Zur Weltverbesserung bereit: (v.l.n.r.) der fröhliche Heiner (Uwe Schmieder), das Fräulein Diktatorin (Julia Schubert), Inge Borg (Eva Verena Müller) und der Finanzfuzzi (Ekkehard Freye).
Zum Jahresbeginn überrascht uns fast das gesamte Ensemble des Dortmunder Schauspielhauses mit einem besonderen XXL-Format der SpielBar. „Wie war das alte Jahr? Völlig schlecht“, stellte Inge Borg alias Eva-Verena Müller schon zu Beginn der Pressekonferenz fest und forderte: „Die Welt geht den Bach runter, wir müssen die Welt gut machen.“ Und das geschieht in der „Weltverbesserungsshow“ am Samstag, dem 18. Januar um 23 Uhr im Institut des Schauspiels Dortmund.
Es ist nicht zu befürchten, dass den Besuchern moralinsauer getränkte Belehrungsorgien um die Ohren gehauen wird. Es gibt Videoeinspielungen, Texte von David Foster Wallace und Georg Büchner werden vorgetragen, die Besucher werden per Fahrstuhl in die Katakomben des Schauspielhauses geführt. Geplant ist auch eine Tombola, bei der jeder gewinnt. Kaffee wird kostenlos, also für „umme“, wie man im Ruhrgebiet sagt, ausgeschenkt.
Dabei sein werden unter anderem neben Inge Borg auch Fräulein Diktatorin (Julia Schubert), der fröhliche Heiner (Uwe Schmieder) oder ein Finanzfuzzi (Ekkehard Freye). Hinzu gesellen sich skurrile Typen wie „die Ulla aus der Begegnungsstätte“, der „Animations-Johnny“ oder der „Philosofisch“. Nebenbei wird Sophia Loren ein Essen kochen, was jedem schmeckt und es wird gesungen und musiziert (Flöte, Gitarre).
Was uns wohl das Fräulein Diktatorin (Julia Schubert) zu erzählen hat?
Wer also Lust auf einen überraschenden Abend hat, es gibt noch Karten und die Abendkasse ist geöffnet.
Der Eintrittspreis beträgt 5 Euro.
Zeichnungen von Herrn Beckmann im Museum Ostwall
Matthias Beckmann zeichnete Innen -und Außenansichten des Dortmunder U.
Das Museum Ostwall zeigt vom 17. Januar bis zum 27. April die Ausstellung „Matthias Beckmann – Herr Beckmann zeichnet“ im Schaufenster auf der 4. Etage. Im Herbst 2013 fertigte Beckmann knapp 100 Bleistiftzeichnungen an, die die Entwicklungen im und um das Dortmunder U deutlich machen.
Für mehrere Tage war Matthias Beckmann unsichtbar und dennoch sichtbar. Sitzend auf seinem Angelklappstuhl zeichnete der Künstler nicht nur das Gebäude, sondern auch die Besucher. Seine 93 Zeichnungen sind chronologisch gehängt. Er beginnt mit den Außenansichten des U, um dann in die einzelnen Etagen zu gehen und zu beobachten. Die Zeichnungen haben teilweise einen dokumentarischen Charakter, andere wiederum sind skizzenhaft oder reduziert. Beckmann arbeitete bei seinen Zeichnungen nicht mit Fotografien. „Wenn ich nach Fotos zeichne, fehlt irgendwie der Spaß“, so der Künstler. „Auf Fotos bleibt beispielsweise einiges unscharf, ich zeichne lieber mit dem bewegten Auge.“
Beim Betrachten seiner Zeichnungen merkt man auch, dass das U ein belebter Raum ist. Beispielsweise wenn Kinder oder Jugendliche vor verschiedenen Kunstwerken zu sehen sind. Beckmann hat sich durch alle Etagen des U gezeichnet, daher ist nicht nur das Museum Ostwall zu sehen, sondern beispielsweise auch die Etagen des Hartware Medienkunstvereins oder das Restaurant „View“ auf der 7. Etage.
Während einige Zeichnungen skizzenhaft geblieben sind, bieten andere wiederum einen großen Detailreichtum. So zeichnete er selbst die Aufkleber an Ampelmasten oder das Unkraut, das durch den Asphalt wächst.
Die Freunde des Museum Ostwalls haben etwas Besonderes vor: Alle 93 Zeichnungen von Matthias Beckmann über das Dortmunder U werden in einem Buch veröffentlicht. Dieser Bildband soll als Eröffnungsgeschenk für den angekündigten Museumsshop zur Verfügung gestellt werden.
Beispiel einer Zeichnung von Matthias Beckmann.
Matthias Beckmann wurde 1965 in Arnsberg geboren. Heute lebt und arbeitet er in Berlin. Ein Schwerpunkt seiner künstlerischen Arbeit sind zu Bildfolgen zusammengesetzte Bleistiftzeichnungen.
Der Künstler studierte von 1984 bis 1990 an der Kunstakademie Düsseldorf; 1989 war er Meisterschüler von Prof. Franz Eggenschwiler. Von 1990 bis 1992 absolvierte er ein Aufbaustudium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Seit 1995 ist er Teil der Künstlergruppe „Die Weissenhofer“. Die Werke Matthias Beckmanns waren in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen zu sehen. Im Jahr 2010 wurde er mit dem Albert-Stuwe-Preis für Zeichnung ausgezeichnet.
Öffnungszeiten des Museums Ostwall im Dortmunder U, Leonie-Reygers-Terrasse, Dortmund: Dienstag, Mittwoch, Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr, Donnerstag und Freitag von 11 bis 20 Uhr. Der Eintritt kostet fünf Euro, ermäßigt 2,50 Euro.
Claudia Kokoschka, die Leiterin des Kulturbüros Dortmund stellte das Jahresprogramm 2014 vor. 20 Veranstaltungsprogramme mit 366 Einzelveranstaltungen und 25 Förderprogrammen aus den Bereichen Musik, bildende Kunst, Festivals und Theater belegen die Breite der geförderten Projekte.
Musikfreunde können sich auf folgende Veranstaltungen freuen: Unter dem Titel „Musikkulturen“ präsentieren Ensembles der Weltmusik aus NRW und dem gesamten Bundesgebiet ihr Können. Mit dabei sind auch die Gewinner des in Dortmund stattfindenden CREOLE Festivals für Weltmusik aus NRW. Den Auftakt macht ein Konzert des Quartetts UWAGA am 23. Februar im domicil mit einem Streifzug durch Jazz, Punkrock, Balkanklänge und Klassik.
Am 13. Mai wird im LWL-Industriemuseum Zeche Zollern II/IV der restaurierte Stummfilm „Schlagende Wetter“ von Karl Grune aus dem Jahr 1923 mit musikalischer Begleitung der Bochumer Symphoniker gezeigt. Die Komposition zum Film stammt von Georg Graewe (Bochum/ Berlin, u.a. Grubenklangorchester). Die dramatische Filmhandlung spielt im Bergbau-Milieu. Die Aufführung findet im Rahmen der Ausstellung „Über Unterwelten“ in Kooperation mit dem LWL-Industriemuseum statt. Ebenfalls um „Die schwarzen Diamanten“ dreht sich am 20. Mai auf Zollern II/IV ein literarisch-musikalischer Abend mit dem ehemaligen Bergmann und Autor Herbert Somplatzki und dem Klarinettisten Eckard Koltermann.
Der Förderpreis der Stadt Dortmund wird im Dezember 2014 in der Sparte Musik vergeben. Er richtet sich an professionelle Künstlerinnen und Künstler, die das 40. Lebensjahr noch nicht vollendet haben und die durch Geburt, Wohnsitz oder ihr Werk mit Dortmund und/oder Westfalen verbunden sind. Bewerbungen und Vorschläge nimmt das Kulturbüro entgegen. Die Auswahl trifft eine Fachjury. Das Preisgeld beträgt 7.500 Euro.
Neben den genannten Projekten setzt das Kulturbüro die Reihe Gitarren-Konzerte im Torhaus mit acht Veranstaltungen fort. Den Auftakt macht ein Konzert mit der kanadischen Künstlerin Laura Young am 23. Februar. Es folgen unter anderem Auftritte des Amadeus Guitar Duo (Kanada/Deutschland), des Four Aces Guitar Quartets aus Belgien und ein Konzert der Musikhochschulen Detmold und Aachen.
Musik, Theater und Comedy verbindet das 21. Micro!Festival. Es bringt – wie immer am letzten Ferienwochenende – vom 15. bis 17. August nonstop außergewöhnliche Musikensembles sowie Straßentheater, Comedy und Artisten aus aller Welt auf den Friedensplatz – umsonst und draußen.
International wird es dann beim Afro-Ruhr-Festival mit Bands und Künstlern vom afrikanischen Kontinent. Es findet vom 9. bis 11. Mai in Kooperation mit dem Verein africa positive statt – diesmal rund um das Dietrich-Keuning-Haus im Dortmunder Norden, um wetterunabhängiger zu sein.
2014 wird sehr viel Theater in der Stadt sein. Unter dem Titel „Wechselspiel“ beteiligen sich das Kinder- und Jugendtheater an der Sckellstraße, das Theater Fletch Bizzel und das Theater im depot vom 23. bis 27. Juni am 9. Dortmunder Festival des Schul- und Jugendtheaters. Hier zeigen junge Dortmunderinnen und Dortmunder, was sie in Schule und Theatergruppe auf die Bühne bringen. Die Koordination liegt beim Kulturbüro.
Mit einem erweiterten Konzept tritt das Festival der freien NRW-Theatergruppen „Favoriten 2014“ vom 25. Oktober bis 1. November an:
Das Festival, das 1985 als Festival Theaterzwang begann, will noch intensiver zu einem regionalen Dreh- und Angelpunkt werden und lädt landesweit die unterschiedlichen Theaterszenen zur aktiven Beteiligung ein. Bereits ab Januar finden unter dem Titel „Erkundigungen # @ FAV 14“ Gesprächs- und Diskussionsrunden zu lokalen und regionalen Theater-Themen u. a. in Bielefeld, Essen und Düsseldorf statt. Außerdem will das Festival noch stärker an unterschiedlichen, thematisch interessanten Orten im Stadtraum präsent sein. Veranstalter sind das Kulturbüro und der Verband Freie Darstellende Künste NRW e.V.
In Zusammenarbeit mit dem Verein für Literatur und der Stadt- und Landesbibliothek sowie mit Förderung der Sparkasse Dortmund findet im November 2014 das Literaturfestival LesArt mit einem umfangreichen Programm statt: Festivalbestandteile sind der Lyriktag sowie „Helden von hier“- ein Wort- und Klang-Abend mit Studierenden der Technischen Universität Dortmund, der LesArt- Preis der jungen Literatur und das KindergartenBuchTheaterFestival für den ganz jungen Nachwuchs.
Natürlich darf die bildende Kunst nicht fehlen: Gefördert werden im Bereich der Bildenden Kunst jährlich zwölf Ausstellungen im Torhaus Rombergpark in Kooperation mit den heimischen Künstlerverbänden sowie fünf Ausstellungen in der von den Künstlerverbänden betriebenen Big Galerie.
Das Kulturbüro organisiert gemeinsam mit dem Kunstverein die Ausstellung „Grafik aus Dortmund“ mit Werken von 48 Kunstschaffenden aus Dortmund, aus der eine Jury den Grafik- Kalender der Stadt zusammenstellt. Geplant sind außerdem der jährliche Ankauf von Kunstwerken heimischer Künstler und eine anschließende Ausstellung der Werke im Torhaus.
Besondere Aufmerksamkeit legt das Kulturbüro darauf, Kinder und Jugendliche in das Kulturleben der Stadt einzubeziehen:
Mit dem Landesförderprogramm Kulturrucksack NRW werden im Jahr 2014 wieder mehrere hundert Dortmunder Kinder und Jugendliche von zehn bis 14 Jahren für die Mitwirkung an Kunst- und Kulturprojekten begeistert. Die landesweite Nacht der Jugendkultur, eine Jugendkulturbörse, ein Geocaching-Projekt sowie Kooperationen mit der U_2 Kulturelle Bildung laden neben vielen anderen Aktivitäten zu kulturellen Entdeckungsreisen ein.
Spannende Projekte für junge Dortmunder/innen initiieren und fördern auch die Programme „Kultur und Schule“ sowie „Künstler in die Kitas“. Letzteres bezieht bereits Vorschulkinder in die kreative Gestaltung ein.
Kredite, Krisen, Geld und Schulden
Das Dortmunder U verwandelt sich vom 16. bis zum 19. Januar in ein Wirtschaftszentrum. Der Hartware MedienKunstVerein (HMKV) organisiert eine Wirtschaftskonferenz zum Thema „Geld und Schulden in der postindustriellen Welt“. Um die Theorie mit der Praxis zu verbinden, können Besucher der Konferenz auf der „Utopia Stock Exchange“ mit echtem Geld an einem Börsenspiel teilnehmen.
Woher kommt der Kapitalismus, wie ist unser Geldsystem entstanden und wohin entwickelt es sich angesichts virtueller Bezahlsysteme wie etwa Bitcoin? Experten und Künstler verschiedener Disziplinen diskutieren über Fragen wie Was bedeutet die Vergemeinschaftung von Schulden? oder Welche Ziele sollte sich eine Gesellschaft setzen, die wirtschaftlich nicht mehr wachsen kann? Auch das Thema „bedingungsloses Grundeinkommen“ wird zur Sprache gebracht.
Neben Referenten aus Deutschland wie Ulrike Herrmann (Wirtschaftskorrespondentin der taz) oder der Kuratorin und Publizistin Adrienne Goehler sind auch internationale Gäste zu erleben. Unter anderem wird der italienische Soziologe und Philosoph Maurizio Lazzarato am Freitag anwesend sein, der Aktivist Denis Roio am Samstag.
Passend zum Thema findet am 16. Januar um 20 Uhr im View-Club (7. etage) des Diortmunder U ein „Science Slam“ statt. Unter dem Motto „Geld, Schulden, Wissenschaft“ werden fünf „Slammer“ um die Gunst des Publikums buhlen. Jeweils 10 Minute hat jeder von ihnen Zeit, die Zusammenhänge zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zu erklären.
Nach soviel Theorie können die Besucher auch die Praxis erleben. Das Künstlerkollektiv „Invisible Playground“ öffnet am Samstag ab 19:30 Uhr den Live-Handel der „Utopia Stock Exchange“. Hier werden aber keine Unternehmen, sondern lokale Utopien gehandelt, die vorher auf der Seite www.utopiastockexchange.de eingereicht wurden. Unter den Ideen gehört beispielsweise eine „Dialogmaschine“ im Unionsviertel, der wie ein einarmiger Bandit aussieht, aber Kontaktmöglichkeiten ausspucken soll. Eine weitere Idee ist der „Arnsberg“. Damit soll der Regierungssitz nach Dortmund kommen. Der 1000 Meter hohe Berg soll auf dem Thyssen-Krupp-Gelände an der Rheinischen Straße entstehen.
Die Utopien werden mit echtem Geld gehandelt. Aus einem Euro wird ein U. Von den sechs Euro des Eintrittspreises dienen vier Euro als Börsenspiel-Einsatz. Am Samstag verwandelt sich die 6. Etage in ein Börsenparkett mit Börsen-TV, Interviews mit den „Utopisten“ und Fachleuten. Am Ende des Abends kann das erspielte Geld wieder zurückgetauscht werden oder als Startkapital in die Utopien gesteckt werden. Wofür entschiedet man sich: Für das Geld oder den Glauben an die Zukunft? „Es geht um die Begegnung mit den Menschen, die die Utopien entwickelt haben“, betonte Inke Arns vom HMKV.
Bekömmlich wie ein Wiener Kaiserschmarrn präsentierte Regisseur Thomas Enzinger Lehárs Operette „Der Graf von Luxemburg“ bei der Premiere am 11. Januar 2014. Enzinger baute viele kleine komische Elemente in seine Inszenierung ein, wobei der Höhepunkt der Auftritt von Johanna Schoppa als Gräfin Stasa Kokozow war. Sie brachte mit ihrem Lied „Alles mit Ruhe genießen“ den Opernsaal zum mitsingen.
Worum geht es bei dieser Operette? Alter Mann mit Fürstentitel liebt junge Frau, die ihn aber nicht heiraten kann, weil sie eine Bürgerliche ist. Daher soll sie den verarmten Graf von Luxemburg heiraten und sich nach drei Monaten scheiden lassen. Der Graf bekommt 500.000 Francs und Angèle Didier (die junge Frau) wird in den Adelsstand befördert. Selbst bei der Eheschließung sehen sich die beiden nicht. Es kommt aber, wie es bei eine Operette halt kommt: Die beiden treffen sich und verlieben sich ineinander. Pech für Fürst Basil (dem alten Mann), den noch ein altes Eheversprechen mit Gräfin Stasa Kokozow einholt. So findet am Ende der Topf sein passendes Deckelchen.
Franz Lehár schrieb „Der Graf von Luxemburg“ 1909 als eine Art Nachfolger von „Die lustige Witwe“, die ein Riesenerfolg für den österreichisch-ungarischen Komponisten wurde. Es gibt ein paar Gemeinsamkeiten: Beide Operetten spielen in Paris und haben ein wichtiges slawisches Element (Graf Danilow in der „Witwe“ und Fürst Basil im „Grafen von Luxemburg“). Ansonsten siedelt das Stück in der Künstlerbohème der Jahrhundertwende. Das Leben ein einziger Karneval – die Künstler genießen und singen „Wir bummeln durchs Leben, was schert uns das Ziel“. Am Ende wird aber aus der Bohème die Bourgoisie.
Thomas Enzinger nahm einige kleine Veränderungen vor, die das Stück moderner wirken ließ. So führte er die Figur des Poeten (gespielt von Thomas Pohn) ein, der als Erzähler durch das Stück begleitet. So führt er beispielsweise die Hauptfiguren ein.
Zudem setzt der Regisseur auf starke Frauen: So ist die Angèle Didier keine Sängerin wie im Original, sondern eine erfolgreiche Modedesignerin, die zu ihrem beruflichen Erfolg noch einen Adelstitel für den gesellschaftlichen Erfolg braucht, um endlich ganz oben anzukommen. Dann aber funkt der kalten Geschäftsfrau die Liebe dazwischen. Auch beim zweiten Paar der Operette ist die Frau die treibende Kraft: Juliette Vermont ist als Muse des Malers Armand Brissard der treibende Faktor des doch eher zaudernden Künstlers. Wer beim dritten Paar Gräfin Stasa Kokozow und Fürst Basil Basilowitsch die Hosen anhat, wird schnell deutlich. Denn die Gräfin duldet keinen Widerspruch. Und so wird aus dem großmäuligen Basil schnell ein Pantoffelheld.
Ob Gentrifizierung von Stadtteilen schon 1909 ein Thema in Paris war? Ich weiß es nicht. Enzinger lässt die Handlung der Operette quasi im gleichen Raum stattfinden. War er im ersten Akt ein Künstleratelier, wurde er im zweiten Akt von Spekulanten gekauft und anscheinend von Angèle Didier angemietet, um dort eine Modenschau zu veranstalten. Im dritten Akt waren die Spekulanten wieder aktiv und verwandelten den Raum in die Empfangshalle eine Grand Hotels.
Bedauerlicherweise war Lucian Krasznec der Sänger des Grafen René von Luxemburg, etwas stimmlich angeschlagen, wie Opernintendant Jens-Daniel Herzog vor Beginn der Vorstellung bekannt gab. Zu Beginn sang Krasznec noch etwas vorsichtig, fand dann aber im Laufe des Stückes wieder Vertrauen in seine Stimme, die bis zum Ende durchhielt. Gewohnt souverän meisterte Julia Amos ihre Rolle der Angèle Didier, wie auch Fritz Steinbacher (Armand) und Mirella Hagen (Juliette). Fürst Basil war wieder eine Paraderolle für Kammersänger Hannes Brock. Hier konnte er seine humorvolle-ironische Seite, wie auch schon im Musical „Anatevka“, voll ausleben. Der Star war aber ohne Zweifel Johanna Schoppa, die im dritten Akt alle mitriss. Mit ihrer Persönlichkeit und Bühnenpräsenz war die Rolle der Gräfin Stasa Kokozow wie maßgeschneidert für Schoppa.
Für die Bühne und Kostüme war der Magdeburger Bühnenbildner Toto zuständig. Von den wunderschönen Kostümen profitierten neben den Sängerinnen und Sängern auch der Dortmunder Opernchor unter der Leitung von Granville Waker. Sie liefen mit farbenfrohen karnevalistischen Kostümen auf die Bühne. Das Künstleratelier im ersten Akt bot ebenfalls viel für das Auge. Überall hingen große Gemälde, die an ihrem Stil an die Avantgarde der Jahrhundertwende erinnerten. Im zweiten Akt konnte er in der Modenschau seine Kreativität freien Lauf lassen, während das Grand Hotel im dritten Akt sehr reduziert wirkte.
Zu einer Operette gehört natürlich auch Musik: Motonori Kobayashi leitete die Dortmund Philharmoniker ebenso leicht und heiter wie es sich für eine Operette gehört.
Einblicke zeigt Ankäufe des Jahres 2013
Zu sehen im Torhaus Rombergpark vom 12. Januar bis 02. Februar 2014: Dorothe Kröger, Feuerball, 2012.
Das Kulturbüro Dortmund kauft seit fast 60 Jahren Werke heimischer Künstlerinnen und Künstler an. Eine große Auswahl der Einkäufe von 2013 zeigt die städtische Galerie im Torhaus Rombergpark vom 12. Januar bis zum 02. Februar 2014 unter dem Titel „Einblicke“.
„Der Ankauf ist eine wichtige Fördermaßnahme“, erklärte Katrin Gellermann vom Kulturbüro. Mit einem Etat von 25.000 € wurden Werke von 39 Künstlerinnen und Künstlern gekauft. „Die Grundbedingung für einen Ankauf ist die künstlerische Qualität“, so Gellermann weiter. In einer 10-köpfigen Kommission wird entschieden, welche Werke angekauft werden.
Die Auswahl der Kommission zeigt ein breites Spektrum künstlerisches Schaffen. Angefangen von Malerei über Skulpturen bis hin zu Fotografien präsentiert die Ausstellung das breite Schaffen Dortmunder Künstlerinnen und Künstler.
Was passiert mit den Werken? Sie kommen ins städtische Kunstarchiv, um von dort an städtische Organisationen wie etwa Schulen verliehen zu werden. So können die Kunstwerke in neuen Kontexten erlebt werden.
Eine kleine Auswahl von Kunstwerken:
Georg Heidingsfelder, Klischee
Rafael Campana Ochoa, Spaziergang in der Sonnenfinsternis
Tiefschwarz und voller Ohrfeigen für die sogenannten „Gutmenschen“: das ist der Geierabend 2014, der am 09. Januar im Industriemuseum Zeche Zollern Premiere hatte. Die bunte Mischung zwischen karnevalistischen sowie den kabarettistischen Stücken sorgten für einen gelungenen Abend. Alte Bekannte wie „Die Zwei vonne Südtribüne“ oder „Joachim Schlendersack“ aus dem sauerländischen Schnöttentropp waren wieder dabei, neu im Geierabend Ensemble ist Murat Kayı. Geleitet wurde das Programm vom „Steiger“ Martin Kaysh.
Nein, ich möchte nicht mit langen Ausführungen über Karneval im Allgemeinen und Dortmund im besonderen beginnen, denn für mich hat sich der Geierabend längst aus dem Schatten des Karnevals herausgelöst und zu einer Dortmunder Tradition der besonderen Art gemausert.
Am 09. Januar 2014 ging es denn auch in die 23. Spielzeit oder Session, um trotzdem noch bei karnevalistischen Traditionen zu bleiben. Die Halle im Industriemuseum war voll, die Stimmung gut und nach der Begrüßung vom Präsidenten und vom Steiger ging es los. Und wie! Mit einer gehörigen Portion „Rock`n` Roll“ aus „Flaschen“ einer eigens erfundenen „Abfüllwerkstatt Görch und Gürgen“ wurde den Besuchern ordentlich eingeheizt.. Der zweite Programmpunkt wies die Richtung vor: „Osman und Yüksel – Sinti, Roma, Zigeuner“. Hier wurde der Kampf um den politisch korrekten Sprachgebrauch auf die Schippe genommen.
Noch böser wurde es bei der „Seefahrt vor Lampedusa“. Statt „whale whatching“ demnächst „boat people watching“. Mit gezückter Kamera kenternde Boote fotografieren und sich beschweren „warum die so schnell untergehen“. So manchem Besucher blieb das Bier im Hals stecken.
Natürlich wurde auch das Rauchverbot in NRW auf die Schippe genommen und zwar von der „Bandscheibe“ alias Franziska Mense-Moritz. Das Motto der „Bandscheibe“: Wo ich bin, ist Raucherecke“. Klar, dass ein Besuch beim Café Orchidee im Rombergpark nicht ohne Konflikte von Statten geht.
Sehr gut gefallen konnte auch der „Karnevals Sprechchor“, der Karneval – und Stimmungslieder in einer ganz besonderen Art vortrug oder Sandra Schmitz als überforderte alleinerziehende Hartz 4-Mutti, deren Sohn auf die Idee gekommen ist, sich vegan zu ernähren. Selbstredend war Tebartz-van Elst ebenfalls ein Thema, der, gespielt von Hans-Peter Krüger, gleich das neue Testament umschreibt.
Der Steiger alias Martin Kaysh, hat etwas besonderes vor: An jedem Abend will er eine Packung homöopathischer Globuli schlucken. Den Anfang machte er logischerweise bei der Premiere. Erinnert ein wenig an die Aktion, die am 05.Februar 2011 in mehreren Städten stattfand: Dort schluckten Menschen eine Packung Homöopathischer Arzneimittel in der höchsten Konzentration (10²³).
Traditionell vergibt der Geierabend auch den Pannekopp des Jahres. Verliehen wird er aber erst am 04. März. Zur Wahl stehen Gerald Baars, für den Boykott der Südtribüne im Vorspann der Lokalzeit und Schalke 04, für den Boykott des ZDF, weil der Sender keine Champions-League-Spieler des Vereins zeigen wollte. Der Tagessieger bei der Premiere wurde hauchdünn Gerald Baars.
Ein gelungener Start in die neue Session. So muss der Geierabend sein: Frech und böse.
Die Künstlerin Hadijah Nassanga zeigt Bilder aus ihrem Herkunftsland Uganda mit einer expressionistischen Note.
Vom 07. Januar bis zum 18. Februar 2014 zeigt die Artothek der Stadt- und Landesbibliothek Dortmund Arbeiten von Hadijah Nassanga unter dem Titel „Die Stimmen Bagandas“. Die aus Uganda stammende Künstlerin wurde stark von Emil Nolde beeinflusst, so dass aus dem Expressionismus sowie den Farben und Themen Afrikas eine Art Afropressionismus entstanden ist.
Schon früh fing Nassanga mit der Kunst an. Seit der Grundschule in Uganda, als sie spielerisch ihre ersten Gehversuche machte, ließ sie die Kunst nicht los. Dazu gesellte sich der Tanz. „Beim Tanzen fühle ich mich frei“, so die Künstlerin. „auch beim Malen empfinde ich Freiheit.“
Ihr Vorbild in künstlerischer Hinsicht ist Emil Nolde. Von ihm hat Nassanga neben der expressionistischen Sicht auch die kräftige Farbwahl übernommen. Die afrikanische Farben Rot, Grün und Gelb dominieren in ihren Bildern, die das Leben in den Dörfern Ugandas zeigt. Doch neben der Kultur steht auch das soziale Leben in Uganda im Vordergrund. „Die Frauen sind modern geworden. Beispielsweise gehen sie öfter arbeiten“, erklärte Nassanga. Das führt im traditionellen Leben durchaus zu Konflikten, denn in Uganda ist es normal, wenn der Mann für die Familie sorgt. Auch diese Problematik zeigt die Künstlerin in ihren Bildern.
Hadijah Nassanga ist mit neun Jahren nach Deutschland gekommen. „Wenn ich Bilder male, fühle ich mich ugandisch, wenn ich hier Freunde treffe und mich wohlfühle, fühle ich mich hier zu Hause“, beschreibt sie ihre Gefühlswelt zwischen Uganda und Deutschland.
Zur Zeit ist die Malerei ein Hobby, doch die Künstlerin hofft, dass sie es in Zukunft schafft, sich als Künstlerin zu etablieren.
Die Öffnungszeiten in der Artothek sind dienstags und freitags von 10 bis 19 Uhr.
Erfolgstitel aus der silbernen Operettenära
Ars tremonia im Interview mit Regisseur Thomas Enzinger.
Arme Pariser Künstler, reiche Russen. Dennoch: „Der Graf von Luxemburg“ spielt nicht in der Jetztzeit. Die Pariser Bohème in der Zeit der Jahrhundertwende hat anscheinend mehrere Librettisten und Komponisten fasziniert. So auch Robert Bodanzky und Alfred Maria Willner. Die Musik der Operette schrieb kein geringerer als Franz Lehár, die Uraufführung war 1909. Die Operette hat am 11. Januar 2014 im Opernhaus Premiere. Ars tremonia war bei der öffentlichen Probe.
Die Handlung der Operette kurz zusammengefasst: Fürst Basil Basilowitsch hat sich in die Sängerin Angèle Didier verliebt. Leider kann er sie nicht heiraten, da Angèle nicht adelig ist. Basil überredet den armen Graf René von Luxemburg für 500.000 Francs Angèle zu heiraten und nach drei Monaten sich wieder scheiden zu lassen.Somit wäre Angèle adelig und eine standesgemäße Partie für Basil. René und Angèle heiraten – ohne sich zu sehen – und verlieben sich ineinander. René fühlt sich aber an sein Wort gebunden, als urplötzlich die Gräfin Stasa Kokozow auftaucht, die ein Heiratsversprechen von Basil einfordert und René sein konfisziertes Vermögen wiederbeschafft. So finden dann zum Schluss die richtigen Paare zusammen.
Regisseur Thomas Enzinger, ein waschechter Wiener, arbeitet sehr akribisch. Armand Brissard (gesungen von Fritz Steinbacher) und seine Freundin Juliette Vermont (gesungen von Mirella Hagen) müssen ihr Duett „Wir bummeln durchs Leben“ oft unterbrechen, weil Enzinger einige Details immer noch nicht gefallen haben.
Der Beginn der Operette spielt in einem Pariser Künstleratelier. Bilder hängen an den Wänden und Künstler tun, was Künstler halt so tun laut Opern- und Operettenlibrettisten: Malen, trinken, sich mit Frauen vergnügen. „Alles, nur nicht brav sein“, fordert Enzinger von den Beteiligten.
Die Gräfin Stasa Kokozow spielt und singt Johanna Schoppa. Sie besitzt eine enorme Bühnenpräsenz und Entertainer-Qualität. Wenn Schoppa im dritten Akt ihr Lied „Alles mit Ruhe genießen“, das mit aktuellen Bezügen angereichert wurde, singt, lohnt allein das den Besuch der Vorstellung. Dazu können sich die Besucher auf Lucian Krasznec (René), Julia Amos (Angèle) und Kammersänger Hannes Brock (Basil) freuen.
Die Termine: Sa, 11. Januar 2014, Fr, 17. Januar 2014, So, 26. Januar 2014, Mi, 05. Februar 2014, Fr, 14. Februar 2014, So, 16. Februar 2014, Do, 06. März 2014, Fr, 14. März 2014, Fr, 28. März 2014, Sa, 12. April 2014, Do, 17. April 2014 und So, 04. Mai 2014
Eine Sammelausstellung zur Winterzeit
Ein Flügelwesen von Almut Rybarsch-Tarry. Zu sehen in der Galerie „der kunstbetrieb“.
Die Galerie „der kunstbetrieb“ in der Gneisenaustraße 30 hat im Galeriearchiv gekramt und aus dieser Sammlung eine kleine Ausstellung gezaubert. Unter dem Titel „Mitten im kalten Winter“ zeigen Thomas Paul, Paola Manzur, Mathes Schweinberger, Anne Jannick, Artur A. Wojtczak, Almut Rybarsch-Tarry, Sylvia Reuße, M. T. Ghorbanali und Anke Droste. Die Ausstellung umfasst Bilder, Zeichnungen und Skulpturen.
Darüber hinaus gibt es etwas Besonderes: Zum ersten Mal gibt „der kunstbetrieb“ unter dem Namen „kube-edition“eine eigene Edition heraus. Es ist ein Kompendium, das das Projekt „51+ Positionen – sah ich , als ich sehn anfing“ präsentiert und dokumentiert.
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Dauer der Ausstellung: 14.12.2013 bis 18.1.2014
Öffnungszeiten: mo-fr: 11.00 Uhr – 13.00 Uhr, 15.00 Uhr – 18.00 Uhr
sa: 11.00 Uhr – 13.00 Uhr, sowie nach Vereinbarung