Getanzte Hommage an die kleinen Leute

Marianne (Monica Fotescu-Uta) tanzt mit einem Skelett. (Foto: ©Thomas M. Jauk / Stage Picture)
Marianne (Monica Fotescu-Uta) tanzt mit einem Skelett. (Foto: ©Thomas M. Jauk / Stage Picture)

Die Uraufführung des neuen Balletts von Xin Peng Wang „Geschichten aus dem Wiener Wald“ von Ödön von Horváth am 22. Februar 2014 im Opernhaus präsentierte das Kleinbürgertum als handelnde Protagonisten. Xin Peng Wang und seine Mitstreiter zauberten herrliche Bilder aus Wien auf die Bühne. Ob der Tod nun ein Wiener ist? Keine Ahnung, aber er kann sehr gut tanzen.

 

Keine Könige und Kaiser, kein Drama an einem Fürstenhof und weltpolitische Entscheidungen werden auch nicht gefällt. Die „Geschichten aus dem Wiener Wald“ von Ödön von Horváth stellt die kleinen Leute in den Mittelpunkt. Sie leben irgendwo in den Vorstädten und erleben dort ihre Komödien, Tragödien und Dramen, von denen in der Regel niemand sonst Notiz nimmt. Von Horváth schreibt sie aus seiner Wiener Sicht, doch die Geschichten können auch in der Dortmunder Nordstadt oder in Scharnhorst passieren und vermutlich tun sie es sogar jeden Tag.

 

Zur Geschichte: Es gibt in Wien eine Legende, dass die Toten, die auf der Erde noch eine Rechnung offen haben, einmal im Jahr die Chance bekommen, etwas zu verändern. An dieser Aufgabe versuchen sich Marianne, Oskar, Alfred und Valerie.

Marianne und der biedere Oskar sind verlobt. Marianne trifft aber den Hallodri Alfred, der mit Valerie zusammen ist. Anton verlässt Valerie um mit Marianne zu leben, die ein Kind von ihm bekommen hat. Es dauert nicht lange, dann hat Alfred Marianne und das Kind satt und er kehrt zu Valerie zurück. Marianne ist allein, arbeitet aus Verzweiflung in einem Nachtclub. Auch die Kirche, an die sie sich in ihrer Verzweiflung wendet, gewährt ihr keine Absolution. Als Oskar schließlich erfährt, dass das Kind, das Marianne in eine Pflegefamilie gegeben hat, tot ist, nimmt er sie wieder auf.

 

Xin Peng Wang hat dieser Geschichte noch zwei wichtige Personen hinzugefügt. Zum einen den „Tod“ als handelnde Figur, der wie ein Dirigent oder ein Marionettenspieler die Toten unter seiner Kontrolle hat und zum anderen „das kleine Mädchen“, die einzige lebende Figur, denn alle anderen sind ja tot. Ob sie nun den Geist oder die Seele des ursprünglich verstorbenen Mädchens verkörpert, die Hoffnung oder das Gewissen, bleibt dem Zuschauer überlassen.

 

Das Corps de Ballet spielt in dem Stück mehrere Rollen. Erst beim zweiten oder dritten Blick erkennt man, dass die Tänzer wie Totenköpfe geschminkt sind. Sie verkörpern einerseits die Natur wie beispielsweise die Wellen der Donau oder die Büsche im Wind, andererseits spielen sie auch das „Volk“. Besonders beeindruckend ist die Szene in der Wiener Vorstadt, als alle weiblichen Mitglieder des Ensembles mit Kinderwagen auf die Bühne kamen. Hier kommt mir das Zitat von Heinrich Böll in den Kopf, der über das ähnliche Milieu in Köln geschrieben hat:

„Mädchen kreuzten meinen Schulweg, balgten sich am Straßenrand, heute – morgen, so schien es mir, waren sie schon junge Frauen, übermorgen Mütter“ (Heinrich Böll, Essayistische Schriften und Reden, Band 1, ©1979 Kiepenheuer & Witsch, Köln.

Kommen wir zu den Solisten: „Der Tod ist pünktlich, er kommt weder zu spät noch zu früh“, sagte Dramaturg Christian Baier bei der Premierenfeier. Hinzu kommt, dass er bei den „Geschichten aus dem Wiener Wald“ noch eine majestätische Bühnenpräsenz und Sprungkraft hat. Das alles verlieh ihm Mark Radjapov, der schon in Fantasia als Dr. Zaponetti glänzte.

Die Primaballerina Monica Fostecu-Uta tanzte die Marianne. Dabei deckte sie das ganze Gefühlsspektrum, was diese junge Frau durchleben muss ab. Erst forsch , als sie sich von Oskar trennt und sich für Alfred entscheidet flatterhaft wie ein Schmetterling.Später zeigt uns Fotescu-Uta eine verletzte, hoffnungslose, immer verzweifelter werdende Marianne, die von allen verlassen scheint.

In dem Stück spielen die Männer eher eine Nebenrolle. Oscar (Howard Quintero Lopez) als verlassener Verlobter, der Marianne am Ende doch wieder zurück nimmt. Dimitry Semionov tanzt einen von sich überzeugten Alfred, der immer wieder Glück bei den Frauen hat und dem auch Valerie letztendlich nicht widerstehen kann.

Valerie (getanzt von Emilie Nguyen) hat einen äußert komischen Auftritt, als sie in einem Liegestuhl dösend, von lästigen Mücken und Fliegen gestört wird.

 

Das kleine Mädchen wird getanzt von Stephanine Ricciardi. Sie ist die einzige lebende Figur in diesem Stück. Ihre berührendste Szene hat sie zusammen mit ihrer Mutter Marianne, die sie aber nicht berühren darf, denn der Tod ist immer dazwischen und achtet darauf, dass diese Linie zwischen den lebenden und den Toten nicht überschritten wird.

 

Trotz dieses Dramas gibt es einige Stellen, die zum Schmunzeln sind wie die erwähnte Badeszene mit den Mücken. So setzt das Corps de Ballet die Klänge der „Trisch-Tratsch-Polka“ von Johann Strauss das Tratschen herrlich tänzerisch um.

Ein großes Kompliment auch für wunderschönen Kostüme unter Leitung von Ute Werner, wie zum Beispieles die Badeanzüge im Stil des beginnenden 20. Jahrhunderts oder die Mönchskutten in der Szene in der Kirche. Die Beleuchtung wurde von Stefan Schmidt sehr geschickt eingesetzt. Besonders beeindruckend war etwa der einsam in einem Lichtstrahl stehende Kinderwagen. Die Mutter Marianne will von der dunklen rechten Seite zu ihrem Kind, wird aber von Alfred zurückgehalten.

Die Bühne war sparsam, aber effektvoll. Neben typischen Wiener Bildern wie dem Prater, wurden die Handlungsorte rudimentär und skizzenhaft im Hintergrund gezeigt. Beeindruckend waren die Skelette, die schon ziemlich am Anfang von der Decke schwebten und Marianne zum Tanzen animierten.

 

Kommen wir zur Musik. Sie wird live gespielt von den Dortmunder Philharmonikern. Bei der Premiere war Motonori Kobayashi auf dem Dirigentenpult. Neben Johann Strauß, der mit seinen Walzern und Polkas einen wesentlichen Teil der Musik „beisteuerte“, erklangen noch Werke von Alban Berg. Berg steht zwar im Spannungsfeld zwischen Neuromantik und Atonalität, doch zusammen mit den Werken von Strauss verbanden sie sich zu einer Art Gesamtmusik. Neben den gefälligen Melodien, erklangen auch sperrige. Wie im wirklichen Leben.

 

So war es nicht verwunderlich, dass am Ende des Abends die Besucher stehend alle Beteiligten feierten. Dortmund erlebte wieder einen großen Ballettabend.

Weitere Termine: So, 09. März 2014, Sa, 15. März 2014, Fr, 21. März 2014, Mi, 26. März 2014, Sa, 29. März 2014, Mi, 16. April 2014, Sa, 26. April 2014, Sa, 03. Mai 2014, Fr, 09. Mai 2014, So, 25. Mai 2014, Sa, 31. Mai 2014 und Sa, 14. Juni 2014. Infos und Karten unter www.theaterdo.de




Expressive Gärten des Südens

Sanja Djurdjic präsentiert mediterrane Landschaftsbilder in der Artothek.
Sanja Djurdjic präsentiert mediterrane Landschaftsbilder in der Artothek.

Seit dem 21. Februar zeigt die Artothek der Stadt- und Landesbibliothek Dortmund Arbeiten der Künstlerin Sanja Djurdjic unter dem Titel „Les jardins du Sud – Die Gärten des Südens“. Die Künstlerin malt ihre Bilder in Acryl, Pastell und Aquarell. Die Ausstellung mit 22 Bildern ist noch bis zum 04. April 2014 zu sehen.

 

Die Motive der Bilder von Sanja Djurdjic stammen aus Frankreich, Kroatien, Spanien und Griechenland. „ich fühle mich zum Mediterranen hingezogen“, so die Künstlerin. Das Farbenfrohe, die Fröhlichkeit und die Leichtigkeit des Seins.“

 

Das spürt der Betrachter auch in den Bildern. Kräftige Farben dominieren, statt Details stehen Formen im Vordergrund. Expressionistisch eben. Eine Kunstrichtung, die Djurdjic nahekommt. „Das freie Malen ohne Perspektive, die Reduktion von Form und Farbe, der deutsche Expressionismus kommt meiner Malweise entgegen“, findet die Künstlerin. Vor allem August Macke hat es inspiriert.

 

Auch wenn Djurdjic viel gereist ist, ihre Bilder stammen aus ihrem Gedächtnis oder auch aus Zeitschriften. „Ich habe ein photografisches Gedächtnis“, so die Künstlerin. Ihre Motive speisen sich aus der Erinnerung und aus dem Gefühl, das sie beim Betrachten der Landschaft empfand.

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Die Öffnungszeiten der Artothek sind dienstags und freitags 10 bis 19 Uhr.




Jugendstück über Ego Shooter

(v.l.n.r.) Bianka Lammert, Richard Barenberg, Götz Vogel von Vogelstein und Rainer Kleinespel. (Foto: ©Birgit Hupfeld)
(v.l.n.r.) Bianka Lammert, Richard Barenberg, Götz Vogel von Vogelstein und Rainer Kleinespel. (Foto: ©Birgit Hupfeld)

Am 28. Februar 2014 hat das Stück „First Person Shooter“ von Paul Jenkins deutschsprachige Erstaufführung im Kinder- und Jugendtheater. Hier geht um Fragen wie: Gibt es Schnittstellen von Shooterspielen und Drohnenkrieg und kann man noch virtuelle und reale Welt unterscheiden? Empfehlenswert ist das Stück ab 14 Jahren.

 

In der Geschichte geht es um Adrian, kurz Ade genannt, der gerne stundenlang in seine virtuelle Spielewelt der Ego Shooter abtaucht. Seine ratlose Mutter Maggie bittet ihren Arbeitskollegen Tom um Rat. Maggie arbeitet als Managerin in einem Unternehmens, die ein Wärmesensor-Steuersystem für den Bahnverkehr entwickelt hat. Doch auch das Militär hat Interesse an diesem System.

 

Eine neue Erfahrung für die Regisseurin Johanna Weißert. Sie hat sich zusammen mit ihrem Sohn mit dieser Art von Spielen auseinandergesetzt. Letztendlich geht es ihr aber nicht um eine eindeutige Botschaft zu vermitteln wie „Ego Shooter sind böse“ oder „Ego Shooter sind harmlos“. „Dieses Stück soll vor allem zur Diskussion anregen“, so Weißert.

 

Im Stück wird der sogenannte Tunnelblick thematisiert, den Spieler bekommen, wenn sie hochkonzentriert das Spielgeschehen verfolgen. Auf der Bühne des KJT wird er Realität: Ade wird in einer Szene buchstäblich in diesen Tunnel gesogen und seine Mutter versucht, ihn zu befreien. „Diesen Tunnelblick gibt es natürlich auch bei Leuten, die hochkonzentriert arbeiten“, erklärte die Regisseurin, die noch verriet, dass sehr viele Videos zu sehen sind.

 

Für die Premiere am 22. Februar gibt es noch Restkarten, weitere Termine: 02. März sowie 01. bis 06. März.




Immer mit Tischtennisplatte

Blick in die Ausstellung "Schulhöfe" von Cornelia Wimmer in der VHS.
Blick in die Ausstellung „Schulhöfe“ von Cornelia Wimmer in der VHS.

So unterschiedlich die Dortmunder Schulen sind, eines scheint immer zu einem Schulhof dazu zugehören: die Tischtennisplatte. Die Fotografin Cornelia Wimmer zeigt im Forum der Volkshochschule vom 26. Februar bis zum 11. April ausgewählte Fotografien in der Ausstellung „Schulhöfe“.

 

Es gibt rund 160 Schulen in Dortmund. Manche haben die Zeiten überdauert, viele sind Bauten der 60iger und 70iger Jahre, aber alle haben einen Schulhof. „Der Schulhof ist eine vernachlässigte Architekturform“, so Wimmer. Der Schulhof muss verschiedene Voraussetzungen bieten: Die Lehrer, die Aufsicht führen, müssen alles sofort einsehen können und er soll den Schülern Bewegungsmöglichkeiten bieten.

Die Realität, die Wimmer zeigt, besteht oft aus Beton oder Asphalt. „Mit den Schulhöfen präsentiert sich auch die Schule“, meinte Wimmer. Wer einen ungepflegten Schulhof sieht, der möchte seine Kinder ungern auf diese Schule schicken.

 

Einige Bilder zeigen auch die Hilflosigkeit, trotz Einsparungen, den Schulhof dennoch etwas lebendiger zu gestalten. Dann werden Mittel, die vielleicht der Elternbeirat oder die entsprechende Bezirksvertretung genehmigt hat, in ein paar Farbtupfer gesteckt.




Wenn aus Liebe zum Instrument Hass wird

Ob der Kontrabassist (Michael Kamp) ausgerechnet in der Dortmunder U-Bahn seine geliebte Sarah findet?
Ob der Kontrabassist (Michael Kamp) ausgerechnet in der Dortmunder U-Bahn seine geliebte Sarah findet?

Am 22. Februar 2014 feiert die Theatergruppe Austropott mit „Der Kontrabass“ ihre vierte Premiere im Theater im U. Dabei handelt es sich um ein Ein-Personen-Stück von Patrick Süskind. Der Kontrabassisten wird von Michael Kamp gespielt.

 

Das erste Bühnenwerk des Erfolgsautors Patrick Süskind ist das Psychogramm eines unscheinbaren Kontrabassisten und dessen Hassliebe zu seinem Instrument. Wahre Begeisterung empfindet er für die Mezzosopranistin Sarah. Schließlich plant er, während der Festspielpremiere von „Rheingold“ spektakulär „Sarah!“ in den Raum zu schreien … Das Stück, das seit seiner Uraufführung 1981 zu den beliebtesten und meistgespielten Einaktern der Theatergeschichte gehört, wurde bislang in 28 Sprachen übersetzt.

 

Neben der Premiere am 22. Februar um 19:30 Uhr gibt es noch folgende Termine: 09. März (18 Uhr), 15. März (19:30 Uhr), 29. März (19:30), 06. April (18 Uhr).

 

Mehr Informationen und Tickets unter www.austropott.de




Wem gehört die Stadt?

Vor einigen Jahren gab es ja beim Schauspiel Dortmund die Reihe „Stadt ohne Geld“. Damals wurde beispielsweise diskutiert, wem gehört eigentlich der öffentliche Raum oder wem gehört die Stadt? Das „Bloghouse“, die Late-Night-Show im Institut nimmt diese Frage am 22. Februar um 22 Uhr wieder auf.

 

Gastgeber: Stefan Laurin von den Ruhrbaronen hat diesmal Bodo-Chefredakteur Bastian Pütter, den Dortmunder Blogger Mirko Kussin (www.sprachrhythmus.de) und die junge Journalistin Anna Mayr eingeladen.

 

Karten zu 5 € sind noch erhältlich unter 0231 5027222 oder www.theaterdo.de

 




Zwischen Abstraktion und Figuration

Dagmar Vogt und drei ihrer Werke.
Dagmar Vogt und drei ihrer Werke.

Das Depot Dortmund zeigt vom 26.02. bis 09.03.14 Werke von Dagmar Vogt unter dem Titel „Real – Abstrakt“. Die Bilder und Skulpturen der Künstlerin bewegen sich im Raum zwischen Abstraktion und Figuration.

 

Die Ausstellung zeigt vor allem Werke aus den vergangenen zwei Jahren. Denn vor zwei Jahren krempelte Vogt ihr komplettes Leben um. Ein wichtiger Punkt: Sie gab ihren Beruf als Kunstlehrerin auf und stürzte sich mit Elan in die Existenz als selbstständige Künstlerin.

 

Die Werke, die gezeigt werden, kreisen sich um bestimmte Themen. „Natur ist oft Thema in meinen Arbeiten, hinzu kommt das Thema Vergänglichkeit wie das Blühen und Verblühen“, erzählte Vogt, die seit 30 Jahren malt. Hinzu kommt die Beschäftigung mit dem Motiv des Nestes, das sie vor allem in der Skulptur umsetzt.

 

Mit dem Titel gibt die Künstlerin dem Betrachter einen kleinen Hinweis. Dennoch „muss der Betrachter zum Grenzgänger werden“, so Vogt und somit seine eigene Sichtweise finden. Ihr Pinselstrich ist verschwommen und diffus, so dass es scheint, als ob manches aus dem Bild herauskommt und anderes wiederum im Bild verschwindet. So löst sich der Gegensatz zwischen dem figurativen und dem Abstrakten auf.

Dagmar Vogt arbeitet mit Acryl und Öl. „Man kann als letzten Tupfer mit Ölfarben auf Acryl arbeiten“, so die Künstlerin.

 

Ihre Skulpturen, die Vogt zeigt, sind noch freier in ihrer Ausführung. Sie arbeitet mit Metallen wie Eisen, Stahl oder Aluminium.

 

Dagmar Vogt „Real – Abstrakt“ vom 26.02. bis 09.03.14

 

Eröffnung: 26. Februar 2014 um 18 Uhr

 

Öffnungszeiten: Mittwoch/Donnerstag/Freitag 17-20 Uhr, Samstag/Sonntag 14-18 Uhr

 

Kulturort Depot

Immermannstraße 29

44147 Dortmund

www.depotdortmund.de




Kreative Energien im mondio mio

Die Zukunftsmaschine von Punky Bahr.
Die Zukunftsmaschine von Punky Bahr.

Am Samstag eröffnete die NRW-Ministerin für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien, Dr. Angelica Schwall-Düren mit dem Oberbürgermeister der Stadt Dortmund, Ullrich Sierau die Ausstellung „Nijambo“. „Nijambo“ stammt aus der Suaheli-Sprache und bedeutet soviel wie „Die Fähigkeit, Herausforderungen anzunehmen und Probleme zu lösen.“

 

Eingens für „Nijambo“ entstanden einige interaktive Kunstwerke. Auf der „Arche Noah“ von Adeal Salm-Salm kann man über eine Live-Cam die Naturwunder beobachten. Die „Zukunftsmaschine“ von Punky Bahr möchte Dinge in Bewegung bringen und zeigen, dass kleine Ursachen große Wirkungen haben. Die „Energiewand“ hat Marjan Verkerk zusammen mit Schülern entwickelt. Sie lädt kleine und große Besucher ein, ihre Ideen für die Zukunft zu entwickeln.

 

Noch bis zum 31. Oktober ist die Ausstellung, die durch die Förderung der Aktion Mensch, der Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen, des Solarfonds-Dortmund und DEW21 ermöglicht wurde, bei mondo mio! zu sehen. Die Ausstellung richtet sich an Familien mit Kindern ab 6 Jahren und kann dienstags bis freitags von 13.30 bis 17 Uhr sowie an Wochenenden und Feiertagen von 11 bis 18 Uhr besucht werden. An Vormittagen werden Termine für Schulklassen und Gruppen angeboten. Der Museumsbesuch ist im Eintritt für den Westfalenpark enthalten. Dieser beträgt in der Wintersaison 1,50 Euro und ab dem 01. März 3 Euro. Der Einritt für Kinder unter sechs Jahren ist frei. Pädagogische Programme kosten 2,50 Euro pro Kind.




In jedem Ende steckt auch ein neuer Anfang

Das Tanztheater im Dortmunder Depot zeigte mit ihrem neuen Stück „Alles auf Ende Anfang“ einen Appell zur Neuorientierung: Auch wenn das Leben wie ein verworrener Knäuel aussieht. Ein neuer Anfang ist möglich. Ars tremonia besuchte die zweite Vorstellung am 16. Februar.

 

Eine leere Bühne, ein einsames angestrahltes Knäuel. Wo ist der Anfang, wo das Ende? Ist das eigene Leben nicht genauso verworren? 15 Tänzerinnen und ein Tänzer versuchten sich an einer Entwirrung.

Im Mittelpunkt des Abends stand eine Erzählerin, die dem Stück den roten Faden gab. Begonnen wurde es im Kindesalter, als die TänzerInnen mit allerlei Spielzeugen auf die Bühne kamen. Cowboy und Indianer wurde gespielt, mit dem Roller und später mit dem Fahrrad wurde symbolisch gefahren.

Nach der Kindheit kam die Jugend und die Verliebtheit. Das wurde von den Beteiligten schön mit Gesichtsmasken umgesetzt und so traf Charlie Chaplin auf Marilyn Monroe. Danach gab es Szenen aus dem Arbeitsleben und dem ewigen Konkurrenzkampf. Dieser Kampf wurde sehr gut mit Stühlen umgesetzt. Das was man hat, gefällt einem plötzlich nicht mehr und man möchte das, was der Nachbar hat.

Gut gelungen war auch die Umsetzung des Themas „Veränderung und Rebellion“. So verriet die Erzählerin, dass sie sich gerade erst die langen Haare hatte abschneiden lassen, die sie damals aus Rebellion gegenüber ihren Eltern super lang wachsen ließ. Das Ende der einen Rebellion als der Anfang einer neuen Rebellion?

 

Ein gelungener Abend mit ebenfalls gut ausgesuchter Musik. Von Philipp Glass über Charleston bis hin zu Pop-Musik war eine ausgewogene Mischung zu hören.

 

Zu Recht wurden alle Tänzerinnen und Tänzer mit großen Applaus verabschiedet.

Weitere Termine: 19.02.14 (20 Uhr) und 20.02.14 (20 Uhr). Kartenreservierung unter 0231 9822336 oder ticket@theaterimdepot.de




Dunkle Seiten im Märchen

Die Gebrüder Grimm (Ekkehard Freye und Sebastian Kuschmann) legen Hand bzw. die Schere an das Märchen von "Rotkäppchen und dem bösen Wolf". Der Wolf wird von Uwe Schmieder gespielt.
Die Gebrüder Grimm (Ekkehard Freye und Sebastian Kuschmann) legen Hand bzw. die Schere an das Märchen von „Rotkäppchen und dem bösen Wolf“. Der Wolf wird von Uwe Schmieder gespielt. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Drehbühne, Live-Musik und Video: Die drei Erfolgszutaten von „Meister und Margarita“ spielten auch beim Stück „Republik der Wölfe“, das am 15. Februar 2014 Premiere feierte, eine zentrale Rolle. Claudia Bauer interpretierte die bekanntesten Märchen der Gebrüder Grimm in ihrer eigentlich rohen und sexualisierten Art und kombinierte sie mit Texten von Anne Sexton. Absolut nichts für Kinder. Ein Premierenbericht.

 

In dieser Spielzeit sind die Gebrüder Grimm und ihre Märchen im Theater Dortmund ja hoch im Kurs. Das Kinder- und Jugendtheater zeigte am 16. Februar zum letzten Mal „Grimm spielen“, die Oper präsentiert ab dem 22. März „Aschenputtel“ von Rossini und das Schauspiel eben „Die Republik der Wölfe“.

 

Acht Märchen von „Schneewittchen“ bis „Dornröschen“ werden nicht durch den Kakao gezogen, sondern in die heutige Zeit transportiert. Sie sind zu „urban legends“ geworden, denn der wahren Schrecken findet heute nicht mehr im finsteren Wald statt, sondern in der Stadt, im Großstadtdschungel.

 

Den Beginn machte „Schneewittchen“. Friederike Tiefenbacher spielte die „böse Königin“, die vom Hofstaat umschwärmt wird. Sie ahnt aber, dass es mit ihrer Schönheit bald vorbei sein wird, und das 13-jährige Schneewittchen (Eva Verena Müller) an ihre Stelle tritt. Schneewittchen flieht zu den sieben Zwergen (Mitglieder des Dortmunder Sprechchors), nimmt aber auch den vergifteten Apfel der Königin an und fällt in einen Tiefschlaf. Am Ende der „Republik der Wölfe“ vermischt sich „Schneewittchen“ mit „Dornröschen“.

 

Nach einer kleinen Drehung ging es weiter mit dem Märchen. „Hänsel und Gretel“ wurde vermischt mit dem Märchen „Der süsse Brei“. Frank Genser rezitierte nach einem Schaumkuss-Massaker einige Zeilen aus dem Märchen. Claudia Bauer stellte in ihrer Sichtweise von „Hänsel und Gretel“ den Aspekt der „zu stopfenden Münder“ in den Vordergrund. Die Mutter (Julia Schubert) schickt zwei ihrer Kinder weg, weil sie „total unproduktiv sind und nichts zur Gesellschaft beitragen“. Daher müssen die beiden (Peer Oscar Musinowski und Carloline Hanke) in den Wald.

 

Sehr beeindruckend war auch die Interpretation von „Rumpelstilzchen“. Ekkehard Freyer spielte einen Müller, der eine Aufstiegsmöglichkeit sucht und seine Tochter (Bettina Lieder) als das „Nonplusultra“ anpreist. Wie es heutzutage Eltern gerne tun, die ihre Kinder als „Wunderkinder“ anpreisen. Das Stroh zu Gold spinnen kann sie natürlich nur mit Hilfe von Rumpelstilzchen (Uwe Schmieder). Erst nachdem sie seinen Namen sagt, wird sie ihn los. Hier brilliert Uwe Genser als König, der nur an dem Gold interessiert ist.

 

Einen sehr stark sexualisierten Aspekt hatte der „Froschkönig“. Hier wird er nicht an die Wand geworfen und mutiert auch nicht zum Prinzen, sondern wird nach der Vergewaltigung der Königstochter (Friederike Tiefenbacher) von ihr ermordet.

 

Den aktuellen „Supermodel“-Hype nahm Bauer beim „Aschenputtel“ auf das Korn. Die Stiefschwestern (Bettina Lieder und Julia Schubert) nahmen sogar Verstümmelungen in Kauf, um dem blasierten reichen König (Oscar Musinowski) zu gefallen. Letztendlich entscheidet er sich doch für Aschenputtel (Caroline Hanke).

 

Rotkäppchen ist in „Republik der Wölfe“ sehr nahe an der ursprünglichen Fassung des Märchens. Denn Charles Perraults Fassung sollte jungen Mädchen vor Sittenstrolchen warnen. In seiner Fassung wird auch das Rotkäppchen nicht befreit. Die Brüder Grimm (Sebastian Kuschmann und Ekkehard Freye) kämpfen um das „Märchen-Ende“. Letztendlich wird Rotkäppchen mit der Schere aus dem Bauch des Wolfes geschnitten. Der Wolf (Uwe Schmieder) ist hier kein Tier, sondern ein skrupelloser (Serien-)Mörder.

 

Beeindruckend war an diesem Abend die Bühne. Doppelstöckig drehte sie sich und bot die Möglichkeit, die Märchen ohne Unterbrechung hintereinander weg zu spielen. Sie gingen quasi ineinander über. Neben der Aktion auf der Bühne gab es Live-Videos, die vom Sohn des Schauspieldirektor Jan Voges aufgenommen wurden. Zu sehen waren sie auf der linken Seite der Bühne.

 

Neben den Schauspielern, die eine engagierte Leistung boten, war auch der Dortmunder Sprechchor zu sehen: Bei „Schneewittchen“ spielten sie die sieben Zwerge und bei „Die 12 tanzenden Prinzessinnen“ durften die Damen passenderweise im Prinzessinnen-Kostüm auf die Drehbühne.

 

Eine wichtige Rolle spielte die Musik. Paul Wallfisch, Alexander Hacke, Mick Harvey und Danielle de Picciotto standen auf der rechten Seite als „Ministry of Wolves“ auf der Mühne. Verkleidet waren sie als Art Geistliche mit Beffchen dazu eine Wolfsmaske. Eine kleine Doppeldeutigkeit, denn ministry kann „Ministerium“ oder aber „geistliches Amt“ bedeuten.

 

Ihre Musik war nicht nur Soundtrack, sondern mehr mit den Märchen verwoben. Musikalisch eine Mischung zwischen „Botanica“ (Wallfisch) und Einstürzende Neubauten (Hacke). Bei der Premiere gab es noch einige Abstimmungsprobleme mit dem Ton, so dass sich manchmal Schauspieler gegen die Musik nicht durchsetzen konnte (beispielsweise die Mutter von „Hänsel und Gretel“).

 

Ein gelungener Abend, an dem alles passte: Schauspieler, Dortmunder Sprechchor, Musik, Bühne, Regie. Wer seine Kindheitsmärchen gerne mal sehen möchte, wie sie „gegen den Strich“ gebürstet und in die heutige Zeit transponiert werden, sollte sich unbedingt eine Karte für die kommenden Aufführungen besorgen.

 

Für die weiteren Termine gibt es noch Karten: 05., 06., 07., 08.,09. März sowie 11., 12., 13. April und 09., 10. und 11. Mai 2014. Weitere Infos: www.theaterdo.de