Bildet Banden?! – Die Gerächten

Was passiert, wenn sich die marginalisierte Gruppe der Migranten plötzlich anfängt zu wehren und plant, Rechtextremisten zu jagen und zu töten? Eine Art postmigrantische RAF. Regisseur und Autor Murat Dikenci nimmt das Buch „Die Gerechten“ von Albert Camus als Vorbild für sein Stück „Die Gerächten“. Camus‘ Buch erschien 1950 und beschriebt die moralischen und ethischen Dilemmata einer revolutionären Gruppe im zaristischen Russland.



Bei Dikenci haben die drei Protagonisten bereits sehr negative Erlebnisse mit Rechtsextremen hinter sich, am schlimmsten hat es Pitbull (Tamer Arslan) getroffen, der seine Tochter bei einem Anschlag verloren hat. Doch auch Sol (Akasha Daley) und Fistik (Viet Anh Alexander Tran) haben diskriminierende Erlebnisse gehabt. Doch sind Mord und Anschläge auf Rechtsextremisten die richtige, moralische Antwort?

Viet Anh Alexander Tran, Tamer Arslan, Akasha Daley, Publikum
Foto: (c) Florian Dürkopp
Viet Anh Alexander Tran, Tamer Arslan, Akasha Daley, Publikum
Foto: (c) Florian Dürkopp

„Wer gegen Nazis kämpft, kann sich auf den Staat nicht verlassen“. Das Zitat von Esther Bejarano, einer Ausschwitz-Überlebenden, ist aktuell wie nie. „Die, die uns beschützen sollten, erschießen uns oder sperren uns ein“, sagt Sol einmal und nimmt Bezug auf Migranten, die durch die Polizei zu Tode kamen wie der Jugendliche Mouhammed in Dortmund vor einiger Zeit.

Wir haben doch die Antifa, werden nun einige sagen, doch die Kritik an der Antifa folgt. „Die Antifa sieht ihr Hauptziel bei der Polizei und lenkt die Aufmerksamkeit somit auf sich, damit sie einen Grund haben sich wehren zu dürfen“, erklärt Fistik. Und migrantische Widerstandsgruppen wurden kriminalisiert.

Das Plädoyer am Ende macht noch einmal deutlich, dass der Riss nicht zwischen Migranten und Einheimischen geht, sondern alle marginalisierten Menschen betrifft. „Wir sind es leid, das Übel was ein einzelner Mensch zu erleiden hat, als eine kollektive Pest über uns ergehen zu lassen.“

Das Stück ruft auf zur Aktion, zur Solidarität. „Wir wünschen uns ein vollständig entnazifiziertes Deutschland und nicht die Heuchelei von einem „Nie wieder!“

„Die Gerächten“ ist sehr politisch, und die drei Schauspieler*innen lassen die Verzweiflung und die Wut deutlich zu Tage treten. Hinzu kommt die Enge des Studios und der Tatsache, dass die Zuschauenden stehen müssen (es gibt aber die Möglichkeit, einen Stuhl zu bekommen). Das sorgt für eine beklemmende Atmosphäre. Mehr Infos unter www.theaterdo.de




Kaffeemaschine Stina will hoch hinaus

Tja, so ist das. Wirst du als Kaffeemaschine geboren, sorry, hergestellt, dann ist dein Lebensweg vorgezeichnet. Aber die kleine Kaffeemaschine Stina will unbedingt Polizistin werden, wo sie doch gar nicht so aussieht wie ein typischer Robocop.



In „Stina und der Tentakelarmverkäufer“ präsentierte Yvonne Dicketmüller am 02. September 2023 ein weiteres Werk aus der RoboTheater.  Mit „Strom – Eine Robotergeschichte“ war sie vor einiger Zeit im Fletch Bizzel zu Gast.

Yvonne Dicketmüller zeigte eine Besonderheit im Fletch, nämlich ein Crankie. Ein Crankie ist eine kleine, mobile Erzähltheaterbühne, die wie eine manuelle Filmrolle gedreht wird und so die Bilder zeigt, die zur Geschichte gehören. Natürlich gehörten liebevoll selbstgebastelte Figuren wie Stina oder der Polizeichef zu den Requisiten.

Die Handlung von „Stina und der Tentakelarmverkäufer“ kurz erzählt. Stina will Polizistin werden und wird sogar überraschend angenommen, aber nur um als Kaffeemaschine „missbraucht“ zu werden. Als in Robocity plötzlich einige Roboter durchdrehen, findet Stina eine Spur durch den merkwürdigen Tentakelarmverkäufer, der keine Tentakelarme verkauft, sondern Kaffeeöl, die Robotervariante von Kaffeesahne.  Doch mit dem Stoff scheint was nicht zu stimmen…

Das Stück war ein großer Kontrast zu dem „Regenbogenfisch“ von gestern. Statt bunt, war die Roboterwelt schwarz-weiß und statt 30 Minuten, dauerte „Stina“ etwa 70 Minuten. Zu viel für einige Kinder, die irgendwann müde und quengelig wurden. Verstärkt wurde das Ganze durch die Dunkelheit im Saal und dadurch, dass manche Bilder des Crankies hinten schlecht lesbar waren.

Eine Straffung der Geschichte hätte gutgetan und ich denke, auch Roboter können Farben erkennen, den richtigen Chip vorausgesetzt.

Mehr Mitmachoptionen für die jüngsten Zuschauer*innen würde das Ganze ebenfalls auflockern. Abschließen bleibt mir zu sagen, dass so ein Crankie auch etwas Faszinierendes hat und ich könnte mir gut vorstellen, so etwas für ein älteres Publikum, lies: Erwachsene, in Aktion zu sehen.    




Innenansichten eines englischen Vororts

Bis zum 02. November 2023 zeigt das Kulturzentrum balou e.V. Arbeiten von Silvia Liebig unter dem Titel „Ich finde dich, White Rabbit“. Diese entstanden 2019 während ihres Aufenthalts-Stipendiums in Leeds das „Being Beeston Projekt“.



Beeston ist ein Vorort, ähnlich der Nordstadt in Dortmund. Sehr multikulturell geprägt, dort befindet sich auch das Stadion von Leeds United. Eines der Hauptziele des Projekts war es, über Identität und Zugehörigkeit nachzudenken.  Das Ergebnis dieses Prozesses war eine interaktive Installation, die sich über alle vier Ebenen des Residenz-Hauses erstreckte.

2022 begann die Arbeit an der Dokumentation, die keine nüchterne Zusammenfassung von Fakten sein sollte, sondern eine neue künstlerische Erkundung. Das balou präsentiert nun erstmalig die Bilder, die dabei entstanden sind als Comic.

In diesem Comic tauchen Bezüge zu „Alice im Wunderland“ auf, schon der Titel „White Rabbit“ nennt das „Weiße Kaninchen“, dem Alice ins Kaninchenloch folgt.  Aber statt im Wunderland taucht Liebig in Beeston auf und erkundet die Menschen und ihre Geschichten.

Zusätzlich ist noch ein aktuelles Werk entstanden, das Silvia Liebig an die Wand getapt hat: Ein überdimensionierter Bick in den Putzmittelschrank, der überquillt vor Unmengen an Reinigungsflaschen.




Der Regenbogenfisch – Hinein in die bunte Unterwasserwelt

Ein Glückfall erlebte das Fletch Bizzel mit der Inszenierung von „der Regenbogenfisch“ am 01. September 2023 zum Auftakt des „KIDZ IM BIZZ“-Festivals. Die Kulturbrigaden unter der Leitung von Rada Radojcic präsentierten in 35 Minuten ein kurzweiliges Stück über Freundschaft und Teilen.



„Der Regenbogenfisch“ ist ein Bilderbuch von Marcus Pfister. Es erzählt die Geschichte eines glänzenden Fisches, der seine schillernden Schuppen teilt, um Freundschaft und Großzügigkeit zu zeigen und dadurch wahre Freunde findet. Es ist eine fesselnde Geschichte über die Bedeutung von Teilen und Mitgefühl.

Wer ist der schönste Fisch im Ozean? Der Regenbogenfisch (Dzaki Radojcic) natürlich. (Foto: (c) Kulturbrigaden)
Wer ist der schönste Fisch im Ozean? Der Regenbogenfisch (Dzaki Radojcic) natürlich. (Foto: (c) Kulturbrigaden)

Es wurde eine bunte Veranstaltung mit Mitmachelementen, die nicht nur die Kinder animierten, sondern auch die Eltern. Die Kunst, ein sehr junges Publikum (ab 3 Jahren) bei der Stange zu halten, beherrschten die Kulturbrigaden ohne Probleme.

Das ist auch ein Verdienst der beiden Schauspielerinnen auf der Bühne. Die Hauptrolle spielte Dzaki Radojcic, Hanna Christgen war in der Rolle von Frau Koralle und der Weisen Krake zu sehen.  Die atmosphärische Unterwasserwelt-Musik und das Lied zum Tanzen stammten von Dixon Ra.

Alles in allem eine gelungene Umsetzung des Bilderbuchklassikers für Groß und Klein.

Weitere Termine unter www.fletch-bizzel.de




Der Regenbogenfisch oder wenn Teilen Freundschaften schafft

Vor über 30 Jahren erschien das Bilderbuch „Der Regenbogenfisch“ von Marcus Pfister.  Der wunderschön schillernde, aber eingebildete Regenbogenfisch wird von allen anderen bewundert. Doch sein Egoismus verhindert, dass er Freundschaften schließt. So gibt ihm die weise Krake den Tipp, doch seine Schuppen zu teilen.



Das etwa 40-minütige Stück für Kinder ab 3 Jahren wird im bewährten Stil der Kulturbrigaden aufgeführt. Es wird also bunt, fröhlich und es wird für die Kinder auch etwas zum Mitmachen geben.

Ob der Regenbogenfisch eines seiner Glitzerschuppen abgibt? (Foto: (c) Kulturbrigaden)

Die Hauptrolle spielt Dzaki Radojcic, Hanna Christgen spielt Frau Koralle und die Weise Krake, die Regie und das Konzept stammt von Rada R. Radojčić. Die Musik zu dem Stück hat Dixon Ra komponiert und es soll sich sphärisch zur Unterwasserwelt anpassen. Die Kostüme sind von Anna Hörling, während sich Dzaki Radojcic selbst um ihr Regenbogenfischkostüm gekümmert hat.

Daneben beginnt im Fletch Bizzel das KIDZ IM BIZZ MINI Festival. Am 02.September 2023 ist um 14 Uhr Zeit für „Stina und der Tentakelarmverkäufer“ (ab 5 Jahren) und am 03. September 2023 hat um 11 Uhr „Der große Muck“ seinen Auftritt (ab 3 Jahren).

Weitere Informationen unter www.fletch-bizzel.de




Die Realität umdeuten – Trispoke im Torhaus Rombergpark

Ein Trispoke bezeichnet ein aerodynamisches dreispeichiges Laufrad. Ist die Kunst im Torhaus, die vom 27. August bis zum 17. September 2023 zu sehen ist, besonders aerodynamisch? Nun, es gibt ein windkinetisches Objekt von Lutz Kemper, aber der Begriff führt uns auch die falsche Fährte.



Es geht eher darum, dass die drei Künstlerinnen und Künstler mit einem besonderen Blick auf Alltagsmotive und Alltagsgegenstände, gemeinsam die Realität umdeuten und damit etwas Neues entsteht.

Rosa Fehr-von Ilten, Birgit Feike, Lutz Kemper. Fotografin: Gabriele Kaufer
Rosa Fehr-von Ilten, Birgit Feike, Lutz Kemper. Fotografin: Gabriele Kaufer

Bleiben wir doch bei Lutz Kemper. Der Großteil seiner ausgestellten Arbeiten sind Collagen. Im Mittelpunkt stehen Autofriedhöfe, die einen Endpunkt der Mobilität darstellen, wenn das geliebte Auto in die Schrottpresse kommt. Sein Material bekommt Kemper von alten Plakaten.

Dinge, deren versteckte Schönheit andere vielleicht nicht erkennen oder übersehen, stehen im Fokus der Malerei von Rosa Fehr-von Ilten. Eine angeschwemmte, schon zerstörte Europalette wird zur Hauptfigur in einem Bild, genauso wie ein leerer Schaukasten, der bar seiner Funktionalität sein Dasein fristet.  

Birgit Feike arbeitet mit Materialien, die für viele Menschen keinen Wert haben wie beispielsweise Absperrbänder. Durch das Flechten dieser Bänder entstehen wieder neue Dinge, die vertraut sind oder auch fremd bleiben. Generell gelt – nicht nur für die Arbeiten von Feike – wie wichtig ein aktives Auseinandersetzen mit der gezeigten zeitgenössischen Kunst ist. In den meisten Fällen werden die Betrachter mit neuen Blickwinkeln und Sichtweisen belohnt.

Die Öffnungszeiten des Torhaus Rombergpark sind dienstags bis samstags von 14-18 Uhr, sonn- und feiertags von 10 bis 18 Uhr.




All you need is love/love

Die Lieder, die sich um das Thema „Liebe“ drehen, sind Legion. Erstaunlicherweise ist in der zeitgenössischen Kunst dieses Thema nicht so populär. Angst vor dem Kitsch, vor einer zu platten Vulgarität? Dabei bietet es so viele Anknüpfungspunkte: Elitepartner und Tinder, kollektive Einsamkeit, Ehe und Polyamorie, Boomer und GenZ, cis und queer – wie man lebt und liebt, das wird heute ganz neu gedacht, diskutiert und hinterfragt.
Jedenfalls hat es das Künstlerhaus Dortmund Dank Organisatorin Dagmar Lippok geschafft, eine Vielzahl Künstlerinnen und Künstler mit ihren Arbeiten zu präsentieren. Also bis zum 01. Oktober 2023 heißt es im Künstlerhaus love/love.



Marlene Apmann und Anja Bohnhof zeigen eine negativ konnotierte Art der Liebe. Arrangierte Ehen sind in Indien verbreitete Praxis. Insgesamt zeigt sich in Indien ein wachsender Trend, die Hochzeitsfeiern als ein aufwändig gestaltetes Ereignis zu inszenieren; dabei werden die Veranstaltungsorte, große Hallen oder auch Zelte mit Hilfe von Kulissenarchitekten in indische Traumwelten verwandelt. Die Fotografien zeigen die Orte vor oder nach den Feiern, wenn sie kaum was von der Traumwelt haben.

Aleksandra Belics Herangehensweise an die Kunst ist ein spezifisch persönlicher Weg zum Universellen. Sie fordert den Betrachter durch die direkte Natur ihrer Malerei heraus. Die Künstlerin nutzt ihre eigenen Beziehungen und Erfahrungen als Inspirationsquelle. Ihre Arbeit folgt der Geschichte einer komplizierten Frau, die weibliche Zerbrechlichkeit und Stärke in einer Welt ausdrückt, in der die Lust gewinnt und die Liebe verloren ist.

Für die Ausstellung love/love hat Carl Brandi das Live-Rollenspiel „Idunas Äpfel“ geschrieben und produziert. Es erzählt von wundersamen und erschreckenden Verbindungen zwischen germanischer Mythologie, Fussballromantik und Verschwörungstheorien. Durch Archäologie und Computerspielen entlehnten Mechaniken entsteht eine erlebbare Geschichte, die sich nahtlos in die Räume des Künstlerhauses und seine Umgebung einfügt. Plot und Umsetzung fühlen romantischen Grundbedürfnissen nach.

Birgit Brenner (*1964 in Ulm) setzt sich inhaltlich und formal konsequent mit gesellschaftlichen Themen aus den Bereichen Ökologie, Ökonomie und Soziales auseinander. Dabei spannt sie einen weiten Bogen zwischen Themen wie Ungerechtigkeit, Zwang, Scheitern, Gewalt und Angst, Glücksversprechen, Überwachung und Diversität. In den letzten Jahren hat sie ihren Fokus zunehmend auf Themen wie Digitalisierung, Umwelt und Dystopie erweitert. In ihrem 2020 entstandenen Film „Final Call“ thematisiert sie die gravierenden gesellschaftlichen Folgen der Entfremdung des zeitgenössischen Menschen und die rasant voranschreitende Zerstörung der Welt.

Yvonne Diefenbach verarbeitet stereotypes Bildmaterial erotischer Darstellungen des weiblichen Körpers. In ihrer spielerischen Herangehensweise lösen sich die Motive von vorgegebenen Klischees und entheben sich einem voyeurhaften, sexistischen Blick, in der die Figur stets ihre Souveränität beibehält.

Tina Herchenröther verfolgt in ihren Arbeiten einen performativen Ansatz. Ihr körperlicher Ausdruck in Gesten und Posen findet sich als unmittelbares Vorbild in ihren Zeichnungen und Malereien wieder. Dabei geht sie eine besondere Verbindung mit Figuren der Popkultur ein, übernimmt deren Haltung und überschreibt gleichzeitig deren Identität mit den Mitteln der Zeichnung und Malerei. Herchenröthers unerschrockener Einsatz von Material und Technik bietet jedem Abbild genügend Raum für das Unerwartete und Intuitive. 1998 in Frankfurt geboren, lebt und arbeitet sie in ihrer Geburtsstadt.

2003 wuchs Klara Hobzas Obsession für Samuel Morse und das Morsealphabet, das sie erlernte, und sie baute ein einfaches, selbst konstruiertes Lichtsystem, um ihre Botschaften hinaus nach New York zu morsen. Wenig überraschend antwortete zunächst niemand; der Morsecode, einst von größter Bedeutung, ist auf dem Weg in Vergessenheit zu geraten. Erst später wurden ihre Morsesignale von einer kleinen Gruppe von New Yorkern erkannt und beantwortet.

Glaube, Sitte, Heimat. Konventionen. Brüssel, Belgien. Nicht Genf, nicht die Schweiz. Polen, Ungarn, Bulgarien – aber bitte keine Z*******. Ukraine, Russland, Gas, Ölpreise. Volltanken und zulaufen lassen. Sich völlig wegspülen. Angespült werden. Endlich ankommen in klaren Strukturen und wissen, dass schon Leute auf dich warten.
Wir, das Schützenkorps-Europa glauben an die Würde des Lebens, an Gott, an die Politik und daran, dass der nächste Morgen nicht so schlimm wird, wenn man nicht durcheinander trinkt. An die gute Sitte: zur Titte, zum Sack – zack, zack. Und Heimat. Wissen wo man hingehört, wo man hingehen kann, wenn es einem schlecht geht. Heimat, wo man einig ist, wo Alltag ist, wo man Mensch ist, wo man einkauft, wo man einen Job hat.

love/love

19. August – 1. Oktober 2023

Führungen für Singles – und alle anderen
und love/love Café

Samstag, den 26. August, 16 Uhr
Samstag, den 23. September, 16 Uhr

Live-Rollenspiel
Carl Brandi Idunas Äpfel

Sa 26. + So 27. August
Sa 2. + So 3. September
Sa 16. + So 17. September
Do 21.+ Fr 22. + Sa 23. September
jeweils 16 – 19 Uhr

Hafenspaziergang
Samstag, den 26. August, 14 – 19 Uhr

DEW21-Museumsnacht
Samstag, den 23. September, 16 – 21 Uhr

Finissage und love/love Talk
mit den Künstler:innen

Sonntag, den 1. Oktober, 17 Uhr
Moderation: Dagmar Lippok und Dr. Pia Wojtys




Parabel „Der kleine schwarze Fisch“ als Schattentheater

Als Thema der Bürger*innen-Oper in Dortmund wurde das iranische Märchen von Samad Behranghi „Der kleine schwarze Fisch“ schon vor der Sommerpause für die Opernbühne bearbeitet.



Am 18./19. August.2023 wurde die im Jahr 1967 veröffentlichte Parabel (die unter der Zensur des damaligen Schah-Regimes fiel) dem Publikum im Fletch Bizzel (Dortmund) vom Performance-Kollektiv Sepidar Theater als Schattentheater nahegebracht. Das 2016 von den Theaterwissenschafts-Studierenden Bahareh Sadafi und Maarnadoo Mehrnejad gegründete Kollektiv besteht aus darstellendem Künstler*innen mit verschiedenem kulturellem Hintergrund.

Die Geschichte vom kleinen schwarzen Fisch, der mutig, stark, hoffnungsvoll und neugierig über die Grenzen der Enge seines kleinen Heimatbaches hinaus strebt und andere Lebewesen kennenlernen will hat nichts an Aktualität und Brisanz verloren. Gerade auch in der Situation der Mädchen und Frauen im Iran 2023.

Ermutigt durch eine (weise) Schnecke, nimmt der kleine schwarze Fisch den langen Weg ins unbekannte weite Meer auf sich und muss sich mit verschiedenen gefährlichen Tieren oder misstrauischen anderen Fischen auseinandersetzen. Die reagieren unterschiedlich auf den „Fremdling“.

Klar wird im Märchen die Bedeutung von Zusammenhalt, Mut, Beharrlichkeit und kreativer Ideen gegenüber den Bedrohungen durch Pelikan, Kormoran oder Säbelfisch.

Den vier Mitgliedern des Sepidar Theaters gelang es, das Publikum mit eindringlichem Spiel mit Licht und Schattenfiguren, der Situation angepassten Geräuschen und Musik mit unterschiedlichsten Instrumenten sowie sensiblen Bewegungsabläufen in die Parabel hineinzuziehen.

Die uns Menschen bekannten Ängste und Misstrauen gegenüber den „Fremden“, aber auch Offenheit und Willkommenskultur finden sich in der Geschichte wieder.

Am Ende steht die Hoffnung, dass auch nach dem Tod des kleinen schwarzen Fisches ein anderer (roter) Fisch stark und selbstbewusst gegen Widerstände seinen individuellen Weg über Grenzen hinaus geht.




Buntes Programm beim Jubiläums-MICROFESTIVAL

In der Dortmunder Innenstadt findet am 11./12.08.2023 schon zum dreißigsten Mal (draußen und umsonst) das MICROFESTIVAL statt. In den letzten zwei Jahren nur als begrenztere Cube-Edition durchgeführt werden. Pünktlich zum Jubiläum wird wieder voll durchgestartet.



Die Besucher*innen erwartet an zwei Tagen ein vielfältiges Programm mit 30 Acts plus einige Specials aus der ganzen Welt. Es gibt mit dem Cube Alter Markt, dem Cube Kleppingstraße, der Theaterfläche St. Reinoldi (am Paradiesgarten) drei offiziellen Spielorte. Die würfelförmigen, an den Seiten offenen Festivalbühnen (Cubes) werden wegen ihrer gut angekommenen Nähe zum Publikum beibehalten.

Festivalleiterin Katrin Gellermann präsentierte ein buntes Programm für das Microfestival 2023.
Festivalleiterin Katrin Gellermann präsentierte ein buntes Programm für das Microfestival 2023.

Ensembles, Künstler*innen und Bands aus zwölf verschiedenen Ländern spielen Weltmusik mit diversen Anleihen aus den jeweiligen Herkunftsländern, angereichert durch moderne Einflüsse. Es darf getanzt werden!

An den drei Spielorten und drum herum können Interessierte an beiden Festtagen eindrucksvolle Akrobatik, Theaterperformances, Musik für Jung und Alt sowie besondere interaktive Specials (Walk Arts) erleben.

Das Angebot an Sitzgelegenheiten, Gastronomie und Toiletten ist vergrößert, verriet Katrin Gellermann von der Festivalleitung.

Los geht es am Freitag, den 11.08.2023 um 15:00 Uhr mit der Band „ANEWAL“ (Deutsch/Niger) auf dem Cube an der Kleppingstraße. Freunde des „Desert Blues“ kommen bei dieser Musik voll hypnotisierender Rhythmen und Trance Beats, Bass-groove und Blues auf ihre Kosten.

Es ist schwer, bei diesem umfangreichen und diversen Festivalprogramm Highlights herauszustellen. Hier möchte man die Menschen mitreißen, sondern ist auch sonst selbstverständlich auf der Höhe der Zeit. So führen QR-Codes  direkt zum digitalen Programm.

Es gibt natürlich daneben wie üblich die allgemeinen Programm- Flyer und zusätzliche Aufsteller mit dem jeweiligen Bühnenprogramm zum Mitnehmen.

Mehr Informationen finden Sie online unter microfestival.dortmund.de




Loppu – oder das Ende in der BIG gallery

„This is the end, my friend”, sang Jim Morrison von den Doors, doch keine Angst, es geht nicht um das Ende der Dortmunder Gruppe, sondern um das Ende der Ausstellungsaktivität in der BIG gallery.



Vor 10 Jahren konnten die Künstlerinnen und Künstler der Dortmunder Gruppe und weiterer Künstlerverbände den großen Raum in der BIG als Galerie nutzen. Was sie auch gerne und oft getan haben. Aber wie halt so kommt, die BIG verlässt (anscheinend) den Ort und somit endet auch die Geschichte der Galerie.

Schluss – aus – loppu“. Vertreter der Dortmunder Gruppe (v.l.n.r.) in der BIG gallery: Alexander Pohl, Claudia Terlunen, Marlies Blauth, Erika A. Schaefer und Jan Bormann.

Doch vom 23.07. bis zum 13. 08. 2023 zeigen die Künstlerinnen und Künstler nochmals an diesem Ort ihre W Insgesamt 35 Arbeiten von 16 Künstlerinnen und Künstler sind zu sehen. Unterschiedliche Techniken, unterschiedliche Formate, die Ausstellung zeigt die Bandbreite der Dortmunder Gruppe.

Natürlich hat das Ende auch thematisch in die Bildmotive Eingang gefunden. Corona, Umweltverschmutzung, die Hoffnung auf das Ende des Patriarchats – alles wird aufgegriffen. Doch auch anders kann man sich mit dem Thema auseinandersetzen. Alexander Pohl zeigt seine Arbeit „Equisheim“, die er bereits bei der ersten Ausstellung in der BIG gallery vor zehn Jahren gezeigt hat. Während die beiden Werke von Marlies Blauth versuchen, durch die Ornamente dem Ende zu entfliehen. Auch Finnland ist ein Thema, nicht nur durch den Titel „Loppu“, sondern auch durch die Arbeiten von Erika A. Schaefer und Jan Bormann – nachdenkliche Impressionen aus Lappland zum Umgang des Menschen mit der Natur.

Die Ausstellung wird am 23. Juli 2023 um 14 Uhr eröffnet. Die Eröffnungsrede hält passend zum Titel der gebürtige Finne Ristomatti Rouhiainen.