Ben Redelings erzählt WM-Anekdoten

Die schönsten Anekdoten aus dem neuen Buch von Ben Redelings "Als der Kaiser Gassi ging" am 04. Juni im Dortmunder U.
Die schönsten Anekdoten aus dem neuen Buch von Ben Redelings „Als der Kaiser Gassi ging“ am 04. Juni im Dortmunder U.

Brehmes Elfmeter 1990, die „Schande von Gijon“ 1982 oder das 1-0 gegen Polen 2006. Die Historie der Fußball-Weltmeisterschaft ist voller persönlicher Erinnerungen. Im RWE-Forum liest der Schriftsteller Ben Redeling am 04. Juni um 19:30 Uhr aus seinem Buch „Als der Kaiser Gassi ging“. Der Titel spielt auf den einsamen Gang im Mittelkreis von Franz Beckenbauer an, den er nach dem WM-Sieg 1990 absolvierte.

Sein schönster WM-Moment? Ben Redelings braucht nicht lange nachzudenken. „Das 1-0 gegen Polen 2006 kurz vor Schluss. Odonkor flankt und Neuville macht das Tor“, erzählt der Autor. Bei den Negativerlebnisse stehen ganz klar die Spiele gegen Italien weit vorne. Zwar wird der Schwerpunkt auf die Weltmeisterschaften ab 1982 gelegt, doch auch Geschichten von älteren WMs werden zum Besten gegeben.

Die Lesung dauert, wie könnte es auch anders sein, 90 Minuten. Ob es zur Verlängerung und Elfmeterschießen (dann gegen England) kommt, ist noch ungewiss.Aber wer Lust hat, kann danach noch beim Bier über seine eigene WM-Anekdoten plaudern.

Karten für die Lesung von Ben Redelings gibt es auf der Seite www.dortmunder-u.de oder auf der Seite vom Autor http://www.scudetto.de.

 

Die Veranstaltung mit Redelings ist Teil eines umfangreichen Begleitprogramms zur Ausstellung „Unter Spielern – Die Nationalmannschaft“ von Regina Schmeken. Daneben finden weitere Veranstaltungen statt. Beispielsweise ein literarisches Fußballfrühschoppen mit Autor Heinrich Peuckmann und BVB-Legende Hans Tilkowski am 15. und 29. Juni oder eine Lesung mit Christoph Ruf über sie Szene der Ultras.

 

Darüber hinaus gibt es ein umfangreiches Filmprogramm im RWE-Forum zum Thema Fußball.

5. Juni, 20 Uhr, RWE-Forum,
„Ekstase und Schock – Die Fußballhauptstadt Buenos Aires“,
ein Film von Marc Mauricius Quambusch und Jan-Henrik Gruszecki aus Dortmund. DE 2013, Regisseur Gruszecki ist anwesend für eine anschließende Diskussionsrunde.

 

6. Juni, 20 Uhr, RWE-Forum,
“FOOTBALL UNDER COVER”,
DE 2008, Dokumentarfilm.

 

26. September, 20 Uhr, RWE-Forum,
„DIE ELF TEUFEL – DEUTSCHLAND 1927“,
Regie: Zoltan Korda, S/W mit Live- Musikbegleitung, am Klavier: Joachim Bärenz

 

Dazu zeigt das Dortmunder U ausgewählte Canal 100-Filme aus Brasilien in Schwarz-Weiß. Im Jahr 1957 entwickelte Carlos Niemeyer das Format Canal 100. Auf neue und hochgradig ästhetische Art und Weise bekamen Kinozuschauer bewegte Bilder der brasilianischen Fußballmeisterschaft präsentiert.

 

ALLSTAR-Kicker-Turnier plus Tippkick-Turnier: Der ehemalige Hertha-Nachwuchsspieler und heutiger Leipziger Künstler Thomas Geier hat über 80 Miniaturkickerfiguren von Fußballstars erschaffen. Sie alle sind spielbar auf dem dazugehörigen ALLSTAR-Kicker. Auf diesem Kicker können die Ausstellungsbesucher ihr ganz persönliches WM-Finale zwischen einer brasilianischen und einer deutschen Auswahl spielen. Ergänzt wird das Spielangebot durch die aktuelle Samba-Edition der legendären Tipp-Kick-Produzenten aus Villingen-Schwenningen im Schwarzwald.

 

Etwas besonderes plant das Dortmunder U zur WM. Statt „Public viewing“ gibt es „Public hearing“, also Radio statt Fernsehen. Auf jeden Fall sollen so die deutschen Spiele übertragen werden, bei Bedarf und Nachfrage auch weitere WM-Partien.




Theaterwerkstatt präsentiert zwei Produktionen

Tja, was tun, wenn die Gäste ausbleiben? (Foto: © Barbara Müller)
Tja, was tun, wenn die Gäste ausbleiben? (Foto: © Barbara Müller)

Mit „Draußen nur Kännchen „ und „Identität: Pina“ zeigt die Theaterwerkstatt gegen Ende der Spielzeit zwei Premieren im Theater im Depot. Während „Draußen nur Kännchen“ ein bittersüßer Abend sein wird, geht es bei „Identität: Pina“ um das Thema der Identitätsbildung. Am 30. Mai um 20 Uhr hat „Draußen nur Kännchen“ Premiere, „Identität: Pina“ am 13. Juni um 20 Uhr.

 

Es gibt sie noch, die traditionellen Cafés, dessen Inneneinrichtung sich seit Jahrzehnten nicht verändert hat und die Kellnerinnen noch mit traditioneller weißer Schürze herumlaufen. Doch die Gäste bleiben aus, und so müssen sich die vier Damen die Zeit totschlagen. Dabei treten der Frust und die Hoffnungen zu Tage. Für manche ist der Job eine Endstation, eine andere träumt von einer Bühnenkarriere, eine weitere sieht die Gäste als Familienersatz. „Draußen nur Kännchen“ hat keine Vorlage, das Ensemble hat die Texte selbst geschrieben.dazu wird es Gesangs- und Tanzeinlagen geben.

 

Wer ist Pina? Das junge Ensemble (alle zwischen 17 und 23 Jahre) stellt die Frage der Identität in den Mittelpunkt. Das Besondere dabei, Pina tritt nicht auf, andere Personen reden über sie. Das Stück arbeitet auf zwei Ebenen, es gibt ein Theaterstück im Theater, ähnlich wie bei „Der nackte Wahnsinn“. Im Mittelpunkt steht die Frage, die vor allem für junge Menschen wichtig ist: Wie werde ich wahrgenommen? Eine reale Pina taucht nicht auf, sie wird in den Köpfen des Besuchers gebildet. Vermutlich wird jeder ein anderes Bild von Pina im Kopf haben. Auch hier hat das junge Ensemble das Stück selbst erarbeitet.

 

In beiden Stücken führt Barbara Müller Regie. Was auffällt ist, dass beide Stücke ausnahmslos von Frauen gespielt werden. Werden die Männer ausgegrenzt? Nein, bei der Theaterwerkstatt machen wesentlich mehr Frauen als Männer mit, erklärte Müller.

 

Termine für „Draußen nur Kännchen“: 30. Mai 2014 um 20 Uhr sowie 31. Mai 2014 um 20 Uhr.

 

Termine für „Identität: Pina“: 13. Juni um 20 Uhr sowie 14. Juni um 20 Uhr. Zusätzlich noch am 26. Juni um 20 Uhr, dann aber im Kinder- und Jugendtheater im Rahmen des 9. Dortmunder Schul- und Jugendtheaterfestivals.

Wie ist Pina? Alle können von einer anderen Facette ihrer Persönlichkeit berichten. (Foto: © Barbara Müller)
Wie ist Pina? Alle können von einer anderen Facette ihrer Persönlichkeit berichten. (Foto: © Barbara Müller)




Offene Ateliers: Auf Besuch im Dortmunder Süden

Susanne Stofferbeschäftigte sich in diesem Bild mit dem Thema "Drogensucht".
Susanne Stofferbeschäftigte sich in diesem Bild mit dem Thema „Drogensucht“.

Weil der Berichterstatter am Sonntag seinen staatsbürgerlichen Pflichten nachging und in einem Wahllokal die Stimmzettel für die Europa- und Kommunalwahl auszählte, hatte er nur den Samstagnachmittag Zeit, um die Offenen Ateliers 2014 zu erleben. Die Tour führte ihn in den noch unerforschten Süden Dortmunds, wo er aufgrund der weiten Wege nur drei Ateliers besuchte. Dafür aber in drei verschiedenen Vororten. Trotzdem war es ein spannender Nachmittag. Ein Bericht von Michael Lemken.

 

S-Bahn, U-Bahn, Bus und Fußmarsch. Mein erster Besuch führte mich zum Atelier Art-Inn von Susanne Stoffer in Lücklemberg. Stoffer malt fotorealistische Stillleben vorwiegend in Acryl, aber auch mit Pastell, Öl oder Kreide. Ihre Bildideen kreisen um gesellschaftliche Themen. So wird etwa die Gentechnik thematisiert, indem sie Tomaten blaue Farbe gibt. Dennoch sehen sie ebenso appetitlich aus, wie ihre roten Cousinen. So bleibt dem Betrachter des Bildes die Entscheidung unbenommen, wie er zur Gentechnik steht.

Darüber hinaus beschäftigt sich die Künstlerin mit der Symbolik in der Kunst und verarbeitet sie in ihren Bildern. Die Allegorien und Symbole hatten vor allem in der Renaissance eine hohe Bedeutung. So galt die Spinne als Symbol für das Böse und Gefährliche.

Was das Erstaunliche ist: Susanne Stoffe hatte bereits Ausstellungen in Berlin oder Peking, aber noch nie in Dortmund. „Ich würde viel lieber hier ausstellen“, erzählte sie. Bleibt zu hoffen,. Dass sich ihr Wunsch erfüllt.

 

Die Künstlerin Henriette Höfer zeigte ihre Arbeiten im Geotechnik-Institut ihres Mannes in Kirchhörde. Da ihr Mann mit geotechnische Arbeiten während der Vorarbeiten für die Realisierung des Phoenix-Sees involviert war, hat sie unter dem Titel „Kunst trifft Ingenieurskunst“ Fotografien von den Arbeiten an der Baustelle mit Farbe sowie weiteren Materialien bearbeitet. Höfer erweitert die Fotografien, indem sie beispielsweise einen blauen Himmel malt oder die Farbe des Bodens wieder aufnimmt. Besonders schön fand ich die Werke, die ins dreidimensionale weitergedacht wurden.

Daneben zeigte die Künstlerin auch ihre abstrakten Werke. Sie wirken beinahe wie bunte Stereogramme und sorgen dafür, dass das Auge bei jedem Detail hängenbleibt.

 

Mein dritter Besuch brachte mich nach Kleinholthausen auf einem ehemaligen Bauernhof, wo Sandra Frick und Carmen Goeke leben und arbeiten. Frick malt draußen, weil sie mit Spray und Lacken hantiert. Selbst im Winter. „Es ist spannend zu sehen, wie sich Lack bei 1° verhält“, erzählt die Künstlerin. Frick hat in Island gelebt und malt seine „wahre Seele“, nämlich die des Feuers und des Polarlichtes. Ihre abstrakten Werke zeigen die feurige Seite der Vulkaninsel, ihre realistischen Bilder vermitteln auch die raue, karge Einsamkeit.

Goeke hingegen hat sich auf Portraits spezialisiert. „Jeder Mensch hat eine helle und eine dunkle Seite. Ich versuche, auch die dunkle Seite zu zeigen“, sagte die Künstlerin. Manche Bilder wirken durchaus dunkel und bedrohlich, während manche Portraits freundlicher scheinen. Dennoch haben die Portraits durch die Farbgebung etwas unwirkliches, manchmal sogar bedrohliches an sich. Goeke benutzt Fotos nur als Grundidee, nicht als allgemeine Grundlage. Sie malt in Öl sowie in Acryl.

 

Ich hoffe, dass mein Ausflug in den Süden von Dortmund keine Eintagsfliege bleibt, es gibt einiges an Kunst zu entdecken.




Landschaften und Portraits in der Artothek

Halina Alexandra Napierski vor ihrem Bild "Scharnhorster Felder", Acryl auf Leinwand, 2011.
Halina Alexandra Napierski vor ihrem Bild „Scharnhorster Felder“, Acryl auf Leinwand, 2011.

Vom 23. Mai bis zum 04. Juli zeigt die Artothek der Stadt- und Landesbibliothek 22 Arbeiten von Halina Alexandra Napierski unter dem Titel „Zwischen Phantasie und Wahrnehmung“. Kräftige bunte Farben zeichnen die naturalistischen Landschaften und Portraits aus.

 

Blau, Gelb und Rot. Das sind die drei Grundfarben, mit denen Napierski ihre Bilder malt. Die Farben werden direkt mit dem Spachtel gemischt und mit dem Spachtel selbst oder dem Pinsel aufgetragen.

 

Ihre Motive findet sie in ihrer Umgebung, sie malt beispielsweise Szenen aus dem Westfalenpark, dem Rombergpark oder den Scharnhorster Feldern. Aber auch Landschaften aus ihrer Heimat, sie wurde in Brzeg bei Breslau geboren, mal sie gemalt. Dabei schwingt etwas Melancholie mit, wenn aus dem einstigen See eine Müllkippe geworden ist. Zu ihren Portraits sagt sie: „Wir ist es wichtig, den Charakter einer Person hervorzuheben. Wie ist dieser Mensch von innen?“

 

Die Künstlerin ist Autodidaktin, sie bekommt eine Grundausbildung bei den akademischen Malerinnen B. Gronkowska in Breslau. Nachdem sie der Liebe wegen nach Deutschland kommt, beginnt sie seit 2011 als Gasthörerin der TU Dortmund bei Professorin Bettina van Haaren. Bis 2013 hat sie als Dozentin für Malerei gearbeitet.

 

Napierski malt mit verschiedenen Materialien, hauptsächlich aber mit einer Mischung aus Acryl und Öl, hinzu kommt Kreide und Kohle. Auch ihre Herangehensweise an das Malen ist unterschiedlich: Mal arbeitet sie an einem Bild die halbe Nacht, ein anderes mal dauert es mehrere Monate, bis ein Bild fertig ist.

 

Die Öffnungszeiten der Artothek: dienstag und freitags von 10 bis 19 Uhr.




Wie wir die Welt umwälzen

Begleiteten die Pressevertreter durch die Ausstellung: (v.l.n.r.) Helmut Gloger,  Susanne Beringer, Heide Kemper, Christian Psyk und Rolf Schanko.
Begleiteten die Pressevertreter durch die Ausstellung: (v.l.n.r.) Helmut Gloger, Susanne Beringer, Heide Kemper, Christian Psyk und Rolf Schanko.

Vom 23.05. bis zum 01.06. 2014 zeigen die Künstlerinnen und Künstler des Depots in der Nordstadt eine gemeinsame Ausstellung zum Thema Umwelt, Umweltzerstörung und was der Mensch mit der Natur treibt. Der Titel „Umweltzung“ stellt die Fragen nach der Ökonomisierung der Umwelt und die möglichen Konsequenzen. Zu sehen sind Malerei, Fotografie, Objektkunst, Grafik und Installation. Ars tremonia stellt einzelne Werke vor.

 

Überbevölkerung, Fracking, Radioaktivität, Ausbeutung der natürlichen Ressourcen, Produzieren von Müll. Mit diesen Themen beschäftigen sich die Arbeiten der Künstlerinnen und Künstler.

So beschäftigt sich Susanne Beringer mit dem Thema Fracking. In „Down under“ befindet sich ein tiefer Riss in einer Erdkruste. Was kommt nach oben und werden wir die anderen Schichten mit zerstören? Beringer thematisiert in ihrer anderen Arbeit die Problematik des Plakstikmülls in den Weltmeeren. In dem Werk „y(our) world“ scheint es so, als wären Wasserpflanzen von einer Art Krankheit befallen, die sich bei näherem Hinsehen als winzige Plastikkugeln entpuppen.

 

Mit dem Thema Überbevölkerung hat sich Heide Kemper auseinandergesetzt. In ihrer Installation „10 Milliarden: größer – schneller – weiter – höher“ stellt sie die Frage: wie sieht die Welt aus, wenn Ende dieses Jahrhunderts 10 Milliarden Menschen auf diesem Planeten leben und viele den westlichen Lebensstil als Ziel haben? Unser System wird sehr zerbrechlich, das symbolisiert sie mit begehbarem Glas unter dem sich ihre Installation befindet. Besucher müssen sich also trauen, den Glasboden zu betreten, um die Zerbrechlichkeit zu spüren.

 

Mit Müll, beziehungsweise mit dem Nicht-Sichtbarmachen von Müll, beschäftigen sich die Fotografien von Peter Lutz. Saubere, versteckte Mülltonnen wirken fast niedlich. Trotzdem produzieren wir noch immer zuviel Müll, so Lutz. Müllvermeidung statt Mülltrennung müsse das Motto sein.

 

Sind wir Menschen hilflos und unfähig, mit den technologischen Unfällen wie beispielsweise Fukushima umzugehen. In Christian Psyks Arbeiten „Die t.50“ scheint es so. Der Name bezieht sich auf die 50 Ersthelfer in Fukushima. Bei Psyk mutieren sie zu technologischen Putten, die zwar süß sind, aber durch ihren Schutzanzug und den Boxhandschuhen unfähig sind, wirkungsvoll zu helfen.

 

Wer durch die Ausstellung geht, könnte leicht auf den misanthropischen Gedanken kommen, es wäre besser, der Mensch verschwände von der Erde. Doch das sehe ich (und vermutlich die Künstlerinnen und Künstler auch) nicht so. Denn der Mensch ist auch der Grund zur Hoffnung. Da bin ich mit dem Philosophen Michael Schmidt-Salomon („Hoffnung Mensch“) einer Meinung. Das Verbot von FCKW, der Run auf erneuerbare Energien oder die Versuche mit dem Prinzip„Cradle to Cradle“ Müll konsequent zu vermeiden, zeigt, dass der Mensch trotz aller Rückschläge lernfähig ist. Um ein ziemlich aus der Mode gekommenes Lied zu zitieren: „Es rettet uns kein hö´hres Wesen, kein Gott, kein Kaiser, noch Tribun. Uns aus dem Elend zu erlösen, können wir nur selber tun!“

 

Zu sehen sind Arbeiten von Susanne Beringer, Hanfried Brenner, Elke Emmert, Hartmut Gloger, Heide Kemper, Lutz Kemper, Peter Lutz, Nardin Moadel, Christian Psyk, Monika Pfeiffer, Rolf Schanko, Wolfgang Schmidt, Jan Schmitz, Konrad Stein, Suse Solbach, Bärbel Thier-Jaspert und Barbara Wozniak.

 




Dekonstruktion von Hoheitszeichen

"Scheinbogen" von Özlem Günyol und Mustafa Kunt. Zu sehen im Dortmunder Kunstverein.
„Scheinbogen“ von Özlem Günyol und Mustafa Kunt. Zu sehen im Dortmunder Kunstverein.

Der Dortmunder Kunstverein ist in die Nähe des Dortmunder U gezogen. In den neuen Räumen präsentiert er neue Arbeiten von Özlem Günyol und Mustafa Kunst in der Zeit vom 24. Mai bis zum 20. Juli 2014. Beide Künstler wurden in Ankara geboren und leben und arbeiten seit 2001 in Frankfurt am Main. Ihre sieben Arbeiten drehen sich überwiegend um Geld, Hoheitszeichen und Staatssymbole.

 

Gleich im Eingangsbereich läuft eine Video einer sich drehenden Euromünze. Kopf oder Zahl? Es wirkt wie eine Symbolisierung des sich immer drehenden Kapitalmarktes. Wird die Münze irgendwann auf eine Seite fallen? Wird es irgendwann eine weitere Finanzkrise geben? Insofern kann der Betrachter es auch positiv sehen: Solange sich die Münze dreht, kann nichts passieren.

 

Euromünzen sind auch ein wichtiger Teil einer weiteren Arbeit, die leider noch nicht aufgebaut war. Hier haben die beiden Künstler Stäbe aus den verschiedenen Metallen der Euromünzen gefertigt.

 

„Geld ist immer ein Thema“, sagte Özlem Günyol, denn auch das dritte Objekt beschäftigt sich mit dem Thema, hier geht es aber um Geldscheine. Die verschiedenen Farben der Euro-Geldscheine wurde in eine Regenbogen-Form gepackt. So ist lila (500 €-Schein) ganz oben und grau (5 €-Schein) ganz unten. Das Werk heißt demzufolge „Scheinbogen“.

 

Um die Fälschung von Dokumenten zu erschweren, benutzen die verschiedenen Länder Sicherheitsmerkmale wie beispielsweise Guillochen. Diese winzig kleinen Linien bilden interessante Muster, wenn man sie sehr stark vergrößert wie im großformatigem Buch „State painint“ der beiden Künstler.

 

Was passiert, wenn man alle Staatsgrenzen dieser Erde auf eine Größe bringt und dann übereinander klebt? Ein großes schwarzes Gebilde, was so ähnlich aussieht wie ein Wollknäuel. Es zeigt die Zufälligkeit und Beliebigkeit von Grenzen, die auf einmal in dem Wirrwarr völlig untergehen. Es wird wohl kaum jemanden geben, der die Grenzen „seines“ Landes wiederfinden kann.

 

In der Arbeit „Hemzemin“, was übersetzt so viel heißt wie „ebenerdig“, wurde ein Fahnenmast auf eine Fläche von 1,5 x 1,5 m eingeschmolzen. Der Fahnenmast, als Träger der Idee von Zugehörigkeit wird quasi auf die Ebene des Menschen (Boden) reduziert. In Dortmunder Kunstverein ist ein etwa 30-35 minütiges Video der Einschmelzaktion zu sehen. Der geschmolzene Fahnenmast liegt während der Ausstellung auf dem Hohen Wall.

Das blieb von einem Fahnenmast übrig. Zu sehen am Hohen Wall gegenüber vom "Heimatdesign".
Das blieb von einem Fahnenmast übrig. Zu sehen am Hohen Wall gegenüber vom „Heimatdesign“.




Beide Seiten der Faszination

Ups. hat vielleicht ein wichtiges Tor Oscar Musinowski umgehauen? Ekkehard Freye hilft ihm hoch.
Ups. hat vielleicht ein wichtiges Tor Oscar Musinowski umgehauen? Ekkehard Freye hilft ihm hoch. (Foto: © Birgit Hupfeld)

König Fußball regiert die Welt. In Dortmund ist dies besonders spürbar, wenn der hiesige Ballspielverein spielt. Doch lassen wir uns in unserer Faszination für den Kick zu sehr von anderen Problemen ablenken? Brot und Spiele halt…Björn Gabriel geht auf Spurensuche in seinem Stück „You’ll never walk alone“. Die Premiere ist am 24. Mai um 20 Uhr im Institut.

 

Es sei eine „verzweifelte Liebeserklärung“ an den Fußball, so Autor und Regisseur Björn Gabriel. „Wenn man sieht, wie lang und breit über ein nicht gegebenes Tor im Pokalfinale diskutiert wird, während andere Dinge wie das geplante Freihandelsabkommen oder die Situation um Edward Snowden in den Hintergrund geraten – da stimmen die Maßstäbe nicht mehr.“

 

Gabriel, der selber lange Zeit Fußball gespielt hat, untersucht die Faszination Fußball mittels vier Menschen, von denen zwei Fußballfans sind und zwei Fußball ablehnen. In dieser dialektischen Situation wird das Spiel unter die Lupe genommen.

 

Dazu gibt es Videoprojektionen, die teils berühmte Szenen aus Fußballklassikern zeigen, andererseits aber auch Einspieler mit den Schauspielerinnen Bettina Lieder, Eva Verena Müller und Julia Schubert zeigen. Sie sind eine Art Sirenen, die die Bedeutungsebene erweitern sollen.

 

Live zu sehen sind Ekkehard Freye, Peer Oscar Musinowski, Tilman Oesterreich und Jan Voges.

 

Ars tremonia sprach bereits im Vorfeld mit Björn Gabriel. [vsw id=“eE6wq8iIncg“ source=“youtube“ width=“425″ height=“344″ autoplay=“no“]




Gut, wenn man solche Freunde hat

20.000 € für das Museum Ostwall. Es freuen sich (v.l.n.r.) Antje Utermann-Funke (Schriftführerin Freunde des Museums Ostwall), Klaus Fehlemann (Vorsitzender der Freunde des Museums Ostwall), Kulturdezernent Jörg Stüdemann und Museumsdirektor Kurt Wettengl.
20.000 € für das Museum Ostwall. Es freuen sich (v.l.n.r.) Antje Utermann-Funke (Schriftführerin Freunde des Museums Ostwall), Klaus Fehlemann (Vorsitzender der Freunde des Museums Ostwall), Kulturdezernent Jörg Stüdemann und Museumsdirektor Kurt Wettengl.

Freude bei Museumsdirektor Kurt Wettengl. Die Freunde des Museum Ostwalls fördern „ihr“ Museum mit einem Scheck in Höhe von 20.000 €. Damit können verschiedene Projekte realisiert werden.

 

Statt eines klassischen Ausstellungskataloges wird es für die kommende Ausstellung „Arche Noah. Über Mensch und Tier in der Kunst“, ein Ausstellungsmagazin geben. Die Ausstellung läuft vom 15. November 2014 bis 13. April 2015. Hierfür stellen die Freunde des Museums Ostwall 10.000 € zur Verfügung.

 

Am 16. Mai 2014 fand zum dritten Mal „SCHNITTSTELLE #3 – Kunst trifft Urbanität, trifft Kunst, trifft Urbanität“ dank der Förderung der Freunde in Höhe von 5000 Euro statt. Rund 500 Menschen besuchten die verschiedenen Aktionen der Studentinnen und Studenten der TU Dortmund.

 

Fluxus-Kunst-Set für Kinder“ zur Sammlungspräsentation des Museums Ostwall: In diesem Jahr möchte das Museum Ostwall das bestehende, offene Angebot Kunst-Set für Kinder zur eigenständigen Erkundung der Dauerausstellung erweitern. Zum Sammlungsscherpunkt Fluxus soll ein interaktiver Guide für Kinder entwickelt werden. Die Freunde möchten dieses Set mit 2000 Euro fördern.

 

Kunstrundgang für Familien in der Ausstellung „Arche Noah. Über Tier und Mensch in der Kunst“. In Kooperation mit dem Dortmunder Zoo wird ein Rundgang durch die Ausstellung, entwickelt, der Anregungen für eine zeichnerische Reise durch die Ausstellung mit biologischem Hintergrundwissen verbindet. Die Förderung der Freunde in Höhe von 3000 Euro ermöglicht dieses Projekt und ein besonderes Printprodukt.




Post vom Künstler

Brief oder Postkarte? Reicht es, das als Postkarte zu frankieren oder zahlt man Strafporto?  (Filliou, Robert Envelope, 1976 Offsetdruck auf Papier. Postkarte 11,4 x 16,1 cm ehemals Sammlung Feelisch.)
Brief oder Postkarte? Reicht es, das als Postkarte zu frankieren oder zahlt man Strafporto?
(Filliou, Robert
Envelope, 1976
Offsetdruck auf Papier. Postkarte
11,4 x 16,1 cm
ehemals Sammlung Feelisch.)

In Zeiten von Facebook und E-Mails wird vergessen, dass es eine Zeit gab, in der man mit Briefen und Postkarten Kontakt hielt. Die Ausstellung „Künstlerpost“ im Museum Ostwall zeigt im Grafik-Kabinett vom 20. Mai bis zum 19. Oktober künstlerische Arbeiten, die über den Postweg liefen oder dafür konzipiert wurden.

 

Eine witzige Idee hatte Fluxus-Künstler Ben Vautier. Er entwickelte 1967 die Edition „Flux Post Card“. Der Clou dieser Postkarte ist, dass die Vorder- und Rückseite identisch ist. Wenn der Benutzer zwei verschiedene Adressen angibt, bestimmt der Zufall (oder der Postbote), an wen die Karte geschickt wird. Es kann sogar sein, dass der Briefträger die „falsche“ Seite sieht und denkt, es wäre ein Irrläufer und sie zurückschickt. Möglicherweise irrt sie ewig zwischen den Adressen hin- und her.

Ähnlich arbeitet Robert Filliou. Auf seinem „Envelope“ aus dem Jahre 1976 hat er die Rückseite eines Luftpostbriefes als Postkarte gestaltet. Was passiert also, wenn jemand den Umschlag als Postkarte frankiert und abschickt? Gibt es Strafporto?

 

An wen gingen die ausgestellten werke? Neben den Künstlereditionen, die an eine kunstinteressierte Öffentlichkeit gerichtet waren, sind viele an die Sammler Siegfried Cremers, Wolfgang Feelisch und Hermann Brauns adressiert. Das zeigt welche engen Verbindungen zwischen Sammler und Künstlerinnen und Künstler herrschten.

 

Fluxus ist eine Kunstrichtung, die Alltagsphänomene und Alltagsgegenstände in künstlerischen Objekten verarbeitet. So darf es niemanden verwundern, wenn beispielsweise Weihnachtsgrüße ebenfalls mit künstlerischer Sorgfalt bedacht wurden. So schickte Takako Saito ein in Form einer Gänsekeule gerissenes Papier samt einer handelsüblichen Weihnachtsgansmanschette.

 

Angeregt von Postkarten, Objekten und Briefen von Fluxus-Künstlerinnen und -Künstlern hat die Abteilung Bildung und Kommunikation des MO ein Kunstprojekt für Kinder und Jugendliche entwickelt: MuseobilBOX. Kinder und Jugendliche entdecken das Museum: Briefe aus dem Museum Ostwall im Dortmunder U an Onkel Sahid in Marakesch. Bildungspartner dieses Projekts sind die Vereine Machbarschaft Borsig 11 e.V. und Africa Positive.

Inspiriert von Künstlerbriefen und -postkarten sowie gemeinsamen Erkundungen ihres Stadtteils schreiben die Kinder und Jugendlichen Briefe an ihre Verwandten im Ausland. Sie verschicken per Post ein kleines Stück Dortmund und halten Kontakt zu einem Teil ihrer Familie: Wie geht es eigentlich meinem Onkel in Spanien oder meiner Tante in Marokko? Erinnern sich meine Verwandten aus den Vereinigten Staaten wohl noch an mich? Wissen sie noch, wie ich aussehe oder was mein Lieblingsgericht ist?

Eventuell vorhandene Sprachbarrieren werden mit Hilfe von Collagen, Fotos und Bildern überwunden. Es entstehen Briefe ohne Worte. Auch Gerüche oder Geräusche können in einem Brief verschickt werden. Die vielfältigen Ergebnisse sind ein persönliches Zeichen des Lebensalltages der Teilnehmenden.

 

Termin: Am Freitag, 6. Juni, 17 Uhr werden im Museum Auszüge dieser Begegnung zwischen Kunst und Leben öffentlich präsentiert.

 

Museum Ostwall im Dortmunder U
Leonie-Reygers-Terrasse
44137 Dortmund
Telefon: +49 (0) 231 50-23247
Fax: +49 (0) 231 50-25244
Email: mo@stadtdo.de
www.museumostwall.dortmund.de

 

Eintrittspreise
Erwachsene fünf Euro, ermäßigt 2,50 Euro.
Kombiticket Dauerausstellung Museum Ostwall und Ausstellung Winter/Hörbelt – KÖRPERMAUMAU: Erwachsene acht Euro, ermäßigt vier Euro, Schulklassen 30 Euro-

Öffnungszeiten
Di, Mi 11 – 18 Uhr,
Do, Fr 11 – 20 Uhr, Sa, So 11 – 18 Uhr, Sonderöffnung für angemeldete Schulklassen Di – Fr ab 10 Uhr




Wiener Klassik mit Schwung und Elan

 

Das 3. Wiener Klassik Konzert am 19. Mai im Konzerthaus Dortmund führte wieder die Großmeister der Wiener Klassik Mozart und Haydn zusammen. Den Beginn machte Haydns Sinfonie Nr. 82, danach folgte Mozarts Konzert für Flöte, Harfe und Orchester und nach der Pause erklang Haydns letzte Sinfonie Nr.104.

 

Es war das letzte Wiener Klassik Konzert in dieser Spielzeit und Dirigent Motonori Kobayashi gelang es, das Konzert sehr schwungvoll in Szene zu setzen. Dafür war Haydns Sinfonie Nr. 82 sehr gut geeignet, angefangen von der brausenden Eröffnungsfanfare im ersten Satz bis hin zum vierten Satz, dessen Klänge an einen Dudelsack erinnern.

 

Ein Instrument, das sehr selten im Vordergrund steht, ist die Harfe. Meist steht es im Hintergrund, um beispielsweise Wellenbewegungen zu untermalen. Dennoch ist es bereits das zweite Mal in dieser Spielzeit, dass dieses Instrument in den Mittelpunkt gerückt wird. Schon beim 4. Philharmonischen Konzert wurde das Konzert für Harfe und Orchester in C-Dur von Reinhold Glière (1874-1956) aufgeführt. Doch zurück zur Wiener Klassik: Mozart hat dem Instrument aber ein Konzert gewidmet und ihm noch die Flöte zur Seite gestellt.

An der Harfe saß Remy van Kersteren und die Flöte spielte Hanna Mangold. Hier fällt einem sofort das „Problem“ der Harfe auf: Sie geht im Orchesterklang sehr leicht unter. In den Solopassagen zeigte van Kesteren aber, was mit der Harfe möglich ist, wenn man ihr den nötigen Platz einräumt. Hanna Mangold spielte mit Bravour den Solo-Flötenpart.

 

Nach der Pause stand Haydns letzte Sinfonie, die Nr. 104 „Salomon“ auf dem Programm. Die Sinfonie, die zu den „Londoner Sinfonien“ gezählt werden, ist es typisches Spätwerk. Pauken, Trompeten und Rhythmen bestimmen ihren Charakter. Es macht einfach Spaß ihr zuzuhören und dem Dirigenten Kobayashi geht es ähnlich. Er hüpft, bewegt sich hin und her , als ob er versucht, seine Energie auf das Orchester zu übertragen. Die Dortmunder Philharmoniker, die in Kammerbesetzung gespielt haben, nahmen das Angebot gerne an.