Malerische Fluchten von Barbara Giesbert

Barbara Giesberts Herangehensweise an ein Bild ist immer schon „Einfach anfangen und gucken, was es werden möchte“, aber bei der jetzt gezeigte Bildreihe könnte man es schon fast „intuitives Malen“ nennen, denn es war eine Art Therapie, mit der sie in den ersten Corona-Zeiten ihre Sehnsucht nach Reisen und Meer verarbeitete. Plötzlich konnte man nirgendwo mehr hin! Auch von der Familie und Freunden musste/sollte man Abstand halten….was blieb da noch? Das Atelier! Anders als manche Künstler:innen hatte Barbara Giesbert keine Blockade, sondern ihre Kreativität blühte stetig auf und sie malte ihre Eindrücke aus fernen Ländern, die sie nicht besuchen konnte. Die Stimmungen und Anblicke, an die sie sich erinnerte, die Farben, die ihr hier zu Hause fehlten, das Meer, die Berge, die Landschaften…alles fand seinen Platz auf den Leinwänden.



Da Auslandsreisen nicht möglich waren und später die Sehnsucht nach Meer nur im Inland gestillt werden konnte, begab sich Barbara Giesbert dann in den heimischen Garten und die umliegenden Wälder und entdeckte dort die vielfältige Schönheit der Birken für sich. Dadurch inspiriert, entstand eine Serie mit Birkenbildern und -Collagen, in denen die Künstlerin mit Fotos, Teilen von Birkenrinde, Blättern, Zweiglein, Papier und Farbe experimentierte.

Die Ausstellung im Kunstbonbon in der Chemnitzer Straße 11 zeigt aus Platzgründen nur einen Teil der damals entstandenen Werke, aber auch die Auswahl lässt den Betrachter erahnen, welche Sehnsüchte Barbara Giesbert damals antrieben und mit welcher Neugier sie sich der Erkundung der Birken widmete.

Und so gibt es recht unterschiedliche Werke zu sehen: auf der einen Seite die intensiven Farben der „Sehnsuchtsbilder“, aber auch die reduzierte Farbpalette der Birken, die jedoch durch interessante Strukturen und Kontraste zum genaueren Hinsehen anregen.

„Barken, Birken, Borkum – Hauptsache raus!“
Vernissage: 22.04.2023 um 15 Uhr
Ausstellung vom 22.04. bis 20.05.2023




Mit Solidarität in die 40. Ausgabe des internationalen Frauenfilmfestivals

Sechs Tage, rund 160 Filme, das internationale Frauenfilmfestival (IFFF) in Dortmund und Köln vom 18. Bis 23. April 2023 präsentiert in der Jubiläumsausgabe das weibliche Filmschaffen. Das IFFF setzt stark auf Vernetzung und freut sich über neue Kooperationen.



Der Fokus in diesem Jahr lautet „Kompliz*innen“. Hier dreht sich alles um feministische Solidarität im Bereich des Films. Denn seit die Bilder laufen lernten, waren auch Frauen daran beteiligt. Fünf lange Spiel und Dokumentarfilme, drei Kurzfilmprogramme, die Länge Filmnacht und ein Vortrag zeigen die Geschichte und Gegenwart feministische Filmkunst.

Erstmals am Festivalstandort Dortmund: Die Selektion „begehrt! – Filmlust queer“. Hier werden Filme präsentiert, die sich unter dem Stichwort „Bewegungen der Suche“ mit Menschen und Themen aus der LGBTQI*-Community beschäftigen. Es geht dabei hauptsächlich um Momente des Suchens: die Suche nach den richtigen Fragen, Geschichten und Verbindungen.

Auch der internationale Spielfilmwettbewerb ist mit dabei und endlich auch wieder live in den Kinos zu sehen. Acht Spielfilme konkurrieren um das 15.000 € Preisgeld sowie um den Publikumspreis. In der Jury sitzen Helke Sander, Maria Furtwängler und Sara Fazilat. Sie sind als Schauspielerinnen und Produzentinnen Fachfrauen in ihren Gewerken und filmpolitische Aktivistinnen. Ars tremonia wird die acht Filme ebenfalls besuchen und darüber berichten.

Rund 160 Filme warten auf die Besucherinnen und Besucher des Festivals. (Grafik (c) Ina Bunge)
Rund 160 Filme warten auf die Besucherinnen und Besucher des Festivals. (Grafik (c) Ina Bunge)

Aber Filme müssen nicht immer in Kinos stattfinden. Das IFFF präsentiert „Kino to Go“ und wird Filme im öffentlichen Raum zeigen. Mit einem Kinomobil werden Kurzfilmen auf Häuserwände projiziert und Flächen mit Farbe, Ton und Bewegtbild animiert. Start ist bei Einbruch der Dunkelheit und die Teilnahme ist kostenlos.

Wer Lust auf das Festival bekommen hat und sich fragt, wo und wann welche Filme laufen, diese Informationen gibt es unter www.frauenfilmfest.com




Wir wollen dein Feuer nicht mehr – Downsizing Prometheus

Tja, zu spät. So wie die Büchse der Pandora, einmal geöffnet und nicht wieder schließbar, ist auch das Feuer, dass uns Prometheus gebracht hat, nicht wieder an Zeus zurückzubringen. In „Downsizing Prometheus“ zeigte uns die Gruppe Trafique aus Köln am 14. und 15. April 2023 im Theater im Depot welche Folgen das Geschenk an die Menschen hatte.



Laut dem Mythos hatte Prometheus Mitleid mit den Menschen, die in Kälte und Dunkelheit lebten und deshalb beschlossen, ihnen das Feuer zu bringen, damit sie warm bleiben und ihre Nahrung kochen konnten. Dieses Geschenk brachte jedoch den Zorn von Zeus auf Prometheus, da er der alleinige Herrscher des Feuers war.

Die zwei Pärchen (Max Renft, Nancy Pönitz, Johanna Reinders, Tomasso Tessitor) bei ihrer Scharade. (Foto: (c) Peter Ritter)
Die zwei Pärchen (Max Renft, Nancy Pönitz, Johanna Reinders, Tomasso Tessitor) bei ihrer Scharade. (Foto: (c) Peter Ritter)

Als Strafe für seine Tat ließ Zeus Prometheus an einen Felsen im Kaukasus binden, wo er Tag für Tag von einem Adler besucht wurde, der ihm die Leber herauspickte. Die Leber wuchs jedoch nachts wieder nach, so dass Prometheus immer wieder dieselbe Qual erleiden musste.

So weit die Mythologie. Doch was haben die Menschen mit diesem Geschenk angefangen? Trafique führt uns mit Hilfe von popkulturellen Hinweisen durch das Stück. So gibt es Sequenzen aus „2001: Odyssee im Weltraum“ zu sehen oder Zitate aus „Wolf of Wall Street“. Quintessenz: Wir haben das Feuer ordentlich missbraucht, statt es im Sinne der Aufklärung (Platons Höhlengleichnis spielt auch eine Rolle in dem Stück) zu benutzen, zerstören wir unseren Planeten durch unsere Gier und Verantwortungslosigkeit.

Das Stück selbst ist ein Gesellschaftsabend zweier Pärchen (Nancy Pönitz, Max Ranft, Johanna Reinders und Tomasso Tessitori), die sich durch ein philosophisches Scharade-Spiel unterhalten. Alle vier in silberner Kleidung ausstaffiert, wodurch bereits ein materielles Mindset deutlich wird.

Alles in allem ein gelungener Theaterabend, nachdenklich, komisch, visuell anregend.




Aus der Dystopie zur Utopie

Der Jugendclub des Schauspiels Dortmund hat mit „Next step! From Distopia to Utopia“ ein neues Stück auf die Beine gestellt und am 06. April 2023 im Studio präsentiert.



Machen wir uns nichts vor: Gerade die Jugendlichen hatten in Zeiten von Corona nicht viel zu lachen, denn vor allem die Freizeitaktivitäten waren stark eingeschränkt. Hinzugekommen ist der Krieg in der Ukraine und der Klimawandel gegen den immer noch nicht genug getan wird. Kein Wunder, dass für die jungen Erwachsenen eher Endzeit-Gefühle aufkommen als blühender Zukunftsträume.

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Elisa Grewe, Gamze Demir, Hannah Flottmann, Lena Grote, Patricia Madeleine Hosemann, Ediz Memet, Jennifer Schmidt, Yagmur Cihan, Eren Guillermo Itgensoy, Lisa Petersen, Quinn Mengs. Foto: (c) Florian Dürkopp
Elisa Grewe, Gamze Demir, Hannah Flottmann, Lena Grote, Patricia Madeleine Hosemann, Ediz Memet, Jennifer Schmidt, Yagmur Cihan, Eren Guillermo Itgensoy, Lisa Petersen, Quinn Mengs. Foto: (c) Florian Dürkopp

Unter der Regie von Sarah Jasinsczak und der Choreografie von Birgit Götz entwickelte sich aber ein interessantes Stück. Denn es ging um ein Klassentreffen, etwa 5 oder 10 Jahre später. Und auch dort wird Bilanz gezogen: Was hast du erreicht? Was ist aus deinen Träumen geworden? Und wie im echten leben gibt es Aufschneider, Gewinner, Verlierer, die sich beim Genuss einer Flasche hochprozentiger „Wahrheit“ so manches zu erzählen haben.  

Ein wenig zur Utopie gehört auch, dass dem Aufschneider, der mit Motivationssprüchen wie „um 4 Uhr morgens aufstehen“ und mit Geld um sich warf, nachgewiesen werden konnte, dass er seinen Reichtum unrechtmäßig erworben hatte. Das könnte ruhig öfter in der Realität passieren.

Wer Lust hat, kann sich dieses Stück am 13. April 2023 um 20 Uhr noch einmal ansehen. Weitere Vorstellungen sind in Planung.




Künstlerhaus Dortmund: Seit 40 Jahren künstlerisch jung geblieben

Künstlerhaus Dortmund: Seit 40 Jahren künstlerisch jung geblieben

Vom 01. April bis zum 14. Mai 2023 feiert das Künstlerhaus Dortmund am Sunderweg sein 40-jähriges Bestehen mit der Ausstellung „GO:40“. Dafür hat es ehemalige Künstlerinnen und Künstler angefragt und 21 haben Arbeiten geschickt. Zudem wird der der Vernissage mit Dr. Peter Schmieder der langjährige Geschäftsführer verabschiedet.

Die 21 eingeladenen Künstlerinnen und Künstler spannen geografisch von Amsterdam über Dortmund und NRW, Kiel, Leipzig, Berlin, dem schweizerischen Biel bis nach Tokio ein ebenso großes Netz, wie in ihren verwendeten Sujets und Medien. Von Zeichnungen und Malerei, zu Fotografie und Film bis zu Installation reicht das Spektrum der präsentierten Arbeiten.  

Dabei war es den Organisatorinnen und Organisatoren wichtig, dass nur die Personen ausstellen, die noch aktiv in der Künstlerszene sind.

Bei 21 Positionen ist es schwierig, alle im Detail vorzustellen, doch was bei der Pressebegehung schon sichtbar war, zeigt einen spannenden Querschnitt moderner Kunst.

Das Künstlerhaus ist seit 40 Jahren ein Kraftort für Künstlerinnen und Künstler verschiedenster Art. Seine Geschichte ist eine von Persönlichkeiten, die neben ihrem eigenen Werk stets für das Programm des Hauses als Kurator:innen aktiv waren Das Jubiläum ist ein dankbarer Blick zurück und ebenso ein Ausblick auf weitere Jahre voller Programm, voller Überraschungen und Entdeckungen.

Mit dabei sind folgende Künstlerinnen und Künstler: Tomomi Adachi, Christoph Bangert, Patrick Borchers, Harald Busch, Julian Faulhaber, Nina Glockner, Antje Hassinger, Sybille Hassinger, Thomas Haubner, Francis Hunger, Tina Jacobs, Sonja Kuprat, Paola Manzur, Rona Rangsch, Gerd Schmedes, An Seebach, Hildegard Skowasch, Jürgen Spiler, Cornelia Suhan, Helga Weihs und Anke Zürn.

Die feierliche Eröffnung findet am 31. März 2023 um 20 Uhr statt. Mehr Infos über die ausstellenden Künstler:innen unter https://www.kh-do.de/ausstellungen/ausstellungen-2023/go40




Geheimnisse der Natur – Ema Nikolovska

Zusammen mit dem Pianisten Kunal Lahiry präsentierte am 22. März 2023 im Konzerthaus die Mezzosopranistin Ema Nikolovska ein beeindruckendes Repertoire an Liedern und Vokalisen, das von der Schubertschen Romantik bis zur zeitgenössischen Musik reichte.



Der erste Teil des Konzertes war hauptsächlich Franz Schubert und Aaron Copeland gewidmet.  „Twelve Poems of Emily Dickinson“ ist eine Sammlung von Liedern des amerikanischen Komponisten Aaron Copland, die auf Gedichten der amerikanischen Dichterin Emily Dickinson basieren. Die Sammlung wurde erstmals im Jahr 1950 veröffentlicht.

Ema Nikolovska bot mit dem Pianisten Kunal Lahiry ein aufregendes Konzert. (Foto: (c) kaupo Kippas)

Copland hat in diesen Liedern die lyrische Sprache und Stimmung der Gedichte von Dickinson aufgegriffen und in musikalischer Form umgesetzt. Die Musik ist geprägt von klaren, einfachen Melodien und harmonischen Strukturen, die Dickinsons minimalistischem Stil entsprechen.

Die Natur stand in diesen Liedern – wie auch in den von Schubert – im Mittelpunkt. Aber auch Gefühle wie der Verlust und die Einsamkeit („Why do they shut me out of heaven?“) wurden von Ema Nikolovska pointiert gesungen.

Eine Besonderheit waren die „Fünf Melodien“ von Sergej Prokofiew. Eigentlich für Klavier und Violine komponiert, übernahm Ema Nikolovska die Stimme der Violine, aber als Vokalise. Typischerweise wird beim Vokalising eine einzige Silbe, wie „ah“ oder „oh“, auf verschiedene Weise wiederholt und variiert. In der Sowjetunion wurde diese Technik auch benutzt, um zensierte Texte zu umgehen und den Text zu „vokalisieren“. Ein bekanntes Beispiel dafür ist Eduard Khil, der mit seiner vokalisierten Version von „Я очень рад, ведь я, наконец, возвращаюсь домой“ zu einem Internet-Phänomen wurde.

Von diesen Vokalise-Liedern gab es im zweiten Teil mehr. Verschiedene Komponist:innen haben derartige Lieder geschrieben, von Olivier Massiaen über Emily Doolittle bis Héloïse Werner. Sie alle forderten die stimmlichen Fähigkeiten von Ema Nikolovska, die zweimal sogar einen Holzblock als Schlaginstrument benutzen durfte.

Ema Nikolovska ist eine Mezzosopranistin aus Nordmazedonien, die in Deutschland lebt und arbeitet. Sie wurde 1992 in Skopje geboren und begann ihre musikalische Ausbildung an der Musikschule von Skopje. Später studierte sie Gesang an der Hochschule für Musik und Theater Felix Mendelssohn Bartholdy in Leipzig und schloss ihr Studium im Jahr 2017 mit Auszeichnung ab.

Als Zugabe durften die Besucher:innen von Robert Schumann ›Mondnacht‹ aus »Liederkreis« 12 Gesänge von Joseph von Eichendorff op. 39 erleben.




Vom Ich zum Wir

„Wohin gehen schwarze Menschen, wenn sie sterben?“ Das Zitat aus dem Stück „Ewigkeit, Ende, und alles, was niemals begann“, der Gemeinschaftsarbeit von TA-NIA, ist eine der Fragen, die bei der Uraufführung des Stückes am 17. März 2023 im Studio gestellt wurden.



Erst einmal irritiert die Frage, denn was macht es für den Tod einen Unterschied, ob er schwarze, gelbe oder weiße Menschen ereilt? Doch die Glaubensvorstellung, was nach dem Tod passiert, variiert. Denn trotz Christianisierung oder Islamisierung ist der Glaube an den Ahnenkult in Afrika immer noch wach.  Der Ahnenkult spielt in vielen afrikanischen Kulturen eine wichtige Rolle und ist oft eng mit dem Glauben an eine spirituelle Welt und der Verehrung von Vorfahren verbunden. 

Dena Abay und Simon Olubowale vor einer Art "Thron". (Foto: (c) Birgit Hupfeld
Dena Abay und Simon Olubowale vor einer Art „Thron“. (Foto: (c) Birgit Hupfeld

Und „Ewigkeit, Ende, und alles, was niemals begann“ ist eine Art von Ritual, das die Transformation eines Menschen durch den Tod in eine Ahnin, in einen Ahnen. Ahnen, wie die Figur der Shi-Shi, werden als Vermittler zwischen der irdischen und der geistigen Welt angesehen, und es wird angenommen, dass sie weiterhin Einfluss auf das Leben ihrer Nachkommen haben können.

Nun gibt es den Ahnenkult nicht nur in Afrika, sondern auch in Asien. Beispielsweise im Schintoismus in Japan. Die Verehrung von Ahnen im Schintoismus beinhaltet oft die Errichtung von Schreinen oder Altären, an denen Ahnenbilder und -relikte aufbewahrt werden. Viele dieser Schreine und Altäre sind eng mit der Geschichte und Tradition der Familie oder Gemeinschaft verbunden, und es wird angenommen, dass sie als Vermittler zwischen den Ahnen und der irdischen Welt dienen.

Das Stück ist eine Form eines Rituals. Wir sehen eine Strohpuppe (die die Leiche symbolisiert und verbrannt wird), zwei Personen, Xo (Dena Abay) und Kofi (Simon Olubowale) halten Trauerreden und Gebete, aber der Frust über den Tod lässt sie verzweifeln. Sie wenden sich an die „Death Doula“ (eine Art Sterbebegleiterin) und Ahnin Shi-Shi, die ihnen erklärt, wie der Tod als Weg zu begreifen ist, um das Leben neu zu gestalten.

Das Stück besteht aus zwei Teilen, die durch eine Pause unterbrochen werden. In dieser Pause konnte man sich einen thematisch passenden Kurzfilm im ehemaligen Institut ansehen.

Insgesamt ist das Stück sehr physisch, viel Bewegung, aber – trotz des eher traurigen Themas „Tod“ – doch sehr vergnüglich. Vor allem, wenn Simon Olubowale als „Kofi“ mit dem Klettband ins Publikum geht und etwas absteckt. Gegen Ende des ersten und zweiten Teils wird das Stück etwas esoterisch, wenn kosmologische Begriffe wie „schwarzes Loch“ in den Ahnenglauben implementiert werden, doch das ist verzeihlich.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Gemeinschaft. In dem Kurzfilm „Alles, was niemals begann“ führt Shi-Shi (Ruby Commey) ein autogenes Training mit uns durch, mit der Botschaft „Aus Ich wird Wir. Ich fühle mich verbunden“. Dieses Denken in Gemeinschaft ist ein Element vieler Kulturen Afrikas. Im südlichen Afrika gibt es dafür den Begriff „Ubuntu“. Die Aufklärung in Europa stellte das Individuum in den Mittelpunkt des Denkens und lehnte die Idee ab, dass eine Person durch ihre soziale oder religiöse Herkunft oder ihre natürlichen Eigenschaften vorbestimmt sei. Dabei kann es passieren, dass ein übertriebenes Streben nach individueller Freiheit und Autonomie ohne Rücksicht auf andere zu egoistischen Verhalten („Ich, ich, ich“) führen kann. Ubuntu hingegen bezieht sich auch auf das Konzept der Verantwortung und des Mitgefühls in einer Gemeinschaft. Wenn jemand in einer Gemeinschaft leidet, betrifft dies alle Mitglieder der Gemeinschaft, und es wird erwartet, dass jeder sich um den betroffenen Menschen kümmert und ihm Hilfe anbietet.

Somit ist „Ewigkeit, Ende und alles, was niemals begann“, eine spannende Reise in die – sicher nicht nur – afrikanische Sichtweise von Leben und Tod. 




Morph: Claudia Quick stellt im Torhaus Rombergpark aus

„Morph“ nennt die Dortmunder Künstlerin Claudia Quick ihre Installation im Torhaus Rombergpark: Vom 12. März bis 2. April wachsen in der Städtischen Galerie ihre fremd anmutenden Objekte aus den Wänden.



„Morphologie“ ist die Lehre von Gestalt, Struktur und Form. Sprachlich ist ein Morph ein Teilbereich der Grammatik: die kleinste bedeutungstragende Einheit. In amorphen Gebilden sucht der Mensch automatisch nach Struktur und Sinn, sucht nach dem Vergleich. In ihrer Installation lotet Claudia Quick Künstlichkeit und Identität aus.  Strukturen in Kreatur und Körperlichkeit als Formwandlung und Metamorphosen sind weitere Themen der Ausstellung. Die Künstlerin verarbeitet für ihre Skulpturen unterschiedliche Materialien und formt sie um – Holz, Metall und Beton ebenso wie Draht, Nylonfaden oder Lack – und bewegt sich dabei aus der Fläche in die dritte Dimension.
Die Ausstellung ist geöffnet dienstags bis samstags von 14 bis 18 Uhr, sonntags und feiertags von 10 bis 18 Uhr. Ein Rundgang durch die Ausstellung wird auch in der virtuellen Galerie präsentiert: torhaus-rombergpark.de.




„Das Tier in mir“ – oder die Kunst der Prokrastination!

Gemeinschaftsausstellung 2023 im kunstbonbon vom 18.03.2023 bis 15.04.2023



Bei der diesjährigen Themenausstellung im Kunstbonbon geht es um das Problem des Aufschiebens von Erledigungen, das wohl viele kennen.  Das sogenannte Prokrastinieren. Prokrastination ist das wiederholte Aufschieben von Aufgaben, die erledigt werden müssen, obwohl man weiß, dass das Aufschieben negative Konsequenzen haben kann. Prokrastination kann verschiedene Gründe haben, wie z.B. Angst vor Versagen oder Fehlern, Unsicherheit, fehlende Motivation, Langeweile oder Schwierigkeiten, Entscheidungen zu treffen. Was kann man/frau dagegen tun?

Flyer zur Ausstellung "Das Tier in mir" (Foto: (c) kunstbonbon)
Flyer zur Ausstellung „Das Tier in mir“ (Foto: (c) kunstbonbon)

Tierische Methapern für Prokrastination gibt es zuhauf. Beispielsweise, dass man eine „faule Sau“ sei oder vielleicht lieber wie eine Katze stundenlang auf dem Sofa liegt, statt endlich das zu tun, was man sollte. Andere genießen lieber die Geselligkeit einer Herde, statt sich allein an den Schreibtisch zu setzen und die Steuererklärung zu machen oder turnen wie ein Äffchen durch die Gegend im Bemühen, nicht an die staubige Wohnung zu denken oder man hockt eulenartig vor einem Buch und kriegt nicht mit wie die Zeit verstreicht.

Egal, ob die Künstler*innen sich nun überlegt haben, welches Tier in ihnen schlummert und sie von banalen Erledigungen abhält, oder ob sie eine typische Situation darstellen, in der sie unweigerlich prokrastinieren, es gab keine Einschränkungen bzgl. der Darstellungsweise oder Größe, es musste auch kein neues Werk sein…alles war erlaubt für die Ausstellung.

 Und so sehen wir die ganze Bandbreite der bildenden Kunst: Malerei, Fotografie, Zeichnung, Illustration, Skulptur, Objekt und Collage in allen Größen, Formen, Materialien und Farben.

Fragen zu den Exponaten werden die (hoffentlich zahlreich erscheinenden) ausstellenden Künster*innen gern persönlich beantworten.

Die Ausstellung ist bis zum 15.04.2023 zu den üblichen Öffnungszeiten zu sehen (di 13-18, fr 15-18, sa 12-15 Uhr)

Teilnehmende Künstler*innen:

Wibke Brandes, Michaela Düllberg, Sabine Held, Ilse Hilpert, Thomas Hugo, Gudrun Kattke, Claudia König, Ingrid Lacher, Hendrik Müller, Ari Plikat, Günter Rückert, Almut Rybarsch-Tarry, Karin Schmidt, Claudia Terlunen, Lotte Wagner, Michael Wienand




Rosenkranzsonaten von Biber – Barockes Kleinod im Konzerthaus

Am 09. März 2023 war es im Konzerthaus wieder soweit: Die Reihe „Musik für Freaks“ lud Musikinteressierte ein und präsentierte ein besonderes Schmuckstück: Die Rosenkranzsonaten von Heinrich Ignaz Franz Biber (1644-1704). Die Violinistin Mayumi Hirasaki präsentierte mit ihren drei Mitstreiter:Innen sämtliche Sonaten plus die „Schutzengel-Sonate“.



Oft werden nur Teile der Rosenkranzsonaten aufgeführt, so war es am Donnerstag ein Erlebnis dieses Kleinodes der Barockmusik in voller Länge zu erleben. Das Konzert war wie geschaffen für Hirasaki, denn als Barockgeigerin hat Hirasaki einen tiefen Respekt für historische Praktiken und Spieltechniken, die sie in ihrer Interpretation von Barockmusik zum Ausdruck bringt. Ihre Violine klang leise und elegant, konnte aber auch stürmisch sein. Ihre Mitstreiter:innen bei diesem Konzert waren Jan Freiheit (Viola da Gamba), Michael Freimuth (Theorbe) und Christine Schornsheim (Cembalo, Orgel).

Mayumi Hirasaki faszinierte mit ihren Mitmusiker:innen bei ihrem Konzert von Bibers "Rosenkranzsonaten". (Foto: (c) Harald Hoffmann)
Mayumi Hirasaki faszinierte mit ihren Mitmusiker:innen bei ihrem Konzert von Bibers „Rosenkranzsonaten“. (Foto: (c) Harald Hoffmann)

Die Rosenkranzsonaten von Heinrich Ignaz Franz von Biber sind eine Sammlung von 15 Kammermusikwerken für Violine und Basso Continuo, die um 1675 entstanden sind. Jede Sonate ist einem der 15 Mysterien des Rosenkranzes gewidmet und enthält eine kurze Beschreibung des jeweiligen Mysteriums.

Verschiedene Stimmungen der Violine

Die Rosenkranzsonaten sind bekannt für ihre technische Virtuosität und ihre ausdrucksstarke Musikalität. Biber nutzt eine Vielzahl von Spieltechniken und Effekten, um die verschiedenen Stimmungen und Emotionen der Mysterien darzustellen. Zum Beispiel verwendet er ungewöhnliche Stimmungen und Bogenführungen, um die klagenden Klänge der Kreuzigung darzustellen, während er in anderen Sätzen schnelle Läufe und virtuose Passagen einsetzt, um die Freude und das Jubel der Auferstehung zu vermitteln.

Geführt von Hirasaki konnten die vier Musiker:innen in die die komplexe und virtuose Welt von Biber eintauchen, der selbst ein guter Violinist gewesen sein soll. Vom ruhigen, träumerischen Beginn der ersten Sonate („Die Verkündigung“) über die traurigen-melancholischen Sonaten („Dornenkrönung“ und „Kreuzigung“) bis hin zu erhabenen Sonaten („Mariae Himmelfahrt“). Zusätzlich spielte Hirasaki noch die 16. Sonate oder „Schutzengel-Sonate“, die aus einem Soloviolinenpart besteht.

Ein gelungener, intimer Abend, der sich Zeit nahm, die kompletten Rosenkranzsonaten in einem Konzert zu spielen und somit die Zuhörenden verzauberte.