Ballett-Gala mit kubanischem Flair

Carlos Pinillos und Fillipa de Xastro von National Ballet Portugal. (Foto: © ©Künstleragentur)
Carlos Pinillos und Fillipa de Xastro von National Ballet Portugal. (Foto: © ©Künstleragentur)

Tanz auf höchstem Niveau: Die 18. Internationale Ballettgala am 05. und 06. Oktober bot erneut ein Tanzspektakel mit unterschiedlichen Stilen. Mit Xu Yan und Sun Ruichen erwartete die Gäste sogar eine Prise chinesischer Exotik. Moderiert wurde die Gala in gewohnter Manier von Hannes Brock.

Der Star des Abends war aber ohne Zweifel der Kubaner Osiel Gouneo. Seine Bewegungen, Drehungen und Sprünge sorgten für großen Beifall beim Publikum. Zwar war sein Solo im Stück „Actéon“ sehr kurz, doch er kam nach der Pause zum „Grand Pas de deux aus Don Quixote“ mit Ersatztänzerin Maria Yakovleva vom Wiener Staatsballett wieder. Nach ersten kleinen Unsicherheiten harmonisierte das neu gebildete Paar perfekt.

 

Es war ein absoluter Gewinn, dass manche Paare neben einem klassischen Tanz auch einen modernen Tanz zeigten. So erhielten Adiarys Almeida und Joseph Gatti vom Boston Ballet nicht nur stürmischen Applaus für die Grand pas de deux, sondern auch für ihren modernen Tanz in „Nothing“.

 

Eine Tanzperformance mit Live-Musik erlebten die Zuschauer bei „Agony and Ecstasy“ in einer Choreographie von Monica Fostescu-Uta, die ihr Stück zusammen mit Stephen King tanzte. Dabei wurden die beiden Tänzer live am Klavier begleitet durch den rumänischen Komponisten Teo Milea. Zwei riesige Laken in weiß und roten symbolisierten die Sehnsucht und das Verlangen zweier Liebenden, die aber letztlich unerfüllt bleibt.

 

Mit Video im Hintergrund arbeiteten Filipa de Castro und Carlos Pinillos vom National Ballet of Portugal. Das Stück „Vent“, choreografiert von Pinillos, war ebensfalls sehr modern. Die Gefahr besteht natürlich schon, dass sich der Betrachter zu sehr vom Video ablenken lässt und nicht mehr auf die Bewegungen der Tänzer achtet.

 

Xu Yan und Sun Riuichen vom National Ballet of China brahcten einen Hauch chinesischer Tanzkunst auf die Dortmunder Opernbühne. Bei ihrem ersten Auftritt im „GGRand Pas de deux aus Dornröschen“ blieben sie klassisch-konventionell, erst beim zweiten Auftritt „Changing Faces“ in der Choreographie von Fei Bo und der Musik von Oscar-Preisträger Tan Dun konnten sie sich in mythische Wasserwesen verwandeln.

 

Die Dortmunder Compagnie war auch nicht untätig. Gezeigt wurde neben dem erwähnten „Agony and Ecstasy“„Portrait of Hedwig, Canon 6“ aus dem neuen Programm „Drei Farben: Tanz“, „Cantata“, „Weißer Schatten“ und jeweils zu Beginn und am Ende wurde „Immortal beloved“ aufgeführt, zwei Stücke aus „Feine Jade“.

Eine gelungen Ballettgala, die Spaß auf die neue Spielzeit macht.




Jede Generation braucht eine neue Revolution

Kommen wir in unserer Spaßgesellschaft eigentlich noch zum Rebellieren? (Foto: © Mario Simons)
Kommen wir in unserer Spaßgesellschaft eigentlich noch zum Rebellieren? (Foto: © Mario Simons)

Die Überschrift ist ein Zitat eines Revolutionserfahrenen: Thomas Jefferson, der dritte Präsident der USA. Doch wir befinden uns in einem Dilemma. Einerseits leben wir auf der Seite des Zufriedenen und Satten, andererseits sehen wir auch Dank der Globalisierung das Elend der Verlierer in der dritten und vierten Welt. Das Schauspiel „Dantons Dilemma“, einer Produktion des Theaterkollektivs Sir Gabriel Dellmann unter der Regie von Björn Gabriel widmetet sich dieser Zwickmühle. Die Premiere war am 04. Oktober im Theater im Depot.

Wozu noch Revolution? Wir leben doch auf der Sonnenseite des Lebens, haben eine Art von Demokratie und ein schönes Grundgesetz (u.a. die Würde des Menschen ist unantastbar). Dennoch merken einige Wenige, dass hinter dem schönen Sein etwas anderes versteckt ist. Ändern Wahlen wirklich etwas? Was ist das Grundgesetz wert in Zeiten von NSA und Co.? Leben wir nicht hauptsächlich auf Kosten anderer Menschen, die ausgebeutet werden? Manche wollen diese Problematik nicht annehmen und flüchten sich in eine Art von Hedonismus, während andere resigniert abwinken und von ihren 68er-Erlebnissen berichten, die sie ins Establishment geführt haben. Auch wurde auf die neuen Bewegungen hingewiesen wie Attac. Sollte man sie proto-revolutionär nennen?

 

Die vier Schauspieler Janina Rudenska, Fiona Metscher, Martin Hohner und Matthias Hecht versuchen mit Hilfe von Texten Georg Büchners und Georges Dantons (Experte in angewandter Revolutionswissenschaften) herauszufinden, ob es doch nicht noch etwas Anderes gibt. Auf der Bühne wurde dies sehr gut durch eine Mauer aus Pappmaschee-Blöcken dargestellt, die letztendlich tatsächlich einstürzte.

 

Doch nach anfänglicher Euphorie wartete dahinter neben einem gemütlichen Sessel auch eine Guillotine. „Die Revolution frisst ihre Kinder“, lässt Büchner seinen Titelhelden Danton in seinem „Dantons Tod“ sagen. Selbstverständlich war auch in diesem Raum wieder eine Mauer.

 

Regisseur Björn Gabriel, in seinem ersten Leben Schauspieler in Dortmunder Ensemble, trat in einer Videosequenz als Danton auf und konnte seine Mitstreiter Sebastian Graf (Robespierre) und Ekkehard Freye (St. Just) gewinnen. Überhaupt die Videos: Sie waren sehenswert.

 

Etwas Irritation hinein brachte der Orakel-Automat, der gegen Geld Antworten gab. Er behauptete, die Menschen hätten keinen freien Willen und wären quasi wie er selber, ein Automat. Ob es einen „freien Willen“ gibt, darüber streiten sich die Gelehrten immer noch und ob wir eine endgültige Antwort bekommen, ist ähnlich schwierig wie der Beweis der Stringtheorie.

 

Alles in alle zeigt das Stück, dass eine permanente Revolution, ein Nicht-Anerkennen des Status Quo von großer Bedeutung ist. Solange Menschen gegen die Verhältnisse ankämpfen und sich nicht von Automaten sagen lassen, dass sie keinen freien Willen hätten, wird es Revolutionen geben.

 

SA 05.10.2013 um 20 Uhr
SO 06.10.2013 um 19 Uhr
FR 25.10.2013 um 20 Uhr
SA 26.10.2013 um 20 Uhr
FR 29.11.2013 um 20 Uhr
SA 30.11.2013 um 20 Uhr
Eintritt: VVK 13 € / 8 € ermäßigt
AK 15 € / 10 € ermäßigt
Kinder bis 14 J. VVK + AK 5 €
Ort: Theater im Depot




Der Film zur Dortmunder Museumsnacht 2013 ist raus

Zunächst einmal möchte ich mich bei allen Beteiligten bedanken, vor allem bei Gerd Klemmer und Jonathan Bley, die mir ihre wertvolle Zeit geschenkt haben.

Leider klappte am 28. September nicht alles wie gewünscht, zumal ich wegen der Premiere von „Peer Gynt“ im Schauspielhaus unter Zeitdruck stand. Daher konnte ich drei Orte der Museumsnacht nicht besuchen, obwohl es fest eingeplant war. Das bitte ich, zu entschuldigen.

Hier die Liste, der Kulturorte, die ich besucht habe:
Atelierhaus Westfalenhütte
Hoesch-Museum
Atelierhaus KunstDOmäne
Galerie der kunstbetrieb
Künstlerhaus Dortmund
Antiquitäten Klemmer (längeres Interview)
44309 street/art gallery
Atelier Claudia Quick
Bley & Sohn geigenbaumeister (längeres Interview)

Ich hoffe, dass dieser kleine Film ein wenig die bunte Vielfalt wiedergibt, die in der Dortmunder Museumsnacht zu sehen sind.

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FischBAR – Gib mir das Teil

FischBAR ist ein völlig ungewisser Theaterabend mit einem gewissen Herrn Hecht. Alles was er braucht, ist ein Objekt, ein Gegenstand, welchen SIE, das Publikum, mitbringen. Geben Sie ihm DAS TEIL vor der Vorstellung und er wird daraus etwas Neues entstehen lassen, es verwandeln. So wird Ihr Gegenstand der Ausgangspunkt von plötzlich beginnenden Geschichten, Situationen und Begegnungen. Niemand weiß, was als nächstes geschehen wird, wie es enden wird und ob es gelingen wird!

Vorstellung:

DO 10.10.2013 um 20 Uhr

Eintritt: VVK 13 € / 8 € erm.

AK 15 € / 10 € erm.

Ort: Theater im Depot

Dauer: ca. 90 Minuten

Spiel & Idee: Matthias Hecht

Musik: Philip Ritter




Wie wollen wir leben?

Das Theaterkollektiv „Sir Gabriel Dellmann“ versucht sich in „Dantons Dilemma“ an einer Bestandsaufnahme der aktuellen gesellschaftlichen Verhältnisse. Sie entwickeln eine Textcollage aus persönlichen Erfahrungsberichten unserer Zeitgenossen (Befürwortern, Gegnern und Opfern des pekuniären Systems), politischen Ereignissen (Euro-Krise, Amokläufen, Revolutionen …) und Analysen (Zizek, Samuelson, …) – welche unsere demokratische Ordnung hinterfragen.



Die Collage wird abgeglichen mit „Lenz“, der die Konstitution des Individuums im kollektiven Dilemma formuliert (Ansatz) und „Der Hessische Landbote“ und Büchners Briefen – woraus sie Material zur gesellschaftlichen Veränderung generieren (Handeln). Durch den Bezug auf „Dantons Tod“ entsteht ein Pessimismus gegenüber den revolutionären Ansätzen. Die daraus folgende Resignation findet ihre Parallelen in der Stagnation einer angeblichen Demokratie, die nicht mehr in der Lage ist, ihre Probleme zu lösen (Scheitern). Ziel ist die Entwicklung von Diskursen zur Lage der Nation.

Vier faule Vögel, beiderlei Geschlechts, gefangen im Brachland einer zivilisatorischen Ordnung, die längst keine Orientierung mehr bietet. Also machen sie sich auf die Socken – die, der guten alten Erkenntnisgewinnerei – und es entwickelt sich ein wilder Trip durch Lichtinstallationen und Beat. Sie rauschen durch die sagenumwobenen Sümpfe der Pseudodemokratie, passieren das Spukschloss der Feingeisterei, finden Unterschlupf in einer Höhle des Lustgebirges und robben ihre trägen Leiber über den Gipfel der Unterhaltung bis ins Einmachglas der Sinnstiftung.
Unterwegs ziehen sie mehrere Altmeister zu Rate – einer von jenen schließt sich ihnen an: George Danton – Experte für angewandte Revolutionswissenschaften auf Lehramt.
Ferner kocht Dr. Ape Stevens ein Süppchen für alle, Lenz springt um die Ecke und knotet Robespierre die Schürsenkel zusammen, Slavoj Zizek belegt einen Häkelkurs bei P. A. Samuelson, Lena macht wilde Verrenkungen mit ihrem Idealkörper und streckt St. Just doch tatsächlich die Zunge raus und Marion ist sooo begabt, hat aber leider, leider, leider einen gewissen großen Unbekannten sehr, ja, sehr lieb.

PREMIERE
FR 04.10.2013 um 20 Uhr
Vorstellungen:
SA 05.10.2013 um 20 Uhr
SO 06.10.2013 um 19 Uhr
FR 25.10.2013 um 20 Uhr
SA 26.10.2013 um 20 Uhr
FR 29.11.2013 um 20 Uhr
SA 30.11.2013 um 20 Uhr
Eintritt: VVK 13 € / 8 € erm.
AK 15 € / 10 € erm.
Kinder bis 14 J. VVK + AK 5 €
Ort: Theater im Depot
Spiel: Janina Rudenska, Fiona Metscher, Martin Hohner, Matthias Hecht
Konzept & Produktion: Sir Gabriel Dellmann
Regie: Björn Gabriel
Bühne: Steffi Dellmann
Vision & Sound: Philipp Mattner, Mario Simon
Kostüm: Steffi Dellmann, Nejla Kalk
Assistenz: Lena Gudrian

Der im April 2012 gegründete ‚Sir Gabriel Dellmann e.V.‘ ist ein freies Theaterkollektiv mit Sitz in Dortmund und Köln. Im Herbst 2012 wurde die erste Produktion „Kampf des Negers und der Hunde – eine intermedialen Empörung nach Koltès“ realisiert – in Koproduktion mit dem
Theater im Depot – Dortmund, dem Theater der Keller – Köln, dem Theaterdiscounter – Berlin und dem Theater Rottstraße 5 – Bochum – und für den Kölner Theaterpreis nominiert.
Aktuelle Spieltermine findet man auf der Homepage: www.sir-gabriel-dellmann.de
Ensemble: Björn Gabriel arbeitet seit 2009 als Regisseur, u.a. am Staatsschauspiel Dresden, Theater Oberhausen und am Schauspiel Dortmund. Stefanie Dellmann ist seit 2009 freie Bühnenbildnerin u.a am Theater Oberhausen, Schauspiel Dortmund und am Ringlokschuppen Mülheim.
Die Videokünstler Mario Simon und Nikolai Neugebauer haben ihren Schwerpunkt in verschiedenen Bereichen der Bildenden Kunst.
Fiona Metscher, Annika Meier, Janina Rudenska, Kaspar Kaeser, Martin Hohner und Matthias Hecht arbeiten als freie Schauspieler an Freien-, Stadt – und Staatstheatern Theatern
(z.B.: Volksbühne Berlin, Theater Oberhausen, Theater Bremen, Schauspiel Dortmund, HAU Berlin, Gessner Allee Zürich …)




Herrschaft und Einsamkeit

Eigentlich sind die vier Hauptpersonen von Verdis Oper „Don Carlo“ sehr einsam. Die Hauptfigur, „Don Carlo“ liebt seine ehemalige Verlobte Elisabeth, die aus Staatsräson seinen Vater geheiratet hat. Elisabeth ist einsam, weil sie fremd in einem fremden Land ist und mit einem Mann verheiratet ist, den sie nicht liebt.



Phillip, Don Carlos Sohn, ist einsam, weil ihn seine Frau nicht liebt. Rodrigo, Marquis von Posa ist einsam, weil er letztendlich nur seine Idee von Freiheit liebt, für die er sogar die Freundschaft mit Don Carlo aufgibt.

Rodrigo ist der Dreh und Angelpunkt in der Oper und auch in der Inszenierung von Jens-Daniel Herzog, die am 29. September 2013 Premiere im Opernhaus Dortmund feierte. Verdis Oper basiert auf Schillers Trauerspiel „Don Karlos“ und wer Schiller kennt, der weiß, dass er ein politischer Schriftsteller war. Das nimmt Herzog auf. Schon die erste Szene im ersten Akt zeigt, wie der Hase läuft: Die trauernde Bevölkerung defiliert an der Leiche von Kaiser Karl V. vorbei. Die Szenerie erinnert bewusst an das Lenin-Mausoleum in Moskau. Wie die Sowjetunion sich auf Lenin berief, berief sich das habsburgische Spanien auf Kaiser Karl. Ein Staat, der sich im Griff der spanischen Inquisition befand, ähnlich wie die Sowjetunion unter Berias NKWD. Beeindruckend inszenierte Herzog dies in der „Abendmahlszene“, als zwölf Gefolgsleute Philipps als „Dissidenten“ freiwillig Selbstmord begingen. Religion trifft auf Herrscherkult.

Gut gewählt waren auch die Kostüme: Nur die drei Vertreter der spanischen Krone (Philipp, Don Carlo und Elisabeth) waren im damaligen spanischen Stil gekleidet. So zum Beispiel mit Halskragen, die sie fast erwürgten. Der Rest, vor allem natürlich Rodrigo, spielten und sangen in moderner Kleidung. Rodrigo, eindrucksvoll gesungen von Gerado Garciacano, ist zweifelsohne die Hauptfigur. Er nutzt die Freundschaft zwischen ihm und Don Carlo für seine politischen Zwecke. So gelangt er näher and en spanischen König. Philipp versteht zwar kein Wort, was im Rodrigo erzählt, gibt ihm aber einen Job als Art Privatdetektiv. Für seine Idee ist er sogar bereit, die Freundschaft zu Don Carlo aufs Spiel zu setzen und geht letztendlich für sie in den Tod.

Der Star des Abends war mit Sicherheit Susanne Braunsteffer als Elisabeth. Ihre Verzweiflung ist in jeder Note zu hören: Allein im fremden Land mit einem Mann, den sie nicht liebt und einen Ex-Verlobten, der jetzt ihr angeheirateter Sohn ist. Wen Wei Zhang bekam zu Recht Sonderapplaus für seine Arie „Ella giammai m’amò“(Sie hat mich nie geliebt), auch sonst sang er einen berührenden Philipp.

Don Carlo wurde von dem Kanadier Luc Robert gesungen. Es war ein gelungenes Dortmund-Debüt. Er gab dem Titelhelden in seinen Seelennöten seine Stimme, die von vergeblicher Liebe bis hin zum (fast) trotzigen Aufbruch nach Flandern.

Der zweite Bass in der Oper sollte nicht unerwähnt bleiben. Christian Sist sang einen Großinquisitor, der in jeder Sekunde wusste, dass er der eigentliche Herrscher Spaniens war. Vor ihm musste sogar Philipp zittern. Eine bemerkenswerte Rolle sang Katharina Peetz als Prinzessin Eboli. Die Prinzessin denkt zuerst, dass Don Carlo sie liebt, dann wird sie zu einer Intrigantin, die zum Schluss bei Elisabeth um Vergebung bettelt. Es gelang ihr, die verschiedenen emotionalen Stimmungen der Eboli glaubhaft und mit starker Stimme auf die Bühne zu bringen.

Gefallen konnten in ihren Nebenrollen auch Julia Amos als Page Tebaldo zwischen den Hofdamen. John Zuckerman als Graf von Lerma, und Karl-Heinz Lehner als Mönch. Anke Briegel fungierte als angenehme Stimme aus dem Himmel.

Wieder einmal zeigte auch der Dortmunder Chor unter der Leitung von Granville Walker sein Können. Punktgenau und grandios wurde der „Don Carlo“ von der Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung des neuen GMD Gabriel Feltz begleitet.

Die Inszenierung mit seinem Mix aus Historie und Moderne hat nicht jedem gefallen, doch die positiven Reaktionen waren deutlich in der Mehrheit. Jens-Daniel Herzog steht seit drei Spielzeiten für eine neue, aufregende Oper mit frischem Blick. Das hat er bei „Don Carlo“ wieder unter Beweis gestellt.

Weitere Aufführungen am 12. Oktober 2013, 20. Oktober 2013, 25. Oktober 2013, 03. November 2013, 08. November 2013, 16. November 2013 und 08. Dezember 2013.

Karten unter www.theaterdo.de oder telefonsich 0231 5027222.




Ein Egozentriker auf später Sinnsuche

Theater mit Kay Voges ist immer überraschend. Der Besucher weiß nicht, was ihn erwartet. War in der vergangenen Spielzeit die Vermischung zwischen Film und Theater das Motto, dreht sich in der aktuellen Spielzeit alles um Wiederholungen und Identitäten. So auch bei Ibsens Drama „Peer Gynt, das am 28. September 2013 Premiere feierte.



„Wer bin ich? Und wenn ja, wie viele?“, der Bestellertitel von Precht könnte durchaus auch auf den Titelhelden „Peer Gynt“ zutreffen. Seien wir ehrlich: Peer Gynt ist nicht die Person, die vermutlich am meisten Sympathien einheimst. Er lügt, dass sich meterweise Balken biegen, er ist selbstsüchtig und nur auf seinen Vorteil bedacht. Ein Mensch, der verschiedene Rollen spielt. Doch was ist der wahre Kern von Peer Gynt? Vielleicht kennt ihn Solveig, die Frau die ihr ganzes Leben auf ihn gewartet hat, als er durch die Weltgeschichte reiste und seinen Zielen hinterher jagte.

Voges schafft es bravurös, den komplexen Stoff so einzudampfen, dass er in 90 Minuten erzählt werden kann. Dabei halfen ihm die sechs Schauspieler, der Musiker Thomas Truax und ein außergewöhnliches Bühnenbild. Der Regisseur konzentriert sich auf einige der Geschichten, die Peer Gynt wiederfahren sind: Der Brautraub, die Trollhöhle, der Tod der Mutter, die Irrenanstalt und seine Rückkehr, dennoch bleiben von der Vorlage auch einige surreale Elemente. Voges stellt die Sinnsuche Peer Gynts in den Mittelpunkt. Aber kann jemand ohne echten Kern eine Identität haben? Bei der berühmten „Zwiebelmethapher“ in Ibsens Stück vergleicht sich Peer Gynt ja mit einer Zwiebel, die Schichten hat, aber keinen Kern.

Da niemand weiß, wer oder was Peer Gynt wirklich ist, löst sich auch die klassische Rollenzuteilung auf. Alle Schauspieler spielen Peer Gynt. Schnelle Kleiderwechsel, archaisch wirkende Verwandlung durch Auftragen von Farbe macht das Spiel zu einem optischen erlebbaren Spiel: Mittels grüner Farbe wird eine Schauspielerin zur Tochter des Trollkönigs, durch rote Farbe zur entführten und entehrten Braut, das reine unschuldige Weiß bleibt Solveig vorbehalten.

Bei den sechs Schauspielern gab Peer Oscar Musinowski sein Dortmund-Debut. Er spielte energisch, voller Elan und lässt viel für die Zukunft hoffen. Uwe Rohbeck glänzte vor allem in der Rolle des deutschen Irrenarztes Dr. Begriffenfeldt, der seinen Patienten Peer Gynt mit Elektroschocks und Spritzen foltert. Berührend spielt Friederike Tiefenbacher die sterbende Mutter von Peer Gynt. Wobei sie, nachdem der Sargdeckel sich gesenkt hat – ihre Verwandlungskunst unter Beweis stellte und kurze Zeit später als eine neue Inkarnation von Peer Gynt „wiederaufersteht“.

Doch dahinter müssen sich Bettina Lieder, Julia Schubert und Sebastian Graf nicht verstecken. Sie alle sorgten für einen berührenden, manchmal auch komischen Theaterabend.

Passend dazu, gab es Musik von Thomas Truax. Wer Grieg erwartete, war auf dem Holzweg. Truax.spielte zwar das bekannte Stück „Marsch der Trolle“ von Grieg auf einem seiner selbst gebauten Instrumente, aber ansonsten unterstützte Truax das Stück mit seiner teils rockigen teils folkigen Musik perfekt.

Außergewöhnlich war das riesige Wasserbecken auf der Bühne (Bühnenbild Michael Sieberock-Serafimowitsch), in dem die Schauspieler das Stück spielten. Es war nicht nur praktisch (man konnte sich die Farbe aus dem Gesicht waschen), sondern das Wasser unterstützte die Akteure auf der Bühne. Die Schauspieler ließen es sanft durch die Hand rieseln oder kraftvoll nach allen Seiten wegspritzen. Das Wasser diente als riesige Reflexionsfläche.

Fazit: Ein rundherum gelungener Abend mit einem engagierten Schauspielensemble, guter Musik, dem Element Wasser und einer mutigen Inszenierung. Logisch, dass alle Beteiligten gefeiert wurden.

Weitere Termine: 04. Oktober 2013, 18. Oktober 2013, 02. November 2013, 17. November 2013, 04. Dezember 2013, 21. Dezember 2013, 16. Januar 2014 und 22. März 2014.

Karten gibt es unter www.theaterdo.de oder telefonisch 0231 5027222.




Der richtige Mann am falschen Ort zur falschen Zeit

Die zentrale Person in Verdis „Don Carlo“ ist nicht die Hauptfigur selbst oder Phillip II, sein Vater, sondern Rodrigo, der Marquis von Posa. Sein Drang nach Freiheit kommt 200 Jahre zu früh und am spanischen Königshof ist er auf jeden Fall am falschen Ort. Die Oper Dortmund zeigt am Sonntag, dem 29. September um 18 Uhr Giuseppe Verdis Oper in einer Inszenierung von Jens-Daniel Herzog.



Selbstverständlich gehört in eine ordentliche Oper eine (unglückliche) Liebesbeziehung. Don Carlo, Infant von Spanien und Elisabeth von Valois lieben sich, aber Carlos Vater, Philipp der II, heiratet Elisabeth aus Staatsräson. So nimmt das Unglück seinen Lauf, Philipp ist von der Kaltherzigkeit seiner Ehefrau frustriert, Don Carlo ist von der Aussichtslosigkeit seiner Liebe frustriert und in dieser Konstellation fordert der Marquis von Posa mit seinem Freiheitsdrängen und der Unterstützung des flandrischen Aufständischen vor allem die Macht der Kirche in Form des Großinquisitors heraus. Dass das letztendlich seinen Kopf kosten wird, überrascht wohl niemanden.

Bei den Sängern hat sich Herzog etwas besonderes ausgedacht, die beiden beliebten Bassisten Wen Wei Zhang und Christian Sist werden abwechselnd Philipp und den Großinquisitor singen. In der Premiere singt Zhang den Philipp und Sist den Großinquisitor. Der Franco-Kanadier Luc Robert wird seine Dortmund-Premiere mit der Titelrolle des Don Carlo geben. Ansonsten ist die Besetzung hochkarätig: Susanne Braunsteffer (Elisabeth), Katharina Peetz (Prinzessin Eboli) oder Gerado Graciacano (Marquis von Posa). Dirigieren wird der neue Generalmusikdirektor Gabriel Feltz.

Verdi hat den „Don Carlo“ ursprünglich als Fünfakter für die „Opéra de Paris“ geschrieben, sie für die italienische Fassung um einen Akt gekürzt. Das Libretto entstand nach dem Trauer spiel „Don Karlos“ von Friedrich Schiller. Die Dortmunder Inszenierung dauert inklusive Pause dreieinhalb Stunden.

Neben der Premiere am 29. September 2013 gibt es noch weitere Aufführungen am 12. Oktober 2013, 20. Oktober 2013, 25. Oktober 2013, 03. November 2013, 08. November 2013, 16. November 2013 und 08. Dezember 2013.

Karten unter www.theaterdo.de oder telefonsich 0231 5027222.




Ein Format, ein Thema, 51+ Interpretationen

Sah ich, als ich seh’n anfing – Was fällt Ihnen ein, wenn Sie diesen Vers lesen? Über 50 Kulturschaffende waren vom kunstbetrieb aufgefordert worden, ihre Assoziationen zum Vers aus Bertolt Brechts Gedicht „Liebeslieder I“ auf einer Fläche von 20 Zentimetern im Quadrat festzuhalten.



Neben Künstlern bildender Kunst aus so unterschiedlichen Bereichen wie Objektkunst, Malerei, Installation oder Fotografie beteiligten sich Musiker und Schauspieler, aber auch Journalisten, Grafik-Designer oder Medienwissenschaftler an dem Projekt.

Was dabei herausgekommen ist, wird erstmalig in der Museumsnacht zu sehen sein. Eine Wand des kunstbetriebs bleibt frei für die Besucher: Wer mag, kann an einem Werktisch eine eigene Idee zum Thema entwickeln.

Im Anschluss an die Museumsnacht läuft die Ausstellung der 51+ Exponate vier Wochen lang.

Ausstellung „sah ich als ich seh’n anfing“ | 28.9.-26.10.2013 |

im kunstbetrieb | Gneisenaustr. 30 | 44147 Dortmund | 0231 53 48 204 | www.derkunstbetrieb.de




Interview mit Merle Wasmuth

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