Ödipus meets Fargo auf dem Mars

Wild ging es her auf der Studiobühne am 16. Dezember 2021. Denn die Premiere von „Ödipus auf dem Mars“ war ein besonderer Ritt von eines der ältesten Sagen hin zu aktuellen Raumfahrplänen von Milliardären. Die Inszenierung von Florian Hein brachte Erinnerungen an die Zeit von Kay Voges zurück.

Ödipus ist sicher eine der ältesten Sagen der Welt. Kurz gesagt, ein Mann, der seinen Vater tötet und seine Mutter heiratet. Vorher überlistet er die Sphinx. Angeblich soll die Geschichte aus dem alten Ägypten stammen, wo Inzest in der Herrscherfamilie ja nicht unbekannt war. Beispielsweise waren Tutenchamuns Eltern Geschwister. Sigmund Freud hat Ödipus in seinen Ödipuskomplex verwurstet.

Lola Fuchs, Christopher Heisler und Linda Elsner bei "Ödipus auf dem Mars" (Foto: © Birgit Hupfeld)
Lola Fuchs, Christopher Heisler und Linda Elsner bei „Ödipus auf dem Mars“ (Foto: © Birgit Hupfeld)

Und was hat das mit dem Ödipus zu tun? Nun, zunächst begrüßte uns Peggy, aus der zweiten Staffel von „Fargo“, die zu verheimlichen versucht, dass sie einen Menschen überfahren hat und ihren Mann als Alibi benötigt.

Danach verwandelte sich die Szenerie. Im Studio stand eine große Box, in der die drei SchauspielerInnen Linda Elsner, Lola Fuchs und Christopher Heisler, als weiß gekleidete Damen auf ihre Therapiesitzung warteten (Freud!). Zu Beginn wurde noch über die Städtische Theaterkultur debattiert, ein kleiner Seitenhieb auf sich selbst und die Rolle des Theaters in der Stadtgesellschaft.

Zwischendurch trat der Sprechchor auf (in Schwarz) und brachte die Handlung mit Ödipus nach vorne. Das Ende spielte auf dem Mars und gehörte der Grafiknovel „Watchmen“.

Für Liebhaber griechischer Tragödien wird dieser Abend sicher nichts. Doch wer Spaß an einer leicht abgedrehten Stückentwicklung hat, von der Verwandlung von antiken Helden in moderne Superhelden, von Schauspielern auf der Bühne, von gefilmten hinter Bühne und vom Dortmunder Sprechchor, sollte sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen. Auch wenn wir zu Beginn gewarnt wurden, der Humor kommt in den 90 Minuten definitiv nicht zu kurz.




Game of Thrones bei den Merowingern

Es war wild damals, in der Zeit zwischen Antike und Mittelalter, als das Römische Reich verschwand und die neuen germanischen Herrscher erst einmal das Machtvakuum füllen mussten. Die Franken herrschten über den größten Teil des heutigen Frankreichs, Westdeutschland (mit Ausnahme Norddeutschland) sowie dem heutigen Österreich und der Schweiz. Die Merowinger waren ein Herrschergeschlecht, das vom 5. Jahrhundert bis 751 die Königswürde innehatten.

Die Oper „Frédégonde“ spielt in der Zeit, als das Frankenreich in verschiedene Teilreiche aufgesplittet war, wobei die wichtigsten Austrasien und Neustrien waren. Die Oper handelt von den Machtintrigen ebenjener Frédégonde sowie ihrer Erzfeindin Brunhilda. Frédégonde hatte sich von einer Konkubine zur Ehefrau von König Chilperich von Neustrien („Hilpéric“ in der Oper) hochgearbeitet. Brunhilda war mit dem Halbbruder von Chiperich, König Sigibert, verheiratet, dem König von Austrasien. Den ließ Frédégonde ermorden, da er militärisch überlegen war. So gehört der Sieg Hilpéric, der die besiegte Brunhilda nun von seinem Sohn Mérowig in ein Kloster schicken lässt. Doch Mérowig verliebt sich in Brunhilda und die beiden heiraten. Das kann Frédégonde nicht akzeptieren und versucht die beiden zu vernichten.

Kampf zweier Königinnen Anna Sohn (Brunhilda), Hyona Kim (Frédégonde). Foto: © Björn Hickmann, Stage Picture)
Kampf zweier Königinnen Anna Sohn (Brunhilda), Hyona Kim (Frédégonde). Foto: © Björn Hickmann, Stage Picture)

Der Besuch am 27. November 2021 war ein ungewöhnlicher. Denn im Parkett saß niemand, alle Zuschauer mussten in die Logenplätze, denn das Parkett war dem Chor vorbehalten. Darüber hinaus wurde das Geschehen parallel per Film über eine Leinwand gezeigt und auf der Bühne live gesungen. So konnte noch etwas mehr Dramatik aus dem spannenden Stoff geschaffen werden.

Ein wesentliches Merkmal der Inszenierung von Marie-Eve Signeyrole war die Metapher des Schachspiels. Auch wenn den Merowingern Schach vermutlich unbekannt war, es gelangte erst ab dem 9. Jahrhundert ins abendländische Europa, bieten die Züge zwischen Frédégonde und Brunhilda eine willkomene Visualisierung der Intrigen.

Die Oper wurde 1895 aufgeführt und verantwortlich dafür waren nicht nur die beiden Herren Ernest Guiraud und Camille Saint-Saëns, auch Paul Dukas orchestrierte noch einige Skizzen der Oper. Dadurch spürt man natürlich etwas die „Ungleichheit“ in der Musik, doch die Mischung zwischen französischer Romantik und Wagnerisch anmutenden Klängen macht den Reiz aus. Nach nur neun Aufführungen verschwand die Oper, bis die Oper Dortmund den Schatz wieder hob. In den Händen von Motonri Kobayashi und den Dortmunder Philharmonikern konnte die Oper wieder erklingen.

Mag die Inszenierung auch noch so fesselnd sein, bei einer Oper sind natürlich die Stimmen entscheidend. DA hatte Regisseurin Marie-Eve Signeyrole ein gutes Händchen. Hyona Kim (Frédégonde) singt ihre Titelfigur mit kalter entschlossener Skrupellosigkeit, die gnadenlos ihre Ränke schmiedet. Dagegen hat Anna Sohn als „Brunhilda“ auch romantische Szenen mit dem ebenfalls gut aufgelegten Sergey Romanovsky als „Mérowig“.

In den Nebenrollen konnte Dennis Velev als Kleriker Prétextat Akzente setzen, dessen Verzweiflung spürbar wurde, ob er nun zum König Hilperíc oder zu seinem Sohn Mérowig halten soll.

Die Opernfans sollten sich den Mail 2022 vormerken, denn am 07. und am 22. Mai 2022 wird „Frédégonde“ wieder ihre Strippen ziehen und ihre Schachkunst zeigen.




Ein Land, zwei Systeme – Fotoausstellung zu Hongkong

Die britische Kronkolonie Hongkong wurde 1997 an China zurückgegeben. Das Versprechen war, Hongkong in eine Sonderverwaltungszone umzuwandeln, mit einem hohen Maß an Autonomie. Doch bald fing die VR China an, diese Autonomie zu untergraben, was 2014 zur Regenschirmbewegung und 2019 zu Massenprotesten führte. Das Künstlerhaus Dortmund zeigt vom 11. Dezember 2021 bis zum 23. Januar 2022 die Ausstellung „One country – two images“. Neun Fotografinnen und Fotografen zeigen persönliche Ansichten aus Hongkong und natürlich auch Bilder der politischen Bewegungen.

Es machen mit Pierfrancesco Celada, Volker Heinze, Sabine an Huef, Marc Pearson, South Ho Siu Nam, Roman Wilhelm, Michael Wolf, Paul Yeung und Vincent Yu. Pearson, der eigentlich Investmentbanker ist, hat eine Fotoserie über übermalte Parolen gemacht. Die Wände oder andere Orte bekommen durch das Übermalen wieder eine ganz andere Ästhetik. Celada nahm die „Instagram-Pier“ ins Visier und fotografierte Menschen, die den Ort nutzen, um sich auf Instagram zu inszenieren.

Natürlich gibt es auch Fotos über die Proteste 2019, die zeigen, dass der Protest von einem Querschnitt der Bevölkerung getragen wird, da laufen bei Demonstrationen Banker neben Studenten.

Eine Assemblage zeigt Sabine an Huef, die sich mit der Shanzai-Philosophie beschäftigt hat. In der westlichen Welt wird das Kopieren ja verdammt, aber in anderen Kulturen gilt das Nachmachen als durchaus positiv. Denn erst, wenn man etwas exakt kopiert hat, kann man sich daranmachen, es zu verbessern.

Zusätzlich präsentiert die Ausstellung 29 Fotobücher über Hongkong, davon allein 17 vom verstorbenen Fotografen Michael Wolf.

Die Fotoausstellung ist für alle spannend, die sich mit der politischen Situation in Hongkong etwas auseinandersetzen wollen oder einfach einen anderen Blick auf die Stadt und die Menschen bekommen möchten. Passend dazu stehen bei den Arbeiten Zitaten, die den kulturellen Kontext und die besondere Identität zu beschreiben und zu unterstützen versuchen.

Öffnungszeiten der Ausstellungen (wenn nicht anders angegeben): Donnerstag – Sonntag 16 – 19 Uhr. Bitte beachten Sie: Das Künstlerhaus ist vom 23.12.21 bis 5.1.22 geschlossen.




Heldenabend beim LesArt.Festival

Am 05. November 2021 präsentierten Studentinnen und Studenten des Fachbereichs Kulturwissenschaften der TU Dortmund wieder den Held*innen-Abend
mit Künstler*innen, Dichter*innen und Poetry-Slammer*innen im Fletch Bizzel.

Das Thema in diesem Jahr hieß »Neue Welt – Zwischen Utopie, Dystopie und Realität.« Und so war es nicht verwunderlich, dass sich einige Beiträge um das Thema Umweltzerstörung drehten. Manches war gut gemeint und gut vorgetragen, wie beispielsweise von Lisa Brück, aber weniger Betroffenheitslyrik wäre nicht verkehrt gewesen, auch wenn das Thema natürlich prädestiniert ist, seine dystopischen Gedanken freien Lauf zu lassen. Stand-up-Comedian Florian Weber brachte treffend auf den Punkt: „Ich darf mich nicht verkleiden, aber Poetry-Slammer*innen dürfen sich als sozialkritische Mittelstandskinder verkleiden“.

.Studierende der TU Dortmund organisierten erneut einen bunten Abend mit Künstlerinnen und Künstlern aus der Region im Rahmen des LesArt.Festivals.
.Studierende der TU Dortmund organisierten erneut einen bunten Abend mit Künstlerinnen und Künstlern aus der Region im Rahmen des LesArt.Festivals.

Ein anderes Thema – nämlich „loslassen“ behandelten Elena Rosenberg und Immanuel Mummelthaler auf sehr ruhige Weise. Mummenthaler spielte Klavier und Rosenberg sang einen jazzigen Song. Eine andere Teilnehmerin, Felina Goos, zeigte neben ihrem Textbeitrag auch einen Film. Zudem hingen im Theatersaal des Fletch Bizzels einige Arbeiten der Künstlerin Inga-Maria Glahn.

Ein gut organisierter Abend, der von den Studierenden professionell organisiert und durchgeführt wurde.




Publikumsbelobigung im Haus Schulte-Witten

Am 11.11.21 lud artscenico im Rahmen von „Brennschärfe X“ zur Veranstaltung „Irgendjemand zu Gast“. Ein buntes Programm mit Publikumsbelobigung und anderen Behauptungen.

Sascha von Zambelly, Stefanie Winner, Elisabeth Pleß und Matthias Hecht präsentierten ein Kaleidoskop von Ideen und kleinen Stücken, was die Vielseitigkeit der Theatergruppe um Rolf Dennemann unterstreicht. Dabei wurde das Erdgeschoss des ehrwürdigen Schulte-Witten Hauses ausgenutzt.

Das Ensemble von artscenico bot einen kleinen bunten Abend in der Veranstaltungsreihe Brennschärfe X
Das Ensemble von artscenico bot einen kleinen bunten Abend in der Veranstaltungsreihe Brennschärfe X

Zunächst war ein Videoabend angesetzt. Insgesamt fünf kleine Tutorials auf Youtube zum Thema „Tipps für Schauspieler“. Hier spielt artscenico ironisch mit der „Tutorial-Kultur“ im Internet, indem sie das Thema (z. B. Arbeiten mit der Kamera“ konterkariert.

Danach ging es für die Besucher in einen weiteren Raum. Die vier Akteure standen gekleidet in grauen Anzügen und schwarzen Pullovern und deklamierten feierlich eine umgekehrte Version der Publikumsbeschimpfung von Peter Handke.

Danach ging die Tour weiter. Elisabeth Pleß erzählte das Märchen vom „eigensinnigen Kind“ und nach einem kurzen Rundgang durch die Räume saßen wir alle wieder auf unseren Ursprungsplätzen. Matthias Hecht verwandelte sich in den Versicherungsvertreter Lohmann. Ein Vorgeschmack auf den 26.11.21, ein Abend der Matthias Hecht und seinem Alter Ego Herrn Lohmann gewidmet war.

Zum Schluss gab Rolf Dennemann noch einen Ausblick auf seinen Abend „Ich zu Gast bei mir“, der am 12.11.stattfand.

Ein Potpourri aus Ideen, Fragmenten und Programmen der Theatergruppe, die ihre Vielseitigkeit, ihren Witz und ihren Humor präsentierten. Der Abend hätte deutlich mehr Besucher verdient.




Viviane de Farias – brasilianisches Temperament im Reinoldihaus

Am 26. November 2021 entführte uns die Sängerin Viviane de Farias mit Samba und Bossanova in ihre brasilianische Heimat. Angereichert mit etwas Jazz sang sie über Einsamkeit, Glück, Sonnenaufgänge und mehr in ihrem Konzert im Rahmen des Festivals Klangvokal.

Brasilianische Rhythmen und jazzige Improvisationen sind das Markenzeichen von Viviane De Farias. Zusammen mit ihren Mitmusikern Dudu Penz am Bass, Mauro Martins am Schlagzeug sowie Tizian Jost am Piano sang De Farias über die kleinen und großen Sehnsüchte der Menschen am Zuckerhut.

Viviane De Farias brachte brasilianische Rhythmen nach Dortmund. (Foto: © Bülent Kirschbaum)
Viviane De Farias brachte brasilianische Rhythmen nach Dortmund. (Foto: © Bülent Kirschbaum)

Erfreulich war, dass die Sängerin die Texte ihrer Lieder kurz erklärte, meist die ersten Zeilen übersetzte, sodass sich das Publikum besser in die Stimmung hineinversetzen konnte. Und diese Stimmung war mal ausgelassen, mal erfüllt von der typischen Saudade, wie er wohl nur in portugiesischen Ländern zu Hause ist. Dabei vergaß Viviane De Farias nie das Rhythmusgefühl, die „Ginga“.

Nach zwölf Liedern war das Konzert leider schon vorbei, aber als Zugabe gab es mit „Somewhere over the rainbow“ in einer für Viviane De Farias typischen jazzigen Sambaversion.




Sophie Junker – Entführung in die Barockzeit

Es gibt doch Orte, mit denen man in die Zeit zurückreisen kann. Dieser Ort war am 21. November 2021 der Reinoldisaal in Dortmund. An diesem Ort entführte uns Sophie Junker und das Ensemble „Le concert de L’hostel dieu“ im Rahmen des Festivals Klangvokal nach London in die Mitte des 18. Jahrhunderts. Dort feierte Georg Friedrich Händel seine Erfolge und der Komponist hatte mit Élisabeth Duparc eine großartige Sängerin an seiner Seite. Sophie Junker erweckte sie wieder zum Leben.

Bereits die erste Arie „Nasconde l’usignol‘ in altui rami Il Nido“ aus „Deidamia“ zeigte die Fähigkeiten von Junker. Glasklar und mit kraftvoller Dynamik ließ sie die Nachtigall erklingen. Der Funke zum Publikum sprang sofort über.

Danach wurde es etwas sentimental, gar klagend und melancholisch. Anscheinend war Junker und dem Ensemble bewusst, dass der 21.11. 2021 der Totensonntag war. In „My father! Ah!“ aus dem Oratorium „Hercules“ trauert Iolo um ihren Vater, in „In sweetest harmony they lived“ trauert das Volk Israel um Saul und Jonathan.

Hymnischer und fröhlicher ging es in „What passion cannot music raise and quell“ aus der „Ode to St. Cecilia’s day“. Auch in den beiden abschließenden Stücken „Endless pleasures“ („Semele“) und „Và perfido! Quel cor MI tradirà“ („Deidamia“ zeigte Junker ihr ganzes Können.

Selbstverständlich konnte auch das zehnköpfige Ensemble „Le concert de l’hostel dieu“ glänzen. Beinahe abwechselnd Instrumentalmusik und Arien, trugen die Musiker ebenfalls dazu bei, sich wie in der Barockzeit zu fühlen. Neben Musik von Händel spielten sie auch Händels Zeitgenossen Charles Avison.

Nach der Zugabe „Mi parto lieta sulla Tua fede“ aus der Oper „Faramondo“ entließen uns die Musiker in die kalte Wirklichkeit des 21. Jahrhunderts. Ein außergewöhnlicher Abend mit einer außergewöhnlichen Stimme und ausgezeichneten Musikern.

Sophie Junker brachte den Zauber von Händels Barockmusik nach Dortmund. (Foto: © Bülent Kirschbaum)
Sophie Junker brachte den Zauber von Händels Barockmusik nach Dortmund. (Foto: © Bülent Kirschbaum)



Die Bürgschaft – Kurz-Oper in der DASA

Friedrich Schillers Ballade um Treue und Freundschaft „Die Bürgschaft“ war das zentrale Element des neuen Bürgeroper-Projektes We DO Opera. Der Ort der Premiere war ein sehr ungewöhnlicher: Die DASA in Dorstfeld. Ein Premierenbericht vom 21. November 2021.

Der Ort der Premiere war ein großer Raum, voll mit Relikten aus der Stahlzeit von Dortmund. Währenddessen führt uns der Text von Schiller in die Antike. Denn Schillers Gedicht beruht auf eine Erzählung aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. und spielt in Syrakus.

Dave Ivanov (Tyrann), Anna Schmalenbach (Damon), Ensemble (Foto: © Björn Hickmann, Stage Picture)
Dave Ivanov (Tyrann), Anna Schmalenbach (Damon), Ensemble (Foto: © Björn Hickmann, Stage Picture)

Damit jeder Besuchende auf dem Stand ist, wurde die Ballade zu Beginn von verschiedenen Sprechern vorgelesen. Dann erst traten die Mitwirkenden auf. Die meisten trugen graue Kleidung, was das ganze etwas dystopisch wirken ließ Kostüme von Anna Hörling). Nur der Tyrann war anders gekleidet. Um Damon (so der Held bei Schiller) und seinen Freund erkennbar zu machen, hatten sie sich rote Schals um den Arm gewickelt. Als möglicher Kreuzigungsort wurde ein großer Kasten benutzt. Zusätzlich wurden per Projektion antike Stadtmauen, ein Wald (wegen der Räuberszene) oder eine Wüste (wegen Durst).

In der etwa 45 Minuten Oper wurde die Ballade – vertont von Thierry Tidrow – in verschiedenen Szenen aufgeführt. Die Musik war zeitgenössisch modern, das Orchester besaß aber eine Santur-Gruppe sowie eine Bağlama-Gruppe, sodass die Musik einen orientalischen Touch bekam.

Gesungen wurde natürlich auch, natürlich keine komplizierten Arien, aber sowohl der Tyrann, als auch Damon machten ihre Sache sehr gut, das Gleiche gilt für die Mitglieder, die im Chor sangen und die Szenen nachstellten.

Ein guter Weg, Menschen in die Oper zu locken, die vielleicht von der Länge einer Oper eher zurückschrecken. Die Länge entsprach einer Folge einer Netflix-Serie und ist daher für Generation Streaming sehr gut geeignet.

Mehr Informationen unter www.theaterdo.de




Emerging Artists – Ausstellung und praktische Hilfe

Die vierte Ausgabe der zweijährlich stattfindenden Veranstaltung „Emerging artists“ zeigt nicht nur Arbeiten von acht Künstlerinnen und Künstlern, sondern hat auch ein interessantes Rahmenprogramm mit Seminaren, die jungen Kunstschaffenden den Start ins Berufsleben vereinfachen sollen. Die Ausstellung läuft vom 27.11.21 bis zum 13.02.22 in der UZWEI im Dortmunder U.

Neben den Seminaren stehen natürlich die Künstlerinnen und Künstler im Mittelpunkt. Um diese auch gut zu präsentieren, wird für jede Ausgab von Emerging Artists ein neues grafisches und szenografisches Konzept von Studierenden entwickelt. Für die Szenografie waren Ins Meyer und Lara König zuständig. Jede Künstlerin oder Künstler hat in der UZWEI einen eigenen Raum, getrennt durch transparente Rasterfolie.

Künstlerinnen und Künstler, Organisatorinnen und Organisatoren und weitere Altive von EMERGING ARTISTS in der UZWEI. (Foto: © Monika Hanfland)
Künstlerinnen und Künstler, Organisatorinnen und Organisatoren und weitere Altive von EMERGING ARTISTS in der UZWEI. (Foto: © Monika Hanfland)

In den Arbeiten von Sophia Weber werden die Auswirkungen von Krieg und der Technologie kritisch hinterfragt. Beispielsweise eine Drohne, die einerseits als sinnvolles Spielzeug für Landschaftsfotografie benutzt werden, aber auch dazu, um Leute zu töten. In der anderen Arbeit, einem Buchprojekt, werden Bilder von Verletzungen für 1. Hilfe Schulungen als Symbol für Kriegsverletzungen benutzt.

Die Malerei von Lucia Danieleit ist auf das Wesentliche reduziert und spielt mit Kitsch und Geschmack, sodass eine Art Parallelwelt sichtbar wird. Die Darstellungen in ihren Arbeiten scheinen irgendwie nicht möglich zu sein, oder vielleicht aber doch. Das muss der Betrachtende entscheiden. Generell interessiere sie sich für Menschen, so die Künstlerin.

Die fotografische Serie „Asking For The Sun“ von Steven Natusch entstand während eines mehrmonatigen Aufenthalts in Portugal. Den Bildern zeigen eine gewisse Nostalgie, eine Schwermut, die für Portugal typisch ist und dort Saudade genannt wird. Seine Fotos wirken wie lyrische Gedichte und sind offen assoziativ.

Lisa Grätsch arbeitet mit dem iPad. In ihren Arbeiten verbindet sie die Themen Erinnerung und die Mutter-Tochter-Beziehung. Die Werke sind collagenhaft, zeigen das Dilemma der Authentiziät und Fiktion. Denn können wir uns wirklich auf unsere Erinnerungen verlassen oder werden sie korrumpiert?

Mit Blender erschafft Philipp Hermeling virtuelle Welten, in der ein kleines Baby im Mittelpunkt steht. Obwohl die grafische Darstellung sehr genau ist, bleibt es für den betrachtenden etwas distanziert. Der „cuteness“ des Babys scheint noch etwas zu fehlen, die Illusion scheint nicht ganz perfekt.

Die Arbeiten von David Mellin befinden sich an der Schwelle zwischen digitaler Malerei und traditioneller Tafelbildmalerei. Eingescannte Malspuren dienen als Vorlage zur weiteren Bearbeitung mit selbstgemachten Farben. Dieses Spiel mit den Sehgewohnheit wird besonders deutlich, wenn die Bilder einen spiegelnden Effekt besitzen wie bei einem Display und sogar die typischen Kratzer aufweisen.

Alesha Klein ist Bildhauerin, deren Arbeiten von der Natur inspiriert sind. Sei es das Material selbst wie Schiefer oder Stahl oder die Abformung in Stuckmarmor. In ihrem ausgestellten Werk ist eine dezente Soundcollage gearbeitet, die der Arbeit eine weitere Dimension verleiht.

Constantin Grolig interessiert sich für die Materialbeschaffenheit und die Möglichkeiten der Formgebung. Seine Bildmotive sind von einer nebulösen Atmosphäre durchdrungen, sie zeigen beispielsweise die künstliche Lichtarchitektur des Stadtraums bei menschlicher Abwesenheit.

Zu der Ausstellung sind Postkarten zu den Künstlern erschienen sowie ein Flyer zum Begleitprogramm. Das Begleitprogramm ist offen für alle Interessierten. Aber eine Anmeldung ist verpflichtend. Informationen dazu gibt es auf der Internetseite www.emerging-artists.com




Arepas oder Currywurst – Leben zwischen zwei Welten

Die komplizierten und emotionalen Themen Integration und Einwanderung standen im Mittelpunkt des Programms „Arepas oder Currywurst“, das am 19. November 2021 im Fletch Bizzel aufgeführt wurde. Auf die Bühne gebracht wurde es von der Theatergruppe „Dali Moustache“.

Die Rahmenhandlung des Stückes ist eine Art südamerikanische „Telenovela“, die sich „Gudrun“ (Lore Duwe-Sherwat) am liebsten anschaut und auch an und an das gesehen auf der Bühne mit spitzer Zunge kommentiert. Die Telenovela handelt von den Erlebnissen eines venezolanischen Paares, das nach Deutschland auswandert. Carlota (Cynthia Scholz) ist Schauspielerin und Diego (Chino Monagas) ist Musiker. Wie in einer Soap-Opera gibt es verschiedene „Folgen“.

Mit bayerischer Volksmusik haben die beiden venezolanischen Neuankömmlinge Diego ( Chino Monagas) und Carlota (Cynthia Scholz) in Köln wenig Erfolg. (Foto:© Guntram Walter 2021)
Mit bayerischer Volksmusik haben die beiden venezolanischen Neuankömmlinge Diego ( Chino Monagas) und Carlota (Cynthia Scholz) in Köln wenig Erfolg. (Foto:© Guntram Walter 2021)

Besonders gut gemacht ist der Introfilm in einer Art Comic-Style, der ein wenig an das Intro von „Die Nanny“ erinnert. Zusätzlich gibt es Projektionen und 3D-Animationen.

Gleich zu Beginn wird schnell deutlich, dass sich Diego mit dem neuen Leben in Deutschland schwertut. Die Anpassung fällt ihm schwer, die neue Sprache, das kalte Land. Carlota hingegen ist der optimistischer Part, sie will schnell die Sprache lernen, sieht die Vorzüge des neuen Landes und will sich integrieren. Sie hat es auch leichter, da ihre Mutter schon in Köln lebt.

Auch arbeitstechnisch läuft es für das Paar eher schlecht. Auf der Kölner Domplatte ist die Akzeptanz für venezolanischen Volksmusik eher gering und als sie sich später als Bayern verkleiden, macht es die Sache nicht einfacher. Diego kapselt sich mehr und mehr ab und fliegt dann zurück nach Venezuela, obwohl sich das Land im Chaos befindet. Carlota hingegen wird für ihre Mühen irgendwann belohnt und bekommt eine eigene Fernsehshow, in der sie südamerikanische Musik vorstellt. Letztendlich kommt es dann auch zu einem Wiedersehen mit Diego.

Da Monagas und Scholz tatsächlich aus Venezuela stammen, macht das die Geschichte noch spannender, denn einiges, was in „Arepas oder Currywurst“ vorkommt, werden sie selbst erlebt haben. Einerseits der Wunsch nach Integration, andererseits die Wehmut zur Heimat. Der Spagat zwischen zwei Ländern zu leben, kann manche Menschen zerrissen. So wie bei Diego, der es in Deutschland nicht mehr aushält und nach Venezuela zurückkehrt, obwohl dort Chaos herrscht.

Etwas Schade fand ich, dass der Sohn, der im Comic-Intro noch dabei war, keine Rolle mehr spielte. Es wäre spannend zu erfahren, was ihm als Jugendlicher in seiner neuen Heimat so passiert.

Ein besonderer Gimmick war das Ende, denn die Band, die Carlota präsentierte, La Banda Rupo, spielte live neben der Bühne. Salsa. Natürlich stürmte das Publikum die freie Fläche, um dort zu tanzen. Das Stück war auf Spanisch und auf Deutsch, die jeweils andere Sprache wurde oben eingeblendet, sodass jeder dem Stück vollkommen folgen konnte.

Insgesamt ein wirklich gelungener Abend. Das Stück gibt einen Einblick in die Gefühlswelt von Migranten, die ihre Heimat verlassen haben und sich in Der neuen Heimat zurechtfinden müssen und dabei viel Frust erfahren. Die Welt wäre ideal, wenn man sich nicht entscheiden müsste zwischen Arepas (Maisfladen) Oder Currywurst, sondern die Möglichkeit besitzt, beides haben zu können.