Eine „quadratische“ Ausstellung im Torhaus Rombergpark

Die Künstlerinnen und Künstler der „Dortmunder Gruppe“ präsentieren mit der Ausstellung „ FORMAT QUADRAT“ erneut Arbeiten zu einem außergewöhnlichen Thema. Dabei ist der Ort, das Torhaus am Rombergpark, quasi das Gegenteil eines Quadrates. Dennoch überzeugen die Mitwirkenden mit erstaunlichen und abwechslungsreichen Werken. Zu sehen ist die Ausstellung vom 01. bis zum 22. August 2021.

Malerei, Fotografie und Objekte – die Vielfalt der Dortmunder Künstlergruppe ist groß. Dabei gab es keine Vorplanung, wie Alexander Pohl, der Vorsitzende der Dortmunder Gruppe verriet. Jedes Mitglied konnte soviel Arbeiten abgeben, wie es wollte. Letztendlich entschied die „Hängekommission“, was in dem Raum im Torhaus für die Besucherinnen und Besucher zu sehen ist.

Wolfgang Schmidt präsentiert seine typischen Figuren, die Fotografin Erika A. Schäfer zeigt doppelseitig bedruckte Fotos in Quadratform, die sie zu dreidimensionalen Figuren faltet und über ihren Bildern verteilt. So entsteht Chaos in der Ordnung. Birgit Feike arbeitet mit rot-weißen Absperrbändern, die sie zu dreidimensionalen Installationen verwebt.

(v.l.n.r.) Jan Bormann, Alexander Pohl und Monika Pfeiffer in der "Speaker's Corner" von Bormann.
(v.l.n.r.) Jan Bormann, Alexander Pohl und Monika Pfeiffer in der „Speaker’s Corner“ von Bormann.

Claudia Terlunen ist mit zwei Arbeiten vertreten, die minimalistisch und monochrom gehalten sind. Auch Monika Pfeiffer hat Farbe reduziert. „Manchmal hat man das Bedürfnis nach Farbe, manchmal nicht“, so die Künstlerin.

Etwas provozierend formuliert Silvia Liebig ihre Arbeit mit „Dann fickt euch doch in die Bundeskunsthalle“. Ein Seitenhieb auf die Kunstszene, die Beziehungen und Vitamin B dazu benutzt, um auf dem Kunstmarkt weit nach oben zu kommen. Die sechs quadratischen Bilder von Alexander Pohl drehen sich um die Verfügbarkeit von (weiblicher) Sexualität im Internet. „POR-NO“ tragen die verfremdeten Fotografien als Titel, wobei die Vaginas der Frauen durch schwarze Quadrate verdeckt sind.

Roul Schneider zeigt zwei Arbeiten, die er hauptsächlich aus Erde gemacht hat. Nicht einfache Erde, sondern aus besonderen Fundorten. Das große Bild „Maya“, das an das südamerikanische indigene Volk erinnert, wurde aus Erde gemacht, die aus einer archäologischen Ausgrabung in Dortmund stammt. Dort war eine alte Ziegelei. Die besonderen Erden mit ihrer individuellen Farbgebung machen den Reiz der Bilder von Schneider aus, die zudem sehr meditativ sind. Gut zu sehen beim Bild „Beyond“, das aus Erde aus Norddänemark, Rügen und Mecklenburg-Vorpommern entstand. Der weiße Trichter im Zentrum des Bildes scheint den Betrachter direkt hineinzuziehen.

Auch Installationen gibt es: Neben Holzskulpturen von Pia Bohr und einer Arbeit von Dina Nur hat sich Jan Bormann mit der Corona-Pandemie auseinandergesetzt und eine „coronakonforme“ Speaker-Corner geschaffen.

Es würde zu weit führen, alle Arbeiten vorzustellen, denn insgesamt stellen 22 Künstlerinnen und Künstler ihre Werke aus. Von daher lohnt sich ein Besuch der Ausstellung auf jeden Fall.

Die Öffnungszeiten des Torhauses sind: dienstags bis samstags von 14 bis 18 Uhr, sonntags und feiertags 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.




Hoesch-Museum zeigt Geschichte von Eisen und Stahl im Siegerland

Eine beeindruckende Geschichte der Eisen- und Stahlerzeugung hat das Siegerland zu bieten. Seit über 2500 Jahren werden in diesem Raum Sachen aus Eisen und Stahl hergestellt. Die Wanderausstellung „EisenWasserLand“ im Hoesch-Museum erzählt bis zum 12. September 2021 die Entwicklung von den Kelten bis zur Gegenwart.

Erarbeitet wurde die Wanderausstellung von den ehemaligen thyssenkrupp Steel Europe-Mitarbeitern Axel Ganseuer und Karl-Heinz Schäfer. An ihrer ersten Station im Dortmund wird sie durch ausgewählte Archivalien und Exponate ergänzt.

Eisen haben bereits die Kelten verarbeitet, die um 500 v. Chr. In diese Gegend kamen. Eisenschwerter und weitere Eisenware zeugen davon. Eisen wurde kontinuierlich in den Zeiten des Mittelalters gewonnen, wobei die Kohle für die Verhüttung in die nahen Wäldern erzeugt wurde. Schon damals wurde wohl erkannt, dass ein Raubbau an der Natur nicht sinnvoll ist und hat die Haubergswirtschaft erfunden, ein Beitrag zur nachhaltigen Niederwaldbewirtschaftung. Der Niederwald wurde in Parzellen aufgeteilt und pro Jahr durfte nur eine Parzelle zur Verkohlung genutzt werden.

(v.l.n.r.) Isolde Parussel (Leiterin des Hoesch-Museums), Dr. Karl Lauschke (Vorsitzender der Freunde des Hoesch-Museums) und Dr. Jens Stücker (Direktor des MKK) zeigen 2500 Jahre Montangeschichte des Siegerlandes.
(v.l.n.r.) Isolde Parussel (Leiterin des Hoesch-Museums), Dr. Karl Lauschke (Vorsitzender der Freunde des Hoesch-Museums) und Dr. Jens Stücker (Direktor des MKK) zeigen 2500 Jahre Montangeschichte des Siegerlandes.

Das ging über Jahrhunderte so, bis es zu rasanten Entwicklung der Industrialisierung kam. Die Betriebe in Eichen und Ferndorf kamen über die Hüttenwerke Siegerland AG 1951 zur Dortmund-Hörder Hüttenunion und wurden 1969 in die Hoesch Siegerland AG umgewandelt. Somit ist der Bogen zum Hoesch-Museum geschlagen. „Es ist aber keine Werbeausstellung, sondern eine kulturhistorische“, betonte Isolde Parussel, die Leiterin des Hoesch-Museums. Denn die ganze museumspädagogische Arbeit wurde vom Hoesch-Museum geleitet.

Die Ausstellung wird nach Dortmund am Kreuztaler Standort von thyssenkrupp Steel Europe sowie im Besucherzentrum Duisburg und im dortigen Ausbildungszentrum gezeigt.

Die Öffnungszeiten des Hoesch-Museums sind

Dienstag und Mittwoch von 13 – 17 Uhr

Donnerstag von 9 – 17 Uhr

Sonntag von 10 – 17 Uhr

an Feiertagen geschlossen




Sehnsucht nach Nähe

Das Künstlerhaus am Sunderweg zeigt noch bis zum 25. Juli die Ausstellung “All Tomorrow’s Parties”. Sechs Fotografinnen und Fotografen zeigen ihre Arbeiten, die sich um zwischenmenschliche Beziehungen drehen. Dabei geht es von Partys über Beziehungen zu Puppen bis hin zu Demonstrationen in Hongkong. In Zeiten von Corona steht natürlich die grundsätzliche Frage von Nähe zur Diskussion.

Das Nachtleben von Berlin hat es Miron Zownir angetan. Seit den 80er Jahren fotografiert er für seine Reihe “Berlin Noir” die Protagonisten des Nachtlebens mit ihren Partys und ihrem Lebensstil. Die analogen Schwarz-Weiß-Fotos entwickeln eine enorme Faszination auf den Betrachter.

Auch während der Pandemie wird gefeiert. Natürlich heimlich und unerlaubt. Dennoch schaffte es Constantin Grolig einige Raves im Ruhrgebiet zu fotografieren, ohne die Menschen bloßzustellen. In seinen Fotos wird deutlich, wie vergessene Orte zu einem Platz des gemeinsamen Tanzes werden, immer in Angst vor Entdeckung durch die Behörden.

nche Menschen suchen sehr stark die emotionale Nähe zu Puppen. Julia Steinigeweg schafft Fotos, die beim Betrachter unterschiedliche Gefühle hervorrufen. (Foto: © Julia Steinigeweg)
Manche Menschen suchen sehr stark die emotionale Nähe zu Puppen. Julia Steinigeweg schafft Fotos, die beim Betrachter unterschiedliche Gefühle hervorrufen. (Foto: © Julia Steinigeweg)

Lois Hechenblaiker hatte Glück oder Pech, je nachdem. Er war in Ischgl als die Pandemie dort ausbrach und zum Symbol für Behördenversagen wurde, da Profit über die Gesundheit der Touristen gestellt wurde. Der ausgelebte Hedonismus wird beim Fotografen zu einer Anklage gegen den Umgang des Menschen mit der Natur.

Ein außergewöhnliches Thema hat Julia Steinigeweg für ihre Serie gefunden: Das Verhältnis von Menschen zu Puppen. Steinigeweg hat hier bewusst die sexuelle Komponente außen vor gelassen, um sich auf die tief empfundene Hinwendung zu konzentrieren. Da Puppen mittlerweile sehr menschenähnlich gefertigt werden können, verströmen manche Bilder eine etwas gruselige Atmosphäre.

Sabine Springer zeigt Bilder aus einem Club, in dem Paare ihre Sexualität gemeinsam feiern können. Dabei arbeit sie dank Infrarot sehr diskret. Springer geht es um ein Bild von Sexualität und Verlagen, aber auch um Kommunikation und Verständnis.

Politisch wird es bei Thaddé Comar. Seine Arbeiten “How was your dream?” von 2019 dokumentieren die Proteste in Hongkong. Sein Thema ist die Nichtverfolgbarkeit des Individuums und das Aufgehen des Protestes in einer nicht länger individuellen Identität.




Kunstwerke zwischen Vergangenheit und Gegenwart

Der Dortmunder Kunstverein zeigt bis zum 09. September 2021 Werke von Theresa Weber unter dem Titel „Woven Memories“. In ihrer Malerei und Installation setzt sie sich mit kultureller Vermischung, Schönheitsidealen und Symbolen von Zugehörigkeit auseinander.

Vielleicht muss der Künstler oder die Künstlerin eine gewisse Sammelleidenschaft besitzen. Denn was für den Betrachter ein banales Ding ist, wird in der Hand der Künstlerin zu einem Teil eines Kunstwerkes. In den bildhaften Objekten verbindet Weber vertraute und fremde Objekte wie auch persönliche Fund- und Erinnerungsstücke. Wie beispielsweise Kunstnägel oder Hüftpolster. Denn Weber interessiert sich sehr für die künstliche Erweiterung von Körpern. Welche Funktionen besitzen sie? Die Frage wird in unterschiedlichen Kulturen unterschiedlich beantwortet. So sind künstliche Fingernägel hier eher negativ konnotiert, während in Afrika die Angelegenheit deutlich positiver betrachtet wird. Vielfach werden die Objekte in Kunstharz gegossen, dadurch wirken sie wie in einer Zeitkapsel ähnlich wie Insekten, die in Bernstein gefangen wurden.

Foto der Ausstellungseröffnung von Theresa Weber. (Foto: © Kunstverein Dortmund)
Foto der Ausstellungseröffnung von Theresa Weber. (Foto: © Kunstverein Dortmund)

Zwischen den Arbeiten stehen ab und zu Mauerreste und Lianen wie bei einer archäologischen Ausgrabung irgendwo im südostasiatischen Raum oder im Amazonasgebiet. Sie stehen zwischen Gegenwart (architektonisches Element) und Vergangenheit (Artefakt).

Einen wichtigen Aspekt in ihren Arbeiten ist das Flechten von Haaren. In Zeiten, in denen viele Afrikaner in die neue Welt als Sklaven verschifft wurden, wurden geflochtene Zöpfe (Braids) und Kunsthaar (Weaves) als Symbol des Widerstandes. Daneben gab es die Tradition des Flechtens bereits im antiken Griechenland. Daher tauchen sie prominent und zeitenübergreifend in den Arbeiten der afrodeutschen Künstlerin auf, die deutsch-jamaikanisch-griechische Wurzeln hat.

Am 25. Juli 2021 findet um 16 Uhr ein Künstlerinnengespräch mit Rebekka Seubert statt. Zudem gibt es am 12. und 14. August 2021 eine Performance von Theresa Weber und Anys Reimann. Die Performance am 12. August begintn um 19 Uhr, die am 14. August um 16 Uhr.




Fotofestival widmet sich Fragen um die Identität

Die Coronazahlen fallen beständig, die Hoffnung auf einen kulturellen Sommer steigen. Daher geht das diesjährige f² Fotofestival in die Vollen und präsentiert 16 Ausstellungsprojekte, die vom 17. bis zum 27. Juni in verschiedenen Orten zu sehen sind. Neben Museen oder Galerien wird Kunst im öffentlichen und privaten Raum geboten. Doch das Zentrum ist das Depot Dortmund. Hier findet in der Haupthalle die Ausstellung „Facing Gender“ statt sowie „Promised Realities“ in der Galerie im Depot.

Die große Ausstellung „Facing Gender“ beschäftigt sich um das Konstrukt des Geschlechts. Über die biologische Komponente hinaus gibt es auch eine weit facettenreichere Welt von Homosexualität, Drags und Transsexualität. In den großformatigen Bildern werden beispielsweise lateinamerikanische Balletttänzer gezeigt, die dort als „unmännlich“ gelten, Homosexualität im Iran wird thematisiert oder das Frauenbild in Italien seziert. Immer steht die Frage um das Geschlecht und das Rollenverständnis wird im Mittelpunkt. Die Ausstellung ist durchaus textlastig, die Besucher sollten sich also etwas Zeit mitnehmen.

Die Ausstellung in der großen Halle des Depots zeigt spannende Fotografien rund um das Thema "Gender und Identität".
Die Ausstellung in der großen Halle des Depots zeigt spannende Fotografien rund um das Thema „Gender und Identität“.

In der Galerie im Depot finden sich Fotografien afrikanischer Nachwuchsfotografen unter dem Titel „PROMISEDrealities“, die ihren Blick auf den afrikanischen Alltag zeigen. Geplant war eigentlich ein Residenzprogramm in Dortmund, doch das musste wegen Corona abgesagt werden.

Im Hafenbereich der Nordstadt zeigt das Fotografie-Kollektiv „The Journal“ ihre Arbeiten im öffentlichen Raum. „Amateurfotografie aus Hörde“ wird beim Cafe Aufbruch in der Hinteren Schildstraße 18 präsentiert. Verborgene Fotoschätze werden ans Licht gebracht. Bei Jugendlichen und junge Erwachsenen ist die Identitätsfindung noch im vollen Gange. Sie zeigen in der Ausstellung „ID:me“ im Betenhof ihre Auseinandersetzung mit dem Thema.

Eine besondere Veranstaltung ist „Home and Identity“, denn sie findet in privaten Räumen im Kaiserviertel statt.Jede Wohnung zeigt mit einer Arbeit von internationalen Fotografen einen neuen Aspekt zum Thema „Heimat und Identität“. Es wird auch ein Rundgang angeboten.

Für die Ausstellungen im Depot können sich die Besucherinnen und Besucher online ein Zeitfenster buchen, da die Personenzahl immer noch begrenzt ist. Es besteht aber auch die Möglichkeit, direkt vorbei zukommen. Ein negatives Testergebnis ist nicht mehr vonnöten.

Welche Regeln für welche Veranstaltung gelten, finden Sie auf der Seite www.f2-fotofestival.de. Dort gibt es weitere Informationen über die Ausstellungen, Öffnungszeiten und die digitalen Rahmenprogramme wie das Vortragsprogramm.




Totalkünstler Timm Ulrich ist willkommen im Museum Ostwall

Vom 15. Juni bis zum 18. Juli 2021 zeigt das Museum Ostwall in der 5. Etage die Ausstellung „Willkommen im Museum Ostwall“ des Totalkünstlers Timm Ulrich. Zu sehen sind 18 Arbeiten überwiegend aus den 60er und 80er Jahren, die einen guten Querschnitt über das Schaffen von Ulrich bieten.

Der Künstler ist sichtlich zufrieden, „Meine Werke gehören ins Museum“, sagte Ulrich beim Presserundgang vor der offiziellen Eröffnung. Deshalb hat er auch bereits einige Werke von Privatpersonen zurückgekauft, damit sie die Möglichkeit haben wie in Dortmund gesehen zu werden. Für ihn als 80-jähriger sei es wichtig, bereits über den Tod hinaus zu denken. Daher sind Museen der ideale Ort für den künstlerischen Nachlass. Denn „was im Museum ist, bleibt im Museum“, ist Ulrich überzeugt.

Auch wenn das Schaffen von Ulrich nicht in eine Schublade gesteckt werden kann, ist er beeinflusst vom Dadaismus, Konstruktivismus oder Surrealismus.Was auffällt ist, dass er in seinen Werken gerne Sprachspiele benutzt oder Dinge gern beim Namen nimmt. Ein gutes Beispiel dafür ist die Arbeit „Wolf im Schafspelz – Schaf im Wolfspelz“, die bereits 2014 in der Ausstellung „Arche Noah“ zu sehen war. Die Arbeit kostete Ulrich in der Herstellung alleine 45.000 €, denn der Wolfspelz kam aus Kanada und verursachte bereits 10.000 € Kosten. Inzwischen hat das Museum Ostwall diese Arbeit dauerhaft erworben, sie ist in der 4. Etage zu sehen.

Timm Ulrich spielt in seinen Werken gerne mit Doppeldeutigkeiten.
Timm Ulrich spielt in seinen Werken gerne mit Doppeldeutigkeiten.

Auch wenn Ulrich in seinen Werken von der Bildsprache der Bibel inspiriert wird, ist er kein religiöser oder transzendenter Mensch. „Religion ist was für Feiglinge“, so der Künstler. Dennoch beschäftigt ihn sein Ableben, er hat bereits seinen Grabstein auf dem Künstlerfriedhof in Kassel gestaltet. In der Ausstellung ist auch die Arbeit „THE END“ zu sehen. 1981 lässt sich Ulrich wie in den klassischen Filmen „THE END“ auf sein Augenlid tätowieren.

Bekannt ist auch die Arbeit „Ich kann keine Kunst mehr sehen“ von 1975, auf der Ulrich als vermeintlich blinder Besucher über die Kunstausstellung „Art Cologne“ ging. Das war seine Kritik auf die Kommerzialisierung des Kunstmarktes. Das Werk zeigt besonders gut die Doppeldeutigkeit in vielen Arbeiten des Künstlers.

Timm Ulrichs ist 1940 in Berlin geboren und wandte sich nach seinem abgebrochenen Architekturstudium der Kunst zu. Er gründet 1961 die „Werbezentrale für Totalkunst & Banalismus“. Sich selbst erklärt er zum lebenden Kunstwerk. Anfang der 70er Jahre erhält er eine Professur an der Universität Münster als Professor für Bildhauerei und Totalkunst, die er bis 2005 innehatte.




Selber Kunst gestalten

Speziell für Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren bietet die Diplom-Pädagogin Claudia Müller ein kostenfreies Kunstprojekt unter dem Titel „Kunst kennt keine Grenzen“ an.

Wer schon immer mal mit Farben und verschiedenen Materialien Dinge ausprobieren möchte, kann sich
unter Beratung von Künstlerinnen so richtig verwirklichen. Von April bis zu den Sommerferien können die Jugendlichen eigene Porträts und vieles mehr gestalten; mit Abstand und Maske natürlich, bei gutem Wetter auch mal draußen.

Freie Plätze gibt es aktuell mittwochs im Atelier von Anke Droste, Gneisenaustr.30 oder
am Donnerstag im Atelier von Virginia Novarin, Paulinenstr.28.

Bei Interesse können sich die Jugendlichen melden bei Diplom-Pädagogin Claudia Müller unter der Telefonnummer 0160 94634503.

Kreativ werden unter künstlerischer Anleitung ist möglich  bei "Kunst kennt keine Grenzen". (Foto: © Elisabeth Erbe  / pixelio.de)
Kreativ werden unter künstlerischer Anleitung ist möglich bei „Kunst kennt keine Grenzen“. (Foto: © Elisabeth Erbe / pixelio.de)

Das Projekt von BV-Nemo e.V in Kooperation mit lebens.fit e.V., Multikulturelles Forum e.V.
und Chancengleich in Europa e.V. wird gefördert von Kultur macht stark, Bündnisse für Bildung;
Bundesministerium für Bildung und Forschung.




Das Künstlerhaus zeigt “gute Aussichten”

Wenn der Lockdown vorbei ist und die Galerien, Museen und Theater endlich wieder geöffnet haben, dann ist es möglich, in die Ausstellung „gute Aussichten“ ins Dortmunder Künstlerhaus am Sunderweg 1 zu gehen. Dort zeigen acht  junge Fotografinnen und Fotografen ihre Arbeiten. Doch nicht nur klassische Fotografie ist zu sehen. Digitale Arbeiten und Film haben ebenfalls ihren Platz gefunden.

Aus 71 gültigen Einsendungen hat eine neunköpfige Jury sieben Positionen ausgewählt, die zum ersten Mal in Dortmund präsentiert werden. Das Künstlerhaus war schon 2006 Gastgeber sowie 2010 unter dem Titel “Damenwahl”.

Mit Tina Schmidt und Kerry Steen hat die politische Fotografie einen Platz im, Künstlerhaus gefunden. Die beiden Fotografen zeigen die Situation der Jahalin-Beduinen, die gefangen sind in der Westbank und nicht mehr ihr nomadisches Leben weiterführen können. Ihre großformatigen Porträts und Landschaftsbilder sind eindrucksvoll, zeigen sie den Kontrast zwischen einer modernen Großstadt und armseligen Hütten, die im Prinzip bereits vor 4000 Jahren dort stehen könnten.

So in etwa könnte die Hölle aussehen.Robin Hinsch fotografierte brennende Kohlegruben in Indien. (Foto: © Robin Hinsch)
So in etwa könnte die Hölle aussehen.Robin Hinsch fotografierte brennende Kohlegruben in Indien. (Foto: © Robin Hinsch)

Ein Spiel mit der „künstlichen Intelligenz“ (kurz KI) treibt Konstantin Weber. Hier ist es die KI, die eigene Bilder „erschafft“, wobei der Künstler hier als Art Lehrer dient, der die KI anleitet. Denn noch sind künstliche Intelligenzen weit davon entfernt aus eigenem schöpferischen Antrieb zu handeln.

Familienporträts besonderer Art zeigt Jana Ritchie. Sie fotografierte sich, ihre Mutter und ihre beiden Schwestern über zwei Jahre. Herausgekommen sind Bilder, die das traditionelle Familienbild infrage stellen und die Schwierigkeiten alleinerziehender Mütter aufzeigen. Denn auf allen Bildern fehlt der Vater. 

Gleich nebenan im Raum ist der Vater von Leon Billerbeck sehr präsent. Sein Vater leidet an der neurologischen Krankheit Ataxie. Die Ursache dieser Krankheit kann unter anderem an einem kleinen Kopierfehler in den Genen liegen. In seinen Arbeiten versucht er, diesen Kopierfehler zu reproduzieren, in dem er Fotografien durch Scanner und Kopierer jagt und somit ein Endprodukt schafft, dass augenscheinlich nicht mit dem Anfangsbild zu tun hat, aber letztlich doch seinen Ursprung dort hat.

Die Grenzen der Fotografie überschreitet Conrad Veit, denn er präsentiert seinen Film „Blastogenese X“, der auch auf der Berlinale gezeigt wird. Der Schwarz-Weiß-Film erinnert an frühe Surrealisten wie Buñuel der 20er und 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Veits Arbeit ist als Tierdokumentation angelegt, die die Diversität des Lebens feiert.

Im Keller des Künstlerhauses begegnen wir Mythen aus dem Regenwald von Sophie Allerdings unter dem Titel „Leuchtende Augen“. Während in der westlichen Welt die Natur als Objekt wahrgenommen wird, sehen die Ureinwohner des brasilianischen Regenwaldes die Natur als Subjekt. In ihren Bildern tauchen die mythologischen Figuren auf wie der Curupira, der seine Füße nach hinten gedreht hat.

Den Wahnsinn der fossilen Energieerzeugung zeigen die Bilder von Robin Hinsch unter dem Titel „Wahala“. Das Wort „Wahala“ stammt aus dem Nigerianischen und heißt soviel wie „Problem“. Und Probleme erzeugt die Ausbeutung von fossiler Energie eindrücklich. Ob Ölförderung in Nigeria, Tagebau in Deutschland oder – sehr erschreckend – brennende Kohle in Indien, der Abbau dieser Energien erzeugt immense Umweltzerstörung und Gewalt gegen Menschen, die dort leben (müssen).

Die Ausstellung ist im Künstlerhaus bis Ende Mai zu sehen, bis sie nach Koblenz weiterreist. Sollte es mit der Wiedereröffnung noch dauern, könnte der Zeitraum verlängert werden.




Das neue Normal – Verwandlung in der Produzentengalerie 42

Corona hat die Welt verändert. Wer in Zukunft an 2020 zurückdenkt, wird an Masken, Toilettenpapier, Lockdown und eben den Kampf gegen das Virus denken. Gerade für Künstlerinnen und Künstler ist momentan eine schwierige Zeit. Musiker und Schauspieler dürfen nicht auftreten, bildende Künstler können nur mit äußersten Schwierigkeiten ihre Werke zeigen. Die Welt und die Gesellschaft verändern sich, was früher als merkwürdig galt, ist jetzt vielleicht „das neue Normal“ wie es Zukunftsforscher Mathias Horx nannte.

Die Produzentengalerie 42 in der Arneckestraße nimmt den Gedanken von Horx auf und zeigt 2021 sieben Ausstellungen, die sich künstlerisch mit diesem neuen Normal auseinandersetzen. Dazu wurden die siebzehn Dortmunder Künstlerinnen und Künstler, die sich der Produzentengalerie 42 angeschlossen haben, in Gruppen aufgeteilt. Den Anfang machen Annelie Sonntag, Claudia Terlunen, Ulla Kallert und Marika Bergmann. Sie zeigen bis zum 14.02.21 Arbeiten unter dem Titel „Verwandlung“.

Die Arbeiten von Claudia Terlunen sind organisch. Es scheint so, als ob es verschiedene Wachstumsstadien gäbe. Sie präsentiert Malerei und Objekte, die sich mit Mutationen und Metamorphosen beschäftigen. Ihre Objekte faszinieren mit eindrucksvollem Schattenspiel.

Marika Bergmann (rechts) und Claudia Terlunen beim Umhängen der beiden Arbeiten "Schwanensee/Schwarz" von Bergmann.
Marika Bergmann (rechts) und Claudia Terlunen beim Umhängen der beiden Arbeiten „Schwanensee/Schwarz“ von Bergmann.

Im Mittelpunkt der Werke von Annelie Sonntag stehen Menschen. In der Mischung zwischen Abstraktion und Realität liegt die besondere Wirkung auf den Betrachter. In der Arbeit „Schmetterlingsfrau“ zeigt sie mit einfachen Pinselstrichen den Weg zur Verwandlung.

Für Ulla Kallert ist die Pandemie auch ein Weg zu sagen: „Aufhören! Wir müssen neu denken.“ Für den neuen „goldenen Weg“ müssen aber alte Wege durch Feuer absterben. Im Gegensatz dazu repräsentieren ihre Skulpturen aus Papier und Stein den Neubeginn mit der reinen Farbe Weiß.

Marika Bergmann setzt ihre Arbeiten „Feuerspiel“ und „Wasserspiel“ in Beziehung zu den Werken von Kallert. Daneben präsentiert sie mit „Schwanensee/Schwarz I“ und „Schwanensee/Schwarz II“ gleich zwei großformatige Werke, die sich mit der Verwandlung Schwan/Schwimmerin beschäftigen.

Da wegen des Lockdowns keine normalen Besuchszeiten in der Galerie möglich sind, können Besucher einen Einzeltermin vereinbaren unter der Internetadresse www.kunstimkreuzviertel.de. Ansonsten bleibt nur die Möglichkeit, die Arbeiten der vier Künstlerinnen durch die Schaufenster zu betrachten.




Vielschichtige Musik an der Grenze zwischen Jazz und Ambient

Das zweite Album des Dortmunder Trios „About Aphrodite“ mit dem Titel „Future Memories“ ist Ende Oktober erschienen. Auch wenn es vielleicht unter dem Genre „Contemporary Jazz“ eingeordnet wird, ist es doch viel mehr. Die Gruppe zeichnet sich wie schon beim Debut „Polaris“ durch starke Ambient-Elemente aus, hinzu kommen Bezüge aus der Klassik und Filmmusik.

Das Trio besteht aus Gilda Razani, die vor allem Theremin und Sopransaxophon spielt sowie das Instrument „The Pipe“, das eine Art Synthesizer ist, der mit dem Mund gespielt wird. Hinzu kommt Hans Wanning, der Klavier und Synthesizer spielt sowie Jaime Moraga Vasques am Schlagzeug.

Die Songs auf „Future Memories“ sind offensichtlich durch die Klimadiskussionen der vergangenen Jahre inspiriert, doch manche Lieder wie „Seclusion“ lassen auch auf einen Weltraumtrip hindeuten. Das ganze Album ist sowieso sehr vielschichtig, der Klangteppich lädt dazu ein, die Lieder öfter zu hören, denn dann fallen dem Hörer wieder ein paar neue Klänge auf.

"About Aphrodite" sind (v.l.n.r.) Hans Wanning, Gilda Razani und Jaime Moraga Vasques (Foto: © About Aphrodite)
„About Aphrodite“ sind (v.l.n.r.) Hans Wanning, Gilda Razani und Jaime Moraga Vasques (Foto: © About Aphrodite)

Den Beginn macht „Protection zone“. Hier beginnt das Klavier mit serieller Musik, gefolgt von einem hypnotischen Saxophon, Naturgeräusche erklingen, scheinbar entführt uns die Musik in ein unbekanntes verborgenes Land. Ruhige Phasen wechseln sich mit rhythmischen ab.

Der folgende Titel „Seclusion“ wirkt etwas technischer vom Sound. Hier geht die Reise möglicherweise ins Weltall, das Theremin erschafft einen sphärischen Sound, ideal zum Entdecken fremder Welten.

Bei „Reflector“ erkennt man am deutlichsten, dass es sich um ein Jazz-Trio handelt. Jazz-Rhythmen dominieren, aber immer noch ist der typische, unverwechselbare Sound von „About Aphrodite“ im Vordergrund. Der längste Track des Albums,

Mit „Last Resources“ ist wieder ein Umweltthema im Mittelpunkt. Das klagendes Theremin und die langsamen Klavier-Akkorde haben etwas melancholisches an sich, im Laufe des Stückes nimmt die Dynamik und Dramatik zu.

Was ist das Gegenteil von künstlicher Intelligenz? „Artificial Stupidity“. Mit tanzbarem Offbeat und Theremin überrascht das Trio den Hörer, es wird in der Mitte kurz wild und verrückt. Der Song könnte auch gut in einem Club gespielt werden. Mein Lieblingsstück auf dem Album.

Nach dem Offbeat Ausflug geht es mit „Future Memories“ zurück zum Jazz. Ein Loop von einer Art Orgel, Saxophon im Mittelpunkt, schöne langsame Steigerung des Tempos gegen Ende des Songs.

„Way out“ wieder sehr technisch, mit einem warmes Saxophon. Das Stück wird mit Minute zu Minute vielschichtiger vom Sound. Es könnte die Musik für das Ende von einem Film sein.

„Future memories“ ist ein wundervolles Album, ein gelungener Genre-Mix aus Jazz, Ambient und anderen Inspirationsquellen. Es lohnt sich, die Songs wegen ihrer Vielschichtigkeit öfter zu hören.