All you need is love/love

Die Lieder, die sich um das Thema „Liebe“ drehen, sind Legion. Erstaunlicherweise ist in der zeitgenössischen Kunst dieses Thema nicht so populär. Angst vor dem Kitsch, vor einer zu platten Vulgarität? Dabei bietet es so viele Anknüpfungspunkte: Elitepartner und Tinder, kollektive Einsamkeit, Ehe und Polyamorie, Boomer und GenZ, cis und queer – wie man lebt und liebt, das wird heute ganz neu gedacht, diskutiert und hinterfragt.
Jedenfalls hat es das Künstlerhaus Dortmund Dank Organisatorin Dagmar Lippok geschafft, eine Vielzahl Künstlerinnen und Künstler mit ihren Arbeiten zu präsentieren. Also bis zum 01. Oktober 2023 heißt es im Künstlerhaus love/love.



Marlene Apmann und Anja Bohnhof zeigen eine negativ konnotierte Art der Liebe. Arrangierte Ehen sind in Indien verbreitete Praxis. Insgesamt zeigt sich in Indien ein wachsender Trend, die Hochzeitsfeiern als ein aufwändig gestaltetes Ereignis zu inszenieren; dabei werden die Veranstaltungsorte, große Hallen oder auch Zelte mit Hilfe von Kulissenarchitekten in indische Traumwelten verwandelt. Die Fotografien zeigen die Orte vor oder nach den Feiern, wenn sie kaum was von der Traumwelt haben.

Aleksandra Belics Herangehensweise an die Kunst ist ein spezifisch persönlicher Weg zum Universellen. Sie fordert den Betrachter durch die direkte Natur ihrer Malerei heraus. Die Künstlerin nutzt ihre eigenen Beziehungen und Erfahrungen als Inspirationsquelle. Ihre Arbeit folgt der Geschichte einer komplizierten Frau, die weibliche Zerbrechlichkeit und Stärke in einer Welt ausdrückt, in der die Lust gewinnt und die Liebe verloren ist.

Für die Ausstellung love/love hat Carl Brandi das Live-Rollenspiel „Idunas Äpfel“ geschrieben und produziert. Es erzählt von wundersamen und erschreckenden Verbindungen zwischen germanischer Mythologie, Fussballromantik und Verschwörungstheorien. Durch Archäologie und Computerspielen entlehnten Mechaniken entsteht eine erlebbare Geschichte, die sich nahtlos in die Räume des Künstlerhauses und seine Umgebung einfügt. Plot und Umsetzung fühlen romantischen Grundbedürfnissen nach.

Birgit Brenner (*1964 in Ulm) setzt sich inhaltlich und formal konsequent mit gesellschaftlichen Themen aus den Bereichen Ökologie, Ökonomie und Soziales auseinander. Dabei spannt sie einen weiten Bogen zwischen Themen wie Ungerechtigkeit, Zwang, Scheitern, Gewalt und Angst, Glücksversprechen, Überwachung und Diversität. In den letzten Jahren hat sie ihren Fokus zunehmend auf Themen wie Digitalisierung, Umwelt und Dystopie erweitert. In ihrem 2020 entstandenen Film „Final Call“ thematisiert sie die gravierenden gesellschaftlichen Folgen der Entfremdung des zeitgenössischen Menschen und die rasant voranschreitende Zerstörung der Welt.

Yvonne Diefenbach verarbeitet stereotypes Bildmaterial erotischer Darstellungen des weiblichen Körpers. In ihrer spielerischen Herangehensweise lösen sich die Motive von vorgegebenen Klischees und entheben sich einem voyeurhaften, sexistischen Blick, in der die Figur stets ihre Souveränität beibehält.

Tina Herchenröther verfolgt in ihren Arbeiten einen performativen Ansatz. Ihr körperlicher Ausdruck in Gesten und Posen findet sich als unmittelbares Vorbild in ihren Zeichnungen und Malereien wieder. Dabei geht sie eine besondere Verbindung mit Figuren der Popkultur ein, übernimmt deren Haltung und überschreibt gleichzeitig deren Identität mit den Mitteln der Zeichnung und Malerei. Herchenröthers unerschrockener Einsatz von Material und Technik bietet jedem Abbild genügend Raum für das Unerwartete und Intuitive. 1998 in Frankfurt geboren, lebt und arbeitet sie in ihrer Geburtsstadt.

2003 wuchs Klara Hobzas Obsession für Samuel Morse und das Morsealphabet, das sie erlernte, und sie baute ein einfaches, selbst konstruiertes Lichtsystem, um ihre Botschaften hinaus nach New York zu morsen. Wenig überraschend antwortete zunächst niemand; der Morsecode, einst von größter Bedeutung, ist auf dem Weg in Vergessenheit zu geraten. Erst später wurden ihre Morsesignale von einer kleinen Gruppe von New Yorkern erkannt und beantwortet.

Glaube, Sitte, Heimat. Konventionen. Brüssel, Belgien. Nicht Genf, nicht die Schweiz. Polen, Ungarn, Bulgarien – aber bitte keine Z*******. Ukraine, Russland, Gas, Ölpreise. Volltanken und zulaufen lassen. Sich völlig wegspülen. Angespült werden. Endlich ankommen in klaren Strukturen und wissen, dass schon Leute auf dich warten.
Wir, das Schützenkorps-Europa glauben an die Würde des Lebens, an Gott, an die Politik und daran, dass der nächste Morgen nicht so schlimm wird, wenn man nicht durcheinander trinkt. An die gute Sitte: zur Titte, zum Sack – zack, zack. Und Heimat. Wissen wo man hingehört, wo man hingehen kann, wenn es einem schlecht geht. Heimat, wo man einig ist, wo Alltag ist, wo man Mensch ist, wo man einkauft, wo man einen Job hat.

love/love

19. August – 1. Oktober 2023

Führungen für Singles – und alle anderen
und love/love Café

Samstag, den 26. August, 16 Uhr
Samstag, den 23. September, 16 Uhr

Live-Rollenspiel
Carl Brandi Idunas Äpfel

Sa 26. + So 27. August
Sa 2. + So 3. September
Sa 16. + So 17. September
Do 21.+ Fr 22. + Sa 23. September
jeweils 16 – 19 Uhr

Hafenspaziergang
Samstag, den 26. August, 14 – 19 Uhr

DEW21-Museumsnacht
Samstag, den 23. September, 16 – 21 Uhr

Finissage und love/love Talk
mit den Künstler:innen

Sonntag, den 1. Oktober, 17 Uhr
Moderation: Dagmar Lippok und Dr. Pia Wojtys




Parabel „Der kleine schwarze Fisch“ als Schattentheater

Als Thema der Bürger*innen-Oper in Dortmund wurde das iranische Märchen von Samad Behranghi „Der kleine schwarze Fisch“ schon vor der Sommerpause für die Opernbühne bearbeitet.



Am 18./19. August.2023 wurde die im Jahr 1967 veröffentlichte Parabel (die unter der Zensur des damaligen Schah-Regimes fiel) dem Publikum im Fletch Bizzel (Dortmund) vom Performance-Kollektiv Sepidar Theater als Schattentheater nahegebracht. Das 2016 von den Theaterwissenschafts-Studierenden Bahareh Sadafi und Maarnadoo Mehrnejad gegründete Kollektiv besteht aus darstellendem Künstler*innen mit verschiedenem kulturellem Hintergrund.

Die Geschichte vom kleinen schwarzen Fisch, der mutig, stark, hoffnungsvoll und neugierig über die Grenzen der Enge seines kleinen Heimatbaches hinaus strebt und andere Lebewesen kennenlernen will hat nichts an Aktualität und Brisanz verloren. Gerade auch in der Situation der Mädchen und Frauen im Iran 2023.

Ermutigt durch eine (weise) Schnecke, nimmt der kleine schwarze Fisch den langen Weg ins unbekannte weite Meer auf sich und muss sich mit verschiedenen gefährlichen Tieren oder misstrauischen anderen Fischen auseinandersetzen. Die reagieren unterschiedlich auf den „Fremdling“.

Klar wird im Märchen die Bedeutung von Zusammenhalt, Mut, Beharrlichkeit und kreativer Ideen gegenüber den Bedrohungen durch Pelikan, Kormoran oder Säbelfisch.

Den vier Mitgliedern des Sepidar Theaters gelang es, das Publikum mit eindringlichem Spiel mit Licht und Schattenfiguren, der Situation angepassten Geräuschen und Musik mit unterschiedlichsten Instrumenten sowie sensiblen Bewegungsabläufen in die Parabel hineinzuziehen.

Die uns Menschen bekannten Ängste und Misstrauen gegenüber den „Fremden“, aber auch Offenheit und Willkommenskultur finden sich in der Geschichte wieder.

Am Ende steht die Hoffnung, dass auch nach dem Tod des kleinen schwarzen Fisches ein anderer (roter) Fisch stark und selbstbewusst gegen Widerstände seinen individuellen Weg über Grenzen hinaus geht.




Buntes Programm beim Jubiläums-MICROFESTIVAL

In der Dortmunder Innenstadt findet am 11./12.08.2023 schon zum dreißigsten Mal (draußen und umsonst) das MICROFESTIVAL statt. In den letzten zwei Jahren nur als begrenztere Cube-Edition durchgeführt werden. Pünktlich zum Jubiläum wird wieder voll durchgestartet.



Die Besucher*innen erwartet an zwei Tagen ein vielfältiges Programm mit 30 Acts plus einige Specials aus der ganzen Welt. Es gibt mit dem Cube Alter Markt, dem Cube Kleppingstraße, der Theaterfläche St. Reinoldi (am Paradiesgarten) drei offiziellen Spielorte. Die würfelförmigen, an den Seiten offenen Festivalbühnen (Cubes) werden wegen ihrer gut angekommenen Nähe zum Publikum beibehalten.

Festivalleiterin Katrin Gellermann präsentierte ein buntes Programm für das Microfestival 2023.
Festivalleiterin Katrin Gellermann präsentierte ein buntes Programm für das Microfestival 2023.

Ensembles, Künstler*innen und Bands aus zwölf verschiedenen Ländern spielen Weltmusik mit diversen Anleihen aus den jeweiligen Herkunftsländern, angereichert durch moderne Einflüsse. Es darf getanzt werden!

An den drei Spielorten und drum herum können Interessierte an beiden Festtagen eindrucksvolle Akrobatik, Theaterperformances, Musik für Jung und Alt sowie besondere interaktive Specials (Walk Arts) erleben.

Das Angebot an Sitzgelegenheiten, Gastronomie und Toiletten ist vergrößert, verriet Katrin Gellermann von der Festivalleitung.

Los geht es am Freitag, den 11.08.2023 um 15:00 Uhr mit der Band „ANEWAL“ (Deutsch/Niger) auf dem Cube an der Kleppingstraße. Freunde des „Desert Blues“ kommen bei dieser Musik voll hypnotisierender Rhythmen und Trance Beats, Bass-groove und Blues auf ihre Kosten.

Es ist schwer, bei diesem umfangreichen und diversen Festivalprogramm Highlights herauszustellen. Hier möchte man die Menschen mitreißen, sondern ist auch sonst selbstverständlich auf der Höhe der Zeit. So führen QR-Codes  direkt zum digitalen Programm.

Es gibt natürlich daneben wie üblich die allgemeinen Programm- Flyer und zusätzliche Aufsteller mit dem jeweiligen Bühnenprogramm zum Mitnehmen.

Mehr Informationen finden Sie online unter microfestival.dortmund.de




Loppu – oder das Ende in der BIG gallery

„This is the end, my friend”, sang Jim Morrison von den Doors, doch keine Angst, es geht nicht um das Ende der Dortmunder Gruppe, sondern um das Ende der Ausstellungsaktivität in der BIG gallery.



Vor 10 Jahren konnten die Künstlerinnen und Künstler der Dortmunder Gruppe und weiterer Künstlerverbände den großen Raum in der BIG als Galerie nutzen. Was sie auch gerne und oft getan haben. Aber wie halt so kommt, die BIG verlässt (anscheinend) den Ort und somit endet auch die Geschichte der Galerie.

Schluss – aus – loppu“. Vertreter der Dortmunder Gruppe (v.l.n.r.) in der BIG gallery: Alexander Pohl, Claudia Terlunen, Marlies Blauth, Erika A. Schaefer und Jan Bormann.

Doch vom 23.07. bis zum 13. 08. 2023 zeigen die Künstlerinnen und Künstler nochmals an diesem Ort ihre W Insgesamt 35 Arbeiten von 16 Künstlerinnen und Künstler sind zu sehen. Unterschiedliche Techniken, unterschiedliche Formate, die Ausstellung zeigt die Bandbreite der Dortmunder Gruppe.

Natürlich hat das Ende auch thematisch in die Bildmotive Eingang gefunden. Corona, Umweltverschmutzung, die Hoffnung auf das Ende des Patriarchats – alles wird aufgegriffen. Doch auch anders kann man sich mit dem Thema auseinandersetzen. Alexander Pohl zeigt seine Arbeit „Equisheim“, die er bereits bei der ersten Ausstellung in der BIG gallery vor zehn Jahren gezeigt hat. Während die beiden Werke von Marlies Blauth versuchen, durch die Ornamente dem Ende zu entfliehen. Auch Finnland ist ein Thema, nicht nur durch den Titel „Loppu“, sondern auch durch die Arbeiten von Erika A. Schaefer und Jan Bormann – nachdenkliche Impressionen aus Lappland zum Umgang des Menschen mit der Natur.

Die Ausstellung wird am 23. Juli 2023 um 14 Uhr eröffnet. Die Eröffnungsrede hält passend zum Titel der gebürtige Finne Ristomatti Rouhiainen.




Endspurt im Orgelsommer 2023

Noch drei Konzerte finden im Rahmen der diesjährigen Orgelwoche in der Dortmunder Propsteikirche statt. Ein besonderes Augenmerk liegt auf dem Abschlusskonzert, denn dort spielt Simon Daubhäußer werke des Hörder Komponisten Edurad Wilsing kommen.



Die Konzerte beginnen um 19:30 Uhr und der Eintritt ist frei.

21.07. Tamás Bódiss (Budapest)

Franz Tunder (1614-1667) Praeludium in G

Nun lob mein Seel den Herren – Choral und Variazione aus der Lüneburger Tabulatur (1650)

J. S. Bach (1685-1750) Phantasie und Fuge g minor BWV 542

J. G. Walther (1684-1748), Nun lob mein Seel den Herren – Choralbearbeitung

J. G. Albrechtsberger (1736-1809), Fuge B-A-C-H

F. Liszt (1811-1886) Angelus! Prière Aux Anges Gardiens

J. N. Hummel (1778-1837) Praeludium und Fuge c minor

F. Liszt: Weimars Volkslied

A. Guilmant (1837-1911), Nun lob mein Seel den Herren – Choral, op. 93.

28.07. Mario Hospach-Martini (Konstanz)

Dietrich Buxtehude (1637-1707) Toccata in d BuxWV 155

Johann Adam Reincken (1642-1722) Choralfantasie „An Wasserflüssen Babylon“

Johann Sebastian Bach (1685-1750) Sarabande con partite BWV 990

César Franck (1822-1890) Choral Nr.1 in E-Dur

04.08. Simon Daubhäußer

Während des Abschlusskonzertes am 4.8. wird es zu einer (Wieder-)Uraufführung von Orgelwerken bzw. kontrapunktischen Studien des Hörder Komponisten Eduard Wilsing kommen. Durch die Forschungsarbeit und das Engagement von Gerhard Stranz werden dem Dortmunder Publikum an unterschiedlichen Orten und in verschiedensten Besetzungen Auszüge aus Wilsings Werk wieder vor Ohren geführt. Der Zeitgenosse von Felix Mendelssohn Bartholdy, die beide Kompositionsunterricht bei Ludwig Berger hatten, hat sich unter anderem durch die bisher wenig bekannte Sicherung von Werken von Johann Sebastian Bach, so auch für das Weihnachtsoratorium und die Matthäuspassion, und vor allem auch durch die fast in Vergessenheit geratenen eigenen Werken in hohem Maße verdient gemacht. Er schuf u.a. das von Schumann hochgelobte 16stimmige Oratorium De Profundis, Klavier und Vokalwerke und das in seiner Anlage einmalige Oratorium „Jesus Christus“. … Erläuterungen zu den Werken erwarten Sie eingebettet in ein Programm aus klassischen Werken des organistischen Konzertrepertoires zum Abschluss der diesjährigen Reihe.




Viva Vassileva – Ein Abend für Percussion

Freund:innen von Schlagwerk und Percussion jeder Art hatten am 22. Juni 2023 einen großen Abend im Konzerthaus. Denn die Percussionistin Vivi Vassileva war nicht nur alleine gekommen, sie hatte auch das Extasi Ensemble mit dabei: Jürgen Leitner, Aleksandar Georgiev, Valentin Vötterl und Leon Lorenz sorgten dafür, dass die Bühne des Konzerthaus gefüllt war mit Toms, Becken, Xylophone, Marimbaphone und anderen Dingen, die zur Klangerzeugung nützlich sind. Mit dabei war auch der Pianist Per Rundberg.



Mir als „einfachen“ Schlagzeuger, der schon froh darüber ist, Groove und Tempo zu halten, nötigte das Konzert höchsten Respekt ab. Denn es geht ja nicht nur darum, einen Rhythmus zu spielen, sondern auch die Melodieinstrumente wie Xylophone perfekt zu spielen.

Nach einem kleinen Aufwärmstück ging das Konzert mit dem „Inferno“ von Daniel Bjarnasson weiter. Hier ging es direkt in die Hölle mit Gongs, Becken und anderen unheilvollen Klängen. Zum Einsatz kam auch ein Txalaparta, ein baskisches Schlaginstrument. Insgesamt ein starkes Stück, dass die Dunkelheit und Düsternis feiert.

Nach der Pause ging es mit dem „Oraculum“ von Oriol Cruixent weiter. Ebenfalls ein modernes Stück, geschrieben 2019, mit sieben Sätzen, die den sieben Chakren zugeordnet sind. Gingen wir vor der Pause im letzten Stück in die Hölle, so arbeiteten sich die Künstler langsam in den Himmel, oder zur „Erleuchtung“. Auch hier wurden unzählige Schlagwerke gebraucht und kombiniert, so dass magische Klänge zustande kamen.

Steve Reichs „Drumming“ Part I ist ein Kleinod der minimal music. Im Mittelpunkt stehen Rhythmen, die durch Phasenverschiebung neue Muster bilden. Ein sehr intensives Stück, bei dem vier Musiker gleichzeitig für einen intensiven Sound sorgten.

Ein gelungener Abend, nicht nur für Freund:innen von Percussions. Gut aufgelegte Musiker und moderne Musik, eine tolle Kombination bei den „jungen Wilden“.




Eine Oper als Requiem

Wenn ein Opernkomponist wie Gaetano Donizetti ein Requiem komponiert, dann können sich die Zuhörenden auf ein Werk freuen, dass dramatisch, lyrisch und alles dazwischen ist. Die Dortmunder Philharmoniker und der Philharmonische Chor des Dortmunder Musikvereins unter der Leitung von Granville Walker präsentierten das Werk am 17. Juni 2023 in der Reinoldikirche im Rahmen des Festivals „Klangvokal“.



Die „Messa di Requiem“ von Donizetti wurde ursprünglich im Jahr 1835 komponiert. Sie wurde zu Ehren des italienischen Schriftstellers und Dichters Alessandro Manzoni geschrieben, der ein enger Freund von Donizetti war. Das Werk wurde jedoch erst nach Donizettis Tod im Jahr 1846 veröffentlicht.

Donizettis Requiem ist ein liturgisches Werk für Solisten, Chor und Orchester. Es besteht aus den traditionellen Teilen des Requiems, wie dem Introitus, dem Kyrie, dem Dies Irae, dem Offertorium, dem Sanctus und dem Agnus Dei.

Doch seine Arbeit als Opernkomponist kommt deutlich zum Tragen. Donizetti verwendet ausdrucksstarke Melodien, die oft von den Solisten und dem Chor interpretiert werden. Diese Melodien haben oft eine lyrische Qualität, die typisch für Donizettis Opern ist. Wie in seinen Opern geht es aber nicht nur lyrisch zu. Die dramatischen Passagen des Dies Irae oder des Offertoriums erinnern an die intensiven Momente in seinen Opern, in denen Spannung und Leidenschaft dargestellt werden.

Dafür braucht man gute Stimmen. Mit Anna Sohn (Sopran), Anna Harvey (Mezzosopran), Carlos Cardoso (Tenor), Germán E. Alcántara (Bariton) und Jens Hamann (Bass) hatte Granville Walker exzellente Solisten an seiner Seite, die vom Philharmonischen Chor adäquat begleitet wurden.

Der Abend hat gezeigt: Ein gelungenes Requiem von Donizetti, das sich vor Verdis Requiem nicht zu verstecken braucht.




Drei Aspiranten der Dortmunder Gruppe in der BIG Gallery

Caro Fugazzi, Steffen Mischke und Thomasz Thun sind die neuen Beitrittskandidaten der Künstlervereinigung Dortmunder Gruppe. Um sie vorzustellen, werden ihre Arbeiten vom 25. Juni bis zum 16. Juli 2023 in der BIG gallery gezeigt.



Auf florale Elemente konzentriert sich Thomasz Thun zurzeit in seinen Arbeiten. Doch die Bilder sind weit entfernt von den klassischen Stillleben. Auf den ersten Blick wirken sie rauh und grob wie aus einem Skizzenbuch. Aber das Material Papier macht sie auch gleichzeitig verletzlich wie die echten Blüten.

Caro Fugazzi, Steffen Mischke und Thomasz Thun in der BIG Gallery. (Foto: (c) Alexander Pohl)
Caro Fugazzi, Steffen Mischke und Thomasz Thun in der BIG Gallery. (Foto: (c) Alexander Pohl)

Auch Caro Fugazzi malt auf ungewöhnlichem Grund. Sie benutzt Packpapierrollen, die von der Decke bis zum Boden reichen. Die Werke, die sie zeigt, sind aktuell in der Galerie entstanden. Fugazzi arbeitet mit Kohle und Kreide. Da das Packpapier braun ist, hat die Künstlerin die Möglichkeit mit der Farbe Weiß zu arbeiten. Sie ist inspiriert durch Höhlenmalerei.

Weiß ist nicht das Kernthema von Steffen Mischke. Seine Bilder sind bunt expressiv, die Farbe beinahe sinnlich überbordend.  Es scheint, als wolle Mischke austesten, was für den Betrachter noch ertragbar ist.

Warum die drei Künstler:innen in die Dortmunder Gruppe wollen? Es geht vor allem um den künstlerischen Zusammenhalt und die größeren Möglichkeiten, die ein Künstlerbund bietet, berichteten die anwesenden Thun und Fugazzi.

Die Ausstellung wird am 25. Juni um 14 Uhr in der BIG gallery eröffnet.




Archipel – Inseln zwischen Ebbe und Flut

Mit dem Stück „Archipel – ein Kaleidoskop menschlicher Beziehungen“ präsentierte das ensemble 17 am 09. und 10. Juni 2023 im Theater im Depot ein tiefsinniges Stück über unterschiedliche Gefühllagen.



Das Bühnenbild von Matthias Schubert zeigte eine Landschaft zwischen Wohnzimmer und Strand. Ein Bild an der Wand, fliegende Möwen und andere Gegenstände komplettierten die Ausstattung.

Der Mensch als Insel. Das kann verschieden Interpretiert werden. Individualität und Einzigartigkeit: Jeder Mensch ist auf seine Weise einzigartig und unterscheidet sich von anderen. Isolation und Selbstständigkeit: Jeder Mensch hat seine eigenen Bedürfnisse, Ziele und Verantwortlichkeiten und muss lernen, auf eigenen Beinen zu stehen. Einsamkeit und Abgrenzung: Jeder Mensch hat eine innere Welt, die für andere Menschen nicht vollständig zugänglich ist, was zu einem Gefühl der Isolation führen kann. Unabhängigkeit und Autonomie: Jeder Mensch hat die Fähigkeit und die Verantwortung, Entscheidungen unabhängig zu treffen und sein eigenes Leben zu gestalten, ohne von anderen abhängig zu sein.

Ähnlich war das Theaterstück aufgebaut. Als Szenencollage  mit Fremdtexten und eigenen Texten erarbeiteten sich Philipp Böddecker, Jeanette Kindas, Klara Noack, Anastasia Papoutsoglou, Anke Pidun, Katharina Stillger und Bettina zeuch unter der Leitung von Barabara Müller verschiedene Szenen, die komische, nachdenkliche, aber auch traurige Elemente beinhaltete. Vor allem das Thema Einsamkeit versus Lust auf Menschen wurde häufiger thematisiert („Ich bin kein wir“). Das ensemble 17 ist aus der damaligen Theaterwerkstatt im Depot entsatnden, die vor Corona in aller Regelmäßigkeit Stücke im Depot aufgeführt hat. Schön zu sehen, dass es jetzt weitergeht. Das „Archipel“ lässt auf alle Fälle hoffen, dass es in Zukunft weitere Stücke zu sehen gibt.  




Mit der „romantischen Sinfonie“ in die Spielzeitpause

Mit Bruckner und Gubaidulina verabschiedeten sich die Dortmunder Philharmoniker und ihr Leiter, Gabriel Feltz in die Sommerpause. Nicht ganz, denn am 19. Juni steht noch das 3. Konzert für junge Leute an. Dennoch war das 10. Philharmonische Konzert ein würdiger Abschluss der Spielzeit.



Und gewichtig war auch die 7. Sinfonie von Bruckner, die nach der Pause erklang. Die 7. Sinfonie ist in vier Sätzen angelegt und nimmt den Hörer mit auf eine emotionale Reise. Auch wenn ich persönlich mit Bruckner nicht warm werde, der dritte und vierte Satz seiner „Siebten“ haben mir sehr gut gefallen. Der dritte Satz, das Scherzo, bringt eine willkommene Abwechslung mit seinem lebhaften, tänzerischen Charakter. Hier zeigt sich Bruckners Fähigkeit, rhythmische Energie und spielerische Melodien zu kombinieren. Das Finale ist geprägt von einer enormen dynamischen Bandbreite, von zarten, fast schwebenden Passagen bis hin zu kraftvollen, mitreißenden Orchesterstürmen.

Vor der Pause erklang noch das „Märchenpoem“ der Komponistin Sofia Gubaidulina. Diese Spielzeit widmete ihr das Konzert bereits eine Zeitinsel. Das „Märchenpoem“ basiert auf das Märchen die „Schneekönigin“. Ein bemerkenswertes Merkmal von „Märchenpoem“ ist Gubaidulinas Verwendung von Klangsymbolik, um die Charaktere und die Atmosphäre des Märchens darzustellen. Sie schafft Klangbilder, die die Kälte der Schneekönigin, die Verlockungen des Bösen und die Hoffnung der Protagonisten einfangen.

Den Beginn des Konzertes machte ein kurzes, aber musikalisch spannendes Stück, dessen Urheberschaft im Dunkeln liegt. Ist das „Sinfonische Präludium“ von Anton Bruckner oder von seinem Schüler Rudolf Krzyzanowski. Vielleicht war es auch eine „Hausarbeit“, die Bruckner Krzyzanowski gestellt hatte.

Ein wuchtiger, sehr romantischer Abend ging mit Standing Ovations zu Ende.