Die unglaubliche Reise ins Herz der katholischen Aufklärungsliteratur

Leon Müller, Ekkehard Freye und Mitglieder des Dortmunder Sprechchors (Foto ©Birgit Hupfeld)
Leon Müller, Ekkehard Freye und Mitglieder des Dortmunder Sprechchors (Foto ©Birgit Hupfeld)

Wenzel Storch wollte sein erstes Theaterstück „Komm in meinen Wigwam“ nicht als Satire verstanden haben. Doch der harte Realismus der katholischen Aufklärungs- und Anstandsliteratur der 50er und 60er allein reichte aus, um die Besucher der Premiere am 17. Oktober im Studio ständig zum kichern zu bringen. Es ging um die Werke des späteren Ehrenprälat Bernhard Lutz, der als Autor in seinen Werken eine wahre Pracht von knospenden Blüten und Stengeln zum Lobpreise Gottes wachsen ließ.

Ein Gemeindehaus im Irgendwo. Gut katholisch in lila ausgestattet mit einer Kanzel. Ekkehard Freye gibt eine Art Gemeinderatsvorsitzenden, der durch einen wahrlich bunten Abend führt. Thema ist das Werk von Bernhard Lutz. An seiner Seite sind zwei Ministranten (Maximilian Kurth und Finnja Loddenkemper vom Jugendclub Theaterpartisanen) und ein Wissenschaftler, der von Thorsten Bihegue dargestellt wird. Bihegue ist eigentlich Dramaturg am Haus, doch nach seiner schauspielerischen Leistung am Freitag könnte man problemlos sagen: Das Schauspielensemble hat ein neues Mitglied gewonnen.

Stilecht werden wir in die 50er Jahre geführt, wenn Kaplan Buffo (Heinrich Fischer vom Seniorentheater) mit einem Mädchen (Jana Katharina Lawrence) und einem Jungen (Leon Müller) in zeitgenössischer Kleidung sehen. Auch Lawrence und Müller sind Mitglieder der Theaterpartisanen Buffo dient als eine Art Reinkarnation von Lutz.

Wie sollte es auch anders sein, es wird viel aus den Werken von Lutz und auch teilweise auch anderen katholischen Aufklärungsautoren rezitiert. „Ein fröhlicher Fabulant“ nennt unser Wissenschaftler Lutz einmal. Lutz hat aber nicht nur eine kirchliche Karriere, sondern war im Zweiten Weltkrieg auch Bomberpilot, so dass er auch bei Streitigkeiten durchaus physische Gewalt empfiehlt. Ein kleiner Don Camillo eben.

Die Sprache und vor allem die Metaphern die Lutz benutzt hat, klingt für unsere Ohren 60 Jahre später extrem komisch. Sätze, die vielleicht 1951 noch unschuldig klangen, haben manchmal eine eindeutig zweideutige Konnotation bekommen. Heute denkt kaum jemand bei Titeln wie „Peter legt die Latte höher“ nur an Stabhochsprung. Vor allem nicht, wenn der Junge auf dem Titelbild uns mit dem Hintern (auch Allerwertester genannt) entgegenkommt.

Doch mit blühenden Wiesen und ihren sprießenden Knospen brauchten die Zuschauer nicht nur ihre Phantasie bemühen. Dank der wunderbaren Arbeit von Pia Maria Mackert, die für Bühne und Kostüme zuständig war, erwachten die Stengel plötzlich zum Leben, auch tanzende Nonnen bevölkerten die Bühne. Unter den Kostümen verbargen sich Mitglieder des Dortmunder Sprechchors.

Wenzel Storch, der nach eigenen Angaben katholisch erzogen wurde, hat in „Komm in meinen Wigwam“ (ja, das ist das Lied von Heino und kam auch zu Gehör), eine ganze Menge aufgearbeitet. Seiner Leidenschaft für christlichen Pop und die Kastelruther Spatzen wurde ebenfalls gefrönt. Und natürlich dem Mann ein Denkmal gesetzt, dessen Werke eine weite Verbreitung fanden, der aber heutzutage vergessen ist. Weder im Kirchenlexikon noch bei Wikipedia taucht Bernhard Lutz auf, der mit seinem „poetischen Realismus“ und seinen „sakral-psychedelischen“ Zeichnungen, in der katholischen Sexualmystik der 50er und 60er Jahre führend war. Die 70er Jahre haben in dann weggespült.

Bei aller Ironie und vielen Gelegenheiten zum Schmunzeln ist der ernste Hintergrund angesichts der in den letzten Jahren öffentlich gewordenen Pädophilie-Skandalen in der katholischen Kirche im Hintergrund gegenwärtig. Sieht man von Freye und Bihegue ab, waren nur Laien auf der Bühne, ein Umstand, den Storch durchaus bevorzugt. Alles in allem war es ein gelungener Abend.




Am Ende der Illusion

Der tote Bruder Ben (Uwe Rohbeck), ganz in Weiß, ist Willys (Andreas Beck) Vorbild. Denn er hatte es "geschafft" und ist reich geworden. (Foto: © Birgit Hupfeld)
Der tote Bruder Ben (Uwe Rohbeck), ganz in Weiß, ist Willys (Andreas Beck) Vorbild. Denn er hatte es „geschafft“ und ist reich geworden. (Foto: © Birgit Hupfeld)

Die niederländische Regisseurin Liesbeth Coltof ist eine Meisterin im Erzählen von Beziehungsgeschichten. Wurden uns die Lebenslügen eines Paares in „Wer hat Angst vor,Virginia Woolf“ vor Augen geführt, erzählte sie in Verbrennungen die berührende Geschichte einer Familie, die in den Bürgerkriegswirren des Nahen Ostens ihre Wunden davontrug. Jetzt inszeniert sie „Tod eines Handlungsreisenden“. Ein Stück über den Verfall der Mittelschicht. Die Premiere ist am 18. Oktober.

Willy Loman ist seit Jahren an der Vertriebsfront. Er ist Handlungsreisender in Sachen Textilien. Doch mit den Jahren läuft es nicht mehr so gut, seine Kunden werden ebenfalls älter, die Wirtschaft verändert sich, alles wird unpersönlicher. Die Familie hat zwar immer weniger Einkünfte, aber am Status Quo wird weiterhin festgehalten. Willy setzt seine Hoffnungen vor allem in seinen ältesten Sohn Biff, der soll es „schaffen“. Doch Biff hat andere Pläne. Am Ende steht Willy vor den Scherben seines Lebens und seinen Werten. Für ihn gibt es nur noch einen Ausweg.

In Tod eines Handlungsreisenden von Arthur Miller geht es um den verzweifelten Kampf der Mittelschicht gegen den sozialen Abstieg. Die Fassade muss um jeden Preis aufrecht erhalten werden. Statussymbole werden angeschafft, auch wenn man sie sich eigentlich nicht leisten kann. Zwar spielt das Stück im Original in Amerika und nimmt den amerikanischen Traum unter die Lupe, doch Coltof hat es bewusst in Dortmund angesiedelt, weil „es eine Geschichte von Dortmund, von Deutschland, von Europa ist.“ Denn überall geben die Menschen mehr Geld aus, als sie besitzen, nur um mit dem Nachbarn oder Freunden konkurrieren zu können. Bis es dann in die Privatinsolvenz geht. Daher ist die Bühne voll mit Waschmaschinen, Kühlschränken und ähnlichen Dingen, die man sich zulegt, um sie dann auf Raten zurückzubezahlen.

In ihrer dritten Produktion setzt Coltof zwar auch Videotechnik ein, aber sehr sparsam, erzählt die Regisseurin. Es werden vor allen Szenen aus Dortmund gezeigt, wie der Westenhellweg oder die B1.

Hier erzählt Regisseurin Liesbeth Coltof über ihre Inszenierung: [youtuber youtube=’http://www.youtube.com/watch?v=e3-55wQh8PM‘]

Für die Premiere am 18.Oktober gibt es noch Restkarten. Weitere Termine:DO, 23. OKTOBER 2014, FR, 24. OKTOBER 2014, SA, 08. NOVEMBER 2014, SO, 23. NOVEMBER 2014, MI, 03. DEZEMBER 2014, FR, 19. DEZEMBER 2014, FR, 26. DEZEMBER 2014, SO, 28. DEZEMBER 2014, SO, 11. JANUAR 2015, MI, 18. FEBRUAR 2015, MI, 11. MÄRZ 2015, SO, 19. APRIL 2015, FR, 22. MAI 2015 und DO, 11. JUNI 2015

Karten und Informationen: 0231 50 27222 oder www.theaterdo.de




Einblicke in die Welt der katholischen Sexualmystik

Wenzel Storch gibt uns Einblicke in die katholische Sexualmystik der 50er und 60er Jahre.
Wenzel Storch gibt uns Einblicke in die katholische Sexualmystik der 50er und 60er Jahre.

„Peter legt die Latte höher“. Nein, das ist kein Titel eines Sexfilmchens aus den 70er Jahren, sondern der Titel eines Buches von Berthold Lutz. Lutz (1923-2013) war päpstlicher Ehrenprälat und hat in den 50er und 60er Jahren viele Aufklärungs- und Anstandsbücher veröffentlicht. Und wer könnte uns in die Welt voll schwellender Stengel und anderen erotischen Blumenmetaphern besser versetzen als Filmemacher Wenzel Storch, der mit „Komm in meinem Wigwam“ in Dortmund sein erstes Theaterstück auf die Beine stellt. Am 17. Oktober ist Premiere.

„Ich hatte mit Theater nix am Hut“, erzählt Storch frei heraus. „Ich fand es blöd und es hatte mich nicht interessiert“. Durch die Arbeiten von Jörg Buttgereit am Theater Dortmund in den vergangenen Jahren hat sich die Meinung des Filmemachers doch gewandelt. Eine Art Meßdiener- und Bauerntheater schwebte Storch vor und er ist nach seinen Worten „naiv an die Sache herangegangen.

Herausgekommen ist ein halbdokumentarisches Stück über Bernhard Lutz, den Oswald Kolle der katholischen Sexualmoral. Es soll ein komisches Werk sein, was aber nicht als Satire angelegt ist. Es nimmt seinen Protagonisten und seine Zeit durchaus ernst.

Zur Geschichte: Kaplan Buffo, der älteste Kaplan des Bistums, unternimmt mit seinen kleinen Freunden eine Pilgerreise in die Welt der christlichen Sexualmystik. Doch nicht genug: Auf der Reise begegnet man unter anderem Heuschrecken, Krokodile und Ordensschwestern.

Obwohl Storch fast ausschließlich mit Laien arbeitet, in dieser Produktion unterstützen ihn Schauspieler Ekkehard Freye, Dramaturg Thorsten Bihegue und die Mitglieder des Jugendclubs „Theaterpartisanen“ sowie Mitglieder des Dortmunder Sprechchors.

Die Premiere und die Vorstellung am 24. Oktober sind bereits ausverkauft. Weitere Termine sind geplant.

Überschwängliche Stengel und andere Blumenerotik.
Überschwängliche Stengel und andere Blumenerotik.




Wie reagieren die Märkte?

Enten sind bei der Nahrungswahl nicht sonderlich wählerisch, sagt Wikipedia. Ob's bei dieser Ente anders ist? (Foto: © artscenico/Rolf Dennemann)
Enten sind bei der Nahrungswahl nicht sonderlich wählerisch, sagt Wikipedia. Ob’s bei dieser Ente anders ist? (Foto: © artscenico/Rolf Dennemann)

Der Markt scheint ein sensibles Wesen zu sein. Er reagiert empfindlich auf äußere Einflüsse, lebt vom Austausch von Informationen und ohne ihn wären wir ein Stück ärmer. Rolf Dennemann hat sich mit seiner Künstlergruppe artscenico die Mühe gemacht, den Markt zu erforschen. Doch hierbei geht es nicht um den abstrakten „Markt“, der Dax und Co beeinflusst, sondern um die regionalen Wochenmärkte. Genauer gesagt vor allem um den Sound des Marktes: Vom Rascheln der Einkaufstüten über den Stammkundenplausch bis hin zur Wahl der richtigen Kartoffel. Dadurch ist eine kaleidoskopische Anschau des lokalen Marktes entstanden: Mit Soundcollagen, Video-Clips und spontanen Performance-Einlagen. O-Töne und Bilder stammen von Märkten aus Dortmund, Bochum, Essen, Schwerte, Gelsenkirchen, Duisburg und Herdecke.

Seit Anfang 2013 gibt artscenico jungen KünstlerInnen Raum für eigene Entwicklung. Nach dem Wald-Tanz-Projekt „4-rest“ (Photini Meletiadis) und der deutsch-polnischen Kooperation „Schwerindustrie bin ich“ im September, folgt nun die Arbeit von knallrotfilme.de, gegründet von Absolventen der Fachhochschule Dortmund. Wiebke Becker und Maren Heyn und die Fotografin Magdalena Stengel haben sich dem Thema sensibel und engagiert genähert. Herausgekommen sind audio-visuelle Arbeiten, die nun an eigenen Marktständen der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Live-Performance: Unsere Darsteller werden zeitweise die Plätze der Verkäufer einnehmen oder ihnen assistieren. Es werden Ad-hoc-Aktionen entwickelt, ohne direkt in den normalen Ablauf des Marktgeschehens einzugreifen. Auch hier arbeitet artscenico mit neuen Gesichtern wie Marylin Pardo und Sermin Kayik. Dazu laden wir die Schauspieler Matthias Hecht und Elisabeth Pleß, sowie die Sängerin Denitsa Christo ein, sich als Kunden unters Volk zu mischen.

Wann – wo – was?

15.10.2014 – zwischen 10.00 und 14.00 Uhr – Ausstellungs-Installation und Aktionen – Hauptmarkt Dortmund (Hansaplatz)

16.10.2014 – zwischen 16.00 und 20.00 Uhr – Ausstellungs-Installation und Aktionen – Gelsenkirchen-Buer, Feierabend-Markt (Fußgängerzone / Domplatte)

18.10.2014 – zwischen 10.00 und 14.00 Uhr – Ausstellung-Installation und Aktionen – Markt Schwerte

Das Projekt findet 2015 seine Fortsetzung und soll in einer großen Installations-Performance enden, mutmaßlich am und im Dortmunder „U“. Eine europäische Dimension erhält die Aktion durch einen Antrag an die EU mit den Partnerländern Portugal und Litauen. Ziel ist eine „Europäische –Performance und Installations-Symphonie“ mit dem Sound des Europäischen Marktes. Es entstehen Aufnahmen in weiten Teilen Deutschlands, Polens, Litauens, Portugals, Frankreichs und anderen Orten. Teil der Aktion werden Portraits europäischer „Eiermänner“ sein, die überall auf den Märkten zu finden sind.




Guckt ja sowieso niemand

Nachdem ich mich von meinem altgedienten Schnittprogramm zwangsweise verabschieden musste, dauerte es leider ein paar Tage länger, bis ich mich mit Lightworks so gut auskannte, dass ich den Film über die Museumsnacht 2014 zu Ende bringen konnte. Manches ist leider noch nicht so perfekt, aber das wird noch.

Bedanken möchte ich mich bei Günther Ziethoff und seiner Galerie Gedankengänge, Galerie ART isotope, dem MKK; Galerie Dieter Fischer, dem Depot, der Galerie der kunstbetrieb, dem Atelierhaus Westfalenhütte und dem Dortmunder Kunstverein.

Einige Ausstellung laufen noch: Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall.

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Wenn Gott Platten sammelt

Soso, Gott liebt Country-Musik. Zumindest der Gott aus „Blasphemie eines Irren“ von Franz Werfel, dargeboten von Carsten Bülow unter der Regie von Stefan Schroeder im Foyer des Theaters im Depot am 03. Oktober 2014. Gottes Lieblingscountrymusik ist Deutschsprachig. Genauer gesagt Musik von Truck Stop. Cowboy-Romantik und Trucker-Idylle an Autobahnraststätten mit Namen wie „Illertal Ost“ oder „Pratteln“.

Schroeder und Bülow mischen Werfels Text mit seinem Duktus von 1914 mit Diskussionen über Musik und Plattensammlung. Im ersten Teil, der verhältnismäßig lang ist, versucht der Gastgeber seine Besucher davon zu überzeugen, dass er Gott sei. „Ich bitte Sie inständig“, kann Gott nur sagen, denn Wunder gehen leider nicht, denn schließlich sind die Naturgesetze eine Art Polizei. Schließlich versucht er die Besucher zu überzeugen mit dem Argument: „Das Bekenntnis zu meinen Fehlern als Beweis zu nehmen, dass ich Gott bin“.

Wie erwähnt liebt Gott Musik. Er nennt sich Musiker, aber ohne selbst Musik zu komponieren oder zu spielen, „Ich bin Musiker auf eigene Art“. Dennoch hat er eine vollständige Sammlung sämtlicher Musikinstrumente“. Einen anderen Sammelfimmel hat unser Gott für Schallplatten. Er sammle nur Originalplatten und die am besten in der Ausführung „mint“.

Und wo bleibt die Blasphemie? Die kam ein wenig im zweiten Teil auf. „Ich hasse die Gerechten und liebe die Sünder“, ruft Gott aus und trinkt dazu einen oder mehrere Pharisäer. Hui, dass ist aber vielleicht für Menschen aus dem Jahre 1914 verstörend, heute gehört dieser Satz vermutlich zu den Standartsätzen moderner Theologen.

Blasphemisch waren vielleicht die Aussagen, Gott habe Vorgänger, Gott existiere von Kreuzestod zu Kreuzestod und das er Vorgesetzte habe, die wiederum Vorgesetzte habe usw. usw.

Werfels Text, 1914 kurz vor Ausbruch der großen Weltkatastrophe geschrieben, wirkt 2014 in seiner Sprache etwas altertümlich. Die Kombination mit modernen Einsprengseln über Musik und Plattensammlung sorgen zwar für etwas Komik, sorgen aber für Brüche in der Sprache.

Letztlich sorgt allein Bülow durch sein Schauspiel dafür, dass das Stück nicht in Belanglosigkeit zerfällt. Er spielt den Gastgeber, also Gott, mit außerordentlicher Langmütigkeit, schafft es durch gezielte Pausen, dass der Fokus weiter auf ihn gerichtet bleibt und ging auch ab und an durch die Reihen und sprach das Publikum direkt an.

Zu erleben ist das Ein-Personen-Stück noch am 06. November 2014 um 20 Uhr.




Abtauchen in einen Sommernachtstraum

Das erste Konzert „Wiener Klassik“ am 29.September im Konzerthaus brachte mehrere Sparten zusammen: Schauspiel, Oper und natürlich die Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von Generalmusikdirektor Gabriel Feltz. Darüber hinaus war das Konzerthaus mit dem Sinfonischen Frauenchor der Chorakademie vertreten.

Doch zuvor stand Schuberts dritte Sinfonie in D-Dur auf dem Programm. Geschrieben 1815, ist sie in ihrer Gesamtheit erst 1881 uraufgeführt worden. Das relativ kurze (25 Minuten) Stück versprüht eine fröhliche Stimmung und wurde von Feltz und seinen Musikern entsprechend dynamisch aufgeführt. Das wurde vor allem im vierten Satz deutlich, als Feltz und die Musiker die Zuhörer zur schwungvollen Tarantella bat.

Nach der Pause wurde es voll auf der Bühne. Chor, zwei Solisten, zwei Erzähler und die Dortmunder Philharmoniker präsentierten „Ein Sommernachtstraum“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Die Geschichte um Puck, Oberon, Titiana, Zettel und weiteren Akteuren aus dem Elfen- und Menschenreich von William Shakespeare ist ein Klassiker. Die Musik von Mendelssohn-Bartholdy ebenfalls, wer kennt den berühmten Hochzeitsmarsch nicht.

Friederike Tiefenbacher und Frank Genser vom Dortmunder Schauspielensemble übernahmen die Sprechrollen, während Ileana Mateescu (Mezzosporan) und Talia Or (Sopran) die Solostimmen sangen, unterstützt vom Sinfonischen Frauenchor. Gabriel Feltz ließ es sich nicht nehmen, die Rolle des Erzählers zu übernehmen. Dennoch hätte dem Stück vielleicht ein weiterer Schauspieler gut getan, so wechselte die Rolle von Puck zwischen Genser und Teifenbacher. Gut, letztendlich sind wir nicht beim Schauspiel. Der Chor und die Solistinnen fügten sich dem musikalischen Rahmen wunderbar ein.

Das 1. Wiener Klassik Konzert hat schon ein deutliches positives Signal gesetzt, aber auch schon die Messlatte recht hoch gelegt. Auf die weiteren Konzerte der Wiener Klassik freue ich mich schon.




Ein Gott ohne Talent zum Singen

An einem ungewöhnlichen Ort wird das Stück „Blasphemie eines Irren“ am 03. Oktober und 06. November (jeweils um 20 Uhr) aufgeführt, nämlich im Foyer des Theaters im Depot. Das Ein-Personen-Stück von Franz Werfel wird von Schauspieler Carsten Bülow unter der Regie von Stefan Schroeder aufgeführt.

In dem Stück geht es um einen Mann, der offensichtlich an einem besonderen Ort lebt und sich für Gott hält, beziehungsweise die Besucher von dieser Tatsache überzeugen will. In dieser Rolle sieht sich Gott mit den Resultaten seiner Schöpfung konfrontiert und er not amused. „Es ist dumm gelaufen, wie er es erschaffen hat“, beschreibt Bülow die Stimmung Gottes. Jetzt wäre normalerweise der Punkt, das Theodizee-Problem anzusprechen, nach dem Motto Gott ist allmächtig, warum ist die Welt nicht perfekt. Doch in Werfels Geschichte ist Gott nicht allmächtig, sondern langmütig. „Verlangen sie von mir keine Wunder“, sagte er Erzähler einmal.

Bei all dem Frust über seine missratene Schöpfung, findet Gott Trost in der Musik. Aber auch hier warten die Einschränkungen. Er kann sehr schlecht singen. „Ich bin so wenig begabt“, gibt sich Gott doch sehr bescheiden. Ob das stimmt? Jeweils 40 Besucher haben die Chance, das herauszufinden.

Die Idee mit Musik zu arbeiten fügt etwas Neues an den Text von Werfel, der aus dem Jahre 1914 stammt. Die Verantwortungslosigkeit des Fin-de-siècle steht im Mittelpunkt. Hat der Text 100 Jahre später etwas an seiner Aktualität eingebüßt?




Keine Ausstellung für Coulrophobiker

Inke Arns hat die Ausstellung "Böse Clowns" kuratiert. (Foto: © Anja Cord)
Inke Arns hat die Ausstellung „Böse Clowns“ kuratiert. (Foto: © Anja Cord)

Clowns sind doch lustig, oder? Sie tauchen auf fast jedem größeren Kinderfest auf oder sind Bestandteil eines fröhlichen Kindergeburtstages. Dabei beschleicht Kindern wie Erwachsenen gleichermaßen ein ungutes Gefühl: Wer oder was verbirgt sich hinter dem grell geschminkten Gesicht? Die Ausstellung „Böse Clowns“ im Hartware MedienKunstVerein (HMKV)auf der dritten Etage des Dortmunder U betont die dunkle Seite der Spaßmacher. Die Ausstellung läuft noch bis zum 08. März 2015.

In der Ausstellung „böse Clowns“ wird auch der wohl berühmteste böse Clown präsentiert: Pennywise, die Hauptfigur aus dem Buch und dem Film „Es“ von Stephen King. doch er hat Vorbilder und Nachahmer. Dazu gehören fiktive Charaktere wie der Joker aus den Batman-Filmen und reale wie Pogo der Clown, der in den 70er Jahren 33 junge Männer vergewaltigte und ermordete.

Die Angst vor Clowns ist gar nicht so selten. Es gibt sogar einen Fachausdruck dafür: Coulrophobie. Vielleicht liegt es an der weißen Gesichtsfarbe, dir an Leichen erinnert oder der blutrote Mund, der etwas Vampirhaftes hat. Jedenfalls ist der „böse Clown“ in der Pop-Kultur ein fester Bestandteil. Ob es in der Antiwerbung (zu Ronald MacDonald), in Fernsehserien (Krusty der Clown bei den Simpsons) oder in der Popmusik.

Die Ausstellung zeigt beispielsweise schrecklich-schaurige Portraits von Marion Auburtin, zu sehen sind Filme von Christoph Schlingensief, der in der Maske des Clowns bewusst die Grenzen des guten Geschmacks überschreitet. Auch Ausschnitte aus Horrorfilmen wie beispielsweise „Es“ können angesehen werden.

Da der HMKV bewusst multimedial arbeitet, erwartet den Besucher auch Filme, Videos und Hörproben. Die bewusst in bunt gehaltenen Wände verführen den Betrachter, gleichzeitig lauert aber immer in Überlebensgröße das Böse hinter der Clownsmaske.

Man sollte sich schon Zeit für diese Ausstellung nehmen, vielleicht sich den eigenen Ängsten stellen, bis man später mit den Kinks singen kann: „Let’s alldrink to the death of a clown“.

Der Eintrittspreis beträgt 5 €/ ermäßigt 2,50 €.




Gelungene Premiere für das NRW Juniorballett

Wieder einmal bewies Ballettdirektor Xin Peng Wang und sein Team ein gutes Händchen bei der Auswahl der Künstler für die 20. Ballettgala am 27. und 28. September. Der Schwerpunkt lag diesmal beim zeitgenössischen Tanz. Die Fans des klassischen Balletts wurden dabei aber nicht vergessen. Die Highlights waren sicher Steven McRae und sein fabelhafter, in Dortmund uraufgeführter Stepptanz, der ausdrucksstarke Daniel Proietto und Eric Gauthier mit seinen witzigen Einfällen. Gewohnt charmant und humorvoll führte Kammersänger Hannes Brock durch den Abend.

Für die Freunde klassischen Balletts gab es drei Pas de deux zu erleben. Mathilde Froustey und Davit Karapetyan vom San Francisco Ballet tanzten den pas de deux aus „Giselle“, Iana Salenko und Steven McRae den „Schwarzen Schwan“, während Yanel Piñera und Camilo Ramos vom National Ballet of Cuba das pas de deux aus „Le Corsaire“ tanzten.

Als „alter Bekannter“ konnte Steven McRae zur Freude des Publikums wieder einmal bei einer internationalen Ballettgala in Dortmund sein großes können unter Beweis stellen.

Er zeigte sich in seinem Solostück „Czardas“ als steppender Czardasfürst einmit höchster technischer Perfektion. Die Zwillinge Jiři und Otto Bubeniček präsentierten ihr berühmtes Stück „Les Indomptes“. Und unbezähmbar (so der Titel übersetzt) war auch ihre Darbietung. Eine Mischung aus perfekter Synchronizität und Körperbeherrschung.

Für Fans von Borussia Dortmund hatte Tänzer Eric Gauthier ein kleines Trostpflaster parat. Sein „Freistoß“, der er zusammen mit seiner Compagnie „Gauthier Dance“ aufführte, stellte eine Freistoßsituation zwischen dem BVB und Bayern München dar. Da Gauthier BVB-Fan ist, brauche ich wohl nicht zu schrieben, wie das Stück ausgeht. Schon bei dem erste Stück der Compagnie (Gauthier Dance) „Sofa“ brillierten er zusammen mit Garazi Perez Oloriz und Florian Lochner nicht nur durch technische Finesse, sondern auch mit feinem Humor.

Stand für die Freunde des klassischen Balletts die Sprungkraft und die Anmut im Vordergrund, sind beim zeitgenössischen Tanz Ausdrucksfähigkeiten besonders wichtig. Im zweiten Programmpunkt zeigte Yanelis Brooks mit „Woman“ nach Motiven von Virginia Woolf ihre Körperbeherrschung. Ihr gleich tat es Daniel Proietto in „Sinnerman“, der im Glitzeranzug durch das Spiel mit den Farben seinem Tanz eine weitere Ebene hinzufügte. Im Duett mit Brooks zeigte sich Proietto bei „…and Carolyn“, einer dramatischen und anrührenden Choreografie von Alan Lucien Øyen.

Iana Salenko zeigte bei „If…“ ihr Können ebenso wie Mathilde Froustey und Davit Karapetyan bein „The Fifth Season“ von Helgi Thómasson.

Es gab natürlich auch Dortmunder Beteiligung. Das Dortmunder Ballett eröffnete traditionsgemäß die Ballettgala mit einer Gruppennummer, dieses Mal mit dem Walzer aus Schwanensee. Nach der Pause gab es einen Vorblick auf ein neues Stück, was das Dortmunder Ballett bei den Gluck-Festspielen in Fürth präsentiert hat: Orpheus. Den Ausschnitt „Three demons“ mit der Musik aus Mudan Ting aus dem 15. Jahrhundert führte die Besucher in eine fremde Welt.

Neu dabei ist das NRW Juniorballett, das ihren Standort in Dortmund hat, die jungen Künstler zeigten bei einem Ausschnitt aus „Krieg und Frieden“ sowie der Uraufführung „A full half turn“ ihr Können und Potential.