Ein Ungewöhnlicher Abend: Normal gibt’s schon präsentierte „Lange Rede – kurzes Gesicht“

Mit „Lange Rede – kurzes Gesicht“ bot das Theater im Depot einem ungewöhnlichen Ensemble zwei Tage Raum auf der Bühne. Am 7. und 8. Juni 2024 präsentierte „Normal gibt’s schon“ einen musikalischen und literarischen Abend.



„Normal gibt’s schon“ trägt diesen Namen nicht umsonst, denn die meisten ihrer Mitglieder sind psychisch erkrankte Erwachsene. Im Jahr 2017 entstand in der Halte-Stelle in der Blücherstraße in Dortmund auf die Initiative von Regina Schubert und Carmen Krüger die Theatergruppe. Mit Ekkehard Freye konnten sie einen erfahrenen Schauspieler am Theater Dortmund gewinnen, der die Leitung übernahm.

Zu hören waren am Anfang vom gesamten Ensemble kurze Texte, die wie Kalendersprüche oder Redewendungen wirkten. Ein Schwerpunkt schien mir dabei auf Kommunikationsproblemen zu liegen. So gab es eine Nummer, bei der ein ausufernder Streit die Hauptrolle spielte, aber die gesamte Diskussion eigentlich ein Reden um nichts war. Floskelhaft eben.

Bei der zweiten längeren Nummer, die von einem Besitzer eines Pfandhauses handelte, dem vergeblich „singende Blumen“ verkauft werden sollten, entstand ein wortreicher Schlagabtausch.

Die Texte stammten von Autoren wie Ionesco, Charms, Bayer und Wolf sowie von selbst verfassten Texten von Zoé Ritterstern und Heike Jordan.

Bereichernd für diesen Abend war auch eine Live-Band, bestehend aus Robin Krick (Bass), Peter Bollmann (Gitarre) und Lisa Heinrich (Schlagzeug). Mit Songs wie „Ohne Dich“ oder „Stay (Just a Little Bit Longer)“, das lange Zeit das Werbelied für eine Brauerei war.

Zum Ensemble gehörten: Lisa Heinrich, Zoé Ritterstern, Heike Jordan, Saskia Singh, Sevda S., Annette Yüksel, Anna Helmsorig, Ralf Neuhaus, Caro Manthei, Peter Bollmann und Ekkehard Freye.

Ein vergnüglicher Abend ging zu Ende, bei dem man auch spürte, dass alle Beteiligten großen Spaß hatten.




Das ewige Licht – The Gesualdo Six in der Marienkirche

Am 04. Juni 2024 präsentierte das britische Vokalensemble The Gesualdo Six im Rahmen des Festivals Klangvokal einen musikalisch beeindruckenden Abend in der Marienkirche. Der Titel des Abends, „Lux aeterna“, stammt aus der liturgischen Totenmesse und folgt in Requiems-Kompositionen auf das „Agnus Dei“. Eine weitere Besonderheit des Konzerts war, dass sowohl zeitgenössische als auch barocke Komponisten zu Gehör gebracht wurden.



Die Marienkirche war ein idealer Ort für das Konzert, nicht nur wegen des Resonanzraums, sondern auch wegen der Atmosphäre, die zu den liturgischen Texten passt.

Abschied und Trauer gehören zu den intensivsten Gefühlen der Menschen, und daher ist es nicht verwunderlich, dass viele Komponisten Lieder in diese Richtung geschrieben haben. Viele Lieder handeln von der Angst, dass Gott sie nach dem Tod für ihre Sünden für alle Zeit in die Hölle schickt, aus der es keine Rettung gibt.

Berührend fand ich zwei Stücke, die von Frauen geschrieben wurden. Judith Bingham vermischt in „Watch with me“ Bibelzitate mit einem Gedicht von Wilfred Owen aus dem Ersten Weltkrieg, was eine aktuelle Komponente mit sich bringt. „I take thee“ von Joanna Marsh ist eine Hymne auf die Liebe und das einzige weltliche Lied an diesem Abend.

Musikalisch war „And there was war in heaven” von Howard Skempton interessant, der durch seine Wiederholungen und Veränderungen Erinnerungen an Arvo Pärt aufkommen ließ.

Im Mittelpunkt standen aber die Sänger von The Gesualdo Six. Die beiden Countertenöre Guy James und Alasdair Austin überzeugten ebenso wie ihre Kollegen Joseph Wicks, Josh Cooter (beide Tenöre) und Michael Craddock (Bariton). Die Leitung hatte Owain Park.

Ein ruhiger, besinnlicher und musikalisch hochwertiger Abend ging nach einer Zugabe zu Ende. Vielleicht sehen wir The Gesualdo Six in den nächsten Ausgaben von Klangvokal wieder.




Kunst, Wissenschaft und Fußball in Dortmund: Specials zur EM bei Phoenix des Lumières

Das immersive Kunstzentrum Phoenix des Lumières in Dortmund bietet während der Zeit der Fußball-Europameisterschaft besondere Events an: Bei Abendvorführungen der immersiven Ausstellung „Kosmos: Eine unendliche Reise“ können sich Besucherinnen und Besucher auf eine Expedition durch das Universum entführen lassen. Zusätzlich veranstaltet Phoenix des Lumières „Science Nights“, bei denen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu spannenden Themen wie Star Trek, Geisterteilchen und dunkler Materie sprechen. Auch der Science Slam ist ein Highlight für Kunst- und Wissenschaftsinteressierte jeden Alters.



Kunst, Wissenschaft und Fußball passen nicht zusammen? In Dortmund schon!

Auch an Phoenix des Lumières geht in der fußallbegeisterten Stadt Dortmund die Europameisterschaft nicht vorbei. Um EM-Besucherinnen und -Besuchern ein einzigartiges Kulturerlebnis ergänzend zum Stadionbesuch zu bieten, präsentiert das immersive Kunstzentrum ein erlebnisreiches Extraprogramm während der Laufzeit der EM. Auch im Bistro entsteht Stadion-Feeling: Gäste erhalten hier ein Bier mit handgemachtem Brötchen und Metzger-Currywurst oder mit einer Brezel.

Der Sommer bei Phoenix des Lumières bietet Sonderevents zur EM – Abendvorführungen der beliebten Sonderausstellung „Kosmos: Eine unendliche Reise“ und die „Science Nights“. Bildnachweis: © Culturespaces / Falko Wübbecke
Der Sommer bei Phoenix des Lumières bietet Sonderevents zur EM – Abendvorführungen der beliebten Sonderausstellung „Kosmos: Eine unendliche Reise“ und die „Science Nights“. Bildnachweis: © Culturespaces / Falko Wübbecke

Zum Sonderprogramm während der EM gehören Abendvorstellungen der beliebten Sonderausstellung „Kosmos: Eine unendliche Reise“. Ab dem 14. Juni können Besucherinnen und Besucher jeweils von Dienstag bis Samstag ab 17:30 Uhr auf beeindruckende Weltraumreise durch die Tiefen des Universums gehen.

Darüber hinaus finden ab dem 17. Juni an vier Montagen die „Science Nights“ statt. Ab jeweils 18:30 beziehungsweise 19 Uhr laden diese dazu ein, sich mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie Kunstschaffenden auszutauschen und neue Perspektiven zu entdecken. Der Einlass startet 30 Minuten vor Beginn der Veranstaltung.

Zum Einstieg am 17. Juni führt Prof. Metin Tolan, Präsident der Uni Göttingen in fiktionale Galaxien mit seinem Vortrag „Die Star Trek Physik – Warum die Enterprise nur 158 kg wiegt und andere galaktische Erkenntnisse“. Weiter geht es am 24. Juni mit Prof. Anna Franckowiak von der Ruhr-Uni-Bochum mit einem Vortrag zu „Jagd nach Geisterteilchen – Neutrino-Astronomie am Südpol“. Am 1. Juli können Zuschauerinnen und Zuschauer beim Science Slam begabten Poetinnen und Poeten lauschen. Der Slam zum Thema „Kosmos“ ist in Zusammenarbeit mit Science & Stories entstanden. Den Abschluss der Reihe bildet am 8. Juli Prof. Dr. Hendrik Hildebrandt, der nach vielfacher Nachfrage und seiner ausverkauften ersten „Science Night“ in die Phoenixhalle zurückkehrt. Sein Vortrag zu „Euclid – unser kosmologisches Weitwinkelobjektiv im Weltall“ spricht sowohl Erwachsene als auch Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler an, denn zum Start der Ferien hat Dr. Hildebrandt sein Programm eigens für Jugendliche überarbeitet. 

Im Anschluss an die Vorträge wird zum Abschluss bei jeder „Science Night“ die Sonderausstellung „Kosmos“ gezeigt. Das Sommerferienprogramm bei Phoenix des Lumières verschiebt sich aufgrund der EM um eine Woche nach hinten.

Die limitierten Science-Nights-Tickets sind erhältlich unter: https://www.phoenix-lumieres.com/de/science-nights

Programm Science Nights 

17.06. | 18:30 Uhr
Prof. Metin Tolan, Präsident der Uni Göttingen: „Die Star Trek Physik – Warum die Enterprise nur 158 kg wiegt und andere galaktische Erkenntnisse“

24.06. 18:30 Uhr
Prof. Anna Franckowiak, Ruhr Universität Bochum: „Jagd nach Geisterteilchen – Neutrino-Astronomie am Südpol“

01.07. 19 Uhr
Science Slam zum Thema „Kosmos“ in Kooperation mit Science & Stories

08.07. 18:30 Uhr
Prof. Dr. Hendrik Hildebrandt, Ruhr Universität Bochum: Euclid – unser kosmologisches Weitwinkelobjektiv im Weltall

Außerhalb des Sonderprogramms haben Fußballfans und Fans des Surrealismus gleichermaßen die Möglichkeit die aktuelle Dauerausstellung zu besuchen: „Dalí: Das endlose Rätsel“, „Gaudí: Architektur der Fantasie“ und die zeitgenössische Tanzerfahrung „3 Movements“. Musikalisch untermalt wird das immersive Ausstellungserlebnis von Künstlern wie Pink Floyd, „The Doors“ und George Gershwin.




Chaos und Ordnung – Werke von Renate Wilmanns

In Renate Wilmanns‘ Ausstellung steht das Verhältnis von Chaos und Ordnung im Fokus. Die Schau wird am Sonntag, 9. Juni, im Torhaus Rombergpark eröffnet.



Die Städtische Galerie Dortmund präsentiert die neue Ausstellung von Renate Wilmanns unter dem Titel „Chaos und Ordnung“. Mit einer Sammlung von rund 20 Werken, darunter Gemälde aus den Jahren 2005 bis 2024, lädt die Künstlerin die Besucher*innen ein, in die Facetten dieses Themas einzutauchen.

Die Kunst der Freiheit und Struktur

Renate Wilmanns beschäftigt sich überwiegend mit abstrakter Malerei. Durch die gesellschaftlichen Unsicherheiten seit Corona hat sich ihre Vorliebe z ur geometrischen Abstraktion entwickelt. Besonders das Rechteck symbolisiert die sachliche und reale Welt, das wieder Struktur in das Chaos bringt.

Renate Wilmanns stellt ihre Bilder im Torhaus Rombergpark aus. (Foto: Stadt Dortmund)
Renate Wilmanns stellt ihre Bilder im Torhaus Rombergpark aus. (Foto: Stadt Dortmund)

Die Ausstellung „Chaos und Ordnung“ wird am Sonntag, 9. Juni, 11 Uhr im Torhaus (Am Rombergpark 65) eröffnet. Anette Göke, zweite Vorsitzende des BBK Westfalen e.V., wird die Gäste begrüßen.

Die Ausstellung läuft bis Sonntag, 30. Juni, und ist dienstags bis samstags von 14 bis 18 Uhr sowie sonn- und feiertags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.




FUSSBALLKULTUR – Denk ich an dich, Europa

10 Gaststätten, 9 Künstler*innen, 6 Fan-Schreine: Anlässlich der EURO 2024 stellt ein besonderes Ausstellungsprojekt die verbindende Kraft des Fußballs und der Kunst in den Mittelpunkt. Und es findet dort statt wo alle zusammenkommen: in Dortmunder Kneipen ganz unterschiedlicher Art. Die Eröffnung findet am 8. Juni, um 17 Uhr in der Kneipe „Hubert’s“ statt.



Einem öffentlichen Aufruf folgend, haben Fußballfans aus ganz
Deutschland ihre persönlichen Erinnerungsstücke zur Verfügung gestellt und erzählen uns ihre Geschichte. Darunter sind Barbiepuppen, Fußballsammelkarten, WM-Songs oder auch die Fußballschuhe der Dortmunderin Renate Breß – linke Verteidigerin der ersten Frauen-Fußballnationalmannschaft.

Künstler*innen: Louise Ashcroft, Stephanie Brysch, Nicola Gördes, JJ Guest, Jody Korbach, Dagmar Lippok, Hans Ostapenko, Denise Ritter, Jens Sundheim

LAUFZEIT: 08.06. bis 14.07.2024
ERÖFFNUNG: 08.06.2024, 17 Uhr, ORT: Hubert’s, Hansastraße 74, 44137 Dortmund




Theater und Diversität: Herausforderungen und Chancen in der modernen Kunst

Das Theater steht vor der Herausforderung, bestimmte Themen und die damit verbundenen gesellschaftlichen Konflikte zu verarbeiten. Dabei steht zur Debatte, ob Kunst oder Künstler:innen überhaupt noch in der Lage sind, Positionen zu beziehen. Beziehungsweise, ob Künstler:innen ihrer Aufgabe gerecht werden können, ein Spiegelbild der Gesellschaft zu sein.



Seit August letzten Jahres waren die Künstler:innen Ayse Kalmaz, Sinem Süle, Aydın Işık, Aylin Kreckel und Eymen Nahali in tiefer Auseinandersetzung mit Themen rund um Diversität in Kunst und Kultur. Sie forschten in Arbeitsgruppen mit Vertreter:innen der Kulturpolitik, Kulturverwaltung und Kulturbetriebe über den Ist-Zustand des strukturellen Bodens, auf dem die Kunstproduktion stattfindet. Dabei haben sie ihre eigenen Perspektiven auf Problemlagen zu Tage gelegt. Die Ergebnisse ihrer Arbeit wurden am 31. Mai und am 1. Juni jeweils um 20:00 Uhr im Theater Fletch Bizzel in Dortmund gezeigt. Ein Stück von Theatermachern für Theatermacher und Interessierte.

Die Auseinandersetzung mit dem Kulturbetrieb kann auch tragikomische Seiten haben. Beispielsweise, wenn Eymen Nahali als typischer Deutscher gecastet werden möchte und sich dämliche Fragen anhören muss, ob er sich als echter Deutscher fühlt. Das ist natürlich eine Replik auf alle Castings, bei denen ein ausländischer Schauspieler gesucht wird, der alle Klischees erfüllen muss.

Sprache ist ein Werkzeug, das verbinden, aber auch teilen kann. Es kann als Herrschaftsinstrument gebraucht werden und kann faul und schlecht werden, wie Aylin Kreckel als Brotbäckerin erklärt. Selbst die „Modebegriffe“ wie Postkolonialismus oder andere können Schmerzen verursachen. Wenn Worte sich ändern, aber nicht die Missachtung der Person, ist niemandem geholfen.

Das Theater hat das Potenzial, ein Ort des Dialogs und der Verständigung zu sein, an dem unterschiedliche Stimmen Gehör finden und gesellschaftliche Konflikte auf konstruktive Weise verhandelt werden können. In einer Welt, die immer komplexer und vielfältiger wird, bleibt das Theater ein unverzichtbarer Raum für die Auseinandersetzung mit den großen Fragen unserer Zeit.




Transformation – ein ewiger Prozess

Nichts bleibt, wie es ist, alles ist einer Veränderung unterworfen – ob Kunst, Menschen, Viren oder unsere Umgebung. Auch Gebäude durchleben eine Transformation, wie das Künstlerhaus Dortmund. Es wurde als Waschkaue errichtet, später von der Fachhochschule Design genutzt und schließlich von Studierenden besetzt, bis es seit 1987 als Künstlerhaus fungiert. Diese Umnutzung oder Zweckentfremdung lässt sich auch in der Kunst finden, sowohl in schnellen als auch in langsamen Veränderungen, entsorgten Handys oder dem Klimawandel. Was prägt uns Menschen im Leben, und welche unterschiedlichen Leben füllen Raum und Zeit? Antworten könnte die Ausstellung „Transformation – Panta rhei“ im Künstlerhaus liefern, die vom 1. Juni – 7. Juli 2024 läuft. Kuratiert wurde die Ausstellung von Ach Kuhzunft



In der Arbeit „The Wheel“ von Irene Pérez Hernández bewegen sich Holzhämmer auf einem Rad, das durch einen Motor angetrieben wird. Damit wird das Kunstwerk zu einer Metapher der Automatisierung der Bewegung. Was früher reine Handarbeit war, wird heute immer mehr automatisiert. Kreisförmige Bewegungen, Wiederholungen, Zyklen und Schleifen sind wiederkehrende Elemente in der formalen Sprache von Hernández‘ Werken.

Im Zeichen der Transformation: Im Vordergrund sind Arbeiten von Yasin Wörheide zu sehen, in Hintergrund "The Wheel" von Irene Pérez Hernández.
Im Zeichen der Transformation: Im Vordergrund sind Arbeiten von Yasin Wörheide zu sehen, in Hintergrund „The Wheel“ von Irene Pérez Hernández.

Im Keller werden Filme von Bernd Herzogenrath gezeigt, die zur Zeit der Covid-Pandemie entstanden sind: die „(c)ovid’s metamorphoses“. Herzogenrath fragte Personen aus verschiedenen Künsten, ob sie an dem Projekt mitmachen wollen. 133 internationale KünstlerInnen haben zugesagt. Wie bei einem Staffellauf haben sich die Teilnehmenden von ihren Vorgängern inspirieren lassen. Dabei waren die Übertragungskanäle das Spannende. Welche Metamorphosen haben sich in der Übertragung ergeben?

In dem interdisziplinären Projekt PHOTEXT, das zwischen Literatur und visueller Kunst angesiedelt ist, möchten die Fotografin Anna Melnykova und die Schriftstellerin Vera Vorneweg erkunden, welche Ähnlichkeiten es zwischen dem Medium Fotografie und dem Medium Schrift gibt und wie sich diese beiden Medien perspektivisch ergänzen können. In der Ausstellung werden analoge schwarz-weiß Akte von Frauen gezeigt, bei denen ausgewählte Körperstellen mit Text versehen wurden. Das Geschriebene erzählt eine zusammenhängende Geschichte von Schmerz und Verlust. Eine besondere Filtertechnik ermöglicht das Verschwinden dieser feinen, in roter Farbe geschriebenen Zeilen, sodass die unbeschrifteten Frauenkörper in ihrer ursprünglichen und unverletzten Form wiedererscheinen.

Beim Thema Transformation darf die künstliche Intelligenz nicht fehlen. Die RaumZeitPiraten (Tobias Daemgen, Jan Ehlen, Moritz Ellerich) präsentieren eine Installation, bei der eine KI die Schattenbilder interpretiert, die sie selbst an die Wand wirft. Wenn man sich vor die Kamera stellt, kann die KI mit neuen Informationen gefüttert werden. So wird die KI das Bild immer neu interpretieren.

„Mona Lisa in Arbeit“ von Tanja Roolfs spielt mit den Perspektiven des künstlerischen Prozesses und wirft die Frage auf, wie eigentlich „große“ Kunst entsteht. Wirft das Genie Farbe und Licht auf die Leinwand oder sind vielmehr echte Handwerker nötig, die entsprechend der Bauordnung und des Tarifvertrags ihren Auftrag ausführen? In einer Welt, in der gegen Bezahlung alles vorgefertigt geliefert werden kann, geht die Wertschätzung für den eigentlichen Herstellungsprozess, für Handwerk und Hingabe an die Arbeit verloren. Das gilt nicht nur für die Kunst, sondern erstreckt sich auf andere Bereiche, von Technik über Kleidung bis hin zu Lebensmitteln. Oft hilft ein Perspektivwechsel, gepaart mit Humor, um diese Verzerrung bewusst zu machen.

Im Nebenraum ist das Oscar-prämierte Meisterwerk „Tango“ von Zbig Rybczynski aus dem Jahre 1980 zu sehen. Er ist ein surrealistischer Tango der Entfremdung von sechsunddreißig Menschen, die in einem Raum gefangen sind und das Gefühl von Unterdrückung, Verwirrung, Liebe und Spannung darstellen. Ironischerweise ist es im Jahr 2020 so, als würde man sein eigenes Leben während des Lockdowns und der Quarantäne auf den Bildschirm projizieren.

Schmelzende Gletscher deuten auf den Klimawandel hin, für die Schweizer Künstlerin Anna Katharina Scheidegger ist diese Transformation auch eine künstlerische Inspiration. MELTING DIAMONDS ist eine fortlaufende Bestandsaufnahme, deren Zweck es ist, die verschiedenen Eisarten anhand von Fotogrammen von Gletscherstücken aufzulisten. Das Fotogramm ist ein fotografisches Verfahren ohne Kamera, das im 19. Jahrhundert erfunden wurde. Das Ergebnis sieht aus wie eine Röntgenaufnahme des Objekts. Besonders beeindruckend ist „Head of Roses“. Es zeigt den geformten Kopf der Künstlerin in Eis mit eingeschlossenen Pflanzen. Wenn das Eis schmilzt, bleibt von der Skulptur nur noch die Vegetation übrig. Das Eis spiegelt die Vergänglichkeit des Lebens wider, und sein programmiertes Verschwinden, um Blumen zu enthüllen, zeigt, dass, wenn ein Ding verschwindet, es einem anderen Platz macht.

Yasin Wörheide beschäftigt sich vornehmlich mit post-digitalem Animismus, transhumanistischen Analogien und Schöpfungsmythen im Kontext des gesellschaftlichen Raums. Viele seiner ausgestellten Arbeiten erinnern an die japanischen Tsukumogamis, besessene oder beseelte Gegenstände, die eine eigene Persönlichkeit entwickeln und bei Missachtung ihre Besitzer bestrafen. Ob die Gegenstände wie die ausgestellten Totems aus Toiletten oder alte Telefone böse werden, bleibt dem Betrachter überlassen, aber Wörheide haucht ihnen neues Leben ein und transformiert sie so in ein neues Dasein.

Zu dieser Ausstellung gibt es auch eine Sonderveranstaltung: Am 14. Juni um 18 Uhr wird es einen Jubiläums-Talk geben, mit dabei: Antje Hassinger (bildende Künstlerin, Gründungsmitglied des Künstlerhauses Dortmund), sowie Dr. Ingo Wuttke (Historiker vom Ruhr Museum in Essen) und Norbert Grondorf (Bergmann a.D.).




KLANGVOKAL – Kleinod der Oper im Reinoldisaal

Mit „Marc’Antonio e Cleopatra“ hatte der deutsche Komponist Johann Adolf Hasse 1725 seinen Durchbruch. Am 26. Mai 2024 stand sie im Rahmen des Festivals KLANGVOKAL auf dem Programm. Diese Oper ist ein Beispiel für die neapolitanische Oper, die sich durch melodischen Reichtum und dramatischen Ausdruck auszeichnet. Bei der Premiere in Neapel hatte sie eine zusätzliche Besonderheit. Kein Geringerer als der berühmte Kastrat Farinelli und die Altistin Vittoria Tesi sangen die beiden Hauptfiguren, wobei Farinelli die Cleopatra und Tesi den Marcus Antonius verkörperten.



Glücklicherweise gibt es keine Kastraten mehr, aber für die Aufführung konnte man Bruno de Sá gewinnen, der eine klare und agile Stimme besitzt, die es ihm ermöglicht, eine breite Palette von Rollen zu übernehmen, insbesondere solche, die ursprünglich für Kastraten geschrieben wurden. Für die Rolle des Marcus Antonius wurde keine Altistin gecastet; diese Rolle übernahm der Countertenor Yuriy Mynenko.

Das [oh!]Orkiestra mit seiner Leiterin Martyna Pastuszka, Bruno de Sá und Yuriy Mynenko. (Foto: Bülent Kirschbaum)
Das [oh!] Orkiestra mit seiner Leiterin Martyna Pastuszka, Bruno de Sá und Yuriy Mynenko. (Foto: Bülent Kirschbaum)

Die Musik von Hasse in dieser Oper zeichnet sich durch elegante Melodien und emotionale Arien aus, die die inneren Konflikte und Gefühle der Charaktere hervorheben. Besonders bemerkenswert ist die Verwendung der Da-capo-Arie, die zu Hasses Zeit sehr beliebt war und es den Sängern ermöglichte, ihre stimmlichen Fähigkeiten und ihr dramatisches Talent zur Schau zu stellen.

Das alles wurde von dem [oh!] Orkiestra unter der Leitung von Martyna Pastuszka meisterlich musikalisch umgesetzt. Schließlich ist das Ensemble schon öfter bei KLANGVOKAL aufgetreten.

Das Publikum war zurecht begeistert und applaudierte den beiden Solisten nach jeder Arie. Vor allem aber verzückte Bruno de Sá die Anwesenden.




Mit dem Bus zu dritten Orten

Von 24. bis zum 26. Mai 2024 öffneten freie Begegnungs- und Kulturorte in Dortmund ihre Türen und boten den Besucherinnen ein spannendes Programm. Am Samstag, dem 25. Mai 2024, fuhr ars tremonia bei der KulTour1 mit. Der Beginn des Festival-Samstags (25.5.24) war um 14.30 Uhr in der Produzent



Friedrich7 (Friedrich-Ebert-Straße 7, 44263 Dortmund). Dort lief die Ausstellung REIZ><REAKTION. Dazu gab es einen Workshop, bei dem Besucherinnen ihr künstlerisches Händchen beweisen konnten. Passend zur Tageszeit gab es syrische Leckereien und Kuchen samt Kaffee und Tee. In Hörde startete der DRITTE-ORTE-Bus um 16.00 Uhr Richtung STADT_RAUM im Museum für Kunst- und Kulturgeschichte (Hansastraße 3, 44137 Dortmund). Begleitet wurde die Busreise vom Verein Kulturwunder Puddelei e. V., der aktuell ohne Raum ist. Die Stewards des Kulturwunder Puddelei e. V. unterhielten nicht nur die Fahrgäste mit kulturellen Kleinigkeiten wie einer Jodel-Nummer, sondern verkauften auch Mineralwasser zugunsten der well foundation von Neven Subotic.

Der Kulturladen Friedrich7 in Hörde war der Startpunkt für die Dritte-Orte-Tour.
Der Kulturladen Friedrich7 in Hörde war der Startpunkt für die Dritte-Orte-Tour.

Im STADT_RAUM angekommen, lud die Künstlerin Jennifer Braun zum Drucken ein – im Workshop präsentierte sie, wie aus Zeichnungen Vorlagen für Kunstdrucke entstehen. Weiter ging es mit dem DRITTE-ORTE-Bus zum Projektraum Ka!sern (Kaiserstraße 75, 44135 Dortmund). Dort lief am Festivaltag die Jam Session DenkMal laut! Musikalisch hatte das Kaiserviertel ordentlich etwas zu bieten, was bei den Anwesenden für Beifallstürme sorgte. Dafür einen großen Respekt!

Um 19.30 Uhr endete die Samstagstour im Langen August (Braunschweiger Straße 22, 44145 Dortmund). Mit einer Viererkette aus Schauspiel, Zauber-Show, Psychedelic-Rock-Konzert und Session feierte die DRITTE-ORTE-Reisegruppe mit den Abendgästen in die Nacht.




Cyber Ghosts – Distanzen überwinden

Ob während der Pandemie oder in politisch schwierigen Zeiten – die digitale Welt eröffnet neue Räume, die gemeinsam erlebt werden können. Es muss nicht immer die langweilige Zoom-Konferenz sein: Die technischen Möglichkeiten erlauben es, einen gemeinsamen Tanzraum zu erschaffen, der in Wahrheit tausende Kilometer entfernt ist. Wie so etwas funktioniert, zeigt Kiani Rezvani in ihrem Stück „Cyber Ghosts“, das am 24. Mai 2024 im Theater im Depot aufgeführt wurde.



Der Beginn ist sehr langsam. Fast wie in Zeitlupe bewegt sich Kiani Rezvani über die Bühne, auf der Beamer und eine große Leinwand die bestimmenden Requisiten sind. Dann erwacht die Leinwand zum Leben. Eine andere Figur erscheint erst schwach und als Torso, und es wirkt, als ob Kiani Rezvani mit ihren Bewegungen diesen Torso steuert. Erst nach und nach wird ersichtlich, dass dieser Torso ein Mann ist: Rohan Amiri Far. Far lebt in einem Dorf, in einem Holzhaus, viele tausende Kilometer entfernt, und durch die Kamera sieht man in seinen Raum.

Während Kiani Rezvani auf der Bühne ist, ist der Raum von Rohan Amiri Far tausende Kilometer entfernt. (Foto: Mayra Wallraff)
Während Kiani Rezvani auf der Bühne ist, ist der Raum von Rohan Amiri Far tausende Kilometer entfernt. (Foto: Mayra Wallraff)

Jetzt erst können sich beide Tänzer*innen mit ihren Bewegungen aufeinander abstimmen und eine Choreografie beginnen. So entsteht aus den zwei unterschiedlichen Räumen ein dritter, gemeinsamer Raum.

Eine zusätzliche Ebene in diesem Stück ist das Thema Überwachung. Kurze Nachrichten werden auf einer entfernten Leinwand eingeblendet, die warnen, vorsichtig zu sein und keine Spuren zu hinterlassen. So müssen die beiden Akteur*innen zu Geistern werden – nicht greifbar, quasi unsichtbar, aber dennoch präsent.