Kulturbrigaden-Produktion zum brisanten Thema Cybermobbing

Am Freitag, dem 27.09.2019 um 20:00 Uhr hat die neueste Produktion
der jungen Theatergruppe der Kulturbrigaden unter der engagierten
Leitung von Rada Radojcic „Alle ausser das Einhorn“ (ab 10 Jahre)
von Kirsten Fuchs im Theater im Depot (Dortmund) seine Premiere.

Die bisher gezeigten
Aufführungen früherer Produktionen der Kulturbrigaden zeichneten
sich immer auch durch besonders eindrucksvolle Kostüme und Masken
sowie Choreografien aus.

Das neue Stück ist
etwas naturalistischer gehalten. Aber keine Sorge, beim Kostümfest
gegen Ende kommen die Freundinnen und Freunde der schönen Masken und
Kostüme auf ihre Kosten.

„Das Problem
„Cybermobbing“ in seinen extremen Auswirkungen, die oft außer
Kontrolle geraten können“, so Rada Radojcic, nimmt leider immer
mehr zu. So wurde das Thema von den beteiligten jungen
Schauspielerinnen und Schauspielern ausgewählt. Auch wenn es schon
früher Mobbing in den Schulen (oder im Beruf) gab, sind die
Dimensionen und Folgen durch die große Verbreitung über Social
Media weitaus schwerwiegender.

Sieben
Schauspieler*innen sind diesmal mit von der Partie. Die Hauptrolle
der Netti (genannt „Das Einhorn“) spielt die Jugendliche Mary
Schilkmann.

Das Einhorn wird gemobbt. Die "Kulturbrigaden" sprechen das dringende Thema "Cybermobbing" in ihrem neuen Stück "Alle ausser das Einhorn" an. (Foto: © Kulturbrigaden / Rada Radojcic)
Das Einhorn wird gemobbt. Die „Kulturbrigaden“ sprechen das dringende Thema „Cybermobbing“ in ihrem neuen Stück „Alle ausser das Einhorn“ an. (Foto: © Kulturbrigaden / Rada Radojcic)

Zum Stück: „Alle
ausser das Einhorn“ heißt auch die Chatgruppe der Klasse von
Netti. Sie darf nicht mitmachen, sondern muss hilflos zusehen, wie
immer mehr Lügen, Hasskommentare und Drohungen auf ihrem
Handydisplay landen. Die neue Mitschülerin Fever hat nun das Sagen,
und selbst Nettis bester Freund Julius hält nicht mehr zu ihr.
Ironischerweise findet das Mobbing von Netti gerade auch während
einer Projektwoche zu dem Thema statt. Eltern und Lehrer sind
überfordert. Beim abschließendem Kostümfest soll „das Einhorn“
endlich richtig aufs Horn kriegen. – doch dann passiert unerwartetes…

Per Videoprojektion
werden entsprechende „Hassmails“ nicht nur zu sehen sein, und auf
Musik und Tanzchoreografien wird nicht ganz verzichtet.

Geplant (und
wichtig) ist, mit dieser Produktion auch an die Schulen zu gehen.

Am Samstag, dem
28.09.2019 gibt es ebenfalls um 20:00 Uhr eine weitere Aufführung
des Stücks.

Karten unter:
ticket@theaterimdepot.de
oder 0231/ 9822336

Ort: Theater im
Depot / Immermannstraße 29 in Dortmund




Collagenhafte Arbeiten von Brigitte Bailer im Kunstraum

Vom 21. September bis zum 20. Dezember präsentiert der Kunstraum im
Langen August ausgewählte Arbeiten von Brigitte Bailer unter dem
Titel „selected“. Die Künstlerin arbeitet in Werkzyklen und hat
Bilder aus drei Zyklen mit in die kleine Galerie genommen. Zu sehen
sind ausgewählte Stücke der Zyklen „Werke im Werk“, „Umgarnen
und Verdrahten“ sowie Arbeiten mit Papier.

„Für mich steht
das Thema der Materialität im Zentrum“, so Brigitte Bailer. Die
Kombination aus verschiedenen Materialien macht neugierig. Vorallem
die Arbeiten „Werke im Werk“. Hier verarbeitet sie Stahlplatten
oder solche aus Zink in ihren Bildern. Die Stahlplatten haben eine
natürlich Rostpatina. Diesen Rost bekommt sie durch das Eingraben
der Platten in ihren Garten. „Meine besten Mitarbeiter sind
Regenwürmer“, erklärt sie, denn durch ihre Schleimspuren
hinterlassen sie später faszinierende Roststellen. Denn die Platten
bleiben bis zu einem halben Jahr in der Erde. Danach haben sich
spannende Muster im Rost entwickelt, die ihre Bildsprache
unterstützt. Denn die Bilder von Brigitte Bailer sind abstrakt
gehalten, besitzen keine Titel, so dass der Betrachter gezwungen
wird, sich seine eigenen Gedanken zu machen. Bei den Arbeiten mit
Zinkplatten entwickelte das Metall einen Weißrost, der von der
Künstlerin ebenfalls in das Bild eingearbeitet wurde.

Brigitte Bailer zeigt eine Auswahl ihrer Werke im Kunstraum.
Brigitte Bailer zeigt eine Auswahl ihrer Werke im Kunstraum.

Das collagenhafte
Arbeiten zeigt sich auch in den Bildern des Zyklus „umgarnen und
verdrahten“, hier kombiniert Brigitte Bailer zwar hauptsächlich
Stoff und Draht, aber wendet durchaus weitere Materialien.

Am 29. September
2019 findet um 17 Uhr im Kunstraum eine Lesung mit Musik zum
50-jährigen Jubiläum des Septemberstreiks 1969 bei Hoesch.
Anne-Kathrin Koppetsch liest aus „Tod im Stahlwerk“ und Winfreid
Meyer spielt am Piano den passenden Soundtrack. Der Eintritt ist
frei.

Die Öffnungszeiten
des Kunstraums (Braunschweiger Straße 22) sind Dienstag bis Freitag
von 15 bis 19 Uhr.




Joel Roters ist der DEW21 Kunstpreisträger 2019

Mit seinem experimentellen Umgang mit Form und Materialität hat Joel
Roters
die Jury überzeugt. Seine kleinformatigen Werke
beschäftigen sich mit Form, Textur, Oberfläche und Material. Der
Künstler kann sich auf den mit insgesamt 10.000 Euro dotierten Preis
freuen. Er setzt sich zusammen aus 2.500 Euro Preisgeld und 7.500
Euro für eine Einzelausstellung mit Katalog im kommenden Jahr. Auch
ein Förderpreis wurde verliehen: In diesem Jahr kann sich Catherina
Cramer
über den Preis freuen, der mit 2.500 Euro dotiert ist und
der der Unterstützung von Nachwuchskünstlerinnen und -künstlern
dient. Darüber hinaus zeigt das Museum Ostwall bis zum 24. November
2019 Arbeiten der anderen zwölf Nominierten.

Die
Einzelausstellung gehört der letztjährigen Preisträgerin Lena
von Goedecke
. Sie erkundet mit „FULL FANTHOM FIVE“ die Welt
der Arktis in Installationen, Fotografien und Papierschnitten. In
diesen unwirtlichen Räumen kommen wir Menschen an unsere Grenzen.
Die Welt der Gletscher und Berge gehört zu den extremen
Landschaftserfahrungen.

Zwischen Zeichnung, Relief und Malerei wirken die Arbeiten von Joel Roters.
Zwischen Zeichnung, Relief und Malerei wirken die Arbeiten von Joel Roters.

Was gibt es in der
Ausstellung im Museum Ostwall noch zu sehen: Mit von Goedecke war
auch die Künstlerin Anne Kristin Kristiansen auf dem
Forschungsschiff in der Artkis. Sie bringt in ihren Arbeiten den
Sound der Arktis ins Museum Ostwall.

Einen sehr persönlichen Film präsentiert Florian Andreas Dedek. „Dann muss es ja ein weiss ich was gutes geben“ setzt sich mit der Geschichte seiner Eltern auseinander, die in den 80er Jahren als angebliche RAF-Unterstützer acht Jahre im Gefängnis saßen.Ein bedrückendes Kapitel beschriebt Cornelia Suhan in ihren Werken „Stumme Zeugen“. Suhan hat Orte in Bosnien fotografiert, wo Frauen im Bosnienkrieg Vergewaltigungen zum Opfer fielen.

Spannende Malerei
zeigt Markus Willeke, die sich mal mit Alltagsgegenständen
beschäftigen oder in denen er mit Hell-Dunkel-Kontrasten arbeitet.

Tim Cierpiszewski
interessiert sich sehr für die Kunst umgebende Architektur. Er
bezieht den architektonischen Kontext bewusst in seine Kunst ein.

Colin Penno
bemalt riesige Plastiken, mit mit vielen Farbschichten versehen sind.
Sie wirken wie zufällig, sind vom Künstler jedoch am Computer
vorkonzipiert.

In den Arbeiten von
Denise Werth entstehen Bilder, die zwischen Abstraktion und
konkreten Bilden mäandern. Die Basis der Bilder von Sebastian
Bartel
sind bildgebende Verfahren aus der Wissenschaft. Aus
seinen Arbeiten entsteht ein begehbares Bild mit im Raum platzierten
Malereien, Objekten und Collagen.

Im Film „A boxed
rebellion“ von Catherina Cramer geht es um Menschen, die
sich in den sogenannten Aufbewahrungsboxen befinden. Statt
Gegenstände zu lagern, leben sie dort wie in einer Art WG. Das Ende
ist offen gehalten.

Barbara Deblitz
zeigt ihre Materialinstallationen, die in einem intuitiv-assoziativen
Prozess entstehen. Schritt für Schritt werden Videos, Objekte,
Fotografien und Alltagsgegenstände kombiniert.

Die postindustrielle
Umgebung des Ruhrgebiets fasziniert Nils Bleibtreu. Er
randaliert regelrecht in seinen Bildern, die auch mal mit
Spannbändern zusammengehalten werden. Bleibtreu benutzt
Baumaterialien wie Bitumen, Staub, Sand oder Autolacke.

Ivonne Thein
hinterfragt den Wandel des zeitgenössischen Körperbildes und den
Status des Künstlers auf dem Kunstmarkt. Hierfür benutzt sie Medien
wie Fotografie, Video, Skulptur und Installationen.




Musical und Pop verzauberten den Friedensplatz

Der zweite Tag der Cityringkonzerte brachte den Besuchern am Samstag eine geballte Mischung aus Musical-Nummern und Popsongs. Um die unterschiedlich Bandbreite abzudecken, gab es gleich drei Solisten auf der Bühne: Patricia Meeden, David Jakobs und Morgan Moody. Begleitet wurden sie gewohnt von den Dortmunder Philharmonikern unter der Leitung von Philipp Armbruster.

Das Programm, das
die Organisatoren auf die Beine gestellt haben, war wirklich
beeindruckend. Von rockigen Nummern bis hin zu Mitklatschliedern und
langsamen Musical-Stücken war beinahe alles vertreten und die
Besucher gingen begeistert mit.

Morgan Moody, der
Bass-Bariton der Dortmunder Oper überzeugte vor allem bei der
Swingnummer „Have you met Miss Jones“, die in den letzten Jahren
bekannter wurde durch die Interpretation von Robbie Williams.
Vielleicht sollte sich Moody mal überlegen, wie Williams eine
Swing-CD/LP aufzunehmen. Seine Stimme würde hervorragend passen.
Natürlich auch zu Musicals: Da gab es feine Kostproben aus „The
Gratest Showman“.

Kommen wir zu David
Jakobs. Er überzeugte vor einigen Jahren als „Judas“ in der
Dortmunder Inszenierung von „Jesus Christ Superstar“ und ist auf
den verschiedenen Bühnen der Musicalwelt zuhause. Dass er auch
Popsongs kann, zeigte er bei „Hammer to fall“ von Queen oder bei
„Don‘t let the sun go down on me“ im Duett mit Morgan Moody.
Wobei Jakobs passenderweise in einem stylischen „Elton John Kostüm“
auf die Bühne kam.

Genossen den verdienten Applaus des Publikums (v.l.n.r.) Morgan Moody, David Jakobs, Patricia Meeden, Dirk Ruthenhofer (Initiator und Vorsitzender des Cityrings) sowie Dirigent Philipp Armbruster. (Foto: © Stephan Schütze/Jan Heinze)
Genossen den verdienten Applaus des Publikums (v.l.n.r.) Morgan Moody, David Jakobs, Patricia Meeden, Dirk Ruthenhofer (Initiator und Vorsitzender des Cityrings) sowie Dirigent Philipp Armbruster. (Foto: © Stephan Schütze/Jan Heinze)

Weniger gelungen war
das Duett mit Patricia Meeden „Against all odds“. Wahrscheinlich
ist Phil Collins kein so gute Sänger wie Meeden und Jakobs, aber er
hatte sehr viel Verletzlichkeit und Hoffnung in seiner Stimme, dass
man Gänsehaut bekam. Nicht davon in der Version am Samstag, die auch
so klang als sei Phil Spector mit seiner Klangwand wieder
auferstanden. Aber es blieb der einzige Punkt, an dem es etwas zu
mäkeln gab. Dafür war für mich das berührende „Draußen“ aus
dem Musical „Der Glöckner von Notre-Dame“. Sehr eindrucksvoll
sang Jakobs über den Wunsch des Glöckners, einmal die Welt
außerhalb der Kathedrale zu erkunden.

So wie Jakobs singt
und schauspielert auch Patricia Meeden. Beide haben gemeinsam bei
„Jesus Christ Superstar“ in Dortmund gespielt, Meeden war die
„Maria Magdalena“. Es wäre eine schöne Gelegenheit gewesen, das
gleichnamige Lied von Sandra zu singen, aber gut. Sie brillierte als
Lady Gaga („Shallow“), als Tina Turner („Simply the best“)
oder Whitney Houston („I wanna dance with somebody“). Auch wenn
sie bei ihren Moderationen etwas überdreht wirkte, auf ihre Stimme
hatte das glücklicherweise keinen Einfluss.

Zum Schluss gab es
noch zwei Zugaben. Wie es sich für Dortmund gehörte natürlich auch
„You‘ll never walk alone“. Und zwar in der Originalversion.
Denn es stammt ursprünglich nicht aus Liverpool, sondern aus dem
Musical „Carousel“.




Zu Besuch in der stillen Stadt

Nach Bochum kam die „Silent City“, die neue Produktion von
artscenico, nach Dortmund ins Theater im Depot. Die Besucher hatten
am 06. und 07. September die Gelegenheit, eine Tour durch die
unterschiedlichen Ausformungen von Stille zu bekommen und unbekannte
Orte des Depots in der nördlichen Innenstadt Dortmunds zu erkunden.
Letztlich war nicht alle Still, denn Stille hat unterschiedliche
Ausprägungen.

Zu Stille passte
nicht eine große laute Menschenmenge, daher bildeten maximal sechs
Personen eine Gruppe, die dank eines Führers durch die
unterschiedlichen Räume und Situationen geleitet werden.

Der Barraum des
Theaters war der Startpunkt und die Gruppen wurden stündlich
durchgeführt. Im ersten Raum konnten wir eine Miniaturstadt
bewundern, deren Häuser aus Zubehör für Modelleisenbahnen kamen.
Stille war angesagt, ebenso wie beim Zeichner Joāo Garcia Miguel,
dem unsere Gruppe schweigend bei seiner Arbeit zusah.

Durch einen der
beiden regulären Eingänge des Theaters kamen wir zum „Labyrinth“
von Rita Costa. Wohl basierend auf einer Geschichte über eine
unsichtbaren Stadt, dessen Bewohner ihre Beziehungen mit einem roten
Faden markieren, bis es zu unübersichtlich wird und sie die Stadt
verlassen.

Beeindruckend bei "Silent City" war unter anderem Chino Monegas als Indio-Schamane. (Foto: © Guntram Walter)
Beeindruckend bei „Silent City“ war unter anderem Chino Monegas als Indio-Schamane. (Foto: © Guntram Walter)

Auch die Künstlerin
spann sich in einem roten Faden ein und befreite sich indem sie ihre
Oberbekleidung auszog.

Danach ging es mit
ungewöhnlichen Erfahrungen weiter, denn nicht die Lautlosigkeit
stand im Mittelpunkt, sondern die Blindheit. Wie eine Gruppe Blinde
im Mittelalter wurden wir vom Depot zum nebenliegenden Bunker
geführt. Die Räumlichkeiten gehören sicher zu den eindrucksvollen
orten. Die Sprüche, noch aus dem Zweiten Weltkrieg, lassen erahnen,
welche Schrecken die Menschen damals in den Bombennächten erleiden
mussten. Dazu passte die Performance „Burkas to the West“ (Rute
Alegria). „Mein Blut ist kein Abfall“ stand auf Slipeinlagen und
„Mein Körper ist rein“ war bei arabischer Musik zu lesen.
Frauen, die ihre Tage haben, gelten in verschiedenen Religionen als
„unrein“. Alegria präsentierte ein beeindruckendes Plädoyer
gegen diese Missachtung von Frauen.

Nach einem weiteren
Raum im Bunker kamen wir wieder ins Theater zurück und kamen zu
einem raum mit einem Waschbecken in der Mitte. Dort spielte Elisabeth
Pleß ihren Monolog „Gib’s auf!“ über eine Person, die
langsam, aber sicher in den Wahnsinn zu driften scheint. Am Ende
öffnete sie die Tür für die Performance von Roger Madueira „Not
even in your mother womb“.

Die Reise in den
gegenüberliegenden Gebäudeteil begann mit einer Tanzperformance von
Greta Garcia und Laura Morales. Die beiden spanischsprachigen
Künstlerinnen überzeugten nicht nur mit ihrer Darbietung, sondern
auch durch ihre Mimik und ihren Gesang.

Nachdem wir einen
Raum mit „toten Instrumenten“ durchquert haben. Gelangten wir an
einen länglichen mit Brotkrumen bedeckten Tisch. Hier fand
„Dinnervoice“ statt (Anna Hauke, Jose Francisco Veira). Viera
sang zu einem Gedicht einer österreichischen Autorei mit einer
selbsterarbeiteten Melodie, die an Kunstlieder von Schubert oder
Brahms erinnerte.

Danach gelangten wir
in den „Garten des emotionalen Gleichgewichts“. Hier begegneten
wir Cynthia Scholz, Rodolfo und Salma Parra sowie Chino Monagas. In
verschiedenen Rollen. Waren Rodolfo und Salma Parra die Hüter des
Zen-Gartens und der rituellen Handwaschung, v erzauberten Cynthia
Scholz als Voodoo-Priesterin und Chino Monegas als Indio-Schamane.

Der Abschluss war
bedrückend. Beim „Bettsitzer“ (Hans Eckert, Jürgen Dilling) saß
man einzeln am Bett eines Sterbenden. Eine sehr emotionale Begegnung
mit dem Tod als „endgültige Stille“.

Insgesamt war die
Tour durch die „stille Stadt“ eine beeindruckende Erfahrung. Vor
allem die stillen Momente im Bunker waren teilweise sehr berührend
und verstörend zugleich. Stille muss man aushalten können, jeder
muss selbst nach dem eigenen „Sound of silence“ forschen.

Aber auch die
Stationen mit „Ton“ waren beeindruckend. Es ist nahezu unmöglich,
irgendjemand herauszuheben, da alle Künstlerinnen und Künstler
wirklich klasse Leistungen gezeigt haben. Mir persönlich haben Rute
Alegria im Bunker und Hans Eckert, Jürgen Dilling einen Tick besser
gefallen, da es sehr emotional war. Die eine mit einem
gesellschaftlichen Statement, die anderen mit der Begebung mit einem
Sterbenden.




Ausstellung in Künstlerhaus entdeckt Bildräume

Mit der Ausstellung „room with a view“ präsentiert das
Künstlerhaus vom 7. September bis zum 13. Oktober fünf
Künstlerinnen und Künstler, die mit ihren Fotografien neue
Bildräume schaffen oder imaginäre kreieren.

Die Fotografie macht
in der Regel aus einem dreidimensionalen Raum einen
zweidimensionalen. Schon früh haben Fotografen nach einem Weg
gesucht, die „verschwundene“ Räumlichkeit wieder herzustellen,
beispielsweise durch Stereografie. Chris Engman (USA), Emma Hart
(GB), Katharina Kiebacher (D), Alexandra Leykauf (D) und Susa Templin
(D) beschäftigen sich auf der künstlerischen Wege mit der Thematik.

Der Amerikaner Chris
Engman
zeigt beispielsweise seine Videoarbeit „Sunrise to
Sunset“. Sie besteht eigentlich aus zwei Videos. Es ist das gleiche
Motiv 24 Stunden aufgenommen, aber auf dem einen Bild läuft die Zeit
vorwärts, auf dem anderen Bild rückwärts. Es gibt also nur zwei
Zeitpunkte, an dem beide Bilder gleich sind. Spannend ist auch eine
weitere Arbeit von ihm. Das großformatige Bild sieht zunächst aus
wie ein Naturbild, bis dem Betrachter Unstimmigkeiten auffallen.
Plötzlich ist in der Felsformation ein Fenster eingebaut. In
Wirklichkeit hat Engman das Naturfoto ähnlich einer Fototapete
riesig ausgedruckt und in einer Garage geklebt, so dass ein
verwirrender Effekt entsteht.

Die Fotografie, die
ja die Wirklichkeit abbilden soll, fehlt es an Räumlichkeit und
Körperlichkeit, findet Katharina Kiebacher und zeigt in ihren
Arbeiten, wie sie mit diesen Manko umgeht. Im Mittelpunkt steht das
Ei. „Das Ei hat eine wandelbare Form“, begründet Kiebacher die
Wahl ihres Motivs. In einer Skulptur lässt sie den Betrachter quasi
hinter das Bild schauen und zeigt das Ei vorher und nachher. Das
Körperliche wird auch in der anderen Skulptur deutlich. Statt ein
zweidimensionales Foto auszustellen, gewinnt das Bild eine
Räumlichkeit und dringt in den Raum ein.

Beim Aufbau der Arbeiten von Susa Templin (links) helfen Paul Pape und Katharina Kiebacher.
Beim Aufbau der Arbeiten von Susa Templin (links) helfen Paul Pape und Katharina Kiebacher.

Emma Hart
präsentiert einen Loop aus verschiedenen Fotos, auf denen die
Fotografierten den Betrachter unvermittelt anschauen. So wird der
Zuschauer plötzlich zum unerwünschten Eindringling oder Paparazzi,
der das traute Familienleben stört. Zusätzlich zeigt sie
beeindruckende Skulpturen, die auf Fotografien alter Kinosäle
beruhen.

Die Arbeiten von
Alexandra Leykauf sind über der Kante gebrochen. Das Video
als auch die beiden Bilder benötigen vom Betrachter einen gewissen
Standpunkt. Viele ihrer Arbeiten spielen mit dem Übergang von einem
dreidimensionalen Objekt zur Oberfläche des Bildes und zurück.

Abstrakte Werke
schafft Susa Templin mit ihren Arbeiten. Zu Beginn stehen
Fotos von Häusern, Treppenhäusern und anderen architektonischen
Elementen, die die Künstlerin auf Kapa-Platten zieht und daraus
malerische Räume entwickelt. Daraus entstehen assoziative und
gleichzeitig reale Räume, die sich auflösen und abstrakt werden.
Aus der Ferne wirken die Arbeiten wie geometrisch abstrakte
Kunstwerke, erst beim näheren Hinsehen, wird deutlich, dass die
Farbflächen in Wirklichkeit Fotos sind.

Room with a view

07. September bis
13. Oktober 2019

Künstlerhaus
Dortmund, Sunderweg 1

Die Öffnungszeiten
des Künstlerhauses sind Donnerstag bis Sonntag von 16 bis 19 Uhr.

Die Vernissage ist
am 06. September um 20 Uhr.




Michael Jaspert – Alte Technik mit neuer Technologie

Makrofotografie und Radierungen präsentiert der Dortmunder Künstler
Michael Jaspert unter dem Titel „Augenblicke“ in der Galerie im
Depot. Die Ausstellung läuft vom 05. bis zum 29. September 2019 in
der Reihe „Depot stellt vor“.

Die großen
Makrofotografien von Jaspert schärfen den Blick ins Kleine, das uns
umgibt, was wir aber kaum wahrnehmen. Die Schönheit der Libellen und
Spinnen in den farbigen Bildern wird uns erst bewusst gemacht, wenn
wir nah drauf schauen. Plötzlich sieht eine vertraute Spinne aus,
wie aus einer anderen Welt. Für Jaspert ist es faszinierend „wie
Spinnen ihre acht Beine und Augen koordinieren.“ Die Motive findet
er meistens in seinem Garten.

Michael Jaspert bei seinen beiden Radierungen, die auf Fotos aus der Werkstatt von Geigenbauer Bley beruhen.
Michael Jaspert bei seinen beiden Radierungen, die auf Fotos aus der Werkstatt von Geigenbauer Bley beruhen.

Neben den
Makrofotografien zeigt Michael Jaspert auch wieder seine Radierungen.
Hier verknüpft er die alte Technik des Kupferstiches mit
fotografischen Methoden. Fototechnik und Tiefdruck ersetzen die
Nadel. Bei den Radierungen gehört neben der Natur auch Orte der
Technik wie beispielsweise ein Umspannwerk zu seinen Motiven. Zwei
neue Arbeiten entstanden in der Werkstatt des Geigenbauers Bley. Hier
setzte Michael Jaspert die Werkstatt eindrucksvoll als Radierung um.
Alle Radierungen erscheinen in einer Auflage von maximal zehn Stück.

Ganz am Anfang des
Raumes steht eine Arbeit von Michael Jaspert bestehend aus 625
unterschiedlich hohen Buchenholzklötzchen. Der Betrachter sieht von
oben eine Spinne. Es besteht die Möglichkeit, einzelne Klötzchen
käuflich zu erwerben.




Robin Hood entführt uns ins Mittelalter

In der neuen Familienausstellung im Museum für Kunst und
Kulturgeschichte dreht sich alles um die Sagengestalt Robin Hood.
Durch unzählige Bücher und Filme ist Robin Hood und seine Begleiter
untrennbar in die Gegenwartskultur eingedrungen. Die Ausstellung zu
dem ehrenhaften Räuber, der von den Reichen stiehlt, um es den Armen
zu geben, bietet ein gutes Vehikel, um das Leben im Mittelalter
plastisch vor Augen zu führen. Die Ausstellung „Robin Hood“ geht
vom 01. September 2019 bis zum 19. April 2004 und bietet ein
umfangreiches Begleitprogramm für die ganze Familie.

Ob es nun Robin Hood
als reale Person gegeben hat oder nicht – die Ausstellung entführt
die Besucher auf 1000 Quadratmeters tief in die Welt des
Mittelalters. In verschiedenen Themenbereichen wird das Leben in der
Stadt, auf dem Land, im Kloster oder auf einer Burg gezeigt. Das
schöne dabei ist, dass viele Exponate aus Dortmund gezeigt werden
können. Philipp Sulzer, der Leiter des Kindermuseums Adlerturm und
Robin Hood-Projektleiter, hat tief im Keller in den Magazinen
gewühlt. „Wir können zeigen, wie die Leute gelebt haben und das
an Hand Dortmunder Funde“, freut er sich. Viele Stücke werden zum
ersten Mal öffentlich gezeigt, beispielsweise Spitzen von eisernen
Spitzen von Pfeilen und Armbrustbolzen.

Reisen im Mittelalter war langsam und gefährlich, vor allem wenn Banditen wie Robin Hood auf lohnende Ziele warteten.
Reisen im Mittelalter war langsam und gefährlich, vor allem wenn Banditen wie Robin Hood auf lohnende Ziele warteten.

Natürlich bietet
eine Familienausstellung mehr als nur das Betrachten von Funden.
Schließlich ist Robin Hood ohne Pfeil und Bogen nicht denkbar. Auf
dem Turnierplatz der Ausstellung können die Besucher selbst zu
Bogenschützen werden und Konzentration und Zielgenauigkeit üben.

Mehrere animierte
Kurzfilme erzählen die einzelnen Episoden der mittelalterlichen
Balladen um den Helden von Sherwood Forest, Robin Hood. Vertiefend
dazu gibt es ein eigens für die Ausstellung produziertes Hörspiel,
die die Geschichte um Robin Hood wiedergibt.

Daniela
Brechensbauer, die Leiterin Bildung und Vermittlung und Robin
Hood-Projektleiterin, berichtete über das umfangreiche
Begleitprogramm. So gibt es „Kräuter-Spaziergänge zu Fuß“
durch die Dortmunder Innenstadt. Am 12. September 2019 um 18 Uhr hält
Philipp Sulzer einen Vortrag über Robin Hood. Natürlich gibt es
weiterhin die Möglichkeit an einer Führung, einem Workshop
teilzunehmen oder einen Kindergeburtstag durchzuführen.

Mit einer Bastelbox
kann jeder zum Experten für Robin Hood werden. 24 Themenbögen
bieten Anregungen zum Spielen, Basteln oder Kochen. Sie ist zum Preis
von 15 € im Museumsshop erhältlich. Das erwähnte Hörspiel ist
auch einzeln und um viele Geschichten erweitert zum Preis von 12,90 €
zu bekommen.

Info-Hotline und Buchung
Tel 0231/ 50-26028
info.mkk@stadtdo.de

Weitere Informationen unter:
www.mkk.dortmund.de

Öffnungszeiten:
Dienstag, Mittwoch, Samstag und Sonntag 11.00 bis 18.00 Uhr
Donnerstag und Freitag 11.00 bis 20.00 Uhr
Montag geschlossen
Feiertage: Öffnungszeiten wie Sonntag

Geöffnet:
Karfreitag, Ostersonntag, Ostermontag, 1. Mai, Christi Himmelfahrt, Pfingstsonntag,Pfingstmontag, Fronleichnam, 3. Oktober, Allerheiligen, 2. Weihnachtstag

Geschlossen:Neujahr, Heiligabend, 1. Weihnachtstag, Silvester

Eintrittspreise
Erwachsene: 6 EUR
Ermäßigt: 3 EUR
Kinder ab 8-17 Jahren: 2,50
Familien bis (zwei Erwachsene mit Kindern): 12 EUR




Farb-Therapie im Torhaus Rombergpark

Dass Farben eine bestimmte Bedeutung haben, ist Gegenstand der
Farbenlehre. Schon die alten Griechen haben sich damit beschäftigt.
Am bekanntesten ist sicher die Farbenlehre Goethes (Zur Farbenlehre,
1810). In Zeitalter des Internets werden für Webseiten bestimmte
Farbmuster und Farbkombination gesucht, die der gewünschten
Zielgruppe und Intention der Seite entsprechen. Mit diesen
Farbkombinationen haben Werber schon lange zuvor experimentiert.

Natürlich ist für
Malerinnen und Maler die Farbe ein besonders wichtiges Element. Die
serbische Künstlerin Maja Erdeljanin zeigt vom 25.August bis zum 15.
September unter dem Titel „Color Therapy“ neunzehn abstrakte
Arbeiten, die ab 2007 entstanden sind.

„Eine Farbe hat
immer etwas mit Emotionen zu tun“, erklärt Erdeljanin. „Jede
Farbe hat eine Bedeutung“. Rot kann energiegeladen, aber auch
aggressiv sein, Blau kann friedvoll oder leise sein. In ihrer
Ausstellung zeigt die Künstlerin jedoch nur die „positiven
Eigenschaften“ der Farben. So trifft ein „Confidental Yellow“
(zuversichtliches Gelb) auch ein „Peaceful Blue“ (friedliches
Blau). Manche Farben sind in Erdeljanins abstrakten Bildern stark in
den Hintergrund geraten, obwohl sie im Titel stehen. Das ist bewusst
so. „Manchmal mache ich mir einen Spaß mit den Farben“, so die
Künstlerin.

Maja Erdeljanin präsentiert Farben mit Eigenschaften in ihrer "Color therapy" im Torhaus Rombergpark.
Maja Erdeljanin präsentiert Farben mit Eigenschaften in ihrer „Color therapy“ im Torhaus Rombergpark.

Eine besondere
Arbeit ist „Hooloovoo Blue“, sie bezieht sich auf das Buch von
Douglas Adams „Per Anhalter durch die Galaxis“. „Hooloovoo“
ähnelt im Roman einem super-intelligenten Farbton der Farbe Blau.
Hier machte sich Erdeljanin Gedanken, wie denn diese
super-intelligente Farbe aussehen könnte.

Dass Farben
bestimmte Eigenschaften zugesprochen werden, ist nicht nur im
künstlerischen Bereich bekannt, sondern natürlich auch in der
Werbung. So nennt die Firma Alpina beispielsweise eine ihrer Farben
nicht einfach „Blaugrau“, sondern „steinblaue Schönheit“.

Die Ausstellung wird
am 25. August 2019 um 11 Uhr eröffnet und ist dienstags bis samstags
zwischen 14 und 18 Uhr sowie sonntags/feiertags zwischen 10 und 18
Uhr geöffnet.




Micro!Festival mit Blick in die Welt

Wenn die Sommerferien sich dem Ende entgegen neigen, dann ist es
wieder Zeit für das Micro!Festival. Vom 23. bis zum 25. August steht
der Friedensplatz im Zeichen von Straßentheater und Weltmusik. Die
26. Ausgabe präsentiert wieder internationale Künstler aus 13
Nationen sowie ein multikulturelles Programm mit Souvenirständen und
internationale Küche.

Dortmund als Zentrum
für Weltmusik

Musikalisch können
sich die Weltmusik-Fans wieder auf eine interessante Auswahl freuen.
Einer der Finalisten des Global Music Contest „creole“ ist beim
Micro!Festival mit dabei: Das Kioomars Musayyebi Quartett, das
besonders durch die Verknüpfung von Musikstilen unterschiedlichster

Alles bereit für das Micro!Festival 2019: (v.l.n.r.) Claudia Kokoschka (Leiterin Kulturbüro), Annika Bender (Praktikantin), Sophia Schmidt (Praktikantin), Katrin gellermann (Festivalleitung) und Ilka Seuken (Presse- und Öffentlichkeitsarbeit)
Alles bereit für das Micro!Festival 2019: (v.l.n.r.) Claudia Kokoschka (Leiterin Kulturbüro), Annika Bender (Praktikantin), Sophia Schmidt (Praktikantin), Katrin gellermann (Festivalleitung) und Ilka Seuken (Presse- und Öffentlichkeitsarbeit)

Kulturen überrascht.
Weitere musikalische Highlights sind die vier Berliner Jungs von „Il
Civetto“ sowie extreme Frauenpower aus St.Petersburg mit Iva Nova.
Kraftvoll und mit neapolitanischem Temperament singt die italienische
Sängerin Flo Cangiano auf dem Micro!Festival 2019.

Straßentheater im
aktuellen Bezügen

Die diesjährigen
Straßentheater-Künstler des Micro!Festivals beschäftigen sich vor
allem mit den existenziellen Problemen der Menschheit: Peter Trabner
(bekannt u.a. aus dem Tatort Dresden) verknüpft in einem
temporeichen und absurden Sprechtheater die Themen Artenvielfalt,
Ressourcen-Verbrauch, Plastikflut, Vermüllung und die
Selbstzerstörung der Menschheit. Und auch die zwölf jungen Menschen
vom AlarmTheater fragen nicht nur danach, wofür es sich lohnt zu
kämpfen, sondern auch, wie dieser Kampf aussehen kann. Darüber
hinaus präsentieren sich beim Micro!Festival 2019 etliche clowneske
Unterhalter sowie Akrobatikkünstler: „La Trócola Circ“ aus
Spanien, „Sitting Duck“ aus Belgien und Natalie Reckert, die
deutsche Handstandartistin, die während ihrer Performance humorvolle
Einblicke in das Leben einer Artistin und die unglaubliche
Belastbarkeit des Körpers gibt.

Kinderprogramm beim
Micro!Festival

Am extra für sie
reservierten Sonntag startet die Kinderband Lauschelieder auf eine
kurzweilige musikalische Reise, und die Kinderkulturkarawane entführt
mit der Nablus Circus School in ein

Land der
Kreativität. Beim Kinderschminken zaubert der PIDO Club außerdem
bunte Highlights in die Gesichter.

Weitere Informationen und das Programmheft als PDF sind zu finden unter www.microfestival.dortmund.de und erhältlich bei DortmundTourismus sowie an vielen öffentlichen Stellen. Auf der Facebook-Seite und dem Instagram-Account (kulturbuero.dortmund) des Festivals bekommt man außerdem bereits einen kleinen Vorgeschmack auf einige der Festival-Acts.