Abrechnung mit Peter Handke

In der Musikrichtung Rap würde man das Stück „The Handke Project“ einen Diss nennen, aber wir sind ja beim Theater. Das paneuropäische Ensemble bestehend aus Mitgliedern aus Deutschland, Italien und verschiedenen ehemaligen jugoslawischen Staaten rechnete mit der Person Peter Handkes ab. Handkes umstrittene Positionen zu Serbien, Srebrenica und Milošević gab immer Anlass zu Diskussionen. Das „Handke Project“ machte am 16. Und 17. Dezember Station in Dortmund.

Wie vielleicht beim Titel zu vermuten war, „The Handke Project“ wurde in Englisch (mit Übertitel) performt. Wobei performen der richtige Ausdruck ist, denn das Ensemble bot auch ordentliches physisches Theater. So verwandelte sich das Studio in ein Schwimmbad und in ein SM-Studio, denn nicht nur Handke bekam sein Fett weg, auch das Nobelpreiskomitee für Literatur, dessen Jurymitglied Jean-Claude Arnault wegen Vergewaltigung verurteilt wurde. Hat das Nobelpreiskomitee den Preis 2019 deshalb an den umstrittenen Handke vergeben, um von dem Sexskandal abzulenken? Das vermutet zumindest der Autor des „Handke Projects“ Jeton Neziraj.



Doch im Mittelpunkt stand der österreichische Autor und seine umstrittenen Aussagen während der Jugoslawienkriege und speziell auch zu Milošević. Die Frage bleibt: Kann man das Werk vom Autor trennen? Ein ähnliches Problem tritt ja auch bei Richard Wagner auf: Ist der Ring der Nibelungen noch zu genießen, wenn man weiß, dass der Komponist antisemitisches Zeug zu Papier gebracht hat?

Der Regisseur von „The Handke Project“ gibt im Fall Peter Handke eine klare Antwort: „Wir haben uns klar dagegen positioniert – gegen den Schriftsteller, der mit seinen Werken und öffentlichen Äußerungen auf Kriegsopfern und dem Schmerz unschuldiger Menschen herumtrampelt wie ein wütender Kriegsverbrecher“.    „The Handke Project“ ist absolut nichts für Handke-Fans, das Stück ist schonungslos und bringt nochmal die Schrecken und Gräueltaten des Jugoslawien-Krieges in Erinnerung.  




Die Zauberflöte für Kinder

Mozarts Oper „Die Zauberflöte“ ist nicht ganz unkompliziert. Ist die Königin der Nacht die Gute oder die Böse? Wer ist der geheimnisvolle Sarastro? Warum müssen Tamino und Pagageno im Tempel schweigen? Was sollen die Erwähnungen von Isis und Osiris? Die Oper Dortmund hat vom 13. bis 15. Dezember 2022 die ehrenvolle Aufgabe übernommen, die „Zauberflöte“ für junges Publikum erfahrbar zu machen. Mit Das Geheimnis der Zauberflöte, das Nikolaus Habjan und der Autor Paulus Hochgatterer speziell für die Oper Dortmund geschrieben haben, erzählen sie die spannende Geschichte um Tamino, Pamina und den Kampf zwischen Gut und Böse in einer kindgerechten Fassung.



Ist das gelungen? Zu den positiven Dingen gehörte vor allem, dass das Ensemble und die Inszenierung der „großen“ Zauberflöte übernommen wurde.  So staunten die Kinder über die große Schlange und die großen Puppen von Sasastro und der Königin der Nacht. Dazu kommt natürlich die wunderbare Musik von Mozart, vor allem die bekannte Arie der Königin der Nacht dürfte fast jeder kennen.  Begleitet durch zwei Erzähler*innen Gitti (Manuela Linshalm) und Marwin (Johnny Hoff) ging es durch die Handlung der Oper. Positiv zu sehen ist, dass die beiden Erzähler*innen die doch für heutige Ohren doch frauenfeindlichen Statements Sarastros anmerkten. Auch bemerkten sie zurecht, dass Pamina die eigentliche Heldin des Stückes ist. Denn sie widersetzt sich ihrer Mutter und unterstützt die beiden „Helden“ Tamino und Papageno.

Morgan Moody (Papageno), Jonny Hoff, Manuela Linshalm 
(c) Björn Hickmann, Stage Picture
Morgan Moody (Papageno), Jonny Hoff, Manuela Linshalm
(c) Björn Hickmann, Stage Picture

Bleibt zu hoffen, dass sich möglichst viele Kinder von der Musik haben verzaubern lassen, aber die Handlung zu verstehen, ist meiner Meinung nach für 8-jährige noch etwas zu kompliziert. Aber vielleicht liege ich auch falsch.

Insgesamt machten alle Sängerinnen und Sänger, der Opernchor und die Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von Motonori Kobayashi einen tollen Job, um Kindern die Welt der Oper nahezubringen.  




Förderpreis für junge Künstler*innen ging an die Architekten Jonathan Schmalöer und Philipp Valente

Die jungen Architekten Jonathan Schmalöer und Philipp Valente haben den Förderpreis der Stadt Dortmund für junge Künstler*innen in der Sparte Architektur erhalten. Die beiden Gewinner teilen sich das Preisgeld von 15.000 Euro. Der Preis wird seit 1978 alle zwei Jahre in wechselnden Kunstsparten verliehen.



Bürgermeisterin Barbara Brunsing überreichte den beiden gebürtigen Dortmundern ihre Urkunden und gratulierte herzlich im Namen der Stadt, anschließend hielt Dr. Kawthar El-Qasem die Laudatio auf Jonathan Schmalöer, während Dr. Alexandra Apfelbaum die Arbeit von Philipp Valente würdigte.

Philipp Valente (li) und Jonathan Schmaöler erhalten den mit je 7.500 Euro dotierten Förderpreis der Stadt Dortmund für junge Künstler*innen in der Sparte Architektur. In der Mitte Bürgermeisterin Barbara Brunsing (© Roland Gorecki, Dortmund Agentur)
Philipp Valente (li) und Jonathan Schmalöer erhalten den mit je 7.500 Euro dotierten Förderpreis der Stadt Dortmund für junge Künstler*innen in der Sparte Architektur. In der Mitte Bürgermeisterin Barbara Brunsing (© Roland Gorecki, Dortmund Agentur).

Philipp Valente Gouveia Pais (Jahrgang 1991) wurde in Dortmund geboren und absolvierte sein Architekturstudium in München, Tokio, Dortmund und Lissabon. 2013 gründete er das Büro „Less Plus“ in Dortmund, das er mittlerweile gemeinsam mit seinem Partner Nils Martens an den Standorten Dortmund und Bottrop leitet.
Philipp Valente ist fasziniert von der japanischen Architektur, der Poetisierung des Raumes, wie er es nennt. Ihm ist wichtig zu fragen, wie wir diesen Ort vorfinden. Die Architektur müsse ortsbezogener werden.

Jonathan Schmalöer wurde 1991 in Dortmund geboren und studierte Architektur in Aachen und Graz. Seit diesem Jahr ist er Mitarbeiter bei LuFo Raumgestaltung an der RWTH Aachen. Eines seiner Schwerpunkte ist das „Upcycling“, das heißt, das Wiederverwerten von Materialien, die sonst entsorgt wurden. Beispielsweise wurden Schultüren einer abgerissenen Schule als Tisch wiederverwertet. Es gibt also Einiges, was eher Material ist als Müll.




Wellen, Wald, Rachmaninow – ein Konzertabend mit Sir Simon Rattle

Am Donnerstag, dem 08. Dezember 2022, stand das Dortmunder Konzerthaus ganz im Zeichen von Sir Simon Rattle. Der berühmte Dirigent kam mit seinem London Symphony Orchestra und hatte Sibelius und Rachmaninow im Gepäck.



Wer an diesem Abend der Star war, konnte man am Applaus feststellen: Sir Simon Rattle hatte in Dortmund ein absolutes Heimspiel. Zudem konnte er sich auf seine Londoner Symphoniker verlassen, die ihren Chef nie im Stich ließen.

Das Erstaunliche an den ausgewählten Stücken war, dass die Werke des Finnen Sibelius und des Exil-Russen Rachmaninow allesamt in den USA uraufgeführt wurden.

Die Zeit vor der Pause gehörte den impressionistischen Klangwelten von Jean Sibelius. Die „Okeaniden“ handeln nicht von der finnischen Mythologie, sondern von der griechischen Antike. In der Musik spüren die Zuhörer*innen den spielerischen Wellengang, aber auch die Verlorenheit als kleine Insel im riesigen Meer. Natürlich gehört ein Sturm dazu, der für Dramatik in der Musik zuständig ist, bevor der Ozean sich wieder beruhigt.

Vom Wasser gehen wir in den Wald zu „Tapiola“. Hier dreht sich alles um einen mythischen nordfinnischen Waldgeist. Dazu wird die Musik geheimnisvoll, düster, bisweilen sogar gruselig. Auch wenn man die Tiere im Wald zu hören glaubt, scheint irgendetwas im Wald herumzuschleichen, was man besser nicht zu Gesicht bekommen sollte. Hier schaffen es die London Symphoniker mit Sir Simon Rattle diese dunkle Atmosphäre gekonnt umzusetzen.  

Die dritte Sinfonie von Rachmaninow enthält eine gehörige Portion russischer Heimat. 1936 uraufgeführt, enthält sie keine Spuren des populär gewordenen Jazz, der auch in die klassische Musik Einzug hielt. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die damaligen Kritiker die Sinfonie als „steril“ empfanden. Was sie aber in meinen Augen keinesfalls ist. Sie besitzt eine große Portion Melancholie eines Menschen, der im Exil leben muss. Die Musik ist und bleibt hochromantisch.

Danach war das Konzert aber nicht zu Ende, denn Sir Simon Rattle ließ noch eine Zugabe von Dvořák spielen. Dirigent und Orchester wurden verdientermaßen mit Standing Ovations belohnt.




Das XXS-Dortmunder Kurzfilmfestival wieder an alter Stätte

Endlich wieder das XXS-Dortmunder Kurzfilmfestival mit „echten“ Menschen. Nachdem Corona-bedingt das Festival zweimal nicht im Opernhaus stattfinden konnte, war es 07. Dezember wieder soweit.



Bemerkenswert ist, dass das Festival durchaus internationaler geworden ist. Vor allem die vielen spanischen Beiträge bewiesen es. Doch das Wichtigste: Die zehn nominierten Kurzfilme, die um die vier Preise konkurrierten, boten alles, was Kurzfilme so besonders macht: In kurzer Zeit eine Geschichte erzählen. Und diese Geschichten waren lustig, zum Gruseln oder auch einfach traurig.   

Den Beginn machte „Stadtmusik“ von Elsa van Danke, die den 3. Platz abgeräumt hat. Hier wird eine Komponistin vom alltäglichen Nachbarschaftslärm genervt, bis sie den Stadtlärm dirigiert. Frei nach John Cage „Alles ist Musik“.

„Alcanzar“ von Pedro J.Povenda ist eine Komödie über unsere Gesellschaft und ihren Machtstrukturen. Denn für den Außerirdischen bleibt nach einer Notlandung die Erkenntnis, wer es bis ganz nach oben schaffen will, muss weiß und männlich sein.

„Sweet Freedom“ war zwar der Favorit der Redaktion, hat aber leider keinen Preis gewonnen. Der Film von Dominic Wittrin über einen Überfall auf eine Tankstelle überzeugt durch viele Plot Twists und Humor.

Den zweiten Platz hat der Horrorfilm „Umbral“ von „Anabel Caravaca“ eingeheimst. Nach dem Tod ihres Sohnes schreibt seine Mutter ihm eine Geburtstagskarte und schiebt sie unter seiner Tür durch. Eines Tages kommt eine Antwort zurück. Ist es ihr Sohn oder etwas anderes?

Den Publikumspreis abgeräumt hat die Komödie „#couple Goals“ von Alexander Conrads. Anscheinend ist es für die Generation Z wichtig seine Beziehung mit schicken Fotos auf Instagram zu dokumentieren. Denn die Likes von Freunden oder die „Followern“ sind wichtig. Daher macht die Paare Fotos von schönen Bauwerken und ähnlichem. Was ist, wenn man aber nur ein Kiesstrand samt Industriekulisse am anderen Ufer hat?

Ein trauriger, aber dennoch wichtiger Kurzfilm ist „Valeria“ von Antonio Gil. Die 17-jährige Valeria wird in der Schule gemobbt und bekommt keine Hilfe von ihrer Mutter oder der Schulleitung. Letztlich sieht sie nur einen Ausweg… Der Film wurde von der Jury auf den ersten Platz gehoben. Mir persönlich blieben nach dem Film noch zu viele Fragezeichen offen.

Weiter ging es mit dem Animationsfilm „Surprise“ von Silvester Zwaneveld. Hier möchte ein kleines Alien auf einem fremden Planeten nur ein wenig Leben finden. Aber nicht nur wer zu spät kommt, wird vom Leben bestraft, sondern auch wer zu früh wieder abreist.

In „Tumba 2“ von Santi Lascano – ebenfalls ein Animationsfilm – beschwört ein Nekromant einen Haufen Skelette eines Friedhofes, um von ihnen ein Marmeladenglas öffnen zu lassen. Das sorgt für etliche komische Momente.

Bewerbungen sind eine nervenaufreibende Geschichte, das gilt sicher auch für die Bewerbung auf einer Clownsschule. Im Film „Clownwars“ von Elena Pilar Nyffeler kämpfen zwei Clowns um den begehrten Platz, um am Ende vielleicht zu erkennen, dass sie als Duo noch besser sind als alleine.

„Antonia“ von Lucia Casan Rodriguez handelt von der 65-jährigen Antonia, die allzu neugierig ist und unter einem Vorwand in die Wohnung ihres jungen Nachbarn zu gelangen. Was sie dort in der Toilette findet, ist leider nicht so ganz legal und als später noch der leicht aggressive Mitbewohner auftaucht, ist guter Rat teuer.

In der Jury saßen Mariele Millowitsch, Manuel Steitz und Melanie Scheiter. Durch den Abend führten Fabio Desiderio und Leonora Metaj, beide studieren TV- und Radiojournalismus/Moderation an der WAM.




Flieg nicht zu hoch

Mit „Ikarus“ von Lera Auerbach und „Hezarfen“ von Fazil Say entführten uns die Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von GMD Gabriel Feltz beim 4. Philharmonischen Konzert am 06. und 07. Dezember 2022 im Dortmunder Konzerthaus vor der Pause in hohe Gefilde, danach schickte uns Felix Mendelssohn Bartholdy auf den schwankenden Grund der Meeresoberfläche.



Doch zunächst zu Lera Auerbach. Die 1973 geborene Komponistin widmete ihr Orchesterstück dem legendären Irkarus. Er und sein Vater Dädalus wollten von Kreta fliehen, doch Ikarus ignorierte die Warnungen seines Vaters und flog zu hoch, so dass seine Wachsflügel schmolzen und er ins Meer stürzte. So will es die Legende. Heute wird die Figur des Ikarus‘ gerne als Symbol benutzt, für allzu technikbegeisterte Menschen.

Auerbachs Musik fängt auch gleich sehr dramatisch an, wird aber abgelöst von einer ruhigen Flugphase, die von der Solovioline getragen wird. Eine Besonderheit dieses Werks ist, dass das Theremin eine große Rolle spielt. Charlie Draper entlockte dem fremdartigen Instrument wehklagende Töne. Das Theremin ist ein „Überlebender“ der Neuerfindungen von Instrumenten der 20er Jahre des vorigen Jahrhunderts, als mit elektronischen Instrumenten experimentiert wurde. Ein anderes Beispiel dafür ist das Ondes Martenot. Das Theremin ist das einzige Instrument, das berührungslos gespielt wird.

Wie zu erwarten ist, geht der Flugversuch von Ikarus schief. Der Fall wird musikalisch mit dramatischen Paukenschlägen gegen Ende dargestellt.

Doch es gab auch einen realen „Ikarus“, der es im Gegensatz zu seinem mystischen Vorbild tatsächlich geschafft hat, eine Strecke erfolgreich im Segelflug zurückzulegen: Hezarfen Ahmed Çelebi (1609-1640). Der osmanische Flugpionier soll 1638 einen Segelflug über den Bosporus gewagt haben. Ihm widmet Fazıl Say sein Konzert für Ney-Flöte und Orchester. Als Solisten dienten Burcu Karadağ (Ney) und Aykut Köselerli (türkisches Schlagzeug). Die Musik entführt die Besucher*innen direkt nach Istanbul. Orientalische Klänge und Rhythmen, unterstützt durch die beiden Solisten, machen die Zeitreise und den Ortswechsel leicht. Doch auch Herzafen wird nicht lange glücklich. Der Sultan verbannte den Flugpionier nach Algerien. Ähnlich wie bei Auerbach endet das Stück mit Paukenschlägen.

Auch nach der Pause hatte das Publikum keinen festen Boden unter den Füßen. Es geht aufs Meer. Die drei Konzert-Ouvertüren von Mendelssohn-Bartholdy handeln entweder von mythischen Meeresbewohnern (Melusine), Meereslandschaften (Hebriden) oder Meeresfahrten (Meeresstille und glückliche Fahrt). Mendelssohn Bartholdy schafft es in den drei kurzen Orchesterstücken die Schönheit und den Schrecken des Meeres musikalisch darzustellen, dass man die tosende See beinahe spüren kann.   




Superheldinnen im Fletch Bizzel

Diesmal stehen die Superheldinnen nicht auf der Bühne im Theater Fletch Bizzel, sondern sie hängen in der Bar und im Foyer. Unter dem Titel „supereroi femminile colorati“ präsentiert das Fletch Bizzel Bilder von Judith Freise-de Matteis.



Neben den typisch männlichen Superhelden wie Batman, Spiderman oder Superman gibt es natürlich auch weibliche Gegenparts wie Wonder Woman, Black Widow oder Invisible Woman. Doch die Arbeiten von  Freise-de Matteis zeigen eben nicht die männlich konnotierten Eigenschaften wie Durchsetzungsvermögen oder körperlicher Leistungsfähigkeit. Ihre Superkräfte kommen eher von Innen, sie besitzen Humor und Schönheit. Ihre Superheldinnen sehen auf dem ersten Blick zart und zerbrechlich aus, strahlen aber auch eine innere Stärke aus.

Weil die Welt bunt ist und rau und vielfältige Informationen auf jeden von uns einströmen, hat sie die ‘Mixed Media Art’ als Grundlage ihrer Malerei genutzt. Acryl, Papier, Leim, Kreidefarben und Zeitungsschnipsel sind Bestandteile ihrer farbigen Bilder, zudem lässt sich die Künstlerin von der Street-Art Kultur inspirieren.

Judith Freise-de de Matteis stellt seit über 25 Jahren erfolgreich bundesweit und in Europa aus. Sie arbeitet als Kreativcoachin, Dozentin und Leiterin verschiedener Kunst- und Bildungsprojekte. Sie ist dazu auch Theaterpädagogin (BuT), weil sie die Bilderarbeit auf der Bühne liebt; dazu ist sie Gründerin der Kunstkabine, einem Raum für künstlerische Prozesse sowie Gründerin des #SchnipselCollektivs in Bochum.




Druckgrafik im Künstlerhaus

Sechs Künstler*innen zeigen vom 03. Dezember 2022 bis zum 22. Januar 2023 zeitgenössische Druckgrafik im Dortmunder Künstlerhaus unter dem Titel „The point of truth, beauty and knowledge“. Der Titel stammt aus „Schöne neue Welt“ von Aldous Huxley und ist sicherlich auch eine gute Bescheirbung der Kunst der Druckgrafik. Das Zusammenspiel von Licht und Schatten, der Wechsel von Zwei- zu Dreidimensionalität machen diese Ausstellung sehenswert.



Der englische Künstler Ian Chamberlain ist fasziniert von Menschhand geschaffenen Strukturen, vor allem aus der Nachkriegszeit. Seine präzisen Arbeiten bestechen durch ihren Detailreichtum. In seinen aktuellen Arbeiten geht es viel um „Safe places“, die mit dicken schwarzen Strichen umrahmt werden.

„Ciceros Wahnsinn“ nennt Julienne Jattiot ihre Serie, die aus Buchdruckornamenten in der Gro-er 12pt (Cicero) besteht. Jede Linie, jedes Dreieck, jedes Quadrat wurde per Hand gesetzt und damit ist jedes Bild der Serie ein Unikat.

Fiona Kelly ist eine Landschaftskünstlerin. Die erschafft aus geometrischen Figuren, die Skalenoder, die dem Mineral Cacit nachempfunden sind, modulare Landschaftsbilder. Auf diese Flächen entwirft Fiona Kelly Siebdrucke oder sie benutzt sie als Projektionsfläche für Videos.

Mit der alten Kunst des Mezzotints beschäftigt sich Majla Zeneli. Ihre gezeigten Arbeiten in Schwarz-Weiß ähneln in frappierender Weise Röntgenaufnahmen, während ihre Farbmezzotintodrucke geometrische Motive präsentieren.

In einer Zwischenwelt von organischen und anorganischen Objekten befindet sich die Arbeit von Sosuke Ueta. Geboren in der Präfektur Kagawa sieht er die Welt der östlichen Sicht Japans. Dazu gehören sicherlich auch die Einflüsse der japanischen Pop-Kultur wie Pokémon. Insgesamt strahlt seine Fotoradierung „Shark“ eine starke psychedelische Wirkung aus.

Zwei finnische Impressionen des Japaners Katsutoshi Yuasa zeigt dass Künstlerhaus Dortmund in seiner Ausstellung. Die beiden Holzschnitte stellen einen See in Finnland im Winter und im Sommer dar. Drei weitere abstrakte Arbeiten stellen Texturen in den Mittelpunkt, die durch ihre feine Arbeit dreidimensionale Effekte hervorrufen. Yuasa benutzt für seine Arbeiten zwei Arten von Tinte, darunter die japanische Sumi-Tinte.




Einmal in der Woche abends Hausarrest für Männer?

In dem aktuellen Stück „Reset. A night without men“ von Studio Trafique geht es um die revolutionäre Idee, alle Männer für eine Nacht in der Woche von den Straßen zu verbannen. Inszeniert von Björn Gabriel als eine Art Newsredaktion eines TV-Studios sezierte das Schauspielensemble den Vorschlag der fiktiven feministischen Partei FAM. Ars tremonia war am 25. November 2022 im Theater im Depot dabei.



Machen wir uns nicht vor: Nicht nur in Deutschland ist der öffentliche Raum für Frauen nicht nur ein angenehmer Raum. In einer Umfrage der Stadt Lausanne gaben 72 Prozent der befragten Frauen zwischen 16 und 25 Jahren an, innerhalb von 12 Monaten zumindest einmal auf der Straße belästigt worden zu sein. Andere Umfragen ergeben ein ähnliches Resultat: Frauen sind regelmäßigen und zahlreichen Belästigungen ausgesetzt und oft finden diese im öffentlichen Raum statt. Ein Teil der Gesellschaft hat die Macht zu kommentieren, zu bewerten, sexuelle Anspielungen zu machen. Der andere Teil kann es im besten Fall ignorieren.

Da kommt der Vorschlag der FAM gerade recht: Männer werden an einem Tag nachts von der Straße verbannt. Die Newsredaktion, gespielt von Nikos Konstantakis, Fiona Metscher und Robin Berenz analysieren Vor- und Nachteile des Vorschlags der FAM-Chefin (gespielt von Anna Marienfeld). Was tun beispielsweise Männer, die sich als Frau sehen? Anderen geht dieser Vorschlag nicht weit genug, so fordert die FAM-Mitstreiterin (dargestellt von Franziska Schmitz) den kompletten Ausschluss von Männern im öffentlichen Raum. Auch die Frage, ob der Kampf um Partikularinteressen nicht den Blick auf das große Ganze verstellt, wird angeschnitten.

Dabei ist das Stück kein Polittheater. Es gibt keine angeblichen Lösungen oder platte Forderungen. Hier müssen die Besucher*innen selbst darüber nachdenken, wie der öffentliche Raum für Frauen sicherer gemacht werden kann.

Was für Produktionen von Studio Trafique typisch ist, ist die Kombination von Personen auf der Bühne und im Film. Nur auf der Leinwand waren Franziska Schmitz, Anna Marienfeld, Eduard Luis Hauswirth und Sebastian Kuschmann zu sehen.

Ein eindringliches Stück, das zum Nachdenken anregt, da das Problem, wie können Frauen sich im öffentlichen Raum sicher fühlen, leider immer noch aktuell ist. Ob es mit der radikalen Methode, die Männer einen Tag quasi unter Hausarrest zu stellen, besser würde, ist zu bezweifeln. Aber es muss weiter daran gearbeitet werden.




Vox Luminis – Barockschmankerl im Reinoldihaus

Bereits 2017 und 2018 begeisterte das Ensemble Vox Luminis die Besucher*innen des Festivals Klangvokal. Sie waren wesentlicher Bestandteil der konzertant aufgeführten Oper „King Arthur“ von Henry Purcell und ein Jahr später präsentierten sie Familienschätze der Musikerfamilie Bach in der Marienkirche.



Nach der langen Pause durch Corona präsentierten Vox Luminis und die Musiker von L’Achéron am 25. November ihr Programm „Dies irae“ im Reinoldisaal. Während die Totensequenz „dies irae“ und ein Requiem für den dunklen November gut gepasst haben, waren die „Sieben Worte Jesu Christi am Kreuz“ eher was für die vorösterliche Fastenzeit. Ich vermute, dass das Konzert eigentlich an einem anderen Datum stattfinden sollte und dann letztendlich auf den Novembertermin verschoben wurde.

Das Programm bestand aus Musik von drei Komponisten, von denen Heinrich Schütz sicherlich der bekannteste ist. Weniger bekannt sind Giovanni Maria Legrenzi und Johann Casper von Kerll, beides Zeitgenossen von Schütz.

Die „Sieben Worte“ von Schütz zeichnen sich dadurch aus, dass die Evangelisten von verschiedenen Stimmlagen gesungen werden, statt sie im Generalbassrezitativ zu lassen.

Das „Requiem“ von Mozart – vor allen natürlich sein „Dies irae“ – ist so bekannt und dominant, dass es sich zunächst fremd anhört, wenn es mit anderer Musik unterlegt wird wie hier von Giovanni Legrenzi. Da der Italiener aber auch ein Opernkomponist war, schafft er der Totensquenz eine lyrische Note zu geben. Teil zart-melodisch, teils wütend-kämpferisch.

Zu seinen Lebzeiten gehörte Kerll zu den bekanntesten Komponsiten, doch nach seinem Tod wurde er schnell vergessen. Gut, dass Vox Luminis ihn etwas aus der Versenkung geholt hat, denn sein „Requiem“ ist ein Spätwerk, genauso wie das von Mozart. Sehr innerlich und sehr faszinierend.

Beteiligte an diesem gelungenen barocken Abend waren von Vox Luminis Zsuzsi Tóth, Victoria Cassano, Korneel van Neste, Jan Kullmann, Olivier Berten, Philippe Froelinger, Jacob Lawrence, Joao Morieira, Sebastian Myrus und der Leiter Lionel Meunier. Tim Braithwaite hat für Jan Kullmann das Stück „Dies irae“-„Prosa pro mortuis“ gesungen.

Auf musikalischer Seite vom Ensemble L‘Achéron spielten Julie Dessaint, François Joubert-Caillet, Andreas Linos, Aude-Marie Piloz, Sarah van Oudenhove (alle Gamben) und Anthony Romaniuk an der Orgel.