Zurück vom Titicacasee

Bis zum 08. November 2020 hatten die Künstlerinnen und Künstler der Dortmunder Gruppe die Gelegenheit genutzt, mit eigenem und fremden Material gemeinsam Kunstwerke zu schaffen (wir berichteten). In Zeiten von Corona war das gemeinsame Arbeit auch ein weg, um ein wenig aus der Isolation zu kommen. Der Austausch untereinander hatte 2020 durch die beiden Lockdowns sehr gelitten. Die Idee einer gemeinsamen thematischen Arbeit, wobei jede/r Künstlerin und Künstler autonom für sich arbeitete war geboren und manifestierte sich in der Ausstellung „Urlaub am Titicacasee“, die am 18. Oktober im Torhaus Rombergpark startete.

Zu Beginn nahm jeder der teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler Material aus seinem Atelier mit. Somit entstand quasi eine künstliche Insel im Torhaus. Aus diesem Material konnte sich jede/r bedienen.

Was ist entstanden? Da der Titicacasee sehr stark verschmutzt ist, gab es einige Arbeiten, die sich mit dem Thema der Umweltverschmutzung beschäftigten. Andere KünstlerInnen erkundeten die Natur wie die Bildhauerin Pia Bohr beispielsweise, die aus nicht benutzten Holzstücken und anderen Materialien eine Schlange fertigte. Rosa Fehr-von Ilten widmete ihre Arbeit den Fröschen des Sees. Lutz Kemper entschied sich für den Condor, wobei unklar ist, ob er vielleicht nicht die deutsche Fluggesellschaft meint. Wenn alles nicht hilft, brauchen wir einen Notausgang, dachte sich Monika Pfeiffer und erschuf einen.

Ein Blick in die entstandenen Kunstwerke vom "Urlaub am Titicacasee".
Ein Blick in die entstandenen Kunstwerke vom „Urlaub am Titicacasee“.

Eindrucksvoll ist auch der Schamane von Roul Schneider, der sitzend auf die Erleuchtung wartet. Die Ureinwohner spielten auch bei mancher KünstlerIn eine Rolle.

Wolfgang Schmidt bezog die Besucher, die ins Torhaus kamen, in sein Kunstwerk sein. Sie könnten seine markante Figur eigenhändig bemalen.

Wer jetzt sagt: Schade, die Ausstellung hätte ich gerne gesehen, den kann ich beruhigen. Zumindest virtuell wird es möglich sein die Entwicklung des ganzen Projektes mitzuverfolgen. Denn es wird ein Film erscheinen, der die Prozesse in Zeitraffer noch einmal entstehen lässt. Mehr Informationen dazu auf der Seite http://www.torhaus-rombergpark.de/




Der Reichsbürger – Inneneinsichten eines Querdenkers

Deutschland ist nur eine GmbH? Das Land immer noch besetzt? Das Deutsche Reich besteht fort? Es gibt Menschen, die das glauben und verbreiten – sogenannte Reichsbürger. Im Theater im Depot präsentiert das Theater glassboth das Stück „Reichsbürger“ von Annalena und Konstantin Küspert. Premiere ist am 30.10.2020.

Die Reichsbürger sind keine homogene Gruppe. Es gibt so manche selbsternannte Reichskanzler oder gar Kaiser, die auf ihrem Grund und Boden eigene Dokumente wie Pässe oder Führerscheine ausstellen. Doch es gibt auch einige, die sich als „Selbstverwalter“ ansehen und versuchen, sich vom Staat abzunabeln. Das klingt doch auf den ersten Blick nicht verkehrt, oder?

Genau in diese Schnittstelle zwischen „klingt doch ganz logisch“ und „was für ein Blödsinn“ setzt das Stück an. Denn der Reichsbürger, gespielt von Sebastian Thrun ist klein plumper Wutbürger oder selbsternannter Kaiser, sondern wirkt ganz vernünftig und versucht das Publikum mit geschickten Fragen und Argumenten auf seine Seite zu ziehen.

Sebastian Thrun versucht in seiner Rolle als  "Reichsbürger"  in dem Stück das Publikum auf seine Seite zu ziehen. (Foto: © Oliver Mengedoht)
Sebastian Thrun versucht in seiner Rolle als „Reichsbürger“ in dem Stück das Publikum auf seine Seite zu ziehen. (Foto: © Oliver Mengedoht)

Für die Reichsbürger ist die Sache einfach: Sie haben den Durchblick und die anderen schlafen noch. Sie wissen, wie das System funktioniert und wer als Strippenzieher dahinter steckt.

Die Gefährlichkeit darf man dabei nicht außer acht lassen. Für NRW sollen rund 3.200 Reichsbürger bekannt sein, früher wurden sie nur als Spinner belächelt, doch mit immer häufigeren Waffenfunden ist klar, dass diese Gruppierung nicht so ganz harmlos ist.

Regisseur Jens Dornheim hat das Stück als Reichsbürger-Vortrag konzipiert. Daher ist das Publikum nicht nur stiller Beobachter, es kann sicherlich passieren, dass manche Thesen des Reichsbürgers auf Widerspruch aus dem Publikum stoßen. Eine spannende Aufgabe für Schauspieler Sebastian Thrun.

Die Premiere ist am 30.10.2020 um 20 Uhr. Weitere Vorstellungen sind am 31.10., 08.11., 13.11. und 14.11.2020. Weitere Informationen unter www.depotdortmund.de




Besuch beim Hörder Sehfest 2020

Am 24. und 25. Oktober 2020 fand wieder das Hörder Sehfest statt. An 19 Orten wartete Kunst auf die Besuchenden, die sich vom Wetter und den Corona-Regeln nicht abhalten ließen. Eine Premiere gab es auch: ars tremonia besuchte am Sonntag zum ersten Mal das Hörder Sehfest und entdeckte eine Menge Kunst in Ateliers, Gärten und Hinterhöfen. Auf den weg machten sich Michael Lemken und Anja Cord.

Den Beginn machten wir bei Igor Jablunowskii. Er ist professioneller Auftragsmaler und verschönt aber auch Häuserfassaden. Ein eindrucksvolles Beispiel findet man in Huckarde in der sogenannten Eisheiligen-Siedlung. Seine realistischen Gemälde zeigt er auch noch in der Galerie in der Wißstraße. Sein dort ausgestelltes Bild von Greta Thunberg hat für einiges Aufsehen gesorgt.

Igor Jablunowskii vor seinen Arbeiten. (Foto: © Anja Cord)
Igor Jablunowskii vor seinen Arbeiten. (Foto: © Anja Cord)

Gleich daneben befindet sich das Atelier von Karla Christoph. Ihre ausgestellten Arbeiten entstehen ähnlich wie Graffito. Elemente werden am Computer entwickelt und in Schablonen umgewandelt, danach per Hand ausgeschnitten. Letztendlich mit Farbe besprüht. So entstehen eindrucksvolle Bildkompositionen.

Karla Christoph mit einer Schablone, die zum Bestandteil des Bildes wurde. (Foto: © Anja Cord)
Karla Christoph mit einer Schablone, die zum Bestandteil des Bildes wurde. (Foto: © Anja Cord)

Nicht weit weg lag der „Garten der Figuren“. Wie viele es genau sind, könnte die Künstlerin Stefanie Becker selbst nicht sagen. Die Figuren bestehen meist aus Messing oder Beton und bevölkern in unterschiedlicher Größe den Garten. Eine Besonderheit in ihrem Garten sind die Figuren der vier Affen, denn man kennt sie eigentlich nur zu dritt (Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen). Doch es gibt auch noch einen vierten: „Habe keinen Spaß“.

Bei Stefanie Becker hängen die "Vier Affen" im Käfig. (Foto: © Anja Cord)
Bei Stefanie Becker hängen die „Vier Affen“ im Käfig. (Foto: © Anja Cord)

Die Beschränkungen durch Corona haben es leider verhindert, dass die bulgarische Künstlerin Genoveva Gencheva selbst vor Ort sein konnte. Dafür war aber ihre Kunst im Haus Rode zu sehen. Neben Ölbildern wurden auch Aquarelle und Tuschezeichnungen gezeigt. In ihren Arbeiten finden sich abstrakte wie gegenständliche Motive.

Ein Motiv aus dem 13. Jahrhundert in einer bulgarischen Kirche inspirierte Genoveva Gencheva zu dieser Interpretation. (Foto: © Anja Cord)
Ein Motiv aus dem 13. Jahrhundert in einer bulgarischen Kirche inspirierte Genoveva Gencheva zu dieser Interpretation. (Foto: © Anja Cord)

Fotografische Arbeiten zeigte Jonathan Zipfel. Seine Motive findet er nicht weit weg, denn die Bebauung rund um den Phoenix-See sind sein Thema. Die Entwicklung „bereitet mir Unbehagen“, so der Künstler. Darüber hinaus präsentierte er kleinformatige Fotos, auf denen er die Gegenständlichkeit durch Makroaufnahmen abstrahierte.

Die Gentrifizierung rund um den Phoenix-See beschäftigt den Fotografen Jonathan Zipfel. (Foto: © Anja Cord)
Die Gentrifizierung rund um den Phoenix-See beschäftigt den Fotografen Jonathan Zipfel. (Foto: © Anja Cord)

Michael Wienand versucht in seinen 3D-Bildobjekten das Lebensgefühl des Ruhrgebietes einzufangen. Denn für ihn besteht das Ruhrgebiet nicht nur aus Arbeit und Industrie. Im Mittelpunkt steht eher die Eckkneipe und der Kiosk. Beide Orte des Zusammenkommens sind stark gefährdet, nicht nur wegen Corona. Der gelernte Bühnenbauer erschafft aber auch vielschichtige Lebensräume wie beispielsweise ein Studentenzimmer mit einer Vielzahl an liebevollen Details.

Michael Wienand erinnert in seinen 3D-Bildobjekten an das Lebensgefühl im Ruhrgebiet. (Foto: © Anja Cord)
Michael Wienand erinnert in seinen 3D-Bildobjekten an das Lebensgefühl im Ruhrgebiet. (Foto: © Anja Cord)

Die grafischen Arbeiten von Rita-Maria Schwalgin passen sehr gut zu der ruhigen Ausstellung im „Wohnzimmer im Piepenstock“ und lassen mit der überwiegend Schwarz-Weiß-Kombination sehr eindrücklich die Folgen des Klimawandels erahnen. Gefällte Stämme, kahle Bäume stimmen den Betrachter nachdenklich. Nur ab und zu experimentiert Schwalgin mit Farbflächen. Das Besondere an den grafischen Arbeiten ist, dass sie aus Naturmaterialien geschaffen wurden.

An das Waldsterben erinnert Rita-Maria Schwalgin in ihren grafischen Arbeiten. (Foto: © Anja Cord)
An das Waldsterben erinnert Rita-Maria Schwalgin in ihren grafischen Arbeiten. (Foto: © Anja Cord)

Bunte Farbe in den grauen Corona-Alltag versucht Rüdiger Philipp zu bringen. In der Musikschule Crescendo zeigt er in seiner Reihe „pandemische Lichter“ bunte Aquarelle in leuchtenden Farben.

Farbe gegen Corona-Tristesse. Rüdiger Phillip mit seinen pandemischen Lichtern. (Foto: © Anja Cord)
Farbe gegen Corona-Tristesse. Rüdiger Phillip mit seinen pandemischen Lichtern. (Foto: © Anja Cord)

In den Ateliers an der Schildstraße gab es gleich drei Stationen zu bewundern. Neben den Arbeiten von Matthias Corta und Maureen Brauckmann zeigte der Airbrush-Künstler Thorsten Krüger, was mit der Sprühpistole alles möglich ist. Seine Arbeiten sind vielfältig, farbenfroh und zeugen von handwerklicher Finesse. Die Bildhauerin Christa Bremer beschäftigt sich in ihren Skulpturen mit dem menschlichen Körper, den sie auf die wesentlichen Merkmale reduziert. So entstehen eindrucksvolle Kunstwerke aus Bronze.

Im Mittelpunkt der Arbeiten der Bildhauerin Christa Bremer steht der menschliche Körper. (Foto: © Anja Cord)
Im Mittelpunkt der Arbeiten der Bildhauerin Christa Bremer steht der menschliche Körper. (Foto: © Anja Cord)
Filigranes aus der Sprühpistole. Thorsten Krüger präsentierte Airbrush-Bilder. (Foto: © Anja Cord)
Filigranes aus der Sprühpistole. Thorsten Krüger präsentierte Airbrush-Bilder. (Foto: © Anja Cord)

Auf unserer vorletzten Station erwartete uns erneut ein Dreierpack. Michael Schulz-Runge, Peka (Peter Krüger) und Susanne Matull zeigten ihre Arbeiten. Susanne Matull beschäftigt sich in ihren Werken oft mit dem Thema Tanz, daher verwendet sie Tüll, Bast und ähnliches, so dass ihre Bilder eine plastische Dimension entwickeln. Michael Schulze-Runge zeigte fotografische Makroaufnahmen von Graffiti und Peka präsentierte neben Porträts, Zeichnungen von Leseratten auch Arbeiten von Emscherlandschaften auf Furnierholz.

Peka arbeitet gerne auf Holz. Daher sind die Landschaftsbilder auf Furnierholz entstanden und nicht auf Leinwand. (Foto: © Anja Cord)
Peka arbeitet gerne auf Holz. Daher sind die Landschaftsbilder auf Furnierholz entstanden und nicht auf Leinwand. (Foto: © Anja Cord)
Eine fotografische Entdeckungsreise in die Strukturen von Graffiti zeigte Michael Schulz-Runge. (Foto: © Anja Cord)
Eine fotografische Entdeckungsreise in die Strukturen von Graffiti zeigte Michael Schulz-Runge. (Foto: © Anja Cord)
Den Tanz ist das Thema in den Bildern von Susanne Matull, die sie mit verschiedenen Materialien versieht. (Foto: © Anja Cord)
Den Tanz ist das Thema in den Bildern von Susanne Matull, die sie mit verschiedenen Materialien versieht. (Foto: © Anja Cord)

Den Abschluss machte ein Besuch beim Atelier von Marc Bühren. Er zeigte überwiegend filigrane Arbeiten, die er mit Hilfe von 3D-Druckern zu eindrucksvollen Gebilden zusammensetzt. So entstehen Objekte, die aus der Natur entlehnt sind, aber auch der Fantasie entspringen.

Manche Arbeiten von Marc Bühren entwickeln durch Lichtquellen noch eine weitere Dimensionalität. (Foto: © Anja Cord)

Wir möchten uns auf jeden Fall bei den Künstlerinnen und Künstlern um Verzeihung bitten, bei denen wir bei der knappen Zeit nicht vorbeischauen konnten. Wir hoffen, das beim nächsten Sehfest nachzuholen. Hoffentlich dann ohne Maske und ständiger Adressangabe.




In die Falle gegangen?! – Ausstellung „Trap“ im Künstlerhaus zeigt 17 Positionen

Vom 24. Oktober bis zum 29. November präsentiert das Künstlerhaus Dortmund eine besondere Ausstellung. Hier zeigen 17 KünstlerInnen des Kunstmentorats NRW ihre Arbeiten. Neben 13 Mentees waren auch vier Mentoren beteiligt, namentlich Gerd Borkelmann, Elisabeth Brosterhaus, Brigitte Heidtmann und Klaus Schmitt.

Doch die Ausstellung „Trap“, die von den Mentees Jennifer Lubahn, Nadjana Mohr, Anna Schütten und der Mentorin aus dem Künstlerhaus Annett Frontzek kuratiert wurde, hat noch ein weiteres Merkmal. Jeder der teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler bekam jeweils eine fremde Position zugeordnet, mit der sie sich auseinandersetzen mussten. Die so entstandene zweite Ebene wird im Katalog zur Ausstellung deutlich.

In der Ausstellung selbst gibt es viele unterschiedliche Materialien und Herangehensweisen. Videos, Objekte, Malerei oder Fotografie – alles ist in den Räumen des Künstlerhauses vorhanden.

Gleich zu Beginn wird der Besucher von der Arbeit „Feine Backware“ von Thomas Kuhn empfangen. Doch Vorsicht, in den Backformen steckt Schwefel und kein Kuchenteig. Schwefel hat eine mystische Komponente, sein Material sieht in der Arbeit verlockend aus, ist aber nicht genießbar, sondern nur als Kunstobjekt. Zudem präsentiert Anna Schütten „on screens II“, bei der sie Sound und projizierte Farben zu einem Kunstwerk verschmilzt.

Im Hintergrund sind die Arbeiten von Gerd Borkelmann, Elisabeth Brosterhaus und Klaus Schmitt zu sehen. Im Vordergrund die Mentees und Kuratorinnen (v.l.n.r.) Jennifer Lubahn, Nadjana Mohr und Anna Schütten.
Im Hintergrund sind die Arbeiten von Gerd Borkelmann, Elisabeth Brosterhaus und Klaus Schmitt zu sehen. Im Vordergrund die Mentees und Kuratorinnen (v.l.n.r.) Jennifer Lubahn, Nadjana Mohr und Anna Schütten.

Im großen Raum haben sich Brigitta Heidtmann, Gerd Brockelmann und Klaus Schmitt gleich drei Mentoren versammelt. Schmitt zeigt mit „O-T. 9.15“ ein großformatiges Objekt aus PVC und Holz und erschafft dabei eine Beziehung zwischen Raum, Objekt und dem Betrachter. Brigitta Heidtmann arbeitet stark konzeptionell. Sie greift in ihrer Arbeit – ähnlich wie Schmitt – die Beziehung zwischen Raum und Objekt auf. Brockelmann hingegen arbeitet mit Papier auf einem kleineren Format. Die Arbeiten enthalten fast immer einfache geometrische Mittel wie Linien, Gitter und Kreise und sind farblich reduziert. In dem Raum hat auch noch Lisa Klinger Platz gefunden. Ihre Arbeit „Infidelity“ (Untreue) ist vor Ort im Künstlerhaus entstanden. Ihre zweidimensionalen Grafiken entwickeln beim Betrachter eine Dreidimensionalität und stellen wie Schmitt und Heidtmann eine Beziehung zum Raum her.

Im Raum nebenan zeigt Roya Noorinezhad ihre Fotoarbeiten aus der Serie „Transformation“. Dadurch, dass sie das Fotopapier unterschiedlich biegt, entsteht ein anderer Eindruck des fotografierten Objektes. Gegenüber zeigt Ale Bachlechner ihre Videoarbeit, in denen sie politische, und gesellschaftliche Themenkomplexe bearbeitet.

Hinter dem Korridor begrüßt uns die Arbeit von Nadjana Mohr. Vereinnahmung von Flächen und Räumen durch den Betrachter ist das Thema ihres malerischen Werks in der Ausstellung. Bei der Videoarbeit „Re Source“ von Melanie Windl stehen biologische Prozesse im Mittelpunkt. Sie greift das Missverhältnis zwischen Mensch und Ozean auf, bei der der Mensch die wichtige Ressource Wasser kapitalisiert. Für die Arbeit von Maurits Boetther „The Presense of Absense“ braucht man ein wenig Geduld, denn der Künstler befasst sich mit dem Thema Zeit als Medium.

Im Keller gibt es weitere Arbeiten. Jennifer Lubahn zeigt uns in „Do o.T.“ quasi die Entstehung und das Ende eines Lichtspaltes, der in einen dunklen Raum dringt. Es entstehen während des Videos viele kleine Spannungsmomente, die den Betrachter zum Weiterschauen verleitet.

In der ehemaligen Waschkaue wird die Videoarbeit „BODY IN SPACE“ gezeigt. Die Künstlerin verarbeitet die alltägliche Realität. Dabei verwendet sie unter anderem Google Maps, um Wege aufzuzeigen, die sie zurückgelegt hat, die für sie eine gewisse Bedeutung haben. Ihr geht es dabei um soziale, politische und ökologische Ebenen aufzudecken.

Alle beteiligten Künstlerinnen und Künstler: Ale Bachlechner, Maurits Boettger, Gerd Borkelmann, Elisabeth Brosterhus, Stefani Glauber, Brigitta Heidtmann, Alwina Heinz, Lisa Klinger, Thomas Kuhn, Jennifer Lubahn, Tonka Malekovic, Nadjana Mohr, Roya Noorinezhad, Stefanie Pluta, Klaus Schmitt, Anna Schütten und Melanie Windl

Mehr Infos unter www.kuenstlerhaus-dortmund.de




World Press Photo 2020 – Fotos, die Geschichten zeigen

Trotz der momentan Situation um die Corona-Pandemie zeigt das Depot Dortmund erneut die Bilder der preisgekrönten Pressefotografen des vergangenen Jahres. Vom 24.10. bis zum 15.11.2020 sind in der Mittelhalle des Depots die 150 Fotografien zu sehen. Ein Besuch lohnt sich, denn Dortmund ist nur einer von drei Standorten in Deutschland, an denen die Bilder gezeigt werden.

Da die Bilder das Jahr 2019 reflektieren, ist Corona noch kein Thema. Irritiert ist der Betrachter von einem Bild aus Hongkong, doch in asiatischen Ländern war das Tragen eines Mundschutzes schon vor Corona deutlich verbreiteter. Stichwort Hongkong. Die Themen 2019 waren unter anderem natürlich die Proteste der Demokratiebewegung nicht nur in Hongkong, sondern auch in anderen Ländern.

Ein weiteres großes Thema im Jahr 2019 war die Umwelt. Brände in Australien sorgten – leider muss man hier sagen – für spektakuläre Fotos. Ansonsten gibt es verschiedene Oberthemen wie Porträts, Sport, langfristige Projekte und anderes.

Das diesjährige Siegerfoto des Jahres zeigt Demonstranten in Khartoum (Sudan), die während eines Blackouts ihren Protest unter Handylicht weiterführen. (Foto: ©  © Yasuyoshi Chiba, Japan, Agence France-Presse)
Das diesjährige Siegerfoto des Jahres zeigt Demonstranten in Khartoum (Sudan), die während eines Blackouts ihren Protest unter Handylicht weiterführen. (Foto: © © Yasuyoshi Chiba, Japan, Agence France-Presse)

Besonders stolz sind die Organisatoren, dass zwei Fotografen ausgezeichnet wurden, die in Dortmund ihr Handwerk gelernt haben. Mit Maximilian Mann und Nikita Teryoshin wurden im diesjährigen World Press Photo Wettbewerb zwei Studenten der hiesigen Fachhochschule ausgezeichnet.

Darüber hinaus wartet während der World Press Photo Ausstellung ein Rahmenprogramm mit Führungen, Vorträgen und Workshops. Von Drohnenfotografie, einer Doku über Helmut Newton bis hin zu einem Abend rund um das Thema Whistleblowing – im Kulturort Depot es gibt viel zu entdecken. Eine Reihe von Sonntagsmatineen bietet außerdem die Gelegenheit, junge Fototalente und ihre Arbeit persönlich kennenzulernen. Den Anfang macht Maximilian Mann, der am 25. Oktober um 11:00 Uhr in der Galerie im Depot zu Gast sein wird. Tickets für seinen Vortrag sind für fünf Euro im Online-Vorverkauf erhältlich.

Wie überall gelten im Depot aktuell verstärkte Hygienemaßnahmen und Beschränkungen der Besucherzahl. Alle Infos zur Ausstellung und dem Rahmenprogramm sowie kurzfristige Änderungen im Hinblick auf die Lage rund um Corona sind auf www.depotdortmund.de zu finden.

Die WORLD PRESS PHOTO AUSSTELLUNG 2020 im Kulturort Depot – gefördert von der DEW21

Termin: SA 24.10. bis SO 15.11.2020

Öffnungszeiten:
MO – MI: 11.00 – 19.00 Uhr
DO: 11.00 – 20.00 Uhr
FR – SA: 11.00 – 22.00 Uhr
SO: 11.00 – 19.00 Uhr

Eintritt: 6 € / 4 € (ermäßigt)




Liebe und Tod – berührendes Musiktheater bei Opus Love

Liebe und Tod gehören irgendwie zusammen, fand Rolf Dennemann von artscenico und entwickelte mit „Opus Love“ ein Musiktheater mit starken Gefühlen von Nähe, Verbundenheit, aber auch von Abschied und Verzweiflung. So facettenreich wie die Liebe eben. Ein Premierenbericht vom 16. Oktober 2020 im Theater im Depot.

Nähe ist etwas, was gerade unter Corona-Bedingungen extrem schwer ist. Das Theater im Depot konnte daher in seinem Theatersaal nur eine begrenzte Menge an Besuchern zulassen. Dennoch zeigten sich die Beteiligten auf der Bühne voller Spiellust.

Dazu gehörten vor allem die Musiker, die der musikalische Leiter Yoyo Röhm zusammen gestellt hatte. Es spielten Marie-Claire Schlameus (Cello), Achim Färber (Schlagzeug), Andreas Dormann (Saxophon, Klarinette) und Roman D. Metzner (Akkordeon). Für die Performance waren Elisa Marschall, Elisabeth Pleß, Sascha von Zambelly zuständig, es sang zudem noch der Tenor José Francisco Vieira.

Vieira kam als „Trauernde in Schwarz“ auf die Bühne komplett mit Schleier, während auch die anderen Akteure in Schwarz gekleidet waren. Kein Rot, keine anderen Farben.

Der erste Text wurde von Elisabeth Pleß vorgetragen, eine Liebeselegie aus „Gier“ von Sarah Kane. Pleß spielte diese Ode an die völlige Hingabe, an die bedingungslose Liebe mit einer ordentlichen Portion Körpersprache, ihre Arme unterstützten ihren Vortrag. Vorher sang Pleß das Lied „Komm in mein Boot“ von Rammstein, doch in einer ruhigen, fast chansonartigen Version. Die Band unterstrich ihren Monolog durch zumeist sanfte unterstützende Klänge. Das Ende der Liebeserklärung war deutlich: „Das muss aufhören“, wiederholte Pleß. Ein Hinweis vielleicht, dass eine Liebe, für die man sich aufgibt, in eine persönliche Sackgasse führen kann. Die Autorin Kane, die ein Jahr nach der Uraufführung Selbstmord beging, schrieb das Stück als sie nach eigenen Angaben ihren Glauben an die Liebe verloren hatte.

Elisabeth Pleß bei ihrem Vortrag von "Gier" von Sarah Kane. (Foto: © Guntram Walter)
Elisabeth Pleß bei ihrem Vortrag von „Gier“ von Sarah Kane. (Foto: © Guntram Walter)

Um Liebe und Tod ging es auch im zweiten Akt. Hier stand ein Text von André Gorz im Mittelpunkt. Das Besondere dabei: Der Text kam vom Band und Elisa Marshall hat dazu getanzt. Die Musik kam eher aus dem Blues/Jazz-Bereich, hatte durch das Akkordeon auch französischen Charakter. Gorz behandelt in seinem Text „Brief an D.“ seine Liebe zu seiner Frau, mit der er über Jahrzehnte verheiratet war. Sie wird kränker, aber er kann nicht ohne sie leben. Im Text schreibt Gorz „Ich möchte nicht bei deiner Einäscherung dabei sein“. Dazu kommt es auch nicht, beide scheiden gemeinsam aus dem Leben.

Im dritten Akt wird wieder Rammstein gespielt. „Ohne dich“, wieder gesungen von Elisabeth Pleß. Auch hier geht es um dem Tod, aber nicht um den eigenen. Denn Samuel Becketts Geschichte „Erste Liebe“ spielt auf einem Friedhof. Sascha von Zambelly präsentiert einen völlig kauzigen Erzähler, einen Sonderling, der scheinbar keine Empathie besitzt, sich aber über Grabinschriften köstlich amüsieren kann. Im dritten Akt hat auch José Francisco Vieira seinen großen Auftritt mit „When I am laid in earth“ von Henry Purcell.

Insgesamt drei bewegende Akte mit passender Musik und guten Performern. Es bleibt zu hoffen, dass dieses Stück öfter gespielt wird. Ein Besuch würde sich auf jeden Fall lohnen.




Urlaub am Titicaca-See oder Kunst entsteht vor Ort

Ab heute zeigen die Dortmunder Künstlerinnen und Künstler der Dortmunder Gruppe die Ausstellung „Urlaub am Titicaca-See“ im Dortmunder Torhaus. Doch diese Ausstellung ganz anders als die anderen, denn es gibt diesmal keine fertigen Kunstwerke zu sehen, sondern es ist mehr ein „work in progress“. Die Ausstellung erinnert auch an den 2004 verstorbenen Put Pevic, der ein gleichnamiges Bild präsentiert hatte. Die Entwicklung ist zu sehen bis zum 08. November 2020.

Corona hat alle Künstler stark getroffen. Die Einschränkungen des Lockdowns und der weiteren Beschränkungen hat für viele Einkommensverluste gesorgt. Musiker konnten keine Konzerte mehr geben, Schauspieler nicht mehr Theater spielen und die bildenden Künstler? Sie konnten zwar weitere in ihren Ateliers arbeiten, doch Ausstellungen waren nicht mehr oder nur stark eingeschränkt möglich.

Was also tun als Grafiker, Maler, Bildhauer? Urlaub am Titicaca-See? Bei der finanziellen Notlage der meisten Künstlerinnen und Künstler sicherlich ein unrealistisches Ziel. Daher hat man den See quasi ins Torhaus geholt und auf der Seefläche ein temporäres Atelier geschaffen. Jeder teilnehmende Kreative durfte zwei Listen Material aus seinem Atelier mitnehmen, was für jeden zugänglich ist. Dieses Material steht auf dem „See“ wie die künstlichen Inseln auf dem realen See, auf denen die Ureinwohner in Bolivien wohnen.

Nein, das ist kein Künstlerflohmarkt. Mit diesem Material arbeiten die Künstlerinnen und Künstler der Dortmunder Gruppe quasi live an neuen Arbeiten.
Nein, das ist kein Künstlerflohmarkt. Mit diesem Material arbeiten die Künstlerinnen und Künstler der Dortmunder Gruppe quasi live an neuen Arbeiten.

Diese Art von Ausstellung ist auch eine Antwort auf den Vorschlag: Dann macht doch alles online. Was bei manchen Formaten sicherlich eine gute Alternative ist, funktioniert bei der bildenden Kunst nur sehr eingeschränkt. Es ist sicherlich interessant virtuell durch ein Museum zu gehen, das man wegen den Reisebeschränkungen oder den hohen Reisekosten nicht besuchen kann. Doch im echten Leben vor einem Kunstwerk zu stehen, ist doch etwas anderes. Deshalb entsteht jetzt Kunst vor Ort durch die Akteure: Künstlerinnen und Künstler sowie Besucher. Denn zu den Öffnungszeiten des Torhauses werden zwei bis drei der Kreativen anwesend sein.

Die Öffnungszeiten des Torhauses sind dienstags bis samstags 14 bis 18 Uhr und sonntags und feiertags von 10 bis 18 Uhr.

Der Durchgang zur aktuellen Ausstellung wird wöchentlich aktualisiert und da es sich um eine Ausstellung in Progress handelt wöchentlich aktualisiert. Er bietet mit zunehmenden Aktualisierungen die Möglichkeit zur ‚Zeitreise‘. Die Adresse im Internet lautet: www.torhaus-rombergpark.de




Ausstellung Kontraste thematisiert den Klimawandel

Mit dem Thema Natur und Umweltschutz befasst sich die Künstlerin Rita-Maria Schwalgin schon seit langem. Ihre neue Ausstellung „Kontraste“ im „Wohnzimmer im Piepenstock“ in der Schildstraße 1 hat den Klimawandel zum Hauptthema. Bis zum 03.01.2021 sind die 23 Arbeiten dort zu sehen. In Zeiten von Corona nur nach Anmeldung oder bei Veranstaltungen des „Wohnzimmers“.

Wer Rita-Maria Schwalgin als Fotografin kennt, der wird überrascht sein. Denn die Mehrzahl ihrer ausgestellten Werke sind Drucke teilweise kombiniert mit Malerei. Die grafischen Arbeiten passen sehr gut zu der ruhigen Ausstellung und lassen mit der überwiegend Schwarz-Weiß-Kombination sehr eindrücklich die Folgen des Klimawandels erahnen. Gefällte Stämme, kahle Bäume stimmen den Betrachter nachdenklich. Nur ab und zu experimentiert Schwalgin mit Farbflächen. Das Besondere an den grafischen Arbeiten ist, dass sie aus Naturmaterialien geschaffen wurden. Somit ist jedes Bild ein Unikat und somit anders als bei gewöhnlichen Drucken gibt es keine weiteren Exemplare einer Arbeit.

Fotografien der Künstlerin sind aber auch in der Ausstellung zu sehen. Einige Arbeiten sind aus Fahrzeugen entstanden und zeigen eine Landschaft in Geschwindigkeit. Dabei gelang es ihr die Stimmung von Sonnenauf- und untergängen einzufangen.

Rita-Maria Schwalgin vor ihren Druckgrafiken im "Wohnzimmer im Piepenstock".
Rita-Maria Schwalgin vor ihren Druckgrafiken im „Wohnzimmer im Piepenstock“.

Doch zwei großformatige Fotos sind der Blickfang in dieser Ausstellung. Sie stellen eines der Dortmunder Nashörner in einem Brunnen dar. Wie kam das Nashorn dorthin? Es wurde von seinem Originalplatz von einigen übermütigen Menschen in den Brunnen am Stadtgarten gestellt. Dabei passt es, dass das Nashorn den Titel „Arche Noah“ trägt und somit eigentlich ins Wasser gehört. Ein passendes Motiv dafür, dass man auch in ungewöhnlichen Zeiten wie der Corona-Krise immer optimistisch bleiben sollte.

Corona-bedingt ist die Ausstellung nur nach Anmeldung zu sehen. Entweder per Email unter info@schwalgin.de oder telefonisch 0174 8832169.




Opus Love – ein Musiktheater über die Liebe

Was haben Sarah Kane, André Gorz und Samuel Beckett gemeinsam? Ihre Texte stehen im Mittelpunkt des Musiktheaters von artscenico namens „Opus Love“, das am 16.10.2020 seine Premiere im Theater im Depot feiert.

In „Gier“ von Sarah Kane geht es unter anderem auch um eine eine Liebesbeziehung, die im Stück „Opus Love“ von Elisabeth Pleß vorgetragen wird. Der zweite Text von André Gorz ist „Brief an D. Geschichte einer Liebe“. Hier schreibt der Autor mit über 80 Jahren einen Liebesbrief an seine ebenso alte Frau. Kurze Zeit später nehmen sich beide das Leben. Der dritte Text von Beckett „Erste Liebe“ handelt von Einsamkeit und die Angst vor Gefühlen.

Mit dabei ist die Schauspielerin Elisabeth Pleß, die bereits in vielen artscenico-Produktionen mitspielte und Sascha von Zambelly. Ein Teil wird nicht vorgetragen, sondern sogar getanzt von Elisa Marschall.

Mit dabei ist auch Elisabeth Pleß, die als Performerin bei "Opus Love" Texte vorträgt. (Foto: © Guntram Walter)
Mit dabei ist auch Elisabeth Pleß, die als Performerin bei „Opus Love“ Texte vorträgt. (Foto: © Guntram Walter)

Wie es sich für ein Musiktheater gehört, gibt es auch Musik. Dafür hat sich Regisseur Rolf Dennemann die Unterstützung von Yoyo Röhm versichert, mit dem er bereits bei verschiedenen Produktionen zusammengearbeitet hat.

Röhm hat verschiedene Musiker für sein kleines kammermusikalisches Theaterorchester gefunden. Mit dabei ist der Schlagzeuger Achim Färber, Cellistin Marie Claire Schlameus und Andreas Dohrmann, der neben Klarinette auch Bassklarinette und Bassflöte spielt. Alle Musiker haben langjährige Erfahrung in unterschiedlichsten Bands und Theaterprojekten sammeln können. Zur Musik verriet Yoyo Röhm nur soviel: Es werden langsame und leise Töne angeschlagen. Die Musik sei eklektizistisch.

Allen Beteiligten ist anzumerken, dass es für sie ein Privileg ist, nach dem Lockdown wieder arbeiten zu dürfen. Die Zuschauer können sich also auf 70 Minuten Musiktheater im Theater im Depot freuen.

Aufführungen gibt es am 16. und am 17. Oktober jeweils um 20 Uhr. Infos zu Karten gibt es unter https://www.artscenico.de/blog/2020/07/29/opus-love/




Wenn der Wohnort bekannt ist – neue Ausstellung in der Produzentengalerie 42

Die neue Ausstellung in der Produzentengalerie 42 heißt “Ich weiss wo du wohnst”. Dieser Titel kann einerseits positiv gemeint sein, andererseits aber eine Bedrohung darstellen. Man denke nur allein an die Problematik des Stalkens. Über 11 Künstlerinnen und Künstler aus dem BBK Ruhrgebiet stellen bis zum 25.10.2020 ihre Positionen vor. 

Es ist sicher nicht zufällig, wenn beim genannten Thema ein Haus im Fokus steht. Monika Pfeiffer stellt Hause aus Karton aus, die unterschiedliche Stimmungen repräsentieren. Wäre es nicht schön, wenn wir je nach Stimmung in ein entsprechendes Haus gehen könnten? 

Das neue Mitglied Tania Mairitsch-Korte wurde inspiriert von der Kurzgeschichte “Das verräterische Herz” von Edgar Allen Poe. In der Geschichte bringt ein Mann seinen Nachbar um und versteckt die Leiche in seinem Haus unter den Dielen. Doch der Herzschlag des Toten, den  nur er hören kann, verrät ihn. Die drei Arbeiten von Tania Mairitsch-Korte stellen ein leicht stilisiertes Herz dar, das erste Blatt enthält Textfragmente der Kurzgeschichte. Alle drei Arbeiten sind mit Wachs übergossen.

Tania Mairitsch-Korte neben ihren drei Arbeiten. Zu sehen in der Produzentengalerie 42 bis zum 25.10.2020.
Tania Mairitsch-Korte neben ihren drei Arbeiten. Zu sehen in der Produzentengalerie 42 bis zum 25.10.2020.

Eine spannende Arbeit präsentiert Susanne Behringer mit “AWA I” . Auf einer großen Schulwandkarte von Europa ist ein afrikanischer Frauenkopf abgebildet. Möglicherweise eine Anspielung auf die Flüchtlingsproblematik, bei der Menschen versuchen von Afrika über das Mittelmeer nach Europa zu kommen. 

Die eigene Wohnung kann natürlich auch verteidigt werden, wenn sie von außen bedroht wird. Vielleicht ist dies die Intention des “Kampfhasen zornig”, eine Holzskulptur von Bernd Moenikes. Ein weiteres spannendes Objekt ist das Werk “eingepfercht” von Claudia Terlunen, ebenfalls eine Holzarbeit. Zunächst denkt man an ein Insektenhotel, aber oben befindet sich ein Käfig, der abgesperrt ist. In Zeiten von Corona lässt das den Betrachter an die erzwungene Isolation in der eigenen Wohnung denken.

Die Produzentengalerie 42 befindet sich in der Arneckestraße 42 und hat Samstag und Sonntag von 15 bis 18 Uhr geöffnet.