Fotografischer Blick auf die Nordstadt in der Galerie im Depot

Seit sieben Jahren mischen die Nordstadtblogger den Stadtteil auf und zeigen neben den dunklen Seiten auch die bunten Seiten des Viertel. Und von den bunten Seiten hat die Nordstadt jede Menge zu bieten. Jetzt präsentieren fünf Fotografinnen und Fotografen vom 06.06.2019 bis zum 29.06.2019 unter dem Titel „Blickwechsel“ über 56 Bilder mit Motiven aus der Nordstadt in der Galerie im Depot.

Aus der unglaublich
riesigen Anzahl von Bildern musste sich das Organisationsteam um
Alexander Völkel auf eine kleine Auswahl beschränken. Die Bilder
von Wolf-Dieter Blank, Klaus Hartmann, Leopold Achilles, Carmen
Körner und Alex Völkel sind thematisch geordnet und zeigen
unterschiedliche Blickwinkel der Nordstadt.

Ein besondere
Kombination von Alt und Neu hängt gleich zu Beginn der Ausstellung.
Hier hat Völkel versucht alte Fotografien aus der Nordstadt im
ähnlichen Blickwinkel wie im Original zu fotografieren. So entsteht
ein unmittelbarer Vergleich von Nordstadtimpression von vor 100
Jahren und heute. Der Wandel wird klar sichtbar. Die alten Fotos
stammen aus der Sammlung vom Nordstadtblogger und Heimatforscher
Klaus Winter, der auch am 16. Juni 2019 um 19 Uhr in einem Vortrag
die lebhafte Gastronomie am Steinplatz wieder zum Leben erwecken
wird.

Wolf-Dieter Blank, Klaus Hartmann, Leopold Achilles, Carmen Körner und Alex Völkel zeigen fotografische Arbeiten. (Foto: © Sascha Fijneman)

Wolf-Dieter Blank, Klaus Hartmann, Leopold Achilles, Carmen Körner und Alex Völkel zeigen fotografische Arbeiten. (Foto ©: Sascha Fijneman)

Die
Besucher erleben die schönen Seiten wie den Dortmunder Hafen, die
Feste in der Nordstadt, das religiöse Leben, aber auch weniger
schöne Dinge wie „Problemhäuser“ oder rechtsextreme Umtriebe,
die im Mord an Mehmet
Kubaşık
gipfelten.

Es
heißt ja, Bilder erzählen eine Geschichte. Die Nordstadtblogger
haben es in der Ausstellung perfekt umgesetzt. Zu jedem Foto gibt es
auch einen QR-Code, der zu einem weiterführenden Artikel oder einem
Video weiterleitet. Smartphones sind in dieser Ausstellung also
ausdrücklich erwünscht.

Die
Vernissage ist am 06.06.2019 um 19 Uhr. Es sprechen unter anderen
Journalistik-Professorin Dr. Wiebke Möhring von der TU Dortmund zum
Bedeutung des lokalen Online-Journalismus und Fatma Karacakurtoglu
(Train of Hope) zur Bedeutung der Nordstadtblogger für die Akteure
in der Nordstadt.

Die
Ausstellung findet im Rahmen von „Depot stellt vor“ statt und der
Eintritt ist frei.

Weitere
Infos gibt es bei den Nordstadtbloggern unter www.nordstadtblogger.de




Klangvokal 2019 – Chorkonzert mit skandinavischem Einschlag

Wer das Konzert des Jugendkonzertchores der Chorakademie Dortmund am 01. Juni in der Propsteikirche gehört hat, wird nicht verwundert sein, dass die jungen Sängerinnen und Sänger beim 10. Deutschen Chorwettbewerb 2018 in Freiburg den ersten Preis in der Kategorie „Gemischte Jugendchöre“ gewonnen haben. Eine gelungene Präsentation geistlicher Musik mit einem skandinavischen Schwerpunkt unter dem Titel „Im ewigen Licht“ begeisterte das Publikum.

Ob es an der
Dunkelheit liegt oder an der weiten Landschaft? Die Lieder von
skandinavischen Komponisten wie Jan Hakan Åberg
oder Håkan
Parkman hatten einen großen melancholischen Einschlag. Åbergs
bekannte Hymne „I himmelen, i himmelen“ ließ seinen Ursprung in
Volksliedern erkennen. Bei Jan Sandströms „Sanctus“ zeigte der
Chor unter der Leitung von Felix Heitmann sein Können beim Wechsel
zwischen leisen und sanften Passagen und dynamischeren Teilen. So
klang es, als ob die Töne vom Zuhörer hin und her getragen wurden.

Der Jugendkonzertchor der Chorakademie Dortmund überzeugte bei seinem Konzert beim Festival Klangvokal. (Foto: © Bülent Kirschbaum)
Der Jugendkonzertchor der Chorakademie Dortmund überzeugte bei seinem Konzert beim Festival Klangvokal. (Foto: © Bülent Kirschbaum)

Doch
nicht nur zeitgenössische Komponisten aus Skandinavien waren zu
hören. Den Beginn machte der Renaissance-Komponist de Palestrina mit
seinem getragenen weihevollen „Kyrie“. Daneben erklangen noch die
Romantiker Mendelssohn-Bartholdy
und Grieg.

Nach
der Pause beeindruckte der Chor mit „Immortal Bach“ von Knut
Nystedt. Hierfür verteilten sich die Mitglieder des Chores an den
Seiten der Kirche. Das Besondere an dem Stück ist, dass jeder Sänger
sein eigenes Tempo für den Choral wählt, sodass völlig neue
Klangstrukturen entstehen, bis sich gegen Ende wieder alles zu einem
Akkord vereint.

Ein
faszinierendes Konzert des Jugendkonzertchores,
melancholisch und
zuweilen meditativ. Aber auch schön, dass der Chor zur zweiten
Zugabe ein weltliches Liebeslied als a-capella Version sang: „One
call away“ von Charlie Puth swingte durch die Hallen der
Propsteikirche.




Klangvokal 2019 – Eine Mixtur der Geschlechterrollen

Ein
außergewöhnliches Programm bot das Festival „Klangvokal“ mit
dem Abend „Gender Stories“. Begleitet von der Lautten Compagney
Berlin unter der Leitung von Wolfgang Katschner sangen Vivica Genaux
und Lawrence Zazzo am 30. Mai 2019 im Orchesterzentrum Arien und
Duette aus Opern des Barock.

Xerxes ist doch ein
Mann und seine Ehefrau Amestris klar weiblich. Also müsste die
Singstimme von Xerxes Tenor oder Bass sein. Doch im Barock galten die
natürlichen Geschlechterrollen nicht. Frauen tauchten auf der Bühne
auf, die Männerkleidung trugen und Tenöre und Bässe spielten noch
nicht die große Rolle wie in der Romantik. Das Zeitalter des Barocks
war natürlich auch die große Zeit der Kastraten. So konnte ein
Kastrat eine Frauenrolle singen, während die Sopranistin den Helden
sang.

Begleitet von der Lautten Compagney Berlin unter der Leitung von Wolfgang Katschner (rechts) sangen Vivica Genaux und Lawrence Zazzo Arien aus dem Barock, die mit dem Rollenbild der Geschlechter spielten. (Foto: © Bülent Kirschbaum)
Begleitet von der Lautten Compagney Berlin unter der Leitung von Wolfgang Katschner (rechts) sangen Vivica Genaux und Lawrence Zazzo Arien aus dem Barock, die mit dem Rollenbild der Geschlechter spielten. (Foto: © Bülent Kirschbaum)

Mit der
Mezzosopranistin Vivica Genaux und dem Countertenor Lawrence Zazzo
hatte das Festival zwei exzellente Sänger, die den Besuchern das
barocke Spiel der Geschlechter gesanglich nahebrachten. Eine Auswahl
aus bekannten und eher unbekannten Komponisten war die ausgezeichnete
Wahl für einen fulminanten barocken Abend.

Auffallend war, wie
oft der persische Großkönig Siroe Thema von barocken Opern war.
Nicht nur Georg Friedrich Händel, sondern auch Johann Adolf Hasse,
Baldassare Galuppi, Georg Christoph Wagenseil oder Tommaso Traetta
befassten sich musikalisch mit dem Stoff. Daneben waren sehr viele
Stücke von Händel zu hören, was den Abend durchaus zu einem
Händel-Abend werden ließ. Zwischen den Gesangsstücken gab es auch
immer wieder instrumentale Zwischenspiele, die das musikalische
Können der Lautten Compagney unterstrich.

Genaux und Zazzo
lieferten mit ihren Stimmen einen gelungenen Abend dramatische Arien
und Duette wechselten sich mit eher lyrischen Stücke ab. Eine
gehörige Portion barocker Stimmung, die vom begeisterten Publikum
mit drei Zugaben belohnt wurden.




Ein Fest für die Sinne – Im Irrgarten des Wissens

Mit „ Im Irrgarten
des Wissens“ unter der Regie von Thorleifur Örn Arnarsson schenkt
uns das Schauspiel Dortmund ein Sommerstück der besonderen Art. Zwar
war die Hauptaktion auf der großen Bühne, doch es gab
Installationen und Ausstellungen im ganzen Schauspielhaus. Was dort
ablief, ist schwer in Worte zu fassen, aber hier ist der Versuch
eines Premierenberichtes vom 25. Mai 2019.

Die Nebelmaschinen
mussten ganze Arbeit leisten, bis sie die große Bühne eingehüllt
hatten. Dann zog ein einsamer Gartenzwerg seine Bahnen, bis das
Ensemble langsam auf die Bühne kam. Der erste Programmpunkt – wie
sollte es anders sein – waren unterschiedliche Schöpfungsmythen
aus verschiedenen Ländern wie Grönland, dem Benin oder Borneo.
Dabei wurde eine immer lauter werdende infernalische Musik gespielt,
die das Schauspielensemble letztendlich zu wilden Tänzen animierte.

Archaischer Beginn im "Irrgarten des Wissens". Foto: © Birgit Hupfeld)
EnsembleArchaischer Beginn im „Irrgarten des Wissens“. Foto: © Birgit Hupfeld)

Insgesamt dauerte
das Spektakel fünfeinhalb Stunden. Jeden Programmpunkt einzeln zu
beschreiben, würde gnadenlos den Rahmen sprengen, was Daniel
Angermayr (Bühne) und Mona Ulrich (Kostüme) auf die Bühne
zauberten, war schlichtweg atemberaubend. Hervorzuheben war der sehr
persönliche Text „Danke, Deutschland“, gesprochen von Alexandra
Sinelnikova, Die Schauspielerin, die in Russland geboren wurde,
reflektiert ihren Bezug zu Deutschland. Marlena Keil war nicht nur
als Sicherheitsexpertin eine Wucht, sondern präsentierte den Text
von Terry Pratchett „Die Sommerfrau und der Wintermann“ gekonnt
witzig. Uwe Schmieder konnte sich nicht nur mit Merle Wasmuth bei
„Adam und Eva in der Wanne“ zu Genderrollen in Schöpfungsmythen
unterhalten, sondern er dirigerte auch „4‘33‘‘“ von John
Cage. Gabriel Cazes begleitete das Ensemble auf unterschiedlichen
Tasteninstrumenten.

Danach gab es die
Möglichkeit, sich im Foyer, im Studio und in den Zwischenetagen
aufzuhalten. Im Foyer gab es die „Bibliothek des Wissens“ per
Kopfhörer zu bestaunen, in Institut konnten die Besucher sich die
Videoinstallation „In the beginning“ anschauen. Sehr meditativen
Charakter hatte die Installation „Meet yourself“, bei der mann
ubnter anderem Reis und Linsen zählen konnte.

Danach konnten die
Besucher wieder zum großen Saal zurückkehren, um sich weiterhin im
„Irrgarten des Wissens“ zu verlaufen, bei der auch der Dortmunder
Sprechchor einen Auftritt hatte.

Alles in allem ist
„Im Irrgarten des Wissens“ ein opulentes Fest für die Sinne, das
auf jeden Fall den Rahmen eines „normalen“ Theaterabends sprengt.
Nicht nur durch die Länge. Es ist in gewisser Weise vergleichbar mit
der Wucht vom „Goldenen Zeitalter“ oder der „Borderline
Prozession“, aber es ist ein eigenständiges Werk. Ich kann
interessierten Besuchern nur empfehlen, sich auf diesen Irrgarten
einzulassen und sich durch die Macht der Bilder und die Kraft der
Musik auf eine Reise schicken zu lassen. Wo das Ziel ist? Das ist
vermutlich bei jedem verschieden. Doch ist nicht schon der Weg das
Ziel?

Infos zu Terminen und Karten unter www.theaterdo.de




Echnaton als lichtgewaltiges Bühnenwerk

Die Oper „Echnaton“
von Philipp Glass unter der Regie von Guiseppe Spota wurde in der
Dortmunder Oper als Triumph des Lichtes gefeiert. Beeindrucken konnte
auch der Countertenor David DQ Lee, der Opernchor und die Dortmunder
Philharmoniker, unter der Leitung von Motonori Kobayashi, die die
minimal music von Glass interpretierten. Dazu tanzte das NRW
Juniorballett. Ein Premierenbericht vom 24. Mai 2019.

Für die ägyptische
Hochkultur war neben dem Nil die lichtspendende Sonne von großer
Bedeutung. Doch zunächst ohne vergöttert zu werden. Die Sonne wurde
als rechtes Auge von Re gesehen. Doch dann entwickelte sich eine
„theologische Revolution“, die mit Amun-Re eine Art Götterkönig
an die Spitze setzte. Echnaton, dessen Geburtsname Amenhotep sich
noch auf Amun bezieht, setzte Aton als höchsten Gott durch und
versuchte die alten Götter auszutilgen, was ihm die Gegnerschaft der
Priesterkaste einbrachte.

Kein Wunder, dass
sich Philipp Glass mit dieser außergewöhnlichen Person der
Weltgeschichte auseinandersetzte, schließlich ist neben Echnaton
auch seine Frau Nofretete über ihre Büste bis in unsere heutige
Zeit ein Begriff. Glass lässt uns den Pharao in szenenhaften Bildern
näher bringen, vom Herrschaftsantritt bis zum Sturz, obwohl der
möglicherweise gar nicht stattgefunden hat.

Aber die Oper ist
nicht dazu da, ein historisch genaues Ereignis zu rekonstruieren, sie
will Gefühle, Musik und starke Bilder präsentieren und das gelang
bei der Premiere. Schon der Beginn ist ergreifend, denn wir wohnen
der Grablegung von Pharao Amenophis III., Achnatons Vater, bei. Als
Mumien verkleidete Tänzer legen den ebenfalls mumifizierten Leichnam
zur Ruhe.

Die Herrschaft von Echnaton geht zu Ende. er wird von der Priesterschaft gestürzt. David DQ Lee (Echnaton), NRW-Juniorballett, Chor der Oper Dortmund. (Foto: © Oper Dortmund)
Die Herrschaft von Echnaton geht zu Ende. er wird von der Priesterschaft gestürzt. David DQ Lee (Echnaton), NRW-Juniorballett, Chor der Oper Dortmund. (Foto: © Oper Dortmund)

Der erste Auftritt von Echnaton ist noch in Begleitung von Priestern des Amun, Mut und Chons. Später wird er die Priester gewaltsam aus ihren Tempeln vertreiben und Aton als einzigen Gott einsetzen. Hier war der Countertenor David DQ Lee eine gute Wahl für die Hauptrolle, vor allem sein Lobgesang an Aton am Ende des dritten Satzes war eines der Höhepunkte. Seine Stimme passte auch sehr gut zur ruhigen und fließenden Musik von Philipp Glass, die ähnlich meditativ klang wie bei seiner Oper „Einstein on the beach“ die vor zwei Jahren in Dortmund aufgeführt wurde.

Auch sehr berührend war das Liebesduett zwischen Echnaton und Nofretete (Aytaj Shikhalizada). Als Prister des Amun
machte Fritz Steinbacher ebenfalls eine gute Figur wie Claus Dieter
Clausnitzer als Chronist.

Das Besondere an
„Echnaton“ war die Gesangsprache. Der Chronist erzählte die
Geschichte auf Deutsch, die anderen Texte waren auf Ägyptisch,
Akkadisch und Aramäisch.

Wenn es um einen
Sonnengott geht, dann hat das Licht natürlich eine große Funktion.
Und die brachte den Besuchern Bonnie Beecher und Stefan Schmidt
näher.

Auch das Bühnenbild
von Tatyana van Walsum war effektiv. Durch Höhenverschiebungen
entstanden Hierarchieebenen, beispielsweise als Echnatons Vater zu
Grabe gelegt wurde, versanken die Akteure in Boden und bei Echnatons
Krönung kam das Herrscherpaar von oben herab.

Ein Opernabend der
besonderen Art. „Echnaton“ ist sicher zugänglicher als „Einstein
on the beach“. Ein lehrreiches Stück über einen Herrscher, der
mit seiner Radikalität der Gesellschaft vor den Kopf stieß und nach
seinem Tod dem Vergessen anheimfallen sollte. Glass hat ihn mit
seinen Stärken und Schwächen auf die Bühne geholt. Das NRW
Juniorballett, der Opernchor, die Solisten und die Dortmunder
Philharmoniker haben Echnaton wieder eine Stimme gegeben.




Eindrucksvolle Bilddokumente von Pressefotografen

Zum siebten Mal
zeigt das Depot Dortmund im Kooperation mit DEW21 vom 25. Mai bis zum
16. Juni 2019 die World Press Photo Ausstellung. Mehr als 150 Fotos,
aufgenommen rund um den Globus, zeigen die Schönheiten, aber auch
die Schrecken unserer heutigen Zeit. Neben der eigentlichen
Ausstellung gibt es ein reichhaltiges Begleitprogramm für
Schülerinnen und Schüler sowie für Medienschaffende.

Jedes Jahr zeichnet
die World Press Photo Foundation in einem internationalen Wettbewerb
die besten Pressefotografen aus. Diese Bilder gehen dann auf
Wanderschaft und werden einem großen Publikum gezeigt. Der erste
Termin dieser Wanderausstellung ist das Depot im Dortmunder Norden
und es ist auch der einzige Ort in ganz Nordrhein-Westfalen.

Neben
eindrucksvollen Naturaufnahmen spiegeln die Aufnahmen auch die großen
nachrichtlichen Ereignisse wider. So wird eine mexikanische Familie
porträtiert, die einige Verwandte in den Drogenkriegen verloren hat.
Die Konflikte im Jemen und Syrien werden ebenso gezeigt wie die
dramatische Situation in Venezuela oder im Kongo.

Eindrucksvolle Pressefotos aus aller Welt sind im Depot Dortmund bei der World Press Photo Ausstellung zu sehen.
Eindrucksvolle Pressefotos aus aller Welt sind im Depot Dortmund bei der World Press Photo Ausstellung zu sehen.

Die Bilder sind
thematisch geordnet und bieten von Fotoreportagen über Sportfotos
bis hin zu persönlichen Geschichten einen Eindruck in die Arbeit von
Pressefotografen. Leider können aus technischen Gründen Videos und
interaktive Arbeiten nicht gezeigt werden. Dennoch bieten die Bilder
einen guten Einstieg in eine Geschichte, die durchaus anders sein
kann. Beispielsweise zeigt ein Foto anscheinend laichende Frösche,
ein schönes Naturbild aus Rumänien. Doch der Text neben dem Bild
macht deutlich, dass den Fröschen die Schenkel abgerissen wurden und
sie zum Sterben an die Wasseroberfläche kommen.

Im Begleitprogramm
der World Press Photo Ausstellung werden in benachbarten Kino
sweetSixteen auch zwei Filme gezeigt. Es laufen „Women Stories“
von Peter Lindbergh und „Der illegale Film“ von Claus Wischmann
und Martin Baer. Beide Filme sind vom 27.05. bis 14.06. 2019 auch für
Schulvorführungen buchbar.

Daneben finden
einige Veranstaltungen für Medienschaffende statt, hervorzuheben ist
der Vortrag von Abeer Saady über „Sicherheits- und ethische
Dilemmata für Fotojournalisten in Konfliktgebieten“ am 30.05. 2019
um 19 Uhr. Der Eintritt ist frei, der Vortrag ist in englischer
Sprache.

Die Ausstellung wird
am 24. Mai 2019 um 19 Uhr im Depot eröffnet.

Die Öffnungszeiten
sind:

Montags bis
mittwochs: 11.00 – 19.00 Uhr

Donnerstags: 11.00 –
20.00 Uhr

Freitags bis
samstags: 11.00 – 22.00 Uhr

sonntags: 11.00 –
19.00 Uhr

Der Eintritt beträgt
6 € (ermäßigt 4 €)

Weitere
Informationen gibt es unter:
http://www.depotdortmund.de/programm/ausstellung/1952-world-press-photo-19/event_details.html




13 Personen wollen spielen – ein Potpourri an Mini-Geschichten

Genau kann man es
nicht sagen, aber die Produktion „13 Personen wollen spielen“
könnte die 25. Produktion der „Theaterwerkstatt am Theater im
Depot“ von Regisseurin Barbara Müller sein. Wie dem auch sei, der
Zuschauer kann sich auf eine spritzige Mini-Dramen-Collage freuen.
Premiere ist am 24.05. 2019 um 20 Uhr im Theater im Depot.

Mini-Dramen
beinhalten die komplette Theaterwelt im Kleinen. Quasi das Theater in
einer Nussschale. Diese Mini-Dramen können sehr kurz sein, etwas ein
Vierzeiler oder natürlich etwas länger, sie sind jedoch thematisch
geordnet. Es kann über Gefühle gehen oder einfach nur über
Kulinarisches. Die kleinen Dramen sind romantisch, absurd oder
dramatisch,

Die
Rahmengeschichte: Die Schauspieler entdecken in einem Theater auf dem
Dachboden alte Requisiten und Textbücher. Dabei entdecken sie ihre
Spielfreude wieder.

Das Ensemble der Theaterwerkstatt bei den Proben mit den Requisiten. (Foto: © Barbara Müller)
Das Ensemble der Theaterwerkstatt bei den Proben mit den Requisiten. (Foto: © Barbara Müller)

Die Bühne ist
schwarz-weiß gehalten (Bühnenbild von Mathias Schubert) und auch
die Schauspieler auf der Bühne sind in schwarz-weiß-grau gekleidet.
Die Musik kommt von Cosmo Sheldrake. Auch wenn nicht alle vom
Ensemble bei jeder Szene beteiligt sind, so sind doch alle dreizehn
ständig auf der Bühne. Barbara Müller verspricht „ein Feuerwerk
von vielen Szenen“.

Die Regisseurin
konnte etwas Bemerkenswertes verkünden. Die Zahl der Männer im
Ensemble hat sich verdoppelt. Jetzt befinden sich mit Dirk
Leistenschneider und Adnan Zecevic zwei im Ensemble.

Neben der Premiere
am 24. Mai gibt es noch zwei weitere Vostellung am 25. Mai um 20 Uhr
sowie am 26. Mai um 18 Uhr.

Karten bekommt man
unter ticket@theaterimdepot.de,
die Karten kosten 10 €, ermäßigt 5 €.




Klangvokal 2019 – Wenn Musik verbindet

Das Musikfestival
Klangvokal war schon immer ein Mittler zwischen verschiedenen
Musikkulturen. Bereits 2015 baute Klangvokal „Brücken“ zwischen
den Kontinenten oder war wie 2016 „grenzenlos“. Da passte es
natürlich, dass die Organisatoren Jordi Savall für ein Konzert
einladen konnten, der mit einem Programm „Hommage an Syrien“ am
19. Mai 2019 im Konzerthaus das gebeutelte Land als
Inspirationsquelle für die Musik aus dem Orient. Ein besonderes
Erlebnis für die Besucher.

Das Thema Okzident
und Orient ist für den spanischen Musikwissenschaftler und Gambisten
Jordi Savall nicht neu. Bereits 2006 erschien eine CD mit dem Titel
„Orient – Occident“, 2013 brachte er „Orient – Occident II“
heraus. Seine aktuelle Tournee heißt „Hommage an Syrien“.
Hierbei spielen in seinem gegründeten Ensemble Hespèrion XXI und
dem interkulturellen Ensemble Orpheus XXI musikalische Freunde Musik
aus dem jüdischen, muslimischen und christlichen Mittelmeerraum. Mit
dabei sind Musiker, die vor dem Krieg in Syrien fliehen mussten.

Neben virtuosen Instrumentalisten hatte Jordi Savall auch gute Gesangssolisten mit nach Dortmund gebracht. Im Vordergrund: Rebal Alkhodari (links) und Waed Bouhassoun. (Foto: © Anja Cord)
Neben virtuosen Instrumentalisten hatte Jordi Savall auch gute Gesangssolisten mit nach Dortmund gebracht. Im Vordergrund: Rebal Alkhodari (links) und Waed Bouhassoun. (Foto: © Anja Cord)

Doch die Musik, die
im Konzerthaus erklang, war keinesfalls traurig oder deprimierend. Im
Gegenteil: Savall hatte einige Tänze aus der Türkei, Syrien oder
Afghanistan im Programm. Fröhliche Lieder wie „Lamuny“, die zum
Tanzen animierten und von den Musikerinnen und Musikern erfrischend
interpretiert wurden, gab es genügend. Auch melancholische Stücke
wie „Ce brun – Hal asmar“, gesungen von der eindrucksvollen
Waed Bouhassoun, waren im Programm.

Überhaupt war das
Konzert ein Genuss für Freunde der orientalischen Musik. Neben der
Oud, waren noch Instrumente wie Duduk, Ney (beides Flötenarten),
Sarod und Robab (zwei Saiteninstrumente) zu hören. Natürlich
gehörten auch exotische Percussioninstrumente zum Ensemble.

Das musikalische
Zentrum des Konzertes war Syrien. Traditionelle Lieder und Tänze aus
Damaskus oder Aleppo wurden kombiniert mit Stücken aus Kurdistan,
der Türkei oder Nordafrika. Daneben führte uns Savall nach
Afghanistan und sogar nach Indien, als der Raga „Muddhu gare
yashoda“ erklang. Einen kleinen Ausflug gab es nach Paris. Das
Stück „Le Quarte Estampie Royal“ aus dem 13. Jahrhundert zeigte,
dass die musikalische Verwandtschaft zwischen dem Osten und dem
Westen zu der Zeit noch sehr eng war. Lieder aus dem Kulturkreis der
sephardischen Juden rundete das Konzert ab.

Die Spielfreude der
über 20 Musikerinnen und Musiker sprang auf das Publikum über. Hier
zeigte es sich deutlich, dass die Musik ein verbindendes Element ist,
das imstande ist, Brücken zwischen Kulturen zu bauen und ein
„Wir“-Gefühl zu stärken. Daher sind solche Konzerte ungemein
wichtig.




Klangvokal 2019 – Mit italienischem Flair ins Festivalvergnügen

Die italienische
Operngala war in den vergangenen Jahren der große Abschlusshöhepunkt
des Klangvokal-Festivals. Bei gutem Wetter gerne im Westfalenpark an
der Seebühne mit Feuerwerk. Im Jahr 2019 startete Klangvokal am 16.
Mai im Konzerthaus mit Musik aus italienischen Opern mit der
Sopranistin Anna Pirozzi und dem Tenor Teodor Ilincai.

Der überwiegende
Teil der Arien und Duette stammen aus den Opern des Verismo. Der
Verismo war eine populäre Operngattung zwischen 1890 und 1920 in
Italien. Nicht mehr um Götter, Kaiser oder andere hohe Personen
sollte sich die Oper drehen, sondern um „gewöhnliche Menschen“.
In den überwiegend als Einakter konzipierten Stücke passiert
gewöhnlich ein Beziehungsdrama, das schreckliche Konsequenzen nach
sich zieht. Die Libretti ähneln ein wenig dem Boulevardjournalismus.
Das „Wir“ (ganz nach dem Motto des Festivals) und der
gesellschaftliche Kontext spielen eine große Rolle.

Doch der Abend
begann mit Guiseppe Verdi. Seine Werke prägen die Opernkultur bis
heute. Aus seinem umfangreichen Schaffen erklangen Ausschnitte von
„Nabucco“, „Macbeth“ und „Simon Boccanegra“, gespielt von
der Neuen Philharmonie Westfalen unter der Leitung von Carlo
Montanaro. Hier konnte sich Anna Pirozzi als Lady Macbeth bei „Nel
dì della vittoria…“ auszeichnen.

Teodor Ilincai und Anna Pirozzi begeisterten mit ihren Stimmen beim ersten Konzert des Klangvokal-Festivals. (Foto: © Bülent Kirschbaum)
Teodor Ilincai und Anna Pirozzi begeisterten mit ihren Stimmen beim ersten Konzert des Klangvokal-Festivals. (Foto: © Bülent Kirschbaum)

Weiter ging es mit Pietro Mascagni. Sein berühmtestes Werk ist
„Cavalleria rusticana“, auf
Deutsch „Die Bauernehre“. Im Gegensatz zum Schicksal von Königen
oder Völkern geht es in Mascagnis Einakter um eine tödlich endende
Dreierbeziehung. Neben dem bekannten „Intermezzo“ zeigten Pirozzi
und Ilincai im Duett „Ti qui Santuzza“, dass ihre Stimmen gut
harmonierten.

Den schwungvollen Anfang nach der Pause
machte Giacomo Puccini und „Tosca“, es
folgte Amilcare Ponichielli, dessen
Oper „La Gioconda“ zwischen Verdi und dem Verismo beheimatet ist.
Die Oper „Pagliacci“ von
Ruggero Leoncavalli ist in Deutschland vermutlich bekannter unter dem
Namen „Der
Bajazzo“. Hier erklang die Arie des Tonio „Vesti la giubba“.
Den Schlusspunkt setzte Umberto Giordanos
Oper „Andrea Chénier“.

So
ein Abend steht und fällt mit den Sängerinnen und Sängern. Mit
Anna Pirozzi und Teodor Ilincai hatten
die Festivalorganisatoren ein gutes Händchen. Oft erklangen nach den
Arien „Bravo“-Rufe und den beiden hat es scheinbar auf der Bühne
richtig Spaß gemacht, so das der Funke schnell auf das Publikum
übersprang. Mit drei Zugaben wurde der Abend abgeschlossen. Ein
erfolgreicher Start in die diesjährige Klangvokal-Spielzeit.




Armenisches Klanggemälde

Mit zwei Werken des
sowjetisch-armenischen Komponisten Aram Chatschaturian und der 4.
Sinfonie von Peter Tschaikowsky entführten die Dortmunder
Philharmoniker im 8. Philharmonischen Konzert der Spielzeit 18/19
unter der Leitung von Markus Stenz das Publikum nach Russland und
nach Armenien. Der Titel „Düstere Leidenschaft“ war Programm und
Solokünstler Nemenja Radulović zeigte diese düsteren
Leidenschaften im Violinkonzert von Chatschaturian.

Den Beginn des
Philharmonisches Konzertes machten einige Sätze aus der Ballettmusik
„Gajaneh“ von Chatschaturian. Das Ballett war eine Auftragsarbeit
der Kommunistischen Partei der UdSSR und Chatschaturian komponierte
die Arbeit 1942, also während des Zweiten Weltkrieges. Populär
wurde vor allem der „Säbeltanz“ am Ende des Balletts. Er wurde
in einigen Filmen benutzt und wurde sogar in der Popmusik gecovert.
Klar, dass dieses bekannte Stück nicht fehlen durfte.

Gut bekannter Gast: Nemenja Radulović verzauberte erneut das Publikum beim Philharmonischen Konzert. (Foto: © Charlotte Abramow / Deutsche Grammophon)
Gut bekannter Gast: Nemenja Radulović verzauberte erneut das Publikum beim Philharmonischen Konzert. (Foto: © Charlotte Abramow / Deutsche Grammophon)

Mit einem großen
Griff in das Repertoire der armenischen Volksmusik ging es weiter,
denn auch das Violinkonzert in d-moll von Chatschaturian lebt in
seiner Virtuosität und Musikalität vom Heimatland des Komponisten.
Als Solokünstler wurde ein alter bekannter engagiert. Nemenja
Radulović war bereits im Juni des vergangenen Jahres zu Gast der
Dortmunder Philharmoniker. Damals spielte er das Violinkonzert in
a-moll von Mozart. Jetzt hat Radulović Chatschaturian im Gepäck und
passenderweise spielt er auf seiner neuen CD „Baïka“ auch sein
Violinkonzert. Mit dem ersten Bogenstrich entführt uns Radulović in
den Kaukasus. Die Dynamik, die rhythmischen Variationen der Tänze,
energisch dargeboten von Radulović und den Philharmonikern.
Verdientermaßen gab es Standing Ovations vom Publikum für den
Solokünstler, aber auch für das Orchester, das mit Radulović eine
musikalische Einheit formte. Der Künstler bedankte sich beim
Publikum mit einer Zugabe.

Die düstere
Leidenschaft hielt auch Tschaikowsky in ihren Bann. Zeitlebens konnte
er seine Homosexualität nicht öffentlich machen, er flüchtete
sogar in eine flüchtige Ehe, die ihn aber noch unglücklicher
machte. Ein Seelendrama in Musiknoten eindrucksvoll intoniert von den
Dortmundern Philharmonikern. Sehr anrührend ist der zweite Satz der
Sinfonie, das „Andantino“, das mit einem Oboensolo beginnt. Hier
erinnert sich Tschaikowsky musikalisch an bittersüsse
Kindheitserinnerungen, der vierte Satz führt alle drei Themen wieder
zusammen. Hier wird vielleicht ein Volksfest zelebriert und das Motto
lautet: Freuen Sie sich an den Freuden der anderen Menschen. Doch das
Schicksalsmotiv aus dem ersten Satz taucht wieder auf mit der
düsteren Erkenntnis des Komponisten: Ich muss leider außerhalb
dieser Freude bleiben.