Kafkas „Prozess“ als Kammerspiel

Kurz vor der Hinrichtung scheint Josef K. (Björn Gabriel) das Unheil zu ahnen. Im Hintergrund: Andreas Beck und Sebastian Graf. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Kurz vor der Hinrichtung scheint Josef K. (Björn Gabriel) das Unheil zu ahnen. Im Hintergrund: Andreas Beck (links) und Sebastian Graf. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Nach „Peer Gynt“ von Henrik Ibsen zeigte das Schauspielhaus Dortmund Franz Kafkas „Der Prozess“ in einer konzentrierten Form. Die Premiere am 14. Februar im Studio dauerte etwa 90 Minuten. Regisseur Carlos Manuel präsentierte das Stück vor allem zu Beginn auch mit einer guten Prise Humor.

 

Zum Stück: Die Hauptfigur, Josef K., wird an seinem 30. Geburtstag verhaftet. Im Verlauf einer immer bizarrer werdenden Handlung versucht Josef K. herauszufinden, wer und vor allem weswegen er angeklagt wird. Trotz anwaltlicher Hilfe bekommt er keine Antworten. Nach einem Jahr wird er unvermittelt hingerichtet.

 

Die bis dahin allgemeine Lesart des Stückes war der aussichtslose Kampf des Individuum gegen eine übermächtige Bürokratie. Die Bilder des Films von Orson Welles aus dem Jahre 1962 verstärken diese Sichtweise noch. Carlos Manuel hat einen anderen Zugang gewählt. Zum einen betont er die durchaus komischen Aspekte des Stückes. Beispielsweise als Josef K. in der Vorstadt geht und die Frau des Gerichtsdieners beim Wäscheaufhängen antrifft. Manuel geht es im „Prozess“ auch darum , dass mit dem „Gesetz“ Spielregeln gemeint sind. Auch von Josef K, der ein Teil dieses Systems ist wird erwartet, dass er sich daran hält. Schon in der Anfangsszene wird dies deutlich: Die beiden Wächter (Uwe Rohbeck und Andreas Beck) sind nach ihrer Ansicht überaus freundlich zu dem Verhafteten, während Josef K. (Björn Gabriel) das Verhalten der beiden Beamten anmaßend findet. Er begreift nicht, dass er nicht die Spielregeln gestaltet. Im weiteren Verlauf des Stückes versucht Josef K. immer wieder, sich kleine Vorteile zu verschaffen, macht dabei aber den Fehler, den sirenenhaften Frauen wie Leni, der Frau des Gerichtsdieners oder Frau Bürstner (alle Merle Wasmuth) zu vertrauen.

Eine wichtige Rolle spielen die Begriffe wie Scham, Dominanz und Erniedrigung als Mittel der (Selbst-)Kontrolle und. Besonders deutlich wird es, wenn Sebastian Graf als kaufmann Brock die Hände des Advokaten (Uwe Rohbeck) die Hände küsst und sich wie ein Hund benehmen muss. Dazu passt der letzte Satz, der in der Inszenierung vom sterbenden Josef K. gesprochen wird. „Wie ein Hund! Als sollte mich die Scham überleben.“

 

Die Bühnenwand ist auf der rechten Seite eingerissen, und es schaut nur ein Augenpaar neugierig als Symbol für „Kontrolle“ heraus. Auf der gegenüberliegenden Seite ist die Wand mit einigen Postern beklebt, die eine leicht bekleidete Frau zeigen, deren Augen abgeschnittenen sind. Für den Maler Titorelli (Andreas Beck) die Vorlage für die „Justitia“. Inder Mitte der Bühne ist eine gutbürgerliche Tapetenwand zu sehen. Die Bühne ändert sich nicht, wenn der Ort der Handlung wechselt. Es hat eher den Eindruck, die Orte kämen auf Josef K. zu.

 

Björn Gabriel spielt den Josef K. in all seinen Facetten. Erst belustigt, weil er es für einen Scherz hält, dann immer fassungsloser werdend. Er bleibt fast immer beherrscht, auch wenn um ihn herum der Wahnsinn tobt. Eine beeindruckende Vorstellung von Gabriel.

Andreas Beck, Sebastian Graf und Uwe Rohbeck spielen mehrere Rollen. So spielt Graf unter anderem den arrogant wirkenden Direktor-Stellvertreter und den devoten Kaufmann Block. Uwe Rohbeck hat als Aufseher Franz einen komischen Auftritt und zeigt als Advokat die kalte, abweisende Seite eines Menschen, der über Macht verfügt und sie huldvoll gewährt oder nicht.

Andreas Beck spielt bis auf die Rolle des Gerichtsdieners Personen, die es eher gut mit Josef K. meinen wie seinen Onkel oder den Maler Titorelli.

Merle Wasmuth spielt ebenfalls mehrere Rollen: Sie ist sehr oft als verführerische Frau zu sehen (Frau Bürstner, Leni), aber auch das Sadomaso-Domina in der Rolle der Prüglerin.

Wenn sie dem „Prozess“ beiwohnen möchten, haben Sie ab April wieder die Möglichkeit dazu. Mehr Infos unter www.theaterdo.de




Von der Natur zurückerobert

 

Fotograf Hendrik Müller besuchte 2011 das Schlachtfeld von Verdun und machte Fotos mit seiner Panoramakamera..
Fotograf Hendrik Müller besuchte 2011 das Schlachtfeld von Verdun und machte Fotos mit seiner Panoramakamera..

Das Hoesch-Museum zeigt vom 16. Februar bis zum 27. April die Fotoausstellung „Wo die Geister sind. Panoramen von Verdun“ von Hendrik Müller.

 

Verdun – von Februar bis Dezember 1916 die Knochenmühle des Ersten Weltkrieges. Der Generalstabschef des deutschen Heeres, Erich von Falkenhayn, wollte Frankreich durch die Verteidigung der Festung Verdun „weißbluten“ lassen, dass heißt, durch die Verteidigung sollten den Franzosen enorme Verluste zugefügt werden. Das Ergebnis war die erste große Materialschlacht mit Unmengen an Geschützen. Hier waren die Soldaten nichts weiter als Kanonenfutter. Mehr als 4.000 Geschütze auf beiden Seiten feuerten unablässig Granaten. In den Schlachtfeldern von Verdun starben jeweils über 100.000 Deutsche und Franzosen. Die Stadt Verdun wurde stark zerstört, einige Dörfer in der Umgebung wurden vollständig ausradiert.

 

2011 besuchte der Dortmunder Fotograf Hendrik Müller die Gegend um Verdun. Sein Interesse gilt „verlassenen Orten“, die früher von Menschen geprägt wurden. Geprägt hat der Mensch die Gegend um Verdun sicherlich. Die gesamte Topografie ist durch die Einwirkung der Granaten und Minen verändert worden. Aber die Natur hat sich das Gebiet, das 1918 aussah wie ein Mondkrater, wieder zurückgeholt. „gerade an Orten, an dem das größte Unglück passiert ist, zeigt sich die Idylle“, beschreibt Müller seine Bilder.

 

Zu sehen sind die Spuren aus dem Ersten Weltkrieg natürlich immer noch, sie stehen aber nicht im Vordergrund. „Manchmal hat man den Eindruck, ein Landschaftsgärtner hätte einen Golfplatz geplant“, so Müller. Dass die Natur sich den wieder zurückerobern kann hat einen Grund: Zum einen liegen im Boden noch ungeheure Mengen an Kampf- und Giftstoffen, Blindgänger und Knochen gefallener Soldaten. Daher hat die französische Regierung dieser Gegend rund um die Schlachtfelder und Schützengräben den Status eines Friedhofes gegeben.

 

Hendrik Müller machte seine Bilder mit einer speziellen Panoramakamera. Sie ist in der Lage Bilder mit einem Bildwinkel von 130° zu schießen.




Der Frühling kann kommen

Mit zwei berühmten Stücken der klassischen Musik haben die Dortmunder Philharmoniker beim 6. Philharmonischen Konzert den Frühling eingeleitet: Zu Beginn standen „Die vier Jahreszeiten“ von Antonio Vivaldi auf dem Programm, nach der Pause ertönte das „Frühlingsopfer“ (Le sacre du printemps) von Igor Strawinsky. Ars tremonia war am Mittwoch, dem 12. Februar 2014 im Dortmunder Konzerthaus.

 

Die beiden Stücke haben eine Gemeinsamkeit: Nicht nur, weil in beiden der Frühling thematisiert wird, sondern auch durch ihre bildhafte Musik. Natürlich liegen zwischen dem barocken Meisterwerks und der Musik des Expressionismus Welten, deutlich zu sehen bei der Besetzung. War bei Vivaldi nur ein kleiner Teil des Orchesters auf der Bühne, füllte die Bühne sich bei Strawinsky deutlich mit Musikern. Ich schätze mal, über 100 (inklusive Dirigent).

 

Schließt man die Augen, kann der Hörer bei Vivaldi fast auf Anhieb die Jahreszeiten erkennen. Der Frühling singt ein Schlummerlied, das Leben in der Natur erwacht, im Sommer gibt es ein ordentliches Unwetter, das Erntedankfest wird mit viel Wein gefeiert und im Winter ist Schlittschuhlaufen angesagt. Die „Vier Jahreszeiten“ sind eigentlich vier Konzerte für Solo-Violine. Gespielt wurden sie von Ariadne Daskalakis. Die Künstlerin ist ein anderer Typ wie Guiliano Carmignola, der vor einigen Wochen bei der „Zeitinsel Caldara“ mit dem Barockorchester La Cetra im Konzerthaus zu Gast war. Carmignola tanzte beinahe die „Vier Jahreszeiten“, aber Daskalakis ging mehr in die Tiefe, die Musik kam quasi aus dem Inneren. Ihre Interpretation war vor allem bei den ruhigen Stellen (beispielsweise dem zweiten Satz des „Winters“, den Daskalakis als Zugabe spielte) ein Genuss.

Dennoch kamen die Philharmoniker noch nicht ganz an die Magie des Barocks heran, wie es die Barockspezialisten von „La Cetra“ schafften. Aber ich finde, es ist ein guter Weg, auch mit den Dortmunder Philharmonikern weiter Richtung Alte Musik zu gehen. Eine Konzertreihe wie sie es schon zur Wiener Klassik gibt, kann ich mir auch für die Alte Musik vorstellen. Potential ist vorhanden.

 

Nach der Pause gehörte die Musik dem Expressionismus. Igor Strawinskys „Sacre du printemps“ wurde ja bei der Uraufführung 1913 als „barbarisch“ verrissen. Denn bei dem Stück steht nicht die Melodie im Mittelpunkt, sondern der Rhythmus. Selbst Melodieinstrumente müssen sich dem Rhythmus beugen. Manche Teile wecken Erinnerungen an Free-Jazz, auch wenn Strawinsky den Jazz erst nach der Komposition von „Sacre“ kennengelernt hatte.

Doch es gibt durchaus lyrische Teile. Strawinsky verarbeitete einige folkloristische Themen, das erste ist gleich zu Beginn vom Fagott zu hören.

Generalmusikdirektor Gabriel Feltz (er hatte bei Vivaldi frei) meisterte die Aufgabe, ein wirklich riesiges Orchester zu leiten. Trotz der vielen rhythmischen Wechsel und Dissonanzen zeigten die Dortmunder Philharmoniker eine famose Leistung und sorgten – im Gegensatz zu 1913 – für Beifallsstürme im Konzerthaus.




Mathematische Handschrift im Mittelpunkt

Adolf Miksch (links), Altbürgermeister und Vorsitzender des Historischen Vereins für Dortmund und die Grafschaft Mark, und Thomas Schilp, Leiter des Stadtarchivs.
Adolf Miksch (links), Altbürgermeister und Vorsitzender des Historischen Vereins für Dortmund und die Grafschaft Mark, und Thomas Schilp, Leiter des Stadtarchivs.

Die aktuelle Ausgabe 104 der „Beiträge zur Geschichte Dortmunds und der Grafschaft Mark“ beschäftigt sich mit einer mathematischen Handschrift aus dem 16. Jahrhundert, der Kartoffelkrise in Hagen im Ersten Weltkrieg, den Bombenangriffen in Dortmund 1943 und der Rolle des SPD-Politikers Fritz Henßler in der Nachkriegszeit.

 

Den größten Teil nimmt der „Beiträge“ ist der mathematischen Handschrift gewidmet, die aus der Zeit der Gründung des Dortmunder Gymnasiums um 1540 stammt. Die Handschrift mit dem Namen „Unterweisung in die Rechenkunst“ ist sehr interessant, da sie aus einer Zeit stammt, als die arabischen Zahlen eingeführt wurden, wie Thomas Schilp, Leiter des Stadtarchivs und Bearbeiter der Handschrift erklärte. Die Einführung der arabischen Zahlen war in der damaligen Zeit ein theologisches Problem, da es im Gegensatz zum römischen Zahlensystem eine Null gab und man mit arabischen Ziffern bis Unendlich rechnen konnte. Beides, das „Nichts“ und die „Unendlichkeit“ waren damals Gott vorbehalten. „Mathematische Kenntnisse waren wichtig, vor allem für Handwerker und Kaufleute, daher gab es auch Privatschulen in Dortmund, die so etwas lehrten“, erklärte Schilp. Der Autor Johann Albert war ein Zeitgenosse Adam Ries. Beide kamen aus der Gegend um Wittenberg.

 

Weitere Beiträge im aktuellen Heft: Gerhard E. Sollbach untersucht anhand der Überlieferung der Stadt Hagen die Notlage der Bevölkerung während des Ersten Weltkriegs. Ralf Blank analysiert für Dortmund die Zerstörungen des Bombenkriegs im Jahre 1943. Stefan Mühlhofer untersucht die Rolle Fritz Henßlers auf Landes- und Bundesebene. Hier sind in erster Linie sein Amt als Fraktionsvorsitzender der SPD-Landtagsfraktion und seine langjährige Mitgliedschaft im Vorstand der Bundes-SPD zu nennen.

 

Die „Beiträge zur Geschichte Dortmunds und der Grafschaft Mark“ erscheinen seit 1875 und sind das wichtigste Publikationsorgan für die Ergebnisse der historischen Forschung über Dortmund und Umgebung. Der Band ist ab sofort im Buchhandel erhältlich.

Die Handschrift entstand auf Büttenpapier, dass die Jahrhunderte bemerkenswert gut überstanden hat.
Die Handschrift entstand auf Büttenpapier, dass die Jahrhunderte bemerkenswert gut überstanden hat.




Wer bestimmt die Regeln?

Josef K. (Björn Gabriel) wird in die Zange genommen von Andreas Beck (links) und Uwe Rohbeck.
Josef K. (Björn Gabriel) wird in die Zange genommen von Andreas Beck (links) und Uwe Rohbeck. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Am 14. Februar 2014 um 20 Uhr wird im Studio des Schauspiel der „Prozess“ von Franz Kafka eröffnet. Neben der „Verwandlung“ ist der „Prozess“ das wohl bekannteste Werk des Schriftstellers. Allgemein hin gilt „Der Prozess“ als eine Art der Auseinandersetzung mit einer unmenschlich agierenden Bürokratie.

 

Kurz zur Handlung: Der Bankangestellte Josef K. wird verhaftet, weiß aber nicht, welches Verbrechen er eigentlich beschuldigt wird oder wer hinter der Anklage steht. Da er zwar verhaftet, aber nicht eingesperrt wurde, versucht er vergeblich die Hintergründe herauszubekommen. Inzwischen wird Josef K. verurteilt und am Ende hingerichtet.

 

Für Dortmund haben sich Dramaturg Thorsten Bihegue und Regisseur Carlos Manuel eine Neuinterpretation ausgedacht. Stellt man sich den „Prozess“ als Art Anklage gegen den Bürokratismus vor , mit lauter Menschen in grauen Anzügen, geht es dem Regisseur eher um die Frage: Was ist privat und was ist öffentlich? Und vor allem: Wer bestimmt die Regeln?

 

Schon der Ablauf des Stückes von Kafka macht den Wechsel von Privat zu Öffentlichkeit deutlich: Beginnt das Stück im Zimmer von Josef K., werden die Orte immer öffentlicher: Erst sein Wohnzimmer, dann das Zimmer der Nachbarin, sein Büro in der Bank und letztendlich die Vorstadt. Josef K. muss erkennen, dass er nach den Regeln der anderen Akteure spielen muss. Die öffentliche und private Ebene vermischen sich.

 

Kann der „Prozess“ auch eine Komödie sein. Nach einer Anekdote soll sich Kafka bei einer Lesung von „Der Prozess“ unter Freunden amüsiert haben. Wahrheit oder Mythos? Jedenfalls nicht für Regisseur Carlos Manuel. Für ihn hat die Kritik gegen ein System, von dem man selber ein Teil ist, etwas komisches.

 

In der Inszenierung wird die Figur des Josef K. (gespielt von Björn Gabriel) immer im Mittelpunkt der Bühne stehen, das heißt alle Figuren drehen sich quasi um ihn.

 

Die ersten drei Vorstellungen sind schon ausverkauft, weitere Termine (ab April) folgen. Infos unter www.theaterdo.de

 




Kulturrucksack 2014 gepackt

Das sind nicht "Dichi und Michi", aber wie die beiden Kulturrucksack-Fans aussehen sollen, können die Kinder und Jugendlichen entscheiden. (Foto: © Ulrike Halene)
Das sind nicht „Dichi und Michi“, aber wie die beiden Kulturrucksack-Fans aussehen sollen, können die Kinder und Jugendlichen entscheiden. (Foto: © Ulrike Halene)

Auch 2014 stehen dem Kulturbüro Dortmund rund 110.000 € für den Kulturrucksack zur Verfügung. Der Kulturrucksack enthält Kulturprojekte, in denen Kinder und Jugendliche von 10-14 Jahren mitmachen können. Mit dabei sind bildende Künstlerinnen und Künstler aus verschiedenen Kunstbereichen. Gefördert wird der Kulturrucksack vom Land NRW.

 

Schon im Vorfeld hat eine Jury aus über 30 Anträgen 20 Projekte im Gesamtwert von 60.000 € ausgewählt. Dazu gehören Projekte wie „Hip-Hop für Mädchen“, ein Projekt, dass das Theater Dortmund organisiert, ein Bandprojekt im Dietrich-Keuning-Haus oder „Welt im Detail“, veranstaltet vom Dortmunder Kunstverein. Mehr Informationen über die 20 Projekte gibt es auf der Seite http://kulturrucksack-dortmund.de/ unter der Rubrik „Projekte“. Je nach Interesse können die Kinder und Jugendlichen aus den Bereichen Fotografie,.Theater, Musik, Tanz, Kunst und Film wählen.

 

Was passiert mit dem übrigen Geld? Für 40.000 Euro werden weitere Projekte umgesetzt wie beispielsweise das „Geocaching“. Diese Aktionen werden im Laufe des Jahres entstehen. Daneben gibt es im April/Mai eine Tagesaktion mit niederschwelligen Schnupperangeboten, entweder an der Reinoldikirche oder an der Thier-Galerie wie Martina Bracke, Leiterin der Kontaktstelle Kulturelle Bildung im Kulturbüro verriet.

 

Die kleine Messe „Young Stars“, die im vergangenen Jahr im Dietrich-Keuning-Haus stattfand, wird dieses Jahr voraussichtlich vor den Sommerferien im Fritz-Henßler-Haus über die Bühne gehen.

 

Für 2014 hat sich das Kulturbüro etwas ganz besonderes ausgedacht: Ein Wettbewerb sollen Teenager auffordern, sich Gedanken über die fiktiven Kulturrucksackfans „Dichi und Michi“ zu machen. Wie können der Junge und das Mädchen aussehen und was erleben sie. Dabei ist es egal, ob der Entuwrf gemalt, geschrieben, fotografiert oder collagiert wird. Einreichen kann man seine Ideen per Post unter Kulturbüro der Stadt Dortmund, Südwall 2-4, 44122 Dortmund oder per E-Mail unter shenning@stadtdo.de

 




Das Spiel mit den Grenzwerten

Uwe Schmieder im "Pornofinger".
Uwe Schmieder im „Pornofinger“.

In der Grosteke „Pornofinger“ von Paul M Waschkau konfrontierten Teile des Schauspielensembles unterstützt von zwei Gästen am 07. Februar in der Reihe „SpielBar“ die Besucher mit der Frage: Wie weit darf Theater gehen?

 

„Pornofinger“ behandelt auf groteske Weise den wahren Fall des Stückes „Nacktes Leben“, ebenfalls von Waschkau. „Nacktes Leben“ bekam einen Preis und sollte in Würzburg aufgeführt werden. Doch zwei Tage vorher setzte der Intendant das Stück mit der Begründung ab, es sei den Würzburgern nicht zuzumuten. Es bleibt die Frage: Was darf Theater den Zuschauer zumuten?

 

Jetzt könnte man die Frage ähnlich wie Tucholsky über die Satire mit „Theater darf alles“ beantworten. Doch schnell kommt die Schere im Kopf ins Spiel. Der Begriff „Zensur“ fällt natürlich nicht, doch der Intendant (Frank Genser) will den „Pornofinger“ auf keinen Fall aufführen, auch wenn er einen Preis bekommen hat. „Wir wollen doch nicht vor leeren Rängen spielen“, erklärt er ironisch dem Dramaturgen (Oscar Musinowski). So krittelt und mäkelt er ständig an dem Stück herum. Zunächst bekommt er Unterstützung vom Regisseur. Der, herrlich gespielt von Ekkehard Freye, kommt von außerhalb und ist außer sich: „Wo sind die Dialoge?“ Erst als er erfährt, dass es sich um ein preisgekröntes Stück handelt, ändert sich seine Meinung um 180° und er wird zum glühenden Verfechter.

 

„Pornofinger“ persifliert die typischen Theaterstrukturen. Der Dramaturg als ärmste Sau sitzt zwischen allen Stühlen, der Regisseur ist von sich überzeugt, aber dennoch immer wankelmütig und dem Intendant geht es weniger um das Stück, sondern mehr um seine „Verkaufbarkeit“.

 

Dabei waren die Schauspieler nicht nur live zu sehen, sondern auch für alle gut sichtbar auf der Leinwand im Institut. Kontrastierend dazu lief auf einem Fernseher, der auf einer schwarz-rot-goldenen Decke stand, der Film „Die 120 Tage von Sodom“ von Pier Paolo Pasolini. Dieser Film ist Pasolinis Abrechnung mit dem System des Faschismus, aber wegen seiner drastischen Bilder von Mord und Folter in vielen Ländern verboten. Auch hier stellt sich die Frage: Wer bestimmt dies und nach welchen Kriterien läuft das ganze ab?

 

Auf der Leinwand wurden auch Einspieler gezeigt, die Teile des Stückes „Nacktes Leben“ rezitierten, der Autor Paul M. Waschkaue war gegen Ende des Stückes ebenfalls zu sehen. Thorsten Bihegue als männlicher Feme im Häschenkostüm lockerte die Szenerie auf.

 

Und wo war der „Pornofinger“? Den symbolisierten zwei „Franziskas“ (Nicole Janz sowie Carolin Wirth) und ihr männlicher Kompagnon (gespielt von Uwe Schmieder).

 

Am Ende steht der Satz von Waschkau, der sinngemäß sagte: Das Theater soll nicht schauen, wo die Grenzen sind, sondern nach Möglichkeiten suchen, diese Grenzen zu überwinden.




6. Philharmonischen Konzert im Zeichen des Frühlings

Ariadne Daskalakis wird den Solopart bei Vivaldis "Vier Jahreszeiten" übenrehmen. (Foto: © Marte)
Ariadne Daskalakis wird den Solopart bei Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ übenrehmen. (Foto: © Marte)

Noch ist der Winter in unseren Breitengraden nicht oder kaum in Erscheinung getreten, rufen die Dortmunder Philharmoniker im 6. Philharmonischen Konzert am 11. und 12. Februar in Konzerthaus den Frühling aus. Denn auf dem Programm steht Strawinskys „Le Sacre du printemps“ (Die Frühlingsweihe oder das Frühlingsopfer), vor der Pause führt uns Vivaldi noch durch die vier Jahreszeiten.

Strawinskys „Sacre“ und die „Vier Jahreszeiten“ sind mittlerweile Hits der klassischen Musik. Vivaldis Werk ist sicher nicht nur Klassikfreunden bekannt, sondern taucht auch in der Werbung. Bei den „Vier Jahreszeiten“ steht die Solo-Violine im Vordergrund: Spielen wird sie Ariadne Daskalakis. Die Amerikanerin mit griechischen Wurzeln und deutschem Wohnsitz näherte sich der „alten“ barocken Musik von der „modernen Seite“. „Es war ein langer Weg von der modernen Geigerin bis hin zum Barock“, so Daskalakis, die Professorin an der Kölner Musikhochschule ist. Doch sie bereut ihn nicht. „Ich hatte das Privileg beide Welten kennen zu lernen.“ Dabei macht sie deutlich: „Das Wichtigste ist die Qualität der Musik.“

Für den Konzertbesucher wird es eine spannende Sache, wie die Solistin zusammen mit dem klassisch-romantischen Orchester der Dortmunder Philharmoniker Barock-Musik aufführen wird. „Die Kollegen sind sehr offen“, berichtete Daskalakis. „Die gemeinsame Arbeit in historischer Spielweise macht viel Spaß“. Und auch wenn Daskalakis Vivladis Meisterwerk oft gespielt hat, „es ist jedes mal neu für mich. Ich liebe diese Musik.“

Für Generalmusikdirektor Gabriel Feltz könnten die beiden Konzertabende ungewohnt beginnen, denn geplant ist, „Die vier Jahreszeiten“ ohne Dirigent aufzuführen. Erst nach der Pause zu Strawinskys „Sacre“ würde er dann wieder ans Dirigentenpult zurückkehren.

 

Restkarten für die beiden Termine sind noch erhältlich. Infos unter www.theaterdo.de oder 5027222.




Sperrige Ästhetik

Marlies Backhaus legt noch Hand an ihrer Installation "Verlust der Unbefangenheit".
Marlies Backhaus legt noch Hand an ihrer Installation „Verlust der Unbefangenheit“.

Vom 09. Februar bis zum 02. März 2014 zeigt das Torhaus Rombergpark die Ausstellung „von der Melancholie des Erreichten“ von Marlies Backhaus. 14 Werke in unterschiedlichen künstlerischen Genres wie Fotografie, Grafik, Malerei oder Objektkunst sind zu sehen. Ihre Arbeiten drehen sich um Themen wie Kindheit oder um Themen, die gerne verdrängt werden.

 

Was dem Betrachter beim Besuch der Ausstellung auffallen wird, ist die enorme Bandbreite der verschiedenen Kunstgenres. Fotomontagen neben Videos, Objekte neben Acrylmalerei. „ich gehe mit der Zeit und setze neue Medien ein“, erklärte die Künstlerin. Doch eine Leidenschaft bleibt: Backhaus arbeitet sehr gerne im Format 20×20 cm. Daher bestehen einige ihrer Werke aus einer Vielzahl dieser kleinen Quadrate wie beispielsweise der Wandinstallation „Mexikanisches Tagebuch“ aus dem Jahre 2009, das aus 48 kleinen Leinwänden besteht.

 

In ihren Werken arbeitet Marlies Backhaus das Widersprüchliche in unserer oder in einer fremden Gesellschaft heraus. Bei der Installation „Hermine“ zeigt sie den Kontrast zwischen einem handschriftlichen Namenszug auf einem Clip, was quasi einen persönlichen Bezug herstellt und dem zu erwarteten Ende der Kuh Hermine: Ein mit Rot/Blut gefüllter Eimer und 20 leere Wurstdärme.

Der Inhalt von Mülltonnen wird bei Backhaus bei „Stillleben.Müll“ zu einer Art „modernen“ Stillleben, komplett mit barocken Rahmen. Sie bieten dem Betrachter natürlich das komplette Gegenteil eines klassischen Stilllebens.

 

Ein wichtiges Thema für Backhaus sind Kinder. In der Ausstellung trifft der Besucher häufiger auf Werke, die sich mit Kindheit oder Kind sein beschäftigen. Bei „adieu les petits. Les petits adieu“ von 2007 geht es um den Abschied von der Kindheit und auch um den Verlust, den Eltern verspüren, wenn ihre Kinder aus dem Haus gehen. In „Verlust der Unbefangenheit“ thematisiert Backhaus den Verlust von Unschuld und unbeschwerter Kindheit. Draußen lauern Missbrauch und Gewalt. Am Ende sind Kreideumrisse von Kinderkörpern zu sehen, wie man sie aus Krimis kennt.

 

Doch bei all diesen Themen möchte die Künstlerin eines nicht: „Ich möchte nicht mit erhobenen Zeigefinger mahnen“. Das ist auch nicht schlimm, denn so muss sich der Betrachter schon selbst Gedanken machen. Die Ausstellung bietet zur Selbstreflexion viel Raum.

 




Kammerkonzert mit ungewöhnlichem Klang

Das zweite Kammerkonzert am 03. Februar im Orchesterzentrum brachte den Zuhörern das Bläseroktett (samt Kontrabass) der Dortmunder Philharmoniker näher. Zu hören waren Werke von Mozart, Farkas und Liszt.

 

Es ist eine Mischung von Vertrautheit und einer gewissen Fremdheit. Musik keinesfalls reduziert, sondern transponiert auf die Musikgruppe der Bläser. Oboe, Klarinette, Fagott und Horn füllen auch die Rolle der Streicher mit aus. In früheren Zeiten nichts ungewöhnliches, waren Bläseroktette dazu da, draußen (heute sagt man wohl „outdoor“) Opern oder Sinfonien zu spielen.

 

Das Konzert mit Mozarts erster Sinfonie in Es-Dur, die er mit acht Jahren schrieb. Das recht kurze Stück wurde von Andreas N. Tarkmann geschickt für die Bläser umgesetzt, so dass es einen Vergleich mit dem „Original“ nicht zu scheuen brachte.

 

Das zweite Stück war „Contrafacta Hungarica“ von Ferenc Farkas. Dieses Stück war speziell für Bläseroktett geschrieben worden. Obwohl Farkas ein Mensch des 20. Jahrhunderts war, entführte er uns in die Zeit des Mittelalters und der Renaissance. Tanzmusik war angesagt und das Bläseroktett zeigte sich spielfreudig.

 

Vor der Pause stand die Ungarische Rhapsodie Nr. 14 von Franz Liszt auf dem Programm. Bei diesem sehr rhythmischen Stück machte sich die besondere Klangfarbe des Oktetts bemerkbar. Vor allem bei den schnellen Passagen klang es Richtung Weltmusik á la „Balkan Brass“.

 

Nach der Pause war wieder Mozart an der Reihe. Seine Serenade in c-moll für Bläseroktett zeigte nochmals, wie abwechslungsreich und virtuos diese Musik ist, vor allem, wenn die Melodieführung von verschiedenen Instrumenten übernommen wird.

 

Alles in allem ein sehr spannender Abend mit gut aufgelegten Musikern.