Leicht bearbeitetes „Fantasia“ konnte überzeugen

 

Ist und bleibt beeindruckend: Der Drache aus "Fantasia". (Foto: ©Bettina Stöß)
Ist und bleibt beeindruckend: Der Drache aus „Fantasia“. (Foto: ©Bettina Stöß)

Xin Peng Wang hat zur Vorweihnachtszeit sein Erfolgsballett „Fantasia“ leicht bearbeitet und wieder zur Aufführung gebracht. Das märchenhafte Spektakel zog erneut die großen und kleinen Besucher in ihren Bann. Ars tremonia sah sich die Vorstellung vom 15.12.2013 an.

 

Was hat sich geändert im Vergleich von vor zwei Jahren? Die Geschichte bliebt die gleiche, die Kitzelmänner haben wieder ihren Auftritt und der drei Meter große, beeindruckende Drache spuckt immer noch Feuer. Das Märchen, geschrieben von Christian Baier, dreht sich um die Geschichte zweier Kinder, die an den Rollstuhl gefesselt sind. Während Alicia gegen das Schicksal ankämpft und mit Hilfe der Fee der Zuversicht versucht, ihren Traum vom Tanzen zu realisieren, verwandelt sich Florian frustriert in ein Monster. Am Ende zeigt Alicia Florian, was alles mit der Macht des Traumes und Mut möglich ist.

 

Vor allem das Bühnenbild von Frank Fellmann mit dem bedrohlichen Märchenwald ist extrem gut gelungen. Hier begegnet Alicia fremden, merkwürdigen Wesen: Irrlichtern, den erwähnten Kitzelmännern und bedrohlichen Vogelwesen. Nur die Baumwesen fielen der Neufassung zum Opfer.

 

Ein weiteres Beispiel der Kunst von Fellmann: Als Alicia in die vermeintliche Tanzschule von Dr. Zaponetti kommt, verwandelt sich die Bühne in eine Art Frankensteins Labor. Tänzer werden in überdimensionalen Reagenzgläsern gefangengehalten, die von der Fee der Zuversicht befreit werden. Danach kommt es zum Höhepunkt von „Fantasia“: Der Kampf mit dem Drachen.

Die Musik von Modest Mussorgski passt ideal zum Stück, obwohl es aus verschiedenen Werken des russsichen Komponisten stammt. Die Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von Philipp Armbruster machen einen guten Job.
Fazit: Xin Peng Wang hat sein eigenes Werk noch einmal bearbeitet und etwas gestrafft, die Kernelemente aber behalten. Somit bleibt das Ballett-Märchen „Fantasia“ eine Empfehlung in der kalten und grauen Jahreszeit.

Die weiteren Termine:So, 22. Dezember 2013, Mi, 25. Dezember 2013, So, 29. Dezember 2013, Sa, 04. Januar 2014, Fr, 10. Januar 2014, Sa, 18. Januar 2014, Sa, 25. Januar 2014 und Fr, 07. Februar 2014.




Abbas Khider erhält den Nelly-Sachs-Preis 2013

Glückwunsch zum Nelly-Sachs-Preis: Oberbürgermeister Ullrich Sierau gratuliert Abbas Khedir.
Glückwunsch zum Nelly-Sachs-Preis: Oberbürgermeister Ullrich Sierau gratuliert Abbas Khedir.

Der Literaturpreis der Stadt Dortmund, der Nelly-Sachs-Preis, geht an Abbas Khider. Der aus dem Irak stammende Autor schildert in seinen Romanen die Situation der zerrissenen Gegenwart. Als moderner Odysseus musste er aus seinem Heimatland fliehen und lebte mehrere Jahre als illegaler Flüchtling in verschiedenen Ländern, bis sein Asylantrag in Deutschland positiv beschieden wurde.

 

In seinen drei erschienen Romanen spiegelt Khider sein Leben wider: Flucht aus den Folterkeller Saddams, die Odyssee durch verschiedenen Länder als Flüchtling, der verzweifelte Versuch, Freunde und Verwandte im Heimatland nicht ganz aus den Augen zu verlieren. Auf Homers Werk „Odysseus“ hebt auch Literaturkritiker Hubert Spiegel ab. Hierbei drehe es sich um eine Geschichte eines Flüchtlings, der in fremden Ländern meist unfreundlich aufgenommen wird und sprichwörtlich ein Niemand ist. In dieser schwierigen Situation hat vor allem der Humor einer lebenswichtigen Funktion, wie man in Khiders Büchern erfahren kann.

 

In seiner Dankesrede sprach Khider von seiner im wahrsten Sinne des Wortes entfachten Liebe zur Literatur. „Fast vier Stunden hatte ich die Teekanne auf dem Herd vergessen. Seitdem sagte meine Familie: ‚Die Bücher haben Abbas den Verstand geraubt.‘ Und das geschah wahrhaftig.“ Doch Lesen reichte ihm irgendwann nicht mehr. „Ich glaubte, diese seltsame Welt mit dem Schreiben verändern zu können. Daran glaubte ich wirklich sehr lange.[…] Das Schreiben war die einzige Möglichkeit, mich zu wehren“, so Khider weiter. In Deutschland angekommen, verändert sich sein Schreiben. „Das Schreiben war kein Versuch mehr, die Welt nur zu erklären oder mich gegen die Wlet zu wehren, sondern ein Versuch, die Welt neu zu formulieren“, fuhr Khedir fort, „ss faszinierten mich plötzlich die kleinen Dinge und die unbedeutenden Erlebnisse, die Geschichten in der Geschichte, die Abweichungen von der Regel, die Umwege auf der Suche nach Erklärungen und Sortierungen, und die Jagd nach den poetischen unsichtbaren Momenten.“

 

Abbas Khiders Werke liegen im Verlag Edition Nautilus vor. 2008 erschien „Der falsche Inder“, 2011 „Die Orangen des Präsidenten“ und 2013 „Brief in die Auberginenrepubik“.

 

Seit 1961 wird der Nelly-Sachs-Preis von der Stadt Dortmund in zweijährigem Rhythmus vergeben und ist mit 15.000 € dotiert. Preisträger waren unter anderem 1967 Alfred Andersch, 1979 erich Fromm, 1987 Milas Kundera oder 1999 Christa Wolf.

 

Für den musikalischen Rahmen bei der Preisverleihung sorgte das „Duo Habaneras“.

Abbas Khedir im Gespräch mit Claudia Kokoschka, der Leiterin des Kulturbüros.
Abbas Khedir im Gespräch mit Claudia Kokoschka, der Leiterin des Kulturbüros.

Abbas Khedir trägt sich ins Goldene Buch der Stadt Dortmund ein.
Abbas Khedir trägt sich ins Goldene Buch der Stadt Dortmund ein.

 




Verträge mit Voges und Gruhn verlängert

Schauspieldirektor Kay Voges und der Leiter des Kinder- und Jugendtheaters, Andreas Gruhn, bleiben den Dortmundern bis 2020 erhalten. Der Rat beschloss die Vertragsverlängerung mit beiden auf der nicht-öffentlichen Sitzung am 12.12.13.

 

Kay Voges sorgt schon seit seiner ersten Spielzeit mit seinen mutigen Inszenierungen für Furore. In diesem Jahr erhielt er sogar den NRW-Theaterpreis für „Einige Nachrichten an das All“. Mit seiner Inszenierung „Das Fest“ wurde Voges für den deutschen Theaterpreis „Faust“ nominiert. In dieser Spielzeit wagte Voges hat zudem einen „Seitensprung“. Er gab mit dem „Tannhäuser“ sein Regiedebüt an der Dortmunder Oper.

 

Ebenfalls verlängert wurde der Vertrag mit Andreas Gruhn, der das Kinder- und Jugendtheater zu einer Institution entwickelt, die weit über Dortmund hinaus strahlt. Momentan läuft unter seiner Regie das Weihnachtsmärchen „Pinocchio“.




Ausflug in die russische und finnische Natur

Mit dem programmatischen Titel „reine_natur“ entführte Generalmusikdirektor Gabriel Feltz die Zuhörer im Konzerthaus Dortmund am 03. und 04. Dezember die Steppen Mittelasiens, nach Russland und Finnland. Ars tremonia lauschte dem 04. Philharmonischen Konzert am 04. Dezember.

 

Der Abend begann mit Alexander Borodins. Seine sinfonische Dichtung „Eine Steppenskizze aus Mittelasien“ aus dem Jahre 1880 mischte russische und fernöstliche Klänge. Borodin, auch ein berühmter Chemiker, wollte dem russischen Expansionsstreben in Mittelasien ein musikalisches Denkmal setzen. Es ist ein typisches Beispiel für Programmmusik: Borodin erzählt auf musikalische Weise wie eine orientalische Karawane unter dem Schutz der russischen Waffen durch die Steppe zieht. Ein kleines, nettes Horsd’œuvre.

 

Danach wurde es Zeit für eines der ältesten Instrumente, der Harfe. Da Marie-Pierre Langlamet aus persönlichen Gründen absagen musste, übernahm Emmanuel Ceysson den Solopart. Und wie: Spielen Harfen bei den meisten Komponisten nur eine Nebenrolle, brillierte der junge Franzose an dem rund 40 kg schweren Instrument bei Reinhold Glières „Konzert für Harfe und Orchester“ in Es-Dur, op. 74. Es ist Erstaunlich welche Klangfarben die Harfe hervorbringt und Ceysson spielt sie ganz vorzüglich. Glière komponierte das Stück 1938, doch es klingt eher 1888. Der Komponist ist trotz seines französischen Namens Russe und blieb der russischen Kompositionslehre treu: So kommen vor allem im dritten Satz sehr stark russische Melodien zum Klingen. Als Zugabe spielte Ceysson noch ein Stück von Claude Debussy auf der Harfe.

 

Nach der Pause entführte Feltz die Besucher des Konzerthauses nach Finnland. Eines der bekanntesten Werke Jean Sibelius‘ stand auf dem Programm. Ein Stück das Orchester und Dirigent sichtbar forderte. Der finnische Nationalkomponist Sibelius legte seine zweite Sinfonie etwas „wärmer“ an als seine erste. Dennoch ruft das Stück Bilder der finnischen Wälder und Seen hervor. Gerade im vierte Satz, dem grandiosen Finale, können Feltz und seine Dortmunder Philharmoniker nochmal alles aus sich heraus holen.




Besonderer Blick auf Metropolen

Patricia Cabaleiro (links) mit einem Bild aus Singapur neben Britta Hagemann mit einem Bild aus Zürich vor einem großformatigen Werk aus Dortmund.
Patricia Cabaleiro (links) mit einem Bild aus Singapur neben Britta Hagemann mit einem Bild aus Zürich vor einem großformatigen Werk aus Dortmund.

Vom 04. bis 08. Dezember zeigen die beiden Künstlerinnen Patricia Cabaleiro und Britta Hagemann im Depot Dortmund unter dem Titel „Cities of our world: The Ruhrgebiet Series“ ihren Blick auf Dortmund und das Ruhrgebiet. Neben den großformatigen Arbeiten sind auch noch kleinere Werke aus Zürich und Singapur zu sehen. Was verbindet diese Metropolen, was unterschiedet sie?

 

Die bekannten Sehenswürdigkeiten sieht man bei den Arbeiten von Cabaleiro und Hagemann vergeblich.  Das wäre auch nie ihre Intention, versicherten die beiden Künstlerinnen. Sie lassen lieber ihren Blick auf andere Dinge schweifen. Interessante Ecken, bemerkenswerte Architektur, Street-Art, all das steht stärker im Fokus. Auch wenn sich auf einem Bild das Dortmunder U (samt Bierglas) verirrt.

 

Bei den Künstlerinnen herrscht strikte Arbeitsteilung: Hagemann ist die Fotografin und Cabaleiro ist die Malerin, die den Fotocollagen einen besonderen Touch gibt. Dennoch ist das Projekt „Cities of our world“ ein gemeinsames. Kennengelernt haben sich die Deutsche und die Brasilianerin im asiatischen Singapur durch ihre Söhne, die auf die gleiche Schule gingen. Beide sind wegen der Arbeit ihrer Männer dorthin gezogen, Britta Hagemann ist mittlerweile in Zürich gelandet. Ein bis zweimal im Jahr treffen sich die beiden, um dann an dem Projekt weiterzuarbeiten.

Eine Besonderheit des Projektes: Es werden Städte porträtiert, zu denen die beiden Künstlerinnen einen Bezug haben: In Singapur haben beide gelebt, in Zürich wohnt Hagemann momentan und es gibt bei beiden einen gewissen Dortmund-Bezug: Hagemann ist dort aufgewachsen und Cabaleiro hat in Münster studiert und in Brilon gelebt. Eine weitere Besonderheit: Es werden Bilder aus den anderen Städten bei neuen Ausstellungen mitgenommen und präsentiert. So entsteht eine Sammlung aus unterschiedlichen Stadtbildern aus verschiedenen Kontinenten.

 

Die spannende Frage ist ja, was unterschiedet die Metropolen Singapur, Zürich und Dortmund (als hauptsächlicher Repräsentant des Ruhrgebiets) voneinander: „Singapur ist wärmer“, so Cabaleiro, „Zürich ist sachlicher, klassisch und elegant.“ Interessant ist das, was die Künstlerinnen über Dortmund sagen. „Industriell geprägt, bodenständiger, spielerischer“, meinte Hagemann. „Realistischer“, empfand Cabaleiro die Stadt.

 

Wem ein Motiv so gut gefällt, dass er es nach Hause nehmen möchte: Die beiden Künstlerinnen drucken von jedem Motiv acht in mittlerer Größe auf Leinwand und 16 in kleiner Größe auf Künstlerpapier.

 

Das Projekt von Patricia Cabaleiro und Britta Hagemann ist ständig am wachsen. Es sollen nicht nur weitere Städte hinzukommen wie Tokyo, London, Boston oder New York, sondern das Ruhrgebiet wird weiter künstlerisch erforscht. So sollen unter anderem Kioske, das Essen im Ruhrgebiet und der allgegenwärtige Fußball thematisiert werden.

 

Wer mehr über das Projekt erfahren möchte, kann das unter http://www.cw-art.com/ (Englisch) tun.

„Cities of our world: The Ruhrgebiet Series“
Patricia Cabaleiro und Britta Hagemann
vom 04.12.2013 bis 08.12.2013
Depot Dortmund, Immermannstraße 29, 44147 Dortmund.




Ein begehrtes Objekt

Präsentierten den neuen Kunstkalender "Grafik aus Dortmund 2014": (hintere Reihe v.l.n.r.) Oberbürgermeister Ullrich Sierau, Uwe Samulewicz (Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Dortmund), Kathrin Gellermann (Kulturbüro), Marion Edelhoff (Kulturverein Dortmund); (mittlere Reihe v.l.n.r.) Bürgermeister Manfred Sauer, Alexander Pohl (Künstler); (vordere Reihe v.l.n.r.) Beate Bach, Marta Colombo, Barbara Hein-Dadfar und Brigitte Bailer (Künstlerinnen)
Präsentierten den neuen Kunstkalender „Grafik aus Dortmund 2014“: (hintere Reihe v.l.n.r.) Oberbürgermeister Ullrich Sierau, Uwe Samulewicz (Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Dortmund), Kathrin Gellermann (Kulturbüro), Marion Edelhoff (Kulturverein Dortmund); (mittlere Reihe v.l.n.r.) Bürgermeister Manfred Sauer, Alexander Pohl (Künstler); (vordere Reihe v.l.n.r.) Beate Bach, Marta Colombo, Barbara Hein-Dadfar und Brigitte Bailer (Künstlerinnen)

Er wird nur in einer Auflage von 500 Exemplaren gedruckt und jeder einzeln handsigniert und nummeriert von den beteiligten Künstlern. Der neue Kunstkalender „Grafik aus Dortmund 2014“ wird schon zum 38. Mal von der Sparkasse Dortmund finanziert und in Kooperation mit dem Kulturbüro Dortmund, den Dortmunder Kunstverein e.V. mit der Druckerei Klenke GmbH herausgegeben.Traditionell übergab heute Uwe Samulewicz, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse den handsignierten Kalender Nr. 1 an Oberbürgermeister Ullrich Sierau. „Das ist ein sehr begehrtes Produkt und ein guter Botschafter für Dortmund“, so Sierau. Samulewicz freute sich besonders über die über eine so lange Zeit gehende wunderbare Zusammenarbeit mit den Kooperationspartnern und den Künstlern. Der Kalender beinhaltet je zwei Grafiken von sechs Dortmunder Künstler/innen. „Die ausgesuchten Grafiken passen ausgezeichnet zu den jeweiligen Monaten“, erklärte Samulewicz.

 

Eine Jury, zusammengesetzt unter anderem aus Vertretern des Dortmunder Kulturbüros (der vor kurzem ausgeschiedene langjährige Leiter des Dortmunder Kulturbüros Michael Hoppe), Bürgermeister Manfred Sauer, Marion Edelhoff vom Kunstverein Dortmund oder etwa Uwe Samulewicz für die Sparkasse trafen die Auswahl. Grundlage dafür war die Ausstellung „Grafik in Dortmund“ vom 7. bis 27. Juni 2013 in der Berswordt-Halle, Dort wurde einer breiten Öffentlichkeit die große Bandbreite von Grafiken Dortmunder Künstler gezeigt . Zu sehen waren je zwei Werke von 48 Künstlerinnen und Künstlern.

 

Da fiel die Auswahl schwer. Am neuen Kunstkalender „Grafik aus Dortmund 2014“ sind mit je zwei Arbeiten zum ersten Mal beteiligt: Beate Bach, Brigitte Bailer, Marta Colombo und Barbara Hein-Dadfar. Schon zum dritten Mal mit zwei Grafiken vertreten sind dagegen Alexander Pohl und Dirk Pleyer. Für Marion Edelhoff vom Kunstverein Dortmund e.V. war auch das gegenseitige Kennenlernen von großer Bedeutung.




Bilderflut beim Tannhäuser

Elisabeth setzt sich für Tannhäuser ein. v. l.: Gerardo Garciacano (Wolfram), Morgan Moody (Biterolf), Fritz Steinbacher (Heinrich d. Schreiber), Christian Sist (Landgraf), Martin Js. Ohu (Reinmar), John Zuckerman (Walther), Chor, Daniel Brenna (Tannhäuser, v.) (Foto: ©Thomas M. Jauk / Stage Picture)
Elisabeth setzt sich für Tannhäuser ein. v. l.: Gerardo Garciacano (Wolfram), Morgan Moody (Biterolf), Fritz Steinbacher (Heinrich d. Schreiber), Christian Sist (Landgraf), Martin Js. Ohu (Reinmar), John Zuckerman (Walther), Chor, Daniel Brenna (Tannhäuser, v.)
(Foto: ©Thomas M. Jauk / Stage Picture)

Radikal neu interpretierte Schauspieldirektor Kay Voges am 01. Dezember in der Oper Dortmund den „Tannhäuser“ von Richard Wagner. Mit dem Videokünstler Daniel Hengst an seiner Seite fügte Voges dem Tannhäuser eine weitere Dimension hinzu. Sprachgewaltige Bilder mischten sich mit dramatischer Musik und Sängerinnen und Sängern, die auch ihr Schauspieltalent in die Waagschale warfen.

Ein entscheidender Kniff von Kay Voges war die Verknüpfung der Geschichte von Tannhäuser mit dem Roman von Nikos Kazantzakis „Die letzte Versuchung“. In Kazantzakis Roman bekommt Jesus Christus die Chance, von seinem Kreuz hinabzusteigen und ein „normales“ Leben mit Maria Magdalena zu führen. Doch am Ende sieht Jesus ein, dass es seine Bestimmung war als Erlöser zu sterben.

Ähnlich geht es Tannhäuser. Er ist Gefangen im Reich der Lüste, im Venusberg. Doch er spürt, da muss noch mehr sein. Tannhäuser verlässt die Göttin Venus, und das Reich der Wollust, um sein Heil in Maria zu suchen. Diese Frauengestalt, die natürlich komplett im Gegensatz zur Göttin Venus steht, wird bei Wagner von Elisabeth, der Nichte des Landgrafen repräsentiert. Tannhäuser trifft wieder auf seine Sangeskollegen und der Sängerkrieg auf der Wartburg beginnt. Es kommt heraus, dass Tannhäuser im Venusberg war und er wird daraufhin verurteilt, als Büßer nach Rom zu pilgern, um dort Vergebung zu finden. Doch der hartherzige Papst schenkt Tannhäuser keine Vergebung: „Erst wenn ein Wanderstab frisches Grün treibt, wird dir erst vergeben“. Tannhäuser kehrt zurück, um festzustellen, dass Elisabeth gestorben ist, um im Himmel Erlösung für Tannhäuser zu erbitten. Die wird ihm im Tode gewährt, ein Pilgerstab eines Priesters zeigt frisches Grün.

 

Ein Jesus, der sich nach einem weltlichen Leben sehnt, ein Tannhäuser, der nach Erlösung strebt. Zwei Personen, quasi spiegelbildlich vereint, erweckt Voges zum Leben. Daniel Brenna, im Jesusgewand und mit Dornenkrone, sitzt im Fernsehsessel mit einer Dose Bier, während Venus (Hermine May) in einem Haushalt mit 60-er Jahre Ambiente zugange ist. „Ist das alles gewesen“, scheint sich Tannhäuser zu fragen, denn dieses hedonistische Leben bietet ihm plötzlich nichts mehr.

Auch ungewohnt für die Zuschauer sind die Sänger wie Walther von der Vogelweide oder Wolfram von Eschinbach. Keine frommen Minnesänger, sondern Gerado Garciano, John Zuckermann, Morgan Moody und Kollegen sahen eher aus wie „Die Wartburg sucht den Superstar“ im Gangsta-Rap-Format. Gold, Glitzer und typische Posen, wobei auch die Waffen locker sitzen, wie Tannhäuser feststellen musste.

Der absolute Star, auch gesanglich, war an diesem Abend Christiane Kohl als „Elisabeth“. Sie verkörperte die reine sinnliche Liebe, die die Minnesänger besangen. Eine Liebe, die aber nur von ferne gelebt werden durfte, wer sich dem Fleisch zuwandte wie Tannhäuser, der wird ausgeschlossen. Ähnlich entrückt sang Kohl ihre Elisabeth.

Daniel Brenna sang den wohl ungewöhnlichsten Tannhäuser im Jesuslook. Bei der Anfangsarie schien sich noch ein Frosch in Brennas Kehle versteckt zu haben, der sich erst nach einigen Takten löste. Danach fand er zu einer guten Form. Gesanglich war sein Wechsel zwischen Langeweile im Venusberg, Streitlust auf der Wartburg und die Sehnsucht nach Erlösung spürbar. Dennoch war es Wolfram (Gerado Garciano), dem mit seinem Lied an den Abendstern, einen der emotionalen Höhepunkte der Oper gelang. Nicht nur durch seine Körpergröße war Christian Sist, als Landgraf Hermann und Chef der Sängergang präsent auf der Bühne.

 

Apropos Bühne: War der Venusberg noch die Wohnhölle für Spießer, stand das Kreuz aus Videobildschirmen im Mittelpunkt der Bühne. Vom ihm kam Jesus/Tannhäuser zu ihm ging er wieder zurück. Die meiste Zeit diente es als Art Wegekreuz. Auch die Kuppel des Venusberges kehrte als Dornenkrone zurück.

 

Voges und Hengst fügten mit ihren Videos der Oper neben der Musik, der Bühne und dem Gesang eine weitere Ebene hinzu. Zu sehen gab es beispielsweise Reminiszenzen an religiöse Bilder der Kunstgeschichte, die verfremdet waren wie „Das letzte Abendmahl“ von Da Vinci oder die Papstbilder von Francis Bacon. Komische Elemente waren ebenfalls zu sehen. Beispielsweise beim Sängerkrieg, als neben Angela Merkel auch das Dortmunder U auftauchte. Dafür gab es spontanen Applaus. Sehr emotional und anrührend war die Videoszene, in der Elisabeth nach ihrer letzten Arie in den Tod ging.

 

Ein großes Lob gehört auch der Musik. Die Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von Gabriel Feltz erschlugen die Sängerinnen und Sänger nicht mit der Wucht, die Wagner entfachen kann, sondern sorgten für einen Klangteppich, auf dem die Beteiligten nicht versanken. Zu der gelungenen Aufführung gehörten auch die Chöre und die Statisterie.

 

Wenn Schauspieldirektor Kay Voges in der Oper „fremdgeht“, folgen ihm einige Schauspielkollegen. In den Videos waren Merle Wasmuth, Frank Genser, Carlos Lobo , Uwe Rohbeck und Uwe Schmieder zu sehen. Sogar die Bedienung Uschi Bienek war zu sehen.

 

Was bleibt von der Premiere? Eine ungewöhnliche, aufregende und radikale Tannhäuser-Inszenierung. Sie ist ebenso radikal wie Wagner damals radikal war. „Kinder, schafft Neues“, soll Wagner gesagt haben. Voges hat es gewagt und gewonnen. Sicher, das Stück wird und soll nicht jedem gefallen. Es ist Kunst und darüber kann und muss man streiten. Aber, dass trotz der Kampagne gegen Kay Voges, der überwiegende Teil der Zuschauer die Inszenierung mit Bravo-Rufen und Standing Ovation gefeiert hat, ist ein sehr positives Signal.




Zum Objekt degradiert

Uwe Rohbeck als John Merrick. (Foto: © Edi Szekely)
Uwe Rohbeck als John Merrick. (Foto: © Edi Szekely)

Am 29. November hatte im Studio des Schauspielhauses das Stück „Der Elefantenmensch“ von Bernard Pomerance in der Inszenierung von Jörg Buttgereit Premiere. Ähnlich wie bei „Kannibale und Liebe“ basiert das Stück auf eine wahre Geschichte.

 

Wer Jörg Buttgereit nur von seinen Arthouse-Horrorfilmen kennt, wird von seinen Theaterarbeiten überrascht sein. Widmete er seine erste Arbeit „Green Frankenstein / Sexmonster“ noch dem typischen Schmuddelkino der 70er Jahre, entlockte er dem „Monster“ und Serienkiller Ed Gein, dem Urvater aller Slasherfilme, mit „Kannibale und Liebe“ ein menschliches Gesicht. Zusammen mit Schauspieler Uwe Rohbeck erzeugte er ein beklemmendes, aber auch menschliches Theaterstück vom Grauen, das nebenan wohnt.

 

Auch „Der Elefantenmensch“ hat ein sogenanntes Monster zum Thema und auch wie bei Ed Gein ist es im Prinzip eine wahre Geschichte. John Merrick, der in Wirklichkeit Joseph hieß, wird mit einer äußerst seltenen Krankheit geboren, die seinen Körper bis zur Groteske deformiert. Die einzige Möglichkeit zu überleben ist, als „Der Elefantenmensch“ aufzutreten, bis ihn der Arzt Dr. Treves in das London Hospital aufnimmt. Doch wird er dort wirklich glücklich?

 

Jörg Buttgereit nimmt das Theaterstück von Bernard Pomerance von 1977 als Basis, das auch David Lynch für seinen gleichnamigen Film benutzte. Buttgereit entfernt sich aber von der Schwarz-Weiß-Ästhetik von Lynch und setzt stärker auf die Bühnenfassung.

 

Im Mittelpunkt des Stückes steht nicht nur die Frage: Wer ist dass Monster? Der Begaffer oder der Begaffte? Sondern schnell wird dem Zuschauer deutlich, dass Merrick von den meisten Personen nur als Objekt, aber nicht als Subjekt gesehen wird. Jeder will etwas von Merrick oder durch ihn erreichen. Bischof How will Merrick zu einem guten Christen erziehen, Ross will sein bestes Zugpferd wieder zurück und mit ihm Geld verdienen, Carl Gomm als Klinikdirektor will möglichst viele Spenden und Dr. Frederick Treves will wissenschaftlichen Ruhm. Aber alle wollen angeblich „nur das Beste“ für Merrick und alle wissen, was gut für ihn ist. Einzig die Schauspielerin Mrs. Kendall sieht John Marrick als Subjekt, als einen Menschen an.

 

Trotz der Jahrmarktatmosphäre auf der Bühne (es gab auch Zuckerwatte) schafft es Buttgereit ein berührendes Stück über einen Menschen zu machen, dem es nicht gestattet wird ein Mensch zu werden, weil er anderen Zwecken dienen soll. Andere Menschen bestimmen die Spielregeln und Merrick muss sich auch noch dafür bedanken, weil er ein Dach über den Kopf hat und dreimal am Tag Essen bekommt. Doch von Selbstbestimmung keine Spur. Geld, Glaube, Wissenschaft und Ruhm sind wichtiger.

 

Frank Genser spielt mit einen für heutige Verhältnisse recht modernen Dr. Treves. Er wettert im viktorianischen Zeitalter gegen Korsetts bei Frauen und andere ungesunde Dinge. Dr. Treves wäre heute sicher einer der stärksten Verfechter des Rauchverbots oder des „Veggie Days“. Bei all seiner Wissenschaftlichkeit kommt ihm aber das Menschliche abhanden und er degradiert Merrick vielleicht sogar unabsichtlich zum Labortier. In einer wunderbaren Alptraum-Szene wird Treves bewusst, dass er vielleicht zu weit geht.

 

Christoph Jöde, einer der beiden Rückkehrer, spielt mehrere Rollen, von denen die des Bischofs How und die des Schaustellers Ross, die wichtigsten sind. How und Ross sehen Merrick nicht als eigenständigen Menschen, sondern nur als Projektionsfläche für ihre Wünsche (Geld, Glaube). Jöde singt als Ross auch ein schönes Lied über Geldgier und Kapitalismus.

 

Uwe Schmieder als Carl Gomm sieht in Merrick natürlich nur das Vehikel, um für barmherzige Spenden einzutreiben, was natürlich seinem Krankenhaus zu Gute kommt.

 

Bettina Lieder spielt ebenso wie Jöde mehrere (Neben-)Rollen, unter anderem Frauen aus der britischen High-Society, die sich als karitativen Gnadenakt mit dem „Elefantenmensch“ zeigen und ihm Geschenke überreichen.

 

Die zweite Rückkehrerin Luise Heyer spielt die Schauspielerin Mrs. Kendall. Sie sieht als einzige in Merrick einen Menschen und behandelt ihn auch wie einen. Zwischen der desillusionierten Schauspielerin und Merrick, der ein ganz normaler Mensch sein will, entfaltet sich eine innige Freundschaft. Diese endet, als Kendall einer der starren Regeln von Treves bricht.

 

John Merrick wird von Uwe Rohbeck in einer warmherzigen Weise dargestellt, dass alle Zuschauer vom „Elefantenmenschen“ eingenommen werden, trotz seiner Deformierungen. Respekt auch an Rohbeck, die Tortur mit dem Bodysuit auf sich zu nehmen. Merrick, der einfach nur ein Mensch sein will, scheitert daran, dass andere ihn nur als Mittel zum Zweck sehen, mit Ausnahme von Mrs. Kandell. Rohbeck spielt Merrick wie einen deformierten Kasper Hauser, der einfach nur ein normales Leben führen möchte, aber genau weiß, dass dies unmöglich ist. Daher stammt auch Merricks Wunsch, in ein Blindenheim zu gehen. Es sind die berührendsten Momente, wenn Rohbeck als Merrick Vertrauen zu Mrs. Kandell findet oder er die starren Regeln von Dr. Treves in Frage stellt.

 

Eine allzu schrille Jahrmarktatmosphäre braucht es vielleicht nicht, denn das Stück lebt vom Zusammenspiel der starken Charaktere (vor allem Treves, Kandell und Merrick) und hat seine Stärken in den kleinen, zarten und leisen Momenten.

 

Für die Vorstellungen am 14. und 27. Dezember gibt es noch Karten.

 

Infos und Karten unter www.theaterdo.de oder 0231 5027222.




Wie klingt Radioaktivität?

Ein Klangkokon von Denise Ritter.
Ein Klangkokon von Denise Ritter.

Die Ausstellung „mex21“ zeigt vom 30. November 2013 bis zum 12. Januar 2014 Positionen von Klangkünstlern. 21 neue und bekannte Künstlerinnen und Künstler aus dem In- und Ausland zeigen ihre Positionen im Künstlerhaus Dortmund.

 

Radioaktivität klingt eigentlich nicht, sie strahlt nur. Doch wenn man einen Geigerzähler mit einem Glasobjekt und einem Lämpchen kombiniert, wie es Soichiro Mihara in seinem Objekt „bell“ getan hat, macht man Radioaktivität nicht nur sichtbar, sondern auch hörbar. Denn in unserer Umgebung gibt es die natürliche Hintergrundstrahlung. Somit blinkt die Lampe und das Glöckchen bimmelt. Miharars Werk hat einen ernsten Hintergrund, denn es bezieht sich auf das Fukushima-Desaster.

 

Viel Zeit muss der Betrachter mitbringen bei „Novaya Zemlya“ von Thomas Köner. Das Werk aus eigenen Fotos sowie „Field Recordings“ aus „Novaya Zemlya“ einer künstlichen Weite dauert 40 Minuten. Hier verliert der Betrachter durch die meditative Komposition das Zeitgefühl.

 

Noch mehr Zeit mitbringen müssen die Besucher bei Phill Niblocks „Movement of People Working“. Niblock hat über Jahrzehnte die Dynamik körperlicher Arbeit dokumentiert und mit ausgedehnten Drones und weiteren akustischen Veränderungen kombiniert.

 

Ähnlich wie Köner beschäftigt sich auch Denise Ritter mit Field Recording. Sie hat die Geräusche des Ruhrgebiets anhand eines Mikrophons an ihrer Kleidung gesammelt. Diese Geräusche werden über Lautsprecher, die in Kokons eingewickelt sind, wiedergegeben. Hätte eine Raupe Ohren, würde sie in ihrem Kokon auch die Umgebungsgeräusche mitbekommen, bevor sie zum Schmetterling wird. Der Mensch reagiert vor seiner Geburt vermutlich auf die Umweltgeräusche.

Ritter kommt aus Saarbrücken und kommt zum Ergebnis: „Das Ruhrgebiet ist viel lauter als Saarbrücken.“

 

Das Werk „TACET“ von Ulla Rauter ist ungewöhnlich für eine Soundausstellung, denn der Schriftzug „TACET“ leuchtet nur dann, wenn Stille herrscht. „Tacet“ ist eine Spielanleitung für Musiker, besser gesagt, eine Nicht-Spielanleitung. Es heißt übersetzt „Er/sie schweigt.“ Ohne die Stille wertzuschätzen, kann man auch den Klang nicht wertschätzen.

 

Teilnehmende Künstlerinnen und Künstler: Terry Fox, Olaf Hochherz, Rolf Julius, Thomas Köner, Soichiro Mihara, Phill Niblock, Ulla Rauter, Denise Ritter, Kathy Scheuring / Georg Reil, Ralf Schreiber, Anke Schulte-Steinberg und Florian Zeeh.

 

Die Ausstellung ist eine Kooperation des Künstlerhauses Dortmund und mex – Gesellschaft für intermediale und experimentale Musikprojekte.

 

Passend dazu gibt es ein Konzert im Künstlerhaus am 30.11. 2013 mit Sam Ashley (USA), Pascal Battus / Alfredo Costa Monteiro (F/E) und Gert-Jan Prins (NL). Der Eintritt kostet 8 €.

 

Die Öffnungszeiten des Künstlerhauses (Sunderweg 1) sind Donnerstag bis Sonntag 16 bis 19 Uhr.

Der Stillemelder "TACET" von Ulla Rauter.
Der Stillemelder „TACET“ von Ulla Rauter.




Wo bitte geht’s hier zum Ghetto?

Marcel Feige alias MArtin Krist auf der Suche nach den dunklen Ecken Dortmunds.
Marcel Feige alias Martin Krist auf der Suche nach den dunklen Ecken Dortmunds.

Die Nordstadt, Mittwoch Nachmittag um 14:30 Uhr. Fast ein Stadtteil wie jeder andere. Nichts zu sehen von den Schreckensmeldungen, die ab und an über die Nordstadt verbreitet werden. Selbst die Frauen in der Linienstraße schauen traurig und gelangweilt. Wir sind zusammen mit Autor Marcel Feige, besser bekannt als Martin Krist, auf Recherchetour in der Nordstadt. Feige soll eine Kurzgeschichte für die kommende Anthologie „Mord am Hellweg“ schreiben und sucht Inspiration in dem verrufenen Viertel.

 

Nachts sind alle Katzen grau, doch tagsüber stellt sich alles irgendwie ganz anders da. Die Linienstraße kaum frequentiert, die Münsterstraße entpuppt sich als normale Einkaufsstraße und der Nordmarkt liegt still und starr. Nichts zu sehen oder zu hören von Problemen mit Sinti und Roma, Drogenhandel, oder gar von „Sexy.Hölle.Hellweg“ wie die siebte Anthologie von „Mord am Hellweg“ heißen wird. Das größte Problem ist, um drei Uhr nachmittags in der Nordstadt ein Café zu finden, um einen Kaffee zu trinken. „Es ist ein Problemviertel wie es jede Stadt hat“, konstatiert Feige und trifft wohl damit den Nagel auf den Kopf. Die Nordstadt ist weder die Bronx in New York, noch ein von Gentrifizierung bedrohtes Viertel. Ein Problembezirk mit vielen Risiken, aber sicher auch einigen Chancen, vor allem für Künstler, die sich immer öfter in der Nordstadt niederlassen.

 

Dem Wahl-Berliner (Feige stammt ursprünglich aus Kevelaer) fällt natürlich etwas anderes auf: Die ganze Stadt lebt den örtlichen Fußballverein Borussia Dortmund. Es ist unmöglich und vermutlich auch zwecklos, den Schwarz-Gelben zu entkommen. Trotz Besuch des Dortmunder U, dem neuen Kulturleuchtturm, ist der Fußball, der die Stadt prägt. Um die ganze Bandbreite der Stadt kennenzulernen, war Feige auch im Kreuzviertel, das man mit viel gutem Willen als „Latte Macchiato-Viertel“ bezeichnen könnte.

 

Aber Marcel Feige hat noch einige Wochen Zeit, um als Martin Krist einen 12-seitigen Krimi zu schreiben. Ende März bis Mitte April ist Abgabetermin. Es muss auf jeden Fall ein Mord in die Kurzgeschichte integriert werden. Das eigentliche Festival „Mord am Hellweg“ findet dann vom 20. September bis 15. November 2014 statt.

 

Infos über das Festival „Mord am Hellweg“ im Internet: http://www.mordamhellweg.de/

Infos über Marcel Feige alias Martin Krist http://martin-krist.de/