Szenen einführten.

Die einzelnen Szenen sind den Meisten ja aus dem Kinderbuch bekannt. Wie erwähnt, im Gegensatz zum Buch sterben alle Kinder. (und werden in der Inszenierung ab und zu von einem Gruselclown abgeholt). Kleiner Wermutstropfen: Leider hat Interpretation der Tiger Lillies die (leider immer noch) aktuelle Geschichte aus dem Struwwelpeter verwässert: Die Geschichte vom schwarzen Buben. Im Original ärgern drei Kinder einen Farbigen wegen seiner Hautfarbe und werden zur Strafe in ein Tintenfaß gesteckt, so dass sie schwärzer werden als der „Mohr“. Bei „Shockheaded Peter“ sind die drei Kinder Schläger, die einen Mann tyrannisieren und vom Nachbarn erschossen werden. Da haben sich die Autoren bei der Neubearbeitung etwas zu sehr von „Clockwork Orange“ inspirieren lassen. Auch wenn die Kulturbrigaden die Szene gut rüber bringen, etwas schade ist es dennoch.

„Shockheaded
Peter“ ist seit ihrer Uraufführung ein beliebtes Stück auch auf
den städtischen Bühnen. Angesichts der Tatsache, dass diese
städtischen Bühnen weitaus mehr Mittel haben, dieses Stück auf die
Bühne zu bringen, bleibt festzuhalten, mit wie viel Liebe und
Herzblut Radojcic an diese Aufgabe herangeht. In jeder Szene ist die
Fantasie und Hingabe zu spüren und alle Beteiligten stecken viel
Leidenschaft in „Shockheaded Peter“.

Es gint im April
zwei Termine, diese Inszenierung von „Shockheaded Peter“ zu
sehen: am 12..04. und am 13.04.2019 jeweils um 20 Uhr. Ich kann das
Stück jedem nur empfehlen.

Karten unter
0231/982 120 oder info@theaterimdepot.de




Frischer Blick auf neue Kunst

Zehn Studierende und
Alumni der Hochschule für bildende Künste in Essen zeigen 23.
Februar bis 7. April 2019 Positionen im Künstlerhaus Dortmund unter
dem Titel „45257//44147“. Dass die Postleitzahlen als
Ausstellungstitel benutzt werden, zeigt, dass es kein Thema oder
Motto gab. Es sollte die Grenzen der Disziplin ausgelotet werden.
Die Leitung des Studienganges Fotografie und Medien hat Prof. Carsten
Gliese, der zusammen mit Peter Schmieder vom Künstlerhaus das
Konzept und die Organisation übernommen hat.

Ruben S. Bürgam
wurde durch die „Wisch-Bewegungen“, die Interaktion mit
Smartphones und Co., zu ihrer Arbeit „serial.interfaces“
inspiriert. Durch Positionierung und Ausrichtung der Bildträger aus
Glas und Orthopädieschaum, wird die Projektion vervielfältigt und
entwickelt sich dadurch zur multiperspektivischen Installation.

Bei den Arbeiten von
Annette Hiller stehen Struktur, Form,Licht und Raum im Vordergrund.
Sehr spannend sind ihre dreidimensionalen Bilder. Hierbei nimmt sie
das Bild als Material für einen weiteren Prozess und baut aus
Kartons einen weiteren Raum. Zusätzlich ist sie mit ihren
Reliefbildern im Künstlerhaus zu sehen.

Annette Hiller macht aus zweidimensionalen Fotos dreidimensionale Objekte.
Annette Hiller macht aus zweidimensionalen Fotos dreidimensionale Objekte.

Zum Thema „Fake
News“ hat sich Diana Hommel Gedanken gemacht,. „Das große
Durcheinander“ aus der Reihe „Fake News oder stille Post für
Fortgeschrittene“ zeigt eine Flut von Bildmanipulationen eines
Ortes im digitalen Zeitalter, Sie wirken wie Originale, die keine
Originale sind.

„Schönheit der
Physik“ – so könnte man die Installation „Inertia“ von Loïc
Hommel. Hier sind zwei Pendel in einer Konstruktion angebracht, die
sich in einem bestimmten Zeitintervall für einen kurzen Augenblick
um ihre eigene Zentralachse drehen. An beiden enden des Pendels ist
eine Lichtquelle angebracht, die einen Lichtpunkt über die
Oberfläche einer darunterliegenden phosphoreszierenden Fläche
wirft.

Dirk Krüger zeigt
im Keller des Künstlerhauses den Film „Verzaubert“, bei dem der
Protagonist Tom über sein Leben erzählt. Tom ist sehr eloquent und
der Betrachter muss entscheiden, in wie weit er Toms Erzählungen
vertrauen möchte.

So schön kann Physik sein. "Inerta" von Loïc Hommel.
So schön kann Physik sein. „Inerta“ von Loïc Hommel.

Kritik an der mediale Schönheitsideal übt Meike Poese. Sie fotografierte über 90 verschiedene Menschen aus dem gesamten Ruhrgebiet, um zu zeigen, wie unterschiedlich und einzigartig jeder Einzelner ist. Zu sehen sind etwa 50 Schwarz-Weiß-Bilder im Künstlerhaus.

Neben einer
skulpturalen Arbeit zeigt Gabi Rottes zwei Videoinstallationen, bei
der sie zwei Räume seziert und auseinander nimmt. „Ich entnehme
die Details und stelle sie neu zusammen“, so die Künstlerin. In
„MIES.movin .curtain“ und „Mies.misian motion“ lässt sie den
Betrachter duch Räume fliegen, deren Grundlagen der
Barcelona-Pavillion, das Farnsworth House oder die Neue
Nationalgalerie sind.

„Elemente stehen
immer in Beziehung“ – so lautete der Titel der Arbeit von Simon
Tretter übersetzt. Im „untitled – elements are always relatet“
geht es ihm um das Verhältnis von Kunst und Betrachter. In der
dreigeteilten Arbeit wird eine wartezimmerähnliche Situation
dargestellt. Fremdartig, aber doch irgendwie vertraut.

Xiamo Wang fragt
nach den Unterschieden und Gemeinsamkeiten zwischen zwei urbanen
Zentren wie Dortmund und ihrer Heimatstadt Chengdu, Für Wang ist die
nächtliche Stadtlandschaft attraktiver und mysteriöser als am Tag.
In zwei Fotobüchern präsentiert sie ihre Entdeckungen und
entwickelt so etwas wie einen Chat zwischen den beiden Städten.

Simon Badura zeigt
Räume, die ihn in seiner Kindheit geprägt haben und die er den
Betrachtern vorstellt. Somit haben die Besucher die Gelegenheit, an
seinen Erinnerungen teilzuhaben oder aber eigene Ideen zu entwickeln.

Die Öffnungszeiten
der Ausstellung im Künstlerhaus sind von Donnerstag – Sonntag von 16
– 19 Uhr.




Poetische Fotografien im Kunstraum

Vom 23. Februar bis
zum 12. April 2019 zeigt der Kunstraum in Langen August an der
Braunschweiger Straße Fotos von Guntram Walter und Rolf Dennemann
unter dem Titel „Laue Luft kommt blau geflossen“.

Der Titel der
Ausstellung stammt zwar aus einem Gedicht von Joseph von Eichendorff,
doch die Fotografien, die beinahe jede Nische des Kunstraums
ausfüllen, spiegeln die jüngeren Projekte von artscenico wider.
Seit 2010 begleitet der Fotograf Guntram Walter artscenico und hält
eindrucksvolle Impressionen der Inszenierungen fest. Dabei gehen die
ausgewählten Fotografien über reine Erinnerungen und Dokumentation
hinaus, daher sind sie auch nicht chronologisch aufgehängt. Für
etwa 75 Prozent der Bilder ist Walter verantwortlich, die anderen 25
Prozent stammen von Dennemann.

Guntram Walter begleitet die artscenico-Produktionen schon seit 2010.
Guntram Walter begleitet die artscenico-Produktionen schon seit 2010.

Wer die Produktion
von Rolf Dennemann, dem Kopf hinter artscenico verfolgt hat, wird
häufig ein Dé­jà-vu-Er­leb­nis bekommen. Dennemann und
Wagner haben sich bis auf eine Ausnahme auf „Outdoor-Produktionen“
konzentriert, daher sind beispielsweise Bilder aus Litauen, der
Nordstadt („Juckpulver und Hagebuttentee“) oder dem Hauptfriedhof
(„Rehe auf der Lichtung“) zu sehen. Eine Ausnahme ich ein Foto
aus der Inszenierung „50 Menschen“, die im Depot stattfand.

Die größte Schwierigkeit bestand sicherlich aus der Auswahl der etwa 5.000 bis 6.000 Fotos. „Das Problem war die Befangenheit vor dem eigenen Spiegel“, formulierte Dennemann das Dilemma. Fotos, die man vor Monaten noch toll fand, fielen plötzlich in der Gunst weit nach hinten. Doch ein Foto hat einen besonderen Platz. Es stammt aus der Produktion „Juckpulver und Hagebuttentee“ und die abgebildeten Personen schauen den eintretenden Besucher an.

Auch wenn es Bilder
sind, die Aktionen „draußen“ zeigen, für die Ausstellung wurde
ein intimer Raum gesucht, der nicht so flüchtig ist. Da bot sich der
Kunstraum idealerweise an. Möglicherweise wird die Ausstellung auch
nach Lissabon und/oder Kaunas wandern.

Passend zur
Ausstellung gibt es noch ein kleines Rahmenprogramm. So werden Rolf
Dennemann und Elisabeth Pleß eine kleine Lesung mit Musik unter dem
Titel „Laute und leise Laute mit Gesicht“ geben. Sie findet am
06. April 2019 um 20 Uhr im Kunstraum statt.

Öffnungszeiten
Kunstraum

Dienstag bis Freitag
15 bis 19 Uhr

www.langer-august.de




Wenn Religionsfreiheit andere Freiheiten bedroht

Zur Premiere des 1.
Dortmunder Wortklubs hatte Gastgeber Thomas Koch ein durchaus
brisantes Thema gewählt. Am 14. Februar 2019 hieß es im domicil
„Religion vs. Freiheit“. Zu Gast waren Güner und Misha Vérollet,
für die Musik war Paul Wallfisch, der frühere musikalische Leiter
des Schauspielhauses Dortmund.

Im Artikel 18 der
Menschenrechte wird unter anderem die Religionsfreiheit erwähnt.
„Jeder hat das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und
Religionsfreiheit.“ Doch es scheint, dass je stärker die Religion
wird, die anderen Menschenrechte in Mitleidenschaft gezogen wird.
Besonders auf Frauen und Mädchen wird immer stärkerer Druck
ausgeübt.

Zu Beginn begrüßte
Thomas Koch Misha Vérollet. Die Eltern von Vérollet sind Zeugen
Jehovas und so wuchs er in einem streng religiösen Umfeld auf. Viele
Dinge, die für andere Kinder selbstverständlich waren, wurden ihm
verwehrt, so beispielsweise Kindergeburtstage.Auch zu viel Bildung
kann störend sein, Kinder sollten möglichst nicht auf eine
Hochschule gehen, dann hätte es Nachteile für die Eltern.

Danach kam Güner
Balci auf die Bühne. Balci stammt aus einem religionsfernen,
alevitischen Elternhaus und bekam die schleichende religiöse
Veränderung in Berlin-Neukölln mit. Gab es beispielsweise vor gut
zehn noch genügend öffentliche Ort, wo Jungen und Mädchen zusammen
kamen, ist jetzt alles streng nach Geschlechtern getrennt. Balci
benennt die schleichende religiöse Dogmatisierung in ihren Büchern
und journalistischen Beiträgen.

Der 1. Wortklub im Dortmunder domicil wurde von Gastgeber Thomas Koch geleitet. Gäste waren bei der Premiere Misha Vérollet, Güner Balci und Paul Wallfisch.
Der 1. Wortklub im Dortmunder domicil wurde von Gastgeber Thomas Koch geleitet. Gäste waren bei der Premiere Misha Vérollet, Güner Balci und Paul Wallfisch.

Nach einer kurzen
Pause las Koch noch einen eigenen Text zum Thema. Der drehte sich um
das „Untenrum“. Auf sehr humoristische Weise zeigt Koch wie sehr
sich die Religion um den Bereich „Untenrum“ einmischt. Alle
Religionen wollen anscheinend über Penis und Vagina kontrollieren
und stellen bisweilen merkwürdige Regeln auf.

Danach diskutieren
Koch, Vérollet und Balci gemeinsam über das Verhältnis Freiheit
und Religion. Besonders Vérollet und Balci kritisierten Teile der
Linken, die Religionskritik ablehnen, weil man damit das Geschäft
der Rechten betriebe. Belci wandte sich konkret gegen den Begriff des
„Feminismus des Kopftuchs“.

Zwischendrin sang
Paul Wallfisch am Klavier einige zum Thema passende Lieder. Am
eindrucksvollsten war sicherlich die Gospel-Version von Motörheads
„God was never on your side“, aber auch die anderen Lieder, u.a.
„Time“ von Tom Waits und seine Lieder aus „Der Meister und
Margarita“ waren passend.

Der 1. Dortmunder
Wortklub öffnet seine Tore wieder am 14. März 2019 zum Thema
„Erfolg“. Gäste sind Melanie Raabe und Torsten Sträter, die
Musik kommt Cynthia Nikschas. Am 04. April 2019 dreht sich alles um
„Fußball“, dabei sind Klaus Theweleit und Birgit Schönau, hier
spielt das „Sergej Gorlukowitsch-Sextett“ auf. Am 02. Mai 2019
geht es ums Kochen, hier begrüßt Thomas Koch Verena Lugert und
Helmut Gote und Musik machen „The Zucchini Sistaz“.

Alles um 19:30 Uhr
im domicil. Tickets gibt es unter www.wortklub.de
und www.domicil-dortmund.de




Struwwelpeter als Grusical

Wer kennt es nicht,
das Kinderbuch der „schwarzen Pädagogik“, den „Struwwelpeter“.
Die Personen in den einzelnen Stücken sind berühmt geworden. Der
Suppenkasper, Hans-guck-in-die-Luft oder der Zappel-Philip haben es
sogar als medizinische Diagnose geschafft. Das Buch aus dem Jahre
1844 hat mit Kuschelpädagogik nichts am Hut. Das Fehlverhalten der
Kinder wird sehr drastisch bestraft. Verstümmelung oder Tod sind
mögliche Konsequenzen. Dieses groteske Detail hat die englische Band
The Tiger Lilies bewogen, eine Art Musical aus dem Stoff zu machen.
„Shockheaded Peter“ heißt es und feiert rund um den Globus große
Erfolge. Die Kulturbrigaden unter der Leitung von Rada Radojcic
bringen es nun in Dortmund auf die freie Kunstbühne im Theater im
Depot. Nach der Vorpremiere zu Silvester hat das Stück seine
eigentliche Premiere am 22.02.19.

Wer die Stücke von Rada Radojcic und den Kulturbrigaden kennt, kann sich schon auf schöne Kostüme und Masken in „Shockheaded Peter“ freuen. Wenn schon das Original die Konsequenzen für die Kinder zeigt, versucht Radojcic noch einen drauf zu setzen. „Der Reiz liegt in der absoluten Übertreibung“, erklärt die Regisseurin, die aus dem Stoff ein Grusical geschaffen hat.

Die Katzen Minz und Maunz aus der Geschichte mit Paulinchen samt Conferencier. (Foto: © Wulf Erdmann)
Die Katzen Minz und Maunz aus der Geschichte mit Paulinchen samt Conferencier. (Foto: © Wulf Erdmann)

Es wird etwa 12 bis 13 Szenen geben, erklärte die Regisseurin, jede Szene hat ein komplett neues Outfit was natürlich hohe Anforderungen an Organisation und Kostüme mit sich bringt. Eingebettet ist das Stück in eine Rahmenhandlung, bei der Eltern ein schwierige Kind bekommen, das sie in den Keller sperren, weil sie nicht mehr weiter wissen.

Ein Conferencier
führt bei „Shockheaded Peter“ durch die Handlung, während eine
Sängerin (Rada Radojcic) die einzelnen Geschichten singend erzählt,
die Darsteller letztendlich setzen die Geschichte schauspielerisch
um.

Radojcic ist ein
großer Fan der Tiger Lilies, daher hat sie sich entschlossen die
Musik nicht einfach zu kopieren, was auch durch den unverwechselbaren
Falsettgesang von Martyn Jacques schwer möglich ist. Daher hat sie
zusammen mit ihrem musikalischen Leiter Dixon Ra einige Lieder
umgearbeitet, so dass die Melodien noch erkennbar sind, aber die
Lieder jetzt „mehr Punk, Funk und Pop statt Walzer“ sind.

Neben der Premiere
am 22.02.2019 um 20 Uhr, gibt es weitere Termine am 23.02., 12.04.
und 13.04. 2019 jeweils um 20 Uhr. Karten gibt es unter
ticket@theaterimdepot.de