Katzenjammer Kids – Ausstellung zum ältesten Comic der Welt

Die aktuelle Ausstellung im Dortmunder schauraum: comic + cartoon führt zurück in die Geburtsjahre des modernen Comics, in das New York des Jahres 1897: „125 Jahre Katzenjammer Kids – Der älteste und längste Comic der Geschichte“ ist vom 19. November bis 10. April 2023 zu sehen. Eröffnet wird die Katzenjammer-Schau am 18. November, 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.



Wer den modernen Comic erfunden hat, ist unter Experten umstritten. War es „Yellow Kid“ von Richard Felton Outcault? Dr. Alexander Braun, der die Ausstellung auch kuratiert hat, ist der Meinung, dass die „Katzenjammer Kids“ der älteste echte moderne Comic ist, denn sie haben gleichbleibende Figuren wie den „Captain“. Da sie auch in Skandinavien noch gedruckt werden, ist es der älteste noch existierende Comic.

Die „Katzenjammer Kids“ haben einen deutschen Vater: Rudolph Dirks, dessen Familie 1882 beschloss nach Amerika auszuwandern. Dirks profitierte als Zeichner vom Zeitungskrieg zwischen Randolph Hearst und Joseph Pulitzer in New York. Er verdiente mit seinen „Katzenjammer Kids“ ein Vermögen.

Die Protagonisten der „Katzenjammer Kids“ sprachen ein deutsch-englisches Kauderwelsch, was typisch war für die große Zahl deutscher Einwanderer in den USA. Die Grundidee von Hearst war, ein Comic zu entwickeln, was ähnlich war wie „Max und Moritz“. Doch Hans und Fritz, wie die beiden Zwillinge hießen, waren rebellischer und anarchischer als ihre Vorbilder. Kein moralisierender Hintergedanke, die reine Unterhaltung stand im Mittelpunkt. Die Geschichte der Brüder Dirks um 1900 ist auch die Geschichte einer kapitalistischen Welt im Umbruch: Die Massenmedien entstehen, die ersten Anzeichen einer „Freizeit-Gesellschaft“ sind zu erkennen, und in der Technik herrscht die Aufbruchsstimmung eines „Anything goes“: Automobile verdrängen die Kutsche, und in abgedunkelten Räumen flimmern die ersten Filme über die Leinwand.  

Auch sein jüngerer Bruder Gus wurde erfolgreicher Comic-Zeichner. Leider nahm er sich mit 23 Jahren 1902 das Leben.

Die Ausstellung würdigt die Arbeit beider Brüder, zeigt einige Stücke aus dem Leben deutscher Auswanderer Anfang des 20. Jahrhunderts, stellt Rudolph Dirks als Ölmaler vor und präsentiert natürlich sehr viel „Katzenjammer Kids“.

Zur Ausstellung erscheint im avant-verlag, Berlin Mitte Dezember die erste umfangreiche Monographie zu Leben und Werk der Brüder Dirks. Präsentiert wird das Buch in einem Kuratoren-Gespräch am Sonntag, 11. Dezember, 18 Uhr.
Führungen durch die Ausstellung gibt es an jedem ersten Donnerstag im Monat um 18 Uhr sowie an jedem Sonntag um 13 Uhr.




Wehmütiger Abschied – Ten years after

Vor zehn Jahren begann eine fruchtbare Zusammenarbeit zwischen den vier Dortmunder Künstlerverbänden und der BIG-Versicherung zurück. In der Dortmunder BIG-gallery -im lichtdurchfluteten Foyer- fanden sehr spannende, auch überregional beachtete Ausstellungen statt. Doch diese Geschichte geht zu Ende. Die BIG-gallery wird bald Vergangenheit sein. Bis zum 22.01.2023 ist die Ausstellung „ten years after“ noch zu sehen.



Doch 56 Künstler*innen zünden noch einmal ein Feuerwerk an Ideen, Farben, Formen und Techniken in dem großen Raum. Etwa 60 Werke bieten einen Blick zurück aber auch den kritisch-visionären nach vorn und zeigen die große Kreativität und Professionalität der Künstler*innen.

Einige der Künstler*innen sind auch mit Arbeiten in der Landeskunstausstellung im Museum Ostwall im Dortmunder U vertreten. Ein Besuch beider Ausstellungen ist auf jeden Fall zu empfehlen.

BIG GALLERY in der BIG direkt gesund
Rheinische Straße 1, 44137 Dortmund

Öffnungszeiten
Montag bis Freitag 8.00 – 17.00 Uhr, Sonntag 14.00 – 17.00 Uhr, Eintritt frei




Klare Kante – Landeskunstausstellung im Dortmunder U

Bis zum 08. Januar 2023 zeigt das Museum Ostwall im Dortmunder U unter dem Titel „Klare Kante“ 127 Werke aller neun Bezirksverbände des Landesverbandes NRW des Bundesverbandes Bildender Künstler. Insgesamt waren 1.600 Künstler*innen eingeladen, Werke einzureichen.



Leicht gemacht haben es sich die Organisatoren aus dem BBK Westfalen e.V., vertreten durch den Vorstand Brigitte Bailer (Vorsitzende), Anette Göke (2. Vorsitzende) und Christoph Mandera (Geschäftsführer), nicht. In mühevoller Arbeit wurden die Einsendungen anonymisiert, denn es war wichtig, dass die Arbeit entscheiden soll und nicht der Name. Danach entschied eine Jury aus 46 Arbeiten und wählte die entscheidenden 127 aus.

Das Ausstellungskonzept stammt von der Kuratorin Dr. Natalie Gutgesell. Sie teilte die Werke in sechs Themenfelder ein. Beeindruckend hier ist beispielsweise der Bereich mit dem Motto „Wir lassen es uns gutgehen“. Dass das ironisch gemeint ist, wird sofort deutlich. Beispielsweise hängt im Raum ein riesiges Kleid, bestehend aus Kassenzetteln aus dem Ahrtal, erstellt von Eva Vahjen. Dass unsere Maßlosigkeit auch fatale Folgen haben wird, zeigt die Arbeit von Anne Thoss und Elke Seppmann, die eine Speisetafel mit „speziellen Gerichten“ wie „Gleichgültigkeit über Solidarität“ angerichtet haben. „Nein, eure Suppe ess ich nicht“, lautet der Titel.

Neben Umweltzerstörung haben die Künstler*innen weitere aktuelle politische Themen aufgegriffen wie den Zypernkonflikt, die Proteste in Hongkong und natürlich auch den Ukrainekrieg.

Die sechs Leitthemen lauten „Es geht alles seinen Gang“, „Wir lassen es uns gutgehen“, „Ihr könnt doch auch mal was tun“, „Ich setze ein Zeichen“, „Sie sprechen sich aus“ und „Du hast auch eine Stimme“

Zur Ausstellung erscheint Mitte Dezember ein umfangreicher farbiger Katalog mit einleitenden Texten zu den Kapiteln der Ausstellung und den künstlerischen Intentionen und Aussagen.
Künftig will der BBK Westfalen die Landeskunstausstellung in NRW im 5-jährigen Rhythmus etablieren.
Die Ausstellung entstand in enger Kooperation mit dem 1953 gegründeten BBK Westfalen e.V. als Initiator, Antragsteller und Ideengeber. Sie wird gefördert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen.

Einige der Dortmunder Künstler*innen sind auch mit Arbeiten in der Ausstellung „ten years after“ in der BIG gallery vertreten. Ein Besuch beider Ausstellungen ist auf jeden Fall zu empfehlen.




Musik mit Schlageffekt

Das Konzert für Schlagzeug und Orchester von Tan Dun verlangt von einem Schlagzeuger wirklich alles ab. Eine Aufgabe, die der in Essen geborene Perkussionist Alexej Gerassimez mit Bravour löste. Das 3. Philharmonische Konzert am 08. und 09. November 2022 präsentierte außergewöhnliche Musik und ein sehr bekanntes Werk: Die „Pastorale“ von Beethoven. Am Pult dirigierte John Axelrod die Dortmunder Philharmoniker.



Aber fangen wir mit dem Anfang an. Wer denkt, dass Schlagzeuger nur am Drumset sitzen, der täuscht sich bei Tan Duns Konzert. Den Beginn machten Steine, die naturnahe Klänge schufen, deswegen das Konzert auch „The Tears of Nature“ heißt. Im Verlauf des Konzertes spielte Gerassimez auf Pauken, Tomas, verschiedenen Xylophonen und Klangschalen. Die drei Sätze des Stücks sind jeweils einer Jahreszeit gewidmet und bezieht sich gleichzeitig auf eine Naturkatastrophe. Damit haben die „Tears of Nature“ einen aktuellen Bezug zur Klimakatastrophe gewonnen.

Den Vorsitzenden tanzen lassen die Philharmoniker danach mit dem Werk von John Adams. Ein Foxtrott im Stile der Minimal Music, kurz und humorvoll.

Nach der Pause kehrte das Naturthema wieder in der 6. Sinfonie von Beethoven, die „Pastorale“. Im Gegensatz zu Tan Dun ist hier das Naturempfinden durchweg positiv, auch wenn es im vierten Satz zu Gewitter und Sturm kommt. Hier ist die Musik poetisch-romantisch und das Naturbild ebenso. Aber die Verbindung zu Tan Duns Werk ist klar: Wenn wir mit der Natur nicht sorgsam umgehen, dann werden Katastrophen unausweichlich sein.




Tresor.West startet arc gallery

Kunst und Club treffen sich im Kellergewölbe des Tresor.West – Nachtleben trifft auf künstlerische Experimente zwischen jetzt, dann und möglicherweise. Das Ruhrgebiet bekommt einen neuen, ungewöhnlichen Kunstort: die arc gallery in den vibrierenden Kellergewölben des Tresor.West. Der noch junge Techno-Club auf dem Dortmunder Phönix-West Gelände steht für Innovation und Kooperation. Mit der Initiative zur arc gallery wollen die Macher*innen die kreative Szene der Region
stärken und vernetzen. Subkultur trifft Hochkultur.



Kuratorin Viviane Lennert: „Wir wollen es clubbig, dreckig, undone, glitchy, schrill – wir wollen ein „What the fuck“.

Von November 2022 bis März 2023 sind regional arbeitende (Medien-)Künstler*innen als Residence-Artists in den Tresor.West eingeladen. Sie konzentrieren sich zunächst auf die „Alkovenbögen“ im Herzen des Tresor.West und werden diese künstlerisch gestalten. Gemeinsam mit weiteren Satellite-Artists u.a. aus den Bereichen Fashion, Performance werden außerdem an besonderen Club-Abenden sukzessive weitere künstlerische Interventionen stattfinden.
Sonderöffnungszeiten am Tag sollen darüber hinaus auch Menschen, die nicht an den Clubnächten teilnehmen wollen, den Zugang zur Kunst ermöglichen. Durch die verschiedenen Zustände des Ortes (nachts Club, tags Galerie) werden unterschiedliche Lesarten und Diskursebenen der ausgestellten Arbeiten sichtbar gemacht werden. Die arc gallery versteht sich dabei auch als vernetzende Instanz und entwickelt begleitende Austauschformate.

In der ersten Phase sind folgende Künstler*innen dabei: Flor de Fuego (Florencia Alonso), Christian Keinstar, Paulina Holtkamp und Sofia Strunden und Marc Kemper. (Quelle: Tresor.West)




La Juive – Wenn Hass auf eine Minderheit zur Katastrophe führt

Opernpremiere mit Hindernissen. Eigentlich sollte die Premiere von „La Juive“ am 06. November 2022 schon um 18 Uhr beginnen, doch nachdem ein Sänger kurzfristig erkrankt war, musste sein Ersatz Denis Velev aus Paris nach Dortmund kommen. Die Autofahrt schaffte er in guter Zeit, so dass er 19:15 Uhr in Dortmund ankam und die Oper um 19:45 Uhr anfangen konnte. Nach so viel Aufregung konnten sich die Zuschauer*innen auf die Musik und die ebenso aufregende Oper „La Juive“ konzentrieren.  



Die Oper, uraufgeführt am 23. Februar 1835, hat leider immer noch ein aktuelles Hauptthema: Den Antisemitismus. Es spielt in Konstanz, zu Beginn des Konstanzer Konzils (1414). Der Juwelier Éléazar und seine Tochter Rachel geraten als Juden in den Fokus der judenhassenden Gesellschaft des Spätmittelalters. Éléazar arbeitet an einem christlichen Feiertag und seine Tochter Rachel will sich mit dem Christen Léopold verheiraten. Léopold fällt aber kurz vorher noch ein, dass er eigentlich mit Prinzessin Eudoxie, der Nichte von Kaiser Sigismund, verbandelt ist. Eine Verbindung zwischen Juden und Christen ist in der damaligen Zeit mit dem Tod bedroht. Eine weitere Rolle spielt der Kardinal de Brogni, der nachdem er Frau und Tochter verloren hat, sein Leben der Kirche gewidmet hat. Der Kardinal hat allerdings die beiden Söhne von Éléazar auf dem Gewissen, dafür will sich der Juwelier rächen. Denn die Tochter von de Brogni lebt und wer Opern kennt, wird vielleicht schon ahnen, wer seine Tochter ist.

Der Komponist Fromental Halévy war selbst Jude und zeigt in seiner bekanntesten Oper (er hat etwa 40 Opern komponiert) „La Juive“ die hässliche Fratze des Antisemitismus, die auch zu seinen Lebzeiten (1799-1862) nicht ausgerottet war und auch heute leider immer noch präsent ist.

Musikalisch ist „La Juive“ ein Meilenstein der Grand Opera und wurde zurecht von Gustav Mahler oder Richard Wagner hoch gelobt. In den dreieinhalb Stunden schwelgt die Musik, wird dramatisch und hat wundervolle Arien. Damit können die Sänger*innen glänzen wie Barbara Senator (Rachel), Mirko Roschkowski (Éléazar), Sungho Kim (Léopold) und natürlich Denis Velev (de Brogni). Unterstützt wurden die Akteure auf der Bühne von den Dortmunder Philharmonikern unter der Leitung von Philipp Armbruster.

Der Regisseur Sybrand van der Werf inszenierte „La Juive“ in einem zeitgenössischen Setting, es gab also keine mittelalterlichen Kostüme, die auch besser auf dem Dortmunder Hansemarkt gepasst hätten. Die moderne Inszenierung sollte wohl auch darlegen, dass Antisemitismus kein historisches Phänomen ist, sondern immer noch in der heutigen Gesellschaft präsent ist.

Etwas historisch wurde es dennoch, als „Kampfszenen“ als schwarz-weiß Film auf die Leinwand projiziert wurden, der Film hatte etwas von „als die Bilder laufen lernten“.

Auch die Bühne war zweckmäßig modern, schön war die Szene im Garten der kaiserlichen Residenz, bei der die Bühne wie eine Gartenparty gestylt war, geschmückt mit einem riesigen Ball aus Blumen. „La Juive“ stand ja bis zur Zeit des Nationalsozialismus in München und Wien öfter auf dem Spielplan. John Dew hat die Oper 1994 bereits nach Dortmund gebracht. Vielleicht wird sie an dem Ort, wo sich früher die Alte Synagoge befand, öfters gespielt. Ein Besuch der aktuellen Inszenierung lohnt sich auf jeden Fall.  




Die Wut zu Tisch

Am 5. und 6. November präsentierte das Theaterensemble artscenico ihr neues Stück „Die Erregten“ im Theater im Depot. Sehr passend zur heutigen Zeit, bei dem Wutbürger im Internet und im realen Leben ihre Erregung kundtun.



Auf der Bühne befindet sich ein großer Tisch, zwar nicht so groß wie Putins, aber dennoch beeindruckend. Zunächst zu Dritt, entwickelt sich insgesamt mit fünf Akteuren ein munterer Kampf um Wahrheit und Empörung. Mit dabei sind Matthias Hecht, Hans-Peter Krüger, Joanna Stanecka, Sascha von Zambelly und Stefanie Winner.

Wir befinden uns im „Sanatorium des Auskotzens“ und das nehmen alle Beteiligten sehr ernst. Verschwörungstheorien, alltäglicher Ärger (Zahnpastatube) und sonstige Katastrophen sorgen für Erregung am Tisch. Eine besondere Rolle hat Hans-Peter Krüger inne, der später dazu kommt und geheimnisvoll mit seinem Werkzeugkoffer tut. Ist da eine Bombe drin oder ist er wie die anderen eher ein Maulheld. Aufgrund von Videoaufnahmen, die ab und an im Hintergrund laufen, dient das Haus Schulte in Dorstfeld als Handlungsort dieses Sanatoriums.

Der Tisch auf der Bühne im Depot hat eine besondere Funktion. Er dient nicht nur dazu, dass die Beteiligten mal „auf den Tisch hauen können“, sondern er fungiert auch als Laufsteg, Bühne oder Grab. Passend dazu gibt es Tanz und Choreografie von Elisa Marschall.

Woher kommt die Erregung, woher die Wut? Vielleicht liegt es an der Spaltung der Gesellschaft, vielleicht daran, dass sich die Welt immer komplizierter wird. Darauf gibt das Stück keine Antwort. Es ist eine Zustandsbeschreibung der Gesellschaft.  




„Grafik aus Dortmund“ ist eröffnet – Ausstellung im Kulturort Depot

(Stadt Dortmund) Auch für das Jahr 2023 gibt es wieder eine monatliche „Grafik aus Dortmund“: Der beliebte Kunstkalender ist frisch gedruckt und enthält je zwei Arbeiten von sechs Künstler*innen aus Dortmund. Ihre Arbeiten sowie die Bewerbungen von 30 weiteren Kunstschaffenden sind noch bis zum 27. November in der Ausstellung „Grafik aus Dortmund“ im Kulturort Depot zu sehen, die am Freitagabend in Anwesenheit von 250 Besucher*innen eröffnet wurde. Der Eintritt ist frei.



Erstmals gibt es in diesem Jahr die Möglichkeit, den Grafikkalender 2023 mit seinen zwölf künstlerischen Siebdrucken käuflich zu erwerben. Die nächste Gelegenheit dafür ist die Finissage der Ausstellung am 27. November, ab 16 Uhr. Der Kalender kostet 45 Euro, außerdem kann man bei einer Tombola attraktive Preise gewinnen. Der Erlös wird dem „Malteser Herzensbus – aufsuchende Obdachlosenhilfe“ zu Gute kommen.

Der Kalender erscheint in limitierter Auflage und wird vom Kulturbüro in Zusammenarbeit mit dem Dortmunder Kunstverein herausgegeben und von der Sparkasse Dortmund finanziert. Traditionsgemäß überreicht Dortmunds Oberbürgermeister ihn zum Jahreswechsel als Präsent an Partner*innen und Freund*innen im In- und Ausland.
Die Künstler*innen
In der Ausstellung mit je zwei Arbeiten vertreten sind: Ida Andrae, Thomas Autering, Taieb Ayat, Beate Bach, Simone Bannach, Marika Bergmann, Pia Bohr, Petra Eick, Achim Farys, Renate Frerich, Barbara Giesbert, Sabine Gorski, Susanne Grytzka, Sybille Hassinger, Thomas Hugo, Anne Jannick, Karin Jessen, Reimund Kasper, Bettina Köppeler, Peter Kröker, Eva Kürmann, Michael Lach, Sandra Lamzatis, Babette Martini, Ari Plikat, Rika Pütthoff-Glinka, Germaine Richter, Mathias Schubert, Annelie Sonntag, Claudia Terlunen, Bärbel Thier-Jaspert, Benjamin Vogel, Michael Wienand, Osman Xani, Dieter Ziegenfeuter, Eva Zimnoch.
Im Grafikkalender vertreten sind Arbeiten von Thomas Autering, Pia Bohr, Susanne Grytzka, Reimund Kasper, Eva Kürmann und Dieter Ziegenfeuter.
Öffnungszeiten
Die Ausstellung ist kostenlos zu den Öffnungszeiten des Depots zu sehen (Donnerstag/Freitag 17 bis 20 Uhr, Samstag/Sonntag 16 bis 19 Uhr, Montag bis Mittwoch geschlossen)
grafik-aus-dortmund.de




Paul im Pott – Ausstellung im .dott.werk

Migration, Büdchen, Bergbau – Michael Rieger erzählt die Geschichte von Paul im Pott in kurzen Texten mit ausdrucksstarken Illustrationen in seinem Buch „1920 Paul im Pott“. Das .dott.werk zeigt bis zum 13. November 2022 Originalzeichnungen aus dem Band.



Aus dem Osten in den Westen. Die typische Familiengeschichte für den Ruhrpott. Die Vorfahren (bei Michael Rieger ist es der Großvater, bei mir der Urgroßvater) kommen aus dem heutigen Polen ins Ruhrgebiet, meist um dort als Bergmann zu arbeiten. Die Illustrationen aus seinem Buch „1920 Paul im Pott“, in dem er die Geschichte seines Großvaters Paul erzählt – zeigen eine sehr persönliche und zugleich universelle Geschichte. Neben Alltagsgeschichten wird auch auf historische Ereignisse wie den Ruhrkampf Bezug genommen. Die 20er Jahre waren ähnlich krisenhaft wie unsere heutige Zeit findet Rieger.

Der Ruhrpott spielt immer mit in Michael Riegers Arbeiten: Passend zum Thema zeigt die Ausstellung seinen Videofilm „Engelberts Bude“ von 1991 über die Kioskkultur im Ruhrgebiet. Wer tiefer in die Geschichte eintauchen möchte, kann das Buch im .dott.werk erwerben, ein Teil des Verkaufspreises geht an eine Dortmunder Organisation zur Unterstützung obdachloser Menschen.

Am Freitag (11.11.2022) lädt das .dott.werk im Rahmen der Ausstellung um 18.00 Uhr zum Feierabendbier ein. Interessierte und Menschen aus der Nachbarschaft sind herzlich eingeladen, dem Dialog zweier spannender Künstler zu lauschen und selbst mit ins Gespräch einzusteigen: lllustrator Michael Rieger trifft Schauspieler, Regisseur und Autor Hans-Peter Krüger. Während Rieger, der Illustrator, die Arbeitsmigration seines Großvaters aus Schlesien ins Ruhrgebiet in Bildern und pointierten Geschichten verarbeitet, sucht Krüger, der Schauspieler, nach einem Weg, seine aufwühlende Begegnung mit den vom Faschismus geprägten westfälischen Männern seiner Familie künstlerisch aufzubereiten.

Im Anschluss an das Gespräch werden zwei Originalzeichnungen des Autors versteigert, und ein Teil des Erlöses wird einer Migrantenorganisation gespendet.




Hosenrolle – Mit Pseudonym oder ohne

Früher war es für eine Autorin absolut notwendig, ein männliches Pseudonym zu haben, um überhaupt veröffentlicht zu werden.  Doch ist das heute immer noch so? Was bedeutet das? Das Kollektiv Sepidar Theater versucht in seinem Stück „Hosenrolle“ die Frage auszugreifen: Soll die Autorin als weibliche Figur präsent sein, sich hinter einem männlichen Namen verstecken oder dieses Mittel sogar als Ermächtigung sehen? Die Performance hatte am 28.Oktober 2022 Premiere.



Die „Hosenrolle“ war ein gutes Beispiel für „physical theatre“, während den rund 60 Minuten waren die beiden Schauspieler*innen Elina Brams Ritzau und Mamadoo Mehrnejad fast ständig in Bewegung. Höhepunkt war sicherlich der „Schwertkampf“ mit Büchern unterstützt vom bekannten „Wellermann“-Song.

Dennoch blieb das Stück immer bei seinem Hauptthema: Was soll nun die arme Autorin (Ritzau) tun? Mann oder Frau oder gibt es noch etwas dazwischen oder darüber hinaus? Mithilfe des männlichen Gegenparts (Mehrnejad), oder besser des männlichen Bestandteils einer Persönlichkeit wurde nach Lösungen gesucht.

Dabei gingen die beiden durch die Historie, in die Zeiten, als Frauen meist nicht offen als Autorin in Erscheinung treten konnten oder durften, bis hin zu berühmten Piratinnen wie Anne Bonny.

Doch es gibt weitere Möglichkeiten. So bietet die Drag-Szene die Chance, als Dragqueen oder Dragking in eine andere Rolle zu schlüpfen. Im Stück wird auch die surrealistische Künstlerin Claude Cahun erwähnt, ein Pseudonym von Lucy Schwob. Sie wählte den Vornamen Claude, weil er ein Unisex-Name ist, also von Männern und Frauen getragen werden kann. Somit konnte Cahun zwischen den Geschlechtern oszillieren.

Im Bühnenbild spielten Bücher eine zentrale Rolle. So wurden sie  – wie erwähnt – zum Schwertkampf benutzt, dienten als Dominosteine oder als Weg über die Bühne.

„Hosenrolle“ ist ein kreatives Stück voller Ideen, Bewegung und Musik mit zwei engagierten Performer*innen.

Zu sehen am 25. Und am 26. November 2022 jeweils um 20 Uhr im Fletch Bizzel.

www.fletch-bizzel.de