Vier geförderte Projekte im Kreativquartier Unionsviertel

Kreative, Wirtschaftsförderung und Stadtplanung freuen sich über die Förderung vom Land NRW für vier Projekte.
Kreative, Wirtschaftsförderung und Stadtplanung freuen sich über die Förderung vom Land NRW für vier Projekte.

Schöne Nachricht für vier künstlerische Projekte: Fast 130.000 € gibt es vom Land als Förderung. Profitiert haben davon der Hartware MedienKunstVerein, Heimatdesign, die Neue Kolonie West e.V. und 44309 street/art gallery.

 

Die Fördermittel kommen aus dem Programm „Kreativ Quartiere Ruhr 2013“, die wiederum auf die Kulturhausptstadt Ruhr 2010 zurückgeht. „Es war uns wichtig, Projekte zu fördern, die einen Effekt auf die Stadtentwicklung haben“, so Bernd Fesel von ecce. „Wirtschaftsförderung, Kultur und Stadtplanung sitzen in einem Boot.“

 

Beim Projekt vom Hartware MedienKunstVerein (HMKV) handelt man mit Utopien. Auf einer „Utopia Stock Exchange“ (USE) wird das Dortmunder U zur Börse von Utopien. Ab sofort können die Bürgerinnen und Utopien bei www.utopiaexchange.de einreichen. Der HMKV wird auch auf dem Weihnachtsmarkt präsent sein und dort seine Idee präsentieren. Beim Handelsabend am 18. Januar im Dortmunder U wird sich zeigen, welche Utopie am meisten Anhänger findet. Dabei kann man echtes Geld verdienen oder verlieren. Wie an der echten Börse…

 

Die Plattform Heimatdesign erhält für das Fotofestival „Schau“ ebenfalls eine Förderung vom Land. Das Festival bot und bietet Veranstaltungen rund um das Thema „Fotografie“ an. Eine der Veranstaltungen war der Fotorundgang „Der Goldene Westen“ im Unionsviertel im Herbst 2013. In diesem Jahr findet noch ein „Phototalk – Dialoge zur Fotografie“ statt und zwar am 04. Dezember. Die Veranstaltung „Bring“ am 14.12.13 soll ein neues Format werden zum Sehen und Sprechen über Bilder. Höhepunkt der geplanten Veranstaltungsreihe wird eine internationale Portfolioschau im Dortmunder U im Juni 2014, erzählte Haiko Hebig.

 

Die „Neue Kolonie West“ bekommt eine Förderung für den „Kunstmarathon im Unionsviertel.“ 20 Künstlerinnen und Künstler nehmen am 06. und 07. Dezember daran teil, erzählte Organisatorin Simone Czech von der Galerie 143. Das Unionsviertel soll 24 Stunden künstlerisch bespielt werden und die Besucher können am 06. Dezember beim Entwicklungsprozess dabei sein. Am 07. Dezember können die Besucher dann bei einem Rundgang die entstandenen Objekte bei einer amerikanischen Auktion erwerben.

 

Die 44309 street/art gallery erhält für ihr Vorhaben, Graffiti und Street Art als moderne Gegenwartskultur zu etablieren, eine Förderung. Ebenso ist es das Ziel der Galerie, Street Art wieder zurück auf die Straße zu bringen. So entstanden drei große Wandmalereien in Dortmund von Künstlern aus Dortmund und Brasilien an der Ritterstraße und am Dortmunder U. Für 2014 sind bereits weitere Wandgemälde und Projekte geplant.




Von Tönen und Farben

Vera Pothmann vor ihrer Südsee- oder Paradiesidylle.
Vera Pothmann vor ihrer Südsee- oder Paradiesidylle.

Was für den Musiker die Töne, sind für den Maler die Farben. Unter diesem Motto zeigt Vera Pothmann bis zum 20. Dezember ihre Malerei in der Artothek der Stadt- und Landesbibliothek. Die Ausstellung trägt den Titel „Farben und Töne…Farb-Töne“.

In ihrem Hauptberuf ist Vera Pothmann Klavierpädagogin, daher ist es nicht verwunderlich dass sie zur Analogie „Farbe-Töne“ kommt. Sie studierte an der Universität Kunst und Musik. So wie Komponisten eine bestimmte Tonart benutzen, so benutzt sie ihre Farben, damit eine Melodie, eine Schwingung von Bild zum Betrachter ausgeht.

Pothmann malt überwiegend in Acryl, aber auch in Öl oder Pastell. Ihre Bilder sind teilweise figurativ, doch es sind auch völlig abstrakte Werke ausgestellt. „Meine Bilder sollen meditativ wirken“, so die Künstlerin. Denn ähnlich wie Musik entspannt, soll sich der Betrachter beim Betrachten der Bilder entspannen. Sie verzichtet auch bewusst auf Titel für ihre Bilder, um den Betrachter die Chance zu geben, völlig unvoreingenommen ein Bild zu sehen und nicht die Richtung vorzugeben.

Inspiration holt sich die Künstlerin auf Ausstellungen, Landschaften oder von Fotos, die Erinnerungen wecken. Musikalisch hört sie am liebsten Komponisten der Romantik wie Schumann oder Schubert. Malerische Vorbilder sind Matisse, Kandinsky oder die Maler des Jugendstils.

Die Öffnungszeiten der Artothek sind dienstags und freitags von 10 bis 19 Uhr.

Eine kleine Auswahl der Bilder der Künstlerin: [nggallery id=8]




Rainald Grebe – sein Leben als Programm

Von der Kleinstadt Frechen ins große Berlin. Als die Zuschauer am 23. November nach dreieinhalb Stunden aus dem Schauspielhaus Dortmund kamen, erfuhren sie einiges über Grebes Kindheit und Jugend.

Auf der Bühne lag symbolisch der Müll seines Lebens, aufgemalt auf einem Laken, aber in Wirklichkeit befand sich dort ein Minischlagzeug mit der Puppe Chucky. Chucky, bekannt aus der gleichnamigen Horrorfilm-Reihe, hatte besondere Aufgaben, denn mit jedem Schlag erklangen Soundfetzen wie alte 80er Jahre-Werbung, Auszüge aus einer Schallplatte des niederländischen Missionars John Thiessen und ähnliches.

 

Grebe breitet seine Kindheit und Jugend völlig ungeniert aus, seine Hobby wie beispielsweise Auswendiglernen (!) von Briefmarken machten ihn sicher zu einem skurrilen Außenseiter in seiner Heimatstadt Frechen. Heute würde man vermutlich den Begriff „Nerd“ wählen. Hier hat das Konzert auch seine tiefsten, emotionalsten Momente, wenn Grebe am Klavier davon singt, als Jugendlicher alleine zu Hause am Klavier zu sitzen, währen die anderen in Köln in den Diskotheken feiern. Dazu gehört auch sein Lied über seine Zivildienstzeit in einer psychiatrischen Klinik in Bielefeld

 

Eigentlich war das Rainald Grebe Konzert ein Soloprogramm, doch man könnte mit Fug und Recht behaupten, dass der Tontechniker Franz Schumacher als Sidekick eine nicht unterschätzende Rolle spielte. Am Anfang war der Dialog der beiden vielleicht etwas zu langatmig, aber im Laufe des Konzert pegelte es sich wunderbar ein und das gegenseitige Bälle zuwerfen sorgte für einige Lacher.

 

Natürlich durfte auch der spezielle Humor von Rainald Grebe nicht fehlen, seine aufgerissenen Augen und seine feine Beobachtungsgabe vor allem zwischenmenschlicher Beziehungen wie beispielsweise bei „30-jährige Pärchen“. Gegen Ende bekamen die Zuhörer noch eine gehörige Portion Schweizer Dadaismus serviert und das Eingeständnis „I feel so overfordert“ mit Tanzeinlage. Hier konnte sich jeder, der mittlerweile eine Spiegel-Online-Allergie bekommen hat, wiederfinden.

Gegen Ende des Abends zweigte Grebe auch seine Fähigkeit zur (Selbst)-Ironie. Gekonnt nahm er dabei das „Künstlergetue“ auf die Schippe.

Zieht man die Pause ab, stand Rainald Grebe netto drei Stunden auf der Bühne. Das allein verdient den höchsten Respekt. Das davon fast keine Sekunde langweilig war, zeigt seine hohe Qualität.




Small Beast weckte das Wolfsrudel

Paul Wallfisch und Alexander Hacke beim "Small beast".
Paul Wallfisch und Alexander Hacke beim „Small beast“.

Am Freitag, dem 22. November gab es beim Musik-Club „Small Beast“ im Studio des Schauspielhauses schon einmal einen Vorgeschmack auf die kommende Produktion „Republik der Wölfe“. Drei der vier aus dem „Ministerium der Wölfe“ waren zu Gast: Neben Gastgeber Paul Wallfisch, spielten auch Alexander Hacke und Danielle de Picciotto. Am Schluss war noch Martin Bisi zu hören.

 

Volles Programm beim Small Beats. Zuerst begann wie immer Paul Wallfisch mit einem kleinen Set. Er spielte unter anderem Stücke aus seinem früheren Programm „Meister und Margarita“, eine Hommage an Lou Reed „Turning time around“ aus Reeds Album „Ecstasy“ und „Waterloo Sunset“ von den „Kinks“.

Dann gesellte sich Alex Hacke dazu und nach einem launigen „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ gab es zwei Lieder aus dem neuen Programm „Republik der Wölfe“. Die Musik lässt auf ein interessantes und spannendes Projekt hoffen.

 

Dann war es Zeit für die beiden „Wölfe“ Alexander Hacke und Danielle de Picciotto. Ihr Auftritt war eine Mischung aus Musik, Video und Lesung. Die Musik war durchaus rockig, aber auch experimentell, teilweise sphärisch. De Picciottos Texte drehten sich um das Leben als „Zigeuner“, Beide gaben ihren festen Wohnsitz auf, um als tourende Musiker durch die Welt zu reisen. Es fing gut an, danach wurden die Texte aber etwas zu esoterisch und es ging um „Energielinien“ und Nostradamus, den „Seher“, Tore zum Himmel und zur Hölle.

 

Martin Bisi kam nach der Pause mit seiner Band und präsentierte psychedelische Musik, die von Gesangsstil aber durchaus auch ins Metal-Gefilde gehören könnten. Neben den obligatorischen Loops (ist das eigentlich mittlerweile ein Muss?), erzeugten die vier Musiker eine enorme Wall of Sound.

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Wer ist eigentlich das Monster?

Jörg Buttgereit präsentiert in "Der Elefantenmensch" die Lebensgeschichte von John (Joseph) Merrick.
Jörg Buttgereit präsentiert in „Der Elefantenmensch“ die Lebensgeschichte von John (Joseph) Merrick.

Am 29. November 2013 ist wieder Premiere für ein Jörg-Buttgereit-Stück. Nach „Green Frankenstein/Sexmonster“, „Kannibale und Liebe“ beschäftigt sich der bekannte Arthouse-Horrorfilmer mit dem Schicksal von John Merrick, der als „Elefantenmensch“ im viktorianischen England auf Jahrmärkten ausgestellt wurde. Wer ist eigentlich das Monster? Merrick oder die Betrachter?

John (eigentlich Joseph) Merrick ist eine historische Figur. Geboren 1862, litt er unter einem seltenen genetischen Defekt, der eine seiner Körperhälften sowie den Kopf stark deformierten. Dadurch zu einer „Monstrosität“ geworden, wurde er auf Jahrmärkten dem Publikum als „Elefantenmensch“ präsentiert. Doch der Zeitgeist ändert sich: Kuriositätenkabinette werden immer mehr abgelehnt. Der Arzt Dr. Treves, der von Merrick fasziniert ist,bringt ihn ins London Hospital. 1890 stirbt Merrick mit 27 Jahren. Vermutlich ist er erstickt, weil er sich zum Schlafen hingelegt hatte. Wegen des Gewichts seines Kopfes konnte er nur aufrecht schlafen.

 

„Ein Mensch, der von Geburt an aus der Welt gefallen ist“, beschreibt Regisseur Jörg Buttgereit John Merrick. Bekannt geworden ist „Der Elefantenmensch“ durch den Film von David Lynch, doch Buttgereit will mehr an der Bühnenfassung von 1977 von Bernhard Pomerance bleiben.

 

Im Mittelpunkt steht die Frage: wer ist das eigentliche Monster. Begaffer oder Begaffter? Oder stecken wir da nicht in einem Dilemma, denn „Merrick konnte nur als ‚Monster‘ Geld verdienen“, konstatiert Buttgereit. So wird die Welt der Schausteller nicht so schwarz und bedrohlich gezeigt, sondern auch als eine Art Familie. Konsequenterweise wird die Bühne auch zu einem Jahrmarkt.

 

Schauspieler Uwe Rohbeck und Jörg Buttgereit waren schon bei „Kannibale und Liebe“ ein exzellentes Duo. Auch beim „Elefantenmensch“ spielt Rohbeck wieder die Titelrolle. Und für ihn steht ein Mammutprogramm auf dem Plan. Denn Rohbeck wird stundenlang in der Maske sein, um seinen Bodysuit anzuziehen und sich in John Merrick zu verwandeln.

 

Neben Frank Genser, Uwe Schmieder und Bettina Lieder gibt es beim „Elefantenmensch“ ein Wiedersehen mit zwei alten Bekannten: Christoph Jöde und Louise Heyer.

 

Ars tremonia drehte ein Interview mit Regisseur Jörg Buttgereit: [vsw id=“duJNfyiGLoY“ source=“youtube“ width=“600″ height=“480″ autoplay=“no“]

 

Die Premiere am 29. November und die Vorstellung am 05. Dezember sind schon ausverkauft, für den 14. und 27. Dezember hingegen gibt es noch Karten.

 

Infos und Karten unter www.theaterdo.de oder 0231 5027222.

 




Kammermusik für drei

Klaviertrios aus drei Epochen waren am 18. November im Orchesterzentrum NRW auf der Brückstraße zu hören. Das 1. Kammerkonzert wurde präsentiert vom Berliner Klaviertrio, dessen Cellistin Franziska Batzdorf ist, die Solo-Cellistin der Dortmunder Philharmoniker. Das Berliner Klaviertrio besteht darüber hinaus aus Franziskas Vater Wolf-Dieter Batzdorf und Gabriele Kupfernagel.

Eröffnet wurde der Abend mit dem Klaviertrio Nr.12 in e-moll. Schnell wird klar, warum Hadyns Klaviertrios zu den schönsten Klavierwerken gehört. Es perlt, es vibriert, es macht Laune, Gabriele Kupfernagel bei ihrem Spiel zuzusehen. Doch Violine und Cello sind nicht bloßes Beiwerk, der österreichische Meisterkomponist sorgte für ein harmonisches Ganzes. Ein Auftakt nach Maß in das Konzert.

 

Ihm wurde von seinen russischen Komponistenkollegen „Gefälligkeit“ und „Schönspielerei“ nachgesagt. Anton Arenski hatte keinen leichten Stand mit seinen Kompositionen. Und wenn man ehrlich ist, hatten seine Konkurrenten recht. Typisch russische Klänge in winzigen Dosen, dafür klang es in seinem Klaviertrio Nr.1 in d-moll wie in einem Wiener Kaffeehaus. Eine hübsche Melodie an die andere geknüpft. Andererseits, wen stört das, wenn diese gefällige Musik von den drei Musikern überzeugend dargebracht wurde wie an diesem Abend.

 

Nach der Pause kam mit Dimitri Schostakowitsch ein „echter“ Russe. Seine 2. Klaviertrio in e-moll ist tief und emotional und so spielten es Kupfernagel sowie Vater und Tochter Batzdorf. Hervorzuheben ist das lyrische Largo. Eröffnet von langsamen Klavierakkorden, erklingt auf der Violine ein jüdisches Volksmusikthema, berührend und ergreifend. Mit Sicherheit der Höhepunkt des Abends.

 

Mit viel Applaus belohnte das Publikum die drei Musiker für den gelungenen Abend.

 

Ein weiteres positives Merkmal des Abends abseits der Musik: Das Restaurant Stravinski sorgte dafür, dass es in der Pause auch etwas zu trinken gab.




Der Kreislauf von Wut und Liebe

Jing Wu, Sila Ekiztas, Fatma Ulutopcu, Friederike Tiefenbacher, Emine Turhan, Yasmin Ucar und Jeannie Marianna Dressman. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Jing Wu, Sila Ekiztas, Fatma Ulutopcu, Friederike Tiefenbacher, Emine Turhan, Yasmin Ucar und Jeannie Marianna Dressman. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Am 30.November steht mit „Verbrennungen“ ein Stück auf dem Spielplan, das sich um die Themen Bürgerkrieg und Vertreibung dreht. Der Autor Wajdi Mouawad kommt aus dem Libanon, aber aktuell kommt einem die Lage in Syrien in den Kopf. Doch auch anderswo auf der Welt herrschen Krieg und Zerstörung. Ars tremonia führte im Vorfeld mit der niederländischen Regisseurin Liesbeth Coltof ein Interview.

 

Hier erzählt Coltof, die den Nahen Osten aus langjähriger Erfahrung kennt, über das Stück, warum sie sechs bühnenunerfahrene Frauen mit nichteuropäischem Migrationshintergrund auf die Bühne holt, was ihr bei dieser Inszenierung wichtig ist und welche Unterschiede es zwischen Theater in Deutschland und in den Niederlanden gibt.

Das Video ist auf Niederländisch! Bitte für die deutschen Untertitel unten rechts in der Leiste auf das „CC“-Feld klicken.

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Neben der Premiere am 30. November gibt es weitere Termine am 5., 14. und 27. Dezember sowie am 08. und 24. Januar 2014.

Karten und Infos unter www.theaterdo.de oder 0231 50 27222.




Beschwingtes Stück mit Bitterkeit

Am 16. November hatte das Stück „6 Tanzstunden in 6 Wochen“ Premiere im Kino um U. Im Mittelpunkt der Komödie von Richard Alfieri stehen Kammerschauspielerin Barbara Blümel und Michael Kamp. Blümel und Kamp waren auch die Originalbesetzung des Stückes, als es vor einigen Jahren im Schauspielhaus lief.

Die Handlung des Stückes ist schnell erzählt: Lily, die ältere Frau eines Baptistenpfarrers möchte zu Hause Tanzstunden bekommen. Der Tanzlehrer Michael entspricht ganz und gar nicht ihren Vorstellungen. Später stellt sich heraus, dass er schwul ist. Doch auch Lily hat etwas zu verbergen, zum Beispiel, dass ihr Mann schon lange tot ist.

 

Notlügen und Lebenslügen. Manche Menschen bauen um ihr Leben eine Mauer aus Lügen, falschen Tatsachen, vielleicht um sich vor den Unbillen des Lebens zu schützen. Lily und Michael sind solche Menschen. Michael, hat als schwuler Mann viele Enttäuschungen im Liebesleben erfahren müssen, Lily fühlt sich als alleinstehende alte Frau einsam und ungeschützt. Das versuchen beide neben ihren Lügengeschichten vor allem mit Sarkasmus zu überspielen. Doch hinter diesen Wortgefechten versteckt sich ein Schrei nach Wärme, Freundschaft und Verständnis.

 

Kamp und Blümel schaffen es diesen Widerspruch, den beide Charaktere haben, ins Publikum zu tragen. Anders als die Premiere von „Kunst“, die manchmal etwas überdreht in Richtung Klamauk abzukippen drohte, lassen die beiden Schauspieler Zeit, um die stillen, ruhigen Stellen zu zelebrieren. Auf dem Theaterticket steht zwar Komödie, doch sie ist in Wirklichkeit eine bittersüße. Keine, in der man pausenlos auf die Lachmuskeln des Publikums zielt. Eher eine, die mehr ruhige Momente hat. Vor allem, wenn die Lebenslügen wie Seifenblasen platzen und einem der Spiegel vorgehalten wird.

 

Blümel überzeugt als alterslose Bapatistenpfarrerswitwe, die den forschen jungen Tanzlehrer zunächst abgrundtief verachtet, dann aber mehr und mehr Verständnis für ihn und seine Lage aufbringt. Dieses Aufblühen wird mit den passenden Tanzkleidern kombiniert.

Kamp spielt den Tanzlehrer herrlich sarkastisch, der in den Wortgefechten nicht das zierliche Florett favorisiert, sondern den groben Säbel. Seine Abneigung gegen Lily ändert sich, als auch er ihre Lebenslügen durchschaut und er entwickelt ein freundschaftliches Verhältnis zu ihr.

 

Das Bühnenbild ist dem Platzverhältnissen geschuldet und ist nicht südstaatenmäßig (das Stück spielt in Florida) opulent, sondern mit Sessel und Stühlen zweckmäßig gestaltet. Musik gibt es logischerweise auch, passend zu den Tänzen Swing, Tango, Cha Cha Cha, Foxtrott, Wiener Walzer und moderner Tanz.

 

Mit einem sehr berührenden Stück hat sich das Theater im U (im Kino im U) in seine zweite Spielzeit zurückgemeldet. Den Organisatoren von Austropott kann man für die gute Auswahl nur gratulieren.

 

Wer es gerne sehen will, kann es am 23.11., 30.11. und 15.12. tun. Mehr Infos unter www.austropott.de




Das MKK erzählt die Weihnachtsgeschichte

Eine sehr moderne Krippeninterpretation von Alex Furtmann.
Eine sehr moderne Krippeninterpretation von Alex Furtmann.

Mittlerweile ist es schon die 13. Weihnachtsausstellung im Museum für Kunst und Kulturgeschichte (MKK). Vom 16.November 2013 bis zum 05. Januar 2014 dreht sich dieses mal alles um die Weihnachtsgeschichte. Angefangen von der Verkündigung Marias bis zu den heiligen drei Königen wird die Geschichte in künstlerischen Darstellungen erzählt.

Die Weihnachtsgeschichte hat Künstlerinnen und Künstler seit dem Mittelalter fasziniert. Dabei ging es ihnen häufig weniger um die Wahrheit, sondern mehr die Wirkung ihrer Werke. Rund 70 Grafiken, Gemälde, Skulpturen, Reliefs und kunsthandwerkliche Arbeiten aus den eigenen Sammlungen stehen im Mittelpunkt der Ausstellung.

Das älteste Stück der Ausstellung – eine kostbare Buchmalerei mit der Darstellung der Geburt Christi auf Goldgrund – stammt aus der Zeit um 1330. Druckgrafiken von Dürer bis Rembrandt widmen sich in stimmungsvollen Kompositionen dem weihnachtlichen Geschehen. Ein farbiges Majolika-Bild mit der Schilderung des Kindermordes zu Bethlehem nach Raffael (1483 bis 1520) ist ungewöhnlich, vom Mittelalter bis zum Barock wurde das Thema jedoch häufiger aufgegriffen.

Eines der jüngsten Stücke in der Ausstellung ist ein Sammelteller aus Porzellan von 1977 mit dem Motiv der Flucht nach Ägypten. Seit 1900 erfreuen sich die jährlich nur in bestimmter Stückzahl von bekannten Porzellanmanufakturen hergestellten und mit wechselnden Sujets dekorierten Weihnachtsteller großer Beliebtheit.

Zwei großformatige Krippendarstellungen, farbig bemalte Figuren aus Gips im nazarenischen Stil von 1909 aus dem Westfälischen Museum für religiöse Kultur – RELíGIO in Telgte und moderne Holzfiguren des westfälischen Krippenkünstlers Alex Furtmann aus Bocholt, ergänzen daher die Ausstellung.

Ein umfangreiches Begleitprogramm ist inzwischen eine feste Größe bei den Weihnachtsausstellungen. Es umfasst in diesem Jahr öffentliche und buchbare Familienführungen und Führungen für Erwachsene sowie kreative Angebote mit Ausstellungsbesuch für Senioren, Grundschulklassen, Kindergärten, Konfirmanden- und Sternsingergruppen.
Darüber hinaus können Kinder von sechs bis zehn Jahren am 15. Dezember von 14 bis 16 Uhr ihren eigenen Weihnachtsschmuck gestalten. Hinzu kommen der Bildvortrag „150 Jahre Krippenkunst in Dortmund“ mit Brigitte und Rolf-Jürgen Spieker am 28. November um 19 Uhr, die „Salongeschichten – Treff für ältere Menschen“ am 3. Dezember, 14.30 bis 16.30 Uhr, sowie das Erzählcafé mit der WDR-Journalistin Dr. Marion Grob am 7. Dezember von 15 bis 16.30 Uhr.
Der besondere Tipp: Führung durch die Weihnachtsausstellung und die Dortmunder Marienkirche mit dem Marienaltar von Conrad von Soest!
Nähere Informationen und Anmeldung zu den Angeboten unter Telefon (0231) 50-2 60 28 oder per E-mail: info.mkk@stadtdo.de.

Öffnungszeiten des Museums für Kunst und Kulturgeschichte, Hansastraße 3, Dortmund: Dienstag, Mittwoch, Freitag, Sonnatg: 10 bis 17 Uhr, Donnerstag 10 bis 20 Uhr, Samstag 12 bis 17 Uhr. Der Eintritt kostet 5 Euro, ermäßigt 2,50 Euro, Eintritt frei unter 18 Jahren.




Noch Karten für „Small Beast“

Paul Wallfisch lädt wieder exzellente Musiker als Gäste ein zu seiner Kult-Late-Night „Small Beast, Dortmund“: Alexander Hacke von den Einstürzenden Neubauten und Loveparade-Mitbegründerin Danielle de Picciotto präsentieren ihr Graphic Diary We are gypsies now, in dem sie von ihrem Experiment berichten, 18 Monate unterwegs zu sein.

Beide gehören außerdem auch zur Band „Ministry of Wolves“ und haben gemeinsam mit Mick Harvey und Paul Wallfisch die Musik zum großen Live-Event „Republik der Wölfe“ geschrieben, das ab Februar im Schauspiel Dortmund zu sehen ist. Alexander Hacke arbeitet derzeit auch am Soundtrack zu dem neuen Film von Fatih Akin. Ein weiterer Gast beim nächsten „Small Beast“ ist der New Yorker Indie-Artist Martin Bisi. Seine Musik bietet klassischen Rock mit kryptisch-intelligenten Texten! Für die Veranstaltung am Freitag, 22. November, um 22.30 Uhr im Studio des Schauspiel Dortmund gibt es noch Karten an der Vorverkaufskasse im Opernhaus, unter 0231/50-27222 oder www.theaterdo.de.