Türkisches Filmfest würdigt Tuncel Kurtiz

 

Das Türkische Filmfest Ruhr 2014 feiert 100 Jahre türkisches Kino und Schauspieler und Regisseur Tuncel Kurtiz. Auf viele Cineasten freut sich Festivalleiter Fikret Günes (2. von links).
Das Türkische Filmfest Ruhr 2014 feiert 100 Jahre türkisches Kino und Schauspieler und Regisseur Tuncel Kurtiz. Auf viele Cineasten freut sich Festivalleiter Fikret Günes (2. von links).

Zum dritten Mal findet in Dortmund, Essen und Duisburg das Türkische Filmfest Ruhr statt. Vom 02. bis zum 10. Mai werden 18 türkische und deutsch-türkische Filme präsentiert. Im Mittelpunkt des Festivals steht neben der Hommage an Schauspieler und Regisseur Tuncel Kurtiz die hundertjährige Geschichte des türkischen Films.

Zwar kann der erste türkische Film nicht gezeigt werden, denn er gilt als verschollen. Aber mit „Das Fest der schwarzen Tulpe“ aus dem Jahre 1920 zeigt das Festival einen Stummfilm mit musikalischer Untermalung des Pianisten Wolfgang Schneider.

 

„Wir zeigen klassische Filme und preisgekrönte Arthouse-Filme“, so Festivalleiter Fikret Günes. Von daher richtet sich das Festival eher an Cineasten.

Die Kinos, bei denen die Festivalfilme gezeigt werden, wurden bewusst ausgewählt. „Wir gehen dahin, wo Kino in Dortmund stattfindet“, betonte Burkhard Rinsche vom Kulturbüro. Spielstätten in Dortmund sind das Cinestar, das Kino im Dortmunder U, die Schauburg und das Sweet Sixteen im Depot.

 

2013 starb Tuncel Kurtiz. Das Festival ehrt ihn mit vier Filmen. Er wird vertreten sein durch die deutsch-türkische Produktion von Faith Akin „Auf der anderen Seite“ sowie durch die israelische Produktion „Das Lächeln des Lämmchen“, „Der Bus“ und „Hasan, die Rose“ sind weitere Filme mit Kurtiz.

Alle Filme werden im Original mit Untertitel gezeigt. Wenn es Diskussionen mit Schauspielern oder Regisseuren gibt, werden sie ebenfalls übersetzt.

 

Zum Auftakt des Festivals am 02. Mai 2014 im Cinestar Dortmund wird die Komödie „Entelköy gegen Efeköy“ gezeigt. In diesem Film geht es um,den Konflikt zwischen Großstadtmenschen, die aufs Land fliehen und heimischen Dorfbewohnern. Claudia Roth, die Politikerin der Grünen, spielt in dem Film mit und wird im Anschluss an der Gesprächsrunde teilnehmen.

 

Die Einzelkarte kostet pro Film 5 €, ermäßigt 4 €. Eine Festivalkarte gibt es nicht. Mehr Informationen zum Programm des Türkischen Filmfest Ruhr 2014 gibt es im Internet unter www.tffr.de.

 




Haydns Jahreszeiten als Deutschlandpanorama

Lucian Krasznec (Lukas), Morgan Moody (Simon), Anke Briegel (Hanne) (Foto: ©Thomas M. Jauk / Stage Picture)
Lucian Krasznec (Lukas), Morgan Moody (Simon), Anke Briegel (Hanne) (Foto: ©Thomas M. Jauk / Stage Picture)

Operndirektor Jens-Daniel Herzog wagte sich nach der szenischen Aufführung von „Elias“ erneut an ein Oratorium. Herzog verwandelte „Die Jahreszeiten“ von Joseph Haydn aus einer romantischen Landpartie in ein säkularisiertes Deutschlandpanorama. Von der Kapitulation über das Wirtschaftswunder bis zur Demographieproblematik spannte sich der Zeitbogen. Die Solisten gaben ihr Bestes, aber gegen einen wirklich gut aufgelegten Opernchor hatten sie keine Chance. Ein Premierenbericht vom 27. April.

 

Dass ein Oratorium szenisch aufgeführt wird, ist eine ungewöhnliche Sache. Herzog hatte schon de „Elias“ von Mendelssohn-Bartholdy vor zwei Spielzeiten eine Handlung mitgegeben, die sich aber mehr oder weniger streng an der Vorlage orientierte. Bei den „Jahreszeiten“ von Hadyn geht er noch einen Schritt weiter und verwandelt die stark romantisierende Handlung, die das bäuerliche Leben und die Natur preist, in eine Geschichte der Bundesrepublik. Der Frühling ist die Kapitulation und der Neuaufbau mit Währungsreform, der Sommer wird zur Wirtschaftswunderzeit, der Herbst wird kühler, Ausländerfeindlichkeit wird thematisiert und im Winter verwandelt sich Deutschland durch den demographischen Wandel in ein Altenheim. Was Herzog nicht thematisiert: die Geschichte der DDR, die Wiedervereinigung oder die 68er. Aber es gibt halt nur vier (in manchen Gegenden auch fünf) Jahreszeiten.

 

Herzogs szenische Interpretation zeigt viele beeindruckende Bilder Als der Vorhang nach der Ouvertüre aufgeht, steht zunächst Simon (Morgan Moody) mit einer weißen Fahne schwenkend auf der Bühne. Um ihn herum anscheinend Trümmer, die sich im Laufe als Hanne (Anke Briegel) und Lukas (Lucian Krasznec) sowie der Dortmunder Opernchor entpuppen. Ausstaffiert als Trümmerfrauen und heimkehrende Soldaten singt der Chor dann „Komm, holder Lenz“.

Bei einer Zeitreise durch die Geschichte der Bundesrepublik bliebt es nicht aus, dass die Solisten und der Chor in verschiedene Rollen schlüpfen müssen. Die Mitglieder des Chores waren unter anderem Trümmerfrauen, Stahlarbeiter, Frauen mit Kinderwagen in der Babyboomerzeit, (Ausländer-)Jäger und zum Schluss Senioren im Altenheim.

 

Auch Morgan Moody (Simon) schlüpfte in viele Rollen. Er verkörperte bestimmte Politiker wie Adenauer, Erhard, aber auch jemanden wie Franz Schönhuber. Lucian Krasznec (Lukas) stellte einen amerikanischer Offizier, jungen Bauern, Angestellte und zusammen mit Anke Briegel (Hanne) ein Liebespaar dar. Eine Szene mit den beiden war besonders komisch. Zum Duett „Ihr Schönen aus der Stadt“ wollten sie auf einer Parkbank nett beisammen sein. Auf der nahegelegenen Wiese wurde jedoch kräftig gegrillt, was unser Pärchen natürlich sehr störte.

Anke Briegel spielte zuerst eine Trümmerfrau, die sich einen amerikanischen Offizier schnappt, und zuletzt eine Altenpflegerin im Altenheim „Deutschland“.

 

Die drei Solisten zeigten sich gewohnt von ihrer besten Seite. Da fällte es schon schwer, jemanden herauszuheben. Mit seinem ganz speziellen Gespür für Komik sorgte Krasznec vielleicht noch für ein zusätzliches kleines Sahnehäubchen. Ein Oratorium steht und fällt aber mit dem Chor und der war an diesem Abend einfach in einer herausragenden Form. Nicht nur, dass alle Mitglieder gut singen können, nein, sie haben auch noch kleinere schauspielerische Dinge in die Inszenierung gebracht, so dass es sich lohnt, mehrmals hineinzugehen. Ein großes Lob gilt dem Leiter des Chores Granville Walker.

 

Ich möchte nicht verschweigen, dass eine so radikale und auch säkularisierte Interpretation wie von Jens-Daniel Herzog nicht jedem gefallen hat. Es gab durchaus auch einige Buhrufe, ein Besucher ist lautstark nach dem Frühling gegangen. Die Thematisierung von Frauen, die sich in der Nachkriegszeit den amerikanischen oder englischen Soldaten an den Hals geschmissen haben, um damit ihre Lebensverhältnisse zu verbessern, ist für den einen oder anderen doch harter Tobak, wenn er oder sie ein spätbarockes Stück über die Schönheiten der Landluft erwartet hatte. Sei’s drum. Die Mehrzahl der Besucher spendete Applaus, vor allem musikalisch gab es nichts, aber auch gar nichts auszusetzen. Das ist auch ein Verdienst von Philipp Armbruster und den Dortmunder Philharmonikern.




Starke Frauenstimmen beim Small Beast

Paul Wallfisch hatte wieder interessante Gäste eingeladen.
Paul Wallfisch hatte wieder interessante Gäste eingeladen.

Die Aprilausgabe des Small Beast fand am 26. im ausverkauften Institut des Schauspielhauses statt. Eingeladen hatte Gastgeber Paul Wallfisch die Bands Elysian Fields aus New York und aniyo kore aus Dortmund. Ein schöner Abend, bei dem nur eines fehlte: Sauerstoff.

 

Wieder einmal hatte es Paul Wallfisch geschafft und zwei sehr unterschiedliche Bands einzuladen, die aber Gemeinsamkeiten hatten. Beide Bands waren Duos und beide hatten sehr starke Frauenstimmen.

 

Die Stimme von Jennifer Charles von „Elysian Fields“ passte perfekt zu den überwiegend jazzig angehauchten Liedern, die wie ein langer ruhiger Fluss dahinplätscherten. Es hatte ein bisschen was von Musik für Schlafwandler., aber keinesfalls für Schlafmützen. Oren Bloedow spielte Klavier und Gitarre, seine Melodien mäanderten um Charles Stimme. Gegen Ende wurde der ruhige Fluss etwas rauer, rockigere Töne erklangen.

 

Mit einer ebenso prägnanten weiblichen Stimme wie Jennifer Charles konnte aniyo kore punkten. Die Sängerin klang ein wenig wie Björk mit tieferer Stimmlage, passte aber wunderbar zur Musik von aniyo kore. Samples, Beats und Gesang vermischten sich zur einem Klangteppich, der das Publikum mit sich forttrug. Dass so eine Band auch noch aus Dortmund kommt, freut den Berichterstatter umso mehr.

 

Den Gastgeber Paul Wallfisch haben wir nicht vergessen. Er spielte eine Mischung aus eigenen Liedern und Covern, natürlich durfte seine Version von „Waterloo Sunset“ von den „Kinks“ nicht fehlen, zum Schluss spielte er mit Oren Bloedow eine neue, sehr groovige Nummer mit viel Country-Gitarre.




Die Letzten ihrer Art

Völkel recherchiert im Milieu der Tiermafia. (Cover: © Lychatz Verlag)
Ex-Kommissar Völkel recherchiert im Milieu der Tiermafia. (Cover: © Lychatz Verlag)

In seinem neuesten Kriminalroman „Angonoka“ mit dem pensionierten Hauptkommissar Bernhard Völkel als Protagonisten widmet sich der Kamener Schriftsteller Heinrich Peuckmann dem kriminellen Handel mit von aussterbenden bedrohter Tierarten. „Angonoka“ ist übrigens eine in Madagaskar beheimatete seltene Schnabelbrustschildkröte. In diesem vierten Krimi mit Völkel wird der pensionierte Hauptkommissar genau mit dieser Thematik konfrontiert.

Am Waldrand von Kurl wird ein ein unbekannter Mann erschlagen aufgefunden. In seiner Nähe wird eine seltsame Schildkröte entdeckt und dem ehemaligen Kollegen Völkel übergeben. Der will sich aus der Mordgeschichte heraus halten und fragt nicht nach Hintergründen.
Es stellt sich heraus, dass sich hinter dem Tier ein unglaubliches Geheimnis verbirgt, dessen Spur bis nach Madagaskar reicht. Erst als er auf einer Tiermesse eine Frau kennen lernt, die viele Kenntnisse über geschützte und vom Aussterben bedrohter Tierarten hat, kommt er der Lösung des Geheimnisses auf die Spur.

Schon durch die letzten Kriminalromane ist bekannt, dass Völkel in seinem Privatleben ein Tierfreund ist und und wie der Autor gerne den Dortmunder Zoo besucht. Seine guten Kontakte zu Frank Brandstätter, dem Direktor des Zoos, macht sich Peuckmann für sein neues Buch zunutze. So gibt ihm der Zoodirektor wichtige Informationen über die seltene Schildkrötenart und steht hilfreich zur Seite.

Der Autor zeichnet anschaulich ein Bild von den Machenschaften der Tiermafia sowie der Charaktere derjenigen, die diese Tier als „besonderes Haustier“ kaufen. Dabei spielt Habgier, ein erschreckender Mangel an Empathie und kurzsichtige Gedankenlosigkeit eine Rolle.

Als kleinen Gegenpol baut Autor aber eine zarte Liebesgeschichte in seinen Krimi ein. Wie oft bei Peuckmann dürfen auch einige Hinweise auf seinen Lieblingsverein Borussia Dortmund nicht fehlen. Als kleinen Gag des Autors erzählt Völkel in dem Krimi, wie er gerade den Roman „Die Schattenboxer“ von Peuckmann liest. Darin geht es um die Geschichte einer bekannten Boxer-Familie aus Bergkamen im Ost-West-Konflikt der Nachkriegszeit.

Die 237 Seiten des Kriminalromans lesen sich leicht und spannend. Neben der Unterhaltung gibt es zudem Informationen und Hintergrundwissen zum Thema Tierhandel mit seltenen Tiere.
Bestenfalls regt es einige Menschen hoffentlich auch weiter zum Nachdenken über unser Verhältnis und Umgang mit uns und anderen Lebewesen als Teil der Natur.

„Angonoka“ ist im Lychatz Verlag erschienen und im Buchhandel für 9,95 Euro erhältlich.




Störschrank präsentiert starke Frauen

Das Atelier21 in der Zimmerstraße im Dortmunder Norden startet am 26. April mit seiner neuen Lesereihe „starke Frauen“. Im Rahmen der Reihe präsentiert die Künstlerin und Autorin Marika Bergmann drei Autorinnen. Mit dabei ist wieder der „Störschrank“. Der Störschrank? Im Interview mit Ars tremonia verriet uns Marika Bergmann, woher der Name des Schrankes kommt, welche Autorinnen lesen und welche Funktion der Störschrank bei einer Lesung haben kann.

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Das genaue Programm:

»Schürfwunden«
Sa., 26. April 20:00 Uhr bis 21:30 Uhr, Autorin: Anja Wedershoven

»Hömma, dat Buch is für dich«
am Sa., 05. Juli 17:00 Uhr bis 18:30 Uhr, Autorin: Bruni Braun

»Das vermisste Mädchen«
Sa., 23. August 17:30 Uhr bis 19:00 Uhr, Autorin: Bettina Lausen

(Eintritt zu den Lesungen 5 Euro)

www.atelier21-dortmund.de
Atelier21, Zimmerstraße 21, 44141 Dortmund




Was bewegt Jugendliche bei Mode und Musik?

Die selbst gestaltete Bushaltestelle ist der Mittelpunkt der Ausstellung.
Die selbst gestaltete Bushaltestelle ist der Mittelpunkt der Ausstellung.

Vom 18. April bis zum 10. Juni ist die Etage U2_Kulturelle Bildung im Dortmunder U in Bewegung, denn dann ist dort die Ausstellung „Urban Movement – Stadt in Szene Mode und Musik“. Wobei Ausstellung zu kurz greift, es finden noch Mitmachaktionen und Workshops statt.

Schon 2012 startete die erste Urban Movement Veranstaltung, damals noch zu den Themen Streetart und Urban Sport. 2014 dreht sich alles um Mode und Musik. „Wir wollen von den Jugendlichen wissen, wo sind eure Netzwerke“, erklärte Mechthild Eickhoff, die Leiterin U2_Kulturelle Bildung. „Was macht Jugendkultur aus, wo findet sie statt. Dabei haben wir keinen Anspruch auf Vollständigkeit.“ Das Ziel sei es, die Lebendigkeit und Kreativität der Jugendlichen aus Dortmund und der Region sichtbar zu machen.

In der Ausstellung werden Clips, Fotos, Platten und sogenannte Cosplay-Kostüme gezeigt. „Eine Bühne, die Open Stage, kann von den Jugendlichen im Rahmen von Lesungen oder kleinen Konzerten bespielt werden,“ so Susanne Henning, die Kuratorin der Ausstellung. Junge Kreative aus dem benachbarten Union-Quartier beteiligen sich mit Werken.

Zentraler Punkt der Ausstellung ist eine von Jugendlichen gestaltete Bushaltestelle. Eine Bushaltestelle hat für Jugendliche, die kein Auto fahren, natürlich eine andere Bedeutung als für Erwachsene. Die Haltestelle ist Treffpunkt, eine Art sozialer Raum. Die Künstlerin Dagmar Lippok unterstützte die Jugendlichen, doch ließ ihnen freie Hand für eigene Ideen. So wird die Bushaltestelle mit Sprayfarben, Zeichnungen und Stencils verschönert, manche Dinge wurden sogar vorher angezündet.

Während der Ausstellung finden vier Workshops statt, zu denen sich die Jugendlichen anmelden können. Sie können lernen, wie man Popsongs schreibt, Rappen lernen, eine Einführung ins Beatboxen bekommen oder in der Textilfabrik eigene Styles und Logos entwickeln.

Kleine Auswahl aus der Ausstellung:

Workshops und Kurse während der Ausstellung:

Liedermacher – Arbeitsladen
Eigene Pop-Hits schreiben und vertonen mit Marco Rudolph, Alter: 10-14 Jahre, ab 30.4.- 4.6.2014, mittwochs 15-18 Uhr.

Rappen
Texte schreiben, Rappen lernen und vertonen mit Schlakks, Alter: 14-18 Jahre. An den Wochenenden 2.5.- 4.5.und 9.5.-11.5. jeweils Fr: 15-18 Uhr, Sa: 11-17 Uhr, So: 10-13 Uhr.

Beatboxing – Schnupperkurs
Einführung in die Grundtechniken des Beatboxing mit Kevin 0’Neal, Alter: 10 – 18 Jahre, am 31.5., und zum Familiensonntag am 1.6. jeweils von 14 -16 Uhr.

Textilfabrik
Eigene Styles und Logos entwerfen und sie auf T-Shirts drucken, Alter: 6 – 18 Jahre, Offenes Angebot am Sonntag, 18.05. von 12 -17 Uhr.

Anmeldung ist möglich unter u2@dortmund.de oder telefonisch 0231 50 23843.




Zwischen Virtualität und Körperlichkeit

Schauspieldirektor Kay Voges freut sich auf das Theatertreffen 2014. Im vergangenen Jahr gewann er mit seiner Inszenierung von "Das Fest" beim Theatertreffen 2013.
Schauspieldirektor Kay Voges freut sich auf das Theatertreffen 2014. Im vergangenen Jahr gewann er mit seiner Inszenierung von „Das Fest“ beim Theatertreffen 2013.

Vom 13. bis zum 20. Juni 2014 wird Dortmund zur offiziellen Theaterhauptstadt in NRW. Beim NRW Theatertreffen haben die Besucher die Möglichkeit, zehn Theaterstücke aus ganz NRW zu sehen, daneben Filme, Diskussionspanels, Performances, Workshops und Konzerte. Spielorte sind neben dem Schauspielhaus, dem Studio und dem Institut noch die Junge Oper, das Opernhaus und der Theatervorplatz.

 

Im Mittelpunkt des Theatertreffens stehen die zehn Wettbewerbsbeiträge. Begonnen wird am Freitag, den 13. Juni mit der Bochumer Produktion „Das Mädchen aus der Streichholzfabrik“. Am Samstag, den 14. Juni ist der ostwestfälische Tag, denn da wird „Wohnen. Unter glas“ vom Theater Paderborn sowie „Minna von Barnheim oder das Soldatenglück“ vom Theater Bielefeld gezeigt. Sonntag, den 15. Juni präsentiert das Schauspiel Essen „Der Prozess“ und am Montag, den 16. Juni die Wuppertaler Bühnen „JR“. „Kasimir und Karoline“ vom Düsseldorfer Schauspielhaus wird am Dienstag, den 17. Juni gezeigt. Bertolt Brechts „Der gute Mensch von Sezuan“ vom Schauspiel Köln wird am Mittwoch, den 18. Juni präsentiert. Donnerstag, den 19. Juni stehen zwei Stücke auf dem Programm. Zuerst spielt das Theater Münster „Die deutsche Ayşe. Türkische Lebensbäume.“, danach fährt das Theatertreffen zu einem Auswärtsspiel nach Oberhausen: Per Shuttlebus ab 19:30 Uhr geht es auf die Reise zum Stück „Die Orestie“ des Theaters Oberhausen. Aus technischen gründen kann das Stück nicht in Dortmund gespielt werden.Den Schlusspunkt setzt am Freitag, den 20. Juni „Das Himbeerreich“ vom Theater Aachen.

Für die teilnehmenden Stücke gibt es drei Preise zu gewinnen: Den Preis der Fachjury, den Preis der Jugendjury und den Publikumspreis. Die Preisverleihung findet am Freitag, den 20. Juni um 20:30 Uhr statt.

 

Dramaturg Thomas Bihegue stellte das Programm zum Theatertreffen 2014 vor.
Dramaturg Thomas Bihegue stellte das Programm zum Theatertreffen 2014 vor.

Das Theater ist ein Ort, an dem Reales und Virtuelles, Analoges und Virtuelles aufeinandertreffen. Dazu bieten sechs Diskussionspanels die Möglichkeit, verschiedene Themen zu beleuchten. Mit dabei sind unter anderem Autor Dietmar Dath bei „Sterben: Online und Offline“ oder Paul Wallfisch, musikalischer Leiter des Schauspielhauses, in „Theatermusik – autonome Kunst im Sprechtheater“.

 

Musik ist ein gutes Stichwort: Es gibt einige Konzerte. So spielen unter anderem PeterLicht, The Tiger Lilies oder Thomas Truax.

 

In Brasilien findet ja zeitgleich ein weiteres großes Ereignis statt, die Fußball-WM. Das Institut wird sich auch als WM-Studio präsentieren.

 

Tickets:

Stücke (Schauspielhaus & Opernhaus) 19,- Euro / 12,- Euro (erm.)

(Studio) 15,- Euro / 10,- Euro (erm.)

Westwind-Stücke 10,- Euro / 5,- Euro (Kinder)

Konzerte (Schauspielhaus) 20,- Euro

(Junge Oper) 10,- Euro

(Junge Oper, 23 Uhr) 5,- Euro

Kino (Institut) 5,- Euro

 

 

Hotline 0231/50 27222

Online www.theaterdo.de

 

 

 

Weitere Infos, Programm und Festival-Blog:

www.nrw-theatertreffen.de

www.facebook.com/nrwtheatertreffen

www.twitter.com/nrwtt

 




Ein Chronist des Jedermann

Zufall? Nachdem Ars tremonia kurz zuvor den Roman „Menschenfischer“ von Markus Veith rezensiert hat (Rezension hier), geht es mit seinem Bühnenstück über Wilhelm Busch weiter. Eines muss man Veith lassen, als er mit seinem Wilhelm-Busch-Programm „Ein jeder Narr tut, was er will“ am 13. April 2014 die Bühne im Depot betrat, erleben die Zuschauer eine Metamorphose: Veith wird zu Busch und lässt für knapp zwei Stunden den humoristischen Dichter und Zeichner wieder auferstehen.

 

Wilhelm Busch (1832-1908) vorzustellen, ist wie Eulen nach Athen zu tragen. Fast jeder kennt „Max und Moritz“, „Die fromme Helene“ oder Redensarten wie „Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr“, die in den Alltagsgebrauch übergegangen sind.

Veith erzählt in seinem Programm zwei große Geschichten von Busch, vor der Pause „Balduin Bählamm, der verhinderte Dichter“ aus dem Jahre 1883. Vielleicht hat sich Busch mit einer gehörigen Portion Selbstironie auch als Baluin Bälamm gesehen. Obwohl Busch mit seinen humoristischen Werken einen großen Erfolg hatte, sein ernster Gedichtband „Kritik des Herzens“ war zu beginn kein Erfolg beschieden und eine zahllosen Gemälde fand er persönlich nicht gut genug. Nach der Pause war es Zeit für „Maler Klecksel“, auch hier steckt vermutlich etwas Busch in der Hauptfigur.

 

Veith porträtiert Busch als einen durchaus grimmigen Einsiedler, der Junggeselle geblieben ist und dem Trank und Tabak frönt. Doch zwischen den gereimten Zeilen blitzt auch etwas Ernstes auf, wenn Busch über seine Malerei spricht oder in einem kurzen Moment seine Einsamkeit Bahn bricht. Seine Kleidung, sein Gestus wirken lebensnah und echt und so hat der Zuschauer dann und wann fast die Vorstellung, einer Wiedergeburt von Busch. Zumal Veith sein Programm ausschließlich in Reimform absolvierte.

 

Eine wichtige Seite von Wilhelm Busch wurde in Veiths Programm ausgespart: Als Protestant erzogen, stand Busch im Kulturkampf auf der preußischen Seite, wie seine deutlich antiklerikalen Werke „Die fromme Helene“ oder „Der heilige Antionius von Padua“ zeigen.

 

Markus Veith kann das Reinem nicht lassen: Dem interessanten und humorvollen „Wilhelm Busch-Nachmittag“ folgt am 15. Juni 2014 im Depot ein Bühnenstück mit dem Titel “Eulenspiegels Enkel“.




Emotionale Lesung für NSU-Opfer

Esther Dischereit bei der Lesung am Samstag im Studio des Schauspielhauses Dortmund.
Esther Dischereit bei der Lesung am Samstag im Studio des Schauspielhauses Dortmund.

Über acht Jahre ist es her, dass die Terrorzelle der NSU auch in Dortmund einen Menschen ermordet hat: Mehmet Kubaşık. Insgesamt ermordete die rechtsextreme Terrorzelle neun Menschen. Esther Dischereit hat in ihrem Buch „Blumen für Otello“ Klagelieder für die Opfer geschrieben. Denn diese Menschen wurden aus dem Kreis ihrer Familie und Freunde gerissen. Es bleibt die Erkenntnis, wie es Herbert Grönemeyer in seinem Lied „Mensch“ singt: Du fehlst. Am 12. April 2014 las Dischereit begleitet von der DJane Ipek im Studio des Schauspielhauses.

 

Man hätte eine Stecknadel fallen hören können, als Esther Dischereit und DJ Ipek aus „Blumen für Otello“ las. Der Text war in drei Teile unterteilt und den beginn machte die schiere Aufzählung von Daten und Fakten. Allein das Vorlesen der Namen und das Alter der Opfer oder das Berichten der Taten der Terrorzelle in Telegrammstil klangen wie Peitschenhiebe: Datum, Name der Bank, Höhe der geraubten Summe. Fassungslosigkeit. Ist es wirklich so einfach, eine Bank zu überfallen? Wie kann es sein, dass diese Menge an Taten, die Morde, Bombenanschläge und Banküberfälle nicht auf eine verwertbare Spur geführt haben?

 

Der zweite Teil war der emotionalste Teil, denn hier standen die Opfer im Mittelpunkt beziehungsweise die Hinterbliebenen. Jedes Mordopfer hinterlässt Lücken, jeder Hinterbliebene hat damit zu kämpfen, dass seine Bezugsperson Vater, Bruder, Sohn, Ehemann nicht mehr da ist. Dischereit gab diesen Hinterbliebenen eine Stimme. Ihre Texte waren sehr poetisch, zärtlich, aber auch voller Bitterkeit über den Verlust des geliebten Menschen. Besonders beeindruckend, als vorgelesen wird, wie die Tochter eines der Opfer sich wünscht, das ihr ermordeter Vater doch miterleben könnte, dass sie inzwischen ihr Studium beendet und Examen bestanden hat.

 

DJ Ipek unterstützte Esther Dischereit bei ihrer Lesung mit Musik und türkischer Übersetzung.
DJ Ipek unterstützte Esther Dischereit bei ihrer Lesung mit Musik und türkischer Übersetzung.

Am Ende gab es noch ein Gespräch zwischen der Shakespeare-Figur Otello und dem Blumenhändler. Dischereit spielt hier auf das erste Mordopfer Enver Şimşek an, der ein Blumen-Großhändler war und am 09. September 2000 angeschossen wurde und zwei Jahre später starb. Otello wird ebenso wie der Blumenhändler ein Opfer des Rassismus.

 

Die Lesung war hauptsächlich auf Deutsch, wobei DJane Ipek einige Textstellen auf Türkisch las und die Lesung mit ein wenig Soundklängen bereicherte.




Aphorismen, Goethe und Menschenfischer

Wenn ein Interview komplett aus dem Ruder läuft: "Menschenfischer" von Markus Veith. (Cover: © OCM-Verlag)
Wenn ein Interview komplett aus dem Ruder läuft: „Menschenfischer“ von Markus Veith. (Cover: © OCM-Verlag)

Nach seinem Roman „Eulenspiegels Enkel“, das in Versform erschien, wagte sich Markus Veith an einen Thriller mit dem Titel „Menschenfischer“. In 328 Seiten geht es um eine merkwürdige Organisation von Außenseitern, den Menschenfischern, die hinter einem Anschlag an Rosenmontag stecken sollen. Das Buch spielt zwar nicht explizit in Dortmund, doch vieles deutet darauf hin.

 

Eins muss man Veith lassen. Er überrascht gerne, sein Roman in Versform war außergewöhnlich, und außergewöhnliche Ideen hat er auch in „Menschenfischer“ eingebaut. So teilt er seinen Thriller nicht in einfache Kapitel, sondern sie heißen „Gründonnerstag“, „Karfreitag“, „Karsamstag“ und „Ostersonntag“. Hier wird klar, wann die Handlung spielt.

Der „Gründonnerstag“ gleich zu Beginn nimmt fast die Hälfte des Buches ein. Veith findet einen interessanten Kniff, indem er den Zeitungsvolontär und Nachwuchsschriftsteller Patric ein Interview führen lässt, das plötzlich immer weiter ausufert. Das ist ein kleines Manko, denn wir werden mit Informationen bombardiert, mit Nebenstorys und plötzlichen Ortswechseln, dass ich mich gefragt habe: Wieso macht das eine Volontär wie Patric rund acht Stunden mit? Kein Anruf aus der Redaktion? Kein Melden bei der Redaktion? Kein: Bleiben wir mal beim Thema? Es kann ja sein, dass ein Interview mit einer Künstlerin Eindruck auf einen Praktikanten macht, aber dafür seinen Job riskieren? Jedenfalls fühlt sich der Leser nach dem Kapitel ähnlich wie Patric: Voll mit unverarbeiteten Informationen.

 

Nachdem man sich durch das erste Kapitel durchgebissen hat, nimmt der Thriller langsam, aber sicher Fahrt auf. Veith führt hier die Ausbildungsredakteurin Britta und vor allem den Chefredakteur Brinkmann ein, die der Geschichte auf den Zahn fühlen. Die Geschichte gewinnt an Dynamik und Zug. Den Spuren wird nachgegangen, die Geschichte auf Unstimmigkeiten überprüft.

 

In „Menschenfischer“ wird Veiths Vorliebe für den Dichterfürst (Volontär Patric hat im Schultheater den Faust gespielt) deutlich sichtbar. Ein anderer Schriftsteller, der eine wichtige Rolle im Buch spielt ist Stanislaw Jerzy Lec. Wer Aphorismen liebt, wird im Buch fündig.

 

Für mich war es ein Manko, dass ich nicht mit einer Figur „mitleiden“ konnte. Patric, der im ersten Teil, die Hauptfigur ist, agiert zu passiv, lässt sich mitschleifen und seine Psychose(n) machen es auch nicht einfacher. Zudem wird er im Laufe der weiteren Teile immer mehr zur Nebenfigur. Britta und Brechtmann spielen einfach nicht die wichtige Rolle, um mit ihnen mitzufiebern.

 

Wer Goethe liebt, vor allem den „Faust“, und auf Aphorismen steht, sollte durchaus mal einen Blick riskieren.

 

Markus Veith

Menschenfischer

OCM-Verlag

ISBN 978-3-9426272-19-1

15,90 €