Klassische Musik zwischen Wien und Edinburgh

Beim 3. Konzert Wiener Klassik mit dem Titel „Von Wien bis Edinburgh“ am 08.05.2023 im Dortmunder Konzerthaus standen Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791) und Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809 – 1847) und der Bezug zweier ihrer Werke zu diesen Städten im Mittelpunkt.



Außerdem spielte die Klarinette, welche gerade erst zu Mozarts Lebenszeit langsam an Beachtung gewonnen hatte, eine wesentliche Rolle.

Für die Entstehung des Konzerts für Klarinette und Orchester A-Dur KV 622 am Anfang des Abends war die Begeisterung Mozarts für das Instrument maßgeblich. Die entstand in Wien durch seine Freundschaft zu den Brüdern Stadler, zwei Klarinettenvirtuosen.

Der Dortmunder Philharmoniker unter der souveränen Leitung von Nabil Shehata stand als Solo-Klarinettistin Alina Heinl (Seit 2020 in dieser Position bei der Dortmunder Philharmoniker) bei diesem Werk zur Verfügung.

Sie meisterte im kongenialen Zusammenwirken mit dem Orchester dieses musikalisch reichhaltige und anspruchsvolle Konzert mit Leichtigkeit und Empathie. Ob virtuose Läufe, gewagten Sprünge, ausdruckstarkes Legato – Spiel  oder etwa der Wechsel zum bewegende, langsame 2. Satz.

Das Werk strahlte eine Stimmung von gelöster Heiterkeit mit einer Portion Wehmut aus.

Die Sinfonie Nr. 3 a-Moll op. 56 (genannt „Die Schottische“) von Felix Mendelssohn-Bartholdy nach der Pause entstand zehn Jahre nach einem dreiwöchigen Aufenthalt des Komponisten in Edinburgh und der Besichtigung des Holyrood Castles.

Die Klarinette bekam auch hier eine tragende Rolle. So in der Eröffnung des Scherzos. Deren besondere Klangfarbe zieht sich wie ein roter Faden durch die vier ineinander Sätze durch die Sinfonie. Diese sind auf verschiedene Weise thematisch miteinander verwoben.

Das Werk besticht durch seine Wechsel von romantischen musikalischen Abschnitten und dramatischen, bis zum Schluss hymnisch wachsenden Steigerungen. Für die Leistungen aller Beteiligten gab es am Ende viel Beifall vom Publikum.




In der Übersetzung verlorengegangen – Aşk (Liebe)

Das türkische Wort „Aşk“ kann man im Deutschen mit „Liebe“ übersetzen, doch dann geht einiges von den Nuancen des Wortes verloren – es ist „Lost in Translation“ wie der komplette Titel des deutsch-türkischen Stückes heißt. „Aşk – Lost in Translation“ begibt sich auf die Suche nach den unterschiedlichen Bedeutungen dieses kleinen Wortes. Sinem Süle und Aydın Işık wühlen sich im Theater im Depot gemeinsam durch die ost-westliche Literatur. Begleitet wurden sie von Kemal Dinç mit seiner Bağlama. Regie, Texte und künstlerische Leitung hatten Ayşe Kalmaz und Kemal Dinç.



„What is love?“ sangen bereits Howard Jones in den 80ern und Haddaway in den 90ern. Unzählige Lieder über die Liebe wurden getextet und komponiert. Doch die Frage ist ja, was für eine Art „Liebe“ ist „Aşk“? Ist es das körperliche Begehren nach einer anderen Person, oder kann es auch die Liebe zu einer Idee oder ähnlichem bedeuten. So gibt es den Begriff der „Agape“, die selbstlose, nicht sinnliche Liebe, im Gegensatz zu „Eros“, dem sinnlichen Verlangen.

Sinem Süle und Aydın Işık auf der Suche nach der Bedeutung von "Aşk". (Foto: (c) Kalmaz / Dinç)
Sinem Süle und Aydın Işık auf der Suche nach der Bedeutung von „Aşk“. (Foto: (c) Kalmaz / Dinç)

So diskutieren und streiten Süle und Işık über die verschiedenen Bedeutungsebenen und machen für mich eines deutlich: Der Job eines Übersetzers ist nicht ohne. Denn ohne den richtigen Zusammenhang, kann in der Übersetzung einiges an Feinheiten verloren gehen. Das ist etwas, an dem Übersetzungsprogramme trotz immer besser werdender KI scheitern. Hier ist immer noch der Mensch gefragt, der durch sein Wissen und seine Erfahrung Begriffe richtig einordnen kann.

Das 60-minütige Stück war sehr kurzweilig und hatte mit Kemal Dinç auch jemanden, der musikalische Highlights setzen konnte. Ein vergnüglicher ost-westlicher Ritt durch die Literatur.




Chiffre 23 – Ausstellung der Dortmunder Gruppe um eine geheimnisvolle Zahl

Was hat der Ausstellungsname „Chiffre 23“ wohl zu bedeuten? Ich habe mal ChatGPT gefragt, der in der Ausstellung auch thematisiert wird, und folgende Antowrten bekommen:  In der Numerologie wird die Zahl 23 als eine Kombination der Energien der Zahlen 2 und 3 betrachtet. In der jüdischen mystischen Tradition der Kabbala wird die Zahl 23 mit dem hebräischen Buchstaben „Mem“ in Verbindung gebracht, der mit Wasser assoziiert wird. Die Zahl 23 wird daher oft mit dem Zugang zu tiefer Weisheit und spirituellem Wachstum in Verbindung gebracht. Der Diskordianismus besagt, dass die Zahl 23 eine geheime Bedeutung und eine mysteriöse Kraft hat, die in allen Aspekten des Lebens auftaucht.



Da ich aber eher zum „Team Science“ gehöre, ist meine Interpretation, dass die Zahl „23“ für das Jahr 2023 steht. So ist das in der modernen Kunst, es gibt es kein „Richtig“ oder „Falsch“, es liegt im Auge des Betrachtenden.

Die Künstler*innen: Gudrun Kattke, Jan Bormann, Mariana González Alberti und Alexander Pohl von der Künstlervereinigung: Dortmunder Gruppe e.V. Foto: © (Copyright) Michael Lemken
Die Künstler*innen: Gudrun Kattke, Jan Bormann, Mariana González Alberti und Alexander Pohl von der Künstlervereinigung: Dortmunder Gruppe e.V. Foto: © (Copyright) Michael Lemken

Aber kommen wir zu den Fakten_: Die Ausstellung läuft vom 07.  bis zum 28. Mai in der Städtischen Galerie Torhaus Rombergpark. 20 Künstlerinnen und Künstler stellen Werke aus unterschiedlichen Bereichen aus.

Ein beeindruckendes Werk ist „Illusion und Schöpferkraft“ von Roul Schneider. Wie ein riesiger Computer-Chip aus Kohle wirkt die Arbeit, mit Verbindungen aus Metall, die sich in die Erde bohren.

Gegenüber ist eine weitere großformatige Arbeit. Der Künstler Martin Becker hat einen riesigen Feuersturm ins Torhausgebracht. Vielleicht ein Ergebnis des Ukraine-Krieges oder anderer blutiger Konflikte.

Mit dem Thema Krieg beschäftigt sich auch Alexander Pohl. Die beiden Werke „Happyness is a warm gun“ und “Wir werden irgendwann dahin gehen wo die meisten von uns schon sind“ kritisiert die Gewinne der Waffenindustrie und die Folgen des Ukraine-Krieg.

Jan Bormann stellt zwei Plastiken aus. „Gesicherte Energie“ nimmt Bezug auf die Kohle im Ruhrgebiet und die Frage, wieso im Ruhrgebiet die Erdwärme nicht genutzt wird. Beim „Kraft-Rad“ will das Rad seine Freiheit gewinnen.

Mit „Golem23“ verbindet Era Freidzon den alten Mythos vom Golem mit der Künstlichen Intelligenz. Das Erschaffen eins künstlichen Wesens aus Schlamm (Golem) einerseits und Daten (KI) andererseits zeigt, dass beide eine gewisse Eigenständigkeit und Identität entwickeln könn(t)en.

Die Zahl 23 ist eine Primzahl. Periodischen Zikaden oder 17-Jahres-Zikaden (Magicicada), haben einen bemerkenswerten Fortpflanzungszyklus, der in Primzahlen ausgedrückt werden kann. Daher hat Mariana González Alberti einige Larven ausgestellt. Aus der Ferne sehen sie aus, als wären sie aus Metall, sind aber aus Pappe.

Eine zarte Landschaft, aus Faden gebildet, zeigt Sabine Held. Gudrun Kattke verarbeitet den Verlust eines engen Freundes mit der mehrteiligen Installation „VIP*RIP“.  Darüber hinaus gibt es Arbeiten zu sehen von Marlies Blauth, Teresa Crawford Cabral, Birgit Feike, Rosa Fehr von Ilten, Lutz Kemper, Erwin Löhr, Dina Nur, Monika Pfeiffer, Christian Psyk, Erika A. Schäfer, Wolfgang Schmidt und Claudia Terlunen.

Der Eintritt zu der sehenswerten Ausstellung ist frei.  Die Öffnungszeiten des Torhauses sind dienstags bis samstags 14-18 Uhr und sonn- und feiertags 10 bis 18 Uhr.




Wo kommt der Strom für die Roboter her?

Im Stück „Strom – eine Robotergeschichte“ erzählte uns Yvonne Dicketmüller am 30. April 2023 im Theater Fletch Bizzel einiges über Energiesparen und Stromfresser. Das Theaterstück ist konzipiert für Kinder ab 5 Jahren.



In einer Robotermetropole leben Roboter in Saus und Braus. Sorglos verprassen sie Strom, wo sie nur können. Eines Tages aber stellen sie fest, dass ihr Lebenselixier, der Strom, zu versiegen droht. Alle Energiereserven sind verbraucht und die Roboter stehen vor dem Aus. Sie drohen auszusterben.

Szenenbild aus "Strom - eine Robotergeschichte" von Yvonne Dicketmüller. (Foto: (c) Yvonne Dicketmüller)
Szenenbild aus „Strom – eine Robotergeschichte“ von Yvonne Dicketmüller. (Foto: (c) Yvonne Dicketmüller)

Auch dem kleinen Roboter Adam setzt der bereits beginnende Energiemangel zu. Doch als sein geliebtes Haustier, Bello, verschwindet, mobilisiert er seine letzten Energiereserven, um Bello wiederzufinden.

Das Stück überzeugt nicht nur durch die liebevoll gestalteten Hauptfiguren und die Spielorte, auch Dicketmüller gibt ihren Hauptfiguren die nötige Tiefe. Vielleicht sind die Fragen, die sie im Laufe des Stückes stellt, für die ganz Kleinen noch zu schwer, aber alle konnten der – an manchen Stellen urkomischen – Handlung gut folgen.

Der zweite Aspekt, der in dem Stück eine Rolle spielt, ist das Stromsparen. Denn ein hoher Energieverbrauch sorgt dafür, dass immer mehr Energie benötigt wird. Wenn dann wie in der Roboterstadt die Kohle ausgeht, wird es im wahrsten Sinne des Wortes zappenduster.

Das Stück bietet einen großen Mitmachcharakter für danach. Denn die Lösung, die „Mutter Natur“ vorschlägt, ist die gute alte Gemüsebatterie. Eine Gemüsebatterie ist eine Art von Bio-Batterie, die durch den Einsatz von elektrisch leitfähigen Gemüsesorten wie Kartoffeln, Gurken oder Tomaten Strom erzeugt. Die Funktionsweise einer Gemüsebatterie beruht auf einem elektrochemischen Prozess, bei dem die in den Gemüsesorten enthaltenen Elektrolyte (in der Regel Phosphorsäure) in Verbindung mit zwei verschiedenen Metallen als Elektroden verwendet werden.

Damit kann man beispielsweise eine LED-Lampe zum Glühen bringen, aber ob es für Roboter Adam reichen würde?

Auf jeden Fall lernen die Kinder in diesem Stück, dass sie sorgsam mit Energie umgehen müssen.




Theaterstück über Hatespeech – CO-OP MODE

Im Kinder- und Jugendtheater hatte am 28. April 2023 die Stückentwicklung „CO-OP MODE“ unter der Regie von Nora Kühnhold und Renée Grothkopf Premiere. Das große Thema war der Umgang mit Hatespeech.



Hatespeech kann sowohl online als auch offline auftreten und kann schwerwiegende negative Auswirkungen auf die betroffenen Personen haben. Es kann zu einer Verbreitung von Angst, Hass und Intoleranz führen und kann dazu beitragen, bestehende soziale Ungleichheiten und Diskriminierungen zu verstärken.

Thomas Ehrlichmann und Jan Westphal in "CO-OP MODE" (Foto: (c) Birgit Hupfeld)
Thomas Ehrlichmann und Jan Westphal in „CO-OP MODE“ (Foto: (c) Birgit Hupfeld)

Darüber hinaus kann Hatespeech auch dazu beitragen, die freie Meinungsäußerung zu unterdrücken und die öffentliche Debatte zu verzerren. Es kann dazu führen, dass bestimmte Gruppen von Menschen aus der Diskussion ausgeschlossen werden und sich zurückziehen, aus Angst vor Angriffen oder aus Frust über eine nicht zugängliche Debatte.

In dieser Stückentwicklung ging es einerseits um das Onlinespiel „Consentia“, das auf einem Kooperationsmodus basiert und in dem Spielziele gemeinsam erreicht werden sollen. Doch der Server bricht zusammen. Ist es ein Hackerangriff von Rechtsextremen, denen das Spiel zu „links“ ist? Jedenfalls ist Vincent samt seinem Freund*innen im Netz ratlos.

Gleichzeitig stehen für Vincent (Thomas Ehrlichmann) und seinem Freund Lukas (Jan Westphal) ein Referat über Nietzsche an. Lukas, der sich auch nicht in „Consentia“ einloggen kann, stöbert durch Foren und wird durch die dortige negative Stimmung immer weiter heruntergezogen, bis er auch an Mobbing gegen eine Mitschülerin teilnimmt.

Nach dem chaotischen Referat vergisst Lukas sein Handy und Vincent entdeckt die Forengespräche. Vincent und seine Freunde machen sich zunächst daran, offensiv mit Gegenrede gegen das Mobbing vorzugehen und später stellt Vincent Lukas zur Rede.

Das Spiel „Consentia“ ist der Aufhänger und der Anker in diesem Stück. Es dominiert die Bühne, denn rechts neben der Bühne zeigt eine Leinwand die Grafik des Spiels, während in der Mitte auf einem aufgemalten Spielfeld die Avatare „in echt“ zu sehen sind.

Doch gezeigt wird, dass das größere Problem die Internetforen ist, in denen unmoderiert jeder schreiben kann, was ihm passt. Auch Hatespeech. Was die einen als „ultimative Freiheit“ sehen, dient rechtsextremistische und frauenfeindliche Gruppen wie INCELS dazu, junge und leicht beeinflussbare Menschen zu rekrutieren und zu radikalisieren.

Dennoch ist es falsch, das Internet in Bausch und Bogen zu verdammen. Denn gerade für marginalisierte Minderheiten kann das Internet ein Ort sein, sich mit Gleichgesinnten zu verbinden und Kontakt aufzunehmen. Das wurde in „CO-OP MODE“ durch kleine Einspielfilmchen gezeigt.

Wer Hatespeech bekämpfen möchte, kann sich unter anderem bei hassmelden.de oder der App „Meldehelden“ informieren.

Weitere Vorstellungen sind am 21., 22. und 23. Mai. Informationen unter www.theaterdo.de




Kuckucksei – Eine Fabel über Akzeptanz

Das mit den Neuankömmlingen ist so eine Sache. Sie haben andere Bräuche, andere Nahrungsgewohnheiten und so weiter. Doch dann entdeckt man, dass es viele Gemeinsamkeiten gibt. So auch beim Stück „Kuckucks-Ei auf Insel 3“ vom Turbo Prop Theater am 23. April 2023 im Fletch Bizzel. Geeignet ab vier Jahren.



Mitten im Meer schwimmt eine grüne Insel – ein Paradies für bunte Vögel.

Unterschiedlich, aber doch ähnlich. Gemeinsamkeiten verbinden. (Foto: (c) Turbo Prop Theater)
Unterschiedlich, aber doch ähnlich. Gemeinsamkeiten verbinden. (Foto: (c) Turbo Prop Theater)

Hier fühlt Familie Kugelhupf sich richtig wohl. Papa Caruso hat heute Nestdienst auf dem Ei, denn Mama Lizzi schmettert ein flottes Liedchen auf Nachbars Vogelhochzeit.

Doch dann passiert es: Ein fremder Vogel nistet sich ausgerechnet in den Baum von Caruso ein. Natürlich versucht er den fremden Vogel zu vertreiben, aber schließlich lässt er sie gewähren. Beide brüten über ihren Eiern, aber als die Zeit zum Schlüpfen kommt, gibt es eine Überraschung.

“Kuckucksei“ ist eine kleine Fabel über Unterschiede und Gemeinsamkeiten sowie Bekämpfung von Vorurteilen. Schön, dass Fluchtgründe – hier die Erderwärmung – zumindest kurz angesprochen wird. Von den beiden Puppenspielern wird „Kuckucksei“ sehr gut gespielt, die Kinder sind sehr schnell im Stück und sind die 60 Minuten bei der Sache.




Frauen Film Fest Dortmund+Köln 2023 – erfolgreich durchgestartet nach Corona

Am Abend ging in der Dortmunder Schauburg mit der Preisverleihung des 40.Internationalen Frauen Film Fest Dortmund+Köln eine der erfolgreichsten Ausgaben der Festivalgeschichte zu Ende. Die erste nachpandemische Edition wurde von Besucher*innen und Filmschaffenden gefeiert: Rekordzahlen bei den Akkreditierten, zahlreiche ausverkaufte Vorstellungen und intensive Debatten in Dortmund und Köln.



Der mit 15.000 Euro dotierte Preis des IFFF Dortmund+Köln ging in diesem Jahr an den spanischen Wettbewerbsbeitrag MOTHERHOOD (LA MATERNAL) der Regisseurin Pilar Palomero. Er erzählt von der 14-jährigen Carla. Sie schwänzt die Schule, hängt mit ihrem Freund ab und streitet mit ihrer Mutter. Als die
Schwangerschaft festgestellt wird, findet sie in »La Maternal«, einem Zentrum für jugendliche Mütter, Hilfe und neue Verbündete. Wie wird man Mutter, wenn man selbst noch ein Kind ist? Palomero arbeitet mit Laien, die ihre eigenen Geschichten erzählen. Grandios ist die junge Hauptdarstellerin Carla Quílez.
Die Jury war mit den deutschen Filmschaffenden und filmpolitischen Aktivistinnen Helke Sander, Sara Fazilat und Maria Furtwängler besetzt. Bei der Preisverleihung riefen sie ausdrücklich zur Solidarität mit den Frauen in Iran auf.

Jury und Preisträgerinnen mit Festivalleiterin Maxa Zoller. (Foto: (c) Julia Reschucha)
Jury und Preisträgerinnen mit Festivalleiterin Maxa Zoller (2. Reihe Mitte). (Foto: (c) Julia Reschucha)

Der Internationale Spielfilmwettbewerb präsentierte acht aktuelle Spielfilme aus Brasilien, Deutschland, Frankreich, Indonesien, Mexiko, Palästina und Spanien.
Er gibt Regisseur*innen eine Plattform, die interessante Debüts vorgelegt hatten oder bereits ein größeres Œuvre aufweisen. Das Preisgeld wird zwischen der Regisseurin (5.000 Euro) und dem deutschen Verleih (10.000 Euro) geteilt. Damit soll der Vertrieb der Filme von Regisseurinnen in Deutschland unterstützt werden.

Nach Auszählung der letzten Stimmen stand fest: Der mit 1.000 Euro dotierte Publikumspreis der Sparkasse Dortmund ging in diesem Jahr an die Dokumentarfilmerin Claudia Richarz für HELKE SANDER: AUFRÄUMEN. Er ist das Porträt der bahnbrechenden Filmarbeit von Helke Sander – Filmemacherin, Autorin, Mitbegründerin der zweiten deutschen Frauenbewegung, Gründerin der ersten europäischen feministischen Filmzeitschrift »Frauen und Film«. Diese ganz aktuelle Arbeit von Claudia Richarz (VULVA 3.0, ABNEHMEN IN ESSEN, u.a.) feierte in Dortmund Weltpremiere. Sie nahm den Preis am Abend persönlich entgegen. Den Preis übergab Gabriele Kroll als Vertreterin des Vorstandes des Sparkasse Dortmund. An der Abstimmung um den Publikumspreis nahmen alle Festivalfilme teil, die in den letzten zwei Jahren entstanden waren und länger als 60 Minuten sind.

Weitere Preisträgerinnen: • Shoot KHM & IFFF Dortmund+Köln Nachwuchspreis für Künstlerinnen der KHM geht 2023 an Hanna Noh
• ECFA Kurzfilmpreis geht an TULA von Bea de Silva




IFFF Tag 5 – Mediterranean Fever

So ein wenig ähnelt der Plot von „Mediterranean Fever“ von Regisseurin Maha Haj an den französischen Film „Die Filzlaus“ von 1973 mit Jacques Brel und Lino Ventura. Ein depressiver Mensch mit Selbstmordabsichten sucht einen Auftragskiller und findet ihn beim kleinkriminellen Nachbarn.



In „Mediterranean Fever“ spielt der Nahostkonflikt eine bedeutende Rolle, beide Protagonisten sind offenbar Palästineser, die in Haifa (Israel) leben. Waleed ist Schriftsteller, der wegen seiner Depression an einer Schreibblockade leidet und sein Nachbar Jalal arbeitet überall auf dem Bau, hat aber auch kriminelle Geschäfte, die ihn einholen.

Ausschnitt aus dem Film "Mediterranean Fever" (Foto. (c) Pallas-Film)
Ausschnitt aus dem Film „Mediterranean Fever“ (Foto. (c) Pallas-Film)

)So entwickelt sich im Film eine Männerfreundschaft, die zunächst geprägt ist von beiderseitiger Abneigung, bis sie sich besser kennenlernen. Diese Nähe zu kriminellen Geschäften nutzt Waleed aus, um Jalal nach einem Auftragsmörder zu fragen.

Diese schwarze Komödie stellt zwei unterschiedliche Männer gegenüber. Den depressive, antriebslosen Waleed und den patenten Jalal. Aus dieser Kombination ergeben sich zwangsläufig humorvolle Situationen. Der Nahostkonflikt hängt wie eine Wolke über dem Film. Meist wird er in den Fernsehnachrichten thematisiert, er spielt auch eine Rolle in den Schulproblemen mit Waleeds Sohn.

Sehr gut gelungen sind die Bilder, die neben schönen Strandbildern auch einen kleinen Einblick in das arabische Leben im israelischen Haifa zeigen. Dazu kommen zwei gute Hauptdarsteller.




„Piano-Klassik –Wilsing mit Genuss“

Eine gemeinsame Veranstaltung von Hörde International e.V. und den Dortmunder Philharmonikern.

Sonntags-Matinee, 14.5.2023, 11.30 – 13.00 Uhr im Hörder Bürgersaal/Hörder Bahnhofstraße 16
Musik von Eduard Wilsings und weiterer Meister der Klaviermusik und danach (ab etwa 13.15/13.30 Uhr) „Wilsing-Schmaus“ im Restaurant/Cabaret Queue Hermannstraße 74.



Auch bei dem 3. Wilsing-Klassik-Konzert im Bürgersaal wieder ein gerade neu entdecktes Werk des Hörder Komponisten Eduard Wilsing im Mittelpunkt stehen. Seine Bearbeitung der 8. Sinfonie von Ludwig van Beethoven in einer Klavierfassung für „4 Hände“ wird eine Überraschung sein. Die Sinfonie ist, ähnlich wie die Werke von Eduard Wilsing, zu Unrecht weniger beachtet worden. Mit 30 Minuten ist es Beethovens kürzeste Sinfonie. In ihr sprudelt es von Humor und überraschenden Wendungen, da sich Beethoven mit seinen Ideen nicht an die damals üblichen Konventionen gehalten hat. So ist dieses Werk gerade im Rahmen der kurzweiligen Matinee am Sonntag passend.
Mit eingängigen Werken anderer Meister der Klaviermusik, nämlich Schubert und Debussy, sowie einer Fuge von Wilsing, die als Frühwerk stark an Bach erinnert, haben Tatiana Prushinskaya und Karsten Scholz ein stimmiges Programm zusammengestellt. Beide sind als Solorepetitorin bzw. Solorepetitor vielbeschäftigte Mitglieder der Dortmunder Philharmoniker.
Ihre Mitwirkung macht erkennbar, dass die Veranstaltung gemeinsam von Hörde International und den Dortmunder Philharmonikern getragen wird und so Dortmunder Philharmoniker in Hörde präsent sein werden.
Wilsing mit Genuss lautet der Titel nicht ohne Grund, denn im Zusammenwirken mit dem Cabaret Queue können Besuchende und Interessierte einen „Wilsing-Schmaus“ genießen.
Nach dem Konzert am 14.5. umfasst der „Wilsing-Schmaus“ ein Hauptgericht (auch vegetarisch) und den damals „typischen“ Nachtisch zum Preis von 16 Euro.
So kann nach dem Konzertgenuss bei einem Austausch zwischen Interessierten und den Musizierenden der Genuss auch noch weitergeführt werden und damit auch Alleinstehenden ein Angebot gemacht werden, sich mit jemandem über das Konzerterlebnis auszutauschen.
Der Eintritt zu dem Konzert ist frei.
Um Spenden für die Wilsing-Veranstaltungsreihe wird gebeten.
Anmeldungen sind erforderlich:
Zum Konzert per Email an: wilsing@hoerde-international.de
Zum Wilsing-Schmaus über die Internetseite des Cabaret Queue: www.cabaretqueue.de oder telefonisch unter: 01514/6245611




Selbstermächtigung des weiblichen Körpers – Velvet

In ihrer Tanzperformance „Velvet“ setzt sich Tänzerin Claire Vivianne Sobottke mit der Geschichte des weiblichen Körpers auseinander. Das Stück spielt in einem Garten mit Steinen, und Blumen und bietet mit der archaisch, rhythmischen Musik von Tian Rotteveel einen Par-Force-Ritt. Ein Bericht über die zweite Aufführung am 21. April 2023 im Theater im Depot.



Es ist erstaunlich, welche Querverbindungen entstehen können. Auf dem Internationalen Frauenfilmfestival lief im Wettbewerbsprogramm der Film „Regel 34“ der brasilianischen Regisseurin Júlia Murat über eine angehende Pflichtverteidigerin, die tagsüber Frauen hilft, aber abends über eine Plattform ähnlich wie „Onlyfans“ ihren Körper gegen Geld zur Schau stellt. In „Velvet“ wie in „Regel 34“ geht es um die Wiederaneignung des weiblichen Körpers.

"Velvet" ist eine sehr ausdrucksstarke, intensive Tanzperformance von Claire Vivianne Sobottke. (Foto: (c)  Eike Walkenhorst)
„Velvet“ ist eine sehr ausdrucksstarke, intensive Tanzperformance von Claire Vivianne Sobottke. (Foto: (c) Eike Walkenhorst)

Über Jahrtausende haben Männer geschafft, den weiblichen Körper durch Kleidervorschriften und Verbote unter ihrer Kontrolle zu bekommen. Die Angst vor dem weiblichen Körper und der weiblichen Sexualität scheint tief zu sitzen.

Ein anderer Aspekt, die tierisch-animalische Wildheit fasziniert Sobottke ebenfalls. Der Begriff „Wildnis“ symbolisiert für sie ein unerforschtes Gebiet, in dem keine menschlichen Regeln gelten und nicht-menschliche Kräfte und Wesen wirken. So taucht gegen Ende eine Bärin auf, mit die Tänzerin Sex simuliert, dabei wird seine Dominanz gebrochen und die Tänzerin ist die aktive Person.

Die Performance von Sobottke ist ein grotesker Tanz mit vielen repetitiven Elementen. Sie erzählt quasi in ihrem Stück die „Menschwerdung“ von Menschenaffen bis hin zum modernen Menschen und durchbricht dabei die vierte Wand. So wurde beispielsweise meine Brille zum Requisit.

Das Stück „Velvet“ ist nicht umsonst ab 14 Jahre, denn Sobottke tanzt den Großteil ihres Programms nackt. Es ist für die Zuschauenden die direkte Konfrontation mit einem weiblichen Körper.

Nicht zu vergessen ist die intensive Musik von Tian Rotteveel. Zusammen mit Kelly O’Donohue, Abigail Sanders (beide Blechblasinstrumente), Almut Lustig, Sabrina Ma (beide Percussion) , Camilla Scholtbach (Bärin) und Tian Rotteveel (Spinett, Harmonium) wurden archaische Klänge erzeugt, die die Tanzperformance sehr effektvoll ergänzte.

Ja, die Wildnis ist nicht ganz ungefährlich und hat nichts mit sauberen, gefegten Wegen zu tun. Wer sich traut, kann mit „Velvet“ ein außergewöhnliches wildes Tanztheater erleben.