Stille im Bild gefangen

Das Museum für Kunst und Kulturgeschichte zeigt Fotografien von Walter Sack (hier im BIld).
Das Museum für Kunst und Kulturgeschichte zeigt Fotografien von Walter Sack (hier im BIld).

Die Ausstellung „Gesehene Stille“ von Walter Sack zeigt im Museum für Kunst und Kulturgeschichte bis zum 30. März zwanzig großformatige Landschaftsfotografien des Künstlers. Die Eröffnung findet am 25. Januar 2014 um 19 Uhr statt.

 

Die Stille in den Fotografien von Walter Sack ist beinahe sichtbar. Seine Landschaftsbilder strahlen eine fast schon majestätische Ruhe aus. Farblich reduziert, wirken sie wie monochrome Gemälde, in denen eine oder maximal zwei Farben dominieren. Heraus kamen Fotografien, die nicht eine Landschaft in den Mittelpunkt stellen, sondern das Gefühl der Stille vermitteln. Von der Kamera bis zur Bildbearbeitung benutzt Sack analoges Material.

 

Für seine Fotografien nahm Sack große Mühen auf sich. Seine Fotoausrüstung mit Großbildkamera, Objektiven und Stativ wog um die 45 Kilogramm. Diese Equipment schleppte der Künstler durch die Wüste, zu Gletschern oder ins Watt. Um dann, Stunden oder manchmal Tage auf den richtigen Moment zu warten, auf das richtige Licht, das richtige Leuchten der Farben oder das verschwinden des Horizonts. „Als ich in den 70ern ‚The dark side of the moon‘ von Pink Floyd hörte, hatte ich das Bild eines von Licht durchfluteten Gletscher im Kopf“, erzählte Sack. „Dafür bin ich 14 Tage mit einem Kamera einen Berg hoch marschiert.“

 

Walter Sack wurde 1939 in Köln geboren und lebt heute in der Nähe von Hagen. Sack lehrte an der Bayerischen Staatslehranstalt für Photographie in München und von 1897-2005 als Professor für Fotografie an der Fachhochschule Dortmund.

 

Öffnungszeiten des Museums für Kunst und Kulturgeschichte, Hansastraße 3, Dortmund: Di, Mi, Fr, So: 10 bis 17 Uhr, Do 10 bis 20 Uhr, Sa 12 bis 17 Uhr. Der Eintritt kostet fünf Euro, ermäßigt 2,50 Euro, Eintritt frei unter 18 Jahren.




Großstadttrubel im Konzerthaus

Beim 5.Philharmonischen Konzert am 21. und 22. Januar stand die Großstadt im Zentrum des musikalischen Schaffens. Rhythmik, Dissonanzen, die Dynamik der modernen Stadt zeigten die Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von Gastdirigent Fabrice Bollon. Zu hören waren Komposition von Berlioz, Schnyder, Honegger, Bernstein und Gershwin.

 

Der Abend begann romantisch. Berlioz‘ „römischer Karneval“ (Le carnaval romain), komponiert 1843, begann erst leise und langsam, um dann um so mehr Schwung aufzunehmen. In dem Stück ist noch nichts vom Großstadttrubel mitzubekommen, die Menschen feiern ausgelassen auf den Straßen der Stadt und freuen sich ihres Lebens.

Das wurde mit dem Werk von Daniel Schnyder anders. Sein 2010 komponiertes Stück „Concerto grosso für Trompete, Klarinette, Posaune und Orchester“ erinnert vom namen und der Struktur an Barockmusik. Schnyder mischt spanisch-maurisch anmutende Musik, mit Tango, Zwölftonmusik und einer Gigue, die orientalische Anklänge besitzt. Die musikalischen Elemente vermischen sich. Zeitweise hat der Zuhörer den Eindruck, er ginge auf einer belebten Straße und aus verschiedenen Lokalen dringen Fetzen von Jazz- und Weltmusik auf die Straße. Für manche Hörer sicherlich gewöhnungsbedürftig, aber die Musik zeigte ihre Kraft vor allem durch die Solisten. Martin Spangenberg (Klarinette), Wolfgang Bauer (Trompete) und Henning Wiegräbe (Posaune) zeigten bei dem ungewöhnlichen Stück ihre instrumentalen Fähigkeiten. Auch die Zugabe kam von Schnyder. Der „Schweizer Karnevalsmarsch“ entpuppte sich als jazzige Variante eines Marsches. Torkelnd, nicht fassbar, aber dennoch blieb der Karneval im Hintergrund sichtbar.

 

Nach der Pause ging es mit dem Zug weiter. Natürlich mit dem „Pacific 231“ von Arthur Honegger. Beim Stück von 1923 kann der Besucher eigentlich die Augen schließen, denn vor seinem inneren Auge entsteht bald das Bild einer Dampflokomotive. Das Anfahren, die Steigerung der Geschwindigkeit, bis hin zum Halt, alles ist in Honeggers „Mouvement symphonique“ enthalten.

Bei der Reise durch die Großstadt landen wir bei Leonard Bernstein. Aus seinem 1944 verfasstem Musical „on the town“ waren die „Three dance episodes“ zu hören. Jazz und klassische Musik vermischten sich, Tänze, die zu der Zeit populär waren, hat Bernstein in seine integriert.

 

George Gershwin ist vor allem bekannt durch seine „Rhapsody in blue“ sowie „An American in Paris“. Der Amerikaner in Paris, geschrieben 1928 integriert wie Bernstein Jazz und Blues, Gershwin benutzt zur Untermalung sogar Taxihupen. Gershwins Musik transportiert den Lebensdrang, die Heiterkeit, aber auch (vor allem im Mittelteil) das sentimental Verträumte eines Amerikaners.

 

Die Dortmunder Philharmoniker zeigten sich unter Bollon gewohnt spielfreudig, auch mit dem neuen Material. Es bleibt zu hoffen, dass dieser Ausflug in die Großstadt kein einmaliges Ereignis bleibt. Denn Dortmund ist nun mal eine Großstadt, da sind Taxihupen vertrauter als weite grüne Wiesen und Auen.




Schauspiel Dortmund präsentiert Istanbuler Theaterszene

 

Unter dem Begriff „Szene Istanbul“ startet das Schauspiel Dortmund in Kooperation mit dem Theater an der Ruhr in Mülheim eine Gastspielreihe in türkischer Sprache. Die vier Stücke geben nicht nur einen Einblick in die freie Theaterszene der Türkei, sondern sollen auch ein Angebot an die hier lebenden Türken sein, das Dortmunder Theater kennenzulernen.

 

„Wir holen Istanbul nach Dortmund“, erzählte Dramaturg Michael Eickhoff auf der Pressekonferenz. Und die Stücke laufen nicht nur nebenher auf irgendwelchen Probebühnen, sondern „fast alle Stücke werden auf der großen Bühne gespielt“.

 

Alle auftretenden Gruppen haben ihren Mittelpunkt in Beyoğlu, dem kreativen Stadtteil von Istanbul, unterhalb des Taksim-Platzes gelegen. Beyoğlu ist im übrigen auch Partnerstadt(teil) von Dortmund. Bis auf das stark musikalisch geprägte Stück „Ҫinka“ sind alle Stücke Deutsch übertitelt.

 

Zu Beginn erleben die Zuschauer am 01. Februar 2014 um 19.30 Uhr Antoine de Saint-Exupérys Klassiker „Der Kleine Prinz – Küҫük Prens“. In der Inszenierung der Gruppe Bitiyatro zeigt den Helden der Fabel als einen alternden Clown. Das Familienstück ab 12 Jahren geht etwa eine Stunde und kostet 11 € (ermäßigt 6 €).

 

Einen musikalischen Abend verspricht „Ҫinka“. Am 23. Februar um 18 Uhr steht die große Bühne dem Musiker Birol Topalğlu offen. Zusammen mit dem Choreograph und Performer Yiğit Sertdemir erforscht Topalğlu die Geschichten und Mythen seiner Heimat, der türkischen Schwarzmeerküste. Die Besucher können sich auf traditionelle Instrumente freuen wie der Tulum, eine Sackpfeife.

Das Stück dauert etwa 75 Minuten und die Preise gehen von 9 € bis 23 €.

 

Politisch wird es am 14. März um 19:30 Uhr mit „Du bist tot, kapiert? Öldün, duydun mu?“ von Yiğit Sertdemir. In dem Stück wird ein Mann im Jenseits einer Prüfung unterzogen, um eventuell eine zweite Chance zu bekommen. In dieser sarkastischen Farce, die an Satres „Das Spiel ist aus“ erinnert, geht es um die traumatisierende Erfahrung der Menschen, die in ihrer Jugend die Herrschaft des türkischen Militärs in den 1980er Jahren, erfahren haben. Das Stück dauert etwa 70 Minuten und die Preise gehen von 9 € bis 23 €.

 

Zum Schluss der Reihe steht am 07. April um 20 Uhr im Studio ein sehr experimentelles Stück auf dem Spielplan. „Die Spur – Iz“ von Ahmet Sami Özbudak handelt von einem Haus, in der zu verschiedener Zeit unterschiedliche Menschen leben. 1955 leben dort griechisch-türkische Geschwister, die während der Unruhen 1955 ihr Haus verlassen müssen. 1980 lebt dort der revolutionäre Kommunist Ahmet, der nach dem Militärputsch untertauchen muss. Um das Jahr 2000 leben dort der Transvestit Sevengül und sein Liebhaber Rizgar. Alle drei Geschichten werden parallel erzählt und verweben sich im Laufe des Stückes immer mehr miteinander. „Wie wir das genau präsentieren, ist noch unklar“, erklärte Eickhoff. Das Stück dauert etwa 90 Minuten und die Karte kostet 15 € (ermäßigt 10 €).

 

Zu den beiden letztgenannten Stücken wird es eine moderierte Nachbesprechung geben.

 

Karten für die ersten beiden Veranstaltungen sind schon zu bestellen unter www.theaterdo.de oder 0231 50 27 222.




Austropott mit zwei Premieren im Februar

Mit der Requisite ins Dortmunder U: (v.l.n.r.) Michael Kamp, Harald Schwaiger und Richard Saringer.
Mit der Requisite ins Dortmunder U: (v.l.n.r.) Michael Kamp, Harald Schwaiger und Richard Saringer.

„Indien“ – Die tiefschwarze Tragikomödie aus Österreich präsentiert die Theatergruppe „Austropott“ab Februar im Dortmunder U. Die Premiere ist am 01. Februar. Zum Inhalt: Zwei Österreicher begeben sich für eine EU-Kommission für Tourismus als Qualitätskontrolleure ins Ruhrgebiet. Zunächst sind sich die beiden völlig unterschiedlichen Männer unsympathisch, bis ein unerwartetes Ereignis die beiden zu einer echten Männerfreundschaft zusammenschweißt. Mit dabei sind: Harald Schwaiger, Richard Saringer und Michael Kamp.

 

Am 22. Februar hat ein weiteres Stück Premiere:„Der Kontrabass“ von Patrick Süskind. In diesem Einakter geht es um einen Kontrabassisten und die Hassliebe zu seinem Instrument. In diesem Monologstück spielt Michael Kamp.

 

Zudem sind auch die Stücke „Kunst“ von Yasmina Reza und „Sechs Tanzstunden in sechs Wochen“ von Richard Alfiere weiterhin im Repertoire.

 

Weitere Termine finden Sie unter http://austropott.de/Termine+Tickets.html

Tickets gibt es unter: www.proticket.de/austropott oder telefonisch 0231 9172290




Zeitinsel Caldara – Ende mit Jubelgesang

Die Zeitinsel Caldara endete am 18.01. 2014 mit der musikalischen Jubelfeier „La concordia de‘ Planeti“ (die Einigkeit der Planeten) des damaligen Vize-Hofkapellmeisters Antonio Caldara. Das Stück wurde zu Ehren des Namenstages der Gattin von Kaiser Karl VI. Elisabeth Christine 1723 uraufgeführt.

 

Worum geht es in diesem Stück? Die Planeten (unter anderem Venus, Mars, Jupiter), unterhalten sich darüber, ob es Elisabeth Christine erlaubt sein soll, unter ihresgleichen aufgenommen zu werden. Natürlich sind die Planeten gleichzusetzen mit den gleichnamigen antiken Gottheiten. Am Ende steht fest: Elisabeth ist in ihrer Schönheit und Tugendhaftigkeit selbst den Göttern überlegen.

 

Es fällt schwer, bei den Lobhudeleien der kleinen Oper auf „Elisa“ wie sie dort genannt wird, ernst zu bleiben. So etwas kennen wir heutzutage höchstens noch aus Nordkorea. Schnell sind die Planeten/Götter sich einig, dass Elisa alle in den Schatten stellt, so dass sogar die Grazien, die Dienerinnen der Venus, quasi Fahnenflucht begehen und bei Elisa anheuern. Es ist ja auch schon ziemlich bemerkenswert, dass sich ein so katholisches Haus wie die Habsburger heidnischer Götter bemühen, um ihre Größe zu demonstrieren. Natürlich sind die Götternamen nicht wörtlich zu nehmen, die Barockzeit war die große Zeit der Allegorien und so sind die Götter selbstverständlich nicht als reale Personen zu verstehen, sondern eher Sinnbilder der Tugend.

Darüber hinaus hat der Textdichter ein Danaer-Geschenk eingearbeitet. Denn Elisabeth Christine hatte zu diesem Zeitpunkt noch keinen Thronfolger geboren (ihr Sohn Leopold Johann starb schon nach wenigen Monaten). Mehrmals taucht in den Arien der Wunsch auf, dass die Kaiserin doch nun einen Thronfolger gebären solle. Letztendlich ging der Wunsch nicht in Erfüllung. Karl VI. schuf die „pragmatische Sanktion“, so dass seine Tochter Maria Theresia den Thron besteigen konnte. Leider musste erst der Österreichische Erbfolgekrieg für Klarheit sorgen.

Das La Cetra Barockorchester unter der Leitung von Andrea Marcon und unterstützt vom La Cetra Vokalensemble sowie den Solisten Verónica Cangemi (Diana) , Delphine Galou (Venere), Carlos Mena (Marte) ,Franco Fagioli (Apollo),Ruxandra Donose (Giove), Daniel Behle (Mercurio) und Luca Tittoto (Saturno) boten eine erstklassige Leistung.




Erster MO Kunstpreis geht an Geoffrey Hendricks

Das ausgezeichnete Werke von Geoffrey Hendricks „A ladder for Al to climb into the night“,1995
Das ausgezeichnete Werke von Geoffrey Hendricks „A ladder for Al to climb into the night“,1995

Der New Yorker Fluxus-Künstler Geoffrey Hendricks erhält am 06. März den MO Kunstpreis „Follow me Dada und Fluxus“. Aus einem Kreis von 14 Künstlerinnen und Künstler wählte die Jury Hendricks für sein Werk „A ladder for Al to climb into the night“ aus dem Jahre 1995, das aus 10 Aquarellen von nächtlichen Himmelsansichten besteht, die sich zwischen den Sprossen einer Holzleiter befindet. Der Kunstpreis soll jährlich vergeben werden und ist mit 10.000 € dotiert.

Hendricks ist in den 50er Jahren mit Fluxus in Berührung gekommen, hat sich aber seinen eigenen Weg gesucht. „Sein Schlüsselthema ist ’sky“‘, erklärte Museumsdirektor Kurt Wettengl. „Dabei steht ’sky‘ im Gegensatz zu ‚heaven‘.“ Ähnlich wie John Lennon in „Imagine“ singt: „Imagine there’s no heaven, above us only sky.“ Im Deutschen ist diese Trennung zwischen dem Himmel im meteorologischen und mystischen Sinne nicht gegeben.

Andere Begriffe, die in Hendricks Schaffen auftauchen sind: Queerness, Fluxus und Nature. Der offene Himmel gilt ihm als Sinnbild für Freiheit.

 

Der Festakt zur Preisübergabe an Geoffrey Hendricks findet am 06. März 2014 im Museum Ostwall statt. Der Preis wir durch den Schirmherren, Kulturdezernent Jörg Stüdemann und dem Laudator Bazon Brock übergeben.Der Künstler wird bei der Preisübergabe zugegen sein.

Ab dem 08. Mai 2014 wird „A ladder for Al to climb into the night“ zusammen mit anderen Werken des Künstlers als 10. Ausstellung der Reihe „MO Schaufenster“ im Museum Ostwall zu sehen sein.




Zeitinsel Caldara – der zweite Tag

Das "La cetra Barockorchester" unter der Leitung von Andrea Mancon. (Foto: © Pascal Amos Rest)
Das „La cetra Barockorchester“ unter der Leitung von Andrea Marcon. (Foto: © Pascal Amos Rest)

Am Freitag, dem 17. Januar 2014 fand im Konzerthaus Dortmund der zweite Teil der „Zeitinsel Caldara“ statt. Auf dem Programm standen Werke von Vivaldi und natürlich Caldara selbst. Die beiden Komponisten haben einen ähnlichen Lebensweg hinter sich gebracht, Vivaldi hatte das Glück, dass seine Musik Anfang des 20.Jahrhunderts wiederentdeckt wurde, während Caladaras Musik überwiegend vergessen blieb. (Konzertbericht zum ersten Tag)

 

Während die fünf gespielten Werke von Caldara selbst für Klassik-Experten Neuland waren, spielte das La Cetra Barockorchester Basel unter der Leitung von Andrea Marcon „Die vier Jahreszeiten“ von Vivaldi. Warum eigentlich „Die vier Jahreszeiten“? In seiner Einführung erklärte Prof. Dr. Michael Stegemann dem Publikum, dass Vivaldi 1711 mit seiner Konzertsammlung L’estro armonico „Die harmonische Eingebung“) op.3 eine europäische Berühmtheit wurde und Musikgeschichte schrieb. Er erfand quasi das Solokonzert. Doch zu hören war das Opus 3 nicht, statt dessen gab es eben „Die vier Jahreszeiten“. Ein Stück, dass vermutlich auf keiner Klassiksammlung CD fehlen darf (zumindest eine Jahreszeit ist immer dabei). Dabei möchte ich nicht die Schönheit des Stückes schmälern. Denn wenn „Die vier Jahreszeiten“ von einem reinen Barockorchester wie dem La Cetra gespielt wird, unter anderem Lauten und Cembalo das basso continuo bilden, verfällt man sofort dieser barocken Schönheit. Wer dann auch noch einen Soloviolinisten wie Guiliano Carmignola aufbieten kann, versetzt die Besucher schnell in atemloses Staunen.

 

Carmignola, ein ausgezeichneter Spezialist in barocker italienischer Musik, lebt jede einzelne Note von Vivaldis Musik mit. Manchmal hat man das Gefühl, Carmignola fängt gleich an zu tanzen, so reißt es ihn mit. Diese Begeisterung, diese Leidenschaft für die Musik springt auch schnell auf das Publikum über. So wurde Carmignola erst nach zwei Zugaben entlassen.

 

Und wie schlägt sich Caldara? Ganz gut, die meisten seiner gespielten Werke stammen aus seiner Spätzeit (zwischen 1732-35) und enthalten schon leichte Elemente des aufkommenden „galanten Stils“ der Frühklassik. Haydn und Mozart warten schon am Horizont. Caldaras Musik ist solide, routiniert, eben wie ein erstklassiger Handwerker. Nicolas Altstaedt (Solo-Violincello), Jonathan Pešek (Violoncello, b.c.), Katharina Heutjer (Violine) und Éva Bohri (Violine) zeigen als Solisten die Qualität von Caldaras Kompositionen.

 

Ein gelungener, runder Abend mit perfekt gespielter Barockmusik von Orchester und Solisten. Vielleicht hätte man den Mut haben sollen, statt den „Vier Jahreszeiten“ lieber einige Konzerte aus „L’estro armonico“ zu spielen.




Mal kurz die Welt verbessern

Der lustige Heiner (Uwe Schmieder) und Inge Borg (Eva Verena Müller)  verbesserten die Welt.
Der lustige Heiner (Uwe Schmieder) und Inge Borg (Eva Verena Müller) verbesserten die Welt.

Ein teilweise surrealer, bunt komischer Abend erwartete die Besucher bei der „Großen Weltverbesserungsshow“ am Samstag, dem 18. Januar um 23 Uhr im Institut des Schauspielhauses. Dabei waren viele Mitglieder des Schauspielensembles.

 

Lag es am „Goldenen Zeitalter“, dem Stück, das vorher gespielt wurde oder waren gerade viele Weltverbesserer unterwegs? Jedenfalls quoll das Institut über vor Leuten. Gleich zu Beginn wurde einige Besucher ausgewählt, um entweder in den Keller oder in die erste Etage zu fahren, um dort den ersten der vielen Programmpunkte zu erleben. Den Berichterstatter zog es in den ersten Stock, wo er in einer Behindertentoilette Julia Schubert beim – nun ja- philosophieren traf. Ihr Text drehte sich um das menschliche Verständnis, jederzeit im Mittelpunkt der Welt zu sehen und die mangelnde Empathie, sich in andere hineinzudenken, etwa in einer Schlange vor der Supermarktkasse.

 

Danach ging es wieder zurück und die Show begann. Aufgebaut wie eine Art Talkshow wurde der Abend moderiert von Inge Borg (Eva Verena Müller). Auf Stichwort gab es Beiträge von Thorben (Frank Genser), dem lustigen Heiner (Uwe Schmieder), dem Finanzfuzzi Josef Ackermann (Ekkehard Freye) und dem Philosofisch (Björn Gabriel). Mit dabei war auch noch Oscar Musinowski.

 

Die vorgetragenen Texte stammten von unterschiedlichen Autoren wie Georg Büchner, Heiner Müller (logischerweise vom lustigen Heiner vorgetragen) und Thorben las aus dem Buch „In Afrika ist immer August“, das aus Schulaufsätzen neapolitanischer Kinder bestand. Sie waren sehr entlarvend, weil sie aus kindlicher Perspektive sehr ehrlich waren.

 

Neben Liedern (unter anderem „Ein bisschen Frieden“ live gesungen oder besser: interpretiert von Ekkehard Freye mit Sebastian Graf) wurden noch Fotos und Videos auf die Leinwand geworfen. Anhand der Videos wurde an diesem Abend die fast schon rassistische Sichtweise von Entwicklungshilfeorganisationen kritisiert.

 

Die Besucher durften selbst aktiv werden. Einerseits wurden Organspendeausweise verteilt, zum anderen durften die Besucher etwas zu Papier bringen, was sie 2014 nicht mehr tun werden. Diese Vorsätze wurden dann durch einen Schredder gejagt.

 

Zuletzt gab es auch etwas zu essen und trinken: Einerseits Kaffee, davor wurde ein Schluck Sekt gereicht. Statt wie im Vorfeld angekündigt Sophia Loren kochte an ihrer Stelle Darlene Mietrich (Merle Wasmuth) Spaghetti mit einer vegetarischen Sauce.

 

Was bleibt am Ende? Werden wir jetzt alle Weltverbesserer? Nun ja, es tut gut mal daran zu denken, dass es nicht immer optimal für einen selbst läuft und ein wenig Empathie für andere Menschen kann auch nicht schaden.




Carmen – die Geschichte einer femme fatale

Kaum eine Oper ist bekannter als „Carmen“ von Georges Bizet. Am 01. Februar steht sie auf dem Spielplan der Oper Dortmund. Auf einer Matinee gaben Dramaturg Georg Holzer, der musikalische Leiter Gabriel Feltz sowie Regisseurin Katharina Thoma Einblicke in das Stück.

 

Es ist ja ironisch: Die Uraufführung von „Carmen“ am 03. März 1875 in Paris war ein Misserfolg für den Komponisten Bizet. Dass die Oper schon ein halbes Jahr später in Wien ein riesiger Erfolg wurde, erlebte Bizet nicht mehr. Er starb bereits am 03. Juni 1875 mit 36 Jahren.

 

Was macht die Faszination von „Carmen“ aus? Neben der Musik sicher die immer frische Thematik einer Dreiecksbeziehung. Denn die Titelheldin Carmen steht zwischen zwei Männern. Unerhört in der damaligen Zeit war wohl die lockere Moral in dem Stück und dass es sich bei Carmen um eine ziemlich selbstbewusste Frau handelt.

 

„Carmen ist ein Typ Frau, den es immer geben wird“, so Holzer. Die femme fatale ist Zigeunerin, kommt also aus der Unterschicht. Heute würde man Prekaritat dazu sagen. Carmen verdreht jedem Mann den Kopf, weil sie Unabhängig ist. „Carmen ist eine Frau, die weiß, wie man sich durchs Leben kämpft“, beschreibt Holzer die Titelheldin. Diese Unabhängigkeit macht ihrem Verehrer Don José zu schaffen.

Don José ist ein echtes Muttersöhnchen, wird durch seine Leidenschaft zu Carmen immer brutaler und unberechenbarer. Als sich Carmen in den Stierkämpfer Escamillo verliebt, kommt es zur Katastrophe. Don José ermordet Carmen.

 

Neben der Wandlung von Don José vom Muttersöhnchen zum Mörder ist auch die Wandlung von Carmen von Bizet spannend umgesetzt. Carmen beginnt als machtvolle Frau, die weiß, wie sie ihre Waffen einsetzen kann, bis sie vom Stierkämpfer Escamillio „bezwungen“ wird. Doch Kompromisslosigkeit, mit der sie ihre Schönheit einsetzt, kann nicht ewig weitergeführt werden. Denn Schönheit ist endlich. Was wäre mit Carmen wohl passiert, wenn sie nicht ermordet worden wäre? Ehefrau von Escamillo mit vielen Kindern oder müsste sie einsam als Bettlerin auf der Straße leben?

 

Das Stück wird in der alten Dialogfassung aufgeführt, denn „die Rezitativfassung wäre auch nicht natürlich“, so die Regisseurin Thoma.

 

Carmen wird gesungen von Katharina Peetz (oder von Ileana Mateescu), Don José singt Christoph Strehl und Morgan Moody übernimmt die Rolle von Escamillo.

 

Termine: SA, 01. FEBRUAR 2014, SO, 09. FEBRUAR 2014, SA, 15. FEBRUAR 2014, FR, 21. FEBRUAR 2014, MI, 05. MÄRZ 2014, SA, 08. MÄRZ 2014, SO, 16. MÄRZ 2014, SO, 23. MÄRZ 2014, DO, 27. MÄRZ 2014, SO, 20. APRIL 2014 und SA, 05. JULI 2014




Wiederentdeckung eines vergessenen Meisters

Die Solisten mit dem La Cetra Barockorchester sowie dem La Cetra Vokalensemble unter der Leitung von Andrea Marcon. (Foto: © Pascal Amos Rest).
Die Solisten mit dem La Cetra Barockorchester sowie dem La Cetra Vokalensemble unter der Leitung von Andrea Marcon. (Foto: © Pascal Amos Rest).

Ungerecht, Zufall oder warum ist Antonio Vivaldi selbst Menschen geläufig, die keine Berührung mit klassischer Musik haben, während sein Zeitgenosse und Namensvetter Antonio Caldara selbst unter Klassik-Fans nur wenigen bekannt ist? Schwierige Frage. Das Konzerthaus Dortmund bemüht sich in einer dreiteiligen Zeitinsel vom 16. bis zum 18. Januar dem italienischen Komponisten den Raum zu geben, den er verdient. Begonnen wurde die Zeitinsel am Donnerstag mit einem „Concerto di Arie“, mit dem La Cetra Barockorchester unter der Leitung von Andrea Marcon.

Vor dem Konzert stellte der Experte Prof. Dr. Michael Stegemann erst einmal den Komponisten Antonia Caldara vor. Caldara und Vivaldi haben sehr viel gemeinsam. Zunächst sind sie Zeitgenossen, Caldara lebte von 1670-1736 und Vivaldi von 1678-1741. Beide sind Venezianer und beide sind in Wien gestorben. „Venedig war zu dieser Zeit ein spannender und produktiver Schauplatz“, so Stegemann. Neben den beiden erwähnten Komponisten gab es noch Alessandro Marcello oder Tomaso Albinoni zu nennen. Caldara versuchte schnell, woanders Fuß zu fassen und war von 1699-1708 in Diensten des Herzogs von Mantua. Dorthin zog es später auch Vivaldi. Ab 1716 wird Caldara Vize-Kapellmeister am Hof von Wien. Kaiser Karl VI. Ist musikbegeistert und dirigiert die Opern seines Komponisten selbst. Caldara bleibt bis zu seinem Tode in Wien. Als Vivaldi 1740 ebenfalls versucht, in Wien in die Fußstapfen von Caldara zu treten, wird er enttäuscht, denn Karl VI. stirbt im gleichen Jahr. Zehn Monate später stirbt auch Vivaldi.

Nach ihrem Tod geraten die beiden Musiker mehr und mehr in Vergessenheit. „Damals wollten die Leute neue Musik hören“, erklärte Stegemann. Neue Musikstile kündigen sich an: Ab 1730 ist schon die Frühklassik am Horizont zu erkennen. Erstaunlicherweise ist der Nachruhm Caldaras noch Anfang des 19. Jahrhunderts zu erkennen. Felix Joseph Lipowsky schreibt in seinem „Baierischen Musik-Lexikon“ von 1811 in einer Fußnote zu Johann Niklas Hemmerlein: „Anton Caldara, einer der größten und berühmtesten Komponisten Italiens“.

Vielleicht hatte Vivaldi einfach das Glück zu Beginn des 20. Jahrhunderts eher wiederentdeckt zu werden als Caldara. Das beide meisterhafte spätbarocke Werke komponiert haben, dafür steht die Zeitinsel als Beweis.

Der erste Abend stand unter dem Zeichen der Arien-Komposition Caldaras. Caladara komponierte über 90 Opern, 50 Oratorien sowie etwa 500 Solokantaten. Für Sänger bietet dieser Fundus einen reichen Schatz. Daraus wurde am 16. Januar beim „Concerto di arie“ geschöpft. Eine kleine Besetzungsänderung gab es zu vermelden: Für die erkrankte Anna Prohaska sprang kurzfristig Julia Lezhneva ein.
Mit dem La Cetra Barockorchester unter der souveränen Leitung von Andrea Marcon war ein Orchester zu Gast, das mit der ersten Note es schaffte, die Zuhörer etwa 300 Jahre zurück in die Zeit zu versetzen. Instrumente wie Laute oder Cembalo haben ihren eigenen magischen Klang. Zum Klang des Barocks gehören eigentlich auch Kastraten. Da es glücklicherweise die Tradition der Kastration von Jungen nicht mehr gibt, behilft man sich mit Countertenören, deren Falsett aber nicht mit einer Knabenstimme zu vergleichen ist. Nichts desto trotz machte Countertenor Carlos Mena einen tollen Job. Vor allem das zarte „Ah! Come quella un tempo“ aus Caldaras „Sedecia“ lohnte den Besuch des Konzertes. Auch weil bei der Musik ein selten gespieltes Instrument die Hauptrolle übernahm: ein Hackbrett. Kennt man das Instrument nur aus der alpenländischen Musiktradition, ist man überrascht, wie zärtlich das Instrument klingen kann.
Bassist Luca Tittoto brauchte etwas, um warm zu werden. Sein erster Einsatz „Da la faccia de la terra“ aus „Joaz“ ging im Spiel des Orchesters ein wenig unter. Danach war seine Stimme auf Betriebstemperatur und „Se mai rimbomba“ sowie „Buon pescatore non é“ klangen satt und voluminös.

Die Russin Julia Lezhneva war der Star des Abends. Zwar sang sie ihre erste Arie „Dio, che mentir non puo“ mit ein wenig zu viel Vibrato nach meinem Geschmack, aber ihre Stimme ist außergewöhnlich. Als Gast wurde ihr die Ehre zuteil, zwei Zugaben zu singen, die sie mit einer wunderbaren Brillianz und Kalrheit sang. Eine echte Entdeckung, die noch ihren Weg machen wird.