Das Künstlerhaus schwelgt im Dadaismus

Man kann mit Fug und Recht sagen, dass Dortmund eine Stadt des Dadaismus ist. Auf dem Dortmunder Südwestfriedhof liegt Richard Huelsenbeck (1892-1974) begraben, einer der Mitbegründer der DADA-Bewegung. Vor vier Jahren wurde auch das 100-jährige Jubiläum von DADA groß in Dortmund gefeiert, organisiert von der Dortmunder DADADO Gruppe um Anette Göke, Richard Ortmann und Dieter Gawol.

1920 fand in Berlin die „Erste Internationale Dada-Messe“ statt. DADADO hat diese Idee wiederbelebt unter dem Motto „!ViVa DADA 20!“ und organisiert die Internationale DADAMesseDo vom 21. Februar bis 06. März 2020 im Dortmunder Künstlerhaus. 15 Tage gibt es historische und aktuelle Kunst zu sehen, viele Veranstaltungen, die an unterschiedlichen Orten stattfinden.

Im Künstlerhaus selbst zeigen Künstlerinnen und Künstler aus der Schweiz, Rumänien, England, Italien und Deutschland ihre Auseinandersetzung mit DADA. Es gibt eine Adaption des „Berliner Zimmers“ aus der ersten Dada-Messe. Die „Vier Kriegskrüppel“ von Otto Dix wurden modernisiert zu den „4K+“. Zu sehen sind in dem Bild Thomas Kemmerich, Kardinal Marx, Annegret Kramp-Karrenbauer und Jürgen Klinsmann. Künstler des Werkes ist Franz Ott.

Sind von Kopf bis Fuß auf Dada eingestellt (v.l.n.r.) Matthias Ruhnke, Guido Richard, Paul Dorn, das Alien (Scarlett Schauerte), Anke Frankemöller, Richard Ortmann, Christiane Köhne und Dieter Gawol alias A.Diéga)
Sind von Kopf bis Fuß auf Dada eingestellt (v.l.n.r.) Matthias Ruhnke, Guido Richard, Paul Dorn, das Alien (Scarlett Schauerte), Anke Frankemöller, Richard Ortmann, Christiane Köhne und Dieter Gawol alias A.Diéga

Natürlich wird auch den beiden Hauptfiguren des Dortmunder DADA Richard Huelsenbeck und Jürgen Kalle Wiersch gedacht. An beide wird in separaten Räumen in Ton und Bild erinnert.

Ein Hauptereignis der DADA-Messe ist die Dada-Collage. Über 150 Künstlerinnen und Künstler haben sich an dieser Collage beteiligt und ein oder zwei Objekte in der Größe von 20 x 20 cm nach Dortmund geschickt. Einige der Objekte stehen auch zum Verkauf, erklärte Dieter Gawol alias A. Diéga.

Dazu gibt es regelmäßige Führungen durch die Ausstellung, Vorträge, Lesungen und Performances sorgen für ein dadaistisches Lebensgefühl.

Des Weiteren gibt es zwei sehr besondere Veranstaltungen außerhalb des Künstlerhauses. Am 29. Februar 2020 wird im Kunstraum (Braunschweiger Straße 22) das kosmische Lautgedicht „Allschall“ aufgeführt. Am 01. März 2020 performt das Ensemble von „Oper, Skepsis und Gleisbau“ mit „ […alles gut…] ihre elektronische Kammeroper im domicil.

Weitere Informationen zu den Veranstaltungen finden Sie unter https://www.dadado.eu/

Das Künstlerhaus hat geöffnet von Dienstag-Freitag von 16 bis 19 Uhr sowie Samstag und Sonntag von 13 bis 19 Uhr.




Noch mal die „Sonne“ – oder auf der Suche nach der Alraune des Führers im Teutoburger Wald

Kein gewöhnlicher Theaterabend. Aber das war bereits bei dem Titel „Lolita (R)evolution (Rufschädigendst) – ihr alle seid die Lolita eurer selbst“ nicht zu vermuten. Und dann war da auch noch Regisseur Jonathan Meese, der auch auf der Bühne stand. Ein Theaterexperiment auf 2 ½ Stunden. Ars tremonia war am 15. Februar 2020 dabei.

Der Abend begann außergewöhnlich, aber unterhaltsam. Zunächst wurde dem Kunstlied gefrönt und danach gab es auf einer Leinwand eine kurze Zusammenfassung des Buches „Lolita“ von Vladimir Nakokov. Doch als der Vorhang endgültig aufging, changierte das Stück zwischen Theater und Kunstperformance. Hin und wieder hatte der Abend etwas von Erwachsenen, die ihren 5. Geburtstag nachfeiern wollen und auf dem Dachboden alte Klamotten gefunden haben, die sie nach Herzenslust anziehen. Besonders fasziniert ist Jonathan Meese von Nazi-Uniformen und er muss natürlich beinahe permanent den rechten Arm zum Hitlergruß heben. Wie provokant. Doch irgendwann wird die Provokation zur Pose und angesichts der Tatsache, dass beispielsweise in Dortmund mit der Partei „Die Rechte“ echte Nazis im Stadtrat sitzen und der Coup der AfD in Thüringen noch frisch im Gedächtnis ist.

Der Beginn der Kunstperformance war sehr vielversprechend. Auf einem überdimensionalem Bleistift saßen die sieben Schauspielerinnen und Schauspieler in einer Art Musketier-Verkleidung und warfen sich Schlagworte zu. Davon war noch „es muss ein Riss durch Deutschland gehen“ – nach der berühmten Herzog-Rede – noch ein witziger Bezug. Danach ergoss sich ein Schlagwortgewitter, in dem unter anderem die Alraune des Führers im Teutoburger Wald gesucht werden sollte. Später sollte die Alraune des deutschen Theaters gezüchtet werden.

Die Lolitas sind bereit für die Dikatatur der Kunst. (v.l.n.r.) Maximilian Brauer, Uwe Schmieder, Bernhard Schütz, Lilith Stangenberg and Anke Zillich. (Foto: © 020 © PHOTOGRAPHY JAN BAUER . NET / COURTESY JONATHAN MEESE . COM)
Die Lolitas sind bereit für die Dikatatur der Kunst. (v.l.n.r.) Maximilian Brauer, Uwe Schmieder, Bernhard Schütz, Lilith Stangenberg and Anke Zillich. (Foto: © 020 © PHOTOGRAPHY JAN BAUER . NET / COURTESY JONATHAN MEESE . COM)

Im weiteren Verlauf wurde unter anderem die Meuterei auf der Bounty aufs Korn genommen. Vor allem Fletcher Christian, der Anführer der Meuterer, bekam sein Fett weg. Denn schließlich ist die Seefahrt keine Demokratie. Der Seewolf und Ahab würden das bestätigen. Irgendeiner hat das Kommando.

Und ebenso ist das „Theater der Zukunft“, das Meese in seinem beigelegten Manifest beschreibt, keine Demokratie, auch keine Unterhaltung und paktiert nicht mit dem Publikum. Das ist ihm bei „Lolita“ ziemlich gut gelungen. Es hat auch niemand gesagt, dass die Diktatur der Kunst immer angenehm sein muss.

Das Bühnenbild war sehr beeindruckend. Einige Werke von Jonathan Meese („ich bin nicht ateliertauglich“) hingen in überdimensionaler Größe an der Decke und wurden hoch- oder runter gezogen. Links und rechts standen Telefonzellen, eine rote englische und eine gelbe deutsche, auf denen zwei Bildschirme standen. Die englische Telefonzelle zeigt den Film „Zardoz“ (1974) mit Sean Connery, auf den sich auch ein Bild von Jonathan Meese bezog und auf dem anderen „The Wicker Man“ (1973).

Musikalisch war es breit gefächert: Neben der Kunstmusik zu Beginn, gab es ein Poplied zu Deutschland und eine alte Schnulze von Peter Maffay. „Josey“ besingt ja gerade das gute alte Lolitathema.

Einen Knaller hatte Jonathan Meese noch gegen Ende, als er „Sonne“ von Rammstein quasi in Endlosschleife abspielen ließ. Doch nicht nur das, er sang im Refrain immer „Hier kommt die Mutter“ statt „Hier kommt die Sonne“. Wobei Rammstein auch ein schönes Lied mit dem Titel „Mutter“ hat, aber gut.

Am Ende kam tatsächlich (seine) Mutter auf die Bühne, bekam wie beim Kindergeburtstag auch ein Stück Küchen und durfte sich an den „Tisch der Erkenntnis“ setzen. Ihre Stimme aus dem Off war immer wieder wie ein kleiner Ordnungsruf an die Beteiligten.

Und jetzt das Fazit? „Lolita“ ist kein klassisches oder modernes Theaterstück, es bricht mit vielen Konventionen, aber es ist bunt, laut und schrill. Wer Loops liebt, der wird sich an den permanenten Wiederholungen erfreuen. Jonathan Meese, Maxililian Brauer, Henning Nass, Uwe Schmieder, Bernhard Schütz, Lilith Stangenberg und Anke Zillich performen bis an die Schmerzgrenze. Nur wer bereit ist, sich der totalen Dikatur der Kunst zu unterwerfen, wird einen tollen Abend genießen und mit „Sonne“ einen neuen Ohrwurm mit nach Hause nehmen.

Die weiteren Möglichkeiten, sich dem Diktat der Kunst unterzuordnen, bestehen am 21. März 2020, 03. April 2020, 25. April 2020 und am 16. Mai 2020. Alle Termine beginnen um 19:30 Uhr.




Künstlerische Reise durch „Landschaft, Wind und Meer“

In der neuen Ausstellung vom 22.02.2020 bis zum 28.03.2020 im kleinen aber feinen „Kunstbonbon“ in der Chemnitzer Str. 11 (Dortmund) geht es um „Landschaft, Wind und Meer“.

Die beiden Künstlerinnen Michaela Düllberg und Claudia König präsentieren zu diesem Thema Skulpturen und Malerei. Claudia König ist durch ihre feingliedrigen aber kraftvollen Skulpturen bekannt. Die Skulpturen stellen sich symbolisch mutig „gegen den Wind“, wie wir es oft genug tun müssen. Aber auch das schöne Gefühl, die Naturkräfte zu spüren, wird künstlerisch angesprochen. Etwas Rückenwind können wir gut gebrauchen. Ebenfalls viel Selbstbewusstsein, uns den „Stürmen des Lebens“ entgegen zu stellen. Andererseits steckt auch eine Portion Respekt vor der Gewalt der Natur darin.

Michaela Düllberg und Claudia König stellen ab dem 22.02.20 im "Kunstbonbon" aus.
Michaela Düllberg und Claudia König stellen ab dem 22.02.20 im „Kunstbonbon“ aus.

Die Bilder von Michaela Düllberg wecken Emotionen und Sehnsüchte. Träume und Sehnsüchte spielen eine große Rolle in der Kunst. Bei den neuen Werken von Claudia König geht es um innere Heimat, Wünsche , Träume und den Lebensweg.

Ihre nostalgischen „Badegäste“ sind Erinnerungen an eine vergangenen Zeit, wo die Frauen und Männer noch getrennt badeten, und alle Personen „tugendhaft“ mit längerer Badekleidung von einem „Badekarren“ ins Wasser gestiegen sind. Trotzdem wohl gut, dass diese Zeiten vorbei sind.

Begeben Sie sich auf eine spannende Reise durch Landschaft, Wind und Meer.

Die Vernissage findet am 22.02.2020 um 15:00 Uhr im Kunstbonbon statt.

Worte: Karin Schmidt.

Öffnungszeiten: Dienstag, 13-18 Uhr , Freitag, 15-20 Uhr, Samstag, 12-15 Uhr.

Informationen unter www.kunstbonbon.de




Ein Requiem mit der italienischen Note

Die Dortmunder Philharmoniker unter der engagierten von Generalmusikdirektor Gabriel Feltz entführte das Publikum am 11./12. Februar 2020 im hiesigen Konzerthaus musikalisch nach Mailand.

Für das 5. Philharmonische Konzert stand die „Messa da Requiem“ von Giuseppe Verdi (1813 – 1901) auf dem Programm. Ars tremonia durfte am 12.02.2020 im Publikum mit dabei sein.

Der für seine grandiosen Opern bekannte italienische Komponist war auch ein Patriot, dem die Freiheit, Unabhängigkeit und Einheit Italiens als Nationalstaat am Herzen lag. Nach dem Tod seines großen Kollegen Gioachino Rossini (1792 – 1868) komponierte Verdi für ihn als Ehrerbietung das „Requiem per Rossini“. Als 1873 auch noch der verehrte Nationaldichter und Identifikationsfigur des Risorgimento Alessandro Manzoni starb, ließ Verdi sich nicht lange bitten und komponierte die „Messa da Requiem“. Elemente des Requiems für Rossini sind dort teilweise zu erkennen.

Generalmusikdirektor Gabriel Feltz leitete die Musiker und den Chor mit Engagement durch das "Messe da Requiem" von Verdi. (Foto: © Magdalena Spinn)
Generalmusikdirektor Gabriel Feltz leitete die Musiker und den Chor mit Engagement durch das „Messe da Requiem“ von Verdi. (Foto: © Magdalena Spinn)

Unterstützung bekam die Dortmunder Philharmoniker für diesen Musikabend vom großartigen Philharmonischen Chor Brno (Leitung: Petr Fiala) sowie die stimmgewaltigen Gesangssolisten Susanne Bernhard (Sopran), Adriana-Bastidas Gamboa (Mezzosopran), Sungmin Song (Tenor) und dem Bassbariton Tobias Schnabel.

In den sieben Abschnitten der „Messa da Requiem“ bündelt Verdi sein gesamtes Ausdrucksspektrum, das er sich in den Jahren angeeignet hatte. Er verleiht den Worten der Liturgie des Totengottesdienstes mit seiner ergreifenden, mal nachdenklich-meditativen, dann wieder höchst dramatischen Musik eine ganz eigene musikalische Kraft.

Dass dieses Requiem oft scherzhaft als „Verdis beste Oper“ bezeichnet wird, ist verständlich. Mit all seiner Dramatik, Angst vor dem „Jüngsten Gericht“, Hoffnung auf Erlösung und Rettung vor dem ewigen Tod bieten einen guten Stoff für eine konzertante italienische Oper. Die ganze Palette von Emotionen wird musikalisch ausgespielt.

Um nur ein kleines Beispiel zu nennen. Ist der Beginn mit dunklen Celli-Klängen und leisem Chor-Gesang eine sensible Vermittlung der „ewigen Ruhe“, wechselt die Stimmung im zweiten Abschnitt mit Unterstützung von lauten Pauken und Trompeten zu einer eindrucksvollen musikalischen Darstellung des ausbrechenden Jüngsten Gerichts.

Ein gelungener Konzertabend mit einer gut aufgelegten Dortmunder Philharmoniker samt Dirigenten, einem erstklassigen Chor und starken Stimmen der vier Sänger*innen.




Theaterstück über ein starkes Mädchen

„Die erstaunlichen Abenteuer der Maulina Schmitt“ ist die nächste Premiere im Kinder- und Jungendtheater. Das Stück ab 10 Jahren basiert auf die Buch-Trilogie von Finn-Ole Heinrich. Premiere ist am 14. Februar 2020 um 19 Uhr.

Das Stück ist ein Extrakt aus den drei Büchern, erklärte Andreas Gruhn, Regisseur und Leiter des Kinder- und Jungendtheaters. „Es geht auch um das Thema Sterben”, so Gruhn, aber nicht nur.

Im Mittelpunkt steht Maulina (die eigentlich Paulina heißt). Ihre heile Welt fällt plötzlich in sich zusammen: Zunächst trennen sich ihre Eltern, sie zieht zu ihrer Mutter, die aber an MS erkrankt und später stirbt. Die Wohnung ihrer Mutter nennt sie „Plastikhausen”, da alles behindertengerecht ist. Maulina muss nun mit Wohnortwechsel und Schulwechsel fertig werden.

Das Ensemble (v.l.n.r. Thorsten Schmidt, Ann-Kathrin Hinz, Bianka Lammert, Andreas Ksienzyk, Johanna Weißert, Rainer Kleinespel und Jan Westphal) bei den Proben zu "Die erstaunlichen Abenteuer der Maulina Schmitt". Premiere ist am 14. Februar im KJT. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Das Ensemble (v.l.n.r. Thorsten Schmidt, Ann-Kathrin Hinz, Bianka Lammert, Andreas Ksienzyk, Johanna Weißert, Rainer Kleinespel und Jan Westphal) bei den Proben zu „Die erstaunlichen Abenteuer der Maulina Schmitt“. Premiere ist am 14. Februar im KJT. (Foto: © Birgit Hupfeld)

In dem Stück gibt es keine Figur, die „böse” ist, sondern alle versuchen, ihr Bestes zu geben. „Es ist sehr viel Liebe im Spiel, trotz der bitteren Erlebnisse, die Maulina ertragen muss“, erklärte Andreas Gruhn. Beste Voraussetzungen, um sich zu einem selbstbewussten Mädchen zu entwickeln. Sein Fazit: „Es ist eine traurige, aber auch komische Geschichte, die keine heile Welt vermittelt.“

In diesem Stück spielt das ganze Ensemble mit und es gibt mit Manuel Loos einen Live-Musiker. Loos war schon in Stücken wie „Am Boden” oder „Das Reich der Tiere” im Schauspielhaus aktiv. Zum ersten Mal ist er im KJT. Die Ausstattung ist von Susanne Ellinghaus.

Das Besondere an der Inszenierung ist, dass die Orte sehr schnell wechseln, es gibt so etwas wie eine Überblendung, so dass die Inszenierung sehr dynamisch wird.

Die Premiere ist ausverkauft, für Montag gibt es noch Restkarten, für Sonntag sind noch Karten erhältlich.

Mehr Informationen unter www.theaterdo.de




Tanztheaterwerkstatt auf den Spuren von „Menschen und anderen Tieren“

Die vierzehn Frauen der Tanztheaterwerkstatt im Depot (KOBI) haben sich unter der Leitung von Birgit Götz (Konzept und Choreografie) mit ihrem neuen Projekt „Von Menschen und anderen Tieren“ einem spannenden Thema gewidmet. Die fast alle noch berufstätigen beteiligten Frauen, haben dieses Programm seit September 2019 zusammen mit Birgit Götz erarbeitet. Am 08.02.2020 fand die Premiere dieses neuen Tanztheaterprojekts im Dortmunder Theater im Depot statt.

Ganz in schwarzer sportlicher Kleidung hörten die vierzehn Projektteilnehmerinnen, ebenso wie das Publikum, zunächst einen von außen eingespielten Text über die evolutionäre Entwicklung hin zum Menschen über zig Millionen Jahre. Es wird davon berichtet, dass der Mensch sich durch die Fähigkeit zu Reflexion von den „anderen Tieren“ unterscheidet. Das ist der Startschuss für die Frage, wie viel Tier steckt in uns Menschen oder eben umgekehrt.

Das Tanztheaterwerkstatt auf den Spuren von Geparden. (Foto: © Sonja Berkemann )
Die Tanztheaterwerkstatt auf den Spuren von Geparden. (Foto: © Sonja Berkemann )

Mit starken Choreografien sowie vielseitiger musikalischer Begleitung sowie nachdenklichen Texteinwürfen wurde das Thema angegangen. So erhielt das Publikum neben Fakten über das Gehirn verschiedener Tieren im Vergleich zum Menschen auch Informationen über deren Sozialverhalten. Die nicht artgerechte Tierhaltung wurde genauso angesprochen wie das Thema vegetarische (oder vegane) Ernährung.

Bereichert wurde das Ganze mit Video-Projektionen. Im Hintergrund sah man zum Beispiel eine Alm-Alpenlandschaft, während auf der Bühne ein dazu passendem Tanz mit schwarz-weißen Kuhflecken-Pantoffel aufgeführt wurde. Es gab sogar eine Video-Einspielung aus einer alten Sendung mit Bernhard Grzimek samt Geparden.

Um sich in die Rollen von Leoparden, Schlangen oder Affen hinein zu versetzen, wurde einfache Requisiten wie Tücher mit Wildtiermuster, enge Pullover mit Schlangenmuster oder einfach Federn als eine Art Handschuh benutzt. Mit Humor, Ironie und eindringlich stellten sie zum Beispiel menschliche Verhaltensweisen und „kleine Schwächen“ dar.

Das System eines Großkonzerns wurde anschaulich mit dem Tierreich verglichen. Die oberste Etage war die „Elefantenetage“ samt „Vorzimmer-Drachen“. Darunter das „Haifischbecken“, wo jeder nach oben strebt und die Konkurrenten „wegbeißen“ will. Unten befindet sich die „Affenetage“. Die werden zumeist ausgepresst und ausgenutzt.

Sowohl als Gruppe, die in immer wieder neuen Konstellationen zusammen agierten, wie auch mit ihrer Individualität konnte die Gruppe überzeugen und bekam ihren verdienten langanhaltenden Beifall.

Es ist schon erstaunlich, was Birgit Götz mit ihrer Tanztheaterwerkstatt im Depot immer wieder auf die Beine bringt.

Weitere Aufführungstermine gibt es am Sonntag, den 09.02.2020 (18 Uhr), Dienstag den 11.02.2020 und Mittwoch, den 12.02.2020 (jeweils 20 Uhr).

Kartenreservierung unter Tel.:0231/9822336 oder ticket@theaterimdepot.de




Musikalische Gefühlswelten beim 12. Klangvokal Festival

Das 12. Klangvokal Musikfestival Dortmund ist seit Januar 2020 erstmals unter das Dach der hiesigen Kulturbetriebe geschlüpft. In diesem Jahr steht vom 17. Mai bis 14.Juni 2020 das Dortmunder Klangvokal Festival Programm unter der erfahrenen Leitung von Torsten Mosgraber und seinem Team unter dem Motto „Gefühlswelten“. Beteiligt sind Künstler*innen aus über 20 Ländern aus dem Bereich alte Musik, Barock, Pop, Jazz und Weltmusik sowie natürlich viele Chöre.

Emotionen – Diese bestimmen in einem großen Maße unser Leben. Oft werden sie durch Politik oder Religionen für ihre Zwecke instrumentalisiert. Positiv und verbindend wirkt die Kraft der Musik.

Im Fokus steht die Vokalmusik verschiedenster Art vom 15. Jahrhundert bis heute auf hohem Niveau. Los geht es offiziell am 17. Mai mit Vincenzo Bellinis Belcanto-Oper „ Il Pirata“ um 17:00 Uhr im Konzerthaus Dortmund. Zu hören sind die gefeierte lettische Sopranistin Marina Rebeka, der US-amerikanische Tenor Lawrence Brownlee sowie der italienische Bariton Franco Vassallo.

Spannendes aus dem Barock gibt es am mit Leonardo Vincis Oper „Gismondo – Re di Polonia“ am 30. Mai 2020 um 19:00 Uhr im Orchesterzentrum NRW zu hören. Unter anderem mit dabei der Countertenor Max Emanuel Cencic.

Aus dem Bereich „Musik vor 1750“ wird am 06. Juni 2020 „Himmelsmusik“ mit Christina Pluhar und ihr Ensemble L‘Arpeggiata im Konzerthaus erklingen.

Argentinische Klänge aus dem 17. Jahrhundert entlockt Leonardo Garcia Alarcón mit seiner „Cappella Mediterranea“ am 24. Mai im Orchesterzentrum.

Hoffen auf starke Gefühle in den Konzerten: (v.l.n.r.) Dirk Schaufelberger (Vorstandsvorsitzender Sparkasse Dortmund), Sandra Spitzner (PR Klangvokal), Gerd hewing (Mercedes Benz Dortmund), Stefan Mühlhofer (geschäftsführender Direktor der Kulturbetriebe), Margarethe Helfen (Freunde von Kalnfvokal) und Torsten Mosgraber (Direktor Klangvokal).
Hoffen auf starke Gefühle in den Konzerten: (v.l.n.r.) Dirk Schaufelberger (Vorstandsvorsitzender Sparkasse Dortmund), Sandra Spitzner (PR Klangvokal), Gerd hewing (Mercedes Benz Dortmund), Stefan Mühlhofer (geschäftsführender Direktor der Kulturbetriebe), Margarethe Helfen (Freunde von Kalnfvokal) und Torsten Mosgraber (Direktor Klangvokal).

Zum Festivalabschluss am 14. Juni sind erstmals in der Großen Kirche Aplerbeck barocke „Meister der Dresdner Kirchenmusik“ zu hören.

Unter der Rubrik Chöre ist am 07. Juni in der Reinoldikirche das Oratorium „The Kingdom“ (Edward Elgars) mit der Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von Granville Walker und dem Chor des Dortmunder Musikvereins sowie Mitgliedern des Philharmonic Chorus Leeds zu hören.

Das belgische Huelgas Ensemble (Burgund) tritt am 22. Mai im Reinoldihaus mit ihrer ganz eigenen franko-flämischer Vokalpolyphonie auf.

In der Marienkirche ist am 19. Mai die vom ehemaligen „King‘s Singer“ Nigel Short gegründete Londoner „The Tenebrae Choir“ zu hören.

Starker Gesang, Geschichten und Musik aus dem Bereich Jazz und Weltmusik ist am 28. Mai im domicil von Awa Ly (Senegal), oder am 29. Mai im Reinoldihaus von Damir Imamovíć (Bosnien) zu hören. Eine neue faszinierende musikalische Farbe bringen Canalón de Timbiquí (Kolumbien) am 05. Juni im domicil auf die Bühne. Jazz-Star Lisa Simone, Tochter der amerikanischen Soul-Legende und Bürgerrechtlerin Nina Simone tritt am 10. Juni im domicil auf. Für eine besondere Stimmung wird sicherlich die afrikanisch-französische Grammy-Preisträgerin UNICEF-Botschafterin Angėlique Kidjo (Benin) am 11. Juni im Konzerthaus zusammen mit der Neuen Philharmonie Westfalen. Das Spektrum reicht von Afro- Pop, R‘n B, Jazz sowie lateinamerikanische und afro-karibischen Klänge. Unter der Leitung von Gast Waltzing ist ein spektakulärer Abend zu erwarten.

Am Samstag, den 13. Juni findet das traditionelle Fest der Chöre in Dortmund statt.

Ab sofort startet der Vorverkauf bei Dortmund-Tourismus (Kampstr. 80), bei den Ruhr Nachrichten,, an allen bekannten VVK-Stellen und im Internet Infos unter www.klangvokal.de

Klangvokal hat zur Programmveröffentlichung 50.000 Folder und 5.000 Programmbücher drucken lassen.

Ein ausführliches Festivalmagazin und eine Festivalbeilage erscheint im April (Ruhr Nachrichten).




Laurel und Hardy Momente bei „Warten auf Godot“

Ob es stimmt, weiß ich nicht, aber die Wikipedia behauptet, dass Samuel Beckett an Stan Laurel und Oliver Hardy gedacht haben soll, als er seine Hauptprotagonisten Wladimir und Estragon in „Warten auf Godot“ erschuf. Sieht man sich das Stück an, dann kann man durchaus diesen Gedanken durchaus etwas abgewinnen. Eine bekannte Schauspielriege hat schon mal die eine oder andere Rolle in dem Stück gespielt: Steve Martin, Robin Williams, Ian McKellen oder Patrick Steward. In der Dortmunder Inszenierung von Marcus Lobbes spielten Andreas Beck und Uwe Rohbeck die Hauptrollen.

Das Stück dürfte bekannt sein: Estragon und Wladimir warten auf Godot, der bekanntlich nicht kommt. Abends kommt ein Junge, der den beiden mitteilt, dass Godot heute nicht mehr kommt, aber morgen sicher. In die kleine Welt der beiden brechen zweimal Pozzo und Lucky ein. Pozzo (Martin Weigel) ist Landbesitzer, der Lucky (Christian Freund) wie einen Sklaven hält und ihn auch auf dem Sklavenmarkt verkaufen möchte. Luckys Funktion ist unter anderem für seinen Herrn zu denken, während Pozzo ihn herumkommandiert. Wie Wladimir und Estragon sind beide aufeinander angewiesen, vor allem im zweiten Akt, als Pozzo blind ist und Lucky stumm.

Daher gibt es die Interpretation, dass Pozzo und Lucky verstärkte Versionen von Wladimir und Estragon sind. Pozzo und Estragon sind beide impulsiv, wenn auch auf andere Art, ebenso sind Wladimir und Lucky beide die Intellektuellen, die ihre Partner stützen.

Wladimir, von Estragon auch Didi genannt, wurde von Andreas Beck dargestellt. Beck gelangen mehrere wunderbare Momente, die an Oliver Hardy erinnerten. Vor allem, wenn Waldemar so tut, als sei er der intellektuell überlegenere Teil des Duos. Uwe Rohbeck ist als Estragon, kurz Gogo, auch gut darin, den naiven, kindischen und vergesslichen Menschen zu spielen.

Die Kunst von Beckett ist es, hinter den beiden Menschen eine weitere Dimension zu kreieren. So ist Erstragon auch ein Poet, der aus seiner Erinnerung die Farben des Heiligen Landes beschreibt, während Wladimir, der Philosoph, sich die Frage stellt, warum nur ein Evangelist geschrieben hat, dass ein Schächer am Kreuz erlöst wurde, während die anderen drei, „die doch auch dabei waren“, es nicht berichteten.

Lucky (Christian Freund) und Pozzo (Martin Weigel) sorgen ein wenig für Unterhaltung beim Warten auf Godot von Estragon (Uwe Rohbeck) und Wladimir (Andreas Beck). (Foto: © Birgiti Hupfeld)
Lucky (Christian Freund) und Pozzo (Martin Weigel) sorgen ein wenig für Unterhaltung beim Warten auf Godot von Estragon (Uwe Rohbeck) und Wladimir (Andreas Beck). (Foto: © Birgiti Hupfeld)

Pia Maria Mackert hat den Protagonisten auf der Bühne knallbunte Kostüme verpasst, die ein klein wenig an die Renaissance denken ließen. Hüte mit schicken Federn und ordentliche Gewänder passten nicht so ganz zu den Landstreichern, die Wladimir und Estragon eigentlich sind.

Eine gute Idee war, dass Wladimir und Estragon langsam per Aufzug Stück für Stück aus der Versenkung auf die Bühne gehoben wurden. So wirkte es am Anfang, als ob die beiden in einem Graben säßen. Ansonsten war die Bühne mit Blättern übersät, im Hintergrund befand sich ein rundes Fenster, durch das man in den Weltraum schaute. Es wirkte ein wenig wie der Fensterblick aus dem Raumschiff Enterprise.

Regisseur Marcus Lobbes hat sich für seine Inszenierung noch etwas einfallen lassen: Im zweiten Akt singt Waldimir die Melodie von „Ein Hund kam in die Küche“, auch bekannt als „Mein Hut, der hat drei Ecken“. Schon in der Pause kam der Dortmunder Sprechchor in den Zuschauerraum samt vier verkleideten Schauspielern als Koch, Hund, Henne/Ei und Junge und sangen das Lied in Endlosschleife. Ebenso am Ende des Stückes. Der Dortmunder Sprechchor hat schon viele Stücke veredelt, doch hier wirkte es ein wenig aufgepropft.

Andreas Beck und Uwe Rohbeck harmonierten wunderbar zusammen. Die beiden wirkten tatsächlich im vielen Situation wie das berühmte Komikerpaar. Martin Weigel wirkte schon aristokratisch versnobt, während Christian Freund den Diener Lucky mit viel Energie spielte, vor allem zu sehen beim „Denkermonolog“.

Weitere Infos unter www.theaterdo.de




Konstellationen – Was wäre, wenn – unendliche Varianten einer Beziehung

Am Freitag, den 31.01.2020 feierte im Studio des Dortmunder Schauspiels „Konstellationen“ von Nick Payne unter der Regie von Péter Sanyó seine Premiere.

In dem Stück für zwei Personen geht es um die Beziehungsgeschichte zwischen der Quantenphysikerin Marianne (Gastschauspielerin Louisa Stroux) und dem Imker Roland (Frank Genser) mit seinem rational-kausalem Blick eines Biologen auf das Leben.

Diese Geschichte wird in all ihren Stadien, vom Kennenlernen bis zu den unterschiedlichen Entwicklungsmöglichkeiten, immer wieder gestoppt und wie bei einer Reset-Taste wiederholt. Allerdings mit leichten Veränderungen. Die unterschiedlichsten Möglichkeiten von Konstellationen in einer multiversalen Welt, macht den Reiz des Stoffes aus. So gibt es verschiedene Varianten des Kennenlernens: Mal kommen sie zueinander, mal nicht. In einer Variante betrügt Roland Marianne, in einer anderen Marianne Roland. Es gibt in diesem Wechsel zwischen den Paralleluniversen die unterschiedlichsten alternativen Schicksale für das Paar.

Gibt es eine ideale Variante in den unzähligen Möglichkeiten für Marianne (Louisa Stroux) und Roland (Frank Genser)? (Foto: © Birgit Hupfeld)
Gibt es eine ideale Variante in den unzähligen Möglichkeiten für Marianne (Louisa Stroux) und Roland (Frank Genser)? (Foto: © Birgit Hupfeld)

Zur Umsetzung war eine ganz besondere Art der Dramaturgie notwendig. Auf der Bühne standenzwei Schallplattenspieler plus Mixtapes, die das Geschehen von Beginn an atmosphärisch begleiteten und gezielt auch von den beiden Schauspielern eingesetzt wurden. Verantwortlich für die Komposition war Patrick Christensen alias „PC Nackt“.

Außerdem waren auf der Bühne mehrere längliche Leuchtröhren angebracht.

Auf der Bühne war eine große runde Scheibe angebracht, die sich leicht schräg nach unten neigte. Sie wirkte wie ein riesiges Präparat unter einem Mikroskop oder einer Lupe (Brennglas), unter dem Zellgruppen zu sehen waren. Dort zeigte die so auf ihre Individualität und auf Kontrolle bedachte Marianne ihre unsichere Seite und Angst vor ihrer Krankheit. Das Stück spielt mit dem Gegensatz zwischen Individualität und dem sozialen „Schwarm“.

Louisa Stroux und Frank Genser überzeugten mit Spielfreude. Die große Herausforderung, sich immer wieder auf neue emotionale Grundsituationen und Stimmungen einzustellen und zu vermitteln, gelang ihnen mit einer Leichtigkeit.

Die Vorstellung eines Multiversums, wo jede Möglichkeit, Entscheidung und jeder irgendwie denkbare Verlauf des Lebens gleichzeitig existiert, ist schon spannend und interessant. Gibt es aber eine ideale Konstellation? Diese Frage ist nicht allgemeingültig zu beantworten. Es bleibt wohl nur, sein Leben bewusst zu leben und das Wichtige in seiner momentanen realen Existenz zu erkennen.

Die nächsten Vorstellungstermine sind am 09.02.2020 um 18:00 Uhr und am 21.02.2020 um 20:00 Uhr.

Weiter Informationen erhalten Sie wie immer unter www.theaterdo.de oder Tel.. 0231/ 50-27222.




Bloody Carrie – Horror-Geschichte im Cybermobbing-Gewand

Ein neuer Streich der Kulturbrigaden um Rada Radojcic und was für einer: Die Geschichte „Carrie“ von Stephen King wurde von den jugendlichen Schauspielerinnen und Schauspielern zu einem hochaktuellen Drama um das Thema Cybermobbing verknüpft. Die Premiere am 25. Januar 2020 im Theater im Depot war ein Riesenerfolg.

Die Geschichte von Stephen King in wenigen Sätzen erzählt: Die 16-jährige Carrie ist das Opfer ihrer streng-religiösen Mutter, die sie nicht aufklärt und als Sünderin bezeichnet. Somit wird sie auch optisch in der Schule zur Außenseiterin. Carrie wird konsequent gemobbt, bekommt aber auch Unterstützung. Durch das neue Selbstvertrauen entwickelt sie telekinetische Kräfte. Als die Chefmobberin zum Abiball eine besonders perfide Demütigung durchzieht, kommt es zur Katastrophe.

Es war eine gute Entscheidung der Regisseurin Rada Radojcic die Rolle der Mutter mit ihrer Nichte Dzaklina Radojcic zu besetzen. Mit 25 Jahren wirkte sie etwas erwachsener und gab der Figur der religiös-fanatischen Mutter eine tiefere Dimension. Ihr tiefschwarzes Kostüm erinnerte an die Hauptfigur aus dem Horrorfilm „Die Frau in Schwarz“. Auch die Rolle der Carrie war sehr gut gewählt. Zunächst sehr verschüchtert, entwickelt sie durch die Aussicht mit dem beliebtesten Jungen der Schule zum Ball zu gehen, immer mehr Selbstvertrauen.

Helene Gierhake in der Rolle als "Carrie" (Foto: © Rada Radojcic)
Helene Gierhake in der Rolle als „Carrie“ (Foto: © Rada Radojcic)

Aber auch die anderen Akteure auf der Bühne wussten bei „Bloody Carrie“ zu überzeugen: Sie spielten sehr gekonnt die Rollen der fiesen Zwillinge, der Mitläuferin und des netten Mädchens Sue. Die beiden männlichen Darsteller spielten völlig unterschiedliche Rollen: Tommy, der Freund von Sue, war ähnlich aufrichtig wie seine Freundin. Während Billy, der Freund der Obermobberin, eine typische Stephen-King-Figur war: Körperlich stark, aber im Kopf leicht beschränkt.

Die Inszenierung von Rada Radojcic war weniger als Horrorstück angelehnt, sondern setzte sich mit den Mechanismen von Mobbing in Zeiten von Instagram und Co auseinander, ebenso kam der religiösen Wahnsinn der Mutter auch gut herausgearbeitet.

Ein großes Lob gehört auch Anna Marienfeld für den Text und die Videos. Die Protagonisten wurden nicht nur per Video vorgestellt, auch die Mutter wurde als „Über-Ich“ auf der Leinwand gezeigt. Es gab zwei kleine Choreografien (Abiball) für die Leslie Hannemann zuständig war und neben Musik vom Band machte versteckt Dixon Ra die musikalische Untermalung.

Es zahlt sich schon aus, wenn die Kinder und Jugendlichen bei den Kulturbrigaden richtig handwerklich arbeiten müssen, die die Regisseurin beim Vorgespräch erzählte. Die Belohnung für die Arbeit und Mühen konnten sich die Akteure beim verdienten Schlussapplaus abholen.

„Bloody Carrie“ ist nicht nur für Stephen King-Fans eine Empfehlung. Wer sich mit dem Thema Mobbing beschäftigt, kann das Stück am 14.02. 2020 um 20 Uhr und 15.02. 2020 um 20 Uhr im Theater im Depot besuchen.

Ticketanfragen unter ticket@theaterimdepot.de