Theaterpartisanen auf Identitätssuche

Auf der Suche nach Identität: Mia Katharina Reiss, Helena Demantowsky, Max Kurth, Esther Wegelin und Finnja Loddenkemper. (Foto: ©Birgit Hupfeld)
Auf der Suche nach Identität: Mia Katharina Reiss, Helena Demantowsky, Max Kurth, Esther Wegelin und Finnja Loddenkemper. (Foto: ©Birgit Hupfeld)

Am 13. März 2015 findet die Premiere vom neuen Stück „Identity“ des Jugendclubs des Schauspielhauses der „Theaterpartisanen“ statt. Die Fragen nach der eigenen Identität stellt sich besonders in der Pubertät. Zum ersten Mal haben die Partisanen einen „externen“ Regisseur: Thorsten Bihegue, den Gastdramaturgen am Dortmunder Schauspielhaus.

Am Anfang stand die Schreibwerkstatt. Mit den Texten, die die Jugendlichen mit der Theaterpädagogin Sarah Jasinszczak erarbeitet haben, ging es sechs Wochen lang in die szenische Umsetzung. Doch auch hier hat Regisseur Bihegue mit den acht Jugendlichen weiter an den Texten gearbeitet. „Es wird ein performatives Stück, das auch direkte Ansprache an das Publikum beinhaltet“, erzählt Bihegue. Die Texte stammen aus unterschiedlichen Quellen und die Besucher erleben eine Form von Collage. „Wir begeben uns in alle Abgründe der Literatur“, so Bihegue.

Das Stück spielt auf einem Flughafen. Ein Ort, wo viele Identitäten aufeinander treffen, um dann wieder zu verschwinden. Sieben Charaktere sind zu sehen, der achte ist eine Clownsfigur. Der Clown hat keine Identität, dafür hat er im Stück viele Freiheiten. Er symbolisiert vielleicht das Metaphysische, denn ob die Szene real war oder nur in seinem Kopf existiert, weiß niemand.

Der Clown konfrontiert auch die anderen Theaterpartisanen mit dem Tod. Wie geht man mit dem Thema um? Lässt man es zu oder wehrt man sich dagegen?

Musik gibt es auch: Neben Liedern von Blumfeld und der Berliner Band „Mutter“ ist Jazz, Pop und minimalistische Housemusik zu hören.

Wie gefällt den Jugendlichen die Arbeit mit Thorsten Bihegue? „Er ist direkter und konkreter von dem, was er von Schauspielern und Texten erwartet“, so Maximilian Kurth, einer der Theaterpartisanen.

Neben der Premiere am 13. März wird das Stück am 14. März sowie am 17. und 29. April 2015 aufgeführt.




Untergang eines Manipulators

Masetto (Sangmin Lee) muss gute Miene zum bösen Spiel von Don Giovanni (Gerado Garciacano) und Zerlina (Tamara Weimerich) machen. (Foto: © ©Thomas Jauk / Stage Picture GmbH)
Masetto (Sangmin Lee) muss gute Miene zum bösen Spiel von Don Giovanni (Gerado Garciacano) und Zerlina (Tamara Weimerich) machen. (Foto: © ©Thomas Jauk / Stage Picture GmbH)

Am 08. März 2015 stand die Premiere von „Don Giovanni“ auf dem Programm des Dortmunder Opernhauses. Die Inszenierung von Opernintendant Jens-Daniel Herzog überzeugte mit einer pfiffigen Bühnenidee, guten Sängerinnen und Sängern und aufregender Musik von Mozart.
Beim Bühnenbild hat sich Regisseur Jens-Daniel Herzog mit dem Bühnenbildner Mathis Neidhardt etwas ganz besonderes einfallen lassen: Musiker und Dirigent hinter einem Gaze-Vorhang, es gab kein Orchestergraben, dafür wurde eine Art Laufsteg quer durch den Zuschauerraum errichtet. Ansonsten war das Bühnenbild spartanisch, die Sängerinnen und Sänger standen im Mittelpunkt.
Schon der Beginn war ungewöhnlich inszeniert: Die Sänger stellten Stühle mach vorne und simulierten während der Ouvertüre eine Reihe im Theater mit Hustenden, Zuspätkommenden usw. Schon hier wurden die Konflikte zwischen den Figuren angerissen.

Die Geschichte: Das Hobby von Don Giovanni ist Frauen verführen. Zusammen mit seinem Diener Leporello reist er quer durch die Lande. Bei Donna Anna hatte er Erfolg, auch Zerlina ist ihm nicht abgeneigt, obwohl sie mit Masetto verlobt ist. Ihre Männer stehen mehr oder weniger hilflos daneben. Masetto mit Wut im Bauch. Don Ottavio, der Verlobte von Donna Anna, ist eher der kühle Analytiker. Zum Ärger von Don Giovanni heftet sich Donna Elvira auf seine Fährte, denn er habe ihr dir Ehe versprochen, behauptet sie. Als Don Giovanni aber Donna Annas Vater, den Komtur (Christian Sist) tötet, setzt er eine Spirale in Gang, die er nicht mehr stoppen kann.

Einen Don Giovanni in seiner Umgebung zu haben, ist für die meisten Menschen vermutlich der Alptraum. Jemand, der wie ein chirurgisches Instrument die Bruchstellen einer Beziehung erkennt und gnadenlos ausnutzen kann, ist wie Sprengstoff. Während er den Frauen ihre geheimen Wünsche nach Leidenschaft und Aufstieg befriedigt oder zumindest so tut, bleibt den Männern der Frust. Ob sie ihn wie Masetto offen zeigen oder wie Ottavio unter ihrer kühlen Hülle verbergen, bleibt gleich.

Morgan Moody sang den Leporello. Der Diener von Don Giovanni ist ein typischer Sidekick. Eine komische Figur, in deren Wunsch auch mal Frauen abzubekommen, eine gewisse Tragik liegt. Moody liegt die Rolle sichtlich. Hier kann er sein komisches Talent ausleben, und seine Anmachversuche gegenüber Donna Elvira (Emily Newton) spielen beide mit herrlichem Witz. Moody gibt den treuen Diener mit Hingabe und singt die bekannte Arie „Madamina, il catalogo e questo“, in der er Donna Elvira über die Eroberungen seines Herren aufklärt.

Eleonore Marguerre singt die Donna Anna. Eigentlich eine einfache Figur, Don Giovanni hat ihren Vater ermordet und sie will Rache. Das soll ihr Verlobter, Don Ottavio, besorgen. Eigentlich. Denn was ist zwischen Don Giovanni und ihr wirklich abgelaufen? Die Vorgeschichte kennen wir nicht, aber es scheint, als ob die beiden sich schon länger kennen. Ist Donna Anna also nicht so ganz unschuldig wie es scheint? Marguerre bringt den Zwiespalt der Figur zwischen der Rächerin, der Verlobten von Don Ottavio und ihrer Begierde für Don Giovanni sehr gut auf den Punkt.
Don Ottavio, gesungen von Lucian Krasznec, ist eine interessante Figur in der Oper. Er bleibt ruhig, obwohl Don Giovanni an seiner Verlobten Donna Anna baggert. Wenn man soll will, ist Don Ottavio eine moderne Figur, denn er nimmt die Frauen ernst. Er will eigentlich nicht in das Ränkespiel gegen Don Giovanni mitmachen, doch aus Liebe zu Donna Anna macht er mit. Krasznec spielt den Don Ottavio kühl und nachdenklich, nur in den Momenten, in denen er seine Liebe zu Donna Anna gesteht, ist seine Leidenschaft spürbar.

Kommen wir nur „niederen Paar“: Zerlina und Masetto. Zerlina (Tamara Weimerich) scheint glücklich verlobt mit Masetto (Sangmin Lee), doch wie heißt es so schön „Glück und Glas, wie leicht bricht das.“ Denn Zerlina hofft, durch Don Giovanni in die höheren Kreise aufzusteigen, möglicherweise ein besseres Leben zu führen als mit dem Bauer Masetto. Doch Zerlina durchschaut das böse Spiel von Don Giovanni sehr spät. Weimerich singt wunderbar die Zerlina zunächst als Dummerchen vom Land, dass aber durch die Bloßstellung von Don Giovanni auch zu den Verschwörern gehört.
Masetto ist ein Bauer und weder vom Stand her noch von der Eloquenz Don Giovanni gewachsen. Sangmin Lee ist herrlich komisch in seiner Rolle von Masetto. Seine Wutausbrüche und sein Versuch, Don Giovanni mit Gewalt ans Leder zu gehen, scheitern grandios. Auch lässt er sich immer wieder von Zerlinas Liebesschwüren überzeugen.

Donna Elvira (EmilyNewton) ist eine ebenso tragikomische Figur wie Masetto oder Leporello. Eigentlich ist sie wie eine Stalkerin hinter Don Giovanni her, nur um unfreiwillig mit Leporello vorlieb nehmen zu müssen. In Elviras Arien ist bis zum Schluss immer noch die Liebe zu Don Giovanni spürbar. Newton bringt sehr viel Witz in ihr Spiel ein und ihre Kabbeleien mit Morgan Moody (Leporello) sind herrlich.
Don Giovanni ist die zentrale Figur in der Oper. Gerado Graciacano mimt ihn mit einer gewissen Überheblichkeit und einer Spur Brutalität. Er nimmt sich das, was er kriegen kann, wenn nötig mit Gewalt, auch wenn Menschen (Komtur) dabei zu Tode kommen. Zudem ist er manipulativ (oft auf Kosten von Leporello) und versucht, die Fäden in der Hand zu halten. Das unterscheidet ihn von einem reinen Hedonisten.

Der Höllensturz, das Ende von Don Giovanni, erinnerte ein wenig an den Krimi „Mord im Orient-Express“. Die sechs Verschwörer haben mit Hilfe des toten Komturs die Kraft gefunden, Don Giovanni unschädlich zu machen und nacheinander stoßen sie ihr Messen in den Körper des Verführers.
Auch Dank der gut aufgelegten Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von Gabriel Feltz wurde dieser Abend wieder zu einem besonderen Opernabend in Dortmund. Die Idee, das Orchester weiter nach hinten zu versetzen und die Sängerinnen und Sänger näher an das Publikum zu bringen, ist meiner Meinung nach voll aufgegangen. Über den Sinn und Zweck des Laufstegs kann man streiten, ich fand diese Idee nicht überzeugend. Dennoch war die Inszenierung insgesamt ein voller Erfolg.

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Klangvokal will musikalische Brücken bauen

Simone Kermes wird im Orchesterzentrum einen interessanten Liederabend geben. (Foto: ©Simone Kermes)
Simone Kermes wird im Orchesterzentrum einen interessanten Liederabend geben. (Foto: ©Simone Kermes)

Einen starken Einschlag in Richtung Weltmusik hat das diesjährige Musikfestival „Klangvokal“. Musikkulturen aus vier Kontinenten treffen vom 29. Mai bis 28. Juni 2015 in Dortmund zusammen. Natürlich dürfen die traditionellen Höhepunkte wie „Das Fest der Chöre“ oder die „Italienische Operngala“ im Westfalenpark nicht fehlen. Insgesamt 22 Aufführungen zeigen eine große Bandbreite an Vokalmusik.

Schon zu Beginn von Klangvokal wird der Schwerpunkt der Weltmusik deutlich. Das Eröffnungskonzert bestreitet der armenische Jazzpianist Tigran. Am 29. Mai 2015 spielt er zusammen mit dem Yerevan Chamber Choir und dem Kammerchor der TU Dortmund in der St. Marienkirche armenische Sakralmusik aus 14 Jahrhunderten. Auf eine besondere musikalische Reise schickt uns Noëmi Waysfield. Sie verbindet portugiesischen Fado mit jüdischer Musik. Zu hören ist dies am 05. Juni im domicil. Dorsaf Hamdani präsentiert am 14. Juni im Orchesterzentrum eine Melange von französischen Chansons der Französin Barbara und der arabischen Musik der Sängerin Fairuz. Fernöstliche Klänge sind im domicil am 14. Juni zu hören. Die Gruppe SEDAA präsentiert die traditionellen Gesangstechniken der Mongolei. Arabische Weltmusik erklingt am 27. Juni im domicil. Hier zeigt die kurdische Sängerin Aynur Doğan mit ihren drei Instrumentalisten das kulturelle Erbe ihrer Heimatländer.

Wenn Gesang auf Musik trifft, ist die Oper nicht weit. Eine amerikanische Nacht mit Werken von Gershwin und Bernstein erwartet die Besucher am 31. Mai im Konzerthaus. Die Sopranistin Simone Kermes lädt zu einem ungewöhnlichen Liederabend ins Orchesterzentrum. Am 11. Juni singt sie Lieder von Purcell bis Richard Strauss. Das Festival Klangvokal wird beendet mit der Italienischen Operngala im Westfalenpark. Die italienische Sängerin wird zusammen mit dem Funkhausorchester des WDR Melodien von Bellini, Verdi und Puccini anstimmen.

Barockmusik aus Frankreich, Italien und Spanien hat traditionell einen Platz bei Klangvokal. Das Ensemble Correspondances spielt am 04. Juni Musik der Komponisten Boësset, Moulinié, Rossi und Landi. Italienisch geht am 19. Juni weiter, wenn die Accademia Bizantina unter anderem Kantaten von Alessandro und Domenico Scarlatti erklingen lässt. Einen Ausflug nach Spanien, erlaubt uns das Barockensemble Al Ayre Espanol am 21. Juni. Es werden die Kantaten von José de Torre zu hören sein.

Was passiert, wenn man beim Gesang die Instrumente weglässt? Willkommen, bei der Kunst des A Capella-Gesangs. Die Tallis Scholars singen mehrstimmige Werke aus der Renaissance bis hin zu Arvo Pärt. Zu hören am 07. Juni im der Propsteikirche. Eine interessante Mischung zwischen arabischer und korsischer Vokalmusik präsentiert die libanesische Sängerin Tomb El-Hage und das korsische Vokalensemble A Filetta am 12. Juni in der Marienkirche.

Am 20. Juni steht die Dortmunder Chorlandschaft Mittelpunkt: Am 7. Fest der Chöre sind rund 130 Ensembles mit rund 4.000 Sängerinnen und Sänger beteiligt, die die Dortmunder Innenstadt zur Gesangsbühne verwandeln.

Doch Klangvokal präsentiert nicht nur eigene Veranstaltungen, in das Programm sind auch weitere Konzerte integriert. So findet unter anderem am 24. und 25. Mai das 19. Sparkassen A Capella Festival im Westfalenpark statt und die Dortmunder Philharmoniker spielen am 02. und 03. Juni Werke von Richard Wagner im Konzerthaus.

Der Vorverkauf hat bereits begonnen. Karten erhalten Sie bei Dortmund-Tourismus, an allen bekannten Vorverkaufsstellen und im Internet. Mehr Infos zu Karten und Programm finden Sie unter www.klangvokal.de




Eintauchen in die surreale Traumwelt von Heiner Müller

Mit seinen Traumtexten und seinem Sonett „Traumwald“ hat sich Heiner Müller ins die surreale Welt der Träume begeben. Das war das Thema der dritten Ausgabe der „Heiner Müller Factory“ vom 06. März 2015 im Institut.

Vergangenes Mal war mehr Lametta: In der zweiten Ausgabe im Februar hatte Heinar Müllor (Uwe Schmieder) noch einige Schauspielkollegen und einen opulenten „Chor der gefallenen Engel“ beisammen, am 06. März hingegen war der Chor auf drei Personen geschrumpft und Müllor bis auf einen Gast weitgehend alleine. Die Malerin SuSe Kipp war aber wieder mit von der Partie und malte live zum Programm ein Bild.

Im Mittelpunkt stand neben den Traumtexten das Stück „Herakles 2 oder die Hydra“. Der Text wurde von einem Gast gesprochen, während auf der Leinwand der Traumwald per Video projiziert wurde. In Müllers Text ist Herakles kein Held, der unbesiegbar ist, kein Superman. Im Gegenteil. Spät erkennt er, dass das „Tier“, das er jagt, der Wald ist.

Passend zum Thema Träume war Uwe Schmieder in Schlafrock gekleidet und hatte eine Schlafmütze auf den Kopf. So saß er im Sessel und las den drei Chormitgliedern aus den „Traumtexten“, das Bild hatte etwas idyllisches nach der Art von „Großvater liest seinen Enkeln aus dem Märchenbuch vor“.

Mit einem längeren Auszug aus „Thrakischer Sommer“ wurde der Abend beendet.




Bericht aus der Hölle

9783430201704_coverSascha Bisley las am 05.März im Schauspielhaus aus seinem neu erschienenen Buch „Zurück aus der Hölle“. Bisley erzählt seine persönliche Geschichte: Er hat als Jugendlicher einen Obdachlosen so schwer verletzt, dass dieser starb. Er kam ins Gefängnis und wurde dort auch Opfer von gewalt. Mittlerweile ist der Autor Sozialarbeiter und versucht Jugendlichen, die abzurutschen drohen, wieder in die Spur zu kommen. Daneben betreibt seit Jahren einen Blog (http://dortmund-diary.de).
Zu Beginn seiner Lesung führte Chefdramaturg Alexander Kerlin ein kleines Interview mit Sascha Bisley. Er mache sich sehr nackt in dem Buch, so der Autor „Das Buch ist knallhart und ziemlich ernst“, erklärte er. „Es ist aber kein Lehrbuch, sondern beschreibt, wie Einstiegsmuster funktionieren und wie Karrieren im Knast vonstattengehen.“
Durch seine Erfahrungen im Gefängnis kann er eher einen Zugang zu den „harten Jungs“ bekommen als Menschen, die frisch von der Universität kommen und kaum Lebenserfahrung haben. Allein mit seinen ganzen Tattoos strahlt Bisley schon eine andere Aura aus.
Dabei geht Bisley auch mit sich selbst ins Gericht. Kein Ausweichen, kein „die anderen sind Schuld“, kein „ich hatte eine schwere Kindheit“. „Ich bin selber Schuld“, gibt er offen zu. „Ich hatte die Freiheit Entscheidungen zu treffen“. Dass es in seiner Jugend oft die falschen waren, auch davon erzählt sein Buch.
Jeder Täter hat eine Biografie, so Bisley. Seine begann im Sauerland. Sein Vater war schon um die 60 Jahre alt, als er geboren wurde und nichts wies auf sein späteres Schicksal hin. Seine Erzählungen über seine Verhaftung und die ersten Tage im Knast waren sehr bedrückend. Das war im fast vollbesetzten Schauspielhaus deutlich zu spüren.
Kann jeder von uns zum Mörder werden? Bisley antwortet darauf mit einem klaren „Ja“. Jeder Mensch hat bestimmte Reizmuster und bei gewissen Punkten, sieht er eben „Rot“.
Die Hölle auf Erden? Für Bisley ist sie überall dort, „wo man nicht man selbst ist. Wo man gegen seinen Willen ist. Sei es in der Ehehölle oder in der Arbeitshölle.“

Zurück aus der Hölle
Sascha Bisley
Econ
240 Seiten
ISBN-13 9783430201704




Drei Theater erzählen Geschichte der Deindustrialisierung

Vorstellung des Dortmunder Beitrages mit Hilfe von KJT-Leiter Andreas Gruhn (ganz links). Ansonsten sind auf dem Bild zu sehen (v.l.n.r.) Désirée von Delft, Steffen Happel und Götz Vogel von Vogelstein.
Vorstellung des Dortmunder Beitrages mit Hilfe von KJT-Leiter Andreas Gruhn (ganz links). Ansonsten sind auf dem Bild zu sehen (v.l.n.r.) Désirée von Delft, Steffen Happel und Götz Vogel von Vogelstein.

Was haben Halle, Berlin und Dortmund gemeinsam? Sie waren große Industriestandorte, wovon heute außer Ruinen kaum noch etwas existiert. Im Berliner Vorort Schöneweide war früher einmal die AEG beheimatet und Elektroartikel in der DDR kamen von dort. In Halle an der Saale standen die Leuna-Werke und in Dortmund-Hörde gab das Stahlwerk vielen Menschen Arbeit. Wie kommen die Jugendlichen von heute zurecht? Welche Sorgen haben sie? Die Jugendtheater der drei Städte arbeiteten beim Projekt „Industriegebietskinder“ zusammen. Am 01. März 2015 gab es im KJT einen Zwischenstandbericht.

Das gemeinsame Projekt „Industriegebietskinder“ ist in drei Phasen geteilt. Im ersten Halbjahr 2014 fand die sogenannte Recherche statt. Abschluss und Höhepunkt der ersten Phase war ein mehrtägiges Camp in Juni 2014 in Berlin.

Im zweiten Halbjahr 2014 stand die Stückentwicklung auf dem Programm. Mit dem Schreiben der Theaterstücke wurden entweder Autoren (Berlin und Dortmund) oder die künstlerische Leiterin (Halle) betraut.

In der dritten Phase werden die Stücke produziert. In einer Vorstellungsreihe in Halle am Gasometer sind alle drei Stücke zu sehen. Am 29. Mai startet Halle mit „Neu statt sterben“, am 30. Mai ist Dortmund an der Reihe mit „Ach je die Welt“ und am 31. Mai zeigt das Theater Strahl aus berlin das Stück „The Working Dead“.

Beim Zwischenstandbericht am 01. März in Dortmund gab es einen kleinen Einblick, wie weit die Stücke schon gediehen sind. Allen drei ist gemeinsam, dass es um die Frage geht: Was entsteht nach dem Industriezeitalter? Für die Jugendlichen sind natürlich zwei Fragen ganz zentral, werde ich Arbeit haben und werde ich geliebt?

Der Autor Jörg Menke-Peitzmeyer, dessen Stücke auch in Dortmund gelaufen sind wie „Miriam, ganz in Schwarz“ präsentiert ein düsteres Stück. Drei Jugendliche gehen des Nachts in eine alte Fabrilhalle und treffen dort auf eine Art Geister. Die untoten Fabrikarbeiter, die ihrer Vergangenheit hinterherjammern? Schaffen es die Jugendlichen, etwas Neues aufzubauen?

Das Kinder- und Jugendtheater Dortmund präsentiert zwei Werke. Zum einen „Ach je die Welt“ von Anne Lepper. Hier suchen Jugendliche nach Orientierung. Gibt es Arbeit? Marc, Tobias und Christopher sind 15 Jahre alt und suchen nach einem Alfried Krupp, der Arbeit haben soll. Doch der ist verschwunden. Marie-Ann, fast 15, sucht das Glück. Die Suche wird in einer Tragödie enden.

Darüber hinaus wird eine 50-minütige Theater-/Textperformance erarbeitet, die den Strukturwandel am Phoenixgelände zum Thema hat. Der Titel „ASCHE unter meinen Docs“. Die Rollen werden Schülerinnen und Schüler der Marie-Reinders Realschule übernehmen.

Das Thalia Theater aus Halle an der Saale beschäftigt sich in ihrem Stück „Neu statt sterben“ mit dem Plattenbau von Halle-Neustadt. In der DDR ein beliebtes Wohnquartier, ist es heute teilweise rückgebaut worden. Im Stück soll eine Frau ein Theaterstück über den Plattenbau schreiben und trifft auf unterschiedlichste Personen. Ja, sogar der Plattenbau tritt als eigenständige Figur auf. Wie soll es mit Halle-Neustadt weitergehen. Mitwirkende sind neben den Schauspielern des Thalia Theaters auch Jugendliche aus Halle.

Bemerkenswert ist, dass in allen drei Stücken ein Chor eine wichtige Rolle einnimmt. In Berlin ist es der Geisterchor der Fabrikarbeiter, in Halle gibt es einen Jungpionierchor und in Dortmund tritt der „Chor der Sechstklässler“ auf.

 




Entspannung im Dortmunder Kunstverein

Hineinsetzen und Wohlfühlen: "ain't nobody got time for that" von Janina Lemparty, Stoff- und Soundinstallation und Oerformance, 2015
Hineinsetzen und Wohlfühlen: „ain’t nobody got time for that“ von Janina Lemparty, Stoff- und Soundinstallation und Oerformance, 2015

Haben Sie das Wort „Snoezelen“ schon einmal gehört? Nein? In den Niederlanden ist der Begriff (entstanden aus „snooze“ und „doze“ , was dösen bedeutet) eine Form therapeutischen Arbeiten und hat mittlerweile in vielen Ländern Einzug gehalten.

Hierbei werden Räume so gestaltet, dass Licht, Duft, Klang und weitere sensorische Eindrücke ein Wohlbefinden erzeugen. Es ist quasi eine Komfortzone. Studentinnen und Studenten der Kunstakademieklasse von Shana Moulton haben sich mit dem Thema Komfort auseinandergesetzt. Ist der Komfort ein Zufluchtsort? Installationen, Videos und Performances laden zum Entspannen ein.

Die Ausstellung unter dem Titel „to seek out, to explore, to doze, to snooze“ läuft vom 07. März bis zum 03. Mai 2015 im Dortmunder Kunstverein und ist auch ein Begleitprogramm des Internationalen Frauenfilmfestivals in Dortmund, das vom 14. bis 19. April stattfindet.

Generell sei gesagt, dass viele der Installationen zum Anfassen oder Hinsetzen einladen. Daher werden gleich zu Beginn die Besucher gebeten, ihre Schuhe auszuziehen. Der Kuscheltiersessel von Mila Stoytcheva und Kathrin Heyer wirkt auf den ersten Blick zerbrechlich, doch er lädt zum Hineinsetzen ein. So kann sich der Besucher durch Assoziationen an seine Kindheit behütet und geborgen fühlen.

Für die Verbesserung des Selbstbewusstseins hat sich Janina Lemparty verdient gemacht. In den kreisförmig angeordneten Sitzsäcken sind Arme eingenäht, so dass man sich selbst umarmen lassen kann. Aus dem Lautsprecher ertönt ein „You are special“.

Auch von haptischer, bei-greifender Art sind die glitzernden kegelförmigen Skulpturen von Yi Cui, die sich nach Anstoßen hin und her wiegen.

Auf der Suche nach Arkadia macht sich Elisabeth Schröder in ihrer Videoarbeit. Sie hat sich gefilmt, als sie Motorrad fahrend eine Landschaft durchquert. Weitere Videoarbeiten stammen von Vanessa Möbel, Mileva Testas und Gilsuk Ko.

Insgesamt sind Arbeiten von 24 Künstlerinnen und Künstlern zu sehen und zu hören.

Am Samstag, den 21. März gibt es um 15 Uhr eine Künstlerführung und während des Internationalen Frauenfilmfestivals findet ein Performance-Programm statt. Nähere Informationen unter www.dortmunder-kunstverein.de oder www.frauenfilmfestival.eu




Ein anderer Blick auf die Realität

Wiebke Bartsch, Meer, 2010, Inswtallation, 300x150x200 cm
Wiebke Bartsch, Meer, 2010, Inswtallation, 300x150x200 cm

Was ist Wirklichkeit? Was ist Realität? Man kann sich den Fragen aus naturwissenschaftlicher oder theologischer Sicht stellen? Oder aber aus der künstlerischen Warte betrachten. Das tut die Ausstellung „wirklich.wirklich. Spielarten der Realität“ im Künstlerhaus Dortmund. Sieben Künstlerinnen und Künstler zeigen vom 07. März bis zum 12. April Filme, Fotografien, Malerei und Skulpturen. Die Vernissage ist am Freitag, den 07. März um 20 Uhr.

Wiebke Bartsch aus Münster zeigt eine Installation, die aus einer Art Traum zu entspringen scheint. Eine (Meerjung-)Frau liegt am Boden und über ihr schwimmen Haie und Delphine. Die Tiere erinnern an Plüschtiere durch ihre weiche Oberfläche. Doch die Arbeit von Bartsch hat auch einen düsteren Hintergrund, denn sie will uns die Abgründe des Alltags zeigen.

Rachel Granofsky aus Boston erschafft Räume, die scheinbar für die Kamera geschaffen wurden. Denn die Perspektive ist sehr wichtig für einen Fotografen. Durch eine Verengung des Ausschnittes wird der Fokus wie ein Brennglas auf den gewählten Ausschnitt gelegt.

Ebenfalls aus Münster stammt Gertrud Neuhaus, die sich im Künstlerhaus mittels einer Installation „häuslich“ eingerichtet hat. Sie arbeitet mit Material, das sie findet, sei es Möbel, Gegenstände oder Waren. Ihre Rauminstallationen sind begehbare Bilder.

Eliane Paulino lebt und arbeitet in Düsseldorf, stammt aber aus Brasilien. In ihren Fotografien arbeitet sie mit einem speziellen Material: Kunststoff, der in PET-Flaschen enthalten ist. Das Material wird von ihr bearbeitet und geformt und bekommt so eine ganz neue Ästhetik, die Paulino mit inszenierter Fotografie in Szene setzt.

Evariste Richer aus Paris thematisiert Instrumente, die die Welt vermessen wie ein Maßband, eine Wasserwaage oder das Urmeter. Durch Verfremdung, beispielsweise ist die Wasserwaage mit Schweröl gefüllt und ist daher unbrauchbar, setzt der Künstler den künstlerischen Blick dem wissenschaftlichen entgegen.

Auch Filmemacher Stephan Sachs aus Kiel setzt in seinem Film „Translating the blue“ der wissenschaftlichen Sprache die Sprache der Poesie entgegen. Wo Wissenschaftler Zahlenkolonnen auswerten und so zu Ergebnissen kommen, setzt Schach auf die Sprache der Farben.

Shadman Shahid aus Dhaka setzt auf die Realitäten noch eine Art metaphysische Ebene drauf. Seine Fotografien wirken, als ob Shahid Geister und Gespenster fotografiert habe.

Künstlerhaus Dortmund

Sunderweg 1

44147 Dortmund

Öffnungszeiten: Donnerstag bis Sonntag von 16 bis 19 Uhr.




Surreal wirkende Stillleben

Sandra Opitz vor ihrem Werk "Der Rote Wald".
Sandra Opitz vor ihrem Werk „Der Rote Wald“.

In ihrer zweiten Einzelausstellung in der Galerie Dieter Fischer zeigt Sandra Opitz Malerei, Zeichnungen und Druckgraphik unter dem Titel „Feucht- und Trockenpräparate“. Die Vernissage ist am Freitag, dem 06. März 2015, die Ausstellung ist bis zum 22. März zu sehen. Der Titel bezieht sich auf die naturkundlichen Präparate, die entweder trocken (für Pflanzen) oder feucht (z.B. Schlangen) existieren.

Die Künstlerin ist fasziniert von naturhistorischen Dingen und der Anatomie des Menschen. Im Bild „Graskopf“ beispielsweise ist ein Querschnitt durch einen menschlichen Schädel zu sehen, wie er auch in Anatomiebüchern vorkommt, auf einer Seite der Schädeldecke wächst aber ein Grasbüschel aus dem Kopf. Diese surrealen Elemente können auf den ersten Blick verwirrend für den Betrachter wirken. „Man kann es auch ironisch und humorvoll sehen, statt eines reinen Vanitas-Motives“, so Opitz. Der Betrachter hat somit die Möglichkeit, sich eigene Gedanken zu den Bildern zu machen.

In früheren Zeiten glaubte man an die Existenz von Fabelwesen wie dem Basilisken. Als „Beweis“ wurden Teile unterschiedlicher Tiere zusammengenäht. Opitz setzt diese Idee malerisch um und kreierte einen Basilisken aus Zebra und Taube.

Das großformatige Bild „Der rote Wald“ von ist ein spannendes Werk, das technische Elemente und Natur enthält. Auf der linken Seite ist ein Teil eines Armaturenbrettes eines Autos zu sehen, darunter ein Knopf eines Flippers. Den größten Teil des Gemäldes nehmen die titelgebenden roten Bäume ein sowie ein Bär. Bär und roter Wald stammen aus Reiseerlebnissen der Künstlerin, als sie sich in Russland aufgehalten hat. Bemerkenswert sind auch die Turnschuhe, die Opitz in das Werk integriert hat sowie einen kleinen Schalter. Wie passen die technischen Elemente und die Naturbezüge zusammen? Die Antwort auf diese Frage muss der Betrachter wohl selber finden.

In ihren neuesten Arbeiten wendet sich Opitz stärker der Natur zu. Sie verbindet hier Naturdarstellungen, mit Elementen von Computersimulationen, um das organische mit dem anorganischen zu verbinden. So schafft sie mit der Farbigkeit einen assoziativ erzählerischen Kontext.

Opitz malt gerne mit Öl, weil Ölfarbe langsamer trocknet und sie somit noch in den Prozess der Bildgestaltung eingreifen kann. Teilweise benutzt sie weitere Materialien in ihren Bildern wie Linolstempel oder vor allem Klebebänder, die sie entweder im Bild lässt oder abzieht, so dass die unteren Schichten wieder hervortreten. „Malerei ist für mich ein Experimentiernmedium“, erzählt die Künstlerin.

Sandra Opitz ist seit Herbst 2014 auch als Künstlerin im Depot tätig. „Ich habe mich gut eingelebt“, so die Künstlerin „in meinem Atelier kann ich Großformate malen“.

Die Galerie Dieter Fischer ist Dienstag und Donnerstag von 17:bis 20 Uhr geöffnet sowie Sonntag von 15 bis 18 Uhr und nach Absprache

Galerie Dieter Fischer

Immermannstraße 29

44147 Dortmund




Rosenkrieg beim Therapeuten

Ob die beiden wieder zusammenfinden? Joanna Dorek (Katja Heinrich) und Valentin Dorek (Harald Schwaiger). Foto: © Austropott
Ob die beiden wieder zusammenfinden? Joanna Dorek (Katja Heinrich) und Valentin Dorek (Harald Schwaiger). Foto: © Austropott

Am 07. März 2015 hat im Kino im U das neue Stück der Theatergruppe „Austropott“ Premiere: „Die Wunderübung“ von Daniel Glattauer. Seit den letzten Aufführungen lag eine lange Zeit und auch personell hat sich etwas getan. Michael Kamp ist in Düsseldorf und Bochum engagiert und Katja Heinrich ist für die „Wunderübung“ neu an Bord. Grund genug für Ars tremonia mit den drei Akteuren Harald Schwaiger, Richard Saringer und Katja Heinrich ein Interview zu führen, in dem es nicht nur um das neue Stück geht, sondern auch einen kleinen Einblick in die Arbeit von Austropott gewährt.

Ars tremonia: Es gab ja eine lange Pause zwischen den letzten Stücken („Indien“ und „Der Kontrabass“) und „Die Wunderübung“. Woran lag es?

Schwaiger: Es lag an Terminen. Wir wollten eigentlich schon im Januar herauskommen. Es gab eine Verschiebung, weil Michael Kamp ja jetzt in Düsseldorf und Bochum engagiert ist. Danach waren wir auf der Suche nach Stücken und jetzt haben wir das große Glück, die Wunderübung bekommen zu haben. Es ist brandneu und wurde Ende Januar in Wien uraufgeführt.

Saringer: Es war auch nicht leicht für uns, den Verlag zu überzeugen.

Ars tremonia: Ist es normal, dass sich Verlage mit den Aufführungsrechten ihrer Stücke schwertun?

Schwaiger: Die Verlage haben natürlich viel Macht.

Heinrich: Es gibt natürlich auch Verlage und Autoren, die gar nicht wollen, dass ihre Stücke überhaupt an Off-Bühnen aufgeführt werden. Ohne Begründung.

Schwaiger: Wir sind froh, dass wir die Aufführungsrechte für „Die Wunderübung“ bekommen haben.

Saringer: Wir hatten eigentlich den Januar avisiert, drei bis vier Tage nach der Uraufführung. Dann kam das Veto vom Verlag und der Verlag wollte uns in den Mai verlagern. Aber wir haben gesehen, dass es bereits in Bielefeld in einem kleinen Theater gespielt wird und so haben wir uns auf März geeinigt.

Ars tremonia: Ist Michael Kamp jetzt ganz weg oder nur partiell?

Schwaiger: Wir haben ja keine langfristigen Verträge. Wir haben, wenn wir irgendwo arbeiten, kurzfristige Geschichten. Bei uns ist es so, wir wissen gar nicht, was nächstes Jahr sein wird. Das hat immer mit der Auftragslage zu tun. Wir sind auf dem freien Markt.

Ars tremonia: Wenn er wieder verfügbar wäre, würde er zurückkommen?

Schwaiger: Ja, auf jeden Fall.

Saringer: Die Schwierigkeit ist, bei drei Männern passende Stücke zu finden von einer ähnlichen Qualität wie „Kunst“, die drei Männer tatsächlich einzusetzen. Das schränkt natürlich dramaturgisch ein.

Schwaiger: Wir haben bei diesem Stück sofort zugebissen.

Ars tremonia: Das heißt, Frau Heinrich, Sie sind als Gast dabei?

Schwaiger: Wir sind drei gleichberechtigte.

Heinrich: Ich muss schon etwas grinsen, wenn ich als Berlinerin, die in Essen wohnt, jetzt bei Austropott dabei bin und gerne dabei bin.

Ars tremonia: Frau Heinrich, wie haben Sie sich in dieses Team eingefügt? Kannten Sie die beiden bereits?

Heinrichs: Ich habe mein erstes Engagement 1998 in Weimar gehabt und traf dann auf einen schmucken, erfahrenen Kollegen Harald Schwaiger. Wir haben drei Sachen zusammen gemacht und in zwei Stücken waren wir ein Paar. Dann hat uns das Leben in den Pott gebracht und dann haben wir uns über Theater gucken oder Facebook getroffen. Dann habe ich die Premiere von „Kunst“ gesehen. Ich war so begeistert, dass ich den Michael Kamp und Harald Schwaiger gesagt habe: ‚Wenn ihr jemals eine Frau braucht und ich das sein kann, freue ich mir ein Loch in den Bauch.‘

Ars tremonia: Perspektivisch gesehen, gibt es also mehr Stücke für zwei Männer und eine Frau als für drei Männer.

Saringer: Man muss auch sehen, dass es ein großes Gefälle bei Stücken gibt, was die Qualität angeht. Es gibt enorme Qualitätsunterschiede. Es ist auch die Frage, wenn man unter solchen Konditionen arbeitet, ob man sich die Aufführung traut. Da muss man sehr vorsichtig mit umgehen. Man kann sich nicht auf ein Experiment einlassen und muss ein Stück nach bestimmte Kriterien abklopfen, ob die Substanz reicht.

Ars tremonia: Wie viele Stücke haben Sie in der Auswahl von denen Sie denken, das kommt in die engere Wahl?

Saringer: Das ist ein laufender Prozess. Da muss man wirklich gnadenlos sagen, wir haben ein kleines Budget. Wir müssen hier Miete bezahlen und auf eine gewisse Wirtschaftlichkeit achten. Die Arbeit muss auch tragfähig bleiben.

Schwaiger: Der Richard will sagen, wenn die Leute nicht kommen, verdienen wir nichts. Wenn sie kommen, haben wir Einnahmen. Wir bekommen keine Subventionen.

Saringer: Wenn wir zwei oder drei Stücke in Auswahl hätten, wäre die Frage, wie wir die finanziell möglich machen können.

Heinrich: Wichtig ist bei der Auswahl auch zu schauen, was bieten die staatlichen Bühnen nicht an.

Schwaiger: Wir haben ein anderes Profil. Dass was uns unglaublichen Spaß macht, ist mit den Leuten direkten Kontakt zu haben. Ich reiße die Karten ab und begrüße die Leute per Handschlag. Die Leute kommen mittlerweile wegen uns, es hat sich so eine kleine Familie gebildet. Es ist schön zu merken, wenn die Leute nach Hause gehen, denen hat man ein Erlebnis bereitet.

Ars tremonia: Was macht ein Stück zu einem Austropott-Stück?

Schwaiger: Die Kriterien sind Humor

Saringer: … und zwischenmenschliche Beziehungen, entweder von Freunden oder Ehepartnern. Wir kämen jetzt nicht auf die Idee, ein politisches oder ein experimentelles Stück zu machen. Unser Fokus liegt klar auf zwischenmenschliche Beziehungen.

Heinrich: Wichtig ist auch der sprachliche Aspekt. Ob Reza, Hader oder Glattauer: Sie haben alle Sprachwitz, ohne intellektuell verschwurbelt zu sein. Unterhaltsam, aber auf hohem Niveau. Und es geht über Themen, die jeder kennt. Das Publikum erkennt das alles wieder. Sie erkennen den Ehestreit wieder, die Freuen erkennen sich in der Frau wieder, die Männer in dem Mann.

Ars tremonia: Was passiert bei der „Wunderübung“?

Saringer: Der Plott ist sehr simpel. Ein Ehepaar in einer schweren Krise kommt zu einem Paartherapeuten. Sie wissen nicht mehr weiter. Sie sitzen zum ersten Mal bei dem Therapeuten. Es gab auch keine Einigkeit beim Hingehen, sie haben schon gestritten, ob es Sinn macht, dort hinzugehen. Der Paartherapeut versucht einiges, um die beiden wieder in ein gutes Fahrwasser zu bringen. Es funktioniert nicht zufriedenstellend. Der Paartherapeut bricht ab und setzt eine Pause an. Das ist natürlich ein Thema, das jeder Mensch kennt. Egal ob jemand verheiratet ist, oder nicht.

Heinrichs: Sobald man mit Leuten zusammen lebt, gibt es Verletzungen, Erwartungen, nicht erfüllte Bedürfnisse, Vorwürfe ohne Ende. Vor lauter gegenseitiger Enttäuschung geht gar nichts mehr. Es ist nur noch ein „Bekriegen“ und so kommt das Paar dahin. Das machen sie glücklicherweise nicht auf eine böse Art: Man kann im Publikum lachen und sich trotzdem wiedererkennen und denken ‚Und so ist meine Frau auch immer‘ oder ‚Mein Mann bekommt den Mund auch nicht auf‘. Ein bisschen wie ‚Rosenkrieg‘.

Schwaiger: Das macht für mich die Qualität von Glattauer aus. Es ist nicht konstruiert, sondern kommt aus dem Leben heraus. Das kennt man von sich oder hat es schon hundertmal gehört.

[Welchen Trumpf der Therapeut aus dem Ärmel zieht, wird an dieser Stelle nicht verraten.]

Der Therapeut (Richard Saringer) versucht alles, Valentin Dorak (Harald Schwaiger) ist skeptisch. (Foto: © Austropott)
Der Therapeut (Richard Saringer) versucht alles, Valentin Dorek (Harald Schwaiger) ist skeptisch. (Foto: © Austropott)

Daniel Glattauer
Die Wunderübung

Premiere
Samstag, der 07.03.2015, 19.30 Uhr

Termine
Samstag, der 14.03.2015, 19.30 Uhr
Sonntag, der 15.03.2015, 18.30 Uhr
Mittwoch, der 18.03.2015, 19.30 Uhr
Samstag, der 21.03.2015, 19.30 Uhr
Sonntag, der 22.03.2015, 18.30 Uhr

Samstag, der 25.04.2015, 19.30 Uhr
Sonntag, der 26.04.2015, 20.00 Uhr
Mittwoch, der 29.04.2015, 19.30 Uhr

Samstag, der 09.05.2015, 19.30 Uhr
Sonntag, der 10.05.2015, 18.30 Uhr
Samstag, der 30.05.2015, 19.30 Uhr
Sonntag, der 31.05.2015, 19.30 Uhr

Samstag, der 13.06.2015, 19.30 Uhr
Sonntag, der 14.06.2015, 18.30 Uhr

Eintritt 18 €, ermäßigt 10 €

Vorverkauf:

Ohne zusätzliche Gebühren für alle Termine direkt zu erwerben im Dortmunder U, Leonie-Reygers-Terrasse, 44137 Dortmund
Di + Mi 11:00 – 18:00 Uhr | Do + Fr 11:00 – 20:00 Uhr | Sa + So 11:00 – 18:00 Uhr | Mo geschlossen

Reservierung:

Kartenreservierung telefonisch unter 0159 03158179 oder per Mail unter tickets@austropott.de . Die reservierten Tickets können Sie ausschließlich an der Abendkasse eine Stunde vor Vorstellungsbeginn abholen.