Ein Rundgang zur Kunst im Saarlandstraßenviertel

Am 15. und 16. Juni 2019 öffneten wieder Künstlerinnen und Künstler
im Saarlandstraßenviertel die Türen zu ihren Ateliers. Zu entdecken
gab es für die Besucher einiges: Skulpturen, Malerei, Objekte,
Grafik und andere Spielarten der bildenden Kunst. Der Autor machte
sich zusammen mit seiner Kollegin und Fotografin Anja Cord auf zu
Orten der Kunst.

Die Bildhauerin Pia
Bohr lud sich gleich drei Gäste ein. Petra Eick und Rosa Fehr-von
Ilten zeigten ihre Malerei in einem Zelt im Hinterhof des Ateliers.
Die abstrakten Arbeiten von Frank Pinkvoss waren im Atelier verteilt
und ergänzten sich mit den Arbeiten von Pia Bohr. Die Gastgeberin
präsentierte unter anderem ihre Bronzen.

Pia Bohr (Foto: © Anja Cord)
Pia Bohr (Foto: © Anja Cord)
 Frank Pinkvoss (Foto: © Anja Cord)
Frank Pinkvoss (Foto: © Anja Cord)
Rosa Fehr-von Ilten (Foto: © Anja Cord)
Rosa Fehr-von Ilten (Foto: © Anja Cord)
Petra Eick (Foto: © Anja Cord)
Petra Eick (Foto: © Anja Cord)

Weiter ging es zu
Roul Schneider, der in seinem Atelier unter anderem einige Arbeiten
seiner „wERDEn“ zeigte. Die aktuellsten Arbeiten sind in der
gleichnamigen Ausstellung im Kunstraum Dortmund zu sehen. Dina Nur
war leider nicht am Samstag vor Ort.

Roul Schneider (Foto: © Anja Cord)
Roul Schneider (Foto: © Anja Cord)
Eine Arbeit von Dina Nur. (Foto: © Anja Cord)
Eine Arbeit von Dina Nur. (Foto: © Anja Cord)

Sebastian Wien
stellte seine Objekte aus Metall aus. Der Clou: Bei einigen gibt es
einen Schlitz durch den der Betrachter durchsehen kann. Mit dabei war
auch Claudia Karweick die aufwändige Papiereliefs präsentiere.

Sebastian Wien (Foto: © Anja Cord)
Sebastian Wien (Foto: © Anja Cord)
Claudia Karweick (Foto: © Anja Cord)
Claudia Karweick (Foto: © Anja Cord)

Mathias Schubert
zeigte seine Malerei in seinem Atelier. Doch Schubert ist nicht nur
bildender Künster, er ist auch Bühnenbildner und Musiker und wird
in der Sportrevue „Der Trainer muss weg“ vom 17. bis 20. Juli im
Spiegelzelt zu sehen sein.

Mathias Schubert (Foto: © Anja Cord)
Mathias Schubert (Foto: © Anja Cord)

Unser Weg führte
weiter zum gemeinsamen Atelier von Claudia Terlunen und Sabine Held.
Held beschäftigte sich aktuell mit dem Thema „Wald“ und zeigte
abstrahierte, aber noch gegenständlich erkennbare Werke. Ähnlich
arbeitet Terlunen in ihrer Malerei, die sich das Gemüse als Thema
genommen hat.

Claudia Terlunen (Foto: © Anja Cord)
Claudia Terlunen (Foto: © Anja Cord)
Sabine Held  (Foto: © Anja Cord)
Sabine Held (Foto: © Anja Cord)

Zum Schluss
gelangten wir noch zu einem besonderen Ort: Dem ehemaligen(?)
Friseursalon „Loretta“. Hier stellten Thomas Autering und Silvia
Liebig passenderweise zum Thema „Haare“ aus. Auterings
Zeichnungen erschaffen haarige, mit Klauen und Tentakeln versehene
Urzeitkreaturen, während Liebigs Collagen sich kritisch mit dem
Themen „Haare“ und „Schönheit“ auseinandersetzen.

Silvia Liebig (Foto: © Anja Cord)
Silvia Liebig (Foto: © Anja Cord)
Thomas Autering (Foto: © Anja Cord)
Thomas Autering (Foto: © Anja Cord)



Ein ausgerechneter Tumult oder wann kommt der Waschmaschinenflüsterer

Ordnung muss sein, heißt es im Volksmund. Doch was ist Ordnung
überhaupt und wo sind die Grenzen zum Chaos? Ist Ordnung gleich
Sicherheit? Diese Frage stellt sich die elektronische Kammeroper für
acht Ordnungskräfte mit dem Titel „[… alles gut …]“ von
„Oper, Skepsis und Gleisbau“ unter der Regie des Komponisten
Frank Niehusmann. Ein Bericht von der Dortmunder Uraufführung am 15.
Juni 2019 im Theater im Depot.

Die Ordnung findet
sich auch auf der Bühne wieder. Farbige Linien durchkreuzen den
Boden, als ob sie ein riesiger Schaltplan wären. Tatsächlich ist
die Bühne auf geteilt in drei x drei Quadrate, auf denen 24 Duette
stattfinden. Jedes dieser Duette findet einmal vorne, in der Mitte
und in der hinteren Reihe statt. Eine Regel besagt, dass nie ein
Duett das andere verdeckt. Klingt kompliziert? Ist es auch, denn die
acht Akteure auf der Bühne müssen sich genau an einen Plan halten,
denn ansonsten kämen sie sich ins Gehege. Schließlich dauert ein
Duett exakt drei Minuten und dann wird gewechselt. Vergleichen kann
man diese Herangehensweise mit Sudoku, Go oder einem Schachproblem.

Im Gegensatz zur
festgelegten Struktur sind die Duette weitgehend improvisiert. Einige
dieser Duette werden gesprochen, gesungen, getanzt oder mit
elektroakustischer Musik ausgefüllt. Lässt der mit
Percussioninstrumenten gefüllte Einkaufswagen an die Anfangszeit der
Einstürzenden Neubauten denken, wird in der Inszenierung noch weiter
experimentiert. Da werden Gitarren mit Fidget-Spinner verbunden oder
man lässt ein Modellauto über eine Gitarre fahren. Sehr spannend
sind die Duette mit dem Theremin von Gilda Razani. Razani ist unter
anderem bekannt durch ihre Aktivität als Saxophonistin und
Theremin-Spielerin in der Geierabend-Band. Ihre Klänge waren sehr
variantenreich und reichten von Klängen aus dem All bis hin zu
vorwurfsvollen und klagenden Lauten.

Für die
gesprochenen Duette war Schauspieler Thomas Kemper zuständig. Beim
ersten war eine Tanzpartnerin dabei. Kempers Aufzählung „Ich
kannte mal eine…“ erinnerte in der Form leicht an Ingo
Insterburgs „Ich liebte ein Mädchen“. Dass Werbesprüche von LKW
auch eine poetische Komponente haben, wurde im nächsten Duett
erkennbar. „Just in Time“, „gut verpackt“ – wer oft auf
Autobahnen unterwegs ist, kann die LKW-Sprüche auf den Planen auch
bald mitsingen. In der Religion und in der Werbung wird oft mit dem
Stilmittel der Zukunftserwartung gespielt. „Etwas wird kommen“ –
sei es der Erlöser oder das neue Smartphone. So deklamierte Kemper
unter anderem „Ein Waschmaschinenflüsterer wird kommen“.
Tatsächlich könnte die Welt einen (oder mehrere)
Waschmaschinenflüsterer gut gebrachen.

Thomas Kemper (links) und Peter Eisold  beim Duett über die Poesie von Texten auf LKW-Planen. (Foto: © Christian Spieß)
Thomas Kemper (links) und Peter Eisold beim Duett über die Poesie von Texten auf LKW-Planen. (Foto: © Christian Spieß)

Als weitere Ebene im
Stück gab es Videos, die Szenen aus Essen zeigten oder
Computergrafikanimationen von Erwin Wiemer.

Was auf den ersten
Blick chaotisch abzulaufen scheint, denn viele Duette laufen ja
parallel, hat in Wahrheit einen geordneten Kern. Für den Zuschauer
ergeben sich viele assoziative Bilder, die erst geordnet werden
müssen. Dann aber ergibt das Ganze nicht nur einen Sinn, sondern
macht auch Spaß. Wenn Kemper beispielsweise wie der Papst mit
erhobenen Händen „reziproke Amnesie“ in den Zuschauersaal ruft,
kann man sich ein Grinsen nicht verkneifen. Das Stück „[… alles
gut …]“ spielt mit dadaistischen Elementen und ist eine gelungene
moderne Kammeroper.




Vom Ghetto-Netto zum Vermieter-Gebieter

Der dritte Teil der Nordstadtsaga um den Hinterhof in der
Missundestraße 10 trägt den schönen Titel „Soda und Gomera“.
Nach „Juckpulver und Hagebuttentee“ (2018) und „Im Tal der
fliegenden Messer“ (2017) geht es diesmal mit der Produktion von
artscenico in die Zukunft. Hier ist die Nordstadt das hippe Viertel
der Republik und die Mietwilligen stehen Schlange. Eine schwere
Entscheidung für den Vermieter, der sich als König geriert. Zudem:
The Return of the Omas. Ein Premierenbericht vom 13. Juni 2019.

Zurück in die
Zukunft – wo andere einen Fluxkompensator brauchen, um in die
Vergangenheit zu reisen, reichen Rolf Dennemann, der Kopf hinter
artscenico, nur ein paar Papptafeln um von 2017 und 2018 in die
Zukunft und wieder zurück zu reisen.

Die altbekannten
Gesichter sind wieder dabei: Emmi (Elisabeth Pleß) ist die Frau vom
Vermieter (Linus Ebner) und Walla (Thomas Kemper), der als Oma einen
mobilen Kiosk mit dem schönen Namen „Wallahalla“ betreibt.
Logischerweise gibt es dort Eierlikör in rauen Mengen.

Was tut man/frau nicht alles, um dem Vermieter zu gefallen und die Wohnung zu bekommen. (Foto: © Guntram Walter)
Was tut man/frau nicht alles, um dem Vermieter zu gefallen und die Wohnung zu bekommen. (Foto: © Guntram Walter)

Die Hauptgeschichte
spielt im Jahre 2022: Der junge Hausbesitzer weiß nicht, an wen er
eine seiner Wohnungen vermieten soll. Die Nordstadt ist so attraktiv
geworden, dass die Kandidaten Schlange stehen und an einem
„Mietmarathon“ teilnehmen müssen. Walla ist mit seinem mobilen
Kietz-Kiosk unterwegs als er seinen alten Kumpel Kalla wiedertrifft,
der jahrelang als Maskenverleiher auf Gomera sein karges Leben
fristete.

Rolf Dennemann hat
hier wieder das aktuelle Thema „Wohnungsnot“ in gewohnt
skurril-amüsanter Form aufbereitet. Auch wenn die Nordstadt noch
weit weg ist von der Gentrifizierung, in anderen Städten müssen die
Mietkandidaten sich quasi nackt machen vor dem „Vermieter-Gebieter“.
Schon die kleinste Verfehlung kann das Aus bedeuten. Schwierig ist es
auch für einen unerfahrenen Vermieter, der das Haus vererbt bekommt,
den oder die richtige Kandidatin zu finden. Es hat ja auch etwas mit
Vertrauen zu tun, wem man seine Wohnung vermietet.

Wer es am Ende sein
wird, verrate ich nicht, denn das können die Besucher am 21. und 22.
Juni 2019 noch selbst herausfinden. Wer also etwas Abstand vom
Kirchentag haben möchte und Lust hat sich intelligent und
hintergründig zu unterhalten, der sollte gegen 19:30 Uhr nicht an
der Missundestraße 10 vorbei gehen. 90 Minuten echte
Nordstädter-Hinterhofatmospähre mit überdachter Tribüne.




Hoesch-Museum präsentiert Ausstellung zu Migration und Religionen im Ruhrgebiet

Das Ruhrgebiet ist ohne die Einwanderung nicht denkbar. Die neuen
Bewohner der Ruhrgebietsstädte brachten neben ihren Bräuchen auch
ihre Religion mit. Aus Masuren kamen evangelische Christen, aus den
anderen Provinzen des ehemaligen polnischen Staates überwiegen
Katholiken. Im 20. Jahrhundert kamen orthodoxe Griechen und
muslimische Türken ins Ruhrgebiet. Die religiöse Vielfalt brachte
Kooperationen, aber auch Konflikte. Die Ausstellung „Migration und
Religionen im Ruhrgebiet“ im Hoesch-Museum (16. Juni – 14. Juli)
erzählt davon.

Konzipiert wurde sie
als Wanderausstellung in einer Kooperation zwischen Hoesch-Museum und
dem Verein zur Erforschung der Kirchen- und Religionsgeschichte des
Ruhrgebiets in Bochum. Die Ausstellung wurde von einem Team aus 16
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern erarbeitet. Die Zugänge
waren daher vielfältig und umfassen Geschichtswissenschaft,
Theologie, Stadtteilarbeit oder Soziologie.

Wie Migranten mit ihren religiösen Bräuchen das Ruhrgebiet prägten, zeigt die aktuelle Ausstellung im Hoesch-Museum. (v.l.n.r.) Gisela Piechotta (Ehrenamtliche Mitarbeiterin im Hoesch-Museum), Dr. Jens Stöcker (Direktor des
Museums für Kunst und Kulturgeschichte), Isolde Parussel (Leiterin Hoesch-Museum), Prof. Traugott Jähnichen (Ruhr-Universität Bochum). (Foto: © Karin Pinetzki, Stadt Dortmund)
Wie Migranten mit ihren religiösen Bräuchen das Ruhrgebiet prägten, zeigt die aktuelle Ausstellung im Hoesch-Museum. (v.l.n.r.) Gisela Piechotta (Ehrenamtliche Mitarbeiterin im Hoesch-Museum), Dr. Jens Stöcker (Direktor des Museums für Kunst und Kulturgeschichte), Isolde Parussel (Leiterin Hoesch-Museum), Prof. Traugott Jähnichen (Ruhr-Universität Bochum). (Foto: © Karin Pinetzki, Stadt Dortmund)

Unter den
Wissenschaftlern ist Prof. Traugott Jähnichen vom Lehrstuhl für
Christliche Gesellschaftslehre . „Für Migranten ist die Religion
identitätsstiftend und dient zur Beheimatung“, findet Jähnichen.
Das hatte Folgen: ehemals protestantische Gegenden wurden katholisch
und umgekehrt.

Um einen
persönlichen Blick auf die Thematik zu bekommen, wurden sehr viele
persönliche Gegenstände zur Verfügung gestellt. Fußballtrikots,
ein Wäschekorb mit Rädern oder ein Notenständer – diese und
andere Objekte sind Ausdruck des durch Migration geprägten
religiösen Lebens im Ruhrgebiet.

Die Schau ist als Wanderausstellung konzipiert und kann kostenlos über Prof. Traugott Jähnichen von der Ruhr Universität Bochum ausgeliehen werden. Für das Hoesch-Museum und im Rahmen des Kirchentages wurde die Ausstellung bei ihrem Auftakt um Exponate erweitert. Zahlreiche Privatpersonen und religiöse Institutionen haben dafür großzügig Leihgaben zur Verfügung gestellt. Drei Hörstationen mit Interviews und ein Medientisch sind ebenfalls nur im Hoesch-Museum zu nutzen.

Zur Ausstellung
erscheint ein Katalog.




Drag – Die Verteidigung des Non-Konformen

Vom 15. Juni bis zum 18. August 2019 zeigt der Dortmunder Kunstverein die Gruppenausstellung „Display. Staging Identites“. In der Gruppenausstellung zeigen Johannes Paul Raether, Victoria Sin, Mikołaj Sobczak und Philipp Timischl ihre Positionen zum Thema „Drag“.

In
unserer Populärkultur ist „Drag“ meist mit dem Begriff der
„Dragqueen“ verbunden. Olivia Jones und Conchita Wurst sind
bekannte Beispiele aus
dem deutschsprachigen Raum. Doch Drag bezeichnet zunächst das
Auftreten in Kleidung des jeweils anderen Geschlechts, wobei ein
Charakter angenommen oder eine eigene Identität entwickelt wird.
Daher gibt es natürlich auch Dragkings, also Frauen in
Männerkleidung. Angefangen von Frauen, die als Soldaten in Kriege
zogen, bis hin zu Hosenrollen in der Oper. Die
barocke Oper war in der Hinsicht von Mann/Frau sehr flexibel. Das
Festival Klangvokal bot mit
dem Abend „Gender Stories“ einen schönen Einblick in dieses
Thema.

Doch
in der Ausstellung geht es um mehr als Unterhaltung, denn Drag hat
auch eine politische Seite, die als Werkzeug zur Selbstermächtigung
dient und die Möglichkeit einer immer wieder neu zu erfindenden
Identität bietet.

"A Weak Female Figure" von Victoria Sin erinnert ein wenig an das Grabtuch von Turin.
„A Weak Female Figure“ von Victoria Sin erinnert ein wenig an das Grabtuch von Turin.

Bilder
beschrieben Geschichte. Der polnische Künstler Mikołaj
Sobczak probiert sich an
der Umdeutung historischer Gemälde. In seinen jüngsten Arbeiten
setzt er sich mit der Hexenverfolgung auseinander. Bei ihm
triumphieren die angeklagten Dragqueens über
die als Dragkings gezeichneten Kirchenvertreter.

Johannes
Paul Raethers Thema ist die Reproduktionstechnologie.
In-Vitro-Technologie, Leihmutterschaft
und Pränatale Implantationsdiagnostik möchte er zur Gründung eines
anti-heteronormativen „ReproTechnoTribes“ nutzbar machen. Das
heißt, ein Kind könnte das Produkt mehrerer Väter und Mütter
sein.

Victoria
Sin sieht sich weder als weiblich noch als männlich. Ihre Definition
ist non-binär. Im Drag inszeniert sie sich als Frau, eine Kunstfigur
zwischen Marilyn Monroe, Marlene Dietrich und Jessica Rabbit. Sins
Videoarbeiten thematisieren die Objektifizierungen in der Kunst.

Für
Philipp Timischl ist Drag eine Methode zur Überwindung sozialer
Klassen. In seinen Arbeiten fragt er sich, welche
Codes und Normen es gibt, um in bestimmte Räume zu kommen. Reicht es
die Codes zu adaptieren?

Die Umdeutung historischer Gemälde ist das Interesse von Mikołaj Sobczak ("Witch Examination")
Die Umdeutung historischer Gemälde ist das Interesse von Mikołaj Sobczak („Witch Examination“)

Während
der Ausstellung gibt es auch ein Rahmenprogramm:

Am
Freitag, den 14. Juni, veranstalten die beiden Künstler Nicolas
Grafia und Mikołaj
Sobczak um 20 Uhr eine
Performance, ebenso wie am 02. August der Künstler
Adam Christensen (20 Uhr).

In
Kooperation mit dem Kino Schauburg werden dort die Filme
Victor/Victoria (04. Juli 2019, 20:15 Uhr) und ONE ZERO ONE (
25. Juli 2019, 20:15 Uhr)
gezeigt.

Matthias
Zalthen
bietet am 05. und 12. August von 11 bis 18 Uhr einen Workshop für
Kinder an. Die Teilnahme ist kostenlos, Anmeldung unter
info@dortmunder-kunstverein.de




Klangvokal 2019 – Dresdner Kammerchor entführt in Himmelswelten

Ein interessantes Programm hatte der Dresdner Kammerchor unter der Leitung von Hans-Christoph Rademann mitgebracht. Am 09. Juni erklang in der Nicolaikirche geistliche Musik von Mahler, Brahms, Reger und Martin. Hinzu kam eine Komposition von John Cage.

Das Programm vor der
Pause war den romantischen Komponisten Gustav Mahler, Johannes Brahms
und Max Reger gewidmet. Mahlers „Ich bin der Welt abhanden
gekommen“ entfaltet dank der gut aufgelegten Sängerinnen und
Sänger sofort seine Magie. Die Verzweiflung und der Trotz in den
Worten von Friedrich Rückert wird von Mahler in emotionale Musik
umgesetzt. Kein Wunder, dass dieses Stück als Zugabe am Ende des
Konzertes wiederholt wird.

Das Lied „Warum
ist das Licht gegeben den Mühseligen“ von Johannes Brahms ist eine
musikalische Mischung aus barocken und romantischen Elementen. Zwar
stellt die Motette die Frage nach dem „Warum“, gibt letztendlich
aber auch keine Antworten oder Hinweise auf Jesus Christus. Ganz
anders bei den „acht geistlichen Gesängen“ von Max Reger.
Regers Chorwerk ist im homophonen Stil aufgebaut und erinnert an die
Choräle von Bach.

Vor allem mit John Cage und der "Messe für Doppelchor" von Frank Martin begeisterte der Dresdner Kammerchor die Zuhörer in der Nicolaikirche. (Foto: © Bülent Kirschbaum)
Vor allem mit John Cage und der „Messe für Doppelchor“ von Frank Martin begeisterte der Dresdner Kammerchor die Zuhörer in der Nicolaikirche. (Foto: © Bülent Kirschbaum)

Nach der Pause ging
es mit einem außergewöhnlichen Stück weiter. John Cage „Four²“
aus seinem Zyklus der Zahlenstücke war eine faszinierende Erfahrung.
Die Gesamtdauer des Stückes steht fest: 7 Minuten. Die Zeiträume,
in denen ein bestimmter Ton erklingen soll, hat Cage zwar
beschrieben, aber innerhalb dieser Zeiträume darf ein Sänger frei
entscheiden. So vermischt sich Festgelegtes und Individuelles zu
einem Gesamtkonzept.

Jahrzehntelang lag
die „Messe für Doppelchor“ von Frank Martin in der Schublade. In
den 1920er Jahren begonnen, wurde sie erst 1963 aufgeführt. Es ist
ein modernes Werk, voller subtiler Klangfarben und rhythmischen
Strukturen. Eine Besonderheit ist, dass alle Teile der Messe etwa
gleich lang sind, unabhängig der zu singenden Textmenge.

Ein
außergewöhnliches Konzert mit einem harmonischen Chor, der die
Himmelswelt von Romantik und Moderne erklingen ließ.




Klangvokal 2019 – Agrippina als Kombination von Erotik und Machtbesessenheit

Am 08. Juni 2019 wurde im Orchesterzentrum NRW die Oper „Agrippina“ von Georg Friedrich Händel konzertant aufgeführt. Für die Musik waren die „Les Talens Lyriques“ unter der Leitung von Christoph Rousset verantwortlich. Zusammen mit den acht Sängerinnen und Sängern entführten uns die Künstler unter mithilfe von barocken Klängen in die Welt der Antike, in der Machtbesessenheit und Erotik eine gefährliche Mischung bildeten.

Ein wahrhaft
dramatischer Stoff: Kaiser Claudius soll auf der Rückreise aus
Britannien ertrunken sein, daher möchte seine Frau Agrippina ihren
Sohn Nero zum Kaiser krönen lassen. Dumm nur, dass Claudius lebt und
schlimmer noch, er hat seinen Feldherrn Otho (im Libretto Ottone
genannt), der ihm das Leben rettete, zum Kaiser bestimmt. Pech für
Agrippina? Sie entwickelt ein Intrigenspiel, in dem Poppea eine
zentrale Rolle spielt. Poppea wird wird Otho, Nero und Claudius
geliebt. Sie liebt zwar Otho, aber wenn ihr eingeflüstert wird, dass
Otho nur an der Kaiserkrone interessiert wird…

Musikalisch bietet
„Agrippina“ alles, was eine barocke Oper ausmacht. Viele
wunderschöne Rezitativ-Arien, so entsagt Nero verzweifelt der Liebe
„Come nubo che fugge“ in einer herrlich melancholischen Art,
zartschmelzende Liebesarien von Otho und Poppea erklingen gegen Ende.
Natürlich hat die Titelheldin, deren Motto „Gelobt sei der, der
zum Regieren die Intrige nutzt“, auch die schönsten Arien.
Angefangen von „L‘alma mia fra le tempeste“ bis hin zu „Ogni
vento ch‘al porto lo spinga“.

Händel bringt die
Gefühle von Intrigen, enttäuschter und echter Liebe, Frust und
Triumph in gekonnter Manier auf das Notenblatt. Dabei bedient er sich
seiner früheren Werke sowie von Komponisten seiner Zeit. Im 18.
Jahrhundert anscheinend kein Problem, heute hätte Händel vermutlich
Probleme mit dem Urheberrecht. Dennoch oder gerade deshalb ist
„Agrippina“ ein Stück wie aus einem Guss und es ist kein Wunder,
dass die Oper heute immer noch oft aufgeführt wird, trotz der
dreistündigen Dauer.

"Agrippina" war ein Feuerwerk der barocken Oper. Das Publikum danke den Solisten und Musikern mit stehenden Ovationen. (Foto: © Bülent Kirschbaum)
„Agrippina“ war ein Feuerwerk der barocken Oper. Das Publikum danke den Solisten und Musikern mit stehenden Ovationen. (Foto: © Bülent Kirschbaum)

Auch wenn sich das
Festival Klangvokal auf die Stimmen konzentriert und es im
Orchesterzentrum gar keine andere Möglichkeit gab, die konzertante
Aufführung kann leider die Situationskomik im dritten Akt nicht auf
die Bühne bringen. Denn da versteckt Poppea, die sich auch an
Agrippina rächen will, nicht nur Otho, sondern auch Nero hinter
Türvorhängen. Zudem taucht auch noch Claudius auf.

Neben der wunderbar
dargebotenen Musik enttäuschten auch die Sängerinnen und Sänger
nicht. Maité Beaumont überzeugte als intigrante Agrippina, ebenso
wie Eugénie Warnier als Poppea. Die Mezzosopranistin Ève-Maud
Hubeaux legte noch etwas schauspielerische Energie in ihrer
Darstellung des jungen Nero. Countertenor Paul-Antoine Bénos-Djian
als Otho gelang der Wechsel von himmelhochjauchzend bis zu Tode
betrübt wunderbar und Bassbariton Arnaud Richard als Claudius, der
nicht weiß, wie im mitgespielt wird, sang seinen Part souverän.

Auch die Nebenrollen
von Narciso (Ray Chenez), Lesbo (Douglas Williams) und Pallante
(Ètienne Bazola) waren perfekt besetzt.




Soda und Gomera – wenn die Nordstadt zum Hipsterviertel wird

Irgendwann in der Zukunft – also 2022 – verwandelt sich die
Nordstadt in ein beliebtes Hipsterviertel, bei dem sogar der
Prenzlauer Berg vor Neid erblasst. Das ist zumindest die Ausgangslage
von „Soda und Gomera“, dem dritten Stück von Rolf Dennemann, dem
Kopf von artscenico, das im Hinterhof der Missundestraße 10
stattfindet. Die Premiere ist am 13. Juni 2019.

Das Stück „Soda
und Gomera“ ist im Prinzip der dritte Teil von „Tohuwabohu“ und
„Juckpulver und Hagebuttentee“. Nicht nur der Ort ist derselbe,
sondern auch die gleichen Hauptakteure machen wieder die Nordstadt
unsicher.

Handlungsort:
Hinterhof in der Dortmunder Nordstadt. Thema: „Wohnung zu
vermieten“- die Reaktionen auf seine Anzeige stürzt den jungen
Hausbesitzer in seiner Ambition, menschlich und „politisch
korrekt“ zu handeln, geradewegs in die Abgründe seiner
Vorurteile und zwingt zur Konfrontation mit sich selbst und der Frage
nach Vertrauen. Die Nordstadt ist 2022 zum Hipsterviertel geworden
und Menschen aus aller Welt wollen dort hinziehen. Er hat Wohnungen
zu vermieten und es melden sich zahlreiche Interessenten mit
unterschiedlichsten Hintergründen. Wem kann man vertrauen? Er ringt
mit sich und seinen menschlichen Vorstellungen von Zusammenleben.
Eine Stimme sagt ihm immer wieder „Achtung! Hier stimmt was nicht!“
Es entsteht Chaos und Verwirrung. Die Wohnungssuchenden werden mit
Prüfungen konfrontiert und versuchen mit allen möglichen Tricks,
den Zuschlag zu bekommen. Wie schwer wiegt hier Vertrauen und wie
wird Vertrauen aufgebaut?

Probenfoto mit Thomas Kemper (Walla), Linus Ebner (Deniz) und Elisabeth Pleß (Emmi). (Foto: © Guntram Walter)
Probenfoto mit Thomas Kemper (Walla), Linus Ebner (Deniz) und Elisabeth Pleß (Emmi). (Foto: © Guntram Walter)

Dennemann hat also
ein aktuelles Thema auf die Bühne bzw. den Hinterhof gebracht: Der
alltägliche kampf um das Wohnen. Wen darf ich was vermieten und wie
finde ich den richtigen Mieter? Es beginnt für jeden potentiellen
Mieter ein „Miet-Marathon“ durch verschiedene Räume, bei dem
bald alles aus dem Ruder läuft. „Das Wort Chaos wäre eine
Untertreibung“, beschreibt Dennemann die Situationen.

Altbekannte Figuren
wie Kalla und Walla treten wieder auf und es gibt Rückblicke auf die
Vorgängerstücke. Mit dabei sind unter anderem Thomas Kemper,
Matthias Hecht, Elisabeth Pleß, Linus Ebner, Asta Nechajute.

Sichern Sie sich Ihren Platz durch Voranmeldung, die Tickets liegen an an der Abendkasse:

orga@artscenico.de
und telefonisch unter 0176 63826162

PREMIERE:
DONNERSTAG, 13.Juni 2019, 19.30 Uhr

und 14.6., 21./22.6.

Dortmund –
Nordstadt – Missundestraße 10 (Hinterhof)

Und 21./22.6. im
Kulturprogramm des Ev. Kirchentages




Klangvokal 2019 – Soul-Pop aus dem Herzen

Es gibt sicherlich einige Sängerinnen, die sich um den Thron von Amy Winehouse bemühen und Sharon Kovacs gehört mit Sicherheit zu den heißen Kandidatinnen. Mit kurzgeschorenen Haaren erinnert die Niederländerin optisch an Sinead O‘Connor, musikalisch liegen die Wurzeln von Kovacs klar im Soul. Das Konzert am 06. Juni 2019 im FZW bewies ihre Qualitäten.

Gitarre, Bass,
Schlagzeug, zwei Background-Sängerinnen, Keyboards, Trompete und
natürlich die Hauptdarstellerin Sharon Kovacs. Das waren die Zutaten
eines intensiven Konzert. Die Künstlerin sang Songs von ihrer neuen
CD „Cheap Smell“ und ihrem Debut-Album „Shades of Black“.
Anfang mit Hut bekleidet besaß Kovacs sofort eine enorme
Bühnenpräsenz, die mit dem ersten Song die Menge zum Tanzen
mitriss.

Perfekte Soulmusik mit autobiografischen Texten: Kovacs im Rahmen des Festivals Klangvokal im FZW. (Foto: © Anja Cord)
Perfekte Soulmusik mit autobiografischen Texten: Kovacs im Rahmen des Festivals Klangvokal im FZW. (Foto: © Anja Cord)

Ihre Texte
berichteten nicht immer über erfreuliche Dinge aus ihrem Leben. So
dreht sich „Mama & Papa“ über ihre Kindheit in einer Familie
ohne Vater, „Adickted“ handelt über ihren drogenabhängigen
Ex-Freund. Aber dennoch strahlt ihre Musik eine große Lebenslust
aus, der Wunsch, das Leben einfach zu genießen. So treibt der große
Rhythmus des Souls nicht nur die Sängerin an, sondern übertrug sich
auch auf die Zuhörer im FZW.

Überhaupt: Man
spürt sofort, diese Frau ist für die Bühne gemacht, ihre Stimme
ist mitreißend. Neben den üblichen verdächtigen wie Amy Winehous
oder Shirley Bassey hört man auch ihr Vorbild Grace Jones an einigen
Stellen heraus. Musikalisch half ihr auch der Rückgriff auf die
Basics im Konzert. Keine Streicherarrangements, keine überbordende
Instrumentierung. Nur das, was zur Soulmusik gehört. Pur und echt.




Zu Besuch bei den ARTgenossen

Am 15. und 16. Juni 2019 öffnen 13 Künstlerinnen und Künstler aus
dem Saarlandstraßenviertel ihre Ateliers und geben den
interessierten Besuchern Einblicke in ihre Arbeit. Am Sonntag, den
16. Juni, gibt es einen geführten Rundgang mit dem
Kunstwissenschaftler Dr. Rudolf Preuss durch die Ateliers des
Viertels. Er beginnt um 14 Uhr im Atelier von Pia Bohr in der
Dudenstraße 4.

Seit fast zehn
Jahren gibt es die Tradition der ARTgenossen, alle zwei Jahre ihre
Arbeitsstätten für die geneigte Öffentlichkeit zu öffnen. Somit
hat sich das Format durchaus etwabliert. „Die Leute sind
überrascht, dass es Ateliers in den Hinterhöfen gibt“, erzählt
Mathias Schubert, einer der beteiligten Künstler. Ziel sei natürlich
auch, Hemmschwellen gegenüber der Kunst abzubauen.

Manche Ateliers
haben sich Gäste eingeladen, so werden im Atelier von Pia Bohr neben
der Besitzerin auch Petra Eick, Rosa Fehr von Ilten und Frank
Pinkvoss dabei sein. Pinkvoss wird in diesem Jahr sein Debut bei den
ARTgenossen geben.

Freuen sich auch nette Gespräche mit den Besuchern beim Wochenende der ARTgenossen. (v.l.n.r.) Claudia Terlunen, Sabine Held, Sebastian Wien und Mathias Schubert.
Freuen sich auch nette Gespräche mit den Besuchern beim Wochenende der ARTgenossen. (v.l.n.r.) Claudia Terlunen, Sabine Held, Sebastian Wien und Mathias Schubert.

Zu sehen gibt es
alles, was die traditionelle bildende Kunst zu bieten hat:
Skulpturen, Malerei, Grafik, Fotografie und Zeichnungen. Neben den
Ateliers haben die Organisatoren einen besonderen Ort ins Programm
genommen. Silvia Liebig und Thomas Autering stellen im Friseursalon
Loretta in der Landgrafenstraße 148 aus.

Das Programm im
einzelnen:

Atelier Pia Bohr
(Dudenstraße 4): Pia Bohr, Petra Eick, Rosa Fehr von Ilten

Atelier in der
Gutenbergstraße 60: Roul Schneider, Dina Nur

Atelier in der
Chemnitzer Straße 38: Sebastian Wien, Claudia Karweick

Mathias Schubert
präsentiert sich in seinem Atelier in der Sonnenstraße 22.

Claudia Termunen und
Sabine Held sind im Atelier an der Saarlandstraße 96

Im Friseursalon
Loretta (Landgrafenstraße 148)stellen Silvia Liebig und Thomas
Autering aus.

Die Örtlichkeiten
sind am Samstag von 15 bis 20 Uhr geöffnet und am Sonntag von 14 bis
18 Uhr.