Emil und die Detektive – Kästners Klassiker als Solo

Ein außergewöhnliches Stück feiert am 18. Mai 2019 im Kinder- und Jugendtheater Dortmund (KJT) seine Premiere. Aufgeführt wird „Emil und die Detektive“ von Erich Kästner, aber es wird nur ein Schauspieler auf der Bühne stehen und der ist niemand anderes als Andreas Gruhn, der Leiter des KJT. Der Enkel von „Gustav mit der Hupe“ erzählt die Gesichte, wie er sie von Opa erzählt bekam. Daher auch der Untertitel „Ein Solo für Gustav“.

Der Roman für
Kinder von Kästner aus dem Jahre 1929 ist sicher einer der
bekanntesten Detektivgeschichten für Kinder. Zur Handlung: Der
12-jährige Emil Tischbein fährt nach Berlin, um seiner Oma 140 Mark
zu übergeben. Während der Fahrt wird ihm das Geld von einem
gewissen Herrn Grundeis gestohlen. Emil kann ihn aber vom Bahnhof Zoo
verfolgen. Dabei trifft er auf Gustav mit der Hupe mit ihm und seinen
Freunden können sie den Mann so lange verfolgen und vor einer Bank
stellen und der Polizei übergeben. Die stellt fest, dass der Herr
„Grundeis“ verschiedene Namen hat und ein gesuchter Bankräuber
ist.

Passend zum Stück wird viel ,Berliner Lokalkolorit zu sehen sein. Andreas Gruhn als "Gustav mit der Hupe". (Foto:© Birgit Hupfeld)
Passend zum Stück wird viel ,Berliner Lokalkolorit zu sehen sein. Andreas Gruhn als „Gustav mit der Hupe“. (Foto:© Birgit Hupfeld)

Kästners „Emil
und die Detektive“ ist ein Buch, bei der die Kinder auch einen sehr
aktiven Part einnehmen und die Geschichte ohne Lösung der
Erwachsenen auskommt. Doch der Roman hat noch einen anderen Aspekt,
denn es ist auch ein Zeitdokument. Es spielt im Berlin der
ausgehenden 20er Jahre und beinhaltet sehr viel Lokalkolorit. Daher
ist es nicht verwunderlich, wenn Gruhn sagt, dass „Berlin die
zweite Hauptrolle spielt“, schließlich ist er ja auch in der
Gegend aufgewachsen, in der „Emil und die Detektive“ spielt.

Die Monologfassung
hat Bettina Zobel, Ensemblemitglied im KJT verfasst, es ist zwar
nicht ihr erstes selbst verfasstes Stück, aber das erste für ihren
„Chef“, der nach zwanzig Jahren wieder auf der Bühne steht. Der
besondere Kniff von Zobels Fassung ist, dass die Geschichte aus Sicht
von Gustav mit der Hupe erzählt wird oder besser gesagt, was der Opa
Gustav seinem Enkel Gustav über die spannende Detektivgeschichte
erzählt hat. Gruhn wird in der Fassung mehrere Rollen
interpretieren, schließlich macht ja die große Gruppe Kinder den
Räuber nervös.

Das Stück wird in
dieser Spielzeit noch zehnmal aufgeführt, es wird aber auch in der
nächsten Spielzeit fortgesetzt.

Termine und Infos
finden Sie unter www.theaterdo.de




Künstlerinnen und Künstler interpretieren Macht im kunstbetrieb

Vom 11. Mai bis zum 22. Juni 2019 zeigt die Galerie „der
kunstbetrieb“ in der Gneisenaustraße 30 die Ausstellung „machtvoll
– Positionen aus der Kunst zum Thema Macht“. Mit dabei sind Almut
Rybarsch-Tarry, Anke Droste, Brigitte Felician Siebrecht, Klaus
Pfeiffer, Susanne Grytzka und Udo Unkel.

Von der Wortherkunft her scheint es passend: Das Wort „Macht“
kann laut Wikipedia auf die lautende indogermanische Wurzel „mag-“
(kneten, pressen, formen, bilden) zurückgeführt werden. Damit hat
Macht auch was mit bildende Kunst zu tun, denn geformt und gebildet
wird auch in der Kunst, mit dem Fotografieren waren die Indogermanen
noch nicht so weit.

Jetzt gibt es viele Definitionen von Macht. Anke Droste hat in
ihrer Wandinstallation „Keep on tripping“ einige davon in
Fotografien und Malerei umgesetzt. Für Hannah Arendt entsteht
„Macht, wann immer Menschen sich zusammentun und gemeinsam
handeln“. Foto Nummer 6 zeigt feiernde Fußballfans auf der
Katharinentreppe anlässlich der WM 2006. Das Bild Nummer 3 hingegen
symbolisiert den Terror von 9/11. Die Macht der Zerstörung.

Dass das Wort mächtig ist, ist altbekannt. Schließlich steht in
der Bibel zu Beginn „Am Anfang war das Wort“. Auch die
Heerscharen von Zaubersprüchen basieren darauf, dass Worte in Macht
umgesetzt werden können. Die Arbeit „create I speak“ von
Brigitte Felician Siebrecht versteckt das Wort „Abracadabra“ im
Bild. Nur wenn es dunkel wird (oder mit einer Taschenlampe) werden
die hebräischen Schriftzeichen deutlich,

"Tod und Liebe" von Almut Rybarsch-Tarry.
„Tod und Liebe“ von Almut Rybarsch-Tarry.

Die Erinnerung hat sehr viel Macht über einen Menschen. Susanne
Grytzka schreibt auf drei großen Papierrollen, die so aussehen wie
Tapetenrollen Texte kreuz und quer. Es hat etwas manisches und
erinnert an manche Gruselfilme, in denen vollgekritzelte Wände mit
Hinweisen vorkommen.

Almut Rybarsch-Tarry zeigt zwei Figuren. Bei „Tod und Liebe“
sind gleich zwei Dinge vereint, die große Macht über uns haben. Der
Tod, denn alles Leben endet mit ihm und die Liebe, für die viele
bereit sind, alles zu tun. Bei der Figur „Sex sells“ geht es
natürlich auch um die Machtfrage. Hat der die Macht, der Sex kauft
oder derjenige, der ihn anbietet?

Udo Unkels Figuren aus Edelstahl sind im Gussverfahren
hergestellt. Sie haben alle keine Arme und wirken sehr verletzlich.
Klaus Pfeiffer stellt eindrucksvolle Schwarz-Weiß-Fo­to­gra­fien
aus, die inspiriert sind von Foucaults Ausspruch „Die wirre Matrix
der Macht“.




Erster Wortklub Dortmund – Let‘s talk about cooking

Die Maiausgabe der
monatlichen Talkreihe des „1. Wortklub Dortmund“ mit Moderator
Thomas Koch drehte sich ums Thema Kochen. Zwei interessante Gäste
hatte Thomas Koch eingeladen: Verena Lugert und Helmut Gote. Die
musikalische Begleitung kam von den Zucchini Sistaz.

Eigentlich hatte
Verena Lugert alles erreicht. Sie hatte die Henri-Nannen-Schule
besucht, war Korrespondentin für neon in Südostasien. Sie reiste
zwischen Hamburg und Bali hin und her und schrieb Reportagen. Dann,
mit 39 Jahren, machte sie einen großen Schnitt und fing nochmal neu
an. In einer Küche. In London. Ganz unten. Davon handelt ihr Buch
„Die Irren mit dem Messer“ aus dem sie auch vorlas. In einer
Sternenküche geht es ähnlich ab wie beim Militär. Es ist streng
hierarchisch strukturiert und jeder Handgriff muss sitzen. Wehe, es
geht etwas schief, da fließen schon mal Tränen. Doch am Ende
stellte sich ein gewisses Glücksgefühl ein, wenn alles funktioniert
und der Gast glücklich ist.

Thomas Koch (ganz rechts) mit seinen Gästen Helmut Gote und Verena Lugert. (Foto: © Anja Cord)
Thomas Koch (ganz rechts) mit seinen Gästen Helmut Gote und Verena Lugert. (Foto: © Anja Cord)

Der zweite Gast des
Abends war Helmut Gote, der kulinarische Journalist bei WDR 5 sowie
WDR 2 und Buchautor. Er erzählte von seiner Kindheit in Bottrop und
den Speisen, die seine Großmutter kochte. Er stammt aus einer
Bergarbeiterfamilie und das Essen war dementsprechend gutbürgerlich.
Er verriet das Geheimnis von Großmutters Rouladen: Sie tat gewürztes
Bratwurstbrät hinein. Die Besucher erkannten schnell, warum Gote zu
beliebt ist. Er konnte charmant über alles, was in der Küche
passiert, reden.

Ein großes Thema
nach der Pause war die Sternenküche. Für Lugert und Gote stand die
Bedeutung der Sterne außer Frage, wobei Gote das Chi-chi um die
Speisen ein wenig zu viel war. Er sehnte sich nach den alten
Sterneköchen zurück, die den Gast im Auge hatten und nicht ihre
Kochkunst.

Musikalisch wurde
die Veranstaltung sehr schwungvoll von den Zucchini Sistaz begleitet.
Sie verbinden die Gesangskunst der Andrew Sistaz mit einer gehörigen
Portion Virtuosität an den Instrumenten. Ihre Musik, Jazz, Swing und
Boogie aus den 30ern bis 50ern, riss das Publikum mit. Dazu
überzeugten sie mit tollen Kostümen und frechen Ansagen.

Wegen der
Sommerpause findet der nächste Dortmunder Wortklub erst am 12.
September um 19:30 Uhr an alter Wirkungsstätte im domicil statt.




Ente, Tod und Tulpe – ein Stück über Leben und Tod

Everybody’s wonderin‘ what and where they they all came from
Everybody’s worryin‘ ‚bout where they’re gonna go
When the whole thing’s done
But no one knows for certain
And so it’s all the same to me
I think I’ll just let the mystery be
(„Let the mystery be“, Iris DeMent)

Kindern den Tod zu
erklären kann schwierig sein. So etwa, wenn plötzlich die Oma
stirbt oder das geliebte Haustier nicht mehr da ist. Was bedeutet
„tot“ und was passiert dann mit einem? Es fällt schon
Erwachsenen schwer, mit ihrer Angst vor dem Tod klarzukommen. Kinder
sehen das, so Psychologen, je nach Alter, vielleicht etwas
unbefangener. Wolf Erlbruch schrieb zu diesem Thema das Kinderbuch
„Ente, Tod und Tulpe“. Nora Dirisamer bearbeitete es als
Theaterstück und Rada Radojcic von den Kulturbrigaden führte Regie.
Die Premiere fand am 05.05.19 im Theater Fletch Bizzel statt.

Die Geschichte: Die
Ente bekommt unerwarteten Besuch. Es ist der Tod. Doch die Ente fühlt
sich noch nicht bereit. Sie überzeugt den Tod noch ein Weilchen bei
ihr zu bleiben und gemeinsam erleben sie eine schöne Zeit. Doch
irgendwann wird es Zeit für die Ente zu gehen …

Aus dieser
Konstellation entwickelt sich ein lustiges, aber auch anrührendes
Theaterstück. Anna Marienfeld gibt eine lebenslustige quicklebendig
erscheinende Ente, während Christiane Wilke den Tod erst sehr ernst
spielt, der dann aber im Laufe des Stückes immer mehr auftaut und
Spaß an den Enten-Dingen findet, wie beispielsweise dem Gründeln.

Die Ente versucht
den Tod auf verschiedene Arten auszutricksen. Hier ist eine kleine
Reminiszenz an den „Brandner Kasper“ oder anderen Figuren
ersichtlich. Die Möglichkeit, mit dem Tod zu „verhandeln“ ist
eines der Phasen, die die Sterbeforscherin Ross-Kübler im Umgang mit
dem Tod erkannt hat. Neben Verhandeln sind dies das
„Nicht-wahrhaben-wollen“, „Zorn“, „Depression“ und
„Akzeptanz“. Diese Phasen finden sich auch im Stück wieder, wenn
auch in unterschiedlicher Prägung. So wie jeder Mensch individuell
ist, ist es auch die Ente. So gibt nur einen kurzen Moment des
wütenden „warum ich?“.

Ente (Anna Marienfeld) und Tod (Christiane Wilke) lernen sich gegenseitig kennen und schätzen. (Foto: © Rada Radojcic)
Ente (Anna Marienfeld) und Tod (Christiane Wilke) lernen sich gegenseitig kennen und schätzen. (Foto: © Rada Radojcic)

Das Kluge an dem
Stück ist, dass der Tod erklärt, er sei immer bei der Ente gewesen.
Denn der Tod gehört zum Leben dazu. Er ist die letzte Veränderung.
Oder um es salopp zu sagen: Das Leben ist eine Krankheit, die durch
Sex übertragen wird und immer tödlich endet. Wer sich dessen
bewusst ist, lebt sein Leben sicher bewusster. „Carpe diem“-
nutze den Tag.

Natürlich stellt
die Ente dem Tod auch die Fragen nach dem danach. Was passiert nach
dem Tod? Kommt man in den Entenhimmel? Das Gute an dem Stück ist, es
lässt nicht nur die Antwort offen, sondern zeigt, dass das Leben ein
Kreislauf ist. Am Ende holt er Tod ein Entenei hervor, aus dem wieder
eine Ente schlüpfen wird.

Für die Kostüme
war wieder die Regisseurin Rada Radojcic zuständig. Ihr Tod war kein
Skelett wie üblich, sondern kommt in Anzug und Melone daher. Zwar
ist die Figur bleich geschminkt, aber keinesfalls zum Fürchten.
Schließlich ist das Stück ja für Kinder ab fünf Jahre. Die Ente
trägt eine wuschelige Perücke voller Federn.

Natürlich gehört
zu so einem Stück auf die entsprechende Musik. Von „Bella Bimba“
bis „I‘m singing in the rain“ waren fröhliche Klänge zu
hören. Selbstverständlich durfte der bekannte „Ententanz“, den
die Ente zusammen mit dem Tod tanzte, nicht fehlen. Am Ende erklang
traurige Klaviermusik.

Das Stück ist
absolut empfehlenswert. Nicht nur für Kinder, sondern auch für
Erwachsene. Es bleibt zu hoffen, dass dieses Stück öfter gespielt
wird, denn das Thema ist und bleibt zeitlos. Zur gelungenen Premiere
gehörte natürlich die wunderbare und berührende Darstellungskunst
von Marienfeld und Wilke.

„Ente, Tod und
Tulpe“ ist noch einmal am 26.05.19 um 11 Uhr im Fletch Bizzel zu
sehen.




Sozialkritische künstlerische Statements im Torhaus Rombergpark

Von Sonntag,
den 5.Mai bis Sonntag, den 26.Mai 2019 präsentieren 18 Künstlerinnen
und Künstler der Dortmunder Gruppe eine gemeinsame Ausstellung mit
dem Titel „MUSTER“. Im Torhaus Rombergpark stehen Themen wie
Umweltzerstörung, Gesellschaftszwänge oder die Schnelllebigkeit
unserer Zeit im Mittelpunkt der Ausstellung. Zu sehen sind
unterschiedlichste
Arbeiten wie Skulpturen, Gemälde und andere Objekte.

Ein
paar Beispiele aus der Ausstellung: Monika Pfeiffer präsentiert
Häuser aus Pappe. Die Musterhäuser sind passend für die
unterschiedlichen Bewohner, aber nur in Form der bedruckten
Oberfläche (Romantiker, Naturliebhaber oder
Kunstinteressierte).
Ansonsten sind alle Häuser genormt, wie so Vieles in unserer Umwelt.

Eine der Künstlerinnen und Künstler waren beim Pressegespräch im Torhaus vor Ort.
Eine der Künstlerinnen und Künstler waren beim Pressegespräch im Torhaus vor Ort.

Maria
Teresa Crawford Cabral hat sich in ihrem Werk „Urenkelin“ (Öl
auf gemusterter Leinwand) wohl das berühmteste Gemälde als Vorbild
genommen: Die „Mona Lisa“ von Da Vinci. Doch die Urenkelin hat
ein modernes Gerät in ihrer Hand: das
Smartphone. Somit ist das idyllische Bild durch die Moderne
gebrochen.

Silvia
Liebig zeigt in ihrer
Arbeit „Der Anzug der Macht“ das Geld auch „kleidsam“ sein
kann, denn in ihrem Anzug sind Motive der fünf wichtigsten Währungen
integriert. Wer diesen Anzug also trägt, hat wohl die Macht.

Jan Bohrmann
präsentiert unter dem Titel „Digiloges“ Material-Assemblage mit
Platinen und Schnitzspänen von einer Zeder. Die Späne sind
Arbeitsspuren eines Bildhauers. Auf
diese Weise trifft sich die digitale Welt mit der analogen Welt.

Roul
Schneider ist nicht nur mit Werken in der Gemeinschaftsausstellung
vertreten, er zeigt seine Arbeiten auch in der Galerie Kunstraum in
der Braunschweiger Straße unter dem Titel „wERDEn“. Die
Vernissage im Kunstraum
ist am Samstag (04. Mai
2019) um 14 Uhr.

Die
Gemeinschaftsausstellung im Torhaus wird am Sonntag,
5.Mai 2019, 11.00 Uhr eröffnet.

Begrüßung:
Alexander Pohl (1.Vorsitzender der Dortmunder Gruppe), die Einführung
macht
Carsten Bülow (Schauspieler)




Choose Your Granny – die assoziative Castingshow

Am 30. April 2019
feiert die nächste Produktion von artscenico Premiere im Theater im
Depot: „Choose Your Granny“. Eine ganz besondere Castingshow, um
die Wahl der „richtigen“ Großmutter. Dass bei Stücken von
Mastermind Rolf Dennemann nicht alles glatt über die Bühne geht,
sollte regelmäßigen Besuchern von artscenico Produktionen nicht
überraschen.

Castingshows sind
beliebt. „Deutschland sucht den Superstar“, „Germany‘s next
Topmodel“ oder auch simpel „Der Bachelor“, überall wird der
oder die ideale Kandidat(in) gesucht. Warum also nicht die ideale
Großmutter? Die Zutaten für diesen Abend sind ein Alleinunterhalter
(Guido Schlösser), ein junger Moderator (Rodolfo Parra) und einige
Grannys, also Großmütter. Die Großmütter stellen sich vor und
zeigen ihre Vorzüge. Doch auch Opas haben sich unter die
Kandidatinnen gemischt.

Es wäre sicherlich
ein langweiliger Abend, wenn nicht einiges aus dem Ruder laufen
würde, verspricht Beate Conze, die Produktionsleiterin. Es passieren
Sachen, mit denen man nicht rechnet. Daher ist das Stück nicht bis
in alle Einzelheiten „durchkomponiert“, es ist eher ein optisches
Konzert und bietet viel Platz für freie Assoziationen. Dennoch
stehen die Figuren im Mittelpunkt und aus den assoziativen Texten
entwickelt sich eine traurige Poesie,

Da hat der Moderator (Rodolfo Parra) aber noch viel Auswahl. Wer wird denn nun die Oma oder der Opa? (Foto: © Guntram Walter)
Da hat der Moderator (Rodolfo Parra) aber noch viel Auswahl. Wer wird denn nun die Oma oder der Opa? (Foto: © Guntram Walter)

Ebenso für
artscenico typisch ist die Mischung zwischen Profischauspielern und
Laiendarstellern. Mit an Bord ist die Familie um die venezolanische
Schauspielerin Cynthia Scholz. Ihr Mann, ihr Sohn und ihre Tochter
sind an dieser Produktion beteiligt. Ansonsten stehen Laiendarsteller
auf der Bühne, die sich selbst präsentieren.

Das Stück ist sehr
musikalisch, nicht nur durch das klassische Bild des
Alleinunterhalters, der mit Samba und Schlagern für Stimmung sorgt,
sondern auch die Omas selber präsentieren ihre musikalische Seite
mit Saxophon oder Blockflöte. Selbstverständlich darf „Oma so
lieb“ von Heintje nicht fehlen.

Wer jetzt denkt, die
Idee mit der idealen Großmutter ist ja völlig aus der Luft
gegriffen, in Dortmund existiert die Initiative „Dortmunder
Wunschgroßeltern“. Hier werden Familien mit jungen Kindern und
Seniorinnen und Senioren zusammengeführt, sodass vor allem die
Kinder die Rolle des Opas oder der Oma kennenlernen können. Denn es
kann durchaus passieren, dass die „echten“ Großeltern weiter weg
wohnen und ihre Enkel nicht regelmäßig besuchen können. Die
Organisatorin der „Wunschgroßeltern“ ist Rosemarie Sauer, die
artscenico nicht nur beratend zur Seite stand, sondern auch ins Stück
integriert wurde.

Omas und Opas werden
übrigens immer noch händeringend gesucht.
http://www.muetterzentrum-dortmund.de/Angebote-Projekte/Wunschgrosseltern/139631,1031,139581,-1.aspx

Neben der Premiere
am 30. April 2019 um 20 Uhr gibt es weitere Vorstellungen am 01. Mai
und AM 30. Juni 2019 jeweils um 18 Uhr im Theater im Depot statt.

Tickets gibt es
unter ticket@theaterimdepot.de
oder 0231/9822336 (AB).




Quartett – Verführung und Erniedrigung

Man kann dem Dortmunder Opernhaus nur dazu gratulieren, den Mut aufzubringen, „Quartett“ von Luca Francesconi aufzuführen. Kein leichter Stoff, den Ingo Kerkhof da inszeniert. Kein Mozart, kein Verdi, keine Koloraturarien, eine sperrige Musik und eine sperrige Handlung. Denn das Stück des italienischen Komponisten Francesconi basiert auf Heiner Müllers „Quartett“. Müller wiederum bezieht sich auf „Gefährliche Liebschaften“ von Laclos. Das Stück selbst ist in englischer Sprache. Alles klar? Dann hinein ins Vergnügen. Ein Premierenbericht vom 18.04.2019

Heiner Müller hat
in seinem „Quartett“ die Figuren von „Gefährliche
Liebschaften“ stark reduziert. Bei ihm ist es ein Duell zwischen
Marquise Merteuil (Allison Cook) und ihren ehemaligen Geliebten
Vicomte Valmont (Christian Bowers). Beide sind sich überdrüssig und
versuchen mit Spielen und Verbalerotik noch den letzten Kick im Leben
hervor zu zaubern. Dabei tauschen sie mitunter die Rollen, Valmont
schlüpft in die Rolle der tugendhaften Madame de Tourvel, die er zu
verführen gedenkt und Merteuil spielt Valmont. So schlüpfen die
Täter in die Rolle des Opfers. Am Ende vergiftet Merteuil ihren
Geliebten Valmont, bevor sie letztendlich auch ein Glas des
vergifteten Weins trinkt.

Ein Rollenspiel gehört auch zu den Lustbarleiten zwischen Marquise Merteuil (Allison Cook) und  Vicomte Valmont (Christian Bowers). Zu sehen ist noch Gianna Pellarin als Merteuils Zofe. Foto:  ©Thomas Jauk, Stage Picture
Ein Rollenspiel gehört auch zu den Lustbarleiten zwischen Marquise Merteuil (Allison Cook) und Vicomte Valmont (Christian Bowers). Zu sehen ist noch Gianna Pellarin als Merteuils Zofe. Foto: ©Thomas Jauk, Stage

In der Musik von
Francesconi merkt der Besucher sofort, dass er Schüler von
Stockhausen war. Doch in „Quartett“ geht der Komponist noch einen
Schritt weiter und arbeitet mit Raumklängen. So waren Lautsprecher
an den Wänden im Zuschauerraum montiert, die einen dreidimensionalen
Klangeffekt hervorbrachten. Zudem kamen neben einem Kammerorchester
ein sogenanntes Fernorchester zum Einsatz, dessen Klänge per
Einspielung zu hören waren. So musste der Dirigent, Philipp
Armbruster, sehr genau darauf achten, an welcher Stelle er war und
wann das Kammerorchester wieder einsetzte.

Die Partitur
erforderte viel von Cook und Bowers. Cook hatte bereits die
Uraufführung von „Quartett“ gesungen und sang die kühle und
berechnende Marquise in einer beeindruckenden Weise. Ebenfalls viel
Applaus bekam Bowers. Das völlig verdient, denn er hatte den
schwierigeren Part. Beim Rollentausch musste er Falsett singen,
schließlich spielte er ja Madame de Tourvel.

Die Bühne von Anne Neuser war schlicht, aber zweckmäßig: Auf der linken Seite stand ein kleines Sofa, auf dem die beiden Figuren ihre Spielchen durchführten und auf der anderen Seite befand sich eine Trauerweide, die eine Art Garten symbolisierte.

Die Oper ist sehr vielschichtig, denn der Stoff von Heiner Müller bietet immense Möglichkeiten der Interpretation. Es geht um Macht und Beherrschung. Wer ist Täter, wer ist Opfer? Die Musik ist zugegebenermaßen nicht leicht zugänglich. Wer sich aber auf das „Quartett“ einlässt, bekommt ein spannendes Werk mit erstklassigen Musikern und Sängern geboten.

Mehr Informationen gibt es unter www.theaterdo.de.




Jurypreis für Satire über patriarchale Stereotypen

Am Sonntagabend endete die 36. Ausgabe des Internationalen
Frauenfilmfestivals im domicil mit der feierlichen Preisverleihung.Es
war die erste Ausgabe unter Leitung von Maxa Zoller,

Die Jury im Internationalen Spielfilmwettbewerb war besetzt mit
Terri Ginsberg (Professorin für Film- und Medienwissenschaften der
Universität Kairo), Sheri Hagen (Regisseurin, Autorin,
Schauspielerin, Deutschland) und Edima Otuokon (LADIMA-Stiftung zur
Förderung von Frauen in Film, TV und Medien, Nigeria). Sie vergab
den mit 15.000 Euro dotierten Hauptpreis an die mazedonische
Produktion GOD EXISTS, HER NAME IS PETRUNYA von Teona Strugar
Mitevska, eine beißende und berührende Satire über eine
Gesellschaft voller patriarchaler Stereotypen und fatalem
Opportunismus. Das Preisgeld von 15.000 Euro wird zwischen der
Regisseurin (5.000 Euro) und dem deutschen Verleih (10.000 Euro)
geteilt, um den Vertrieb von Filmen von Regisseurinnen in Deutschland
zu fördern. Mitevska nahm den Preis persönlich in Dortmund
entgegen.

Jurymitglieder und Gewinnerinnen auf einem gemeinsamen Foto. Beryl Magoko (2.v.l.), Tenoa Strugar Mitevska (3.v.l.), Dr. Maxa Zoller (4.v.l.) und Claire Johnston (5.v.l.). (Foto: © Anja Cord)
Jurymitglieder und Gewinnerinnen auf einem gemeinsamen Foto. Beryl Magoko (2.v.l.), Tenoa Strugar Mitevska (3.v.l.), Dr. Maxa Zoller (4.v.l.) und Claire Johnston (5.v.l.). (Foto: © Anja Cord)

Eine lobende Erwähnung sprach die Jury für die
niederländisch-luxemburgische Produktion THE BEAST IN THE JUNGLE
unter der Regie von Clara van Gool aus. Darstellerin Claire Johnston
zeigte sich sichtlich gerührt über die Auszeichnung, mit der die
herausragende filmische Qualität des Films gewürdigt wurde.

Der mit 1.000 Euro dotierte und von der Sparkasse Dortmund
gestiftete Publikumspreis ging an Beryl Magokos autobiografischen
Dokumentarfilm IN SEARCH, der das Thema Genitalverstümmlung von
Frauen als authentische und emotionale Suche in das Innerste einer
jungen Frau behandelt. Beryl Magoko nahm den Preis ebenfalls
persönlich, gemeinsam mit ihrer Bildgestalterin Jule Katinka Cramer,
von Gabriele Kroll als Vertreterin der Sparkasse Dortmund entgegen.




Tag 3 – Internationales Frauenfilmfestival Dortmund / Köln

Ins
Rennen um den internationalen Spielfilmwettbewerb für Regisseurinnen
ging am 3. Tag des IFFF Dortmund / Köln der brasilianische Film „Los
Silencios“ der Regisseurin Beatriz Seigner. Es ist in verschiedener
Hinsicht ein bemerkenswerter Film. Für unsere westlich geprägte
europäische Sichtweise etwas befremdlich anmutend, lotet er
unterschiedliche Grenzerfahrungen aus. Abends wurde der Film „Der
Boden unter den Füßen“ von Marie Kreutzer gezeigt. Es ist eine
Geschichte zweier unterschiedlicher Schwestern.

Magischer
Realismus aus dem Amazonasgebiet.

Es
sind zum einen die Grenzen zwischen Brasilien, Kolumbien Peru, aber
auch die Übergänge zwischen Lebenden und den Toten sowie Land und
Fluss. „Los Silencios“ bewegt sich zwischen Dokumentation und
Fiktion, Geistern und Realismus.

Den
politisch-gesellschaftlichen Hintergrund bildet der Bürgerkrieg in
Kolumbien. Konflikt zwischen Paramilitärs und Guerilla machen die
Situation für die Bevölkerung lebensgefährlich und zwingen viele
Menschen zur Flucht.

"Los Silencios" (R: Beatriz Seigner, BR 2018) spielt nicht nur im politischen Zwischenreich, sondern auch in dem zwischen Lebenden und Toten.  (© Trigon-Film)
„Los Silencios“ (R: Beatriz Seigner, BR 2018) spielt nicht nur im politischen Zwischenreich, sondern auch in dem zwischen Lebenden und Toten. (© Trigon-Film)

Der
erste Zufluchtsort für die Protagonistin Ampora (neben ihrem Ehemann
im Film die einzige professionelle Schauspielerin) und ihre Kinder
Nuria und Fabio vor den bewaffneten Konflikt ist die auch real
existierende Insel „Isla de la Fantasía“. Diese befindet sich
mitten im Amazonas im Grenzgebiet von Brasilien, Kolumbien und Peru.

Bis
auf die Mutter Ampora und dem Vater in der Geschichte wurden alle
anderen Personen von Menschen (Laien) dargestellt, die wirklich auf
der Insel wohnen. Sie bekamen erstmals Gelegenheit, „Ihre
Geschichte“ zu erzählen. Das sorgte neben den Naturgeräuschen des
Amazonas für eine besondere Authentizität.

Der
harte Kampf ums Überleben, gegen den Ausverkauf und für
Entschädigungen wird lebendig vor Augen geführt. So muss Ampora,
die ihren Mann und Tochter im Bürgerkrieg verloren hat, nicht nur um
eine Aufenthaltserlaubnis kämpfen, sondern auch darf hoffen, dass
die beiden Toten gefunden werden und sie Reparationszahlungen
bekommt. Die Ölgesellschaft möchte ihr mit wenig Geld die
Klagerechte abkaufen.

Das
Publikum erfährt nicht nur aus erster Hand von der Situation der
Dorfbewohner, sondern auch über ihr besonderes Verhältnis zu ihren
Toten und Geistern. Sie sind in der Gemeinschaft weiter
allgegenwärtig. Es gibt neben der wöchentlichen Dorfversammlung
auch eine „Versammlung der Geister der Toten“ statt. Hier
bekommen sie eine Stimme und ihren Platz in der Gesellschaft zurück.

Auch
Ampora geht in ihrem Alltag zunächst so um, als würden die Tochter
und ihr Mann noch unter ihnen Leben. Sie spricht zu ihnen und wäscht
sogar ihre Tochter. Erst ein Paket mit den gefundenen Überresten der
beiden Familienangehörigen bringt die erschütternde Realität ins
Haus.

Einiges
erfährt man über Riten der Bewohner. Die Totengeister werden mit
fluoreszierenden Farben gekennzeichnet, die sich zum Ende hin immer
mehr verstärken. (Lisa Lemken)

Eindringliches
Geschwisterdrama

Mit
„Der Boden unter den Füßen“ gelang der österreichischen
Regisseurin Marie Kreutzer ein starker Film. In 109 Minuten erzählt
sie die Geschichte zweier Schwestern. Lola ist Unternehmensberaterin
und steckt ihre ganze Kraft in ihre Karriere. Sie pendelt zwischen
Konferenzen, Büro und anonymen Hotelzimmern. Ihre ältere Schwester
Conny leidet an paranoider Schizophrenie, einmal im Jahr geht es ihr
besonders schlecht. Dieses Mal begeht sie einen Selbstmordversuch.
Hier nimmt die Geschichte Fahrt auf. Conny wird vorübergehend in die
Psychiatrie eingewiesen. Jetzt ist Lola mehr gefordert als sie
geplant hat. Sie versucht in ihrem streng getakteten Alltag mit den
unberechenbaren Anforderungen durch die Krankheit ihrer Schwester
klarzukommen, steht kurz vor einem Burn-out. Es zeigt sich wie dicht
Aufstieg und Chaos beieinander liegen. Nach mehreren Verwicklungen
und Schwierigkeiten nimmt Lola ihre Schwester mit nach Hause. Sie
organisiert deren Alltag, sodass sie wieder ihrer Arbeit nachgehen
kann. Doch die leichte Entspannung hält nicht lange vor, Conny
stürzt sich vom Balkon der Wohnung in den Tod. Lola erleidet einen
Nervenzusammenbruch und wird ins Krankenhaus eingeliefert. Sie erhält
Antidepressiva verschrieben und ist bei der Beisetzung ihrer
Schwester die einzige Hinterbliebene.

Ein Schwesterndrama aus Österreich. "Der Boden unter den Füßen" (R: Marie Kreutzer, AT 2019) © Novotnyfilm - Juhani Zebra
Ein Schwesterndrama aus Österreich. „Der Boden unter den Füßen“ (R: Marie Kreutzer, AT 2019) © Novotnyfilm – Juhani Zebra

Im
Interview erzählt Marie Kreutzer, dass der Film autobiografische
Züge trägt. Ihre Tante litt ebenfalls an Schizophrenie und als
Jugendliche hat sie diese regelmäßig in der Psychiatrie besucht.
Sie konnte so auf einige ihr bekannte Gesprächsverläufe
zurückgreifen. Zwei extreme Rollenentwürfe stehen sich hier
gegenüber. Im Verlauf des Films verschwimmen immer wieder die
Grenzen und man fragt sich, welcher der Schwestern eher geholfen
werden müsste. Am Ende war die Ältere, Conny an vielen Stellen die
Stärkere. Sie setzte die Akzente, während Lola mit der Furcht vor
den Auswirkungen der Krankheit auf ihr eigenes Leben kämpfte.

Die Regisseurin Marie Kreutzer im Interview mit Stefanie Görtz (IFFF). (Foto: Anja Cord)
Die Regisseurin Marie Kreutzer im Interview mit Stefanie Görtz (IFFF). (Foto: Anja Cord)

Die
schauspielerische Leistung von Pia Hierzegger, die die Conny
verkörperte, war beeindruckend. (Anja Cord)




Das Internet als Bilderfalle – Internationales Frauenfilmfestival

Das
Internationale Frauenfilmfestival ist nicht nur eine
Präsentationsfläche für Filme von Frauen, sondern dient auch der
Schaffung von Netzwerken. So gehören
zur Jury des Internationalen Spielfilmwettbewerbs beispielsweise
Edima Otoukon aus Nigeria,
die sich mit ihrer „Ladima Stiftung“ für die Förderung von
Frauen in der nigerianischen Filmindustrie einsetzt. Das Jurymitglied
Sheri Hagen möchte die Sichtbarkeit von Schwarzen in der deutschen
Filmwelt vor und hinter der Kamera verbessern.

Regisseurin Eef Hilgers fragt nach den Grenzen im Internet. (Foto: © Anja Cord)
Dortmund Eröffnungspressekonferenz Internationales Frauenfilmfestival Dortmund/Köln 2019 im Dortmunder Rathaus. Eef Hilgers, eine niederländische Regisseurin zeigt ihren Dokumentarfilm Shame/Fame. (Foto: © Anja Cord)

Daneben
gibt es ein Schulprogramm, das sich mit dem Thema Internet
auseinandersetzt. Passend zum Motto, denn im Internet gibt es
besonders viel Täuschung und Maskerade. Ars tremonia hat ein kurzes
Interview mit der Regisseurin Eef Hilgers geführt, die ihren Film
„Shame/Fame“ zeigt.

Ars tremonia: Können
Sie sich kurz vorstellen?

Eef Hilgers: Ich
arbeite seit sieben Jahren im Dokumentarfilmbereich. Vor allem
Dokumentationen über Jugendliche. Vor sieben Jahren habe ich mein
Studium beendet. Mit den Jugenddokumentationen beschäftige ich mich
mit dem Verhältnis von Jugendlichen und dem Internet. Darüber
hinaus mache ich Kinderfernsehen, aber alles dokumentarisch.

Ars tremonia:
Worüber handelt ihr Film Shame/Fame?

Eef Hilgers: Es geht
darum wie wir eigentlich mit dem Internet umgehen. Wie wir das
Internet nutzen, um zu lachen, weil Menschen dumme Dinge tun. Aber
auch, wo die Grenze liegt, bei der es kein Problem ist, darüber zu
lachen und wann wird es unpassend. Die Grenze ist im Internet ein
wenig verschoben. Ich will herausfinden, wo diese Grenze im Internet
liegt.