Ein geschwedeter „Minority Report“ im Studio

John Anderton (Björn Gabriel) sieht den Mord im Hintergrund kommen. (Foto: © Birgit Hupfeld)
John Anderton (Björn Gabriel) sieht den Mord im Hintergrund kommen. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Kennen Sie den Film „Abgedreht (Be kind rewind)“ mit Jack Black und Mos Def aus dem Jahre 2008? In dieser Hommage an das Kino löscht Black in seiner Rolle als Jerry alle Videokassetten und dreht mit Mike (Mos Def) die Filme mit einfachsten Mitteln nach. Mit der Argumentation von Jerry, die neuen Filme kämen aus Schweden und seien deshalb so teuer, etablierte sich der Begriff „geschwedet“ für diese Form von nachgedrehten Videos vor allem auf Youtube.

Doch vorweg, eines kann man der Inszenierung von „Minority Report“ von Peter Gehre, die am 14. September 2014 Premiere hatte, sicher nicht vorwerfen: dass sie in irgendeiner Form billig oder als Farce angelegt ist. Mit nur vier Schauspielern und einer Menge an Gimmicks schafft Gehre eine Liebeserklärung an Spielbergs Film.

Das Stück lehnt sich stark an den gleichnamigen Film von Steven Spielberg aus dem Jahre 2002 an, mit kleinen Änderungen. So ist im Gegensatz zum Film John Andertons Frau nicht mit von der Partie und der Mord an Jad Fletscher durch Lamar Burgess wird nicht in Szene gesetzt, was vermutlich daran liegt, dass beide Rollen von Ekkehard Freye gespielt wurden.

Was uns sofort zu den vier Schauspielern bringt. Multitasking war angesagt. Julia Schubert übernahm ebenso mehrere Rollen wie Merle Wasmuth und Ekkehard Freye. Nur Björn Gabriel spielte als einzige Rolle den Leiter von Precrime John Anderton.

Zur Geschichte: Wir schreiben das Jahr 2041, in Washington D.C. Hat es seit sechs Jahren keine Morde mehr gegeben, dank „Precrime“. Dank Kinder mit besonderen Fähigkeiten und Algorithmen fungieren sogenannte Precogs als Art Orakel und können Morde vorhersehen. Die Polizei kommt dann rechtzeitig und nimmt den Mörder fest, bevor er die Tat begehen kann. Doch plötzlich sagt Precog Agatha den Mord an Leo Crow voraus, der Mörder ist John Anderton selbst.

Barbie-Puppen, die ein Ehepaar darstellen, Verfolgungsjagden mit einem Matchbox-Auto, was eher wie ein Film mit Ed Wood klingt, macht durch das engagierte Spiel der vier Akteure auf der Bühne für die Zuschauer enorm viel Spaß und fesselt ans Geschehen, das an drei Leinwänden gezeigt wurde.

Noch etwas war anders wie im Kino: Die Zuschauer durften abstimmen. Gut, nur die Smartphone-Nutzer mit Android, weil Apple die App „Precog“ nicht gefiel, aber es ging um die Frage: Soll Anderton Leo Crow, den mutmaßlichen Mörder seines Sohnes, erschießen so wie vorhergesagt oder nicht? Zwar sagten 61% Ja, doch es ging weiter wie im Film, wo Crow den Abzug quasi selbst betätigt.

Am Ende des Stückes werden die moralischen Fragen des Filmes diskutiert. Ist man verpflichtet Vorhersagen zu folgen oder sind sie nur Vorschläge? Was ist, wenn man erfährt, dass das ungeborene Kind höchstwahrscheinlich behindert sein wird. Abtreiben oder nicht? Machen immer mehr Informationen frei oder schränken sie ein?

Ein wirklich gelungener Theaterabend, der die richtige Balance zwischen Technik und Schauspielerei fand, was auch an der guten Besetzung lag, die mit deutlichen Spaß bei der Sache war. Hoffentlich gibt es weitere „geschwedete“ Filme von Peter Gehre in Dortmund zu sehen.

Weitere Termine am: SO, 21. SEPTEMBER 2014, SA, 18. OKTOBER 2014 und DO, 23. OKTOBER 2014.

Infos und Karten unter www.theaterdo.de oder 0231 50 27222.




Hamlet-Konzentrat mit Überwachungskameras

Gertrud, die Königin, Hamlets Mutter, nun Frau des Claudius: Friederike Tiefenbacher Claudius, König von Dänemark: Carlos Lobo Laertes, Polonius' Sohn: Christoph Jöde. (Foto: © Edi Szekely)
Gertrud, die Königin, Hamlets Mutter, nun Frau des Claudius: Friederike Tiefenbacher
Claudius, König von Dänemark: Carlos Lobo
Laertes, Polonius‘ Sohn: Christoph Jöde. (Foto: © Edi Szekely)

Am Ende von „Hamlet“ stand ein typischer Voges-Gag. Frank Genser und Uwe Schmieder, seit Beckets Lum und Purl ein kongeniales Duo, standen als Wum und Wendelin auf der Bühne und riefen ständig „Wir machen jetzt politisches Theater“, während die Zuschauer ermuntert wurden Tweets zu senden, bis sich der Saal leerte. Wie heißt es so schön, wenn sie nicht gestorben sind, dann rufen sie noch heute. Nur Schade für die Schauspieler, sie erhielten nicht ihren verdienten Applaus und Regisseur Kay Voges nicht die Reaktion der Zuschauer auf seine Inszenierung.

Hamlet. Ein Klassiker. Nicht totzukriegen. Kay Voges sah in dem Stoff von Shakespeare Hamlet nicht als Zauderer, sondern als Überwachten. Diese Interpretation gibt es Stoff mühelos her. Polonius lauscht ständig hinter irgendwelchen Vorhängen und Rosencrantz und Guildenstern werden als Spione auf Hamlet angesetzt.

Voges modernisiert das Stück und bringt es in die Gegenwart. Gleich zu beginn wird das Grundgesetz (repräsentiert vom alten König Hamlet) mit der Begründung „Kampf dem Terror“ quasi ermordet. Danach entwickelt sich eine Tragödie mit Überwachung, Schaffung eines Übermenschen und vielen Toten. Nichts für Freunde von werkgetreuen Inszenierungen, denn neben Shakespeares Text gibt es zeitgenössisches Material zum Thema Überwachung und Leben in der Moderne.

Fünf Video-Kameras und eine Kinect-Kamera sorgen für ein riesiges Überwachungsbild. Mittels Videobearbeitung können wir Bilder aus jedem Raum des Königsschlosses sehen. Voges schafft aus dem Stoff „Hamlet“ eine Überwachungs-Exegese, die mit Elementen aus populären Fernsehsendungen wie etwa „Big Brother“ spielt. War bei „Das Fest“ noch für den Zuschauer deutlicher zu sehen, wie der Film im Hintergrund live entstand, ist bei „Hamlet“ diese Transparenz verloren gegangen. Der „Container“, indem die eigentliche Handlung stattfindet, ist für den Theaterzuschauer nicht einsehbar. Intransparenz in einer Geschichte über die allgegenwärtige Transparenz von Daten und Vorgängen. Wir agieren wie jemand, der diverse Monitore in einer U-Bahn-Station oder in einem Kaufhaus überwacht. Überall scheint etwas zu passieren.

„Hamlet“ als Überwachungsdrama zu inszenieren ist so verkehrt nicht, das Konzept ist schlüssig. Doch Berater Polonius als eine Art Dr. Frankenstein in Szene zu setzen, der an einer perfekten Symbiose von Mensch und Maschine bastelt (der alte König Lear wird in den transhumanen Fortinbras verwandelt), ist meiner Meinung nach ein wenig überdreht.

Technisch ist der „Hamlet“ auf einer hohen Stufe angelangt. Video, Sound und Musik verschmelzen zu einer Symbiose und zusammen mit den Schauspielern entwickelt sich eine Form von Zwitter zwischen Film und Schauspiel. Doch man kann auch bemängeln, dass die Schauspieler von der Technik in den Hintergrund gespielt werden. Schön zu sehen, wenn Hamlet (Eva Verena Müller) oder Laertes (Christoph Jöde) nach vorne auf die Bühne kommen. Sie wirken unter der Riesenleinwand ein wenig klein und unbedeutend.

Die Hauptrolle hatte Eva Verena Müller inne. Im Batman-Kostüm, mit blonder Perücke und Nerdbrille spielte sie einen „Hamlet“, der vielleicht gerne ein Superheld sein möchte, aber viel zu zögerlich ist und letztendlich an seiner Aufgabe – der Rache an seinen Vater – scheitert. Bettina Lieder spielte eine zarte zerbrechliche Ophelia, im Ballettkleid, die ein wenig hilflos durch die Handlung irrt. Publikumsliebling Christoph Jöde spielte den Laertes in Uniform. Bestimmt entschlossen. Zu tun, was zu tun ist. Letztendlich als Gegenteil von Hamlet. Beide gehen in einem Showdown oder besser „Shootdown“ unter. Carlos Lobo als König Claudius hatte ein wenig Ähnlichkeit mit Graf Orloc aus „Nosferatu. Er spielte ihn als reinen Machtmenschen. Frederike Tiefenbacher spielte die Mutter Hamlets ebenfalls nur eine Nebenrolle. Michael Witte gab einen Polonius in der Variante „verrückter Wissenschaftler“, während Sebastian Kuschmann die merkwürdigste Rolle hatte: Er spielte nicht nur den alten König, sondern auch den als künftigen Übermenschen angelegten Fortinbras.

Für Shakespeare-Puristen ist dieser Hamlet mit Sicherheit nicht gedacht. Die Bücher können also getrost zu Hause gelassen werden. Wer sich auf ein Konzentrat einlässt, in der die Technik eine wesentliche Rolle spielt, sollte den Versuch wagen und sich Voges‘ Inszenierung anschauen. Nicht zögern wie Hamlet, es braucht schon etwas Mut.

 weitere Termine sind: SO, 21. SEPTEMBER 2014, MI, 01. OKTOBER 2014. FR, 14. NOVEMBER 2014, FR, 12. DEZEMBER 2014, SA, 27. DEZEMBER 2014, DO, 08. JANUAR 2015, SA, 14. FEBRUAR 2015, MI, 04. MÄRZ 2015, SO, 12. APRIL 2015 und DO, 21. MAI 2015

Karten und Infos unter 0231 50 27 222 oder www.theaterdo.de




XXS – kurz, aber gehaltvoll

Am 13. September 2014 war es wieder so weit. Die WAM-Medienakademie lud zum traditionellen XXS-Kurzfilmfestival ins Dortmunder Schauspielhaus ein. 10 Kurzfilme buhlten um die Gunst des Publikums und der Jury und zwei Kurzfilme bekamen Sonderpreise.

Ich möchte hiermit eine Lanze für die skurrilen, oftmals lustigen und bizarren Kurzfilme brechen, die weder eine Chance auf den Jury- oder Publikumspreis haben. Sie gehören einfach zum Festival dazu und sind meiner Meinung das Salz in der Suppe. Filme wie „Herr Peters und das Huhn“ oder „Einer geht noch“ sind für mich Beispiele für Möglichkeiten, mit dem Genre Kurzfilm kreativ umzugehen. Auch der schön erzählte Film „Auf den Hund gekommen“ gehört für mich ebenso in diese Kategorie, wie der eher dokumentarisch angelegte Film „Grüneres Gras“.

Gewonnen haben andere Filme und ich kann die Begründungen durchaus nachvollziehen. In der Jury saßen die Schauspieler Markus Majowski, Thomas M. Held,Miloš Vuković und Chefdramaturg Michael Eickhoff, als Ehrengast war erneut Markus Knüfken mit von der Partie. Auf Platz 3 der Jury kam gleich der zuerst gezeigte Film „La carte“ aus Frankreich. Typischerweise eine romantische Geschichte zweier Postkartenfiguren, die nach vielen Mühen zueinander finden. Wenn der italienische Beitrag „Nella tasca dem capotto“ übersetzt „In der Manteltasche“, den ersten Preis gewonnen hätte, wäre es keine Überraschung. Die Geschichte von Luke, der sich wegen der häuslichen Gewalt in eine Fantasiewelt flüchtet und von dort seine Kraft für den Widerstand findet, wurde hervorragend umgesetzt. Es reichte für den zweiten Platz der Jury.

Den ersten Platz erhielt „Alerik“, eine deutsch-mazedonische Koproduktion. Der Zeichentrick-, bzw. Knetpuppenfilm bestach durch seine Detailverliebte Machart und die Emotionalität ihrer Figuren. Im der Geschichte verliert er junge Alerik seinen Großvater im Krieg und wird aus Rache selbst Teil dieser Kriegsmaschinerie. Mir persönlich wurde bei der Moral ein bisschen zu dick aufgetragen. Wie man solche Themen anders verpacken kann zeigte der Film „Das Phallometer“, bei dem es um einem sehr pikanten Test geht, um Fluchtgründe zu überprüfen.

Den Publikumspreis gewann „Coming out“. Hier möchte die Tochter ausgerechnet an Mutters Geburtstag erzählen, dass sie lesbisch ist, doch vorher gibt es große Überraschungen.

Fehlt noch ein Film: „Im Antlitz des Bösen“. Der Thriller hatte einen kleinen Nachteil. Man wusste sehr sehr schnell Bescheid, wie der Hase in der Geschichte zwischen Interviewer und Schriftstellerin laufen würde.

Die zwei Sonderpreise gingen an „Business as ususal“ (XXS-Filmpreis für Menschenrechte) sowie an „Molly und Andy“ (DEW 21 Kreative-Energie-Preis).

Durch das Programm führten dieses Jahr Lukas Gajewski und Konstantin Fischer. Bei ihrer leicht schnoddrigen Moderation zündete nicht jeder Gag (warum die Geldpreise immer in Mark genannt wurden, habe ich leider nicht verstanden), aber sie nahmen sich nicht allzu ernst und führten locker durch den Abend.




Denkmaltag 2014 in Farbe

Kirchenfenster in St. Reinoldi. (Foto: © R. Glahs)
Kirchenfenster in St. Reinoldi. (Foto: © R. Glahs)

Farben begleiten uns durch den Tag. Und sie haben auch eine ganz bestimmte Bedeutung, beispielsweise in der Kirche. Dort gibt es im Laufe des Jahres verschiedene liturgische Farben, die Kirchenfenster zeigen ihre Farben ganzjährig. Am 14. September ist der „Tag des offenen Denkmals“. Im Mittelpunkt dieses Tages stehen zwar die Kirchen, doch es gibt auch noch ein paar weltliche Orte, die zu besuchen sind.

Ein besonderes Erlebnis: die geführte Fahrradtour zu sieben evangelischen und katholischen Kirchen am östlichen Hellweg. Im Mittelpunkt stehen die prächtigen Kirchenfenster in ihrer ganzen Bandbreite. Je nach Sonnenstand und Lichteinfall warten unterschiedliche, immer spannende Eindrücke. In jeder Kirche bekommen die mobilen Denkmalstagbesucher in circa 15 Minuten Informationen über die Besonderheiten der jeweiligen Fenster. Die Tour startet um 11 Uhr an der Jakobuskirche, Eichendorffstraße 31, und geht bis circa 16 Uhr. Für die Verpflegung sind die Teilnehmer selbst verantwortlich. Ansprechpartner: Pfarrer Tong Rosiepen, T. 0231-253240, eMail: rosiepen@posteo.de

Darüber hinaus gibt es weitere Kirchen, die an diesem Tag zwischen 11 und 17 Uhr geöffnet haben: Ev. Stadtkirche St. Georg (Lünen), Martin-Luther-Kirche (Brambauer), St. Johann Baptist (Brechten), St. Dionysius (Kirchderne), Ev. Kirche Husen (Husen), Segenskirche (Lindenhorst), Bartholomäuskirche (Lütgendortmund), Immanuel-Kirche (Marten), Ev. Stadtkirche St. Petri (Innenstadt),Ev. Stadtkirche St. Reinoldi (Innenstadt), Kirche am Hellweg (Brackel), Luther-Kirche (Asseln), Johannes-Kirche (Wickede), Ev. Kirche St. Georg (Aplerbeck), Alte Kirche (Wellinghofen), Margarethenkapelle (Barop),St. Nicolai (Innenstadt Süd) und Paul-Gerhardt-Kirche (Innenstadt Süd). Der Eintritt ist frei.

Doch es gibt auch weltliche Gebäude, die an diesem Tag offen sind. Hier einige Beispiele.

Auf den Spuren des Amtsbaumeisters Stricker 10 und 14 Uhr führt Klaus Winter, Historischer Verein für Dortmund und die Grafschaft Mark e. V., die Interessierten. Die Führungen beginnen am Aplerbecker Marktplatz (Ewaldi-Denkmal) und enden am Grab Strickers auf dem Kommunalfriedhof. Kontakt: Klaus Winter,Tel. 0231 454430, kw44287@t-online.de

Die Hörder Burg hat ebenfalls geöffnet. 11 – 17 Uhr. Zu sehen sind die Ausstellungsräume in der Hauptburg und die Museumsräume im Westflügel. In der Burg zeigt Heribert Wölk eigene Filme zum Thema „Farbe“.

Um 14 Uhr startet Willi Garth, 1. Vorsitzender des Vereins zur Förderung der Heimatpflege e. V.,zu einer rund einstündigen Führung durch Hörde zu farbigen Fassaden.

Kontakt: Willi Garth, Tel. 0231 730511, wgarth@web.de

Helmut Broich, Geschäftsführer des Vereins zur Förderung der Heimatpflege e. V., Tel. 0231 464877, Helmut.Broich@t-online.de

Auf der Kokerei Hansa wird von 11 – 17 Uhr die Ausstellung „Bunte Vielfalt auf Hansa“ gezeigt. Eröffnung mit Musik um 11 Uhr. Zusätrzlich gibt es über den Tag verteilt weitere kulturelle Programmpunkte.

Für alle, die an Industrienatur interessiert sind, bietet der RVR RUHR Grün spezielle Naturführungen an, die einen Einblick in die exotische Pflanzenwelt auf Hansa geben;

Kontakt: Anna Gerhard, Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur, Tel 0231 93112242, gerhard@industriedenkmal-stiftung.de

Da es in diesem Jahr keine zentrale Veranstaltungsbroschüre gibt, sind nähere Informationen, Adressen, Treffpunkte und Uhrzeiten auf den Internetseiten der Einzelveranstalter und auf der Internetseite der Stadt Dortmund (www.dortmund.de) zu finden. Das bundesweite Programm gibt es auf der Internetseite der Deutschen Stiftung Denkmalschutz unter www.tag-des-offenen-denkmals.de




Minority Report – Matchbox, Barbies und Schauspieler

Ekkehard Freye als Jad Fletcher sieht die Kugel rollen. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Ekkehard Freye als Jad Fletcher sieht die Kugel rollen. (Foto: © Birgit Hupfeld)

„Hollywood wird unterschätzt, die machen echt gute Plots und können gute Geschichten erzählen“, die Aussage von Regisseur Klaus Gehre wird vielleicht manchem sauer aufstoßen, doch ganz Unrecht hat er nicht. Gehre hat in der Vergangenheit schon öfter Hollywoodfilme auf die Bühne gebracht wie beispielsweise „Fluch der Karibik“ oder „Surrogates“. In Dortmund hat sein Live-Film „Minority Report“ Premiere am 14. September 2014 um 18 Uhr im Studio Dortmund.

Der Film „Minority Report“ von Steven Spielberg aus dem Jahre 2002, basierend auf der Kurzgeschichte von Philip K. Dick, „gehört zum Visionärsten, was die Popkultur zu bieten hat“, so Dramaturg Alexander Kerlin. Vielleicht liegt es daran, dass der Film das Thema „Big Data“ vorweg nimmt. Denn wenn man nur genug Daten hat, kann man möglicherweise in die Zukunft schauen und vorausberechnen, was dieser oder jener für eine böse Tat tun wird.

Darum dreht sich die Kurzgeschichte und der Film. Mord ist in der Zukunft Vergangenheit, denn durch das Frühwarnsystem „Precrime“ werden die zukünftigen Mörder vom Leiter John Anderton festgenommen, bevor sie ihre Taten begehen. Die Vorhersagen stammen vom Precog Agatha, die unter Zugriff auf riesige Datenberge Algorithmen entwirft, die die Taten vorhersagt. Doch plötzlich sagt Agatha den Mord an einen Unbekannten namens Leo Crow voraus. Der Täter ist John Anderton selbst.

Neun Kameras werden auf drei Leinwänden einen Live-Film kreieren. Es soll auf eine „zarte Weise ein leicht trashige Variante des Hollywood-Films entstehen“ (Kerlin). Mit Barbie-Puppen, Matchbox-Autos und ähnlichen Hilfsmitteln werden digitale Filmwelten auf analoge Art imitiert, quasi im Do-it-yourself verfahren.

Das Stück dreht sich um die Frage, wer hat Zugriff auf „Big Data“, auf all die Informationen, die wir im Internet und anderswo hinterlassen. Ist es positiv, wenn uns ein Plattenladen Empfehlungen gibt aufgrund unserer bisherigen Einkäufe oder will er uns nur beeinflussen, um seine Produkte zu verkaufen. Für Regisseur Klaus Gehre steht fest: „Das 21. Jahrhundert ist das Jahrhundert der Freiheit“. Doch man kann durchaus gespaltener Meinung sein: Ist der immer größer werdende Pool an Informationen ein Gewinn oder Verlust an Freiheit?

Natürlich werden auch Schauspieler mitwirken: Ekkehard Freye, Björn Gabriel, Julia Schubert und Merle Wasmuth werden als Akteure im Studio zu sehen sein.

Die Zuschauer können ebenfalls eine aktive Rolle einnehmen, denn es wird die App „Precog“ für Android oder Apple zum herunterladen geben.

Neben der Premiere am 14. September gibt es weitere Termine am: SO, 21. SEPTEMBER 2014, SA, 18. OKTOBER 2014 und DO, 23. OKTOBER 2014.

Infos und Karten unter www.theaterdo.de oder 0231 50 27222.




Hamlet – Zwischen Überwachung und Voyeurismus

Hamlet, Prinz von Dänemark: Eva Verena Müller. (Foto: © ©Edi Szekely)
Hamlet, Prinz von Dänemark: Eva Verena Müller. (Foto: © ©Edi Szekely)

Wir sind zwiegespalten – einerseits fürchten wir uns vor einer Überwachung und auf der anderen Seite machen wir „Selfies“ und geben unsere Daten freiwillig jedem, der sie haben will. Die Hamlet-Inszenierung von Kay Voges zeigt den dänischen Prinzen als Zweifler, der sich nicht entscheiden kann: alles hinnehmen oder gegen das Überwachungssystem kämpfen. Die Premiere ist am Freitag, den 12. September um 19:30 Uhr.

Hamlet ist eines der am häufigsten gespielten Stücke in der Theaterwelt. „Wir haben uns gefragt, warum dies so ist“, so Regisseur und Intendant Kay Voges. Den Schwerpunkt legt Voges auf das Thema Überwachung. „Bei Hamlet gibt es beispielsweise mit Polonius jemanden, der ständig hinter einem Vorhang lauscht“, gibt Voges ein Beispiel. Auch die Studienfreunde von Hamelt, Rosencrantz und Guildenstern, sind ja nichts weiter als verkappte Spione.

Fünf Kameras und eine Kinect-Kamera werden das Geschehen aufnehmen. Wird es eine Art Live-Film werden wie beim „Fest“. „Nein“, widerspricht Voges, „es ist eher wie in einer Überwachungssituation. Stellen Sie sich ein Fußballstadion vor. Dort kann die Polizei auch in verschiedene Fanblöcke schalten, um zu sehen, ob dort irgendetwas passiert.“

Daher ist das Bühnenbild sehr wichtig. Kreiert hat es Pia Maria Mackert, die für den Theaterpreis „Faust“ nominiert wurde. „Der Zuschauer kann mehr sehen“, verspricht Dramaturgin Anne-Kathrin Schulz. Dafür sollen die beiden Kameraleute Jan Voges und Robin Otterbein sorgen. Das Kamera-Konzept stammt vom Videokünstler Daniel Hengst, für die Video-Art ist Programmierer Lars Ullrich zuständig. Paul Wallfisch ist für die Musik zuständig.

Mit Eva Maria Müller hat Voges den Hamlet mit einer Frau besetzt. Ungewöhnlich, aber nichts Neues, unter anderem hat schon Asta Nielson 1921 einen weiblichen Hamlet gespielt. Ein Wiedersehen gibt es mit zwei Gästen: Christoph Jöde spielt Laertes, den Sohn von Polonius und Michael Witte, der bei „Nora und die Gespenster“ in Dortmund aufgetreten ist, spielt Polonius.

Für die Premiere am 12. September gibt es noch Restkarten, weitere Termine sind: SO, 21. SEPTEMBER 2014, MI, 01. OKTOBER 2014. FR, 14. NOVEMBER 2014, FR, 12. DEZEMBER 2014, SA, 27. DEZEMBER 2014, DO, 08. JANUAR 2015, SA, 14. FEBRUAR 2015, MI, 04. MÄRZ 2015, SO, 12. APRIL 2015 und DO, 21. MAI 2015

Karten und Infos unter 0231 50 27 222 oder www.theaterdo.de




Ein musikalisches Märchen

Rada Radojcic als Titelheldin Rada. (Foto: © Maja Sternberg)
Rada Radojcic als Titelheldin Radda. (Foto: © Maja Sternberg)

Im 19. Jahrhundert entdeckten Künstler die „Zigeuner“ als romantische Projektion für Freiheit und antibürgerliche Lebensweise. Viktor Hugo präsentierte die stolze Esmeralda in „Der Glöckner von Notre Dame“, George Bizet vertonte die Geschichte der „Carmen“ und in Russland schrieb Maxim Gorki seine erste Erzählung „Makar Tschudra“. Hier spielt die Suche der Zigeunerin Radda nach Liebe und Zweisamkeit die zentrale Rolle. Radda und Carmen haben viele Gemeinsamkeiten, auch Raddas Leben endet tragisch.

Das Theater im Depot zeigt „Makar Tschudra. A Gypsy tale“ als musikalisches Märchen. Premiere ist am 12. September 2014 um 20 Uhr.

In der Parabel von Gorki erzählt ein alter Zigeuner, Makar Tschudra“ einem Schüler die Geschichte von Radda, die Liebe sucht. Doch die Liebe scheitert am Leben und das Leben scheitert an der Liebe. Ähnlich wie bei „Carmen“ zeigt die Geschichte Radda als quasi moderne Frau, die ihr (Liebes-)Schicksal selbst in die Hand nehmen möchte. Doch wie bei ihrer spanischen „Schwester“ endet es tragisch.

Das Stück wird eine Mischung zwischen Konzert, Tanz und Theater oder wie es Regisseur Jens Wachholz sagt: „Es ist ein großes musikalisches Theater“. Dabei war Wacholz wichtig, die Poesie des Stückes einzufangen. Auf eine vorgefertigte Dramaturgie wird verzichtet. „Wir wollen dem Zuschauer viele Freiheiten geben, über Bilder Zugang zu dem Stück zu bekommen“; so der Regisseur.

Drei Darsteller und ein Musiker bevölkern die Bühne. „Die Lieder, die wir singen und spielen sind traditionelle Roma-Lieder, die teilweise aus dem Film „Ein Zigeunerlager zieht in den Himmel“ aus dem Jahre 1976 stammen und teilweise haben wir die Lieder selbst recherchiert“, so Schauspielerin und Sängerin Rada Radojcic.

Mit dabei ist Dragan Mitrovic, der Akkordeon-Spieler hat langjährige Banderfahrung unter anderem mit „KAL“ oder aktuell den „Gipsy Pearls“. Hinzu kommen noch Miroslav Vukovic als Tänzer und Regisseur Jens Wachholz.

Das Stück wird am 12. und 13. September 2014 jeweils um 20 Uhr gespielt, dann am 20. September 2014 (ebenfalls 20 Uhr) im Rahmen des „Djelem Djelem“ Festivals und im Oktober am 18. (um 20 Uhr) und 19. Oktober (um 18 Uhr). Für alle Vorstellungen gibt es noch Karten.




Ballettgala geht in Runde 20

Wieder dabei: Otto und Jiři Bubeniček.
Wieder dabei: Otto und Jiři Bubeniček. (Foto wurde vom Theater Dortmund zur Verfügung gestellt)

Am 27. und 28. September 2014 ist es wieder soweit: Die 20. Internationale Ballettgala am Dortmunder Theater zeigt wieder einen Querschnitt durch die Ballettgeschichte und hat erneut bekannte Tänzerinnen und Tänzer eingeladen.

„Die Internationale Ballettgala ist seit 10 Jahren unser großes Markenzeichen“, betonte Ballettmanager Tobias Ehinger. „Wir wollen eine möglichst große Bandbreite des Tanzes zeigen“. Zum ersten Mal mit dabei ist das NRW Juniorballett, dass sich dieses Jahr gegründet hat. Premiere in Dortmund feiert unter anderem der Argentinier Proietto vom Norwegian National Ballet.

Für Freunde des klassischen Balletts gibt es bei der Ballettgala Stücke wie „Giselle“, getanzt von Mathilde Froustey und Davit Karapetyan, beide vom San Francisco Ballet), „Le Corsaire“ getanzt von Yanela Piñera und Camilo Ramos vom Ballet Nacional de Cuba. Fast gegen ende erwartet den Besucher noch ein Grand pas de deux aus dem „Schwarzen Schwan“ mit Iana Salenko und Steven McRae.

Neben Steven McRae gibt es ein Wiedersehen mit den beiden Tanz-Zwillingen Otto und Jiři Bubeniček. Sie werden zusammen mit Jon Vallejo in „Canon in D-Major“ zur gleichnamigen Musik von Johann Pachelbel auftreten.

Freunde des modernen Tanzes werden ebenfalls ihre Freude an der Ballettgala haben. So ist „Sinnerman“ getanzt von Daniel Proietto, ein außergewöhnliches Stück. „Es ist eine komplett andere Bewegungssprache“, erklärte Ehinger. Proietto wird auch im zweiten Teil des Abends mit „Carolyn“ den etwas anderen Umgang mit Choreographie zeigen. Humorvoll geht es im Stück „Sofa“zu, das eine Hausgemeinschaft beim gemeinsamen Fernsehschauen zeigt. Tanzen werden hier Anneleen Dedroog, Rosario Guerra und Florian Lochner von Gauthier Dance. Dessen Gründer Eric Gauthier hat mit dem Stück „Freistoß“ noch eine Überraschung versprochen.

Eine Ballettgala wäre nicht komplett, wenn nicht das Dortmunder Ballett auch einige Repertoirestücke aufführen würde. So beginnt die 20. Ballettgala mit dem Walter aus „Schwanensee“. Nach der Pause zeigt die Dortmunder Ballettcompagnie „Drei Dämonen“ aus dem Ballett „Orpheus“, das während der Gluck-Festspiele in Fürth gezeigt wurde.

Das NRW Junior Ballett präsentiert sich mit dem „Trio aus Krieg und Frieden“ sowie dem Schlussstück „Eine volle halbe Drehung“. „Beim NRW Juniorballett werden potentielle erste Solisten für zwei Jahre trainiert“, so Ehinger.

Durch das Programm führt in seiner altbewährten charmanten Art Kammersänger Hannes Brock.

Für den 27. September 2014 gibt es noch 250 Karten, für den 28. September 150 Karten.

Karten sind erhältlich unter 0231 5027222 oder unter www.theaterdo.de




Erinnerungsfilm mit dokumentarischen Anstrich

Zeigten sich erfreut über den neuen Sammlungszugwinn (v.l.n.r.) Dr. Barbara Könches (Kunststiftung NRW), Stephanie Seidel (Kuratorin, Kunststiftung NRW), Azin Feizabadi (Filmemacher), Daniela Ihrig (Projektleiterin Museum Ostwall) und Prof. Dr. Kurt Wettengl (Direktor Museum Ostwall). (Foto: © Anja Cord)
Zeigten sich erfreut über den neuen Sammlungszugwinn (v.l.n.r.) Dr. Barbara Könches (Kunststiftung NRW), Stephanie Seidel (Kuratorin, Kunststiftung NRW), Azin Feizabadi (Filmemacher), Daniela Ihrig (Projektleiterin Museum Ostwall) und Prof. Dr. Kurt Wettengl (Direktor Museum Ostwall). (Foto: © Anja Cord)

Die Kunststiftung NRW bringt zu ihrem 25jährigen Bestehen 25 Künstlerinnen und Künstler mit 25 Museen zusammen, um die kulturelle Bedeutung der Museen herauszuarbeiten. In Dortmund präsentiert der deutsch-iranische Künstler Azin Feizabadi im Museum Ostwall seinen Film Cryptomnesia“.

In seinem Film „Cryptomnesia“ verknüpft der Filmemacher Feizabadi die Erinnerungen an seine Flucht mit seiner Mutterbaus dem Iran mit der Geschichte Dortmund. Die Hauptfigur wird zum Stadtpatron Reinoldus, doch brechen immer wieder Erinnerungen an die lange Reise durch Europa auf. Der Film stellt die Frage nach der Wahrhaftigkeit unserer Erinnerungen. Wie archivieren wir sie? So erzählte Feizabadi über eines seiner Erinnerungen, die seiner Meinung nach in Österreich spielen musste. Doch die Erinnerungen haben ihn getäuscht, er war nie in Österreich.

Das Kunststiftung hat bewusst keine Künstler aus NRW genommen, um anderen Künstler Einblicke in das Land zu gestatten und auch andere Auffassungen von Kunst unjd Kultur zuzulassen.

Der 73minütige Film wird vom 07. bis zum 21. September 2014 in der Dauerausstellung des Museums Ostwall zu sehen sein und wird dann in die Sammlung aufgenommen.




Berauscht euch!

Im Rausch der Farben. (Foto: © Dirk Baumann)
Im Rausch der Farben. (Foto: © Dirk Baumann)

Unter dem Motto „RAUSCH SUCHT SEHNSUCHT“ geht die Herbstakademie des Schauspiel Dortmunds in die zweite Runde. Nachdem im vergangenen Jahr in der Stadt nach Arm und Reich gesucht wurde, dreht sich vom 06. bis 11. Oktober 2014 alles um Rauschzustände, Glück und Extase. Es geht um Fragen wie: Welche Sehnsucht steckt im Ruasch? Welchen Rausch braucht die Stadt? Wie entsteht ein Schaffensrausch?

100 junge Menschen zwischen 16 und 21 Jahren gehen auf eine künstlerische Forschungsreise und erforschen die Abgründe von Rausch, Sucht und Sehnsucht. Doch keine Angst, denn in den sechs Tagen wird die Rauscherfahrung ohne psychotrope oder andere Substanzen erlebt. „Wir haben wieder ein Thema genommen, was auf der Straße liegt“; so Dramaturg Dirk Baumann. In den Woche in den Herbstferien werden die Jugendlichen fünf Tage lang in fünf „Instituten“ arbeiten und am sechsten Tag gibt es eine Präsentation im ganzen Haus. „Wir wollen den jungen Leuten das ganze Haus Verfügung stellen“, so Theaterpädagogin Sarah Jasinszczak.

Das Institut 1 beschäftigt sich mit Tanz. Hier ist Leandro Kees der Leiter und wird mit elektronischer Musik und Tanz die Teilnehmer zu einem besonderen Trip führen. Marcel Sparmann und Björn Neukom leiten das Institut 2, in dem es über Performance geht. Stichwort: Rausch(en) als sinnliches Phänomen. Das Institut 3 widmet sich der bildenden Kunst und hat zwei Künstlerinnen aus dem Dortmunder Künstlerhaus als Leiterinnen Barbara Koch und Sandra Linde. Hier ist das Motto: H.O.P.S. High ohne psychotrope Substanzen. Tanja Krone leitet das Institut 4 (performing music) und hat die Forderung: Rausch muss für alle und umsonst sein. Mal schauen, wie sie und ihre Teilnehmer das hinbekommen. Ein besonderes Institut ist das Institut X, das sich mit Theater und Gaming beschäftigt. Hier dürfen Jugendliche aus der Dortmunder Nordstadt und aus Scharnhorst bevorzugt mitmachen.

Es gibt jeden Tag während der Herbstakademie ein gemeinsames Mittagessen. Die Kosten belaufen sich auf 60 €. Das Schauspiel Dortmund hofft auf sogenannte Kulturpatenschaften, die für Teilnehmer aus sozial schwachen Schichten die Teilnehmergebühr übernehmen.

Denn die Erfahrung zeigen positive Effekte. Die Jugendlichen lernen nicht nur das Schauspiel kennen, sondern sind auch an anderen Sparten sehr interessiert. Zwanzig Prozent haben sich danach in andere Projekte rund um das Theater wieder engagiert.

In allen Instituten gibt es noch freie Plätze. Anmeldung ist möglich unter 0231/5022555 bzw 0231/5025541 oder unter herbstakademie@theaterdo.de