Bloody Carrie – Die Rache des Mobbing-Opfers

Am 25. Januar 2020 präsentieren die Kulturbrigaden unter der Leitung von Rada Radojcic das Stück „Bloody Carrie“ frei nach dem Werk von Stephen King. Im Zentrum der Horrorgeschichte steht das Mobbing, unter dem Carrie, die Hauptfigur zu leiden hat. Sie rächt sich blutig. Premiere ist um 20 Uhr im Theater im Depot.

Fast bekannter als das Buch ist die Verfilmung des Stückes von 1976, dessen reißerischer Titel „Carrie – Die jüngste Tochter des Satans“ ziemlich missverständlich ist. Denn die 16-jährige Carrie ist das Opfer ihrer streng-religiösen Mutter, die sie nicht aufklärt und als Sünderin bezeichnet. Somit wird sie auch optisch in der Schule zur Außenseiterin. Carrie wird konsequent gemobbt, bekommt aber auch Unterstützung. Durch das neue Selbstvertrauen entwickelt sie telekinetische Kräfte. Als die Chefmobberin zum Abschlussball eine besonders perfide Demütigung durchzieht, kommt es zur Katastrophe.

Carrie (Helene Gierhake) ahnt noch nicht, was ihr auf dem Abiball widerfahren wird. (Foto: © Rada Radojcic)
Carrie (Helene Gierhake) ahnt noch nicht, was ihr auf dem Abiball widerfahren wird. (Foto: © Rada Radojcic)

Wie schon bei „Coraline“ kam die Idee zum Stück „Bloody Carrie“ von den jugendlichen Spielerinnen und Spielern selbst. Das Stück wurde in die Jetztzeit transportiert, um die Gefahr des Mobbings in den sozialen Netzwerken zu verdeutlichen. Nun werden heimlich Videos von Carrie gemacht und auf einem Profil gepostet. Durch ihre krankhaft religöse Mutter bekommt Carrie das nicht mit und ist schutzlos den Mobbingattacken ausgeliefert. Für die Besucherinnen und Besucher wird alles auf Leinwänden gezeigt.

Die Rolle der Mutter wird die Nichte von Rada Radojcic, Dzaklina Radojcic, übernehmen. Der Regisseurin war es wichtig, die Figur der Mutter mit einer Person zu besetzen, die über eine gewisse Lebenserfahrung hat. Unterstützung bei den Choreografien kommt von Leslie Hannemann, die vor allem bei der Abiball-Szene zum Tragen kommt.

Die Kostüme stammen größtenteils aus der heutigen Zeit, nur beim schon erwähnten Abiball, wird es sehr feierlich. Die verschiedenen Typen in den Stück werden auch durch die Wahl der Kleider auffallen.

Neben der Premiere am 25.01. gibt es weitere Vorstellungen am

26.01. 2020 um 18 Uhr
14.02. 2020 um 20 Uhr
15.02. 2020 um 20 Uhr

Ticketanfragen unter ticket@theaterimdepot.de




Im weißen Rössl – Mit guter Laune an den Wolfgangsee

Dass es sich bei der Premiere um die Operette „Im weißen Rössl“ handeln musste, daran ließ Bühnenbilder Toto keine Zweifel aufkommen. In seinem Alpenpanorama war ein riesiger weißer Pferdekopf zu sehen, auch links und rechts der Bühne hatten zwei Schimmel neben den obligatorischen Kühen das Landidyll vervollständigt. Ansonsten sah es so aus, als ob das Hotel „Im weißen Rössl“ direkt in den Berg gebaut wurde samt schiefer Terrasse. Der Ort war bereitet, es konnte also zur Premiere am 18. Januar 2020 losgehen.

Zur Geschichte der Operette: „Im weißen Rössel“ hatte ursprünglich 1930 Premiere. Das Lustspiel von Hans Müller und Erik Charell spielt eigentlich im Jahre 1900, deshalb taucht auch die Figur des Kaisers Franz-Joseph auf. Die Musik stammt von Ralph Benatzky mit weiteren musikalischen Einlagen unter anderem von Robert Stolz.

Ein wenig Slapstick gehört dazu. Piccolo (Thomas Stilitis) trägt die Teller, Josepha (Irina Simmes) hofft, dass nichts zu Bruch geht, Leopold ((Mathias Störmer) hofft auf Josepha. ©Anke Sundermeier, Stage Picture
Ein wenig Slapstick gehört dazu. Piccolo (Thomas Stilitis) trägt die Teller, Josepha (Irina Simmes) hofft, dass nichts zu Bruch geht, Leopold ((Mathias Störmer) hofft auf Josepha. ©Anke Sundermeier, Stage Picture

Der Inhalt der Handlung: Zahlkellner Leopold liebt die „Rössl-Wirtin“ Josepha, die aber wiederum in ihren Stammgast Otto Siedler aus Berlin verliebt ist. Der ist Rechtsanwalt und führt einen Rechtsstreite gegen den Fabrikanten Giesecke, der mit seiner Tochter Ottilie ebenfalls im „weißen Rössl“ absteigt. Kompliziert wird es, als Sigismund Sülzheimer, der Sohn von Gieseckes Konkurrenten auftaucht. Im Schlepptau hat er Professor Hinzelmann und seine Tochter Klärchen. Zum Verdruss von Josepha verliebt sich Siedler in Ottilie, während Sigismund und Klärchen ein Paar werden. Obwohl Josepha Leopold zunächst entlässt, erkennt sie zum Schluss, dass nur er sie wirklich liebt.

Bis zum Happy End für die drei Paare brennt die Operette ein Feuerwerk an bekannten Melodien ab: „Im weißen Rößl am Wolfgangsee“, „Was kann der Sigismund dafür, daß er so schön ist?“, „Im Salzkammergut, da kann man gut lustig sein“, „Es muß was Wunderbares sein“oder „Die ganze Welt ist himmelblau“. Das sind alles Lieder, die so bekannt geworden sind, dass sogar diejenigen sie kennen, die mit Operette nichts am Hut haben. Die Operette war in ihrer Ursprungszeit 1930 sehr jazzig unterwegs, weil Jazz das moderne Ding damals war. Es ist Matthias Grimminger und Henning Hagedorn zu verdanken, dass wir die Rekonstruktion der Originalfassung zu hören bekamen. Doch musikalisch wurde noch mehr geboten, denn Regisseur Thomas Enzinger ließ Kathi (Johanna Schoppa) ein paar Zeilen rappen. So wurde die neue moderne Musik in die Inszenierung eingewoben.

Enzingers Inszenierung in Kombination mit Totos Bühnenbild über auch leise Kritik an dem Massentourismus, der schon vor über 100 Jahren am Wolfgangsee Einzug hielt. Dampferschiffsladungen von Touristen drängen sich ins kleine Hotel, sehr zum Missfallen der beiden Kellner Leopold und Piccolo. Selbstverständlich gibt es auch Reibereien zwischen dem Berliner Grantler Giesecke (sehr gut von Steffen Schortie Scheumann dargestellt) und dem Einheimischen. Wobei alles in allem überwiegt die gute Laune. Man spürt, dass das Ensemble von den Sängern auf der Bühne und die Musiker im Orchestergraben Lust haben und das überträgt sich auf die Besucher. So kann Leopold (gesungen vom Österreicher Matthias Störmer) die Besucher animieren, feierlich einige Zeilen einer österreichischen Hymne zu Ehren des Kaisers zu singen. Auch aktuelle und lokale Bezüge wurden gerne eingearbeitet. So weiß Leopold den begriffsstutzigen Piccolo mit „Kommst du etwa aus Gelsenkirchen?“ zurecht. Kaiser Franz-Josef (Hannes Brock) antwortet auf das Stichwort „Rücktritt“: Er müsse nicht so handeln wie Harry und Megan.

Wie schon erwähnt, alle auf der Bühne hatten sehr viel Spaß. So ist es schwer, jemanden hervorzuheben. Mathias Störmer hatte sicherlich die Hauptrolle, doch auch Irina Simmes (Josepha), Guilia Montaneri (Ottilie), Fritz Steinbacher (Dr. Siedler), Morgan Moody (Sigismund), Karin Müller (Klärchen), Hannes Brock (Kaiser Franz Josef II) und Steffen Schorty Scheumann) sangen und spielten sich ins Herz des Publikums. Auch die kleinen Tanzeinlagen waren spektakulär.

Wer also Lust hat, den ursprünglichen Flair des „weißen Rössls“ wieder zu erleben, sollte unbedingt eine Karte für die nächste Vorstellung kaufen. Er oder sie wird nicht enttäuscht sein.




Das kleine Format im Mittelpunkt

Warum immer groß denken? Die Produzentengalerie 42 in der Arneckestraße 42 präsentiert bis zum 08. März 2020 siebzehn Künstlerinnen und Künstler, die ein kleines Format haben. Das Schöne ist: Insgesamt zeigt die Ausstellung an die 150 Arbeiten. Und die sind durchaus unterschiedlich von Fotografie in schwarz-weiß wie Klaus Pfeiffer bis hin zu Skulpturen von Heinrich Möller. Aber es dominiert die Malerei.

Viele Werke sind in bunten, kräftigen Farben gehalten, als ob sie den trüben Winter verjagen wollen. Ein Beispiel ist Marika Bergmann, die ihre Kreisel tanzen lässt. Durch die Vielzahl an Positionen ist auch ein kleiner Querschnitt durch die Dortmunder Kunstszene. Hier kann sich der Betrachter in Ruhr von den kleinen (die kleinsten sind 10×10 cm) bis zu den etwas größeren Formaten (40×40 cm) durchschauen. Dabei sollte der Besucher oder die Besucherin Zeit und Muße mitbringen, denn die Themen sind unterschiedlich ebenso wie die Herangehensweise. So findet man beispielsweise das Westfalenstadion in den Werken von Rosa Fehr-von Ilten wieder, wenn man genau hinschaut.

Szene bei der Vernissage. Zu sehen ist  links eine Arbeit von Wendy Wendrikat und rechts Werke von Monika Pfeiffer.
Szene bei der Vernissage. Zu sehen ist links eine Arbeit von Wendy Wendrikat und rechts Werke von Monika Pfeiffer.

Während der Ausstellung gibt es am 02. Februar 2020 von 12 bis 15 Uhr einen Workshop für Frauen unter dem Titel „Wortspiele“. Hier lernen die Teilnehmerinnen unter der Leitung von Marika Bergmann und Ulla Kallert nicht nur die Bilder kennen, sondern können sich mit Worten, Gedichten und Zitaten mit den Werken auseinandersetzen. Der Kostenbeitrag beläuft sich auf 20 €. Anmeldungen sind möglich bei ulla.kallert@t-online.de.

Die Öffnungszeiten der Galerie: Donnerstag, Freitag, Samstag 16:00 – 19:00 Uhr und Sonntag 15:00 – 18:00 Uhr.




Kunstraum präsentiert „Gute Laune Macher“ von Thomas Schramm

Vom 11. Januar bis zum 28. Februar 2020 präsentiert der Kunstraum im „Langen August“ über 320 Arbeiten von Thomas Schramm. Für den Künstler ist es die erste Einzelausstellung. Schramm, der sich die Techniken als Autodidakt selbst beigebracht hat,ist fasziniert von Gesichtern. Seine „nonames“ sind auf Aquarellpapier und auf Schieferstein verewigt.

Thomas Schramm, gebürtig aus Freiburg, arbeitet als Coach, Schauspieler, Kabarettist oder „Lebenskünstler“, wie er sich selbst bezeichnet. Vor zehn Jahren fing er an mit seiner Idee Gesichter zu malen. Zunächst auf Aquarellpapier, später dann auf Schiefersteine. Seine bunten „nonames“ wurden immer im Laufe der Zeit immer großer. So sind in der Ausstellung vier Arbeiten auf Schiefersteinen der Größe 34 x 34 cm zu sehen. Hier wird langsam der Unterschied zwischen Malerei und Bildhauerei unscharf.

Seine Bilder sollen für gute Stimmung sorgen. Denn das fällt auf: Die bunten Gesichter (oder sind es Masken, Fratzen, Portraits?) sind fast alle fröhlich und stecken in Betrachter mit ihrer guten Stimmung an. Kein Wunder, dass Thomas Schramm sie als „gute Laune Macher“ bezeichnet. Die kleineren Exemplare hat Schramm auf der Rückseite mit Magneten versehen, so können sie auf dem Kühlschrank platziert die Stimmung verbessern. Die Schiefersteine hat sich der Künstler zunächst im Urlaub in Frankreich besorgt, doch mittlerweile hat er eine andere Quelle.

Positive vibrations: Thomas Schramm vor einer Auswahl mit seinen "nonames" auf Schiefersteinen.
Positive vibrations: Thomas Schramm vor einer Auswahl mit seinen „nonames“ auf Schiefersteinen.

Das Spannende bei der Arbeit ist für Thomas Schramm der Weg bis zum Ergebnis. „Manchmal zeigt der Stein es mir, manchmal entwickelt es sich später“, so der Künstler zum Prozess vom schwarzen Schieferstein hin zum bunten Gesicht.

Die Kunst von Thomas Schramm ist in der Galerie Kunstraum käuflich zu erwerben. Die größten Exemplare kosten 110 €, die kleinsten können Besucherinnen und Besucher schon ab 5 € mitnehmen. Man braucht aber keine Angst zu haben, dass die Wände der Galerie irgendwann mal leer sein könnten, Thomas Schramm hat noch weitere Gesichter als Vorrat und kann bei Bedarf „nachlegen“. Auch das ist eine Premiere für den Galeristen und Kurator Alexander Pohl.

Die Vernissage ist am Samstag um 14 Uhr.

Die Öffnungszeiten der Galerie sind dienstags bis freitags von 15 bis 19 Uhr.

KUNSTRAUM
Braunschweiger Straße 22




Ein Quantum Geierabend

Die Partnerstadt des diesjährigen Geierabends wird es nicht leicht haben. Denn es ist Gelsenkirchen. Auch wenn bei der Episode „Städtebattle“ ordentlich für gegenseitige Sympathie zwischen Dortmund und Gelsenkirchen geworben wird, schließlich gelte es den gemeinsamen Gegner Düsseldorf zu bezwingen, es bleibt noch ein hartes Stück Arbeit. Das zeigte das Saalergebnis bei der Premiere zur Wahl des Pannekoppordens 2020. Hier gewann der Ehrenrat von Schalke 04 (Stichwort Tönnies und Rassismus) haushoch vor dem Vorstand der Dortmunder Chorakademie (Stichwort Schwanzeinziehen vor den Wutbürgern wegen Umweltsau). 1:0 für Schalke in Dortmund.

Doch im Mittelpunkt der Session 2020 steht James Bond. Ein echter Junge des Ruhrpotts, schließlich ist er am 11.11.1920 in Wattenscheid geboren. Klar, dass der Geierabend an den Hundertjährigen erinnert. Ars tremonia war bei der Premiere am 03. Januar 2020 in der Zeche Zollern dabei.

Es hat mittlerweile Tradition. Entweder am Jahresende oder am Anfang des neuen Jahres präsentiert der Geierabend sein neues Programm. Und natürlich dürfen aktuelle politische Anspielungen nicht fehlen. So wird bei „SUV – Super umweltverträgliches Vahrzeug“ der immer größer werdenden SUV-Boom auf das Korn genommen. Schließlich brauche man ja so ein Auto, um sicher ins Naturschutzgebiet zu kommen. Die verkorkste Büttenrede von Annegret Kramp-Karrenbauer wurde ebenfalls durch den Kakao gezogen. Die Klimadiskussion wurde von zwei Dinos geführt, die die Menschen trösten nach dem Motto „alles schon mal erlebt“. Auch die Clankriminalität wird thematisiert.

Daneben konnte man sich an den altbekannten Gesichtern erfreuen. Der Präsident (Roman Henri Marczewski), der Steiger (Martin Kaysh) und die exquisite Band mit Gilda Razani am Saxophon und Theremin waren wieder mit von der Partie. Der „Steiger“ führte gewohnt spitzzüngig durch das Programm. Sehr viel Applaus bekamen Franziska Mense-Moritz, die als „Bandscheibe“ den Saal zum Toben brachte. Hans-Peter Krüger zeigte bei „Ein Wutbürger packt aus“ die aggressive Seite, wobei er häufig in den ruhigen Stücken präsent war wie „In der Wortmanufaktur“. Die „Wortmanufaktur“ ist zudem ein gutes Beispiel, dass auch ruhige oder skurrile Szenen durchaus ihren Platz beim Geierabend haben. Leider wird das die letzte Session der beiden, die danach das Geierabend-Ensemble verlassen. Ein herber Verlust und es bleibt dem Geierabend zu wünschen, möglichst adäquaten Ersatz zu finden. Dass das schon einmal sehr gut geklappt hat, zeigen die Beispiele Murat Kayi und Andreas „Obel“ Obering. Kayi, der mit seinem Song „Menage á trois“ einen absoluten Ohrwurm an diesem Abend präsentiert und auch den Abschlusssong „5000 Jahre Kohlenpott“ komponiert hat, ist nicht mehr wegzudenken. Der „Obel“ zeigt vor allem durch seine Parodien seine Qualitäten. Sei es als Kramp-Karrenbauer oder als Dieter Thomas Heck.

Franziska Mense-Moritz (links) und Sandra Schmitz als "Edgy und Veggie" zwei Personal Trainerinnen der besonderen Art. (Probenfoto von Anja Cord)
Franziska Mense-Moritz (links) und Sandra Schmitz als „Edgy und Veggie“ zwei Personal Trainerinnen der besonderen Art. (Probenfoto von Anja Cord)

Sandra Schmitz ist in ihrem Element, wenn sie sehr besondere Persönlichkeiten darstellt. Beispielsweise als Fitness-Influenzerin Edgy in „Edgy und Veggie“, als Janine Kowalski in „Kowalskis vor Gericht“ oder als Nicki bei „Zwei Borussinnen“. Martin Risse, der als Sauerländer Joachim Schlendersack die Geschichte der Rettung des „Güllestübchen“ erzählte, ist ein alljährlicher Stimmungsgarant.

Nicht alles zündete, beispielsweise gefiel mir die Nummer mit den Dinos nicht so, aber das ist wohl Geschmackssache. Ich bin eher darüber enttäuscht, dass das Geburtstagskind James Bond nicht prominenter zu sehen war. Schließlich ist er ja das große Thema des Geierabends 2020. Es gab zwar in der ersten Hälfte mit „Zwölf Sekunden“ eine schöne Nummer mit Roman Marczewski als Bond und Wolfgang Wendland von den „Kassierern“ als sinistren Gegenspieler Dr. Wattenscheid. Aber ich hätte mir gewünscht, dass James Bond im zweiten Teil noch einmal wiederkommen würde. Schließlich gab es ja einen kleinen Cliffhanger.

Insgesamt ein gelungener Start in die Session 2020 und es bleibt zu hoffen, dass die diesjährige Partnerstadt einen größeren Platz in den Herzen der Dortmunder bekommt. Auch wenn‘s schwerfällt. Ein großes Lob gehört außerdem noch dem Videokünstler Patrick Praschma, der es schaffte, mit seinen Bildern die Stücke zu unterstützen und nicht zu überfrachten.

Mehr Informationen zu Kartenbestellungen gibt es bei www.geierabend.de




Klangvokal – Weihnachtskonzert mit barockem Flair

Mit einem Weihnachtskonzert am 22. Dezember 2019 um 17 Uhr im Reinoldisaal unter dem Titel „Von Engeln und Hirten“ präsentierte das Festival Klangvokal nochmals seine Kompetenz in Sachen Alte Musik. Tenor Daniel Behle, zur Zeit aktiv im Dortmunder „Lohengrin“, sang zusammen mit der Berliner Lautten Compagney von Wolfgang Katschner Weihnachtslieder aus verschiedenen Ländern.

Bei diesen Weihnachtsliedern waren keine bekannten „Mitsinglieder“ dabei wie „Oh du fröhliche“, sondern traditionelle Weisen aus Spanien, Frankreich oder England, deren Tradition teilweise bis in die Barockzeit zurückreicht. So stammt „Lieb Nachtigall wach auf“ aus dem Jahre 1670 und das französische „Entre le bœuf et l’âne gris“ („Zwischen Ochs und grauem Esel“) stammt aus dem 18. Jahrhundert, ebenso wie „Adeste fidelis“. Kamen die Weihnachtslieder vor der Pause eher aus dem spanischsprachigen Raum, ging es nach der Pause mit deutschen und englischen Liedern weiter.

Daniel Behle (in der Mittel) und Ensemblemitglieder der Lautten Compagney Berlin brachten weihnachtliche Stimmung in den Reinoldisaal. (Foto: © Bülent Kirschbaum)
Daniel Behle (in der Mittel) und Ensemblemitglieder der Lautten Compagney Berlin brachten weihnachtliche Stimmung in den Reinoldisaal. (Foto: © Bülent Kirschbaum)

Zwischen den gesungenen Liedern spielte die Lautten Compagney kleine Stücke aus der Renaissance- und Barockzeit. Von Michael Praetorius (1571-1621) über Andrea Falconierei (1585-1656) bis hin zu Henry Purcell (1659-1695) reichte das Programm an diesem Nachmittag.

Alle Beteiligten hatten sichtlich viel Spaß an dem Konzert. Daniel Behle führte auch durch das Konzert und erklärte, worum es in diesen Liedern ging. Die Musiker der Lautten Compagney waren ebenso engagiert bei der Sache. Einen Sonderapplaus bekam Percussionist Peter Bauer bei seinem Maultrommel-Solo.

Für Freundinnen und Freude alter Musik wird das Festival Klangvokal auch im kommenden Jahr 2020 wieder einige Highlights bieten.




Wenn Geier proben

Dieses Mal nutzte ars tremonia die Gelegenheit, einmal die Proben für die kommende Session 2020 des Geierabends mitzuerleben. Die Gewinner des Tegtmeier Ehrenpreises 2019 waren gut in Form und arbeiteten hart an ihren Pointen, um für die Premiere am 03. Januar 2020 fit zu sein.

Wir haben den Durchlauf des ersten Teil mitverfolgt und geben ein paar Informationen preis. Natürlich nicht alles, schließlich steht ja die kommende Session unter dem Stern des 100-jährigen Geburtstages des gebürtigen Wattenscheiders James Bond. Zudem wollen wir den Lesern nicht die Vorfreude auf die Show nehmen.

Musikalisch ist das Geierabend-Ensemble sehr breit aufgestellt und präsentiert unterschiedlichste Genres von Hoch- bis Popkultur. Es treten auf: Personal Coaches des Schreckens, James Bond, des Deutschen liebstes Auto, eine bekannte Politikerin mit Doppelnamen und ein merkwürdiges Instrument. Daneben gibt es ein kleines, verträumtes Stück über Wörter.

Wer hier wen mit der Sackkarre auf die Bühne schiebt, bleibt erst mal geheim. Kann sich James Bond drum kümmern.  (Foto: © Anja Cord)
Wer hier wen mit der Sackkarre auf die Bühne schiebt, bleibt erst mal geheim. Kann sich James Bond drum kümmern. (Foto: © Anja Cord)

Dazu durften wir einen kleinen Blick hinter die Kulissen werfen. Denn es gibt einige Menschen, die nicht auf der Bühne stehen, aber sehr viel zum Erfolg der ganzen Sache beitragen wie beispielsweise Marion Seul. Sie ist eine Meisterin des Wiederverwertens, so dass einmal gebaute Dinge in verschiedenen Daseinsformen wieder auferstehen und ein weiteres Bühnenleben fristen.

Informationen zum Kartenerwerb sind nicht mehr „top secret“, sondern wurden „geleakt“ unter https://www.geierabend.de/vorverkauf.




Ausflug in die deutsche Romantik beim 3. Philharmonischen Konzert

Am 10. und 11. Dezember 2019 entführten uns die Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von John Nelson in die Stadt Leipzig. Klar, dass Richard Wagner ein Heimspiel hat. Doch auch der Rheinländer Robert Schuhmann und der Hamburger Johannes Brahms haben Beziehungen in die sächsische Stadt. Eine weitere Gemeinsamkeit: Sie sind alle Komponisten der Romantik.

Der Beginn machte der „Hausherr“ Wagner. Seine Ouvertüre zu „Rienzi“ klang überhaupt nicht nach seinen Spätwerken wie beispielsweise der „Ring“. Und doch gibt es einzelne Elemente – wie die Doppelschläge bei den Streichern – die unter anderem beim „Tannhäuser“ wiederkehren. Ansonsten ist es eine in der „alten Operntradition“ verhaftete Komposition. Was aber nichts Schlechtes heißen soll, im Gegenteil. Die Dortmunder Symphoniker spielten diesen Part mit virtuosem Flair.

Danach folge die 4. Sinfonie von Robert Schuhmann. Ein besonderes Werk, denn alle Sätze gehen ineinander über. Das heißt, es gibt kein großes Atemholen, weder für das Publikum, noch für die Musiker. Auch diese Aufgabe bewältigten die Dortmunder Philharmoniker mit Bravour. Komponiert hatte Schuhmann die Sinfonie bereits 1841, veröffentlicht aber erst 1851. Das Stück ist reich an musikalischen Einfällen und Melodien, die in einem Beziehungsgeflecht zueinander stehen und so die Sinfonie zusammenhalten. Noch kommt in dieser Musik die Traurigkeit Schuhmanns nicht ganz zum Tragen, schließlich beendete er die Komposition zum Geburtstag seiner Frau Clara.

Benedetto Lupo zeigte eine tolle Leistung beim 1. Klavierkonzert von Brahms. (Foto: © Musacchio & Ianniello)
Benedetto Lupo zeigte eine tolle Leistung beim 1. Klavierkonzert von Brahms. (Foto: © Musacchio & Ianniello)

Nach der Pause kam die Zeit des Pianisten Benedetto Lupo. Seine kraftvolle Interpretation vom 1. Klavierkonzert von Johannes Brahms war sicherlich der Höhepunkt des Philharmonischen Konzertes. Besonders beeindruckend war das gute Zusammenspiel sowohl vom Solisten als auch vom Orchester. Von Brahms zu Schuhmann gibt es natürlich eine Verbindung: Clara. Brahms hatte tiefe emotionale Bindungen sowohl zu Robert als auch zu seiner Frau Clara entwickelt. Die durchaus widersprüchlichen Gefühle, die Brahms für Clara empfand, hinterließen eine unerbittliche Spur.

Der erste Satz ist von gewaltigen Ausmaßen. Jeder Zuhörer hat für sich wohl Stellen, die ihm persönlich am besten gefallen. Der unerwartet ruhige Auftritt des Solisten, die Bearbeitung der thematischen Ideen oder das Hornsolo am Ende des Satzes. Das D-Dur-Adagio besticht durch seine meditative Ruhe. Zwischendurch gibt es wunderbare Akzente für das Orchester – beim Einsatz der Holzblasinstrumente oder bei Brahms‘ überraschendem Einsatz der Pauken in den letzten Momenten des zweiten Satzes. Das Finale hat eine schroffe, ja beinahe barocke Dynamik. Gegen Ende beschert uns der Komponist zwei Kadenzen, durch die Brahms den Satz in Richtung Dur steuert und das Konzert zu seinem feurigen Ende kommt.




Städtischer Kunstankauf 2018 im Torhaus Rombergpark zu sehen

Jedes Jahr kauft das Kulturbüro der Stadt Dortmund aktuelle Arbeiten heimischer Künstlerinnen und Künstler an, die zum Jahresende in der hiesigen Galerie Torhaus Rombergpark ausgestellt und einem größeren Publikum unter dem Titel „einblicke 2018“ präsentiert werden.

Für diese spezielle Kunstförderung stehen jährlich 25.000 Euro zur Verfügung. Eine Kommission aus verschiedenen Parteien des des Ausschusses für Kultur, Sport und Freizeit wählte die Werke aus. Bewerben können sich sich alle professionell ausgebildeten in Dortmund arbeitenden Kunstschaffenden. Neben dem Ankaufsgeld ist es eine gute Möglichkeit für die Ausgewählten, ihre Bekanntheit noch zu vergrößern.

Da die städtische Galerie Torhaus Rombergpark vorübergehend geschlossen war, werden diesmal erst die angekauften Arbeiten aus dem Jahr 2018 gezeigt.

Susanne Henning vom Kulturbüro und Janesha Jeyakaran (FSJ Kulturbüro) vor den Arbeiten von Roul Schneider ("Landschaft", 2018) und der Fotoarbeit von Anja Bohnhof ("Krishak", 2017/18).
Susanne Henning vom Kulturbüro und Janesha Jeyakaran (FSJ Kulturbüro) vor den Arbeiten von Roul Schneider („Landschaft“, 2018) und der Fotoarbeit von Anja Bohnhof („Krishak“, 2017/18).

Diese Werke, Fotografien, Bilder (Mischtechnik) in unterschiedlichen Formaten und Ausdrucksformen sowie wenige Skulpturen bieten die breite und Vielfalt der Dortmunder Kunstszene ab. Dreißig hiesige Künstler (darunter achtzehn Frauen) waren die Glücklichen, deren Werke angekauft und somit besonders gewürdigt wurden.

Die Arbeiten sind vom 15. Dezember 2019 bis zum 05. Januar 2020 im Torhaus zu sehen. Anschließend kommen sie in das Kunstarchiv der Stadt Dortmund (Küpferstraße 3). Dort besteht die Gelegenheit für die Bevölkerung und Unternehmen, sich Kunst für ein geringeres Entgelt auszuleihen und sie für eine gewisse Zeit im „eigenen Haus“ zu präsentieren.

Übrigens: Die Ausstellung „einblicke 2019“ folgt folgt fast direkt danach vom 12. Januar bis zum 05. Februar 2020.

Die Ausstellung „einblicke“ – Städtischer Kunstankauf 2018 (ein Förderprogramm für Dortmunder Künstlerinnen und Künstler) wird am Sonntag, den 15. Dezember 2019 um 11:00 Uhr im Torhaus Rombergpark (Städtische Galerie Dortmund) eröffnet.




Jenseits der Oberfläche

In der Ausstellung „Schichten-Stränge-Stofflichkeiten“ zeigt das Künstlerhaus Dortmund vom 13. Dezember 2019 bis zum 2. Februar 2020 Positionen von Mirjam Elburn, Esther Hagenmaier und Simona Koch. Alle drei Künstlerinnen haben sich auf unterschiedlichster Weise mit der Zeitlichkeit und dem Material auseinandergesetzt. Durch die Entscheidung der Kuratorin Denise Ritter nur drei Künstlerinnen auszuwählen, hat jede von ihnen mehr Raum zur Verfügung. Das tut der Ausstellung gut.

Sehr interessant sind die Arbeiten von Mirjam Elburn. Sie arbeitet mit unterschiedlichen Materialien wie beispielsweise Wurstpellen, die sie zu einer Art Kokon zusammennäht. Auch mit Polaroids beschäftigt sich die Künstlerin. Ihr Interesse gilt dabei den verschiedenen Schichten und Chemikalien in dem Polaroid-Film. Ein ganz besonderes Interesse hat Mirjam Elburn an menschlichen Haaren, die in verschiedenen Objekten wiederkehren. Ganz besonders in den „Biestern“, bei denen die Haare aus einer Seifenkiste zu wuchern beginnen, ähnlich wie pelziger Schimmel. Die Haare werden von ihr in mühevoller Kleinarbeit gefilzt. Aber genau diese Zeitlichkeit ist ihr in ihren künstlerischen Arbeiten wichtig.

Die Künstlerinnen lassen sich bewusst Zeit mit dem Material. (v.l.n.r.) Simona Koch, Kuratorin Denise Ritter und Mirjam Elburn.
Die Künstlerinnen lassen sich bewusst Zeit mit dem Material. (v.l.n.r.) Simona Koch, Kuratorin Denise Ritter und Mirjam Elburn.

Die Arbeiten von Esther Hagenmaier sind am besten unter dem Begriff „Fragmentierung von Architektur“ zusammenzufassen. Hierbei reduziert die Künstlerin die durch die Wahl des Bildausschnittes die fotografierte Architektur. Anschließend schneidet sie die Außenkanten radikal weg. So entwickelt Esther Hagenmaier ihre Photographie weiter zum Objekt, das durchaus dreidimensionale Anklänge zeigt. Manche Werke wirken durch den Kontrast auch wie in einem Puzzlespiel oder wie in einem Tetris-Spiel.

Kunst und Wissenschaft verbindet Simona Koch. Sie ist sozusagen für die Stränge zuständig und hat ein „universellen Stammbaum“ aufgestellt. Dieses imposante Kunstwerk besteht unter anderem aus 8000 Meter Sisal-Seilen. In einem Nebenraum befindet sich eine Art wissenschaftlicher Tisch mit verschiedenen gesammelten Objekten aus der Natur, aber auch Auszeichnungen der Künstlerin. Ebenso beeindruckend ist der Stop-Motion-Film „Organismus 8 Wachstum #3“, bei der Simona Koch 2000 Zeichnungen auf einem Blatt Papier aufgenommen hat. Hier ist wieder die zeitliche Komponente zu finden, die auch Mirjam Elburn in ihren Arbeiten benutzt. Statt auf Automation zu setzen, wird bewusst die Arbeit mit dem Material bevorzugt, auch wenn es länger dauert.

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Mirjam Elburn, Biester, 2009, 24 Seifenkisten, menschliches Haar gefilzt

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Esther Hagenmaier, „form_03, 2018“ und „rhythm_04, 2018“

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Simona Koch zeigt u.a. einen „Experimentiertisch“ mit verschiedenen Objekten.

Passend dazu gibt im Künstlerhaus Dortmund eine Materialwerkstatt für Kinder und Jugendliche von 10 bis 14 Jahre am 21. und 22. Dezember von 11 bis 18 Uhr. Die Künstlerin Mirjam Elburn leitet diese Werkstatt. Anmeldungen bis zum 17. Dezember unter m.elburn@gmx.de

Mehr Infos finden Sie unter www.kh-do.de