Bis zum 09. November zeigt die Galerie im Torhaus Rombergpark die Ausstellung „1,8 Kubik“. Gezeigt werden Arbeiten der Künstlerinnen und Künstler der Dortmunder Gruppe, die sogar gekauft und mitgenommen werden können. Doch keine Angst, die Regale werden immer wieder aufgefüllt.
„Multiples“ heißt das Zauberwort. Künstlerische Arbeiten, die zwar eine serielle Anmutung haben, aber nicht alle gleich sein müssen und durchaus individuellen Charakter haben. Sie sind von der Künstlerin oder vom Künstler autorisiert. Der Vorteil: Man kann durchaus ein Kunstwerk erwerben für relativ wenig Geld: Die Preise bei „1,8 Kubik“ variieren von 7,50 € bis 150 €.
Der Titel der Ausstellung bezeichnet den Platz, den jeder Künstler für die Präsentation seiner Werke zur Verfügung hat: 60x100x300 cm ergibt 1,8 Kubikmeter. Dabei ist eine Arebit an der Wand zu sehen, weitere Exponate wollen entdeckt werden
Zu sehen (und zu kaufen) sind sehr unterschiedliche Werke. Die 19 Künstlerinnen und Künstler zeigen verschiedene Techniken, Themen und Materialien. Einige Beispiele: Die Arbeit von Era Freizon heißt „Aus dem Zyklus Lullebay“ Sie befasst sich mit Fragmenten, Bruchstücken, Schatten von Träumen und Erinnerungen, Mischtechnik Filzstift und Öl auf Folie. Claudia Terlunen hat Objekte geformt, die sie als Fotofrottage in verschiedenen Variationen auf Papier gebracht hat. Die Arbeit heißt: „kreatürlich“. Die Arbeit von Monika Pfeiffer heißt „kompatibel“, Mit Mischtechnik gestaltete Quadrate die nicht nur als Einzelbild funktionieren, sondern auch untereinander kombiniert werden können.
Roxy und die Musikarchäologie
In den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts waren Jazz-Operetten in Deutschland groß in Mode. Einer der bekanntesten Namen war Paul Abraham. Eines seiner bekanntesten Werke war „Die Blume von Hawaii“ oder „Viktoria und ihr Husar“. Die Nazis verboten diese Form der Operette und Abaraham als Jude musste in die Emigration. Dadurch ist einiges an Material verloren gegangen. Henning Hagedorn und Matthias Grimmer waren auf der Spurensuche nach Notenmaterial für die deutsche Erstaufführung von „Roxy und ihr Wunderteam“ am 29. November 2014. sdas Original stammt aus den Jahren 1936/37.
„Wir wollen in dieser Operette die frechen Elemente hervorkramen“, erklärte Matthias Grimmiger, „Musikarchäologe“ und Mitglied der Dortmunder Philharmoniker. Leider wurden die Operetten in der Nazi-Zeit geglättet und diese Ästhetik in den 50er und 60er Jahren weiter gepflegt. „Wir wollen es nicht so glattgebügelt machen“, so Grimminger.
Die Story hat es in sich: Der Trainer einer Fußballnationalmannschaft (im Original war es die österreichische) verdonnert seine Spieler zu einem Trainingslager am Plattensee, verschwindet aber zu seiner Geliebten. Chaotisch wird es, als Pensionatsschülerinnen ebenfalls am Plattensee auftauchen und eine gewisse Roxy auftaucht, die vor ihrer eigenen Hochzeit geflohen ist.
Roxy wird gespielt vom neuen Ensemblemitglied Emily Newton, die bereits bei „Anna Nicole“ zu sehen war. Auch Kammersänger Hannes Brock wird zu hören sein, er spielt Sam Cheswick, den Onkel von Roxy. Lucian Krasznec spielt den Mannschaftskapitän Gjurka.
Fast wie Piktogramme
Tekla Wiemer, Witwe des Künstlers und Thomas Wiemer, Sohn des Künstlers, vor den Arbeiten „Eros“ und „Sexus“.
Das Museum Ostwall zeigt zum 90. Geburtstag eine Ausstellung von Werken von Rudolf Wiemer. Zu sehen sind Druckgrafiken, Zeichnungen und Skizzen des Dortmunder Künstlers. Insgesamt besitzt das Museum 60 Arbeiten von Wiemer, zu sehen sind im Grafikkabinett bis zum 15. März 2015 insgesamt 26 Werke.
Im Zentrum dieser Ausstellung stehen Menschen sowie Städte und Landschaften. In Holzschnitten und Prägedrucken hat sich Rudolf Wiemer mit dem menschlichen Körper auseinandergesetzt . Dabei standen die Formen im Mittelpunkt seines Interesses. In seinen Darstellungen menschlicher Torsi reduziert Wiemer die Körper auf die für ihn charakteristischen Zeichen: Linie und Rundung werden zu Symbolen des Männlichen und Weiblichen. Somit sind wir nicht weit zu den Vorläufern von Piktogrammen.
Mit den beiden Holzschnitten „Passionsgang I“ und „Passionsgang II“ (1993) greift Wiemer die Formsprache der 1950er Jahre noch einmal auf: Die Darstellung einer Gruppe von Menschen bewegt sich an der Grenze zur geometrischen Abstraktion. Durch eine Transformation in eine Diagonale setzt sich die Menschenmenge nicht nur in Bewegung, sie erhält auch eine bedrohliche Konnotation.
Die Linien, mit denen Wiemer in Arbeiten wie „Dänemark“ oder „Amsterdam“ Hafen- oder Stadtansichten einfängt, spiegeln sowohl die dynamische Bewegung der Boote auf dem Wasser als auch das Statische der Architektur.
Ein besonderers Schmankerl der Ausstellung sind Skizzen sowie der Original-Druckstock zum Werk „Wintervögel“ aus dem Nachlass Rudolf Wiemers.
Kleines Musikfestival in Hörde
Alexander Ostrovski an der Violine und Reinbert Evers werden zu hören.
Der Herbst in Hörde wird mit klassischer Musik verfeinert. Gleich vier Konzerte veranstaltet das Internationale Konservatorium am Phoenixsee. Neben der Lutherkirche finden zwei Konzerte im Bürgersaal Hörde im Rahmen des „Hörder Herbstes“ statt. Ein weiteres Konzert in der Reihe „Klassik am Phoenixsee“ wird im Roten Musiksalon des Konservatoriums in der Hörder Burg aufgeführt.
Am 25. Oktober 2014 um 19:30 stehen in der Luther Kirche in Hörde Werke von J.S. Bach, Beethoven, Prokofiew, und Schnittke auf dem Programm. Spielen werden Benno Ambrosini am Klavier sowie der Künstlerische Leiter des Internationalen Konservatoriums, Alexander Ostrovski.
Die Gitarre steht am 26. Oktober 2014 um 11 Uhr beim Meisterkonzert im Mittelpunkt. Spielen werden Xingye Li und der neue Dozent für Gitarre, Reinbert Evers unter anderem Werke von Scarlatti, Guilani und Eespere.
Weiter geht es mit dem „Hörder Herbst“ am 01. November im Bürgersaal um 19:30 Uhr. Evgeni Orkin (Klarinette), Irina Semakova (Geige) und Tamilla Guliyeva (Klavier). Zu hören sind Stücke von Brahms, Poulenc, Stravinsky, Khachaturian und Piazolla.
Vorweihnachtliche Atmosphäre zaubert das Galakonzert mit jungen Künstlern am 14. Dezember um 11:30 Uhr, ebenfalls im Hörder Bürgersaal.
Karten kosten 8 € (ermäßigt 5 €) und sind beim Internationalen Konservatorium (Hörder Burgstraße 17) zum bekommen. Die Internetseite lautet: www.konservatorium-dortmund.net
Das Internationale Konservatoriums am Phoenixsee will nach dem erfolgten Umbau und Sanierung der Turmvilla durchstarten und dann rund 250 Studierende vom Kind bis zur Meisterklasse ausbilden. Die Instrumente sind Violine, Bratsche, Cello, Klavier, Gitarre und Gesang. Später sollen auch noch Blasinstrumente dazukommen. Für das Instrument Gitarre konnte Reinbert Evers gewonnen werden, der viele Werke zeitgenössischer Komponisten aufgenommen hat. Darüber hinaus besteht eine Kooperation mit dem spanischen Konservatorium in Castellón.
Im Rausch der Melodien
Welche Epoche der Musik konnte die Menschen mit mehr Melodien verzaubern als die Romantik. Im 2. Philharmonischen Konzert am 21. und 22. Oktober 2014 spielten die Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von Gabriel Feltz Werke von Barber, Tschaikowsky und Rachmaninov. Solist war der Schweizer Cellist Christian Poltéra.
Auch wenn das Werk „Medea’s Meditation und Dance of vengeance“ aus dem Jahre 1957 stammt, Samuel Barber (1910-1981) kann man durchaus als Neo-Romantiker bezeichnen. Auch sein kurzes Stück, dass die Geshcichte von Medea und die Tötung ihrer Kinder musikalisch umsetzt, setzt viel auf die tradierte Dur/Moll-Harmonik, auch wenn der zweite Teil dissonante Elemente bekommt.
Der Romantiker Peter Tschaikowsky führt uns mit seinen „Variationen über ein Rokoko-Thema für Violoncello und Orchester“ op.33 zurück in die Zeit Mozarts. Hier konnte Poltéra sein Können bei diesem anspruchsvollen Stück unter Beweis stellen.
Nach der Pause ging es mit einem gewaltigen Werk weiter: Der Sinfonie Nr. 2 e-Moll op.27 von Sergej Rachmaninow. Der Komponist war nach den schlechten Kritiken seiner ersten Sinfonie niedergeschlagen und hat erst einige Jahre gebraucht, um wieder eine Sinfonie zu schreiben. Rachmaninows Sinfonie war der absolute musikalische Höhepunkt. Zusammen mit Gabriel Feltz begannen die Musiker mit einer Reise in die spätromantische Welt von Rachmaninow. Obwohl sie in Dresden komponiert wurde, ist die russische Melancholie in seiner Komposition in allen vier Sätzen sehr gut herauszuhören.
Kunstlieder aus drei Ländern
Die erste Liedmatinee der Oper Dortmund in dieser Spielzeit wurde am 19. Oktober 2014 im Opernfoyer vom Bassbariton Morgan Moody gesungen. Am Klavier begleitete ihn Philipp Armbruster. Zu hören waren Werke von Wolf, Ibert und Williams.
Kunstlieder in drei Sprachen waren an dem Sonntag zu hören. Positiv war, dass es nicht die bekannten Schubertlieder waren, Moody hatte sich ein durchaus anspruchsvolles Programm zusammengestellt. Am Beginn stand Hugo Wolf (1860-1903) und seine „Drei Lieder nach Gedichten von Michelangelo“. Danach wechselte die Sprache ins Französische, um eine spanische Literaturfigur zu besingen. Jacques Ibert (1890-1962) komponierte die Musik zum Film „Don Quichotte“ aus dem Jahre 1932, inklusive vier Liedern. Iberts französisch, luftig leichte Musik war das Gegenteil von Wolfs Wagnerismen, der deutlich in den Fußstapfen des deutschen Kunstliedes stand.
Eine weitere Klangfarbe brachte Ralph Vaughan Williams (1872-1958) mit seinen „Songs of travel“ in die Liedmatinee. Inspiriert von englischer Volksmusik wirkten die Lieder nach den Gedichten von Robert Louis Stevenson teilweise rhythmisch und trotz der Entstehungszeit von 1907 ziemlich modern.
Moody schaffte es, die Kunstlieder aus den verschiedenen Ländern individuell Akzente zu geben. Die nächste Liedmatinee ist am 30. November 2014 um 11.15 Uhr. Dann singt Ileana Mateescu „Zigeunerlieder“ von Brahms, Dvořák und de Falla.
Superstars können warten. Sie verschießen nicht gleich ihr Pulver. Sie warten, bis ihr Auftritt kommt. So war es auch bei der Rock-Oper „Jesus Christ Superstar“, die am 19. Oktober 2014 im Opernhaus Dortmund Premiere hatte. Haben im ersten Teil noch David Jakobs (Judas) und Patricia Meeden (Maria Magdalena) Alexander Klaws (Jesus) noch gesanglich Paroli geboten, reißt der erste Gewinner von „Deutschland sucht den Superstar“ vor allem beim Solo „Gethsemane (I Only Want To Say)“ alle von den altehrwürdigen Opernsitzen. Auch sonst war „Jesus Christ Superstar“ eine rundum gelungene Veranstaltung.
Die Rock-Oper von Tim Rice und Andrew Lloyd Webber erzählt die Geschichte der letzten sieben Tage von Jesus Christus in einer ganz besonderen Weise. Hier geht es nicht um die Frage der Göttlichkeit von Jesus, sondern um aktuelle Fragen wie Personenkult, blinde Gefolgschaft und Opportunismus. Keine Figur ist „gut“ oder „böse“, alle haben ihre Schattenseiten, ihre Interessen und ihre Egoismen. Im Gegensatz zu den anderen Jesus-Erzählungen ist die Figur des Judas keine eindeutig schlechte Figur, eher eine tragische. Judas will die Bewegung von Jesus vor dem Personenkult retten und sieht im Verrat die einzige Möglichkeit. Jesus ist hin- und hergerissen zwischen seiner Botschaft, dem Hype um seine Person und dem Druck der Massen. Das letztere wurde sehr schön dargestellt, als eine Vielzahl von Kranken wie Zombies auf ihn zu wanken und ihn zu erdrücken scheinen. „Ihr seid zu viele“, schreit Jesus verzweifelt.
Das Stück zeigt einen sehr menschlichen Jesus, vor allem in seiner Beziehung zu Maria Magdalena. Für manche Menschen ist das schon ungeheuerlich, daher ist „Jesus Christ Superstar“ seit 2012 in Weißrussland verboten.
Überhaupt das Bühnenbild: dargestellt ist eine Arena-Situation, die man auch aus Fernsehstudios kennt. Auf allen Seiten sitzt oder steht das Publikum, das Jesus feiert oder seinen Tod fordert. Pontius Pilatus (Mark Weigel) ist eine Art drogenkranker Moderator, der trotz Gewissensbisse doch tut, was das Volk für richtig hält („vox populi – vox dei“).
Grandios war Kammersänger Hannes Brock als „Herodes“. Brock, der bereits in der Uraufführung in Deutschland Anfang der 70er Jahre mitmachte, war das optische Highlight. Der Kammersänger war gekleidet und geschminkt als „Joker“ aus den „Batman“-Filmen und legte bei seinem „Herod’s Song“ eine veritable Show hin. Auch sehr beeindruckend war Hans Werner Bramer, der mit seinem tiefen, „bösen“ Bass dem Kaiphas ein unheimliche Aura gab.
Doch die gesanglichen Meriten verdienten sich an diesem Abend die drei Hauptfiguren. Klaws, Jakobs und Meeden, die nach ihren Songs oft Sonderapplaus bekamen. Neben den Sängerinnen und Sängern verdienten sich die Musiker der Band sowie der Choreografin Kati Farkas ein Sonderlob. Selten hat man auf der Opernbühne einen solchen Schwung und einen solch rockigen Sound erlebt. Ein großes Kompliment gehört auch dem Regisseur Gil Mehmert.
Nicht nur wegen Alexander Klaws: Mit „Jesus Christ Superstar“ hat Dortmund ein Juwel bekommen.
Zeitinsel Prokofiew im Konzerthaus
Vom 30.Oktober bis zum 01. November 2014 widmet das Konzerthaus Dortmund seine erste Zeitinsel in dieser Spielzeit dem russischen Komponisten Sergej Prokofiew. Seine Biografie ist spannend: Ausgewachsen im Zarenreich, danach eine Zeitlang im Exil gelebt, ging Prokofiew 1936 zurück in die damalige Sowjetunion.
Ars tremonia sprach mit dem Musikwissenschaftler Professor Michael Stegemann über den Komponisten und die Werke, die an den drei Tagen zu hören sind.
Melodie ist Trumpf
Am 21. und 22. Oktober 2014 ist wieder Zeit für die Dortmunder Philharmoniker. Das Zweite Philharmonische Konzert steht auf dem Programm. Der Titel lautet „Melodien_selig“.Unter der Leitung von Generalmusikdirektor Gabriel Feltz sind Werke von Samuel Barber, Peter Tschaikowsky und Sergej Rachmaninow zu hören.
Von Tschaikowsky werden die Variationen über ein Rokkoko-Thema für Violoncello und Orchester gespielt. Der Solokünstler ist der Schweizer Cellist Christian Poltéra. Ars tremonia sprach mit dem Künstler.
Damals, als ein Wort noch etwas galt, als es wichtig war, beliebt zu sein, das war die Welt von Willy Loman, einem reisenden Vertreter. Doch die Zeiten haben sich geändert, nur Willy leider nicht. In der Inszenierung von Liesbeth Coltof spielt Andreas Beck in „Tod eines Handlungsreisenden“ einen Willy Loman, der zusehen muss, wie seine Welt untergeht. „Der Wald brennt“, ruft Loman ein paar Mal verzweifelt im Stück, doch weder Kavallerie noch Feuerwehr können ihn retten. Ein Premierenbericht.
Wichtig ist die Fassade. So tun als ob. Alles ist in Ordnung, obwohl die Kacke am Dampfen ist. In Arthur Millers „Tod eines Handlungsreisenden“ geht es um den Verfall einer Mittelschichtfamilie, die verzweifelt versucht, ihren sozialen Abstieg zu kaschieren, obwohl er längst im vollen Gange ist. Willy Loman die Hauptfigur arbeitet als Handlungsreisender nach über 30 Jahren mittlerweile nur auf Provision, was bedeutet, er bringt kein Geld nach Hause. Das Geld leiht er sich von seinem Freund und Nachbarn Charley. Willys Stolz lässt ihn sogar Charleys Jobangebot ausschlagen, obwohl er von seinem Juniorchef entlassen wird. Seine Frau Linda steht in bedingungsloser Treue zu ihrem Mann, auch wenn sie die Realität erkennt. Mit seinem ältesten Sohn Biff gerät Willy häufiger in Streit, weil Willy alle seine Hoffnungen auf die Karriere seines Sohnes setzt, die aber nicht stattfindet, da Biff nicht der Überflieger ist, für den Willy in hält. Im Schatten davon ist Happy, Willys zweitältester Sohn. Er wird überwiegend von seinen Eltern ignoriert, obwohl er versucht, um ihre Anerkennung zu kämpfen.
Ein zweites Problem der Familie ist das Verbiegen der Wahrheit. Willy ist ein Meister im „Pimpen“ seines Lebenslaufes und vor allem den von Biff. Da wird Biff quasi zum Direktor hochstilisiert, obwohl er nur einfacher Packer war. Auch Willy erzählt von den Aufträgen, die er in der Tasche hat, nur leider fehlen die nötigen Unterschriften.
So ist das Stück, obwohl es aus dem Jahre 1949 stammt, auch heute hochaktuell. In Zeiten, wo Hausmeister zu „facility managern“ mutieren, jede noch so kleine Aushilfstätigkeit im Lebenslauf enorm aufgeblasen wird, werden Hoffnungen geweckt, die nicht zu erfüllen sind. Auch die Mentalität, Dinge einfach zu bestellen oder kaufen, weil man sie ja in Raten abbezahlen kann, ist heute aktueller denn je. Die mögliche Konsequenz: Seit 2006 gehen jährlich mehr als 100.000 Menschen in Privatinsolvenz. Passend dazu ließ Coltof die Bühne mit Waschmaschinen, Geschirrspülmaschinen und Kühlschränken dekorieren.
Dustin Hofman spielte Willy Loman in der Verfilmung von Volker Schlöndorff aus dem Jahre 1985 und ist vielen immer noch in Erinnerung, wenn sie an „Tod eines Handlungsreisenden“ denken. Andreas Beck spielt einen Willy, der schon optisch eine imposante Gestalt ist. Gleichzeitig macht Beck schnell die Unsicherheit und Zerbrechlichkeit des Charakters deutlich: Beispielsweise sofort zu Beginn, als er mehrmals auf die Bühne kommt, um zu erzählen, dass er eine Versicherungspolice über 150.000 € abgeschlossen hatte. Beck zeigt einen Willy, der zwischen lauter Polterigkeit und sensibler Zerbrechlichkeit mäandert.
Biff, der älteste Sohn, wird von Oscar Musinowski gespielt. Biff ist frustriert, weil er die Erwartungen seines Vaters nicht erfüllen kann und eigentlich auch gar nicht erfüllen will. Für Willy ist sein Sohn Biff der „Erlöser“, passend dazu erklang „I know that my redeemer liveth“ aus Händels „Messias“. Musinowski spielt einen verzweifelten Biff, der erkennen muss, dass nicht nur sein Leben ein Selbstbetrug ist, sondern auch das seiner ganzen Familie. Die „Werte“ mit denen Biff erzogen wurde, wie „Beliebtheit“ nutzen ihm in der realen Gesellschaft nichts mehr. Die Zeiten, in der Verträge per Handschlag geregelt wurden und gültig waren, sind in der modernen, kalten Wirtschaft vorbei.
Ähnlich tragisch angelegt ist die Rolle von Happy, dem zweiten Sohn. Er kämpft verzweifelt um die Liebe seiner Eltern, doch vergebens. Er ist quasi nicht existent, obwohl Happy seine Eltern sogar finanziell unterstützt. Sebastian Graf spielt einen Happy, der gerne möchte, dass „alles so wie früher“ ist. Auch Happy kennt eigentlich die Wahrheit, will sie aber um des Familienfriedens nicht aussprechen.
Ähnlich geht es Linda, die von Carolin Wirth dargestellt wurde. Auch sie weiß die Wahrheit, hält aber an der Illusion fest.
Willys nahezu irreale Hoffnung liegt bei seinem toten Bruder Ben (wurde überwiegend von Uwe Rohbeck gespielt). Ben ist das absolute Vorbild für Willy, denn er hat es „geschafft“. Wie, dass weiß man nicht so genau, aber Ben taucht ab und an in Willys Vorstellung auf.
Coltof lässt das Stück bewusst in Dortmund, beziehungsweise in Europa spielen. Szenen aus Dortmund tauchen ab und zu in kurzen Videosequenzen auf. Statt Baseball spielt Biff Fußball. Doch die Größe von Millers Stück, ist, dass es zeitlos wirkt. In der Hand von Coltof, die eine Meisterin im Herausarbeiten von Lebenslügen in einer Familie ist wie ihre Vorgängerproduktionen „Wer hat Angst vor Virginia Woolf“ und „Verbrennungen“, zeigt sich der Stoff aktueller denn je. Kauf auf Pump, das Pimpen des Lebenslaufes und die Unfähigkeit, die Wahrheit zu sagen: Alles vermengt sich bei Millers Stück zum tragischen Ausweg für Willy: Den Selbstmord. Denn dank seiner Versicherungspolice ist er in bitterer Weise „tot mehr wert als lebendig“.
Weitere Termine: DO, 23. OKTOBER 2014, FR, 24. OKTOBER 2014, SA, 08. NOVEMBER 2014, SO, 23. NOVEMBER 2014, MI, 03. DEZEMBER 2014, FR, 19. DEZEMBER 2014, FR, 26. DEZEMBER 2014, SO, 28. DEZEMBER 2014, SO, 11. JANUAR 2015, MI, 18. FEBRUAR 2015, MI, 11. MÄRZ 2015, SO, 19. APRIL 2015, FR, 22. MAI 2015 und DO, 11. JUNI 2015.
Karten und Infos unter www.theaterdo.de oder telefonisch 0231 5027222.