Expressive Farbigkeit

Sabine Wolf vor ihrem Bild "Südtribüne 1".
Sabine Wolf vor ihrem Bild „Südtribüne 1“.

Die Artothek der Stadt- und Landesbibliothek zeigt bis zum 19. Mai 2015 die Ausstellung „Eine fast schöne neue Welt“ von Sabine Wolf. Die Künstlerin, die seit 1999/2000 malt, verbindet in ihren Bildern Motive aus Natur, Sport und den neuen Kommunikationsmitteln.

Schwarzgelbe Massen auf der Südtribüne des Westfalenstadions. Fahnen und Banner werden zur Unterstützung der Mannschaft geschwenkt. Diese Atmosphäre hat Sabine Wolf in ihren beiden Bildern Südtribüne 1 und Südtribüne 2 festgehalten. Dabei arbeitet sie nicht naturalistisch, sondern sie benutzt dafür den selbst gewählten Begriff „expressive grafische Malerei“, die grafische und malerische Elemente verbindet. So sind keine Gesichter auf dem Bild der Südtribüne zu erkennen, aber die besondere Spannung des Fußballspiels und der Fanmassen ist spürbar.

Durch die Abstraktion erreicht Wolf natürlich, dass der Bildinhalt nicht eindeutig ist. „Ich finde es wichtig, dass der Betrachter sich eine eigene Interpretation der Bilder schafft“, so die Künstlerin, die ihre zehn ausgestellten Bilder in Acryl malte.

Ein weiteres Thema neben Sport ist die Beziehung von Natur und moderner Kommunikation. Das sieht Wolf nicht generell als etwas Gegensätzliches, sondern es gehört zur gesellschaftlichen Entwicklung. In den beiden Bildern „Social Community“ beispielsweise verschwindet die gesendete Kommunikation buchstäblich in Luftblasen. In „Social Community 1“ greift die Künstlerin auch auf die Kollage zurück.

Die Kunstwerke sind hauptsächlich aus den Jahren 2014/15 und bestechen durch ihre Farbigkeit und Formgebung.

Die Artothek hat dienstags und freitags geöffnet von 10 bis 19 Uhr.




Die Faszination der Transformation

Künstler Mathias Schubert vor einem seiner Mündungsbilder.
Künstler Mathias Schubert vor einem seiner Mündungsbilder.

Mündungsgebiete sind für den Künstler Mathias Schubert Orte der Veränderung. Hier findet der Übergang zwischen fest und flüssig statt. Die Ausstellung in der städtischen Galerie Torhaus Rombergpark zeigt vom 12. April bis zum 05. Mai 2015 zwölf Werke, davon drei Drucke und neun Ölgemälde.

Wenn Flüsse ins Meer fließen, verändert sich die Landschaft. Etwas, was Mathias Schubert fasziniert. „Es ist Zustände, die sich verändern, Vergangenheit trifft Zukunft“, erklärt der Künstler. Seine Bilder mäandern zwischen Abstraktion und konkreter Malerei, bleiben aber überwiegend abstrakt. Sie zeigen ihre Bedeutung nicht auf dem flüchtigen Blick, sondern der Betrachter muss sich Zeit lassen, die einzelnen Teile wie bei einem Puzzle zu einem Bild zusammenzufügen. Daher vergibt Schubert auch keine Titel für seine Bilder, denn der Betrachter sollte sich unvoreingenommen mit den Bildern beschäftigen.

Eine weitere Besonderheit von Schubert ist, dass er seine Ölfarben selber zusammenmischt. Dadurch kann er – anders als bei gekaufter Tubenfarbe – farbliche und malerische Experimente ausprobieren, wie beispielsweise durch das Trocknen der Strukturen ein dreidimensionales brüchiges Relief zu bekommen.

Öffnungszeiten Torhaus Rombergpark:

Dienstag-Samstag, 14:00-18:00 Uhr
Sonntag, 10:00-18:00 Uhr




Ein Lob der Zahnräder und der Langsamkeit

Der "Steamborg Helm" von Alexander Schlesier von 2013 ist eine Verbindung von Steampunk und dem Star Trek-Universum.
Der „Steamborg Helm“ von Alexander Schlesier von 2013 ist eine Verbindung von Steampunk und dem Star Trek-Universum.

Mit der Ausstellung „Das mechanische Corps“, die vom 11. April bis zum 12. Juli 2015 im Hartware Medienkunstverein (HMKV) zu sehen ist, taucht die dritte Etage des Dortmunder U in die Welt des französischen Schriftstellers Jules Verne ein. Doch die Ausstellung ist keine Hommage an den Schriftsteller, sondern spiegelt die Beschäftigung von Künstlern und Nicht-Künstlern mit einer Art Parallel-Universum wider, in der die Welt Vernes zum Leben erweckt wurde.

Die Technik wird immer kleiner und schneller. Füllten Computer früher ganze Räume, passt deren Rechenkraft heute in ein mobiles Telefon. Doch es gibt Künstler und Subkulturen, die sich vor der Langsamkeit verneigen: Steampunk. Die Ästhetik des frühen Industriezeitalters mit ihren Dampfmaschinen und Zahnräder fasziniert sie und sie schaffen seltsam skurrile Werke, die Modernität und Vergangenheit miteinander verbinden, quasi Retrofuturisten. Das viktorianische Zeitalter lebt.

Eine spannende Verquickung zwischen neuer und alter Technologie zeigt der „Nautilus Gameboy“ von Wendy Esmeralda Castillo aus dem Jahre 2014. Der Gameboy ist eingebettet in Zahnrädern, einem Aufziehmechanismus und strahlt etwas Handwerkliches aus. Ähnlich wie die „Ghost Hunter Pistole“ und der „Steamborg Helm“ von Alexander Schlesier fragen die Objekte nach dem Verbleib der Mechanik in einer digitalisierten Welt.

In der Ausstellung sind neben „echten“ Künstlern auch Werke von Menschen zu sehen, die eher Kunsthandwerker sind. Wie beispielsweise Richard Nagy. Sein „Datamancer Sojourner Keyboard“ aus dem Jahre 2015 ist nicht als Unikat konzipiert, sondern es war käuflich zu erwerben.

Was haben die Freiheitsstatue und der Eiffelturm gemeinsam? Sie stammen aus der gleiche Zeitepoche. Die Freiheitsstatue wurde 1886 eingeweiht, der Eiffelturm 1889 errichtet. Passend zum mechanischen Corps lässt der Künstler Michael Sailstorfer die Freiheitsstatue in seiner Arbeit „Freedom Fries am Arbeitsplatz“ durch einen mechanischen Bohrer Löcher in eine Gipskartonwand bohren.

Der HMKV wäre nicht der HMKV, wenn es nicht auch multimediale Elemente in der Ausstellung gäbe. So sind auf einigen Bildschirmen Szenen von Jules-Verne-Verfilmungen zu sehen, Bücher und Comics laden zum Lesen ein.

Ein besonderes Ausstellungsstück ist die Scharfschützenmaske aus dem Ersten Weltkrieg. „Jeder Fortschrittsglaube hat auch eine militärische Komponente“, so Christoph Tannert, der die Ausstellung bereits in Berlin mitkuratiert hatte. Denn jeder Fortschritt werde erst mal geprüft, ob er sich auch militärisch nutzen lasse. So bekommt das „mechanische Corps“ auch einen militärischen Klang.

Eintritt: 5 € / 2,50 € ermäßigt

Weitere Informationen zur Ausstellung und zum Sonderprogramm auf der Seite des HMKV.




Wenn städtische Gelder verschwinden

Eine volle Ladung Dortmund-Krimi: "Die Abräumer" von Thomas Schweres. (Foto: © Grafit Verlag)
Eine volle Ladung Dortmund-Krimi: „Die Abräumer“ von Thomas Schweres. (Foto: © Grafit Verlag)

Schrottverkäufe auf eigene Rechnung, veruntreutes Geld aus der Stadtkasse: die Stadt Dortmund hatte in den vergangenen Jahren so ihre Probleme mit Mitarbeitern, die meins und deins auf recht eigenwillige Art interpretierten. Thomas Schweres führt uns in seinem zweiten Krimi „Die Abräumer“ in die Welt von dubiosen Immobiliengeschäften, korrupten Bankern und Unterschlagungen in der städtischen Verwaltung.

Die Geschichte: Michaela Schmidt erzwingt bei einem Überfall auf die Hombrucher Filiale der Sparbank die Herausgabe mehrerer tausend Euro und flüchtet mit ihrem Motorrad. Dabei kommt ihr zufällig der Reporter Tom Balzack mit seiner Lebensgefährtin in die Quere. Die Verfolgung endet in einem Waldstück. Die Bankräuberin wird erschossen neben ihrer Maschine vorgefunden, und der Reporter liegt bewusstlos neben seinem Mountainbike.

Es stellt sich heraus, dass die Bankräuberin und ihre Familie Opfer dubioser Immobiliengeschäfte geworden ist. Doch auch ihr Mann und die beiden Kinder sind verschwunden. Das hier jemand über Leichen geht, bekommen Balzack und Schüppe recht bald am eigenen Leibe zu spüren…

Sein zweiter Krimi mit dem zum Leidwesen seiner Dortmunder Dienststelle aus Gelsenkirchen stammende „Schalke-Fan“ und eigenwillige Kommissar Georg Schüppe und seinem Reporter-Pendant Tom Balzack führt den Leser in die Abgründe von Korruption und Klüngel. Schüppe steht in dem neuen Fall der kurdischer Kollege und ehemaliger SE-Kraft Amin Gültekin zur Seite. Doch Gültekins hat auch eine zwielichtige Vergangenheit.

Schweres greift hier nicht nur eine aktuelle Thematik auf, sondern gibt auf unterhaltsame Weise Einblicke in die Journalisten-Szene und die Boulevard-Presse. Auch wird speziell die aktuelle prekäre Situation für die freien Journalisten erwähnt. Er verwebt die Story mit einem kriminellem Geschehen aus dem Jahr 1999. Für die Leser und Leserinnen gut in kursiver Schrift geschrieben zu erkennen. Sie erfahren zudem im Vergleich zum „Abtaucher“nach und nach wieder etwas neues aus dem Privatleben und Vergangenheit der Protagonisten. Nicht nur für Dortmunder „Insider“ eine spannende Krimi-Lektüre für die Ferienzeit.

Nach seinem Volontariat bei Axel Springer trieb sich der in Autor Thomas Schweres als Boulevard-Journalist herum. Dabei konnte er Erfahrungen und Insiderwissen aus Polizei-und Pressearbeit sammeln, die ihm schon bei seinem ersten Kriminalroman „Die Abtaucher“ aus dem letzten Jahr zugute kamen.

Thomas Schweres: Die Abräumer

Erschienen im grafit Verlag

ISBN 987-3-89425-8

Preis: € 9,99




Frühling in der Galerie der kunstbetrieb

Mathes Schweinsberger zeichnete den Abbruch des "Soundgarden" an der Bremer Straße. (Foto: © der kunstbetrieb)
Mathes Schweinsberger zeichnete den Abbruch des „Soundgarden“ an der Bremer Straße. (Foto: © der kunstbetrieb)

Noch bis zum 29. April zeigt die Galerie „der kunstbetrieb“ in der Gneisenaustraße 30 neue Arbeiten unter dem Titel „Lenz“ aus den Bereichen Malerei, Grafik, Objektkunst und Fotografie .
Mathes Schweinberger stellt Zeichnungen vom im letzten September abgerissenen Dortmunder Soundgarden aus.
Von Anke Droste sind Studien und Skizzen zu sehen, die in der Vorbereitung auf die im April  dieses Jahres stattfindende Mauergestaltung an der Dortmunder Weißenburger Straße entstanden sind. Objektkünstlerin Almut Rybarsch zeigt einige ihrer noch nicht gezeigten Nordstadtgesichter und Klaus Pfeiffer präsentiert Scanner-Fotografien, die das Reproduzieren und Kopieren zum Thema machen. Der junge Künstler Kirian wird Ende 2015 eine Einzelausstellung im kunstbetrieb haben, von ihm ist ebenfalls ein Bild zu sehen. Auf zwei schmalen Querformaten zeigt Sylvia Reuße Lastschiffe in wild-bewegtem Wasser. M.T. Ghorbanali stellt Kleinplastiken aus Speckstein aus und Artur Wojtczak hat Faune auf Papier gemalt.

Öffnungszeiten:

montags – freitags: 11.00 Uhr – 13.00 Uhr
montags – freitags: 15.00 Uhr – 18.00 Uhr
samstags: 11.00 Uhr – 13.00 Uhr




„Man muss es sich leisten können“

Der Film „Göttliche Lage“ von Ulrike Franzen und Michael Loecken aus dem Jahre 2014 befasste sich mit der Entstehung und Entwicklung des Phoenix-Sees in Dortmund-Hörde. Ist der See nun Aufwertung des Viertels oder droht damit die Gentrifizierung? Am Sonntag, dem 29. März 2015 wurde der Film im Kino im U gezeigt.

Früher, als das Stahlwerk noch Stand, arbeiteten dort bis zu 18.000 Menschen. Die Wohngegend um das Werk war nicht sehr beliebt. Alt und billig eben. Die beiden Filmemacher haben mit sehr vielen Menschen gesprochen, um die Veränderung, die der See brachte, auch darzustellen. Es gibt nämlich nicht nur Gewinner.

So wurde eine Kioskbesitzerin porträtiert, die aufgrund der vielen Baustellen einen großen Einbruch an Kunden verzeichnete und letztendlich aufgeben musste. Auch der metallverarbeitende Betrieb musste weg und zog schließlich ganz aus Dortmund fort. „Nach Arbeitsplätzen wird nicht mehr gefragt“, so der Geschäftsführer des Unternehmens bitter.

Ganz anders die Situation am Südufer, der Film zeigt die Entstehung und Vermarktung der „Filetstücke“ direkt am See von Anfang an. Die Phoenixsee Entwicklungsgesellschaft21 erlaubte den Filmemachern hautnah dabei zu sein. So gelangen sehr schöne Szenen von Sitzungen, auf denen Vortragende mit Marketing-Wortgeklingel glänzten. Auch einige Käufer der Häuser am See wurden gezeigt.

Am Berührendsten waren die Szenen mit dem Bezirkspolizisten Wegner, der bei seinen regelmäßigen Rundgängen begleitet wurde. Jemand, der seinen „Kiez“ seit Jahren kennt, hat nun mal einen besonderen Blick auf die Menschen, die dort wohnen. Von daher ist er auch sicher, dass es „keine Vermischung zwischen den Nord- und Südbereichen“ geben wird. Auch wenn wie im Film schön zu sehen ist, die Menschen im Nordbereich des Sees ihr persönliches Paradies schaffen wollen. Noch scheint das Thema Gentrifizierung in Hörde weit weg zu sein.




Houellebecq als Live-Animationsfilm

Isabelle und Daniel auf der großen Leinwand. Bettina Lieder, Andreas Beck, Frank Genser und Merle Wasmuth drum herum. (Foto: ©Birgit Hupfeld)
Isabelle und Daniel auf der großen Leinwand. Bettina Lieder, Andreas Beck, Frank Genser und Merle Wasmuth drum herum. (Foto: ©Birgit Hupfeld)

Dortmund überrascht. Dich. So lautet das neue Motto der Stadt. Was die Stadt kann, kann das Schauspielhaus schon lange. Allein in dieser Spielzeit gab es eine Punk-Operette, eine herrliche Umsetzung des Hollywoodfilms „Minority Report“, Nosferatu in Stummfilm-Optik und -mimik sowie ein „Moby Dick“ mit Puppen und Menschen. Die Premiere von „Die Möglichkeit einer Insel“ setzte noch mal einen drauf. Es wurde von den vier Schauspielern live ein Animationsfilm erstellt. Ein Premierenbericht vom 28. März 2015.

Als ratternd die starre Bühnenwand hoch gezogen wurde, hatte man zunächst das Gefühl auf einem Konzert der Gruppe Kraftwerk gelandet zu sein. Vier gleich gekleidete Menschen standen vor vier Tischen. Doch auf dem Tischen waren keine Synthesizer, sondern hier wurden die einzelnen Platten für den Animationsfilm aufgelegt. Doch auf der Bühne tat sich noch mehr. Es gab Kameraroboter, die Bilder für den Hintergrund lieferten, auch die Hintergrundbilder waren zu sehen.

Regisseur Nils Voges vom Künstlerkollektiv „sputnic“ erzählt den Roman vom Houellebecq mit Rückblenden und springt zwischen 2005 und 4005. In 4005 bilden die sogenannten Neo-Menschen eine neue hoch gezüchtete Form des Menschen. Sie werden geklont und bekommen das Bewusstsein ihres Vorgängers eingepflanzt. Im Stück erleben wir den Übergang von Daniel24 zu Daniel25. Im Laufe dieser Entwicklung wurden Lachen, Weinen und andere Emotionen herausgemendelt. Die Nachfolger müssen sich aber mit dem Leben ihres Urahns beschäftigen. Diese Aufzeichnungen sind als Rückblenden im Stück zu sehen. Daniel24/25 erfährt von einer Gruppe von Abtrünnigen, die auf Lanzarote leben soll und macht sich auf den Weg.

Vielleicht klingt die nüchterne Beschreibung ein wenig abstrakt, doch was die Schauspieler Andreas Beck, Frank Genser, Bettina Lieder und Merle Wasmuth zusammen mit der Technik auf die Bühne gebracht haben, war große Klasse. Denn sie mussten die jeweiligen Platten zum exakten Zeitpunkt auflegen und dabei den Animationsfilm vertonen. Wobei Animationsfilm nicht im Sinne von Disney oder den anderen Animationsfilmen zu verstehen ist, die Grafik erinnerte eher ein wenig an „Sin City“. Sie war dunkel, düster und reduziert.

In „Die Möglichkeit einer Insel“ geht es um die Suche nach dem Glück. Sind sie Menschen in der Zukunft glücklicher, nachdem sie versucht haben, die Emotionen durch Klonen auszumerzen? Dieses Vorgehen ähnelt ein wenig dem Buddhismus, bei dem Menschen durch Wiedergeburt versuchen, das nach ihrer Meinung leidhafte Dasein zu überwinden. Aber anstelle des spirituellen Weges wird mit dem Klonen ein wissenschaftlicher weg eingeschlagen.

Doch das Thema in der Jetzt-zeit ist das Altern, bzw. die Angst vor dem Altern. Houellebecq beschreibt den Urahn Daniel als egozentrisches, zynisches Arschloch. Die Liebe zur Chefredakteurin Isabelle gibt ihm Halt. Doch Isabelle kann sich mit ihrem Altern nicht abfinden und verlässt Daniel, nachdem ihre Ehe zu einer Einsamkeit zu zweit verkommen ist. Daniels Beziehung mit der über 20 Jahre jüngeren Schauspielerin Esther ging unromantisch per SMS in die Brüche.

Den ideologischen Überbau bei Houellebecq übernehmen die Elohimiten. Die Elohimiten haben tatsächlich eine Entsprechung in der realen Welt. Die Raëlianer vertreten eine Weltanschauung, die Wissenschaft mit biblischen Geschichten mischt. Nach ihrer Meinung sind die Götter Außerirdische. Zudem propagieren sie das Klonen. Zusammen mit dem Meditieren wollen sie dann ein höheres Bewusstsein erlangen.

Es ist unglaublich, was die drei Schauspieler mit ihren Folien zaubern (Andreas Beck steht am Soundpult), man starrt gebannt auf die große Leinwand und sieht in Echtzeit einen Animationsfilm entstehen. Zusammen mit der modernen Technik entsteht im Theater etwas überaus Faszinierendes. Puristen möglichen vielleicht einwenden: Im Theater wollen wir Schauspieler agieren sehen. Doch Nils Voges hat dieses Werk von Houellebecq in einer besonderen Weise umgesetzt.

Allen Beteiligten auf und hinter der Bühne und natürlich den Zeichnern der unzähligen Folien gehört ein großes Lob für ein überraschenden, berührenden und faszinierenden Theaterabend.

Weitere Termine: Sa, 04. April 2015, Do, 16. April 2015, So, 10. Mai 2015, Mi, 20. Mai 2015, Sa, 30. Mai 2015, Fr, 05. Juni 2015 und Fr, 19. Juni 2015.

[fruitful_dbox] Das schreiben die anderen:

WAZ

Westdeutsche Zeitung

WA

Literaturundfeuilleton[/fruitful_dbox]




Walfang mit politischer Dimension

Welche Mechanismen müssen greifen, damit Menschen für den Anführer oder seine Ideen bereits sind, alles zu tun? Zu sehen sind: Sebastian Graf, Johannes Hubert und Franziska Dittrich. (Foto: ©Birgit Hupfeld)
Welche Mechanismen müssen greifen, damit Menschen für den Anführer oder seine Ideen bereits sind, alles zu tun? Zu sehen sind: Sebastian Graf, Johannes Hubert und Franziska Dittrich. (Foto: ©Birgit Hupfeld)

Wie wird jemand zu einem Terroristen? Welche Mechanismen gehören dazu? Fragen, die zu Zeiten von IS, NSU und anderen Gruppen eine besondere Aktualität bekommen. In „Moby Dick vs. A.H.A.B – All Heroes Are Bastards“ in der Regie von Roscha A. Säidow gingen Puppen und Menschen gemeinsam auf einen Rachefeldzug. Ein Premierenbericht aus dem Studio des Schauspielhauses vom 27. März 2015.

Ein Mann – im Roman Ismael genannt – bricht alle Brücken hinter sich ab und schließt sich einer Gruppe von Menschen an, die nur ein bestimmtes Ziel hat: „Tod dem Wal – tötet Moby Dick“. Erst eine Katastrophe, die alle seine Kameraden tötet, bringt ihn zur Vernunft. Ja, „Moby Dick“ ist mehr als ein Abenteuerroman mit Walfangambiente.

Regisseurin Säidow ist Mitglied in der Gruppe „Retrofuturisten“, die ein freies Theater- und Puppenspielkollektiv aus Berlin sind. Sie kombinieren in ihren Arbeiten Puppen- und Schauspieltheater, was auch in der Inszenierung von „Moby Dick“ zum Tragen kam. Der erste Teil des Stückes bestand aus einem Puppentheater, das die bekannte Geschichte der Hauptfigur Ismael, Kapitän Ahab und Moby Dick erzählte. Dabei wurden Figuren auch ironisch umgesetzt, so war die „Puppe“ von Ahab ein Tischbein, denn bekanntermaßen hatte Ahab beim Kampf mit Moby Dick sein Bein verloren.

Konnte das Publikum beim ersten Teil vor allem wegen der gut gemachten Puppen noch häufig lachen, wurde es zu Beginn des zweiten Teils ernster. Denn hier ging es um die Motivation von Ismael. Hier agierten die fünf Schauspieler auch vor dem Publikum.
Ismael bricht alle seine Brücken ab. „Ich will mein Leben zurück“, sagte er. „Ich will einen Ausstieg aus der Comfort Zone.“ Hier wird die persönliche Unzufriedenheit, die Leere zu einem Grund, sich auf das Schiff von Ahab zu flüchten. Aus einem Ich wird ein Wir. „Wir sind AHAB“, skandiert die Gruppe, die in Schwarz uniformiert auf der Bühne steht. Und das Wir lässt sich vom Anführer manipulieren. Schon bei Melville war Moby Dick ein Symbol für eine dämonische Naturkraft, in der Inszenierung benutzt Säidow die Analogie zu „Leviathan“. Das biblische Monster wird in Thomas Hobbes gleichnamigen Werk zu einem Symbol für den absolutistischen Staat, den es zu bekämpfen gilt. Doch der Hass auf den weißen Wal lässt sich nicht nur auf eine Staatsform oder auf den Staat transformieren, es geht im Prinzip nur darum einen gemeinsamen Feind zu haben. Ob Staat, Ungläubige, Fremde, ist egal. Es müsse alles getan werden, „um die Welt vom Weiß zu befreien“, so Ahab in dem Stück. Und „alles“ bedeutet wirklich „alles“. „Heute Nacht wurde gemordet“, erzählt Ismael und konstatiert „noch nie ist das Schiff so rein, wie nach einem Blutbad“.

Doch welche Motive hat der Anführer Ahab? Diese Frage wurde in einer witzigen Form vom „literarischen Quartett“ versucht zu beantworten. Drei Schauspieler mit Riesenköpfen von Marcel Reich-Ranicki, Sigrid Löffler und Hellmuth Karasek standen auf der Bühne und versuchten mit dem Anführer zu diskutieren. Kommt der Hass von Ahab daher, weil er nur ein Spielball der „Walfangmafia“ ist oder hat er seinen persönlichen Hass durch den Verlust seines Beines zu einem politischen Hass gemacht?

Gibt es einen Weg zurück? Am Ende bleibt Hoffnung: „Ich bin nicht Ismael“, so die vier Gruppenmitglieder am Ende des Stückes.

Der Erfolg des Stückes lag auch an der exzellenten Zusammenarbeit von Retrofuturisten um Franziska Dittrich, Johannes Hubert und Magdalena Roth sowie den beiden Schauspielern Sebastian Graf und Uwe Schmieder vom Dortmunder Ensemble.
„Moby Dick vs. A.H.A.B.“ lässt kaum einen Zuschauer kalt. Endgültige Antworten über das Warum und Wieso jemand zum Terroristen wird, gibt das Theaterstück nicht, es lädt aber zum Diskutieren ein. Absolute Empfehlung!

Weitere Termine und Karten unter www.theaterdo.de oder 0231 50 27222.




Ein klein wenig Urlaubsfeeling

Woran denken Sie, wenn Sie an Urlaub denken? An Sonne, Meer, Berge, gutes Essen, Erholung? Sicher nicht an ein Krankenhaus. Schauspieler und Autor Rolf Dennemann hat diese Analogie zu seinem Programm „Unterwegs mit meinem Körper“ gemacht. Am Mittwoch, den 25. März 2015 hatte die szenische Lesung Premiere im Theater im Depot.

Rolf Dennemann kam nicht alleine, er hatte die Schauspielerin Elisabeth Pleß mitgebracht, die ihn nicht nur literarisch, sondern auch musikalisch unterstützte.

Doch zu Beginn stand eine gefilmte Autofahrt im Vordergrund, die über die Leinwand flimmerte. Die letzten Bilder eines eigenständigen Menschen, bevor er sich in die Hände einer Anstalt übergab? Die Erfahrungen, die Dennemann in den Krankenhäusern machte und literarisch verarbeitete, lassen sich in zwei Bereiche unterteilen: Die Organisation in Krankenhäusern und das Essen. Während Dennemann vom Mittagessen in manchen Häusern durchaus angetan war, war für ihn das Frühstück und das Abendbrot eine Reise in die Vergangenheit, als sein Vater noch im Krankenhaus war. „Das nenne ich Tradition“, so Dennemann in seiner süffisanten-ironischen Art.

Auch den Tagesablauf im Krankenhaus nimmt Dennemann auf Korn. Das frühe Aufstehen, die leicht chaotische Organisation. „Eine Schwester fragte mich nach der OP, ob ich eine Patientenverfügung hätte“, erzählte Dennemann. Vor allem das Warten im Krankenzimmer auf der Bettkante auf die Dinge, die vielleicht kommen würden (oder nicht) nahm er auf Korn. Nicht nur literarisch, sondern auch musikalisch und visuell. Zu der Musik von „Waiting for the sun“ von den „Doors“ gab es eine Diashow von Menschen, die auf Bettkanten saßen (oder lagen).

Nach der Pause wurden die Tische zusammengerückt, ein Strandbild auf den Beamer geworfen, eine Art Pepita-Hut aufgesetzt und weiter ging es in Dennemanns Tour durch die Krankenhäuser. Dem Betrieb der Krankenanstalten setzt Dennemann die ambulante Medizin in Form von niedergelassenen Ärzten, Apothekern und Optikern entgegen. Inwieweit der Autor das ernst meint oder Ironie hineinmischt, bleibt jedem selber überlassen.

„Unterwegs mit meinem Körper“ ist sicherlich nichts für Liegend kranke oder Menschen, die sich nicht mehr selber helfen können. Ansonsten wird jeder, der zumindest für ein paar Tage im Krankenhaus war, die Geschichten wiedererkennen. Sei es der Kampf um die Fernbedienung im Krankenzimmer oder die verwinkelten Gänge und Flure zu den jeweiligen Abteilungen, gegen die das Labyrinth des Minotaurus wie ein simpler Kreisverkehr anmutet.

Ob sich bei den Zuhörern jetzt trotz Koffer, Rezeption, Zimmerservice und „all-inklusive“ ein Urlaubsgefühl einstellt, wenn sie an Krankenhäuser denken, ist wohl nicht anzunehmen. Dennoch war es ein gelungener Abend aus dem Innenleben verschiedenen Krankenanstalten.




Menschen und Tiere im Mittelpunkt

Das Bild von Susanne Schütz zeigt kein Fabelwesen, sondern symbolisiert eine bockige Frau.
Das Bild von Susanne Schütz zeigt kein Fabelwesen, sondern symbolisiert eine bockige Frau.

Vom 27. März bis zum 19. April 2015 präsentiert die Galerie Dieter Fischer im Depot Dortmund die erste Einzelausstellung der Depot-Künstlerin Susanne Schütz. Neben ihren Öl- und Acrylbilder zeigt sie auch noch vier Plastiken. Die Vernissage ist am 27. März von 19 bis 21 Uhr.

„Ich lade in meinen Kopf ein“, erklärt Susanne Schütz und ergänzt, „es ist eine intime und persönliche Ausstellung.“ Ihre Bilder zeigen teils Alltagsszenen, teils haben die Bilder eine allegorische oder symbolische Bedeutung. Eine Wand ist Tier- und Menschenkindern gewidmet.

Die alten Meister bewundert Susanne Schütz. „Darüber hinaus bin ich Fan vom Symbolismus und vom Fin de siècle“, erklärt sie. Beides waren Kunstrichtungen, die zwischen 1880 und 1910 ihren Höhepunkt hatten.

In manchen Bildern finden sich Elemente wieder, die durchaus im Fantasy-Genre spielen könnten. So zeigt ein Bild eine Frau mit einem Bockshorn. Doch es steht nicht für eine Fantasy-Figur, sondern für eine Visualisierung des Begriffes „bockig“.

Ihre Bilder sind in unterschiedlichen Formaten. Ebenfalls eine bewusste Entscheidung der Künstlerin. „Ich spiele mit den Formaten.“

Neben den Bildern und den Plastiken bespielt Susanne Schütz den gesamten Ausstellungsraum. Dazu gehört ein Blumenarrangement, wie es niederländische Meister als Motiv für ihre Bilder benutzt haben sowie der Herzschlag der Künstlerin als akustische Begleitung.

Galerie Dieter Fischer

Immermannstraße 29

44147 Dortmund

Geöffnet Mittwoch, Freitag und Sonntag 12 bis 18 Uhr.