Drei Tage klassische russische Moderne

Dirigent Valery Gergiev dirigierte das Orchester des Mariinsky-Theaters über die drei TAge der Zeitinsel Prokofiew. (Foto: © Petra Coddington)
Dirigent Valery Gergiev dirigierte das Orchester des Mariinsky-Theaters über die drei TAge der Zeitinsel Prokofiew. (Foto: © Petra Coddington)

Die erste Zeitinsel des Konzerthauses Dortmund in der Spielzeit 14/15 vom 30.Oktober bis zum 01. November war dem russischen Komponisten Sergej Prokofiew gewidmet. Unter der Leitung von Valery Gergiev ließ das Orchester des Mariinsky-Theaters in St. Petersburg an den drei Tagen völlig unterschiedliche Facetten des russischen Komponisten erklingen. Ob Klavierkonzerte, Oper oder als Oratorium umgearbeitete Filmmusik, die Qualität stimmte an allen Tagen.

Am Donnerstag, dem 30. Oktober standen die fünf Klavierkonzerte von Prokofiew im Mittelpunkt. Gleich vier Pianisten konnten die Besucher des Konzerthauses erleben. Alexei Volodin, Denis Kozhukin, Behzod Abduraimov und Sergei Babayan brachten nicht nur die musikalisch völlig unterschiedlich angelegten Werk zu Gehör, sondern brachten auch ihre Interpretation mit ein. Prokofiews Klavierkonzerte polarisierten seine Zeitgenossen, vor allem das zweite Klavierkonzert wurde als „rhythmischer Haufen von Tönen“ kritisiert. Denis Kozhukin zaubert aber aus dem futuristischen Meisterwerk ein besonderen Hochgenuss. Das gleiche gilt für Alexei Volodin, der das vierte Klavierkonzert in B-Dur aufführte. In Auftrag gegeben von Paul Wittgenstein, der im Ersten Weltkrieg seinen rechten Arm verlor. Wittgenstein spielte das Klavierkonzert aber nicht, schade, denn Volodin zeigte die Feinheiten in der recht anspruchsvollen Partitur.

Ich muss gestehen, ich bin kein Freund von konzertanten Opern. Solisten, die für ihre Arie vom Stuhl aufstehen und danach sich wieder hinsetzen, ist nicht wirklich mein Ding. Es ist so wie ins Kino gehen, der Film fängt an, aber die Leinwand bleibt schwarz. Doch bei „Der Verlobung im Kloster“ am zweiten Tag der Prokofiew-Zeitinsel nutzten die Solisten die beschränkten Möglichkeiten, die ein Konzerthaus nun mal hat, voll aus und legten so eine große Spiellaune an den Tag, dass der Funke trot der fremden russischen Sprache auf das Publikum übersprang . Ein ganz großes Lob gehört Evgeny Akimov als „Don Jeronimo“ und Sergei Aleksashkin als Fischhändler „Mendoza“. Die Handlung spielt in Sevilla und ist schnell erklärt: Mit List und Tücke finden drei Paare zusammen, denen vorher andere Pläne bestimmt waren. Dieses klassische Thema der Oper hat offensichtlich auch Prokofiew fasziniert. Obwohl 1941 entstanden, ist nichts von irgendeinem sozialistischen Realismus zu spüren, ganz im Gegenteil, die Musik ist leicht und lyrisch. Sehr gut aufgelegte Solisten, ein erstklassiges Orchester und ein engagierter Dirigent sorgten für einen gelungenen Abend.

Patriotisch ging die Zeitinsel Prokofiew im Konzerthaus Dortmund zu Ende. Am 01. November wurde die Musik zum Film „Iwan der Schreckliche“ als Oratorium aufgeführt.Als Art Appetithappen erklang die Ballettmusik zu „Cinderella“.

Prokofiews Musik stellt den zwiespältigen Charakter von Iwan in den Mittelpunkt. Seine Großmannssucht, seien Zweifel, seine Siege, seine Niederlagen, alles wird in Noten gepackt.

Einen großen Anteil an diesem Abend hatte diesmal der Chor des Mariinsky-Theaters St. Petersburg, der eine unglaubliche Kraft entwickelte.

Es ist schade, dass Prokofiews Opern wie „Die Verlobung im Kloster“ nicht öfter szenisch gespielt werden, ich könnte sie mir sehr gut im Opernhaus Dortmund vorstellen, die mit „Boris Godunov“ ja schon Erfahrung mit russsichen Opern sammeln konnten.

Die drei Tage haben den Dortmundern den wohl berühmtesten Komponisten der russischen Moderne näher gebracht. Ein entscheidender Faktor ist die Qualität. Mit dem Chor und dem Orchester des Mariinsky-Theaters St. Petersburg mit Dirigenten Valery Gergiev und den Solisten hat das Konzerthaus eine sehr gute Wahl getroffen.




LesArt beschäftigt sich mit der Türkei

Ab heute findet bis zum 16. November 2014 das fünfzehnte LesArt-Festival statt. Schwerpunkt ist dieses Jahr die Türkei. Prominente und zu entdeckende Gäste werden aus ihren Werken vorlesen. Ungewöhnliche Leseorte wie die Umkleidekabine des Westfalenstadions sind fast schon Tradition.

Das Motto des diesjährigen Festivals lautet „Einmischzeit“. Mottogeber ist Walter Sittler, der zusammen mit Gerd Leipold das Buch „Zeit sich einzumischen“ veröffentlicht hat. Die Autoren interviewten Aktivisten, Künstler, Manager und Politiker und sie fordern mehr Mitspracherechte ein. Zu erleben sind Sittler und Leipold am 16.11.2014 um 11 Uhr in der Abschlussmatinee. Der Eintritt beträgt 10 Euro.

Die Türkei, vor allem das Städtchen mit dem schönen Namen Batman, ist ein Schwerpunkt beim LesArt-Festival. Am 07. November um 19:30 Uhr erzählen Mely Kiyak, Mehmet Şarman und Zehra Çirak im literaturhaus Dortmund, am Neuen Graben 78, Geschichten aus Istanbul, Batman und Dortmund. Der Eintrittspreis beträgt 7 Euro.

Am nächsten Tag, dem 08. Novemeber geht es ebenfalls um 19:30 Uhr im literaturhaus Dortmund weiter mit Daniz Utlu, Lütfiye Güzel, Yavuz Ekinci und Zehra Çirak. Eintritt ist 7 Euro.

Der bekannte Autor Feridun Zaimoglu liest am 09. November im VIEW (U-Turm) um 11 Uhr aus seinem Buch „Isabel“. Der Eintritt beträgt hier 10 Euro.

Ein Höhepunkt des Festibals ist die Lesung in den Umkleidekabinen des Westfalenstadions. Am 10. November um 19:30 Uhr ist in der Gästekabine Stefan Tillman zu Gast, der aus seinem Buch „Nie wieder Fußball“ liest. Dass kann Peter Großmann in der Heimkabine nicht auf sich sitzen lassen. Er liest aus „Dumm kickt gut – und 44 andere Sportirrtümer“.Hier kostet der Eintritt 10 Euro.

Das genaue Programm und weitere Infos finden Sie auf http://www.lesart-festival.de




Der Mensch im Mittelpunkt der Ausstellung

Die "Köpfe" von Eberhard Bitter mit unterschiedlicher Gesichtsausdrücken.
Die „Köpfe“ von Eberhard Bitter mit unterschiedlichen Gesichtsausdrücken.

Mit Sieglinde Gros und Eberhard Bitter zeigt die Galerie ART isotope unter dem Titel „Gedankenspiele“ Skulpturen sowie Malereien und Zeichnungen der beiden Künstler. Was beide verbindet sind die Darstellungen von Menschen. Die Ausstellung ist vom 09. November bis zum 14. Dezember zu sehen.

Bei den farbigen Köpfen von Bitter kann der Betrachter einen spannenden Effekt beobachten. Von nahem wirken seine Bilder mit grobem Pinselstrich gemalt und roh. Schaut man aber von einer gewissen Entfernung scheinen die Farben zu verschmelzen und ein klareres Bild entsteht im Kopf des Betrachters. Dennoch ist der Gesichtsausdruck in seinen „Köpfen“ schon zu Beginn zu erkennen. Wir merken sofort, ob eine Person wütend, traurig oder gut gelaunt ist. Auch seine großformatigen Arbeiten wie „Nach-Denken“ lässt Assoziationen beim Betrachter entstehen.

Die anderen gezeigten Arbeiten von Bitter sind klassische Aktzeichnungen überwiegend in Tusche und Acryl. Sie sind zwar figurativ, aber nicht fotorealistisch, sondern abstrahiert.

Die Skulpturen von Sieglinde Gros stellen ebenfalls den Menschen im Mittelpunkt. Sie arbeitet figurativ und benutzt für ihre Skulpturen unterschiedliche Hölzer von Ulme bis Eiche. Das Neue an ihren Arbeiten ist, dass sie mit Farbe arbeitet und reliefartige Elemente in ihre Skulpturen einarbeitet. Immer steht die Frage im Mittelpunkt: Wie stehen wir mit anderen Menschen in Beziehung. Sehr schön ist das in der Skulptur „Mitgänger“ zu sehen, bei der kleine Menschen am Bein hängen.

ART-isotope

Wilhelmstraße 38

Öffnungszeiten: Sonntag, Montag, Dienstag und Freitag von 14:30 bis 19:30 Uhr

www.art-isotope.de




Denkmalheft widmet sich dem Haus Brünninghausen

Es muss ein schmuckes Schloss gewesen sein, das Haus Brünninghausen. Auf alten Fotos ist das klassizistische Gebäude aus dem Jahre 1822 noch zu sehen, leider haben die Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg das Gebäude fast vollständig zerstört, nur das Torhaus ist stehengeblieben. Bei der Renaturierung der Schondelle wurde auch den Stadtarchäologen die Gelegenheit gegeben, Ausgrabungen durchzuführen. Das Ergebnis ist in der vierten Ausgabe der Dortmunder Denkmalhefte „Bausteine und Fundstücke“ zu finden.

Natürlich findet der gebeigte Leser im Heft auch einiges über die Geschichte der Dortmunder Adelsfamilie Romberg, die prägend für die frühe Industrialisierung waren. Ihre Investitionen in den Bergbau waren für die Weitere Entwicklung Dortmunds als Kohle- und Stahlstadt wichtig. Ironischerweise wurde ihnen auch die Industrialisierung zum Verhängnis. Die Umweltprobleme, die das Phoenix-Werk im nahegelegenen Hörde verursachte, sorgte für den Umzug der Familie nach Buldern bei Dülmen.

Das aktuelle Heft ist kostenlos bei der Denkmalbehörde im Stadtplanungs- und Bauordnungsamt erhältlich – solange der Vorrat reicht.




Small Beast mit guten Bekannten

Am 31. Oktober gab es eine spezielle Halloween-Ausgabe des bekannten Musiksalons Small Beast.

Die Bühne war dem Anlass entsprechend geschmückt mit Kürbis und Kerzen (vermutlich wegen des Brandschutzes wurden elektrische benutzt). Gastgeber Paul Wallfisch trat zunächst mit Horrormaske auf, um in seinem Set ein wenig gruslige musikalische Stimmung zu verbreiten. Höhepunkt seiens Sets war wieder das Lied „Die Gedanken sind frei“

Danach trat mit Thomas Truax ein alter Bekannter auf. Mittlerweile wohl zum dritten Mal war der Meister des merkwürdigen Instrumentenbaus beim Small Beast dabei. Seine selbstgebauten Instrumente haben etwas vom Steampunk und verbinden auf gewisse Weise die analoge mit der digitalen Welt.

Ebenfalls schon einmal beim Small Beast war Dan Kaufman mit seiner Band „Barbez“. Seine Musik hat einen starken psychedelischen Einschlag. Die meisten Songs fangen langsam an, um dann wie eine Feuerwerksrakete in viele Facetten zu explodieren. Für den Sound ist neben Bass, Gitarre und Schlagzeug auch Klarinette und Xylophon verantwortlich, was dem Klang in manchen Liedern einen klassischen oder jazzigen Einschlag gibt.




Weihnachtsmärchen entführt auf den Mond

Machen sich auf die Reise: Steffen Happel (Peter),  DŽesiréŽe von Delft (Anna), Andreas Ksienzyk (Sumsemann) und Rainer Kleinespel (Commander Allister). (Foto: © Birgit Hupfeld)
Machen sich auf die Reise: Steffen Happel (Peter),
DŽesiréŽe von Delft (Anna),
Andreas Ksienzyk (Sumsemann) und
Rainer Kleinespel (Commander Allister). (Foto: © Birgit Hupfeld)

Das diesjährige Weihnachtsmärchen heißt „Peters Reise zum Mond“ und entführt die großen und kleinen Zuschauer in den Weltall. Sumsemann, Nachtfee und Mondmann sind Elemente aus dem Märchen „Peterchens Mondfahrt“ von Gerdt von Bassewitz. Doch der Intendant des Kinder- und Jugendtheaters, Andreas Gruhn, hat den Stoff aus dem Jahre 1912 in die Moderne versetzt und mit Elementen anderer Weltraummärchen angereichert. Die Premiere ist am 13. Novemeber 2014 um 19 Uhr im Schauspielhaus Dortmund.

„Ich fand das Original nicht mehr benutzbar“, so Andreas Gruhn auf der Pressekonferenz zu „Peters Reise zum Mond“. Das Stück spielt nun in der Neuzeit, es gibt Astronauten, galaktische Berühmtheiten und Space Shuttles. Elemente anderer Weltraumopern wurden aufgenommen. So erinnern die Kostüme ein wenig an „Raumschiff Orion“ oder Laserschwerter wie aus „Star Wars“ werden benutzt.

Dennoch bleibt das Märchenhafte erhalten. So reisen Peter und Anna mit Schlafanzügen und Kopfbedeckungen durchs Weltall, um das sechste bein von Maikäfer Sumsemann vom Mondmann wiederzubekommen.

Das komplette Ensemble des Kinder- und Jugendtheaters wird auf der Bühne stehen, es wird Video geben, drei Lieder werden gesungen und die Musik stammt von Michael Kessler, der aus mehreren Produktionen des KJT bekannt ist.

Nach Ausflügen in verschiedenen Länder wie Russland, den USA oder wie im vergangenen Jahr mit „Pinocchio“ nach Italien geht es diesmal zum Mond. „Märchen haben auch viel mit Reisen zu tun“, so Gruhn. „Wir haben Choreografien entwickelt und arbeiten mit allen Mitteln, die unser Theater hergibt“, verspricht er.

Das Stück wird bis in den Februar gespielt, für die Premiere am 13. Novemeber gibt es nur noch sehr wenige Karten, aber rund um Weihnachten sieht die Kartenlage noch gut aus. Auch für die Nachmittagsvorstellungen bekommt man leichter Karten.

Am 11.11. von 15:30 Uhr bis 20:00 Uhr gibt es eine Lehrerfortbildung mit der Möglichkeit die zweite Hauptprobe zu sehen. Treffpunkt ist am Bühneneingang des Theaters (Theaterkarree 1-3). Die Fortbildung ist kostenlos. Interessierte können sich anmelden unter

eschmidt@theaterdo.de oder 0231/47739860.

Mehr Infos über Termine und Karten unter www.theaterdo.de oder 0231 50 27 222.




Dortmund porträtiert

In der Berswordthalle zeigt das Stadtarchiv zusammen mit der Kolping-Familie Dortmund-Brackel vom 06. bis 19. November 2014 eine Sammlung von Stadtansichten von 1200 bis heute. 21 Stadtporträts sind zu sehen.

Stadtansichten hatten zu unterschiedlichen Zeiten auch unterschiedliche Bedeutungen. Es steht die Frage im Mittelpunkt, wie will sich eine Stadt sehen. Im Mittelalter und noch in der frühen Neuzeit steht die spirituelle und religiöse Bedeutung der Stadt im Mittelpunkt. Dortmund will als „heilige Stadt“ gesehen werden und selbst noch in der Ansicht von 1611 sind die Kirchen überdimensional groß gezeichnet worden. In der Zeit der Industrialisierung werden dann die Schlote und Fabriken immer mehr hervorgehoben. Der Bahnhof rückt in den Mittelpunkt. In späteren Zeiten werden Stadtansichten auch als Werbung benutzt. War erst der Florianturm das Wahrzeichen von Dortmund, wurde er seit 2010 vom U-Turm verdrängt.

Da die Bilder chronologisch gehängt sind, ist es für den Besucher gut zuerkennen, wie sich die Stadt im Laufe der Jahrhunderte verändert hat. Von einer glänzenden Hansestadt zur Ackerbürgerstadt und mit der Industrialisierung die Verwandlung in eine Großstadt, die Zerstörung im Zweiten Weltkrieg und die heutige Sicht.

Zur Ausstellung ist eine begleitende Publikation erschienen, die weitere Informationen zu den ausgestellten Werken enthält. Sie kann im Stadtarchiv, Märkische Straße 14, für 5 Euro erworben werden.




Eine Liebe zum Weißraum

Studie nach Moriyama, 2014 von Hiltrud Zierl.
Studie nach Moriyama, 2014 von Hiltrud Zierl.

Es fällt vielleicht nicht sofort auf, aber wenn man die Bilder von Hiltrud Zierl genauer betrachtet, bemerkt der Betrachter den großen Weißraum in den Arbeiten der Künstlerin. Auch die Raumgestaltung in der Galerie Dieter Fischer im Depot Dortmund lässt der freien Fläche und dem Licht viel Platz. Es ist das Gegenteil von vollgestopft, es wirkt lichter. Die Ausstellung „SchlagSpuren“ mit Skulpturen, Radierungen und Zeichnungen ist vom 07. November 2014 bis zum 04. Januar 2015 zu sehen.

Von den 16 ausgestellten Arbeiten von Zierl sind 13 Zeichnungen, eine Radierung und vier Skulpturen zu sehen, weitere Radierungen und Aktzeichnungen sind in drei Mappen zugänglich. Die Zeichnungen nehmen den größten Teil der gezeigten Arbeiten ein. Sie wirken auf den ersten Blick roh, grob, im Mittelpunkt der Bilder steht eine Atmosphäre. „Mir geht es um etwas Untergründiges“, so Zierl. Dadurch, dass diese untergründigen Ebenen nicht fassbar oder erklärbar sind, steht die Kommunikation im Mittelpunkt. Vom Künstler zum Bild und vom Bild zum Betrachter entwickelt sich eine Kommunikationslinie.

Die vier Skulpturen wirken sehr archaisch. „Es ist aber nicht inhaltlich archaisch, sondern es ist der Stein“, erklärt die Künstlerin. Denn es sind teilweise unbehauene Flächen zu sehen. Zierl arbeitet mit unterschiedlichen Materialien wie Belgisch Granit oder Roter Sandstein. „Aber mit Muschelkalk arbeite ich am liebsten“; so die Künstlerin. Dennoch bestimmt die bildhauerische Idee das Material.

Hiltrud Zierl hat verschiedenen Vorbilder für ihre Arbeiten. So hat sie sich von David Lynchs Film „Mulholland Drive“ inspirieren lassen oder von Michael Wolfs Bildserie über Fahrgäste in der dichtgedrängten japanischen U-Bahn. Daraus entwickelte Zierl eine Serie von Radierungen.

Die Vernissage am 07. November 2014 um 19 Uhr wird musikalisch begleitet vom Saxophonisten Siegfreid Hiltmann, bei der Finissage am 04. Januar 2015 um 15 Uhr wird die Schauspielerin Ella Sebastian-Strube eien Lesung durchführen.




Zeitgenössische Kunst aus Deutschland und der Türkei

"Wahlpflicht" von Özgur Demirci.
„Wahlpflicht“ von Özgur Demirci.

Der Ausstellungstitel „31 Kilo“ ruft zunächst Stirnrunzeln hervor. Was ist damit gemeint? Das Höchstgewicht für das Gepäck beim Flug in die Türkei? Damit liegt man schon fast richtig, denn 31 Kilo ist das Höchstgewicht eines Paketes, dass die Deutsche Post in die Türkei schickt. Acht Künstlerinnen und Künstler aus den beiden Ländern setzen sich im Künstlerhaus Dortmund (Sunderweg 1) mit dem Thema des Raumes und der Reduktion auseinander. Das Künstlerhaus wird auch zu einem Labor, in dem Ideen ausprobiert werden können. Die Ausstellung geht vom 01. November bis zum 21. Dezember 2014.
Wie von den früheren Ausstellungen im Künstlerhaus zu erwarten, werden sehr moderne Arbeiten junger Künstlerinnen und Künstler präsentiert. Von Video über Fotografie bis hin zu Installationen sind viele Positionen zu vertreten. Von allen ausgestellten Arbeiten vermittelt „Wahlpflicht“ von Özgür Demirci eine politische Dimension. Die Besucher sind aufgefordert, einen Wahlschein in die Wahlurne zu werfen, wobei sie die Frage „Wurden Sie schon einmal zu einer Entscheidung gezwungen“ beantworten sollen.

Ansonsten setzen sich die Werke der acht Künstlerinnen und Künstler mit den,beiden Räumen Istanbul und Dortmund auseinander. So hat David Kroell eine Gipskartonwand von Istanbul nach Dortmund transportiert, wobei die Spuren des Transportes zu sehen sind. Daniel Burkhardt präsentiert Detailaufnahmen des Dortmunder Stadtraumes, die sich mit der Hilfe eines Projektors zu einem großen Bild zusammenfügen. Can Kurucu bringt Istanbul nach Dortmund und zwar mittels der Green-Box-Technik. Die Projektion der Objekte schafft eine Verbindung zwischen zwei Orten. Bei Uygar Demoğlu werden Luftballons in seiner Videoinstallation „Heymatlos“.

Patrick Presch stellt den sozialen Raum in den Mittelpunkt seiner Arbeit „boundaries crossed (part 2)“. Hier wird ein Foto aus Istanbul einem Foto aus Dortmund gegenübergestellt. Thema ist die Kommunikation zwischen Jugendlichen.

Symbolischen Charakter hat die Installation „WE“ von Sümer Sayın. Gummiseile zwischen dem W und E zeigen solch eine Spannung, dass selbst die Wand zerstört wurde.

Letztendlich lädt die Ausstellung zur Auseinandersetzung mit dem Thema Raum in unterschiedlichen Kontexten ein. Eine deutsch-türkische Gemeinschaftsausstellung jenseits folkloristischer oder migrantischer Stereotypen.

Die ausstellenden Künstler: Daniel Burkhardt, Özgür Demirci, Uygar Demoğlu, David Kroell, Can Kurucu, Daniela Löbbert, Patrick Presch und Sümer Sayın.




Was bleibt von der Privatsphäre?

Björn Gabriel und Stefanie Dellmann laden zur "Great democracy show" ein.
Björn Gabriel und Stefanie Dellmann laden zur „Great democracy show“ ein.

Mit der neuen Produktion „The great democracy show“ widmet sich das Theaterprojekt „Sir Gabriel Dellmann“ dem Thema Überwachungsstaat. Wie ist unsere Privatsphäre gefährdet? Gibt es so etwas wie Intimität noch oder was bleibt von unserer Individualität übrig? Die Premiere im Theater im Depot ist am 31.10.2014 um 20 Uhr.

Nach „Kampf des Negers und der Hunde“ sowie „Dantons Dilemma“ ist „The great Democracy show“ ein Stück, das frei ohne eine literarische Vorlage auskommt. Die Vorlage liefert die reale Welt, beziehungsweise die großen Skandale um den Whistleblower Snowden oder der NSA-Abhörskandal.
Für Regisseur Björn Gabriel steht die Frage im Mittelpunkt: „Wie nah sind wir bereits an einem totalitären Staat“. Doch die Diskussion über die digitale Weltordnung soll nicht nur kulturpessimistische Züge tragen. „Es gibt durchaus andere Positionen“, so Gabriel. Es soll auch unterhaltsam werden.

Die Handlung: Vier Schauspieler sind auf der Suche nach einem roten Faden. Denn der Regisseur ist verschwunden. Und ohne Regisseur keine Art von Auftraggeber, kein Ziel. Aber brauchen wir überhaupt einen Auftragsgeber? Jemand, der uns sagt, wo es lang geht? Einen modernen Heilsbringer?

Auf der Bühne passiert neben Video, Licht und Stimmung einiges. „Wir haben verschiedene Räume“, so Stefanie Dellmann, die für Bühne und Kostüm zuständig ist. „Die Zuschauer haben die Möglichkeit durch diese Räume geführt zu werden, sie müssen aber nicht.“

Da Stück wird neben der Premiere am 31.10. auch am 01.11. um 20Uhr sowie am 02.11. um 18 Uhr gespielt. Weitere Termine: 22.11. um 20 Uhr und 23.11. um 18 Uhr.

Ars tremonia sprach mit Stefanie Dellmann und Björn Gabriel: [youtuber youtube=’http://www.youtube.com/watch?v=3yiTLcv8OqI&list=UUjQThJ-Gy5GQYG6ODAMM6BA‘]