Elbe, Flut und Jugendwerkhof

Das Tanztheater „Ossimisten Wessimisten“, das am 02. und 03. Mai im Theater im Depot zu Gast war, erzählte die Geschichte von Torgau. Im ersten Teil stand die Flut im Mittelpunkt, der zweite Teil spülte einen dunklen Punkt in der Stadtgeschichte nach oben: Der geschlossene Jugendwerkhof, in dem im Laufe der Jahre über 4.000 Jugendliche viele Misshandlungen über sich ergehen lassen mussten.

Das Stück „Ossimisten Wessimisten“ ist eine Koproduktion der Kölner Tanzgruppe bodytalk mit den Landesbühnen Sachen. Die Choreografie stammt von Yoshiko Waki, Autor Rolf Baumgart sowie Sänger und Liedermacher Stephan Krawczyk waren für Texte und Lieder zuständig.

Elbe und Hochwasser? Klar, das zwei Dinge auf der Bühne nicht fehlen durften: Wasser und Sandsäcke. Durch den übermäßigen Gebrauch von Mineralwasser erzeugten die Tänzerinnen und Tänzer einen glitschigen Film, auf dem sie ausgelassen herumtobten. Später wurden auch einige Zuschauer überredet, um als Helfer Sandsäcke hin und her zu bewegen. Sehr positiv: In „Ossimisten Wessimisten“ ging es nicht um den Gegensatz zwischen „Wessis“ und „Ossis“, im ersten Teil wurde die verbindende Kraft des gemeinsamen Helfens deutlich vor Augen geführt.

Im Prinzip war das Stück eine Art gesungene und getanzte Stadtgeschichte. Im ersten Teil feucht und fröhlich, nach der Pause ernst und bedrückend. Denn dann wurde die Geschichte des geschlossenen Jugendwerkhofes erzählt. Die dargestellten Szenen von Demütigungen, sexuellen Übergriffen und Gewalt waren sehr klar und machten deutlich, welche Qualen die echten Opfer zu durchleiden hatten. Krawczyk bat mit Melanie Eggert eine Zeitzeugin auf die Bühne, die von ihren eigenen Erfahrungen im Jugendwerkhof berichtete. Eggerts Bericht war sehr emotional, wirkte aber ein wenig wie ein Fremdkörper, denn er hatte den Nachteil, dass der Fluss des Stückes unterbrochen wurde. Kurz danach ging es weiter und das Thema Jugendwerkhof verschwand wieder wie ein kurzer Regenschauer an einem Sommertag.

Insgesamt bot der Abend mit „Ossimisten Wessimisten“ hohe tänzerische Qualität, ein kleines Privatkonzert von Krawczyk in der Pause, rockige Musik, die live gespielt wurde, und einen Einblick in ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte.




Erfolgsballett wieder in Dortmund

Farbenfrohe Choreografien gab es zu bewundern.(Foto: ©Bettina Stöß / Stage Picture)
Farbenfrohe Choreografien gab es zu bewundern.(Foto: ©Bettina Stöß / Stage Picture)

Noch farbiger – noch bildgewaltiger: Die Wiederaufnahme von Xin Peng Wangs Ballett „Der Traum der roten Kammer“ in der Hongkong-Fassung sorgt erneut für einen vollen Opernsaal. Die Version, die in Hongkong für einen politischen Skandal gesorgt hat, wird am 01. Mai 2015 vom Publikum gefeiert.

Die getanzte Geschichte hatte sich nicht viel verändert: Aus dem riesigen Roman „Der Traum der roten Kammer“ von Hóng Lóu Mèng nahm Ballettdirektor Xin Peng Wang einen kleinen Teil heraus: Er konzentrierte sich auf die Geschichte um Pao Yü, der seine verarmte Cousine Lin Dai Yü liebt, aber die reiche Cousine Pao Tschai heiraten muss. Pao Yü verzweifelt so sehr, dass er als stummer Begleiter die Geschichte Chinas bis zu Jetztzeit miterlebt.

Die eigentliche Premiere fand am 11. November 2012 statt. In der ersten Wiederaufnahme gab es ein paar personelle Veränderung. Zwar wurde Pao Yü an diesem Abend erneut von Mark Radjapov getanzt, aber seine Geliebte Lin Dai Yü nicht mehr von Monica Fotescu Uta, sondern von Barbara Melo Freire. Auch der Stein hatte einen anderen Tänzer. Francesco Nigro ersetzte Sergio Carecci.

Es gab einige kleine Änderungen. Bei der Premiere 2012 wurden Pao Yü beide Cousinen verschleiert präsentiert, er wählt aber die falsche. 2015 wurde Lin Dai Yü schon vorher von der Familie „aussortiert“.

Beim Marsch durch die chinesische Gesichtete wurde in der Hongkonger Fassung stärker auf die Kulturrevolution eingegangen. Bilder wurden zerstört, Buddhastatuen mit dem Vorschlaghammer zertrümmert (ein Bild, das einen sofort an die IS denken lässt) und Bücher gingen in Flammen auf. Das gefiel den kommunistischen Funktionären in Hongkong gar nicht und sie verlangten die Absetzung des Stückes. Doch der mediale Druck sorgte dafür, dass ab der dritten Vorstellung wieder die originalfassung gespielt werden konnte.

Wer den „Traum der roten Kammer“ noch nicht gesehen haben sollte, der sollte es jetzt nachholen. Erstklassige Tänzer, beeindruckende Choreografien, opulentes Bühnenbild und großartige Musik von Michael Nyman, live gespielt von den Dortmunder Philharmonikern.

Weitere Termine: Sa, 09. Mai 2015, Sa, 23. Mai 2015, Sa, 30. Mai 2015, So, 07. Juni 2015 und Sa, 27. Juni 2015.




Comics über den Wilden Westen

Morris, The Lucky Band, 1977
Morris, The Lucky Band, 1977

Erneut zeigt das Museum für Kunst und Kulturgeschichte (MKK) mit „Going West!“ eine Comicausstellung. Vom 03. Mai bis zum 19. Juli 2015 können die Besucher 165 Comicseiten an der Wand und etwa 200 Comics in einer Vitrine besichtigen. Darunter eine Seite mit dem allerersten „Lucky Luke“. Die Ausstellung beschäftigt sich mit dem Thema, wie hat der Comic in Europa und in den USA den Westen und damit den Western entdeckt.

„Der Comic war das erste Bildmassenmedium noch vor dem Film“, erklärte Kurator Alexander Braun. Die Zeitungen in den USA konkurrierten untereinander um die besten Zeichner, und die Geschichten erschienen im Vierfarbdruck, in Zeiten als die Fotos in Zeitungen in der Regel noch Schwarz-Weiß waren.

Schon früh beschäftigen sich die Medien mit dem (Wilden) Westen. Beispielsweise ist der erste kleine Spielfilm von 1903 ein Western, in dem ein Eisenbahnüberfall gezeigt wird. Der Westen wurde nicht ohne Hintergedanken propagiert. Braun: „Während im Osten die Städte aus allen Nähten platzten, waren die Gebiete im Westen fast menschenleer. Daher hat man den Westen attraktiver erscheinen lassen, um ein bisschen PR zu betreiben.“ Der Film von 1903 ist auch im MKK zu sehen.

Natürlich war der Westen nicht ganz menschenleer, es lebten dort auch noch die Ureinwohner. Die Mythenbildung um die Landnahme im Westen verlief blutiger als man es sich selber eingestehen wollte. Schimmert in den frühen amerikanischen Comics noch die Überlegenheit der weißen Kultur gegenüber der indianischen Kultur spürbar, ist der Blick der europäischen Zeichner ein ganz anderer. Hier steht der idealisierte Blick der Indianer als „edle Wilde“ im Mittelpunkt.

Der in Deutschland wohl berühmteste Westernheld im Comic ist „Lucky Luke“ vom belgischen Zeichner Morris (Maurice de Bevere). Im MKK sind vier Originalzeichnungen von ihm zu sehen. Daneben treffen die Besucher auf „Tim in Amerika“ von Hergé oder „Leutnant Blueberry“ von Jean Giraud.

Natürlich sind auch amerikanische Zeichner vertreten wie George Herriman, James Swinnerton oder Frank King, die bereits in den 1920er Jahren den Westen auf recht abenteuerliche Weise bereisten.

Die Reise in den Westen reicht von den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts bis in unserer heutige Zeit mit ihren Graphic-Novels.

Neben den öffentlichen Führungen gibt es noch einen kostenlosen Workshop für Kinder und Jugendliche von 10 bis 14 Jahren. Dort soll ein 8-seitiger Comic entwickelt werden, der sich mit dem Wilden Westen beschäftigt. Die Termine für den Workshop sind der 13. Juni 2015 und der 01. Juli 2015 jeweils von 10:30 Uhr bis 13:30 Uhr. Anmeldungen an info.mkk@stadtdo.de

Zu der Ausstellung ist ein 432-setiges Begleitbuch mit über 700 Farbabbildungen erschienen. Es ist an der Museumskasse für 49 € erhältlich.




Liebesabenteuer in 140 Zeichen

Es ist die wohl berühmteste Liebesgeschichte: Romeo und Julia. Die Tragödie von William Shakespeare hat zahllose Komponisten inspiriert, beispielsweise Hector Berlioz, Sergej Prokofjew oder in einer aktuellen Version Leonard Bernstein. Barbara Volkwein inszenierte den Stoff beim 3. Konzert für junge Leute am 27. April 2015 im Konzerthaus Dortmund mit den Dortmunder Philharmonikern, der Sängerin Natascha Valentin und den beiden Tänzern der Dortmunder Ballettcompagnie Clara Hernandez und Dayne Florence.

Das Leben, die Liebe, alles mittlerweile auf 140 Zeichen heruntergebrochen. Die Idee Shakespeare, Romeo und Julia mit eigenem Twitter-Profil auszustatten, machte die Geschichte ein wenig frischer, eine ähnliche Idee hatte aber bereits die Royal Shakespeare Company, die den Stoff 2010 unter dem Namen „Such Tweet Sorrow“ in die Neuzeit brachte.

Gespielt wurde hauptsächlich Musik von Berlioz (Romeo et Juliette), Prokofjew (Romeo and Juliet) sowie George Gershwin (An American in Paris), obwohl das präsentierte Stück in New York spielt.

Dazu spielten die Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von Elisabeth Fuchs auch ein paar moderne Töne wie beispielsweise „Tico, Tico“ von Zequinha de Abreu oder „You can’t take back a step“ von Gregg Alexander.

Hernandez und Florence setzten dank der guten Choreografie die optischen Glanzpunkte, die eingeblendeten Twitternachrichten setzten die Geschichte „altersgerecht“ um, denn schließlich spielt sich bei vielen der jungen Besucher das soziale Leben und auch die Liebe auf sozialen Plattformen wie Facebook oder Twitter ab.

Beim Blick durch die Reihen konnte man feststellen, dass das Konzept der Konzerte für junge Leute mit Erfolg angenommen wird.




Höhepunkt des Kunstliedes

Wenn es so etwas wie ein Destillat der Romantik gäbe, dann wäre es wohl zusammen mit der „Winterreise“ der Liedzyklus „Die schöne Müllerin“, beide von Franz Schubert. Romantische Gedichte kombiniert mit romantischer Musik machten aus der „Müllerin“ einen Evergreen des Kunstliedes und viele Interpreten haben es gesungen, darunter Dietrich Fischer-Dieskau. Bei der letzten Liedmatinee in der aktuellen Spielzeit am 26. April 2015 sang Bariton Gerardo Garciacano die „Müllerin“ unterstützt von Sonja Lohmiller am Klavier.

Die 20 vertonten Lieder des Dichters Wilhelm Müller erzählen die Geschichte eines wandernden Müllergesellen („Das Wandern ist des Müllers Lust“), der sich in die Müllerstochter seines neuen Arbeitgebers verliebt („Der Neugierige“). Zunächst macht sie ihm anscheinend Hoffnungen („Mein!“), aber dann verliebt sie sich in den Jäger („Der Jäger“), was den Zorn des jungen Mannes erregt („Eifersucht und Stolz“). Letztlich begeht der arme Müllergeselle Selbstmord („Der Müller und der Bach“) und ertränkt sich. Das letzte Lied „Des Baches Wiegenlied“ singt der Bach, der in dem Zyklus eine übernatürliche Rolle spielt, denn er führt den Gesellen zunächst zu seinem vermeintlichen Glück, das sich aber als Unglück entpuppt.

Garciacano, der in den Da Ponte-Opern von Mozart mitspielte, aktuell singt er den „Don Giovanni“, zog die Zuhörer mit seiner Stimme in die Lieder hinein und vermittelte eindrucksvoll die Stimmungen des Müllergesellen. Von zarter Liebe über wütende Eifersucht beim Lied „Der Jäger“ bis hin zu Trauer und Verzweifelung – Garciacano konnte alle Register ziehen. Dabei wurde er von Sonja Lohmiller auch kompetent begleitet.

Einen kleinen Bonus gab es auch: Georg Holzer, Chefdramaturg der Oper, las vier der fünf nichtvertonten Gedichte von Müller.




Friedensgrüße per Postkarten

Eine kleine Auswahl von künstlerisch gestalteten Postkarten hängen im Atelier Anschnitt an der Wand.
Eine kleine Auswahl von künstlerisch gestalteten Postkarten hängen im Atelier Anschnitt an der Wand.

Postkarten scheinen aus der Mode zu kommen. Wurden 1952 noch über 900 Millionen von ihnen verschickt, waren es 2006 nur noch 225 Millionen, klärt uns Wikipedia auf. Zum siebten Mal widersetzt sich das Atelier Anschnitt von Tanja Melina Moszyk diesem Trend und präsentiert seit dem 26. 04. 2015 Künstlerpostkarten zum Thema „Friedenszeichen“.

„Der Blick nach vorn“ und „Erwartungshorizont“ – so lauteten die Themen der zwei vergangenen Jahre. 2015 stehen „Friedenszeichen“ im Mittelpunkt und so haben 56 Künstler 69 Postkarten geschickt und ihre Kunst in dieses kleine Format gezwängt.

Herausgekommen sind vielfältige Beiträge, die zwar eine gewisse Taubenlastigkeit besitzen, aber in Form, Stil und Machart einen bunten Querschnitt durch verschiedenste Kunststile bieten.

Daneben haben auch Jugendliche aus dem Dortmunder Norden und Süden getrennt voneinander „Friedenszeichen“ gestaltet. „Der Norden“ ist entstanden aus dem Kunstprojekt „Wo geht Kunst?“,

gefördert durch die Bundesaktion „Bündnisse für Bildung“. Unter der Organisation der Jugendkunstschule balou e.V. in Zusammenarbeit mit der Stadtteilschule und Kulturmeile Nordstadt. „Der Süden“ besteht aus zwei Malgruppen aus dem Atelier Anette Göke.




Künstlerische Zweierbeziehung

 

Die Arbeit von Frans van Tartwijk lautet "Dief", Acryl unf Wasserfarbe auf Papier auf Holz, 2011
Die Arbeit von Frans van Tartwijk lautet „Dief“, Acryl und Wasserfarbe auf Papier auf Holz, 2011

Es gibt einige berühmte Beispiele: Frida Kahlo und Diego Rivera, Paula Becker und Otto Modersohn. Manchmal gibt es Künstler auch im Doppelpack. Was passiert, wenn beide Partner künstlerisch aktiv sind? Inspiriert man sich gegenseitig? Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede gibt es? Diesen Fragen geht die Ausstellung „Artist Sweethearts“ im Dortmunder Künstlerhaus nach, die seit dem 25. April läuft und bis zum 14. Juni 2015 zu sehen ist. Elf Künstlerpaare stellen ihre Werke aus.

„Es durften keine Gemeinschaftsarbeiten dabei sein“, erklärte Kurator Cornelius Grau, „ansonsten war die Ausschreibung relativ frei gehalten. Grau interessierte die Frage:Wie arbeiten Paare zu- oder miteinander? Die elf ausgewählten Paare bieten den Zuschauern die Möglichkeit, sich selbst auf die Suche nach einer Antwort zu begeben. Laut Aussage von Grau hat sich kein homosexuelles Paar gemeldet. Dass Künstlerbeziehungen auch von temporärer Natur sein können, zeigte sich darin, dass sich ein Paar während der Vorbereitung zur Ausstellung getrennt hatte.

Im großen Raum im Erdgeschoss haben zwei Paare ihren Platz gefunden. Wobei die Videoarbeit von Susanne Kutter bereits im Treppenhaus zu sehen ist. Hier geht es ihr um die Zerstörung von Idylle. In ihrer Arbeit „I will kill you anyway“ von 2015 verwandelt sie eine harmlose Neonleuchtschrift wie sie zu Werbezwecken gebraucht wird, in eine tödliche Botschaft. Ihr Freund, Markus Willeke, malt Bilder in unterschiedlichen Formaten, aber immer direkt, ohne Korrekturmöglichkeiten.

Daneben sind Werke von Torben Laib und Madelaine Christin Leroy aus Kiel zu sehen. Laib hat eine Klanginstalltion (Reflex (Wo ist das Mikro versteckt?) von 2105 die mit knisternden Aluminumschnipseln arbeitet, Leroy verwandelt Fahrradschläuche in eine Installation, die in den Raum greift. Dabei verwandelt sie das Material, so dass etwas Neues entsteht.

Auch ein Paar aus den Niederlanden ist dabei. Guda Koster schafft durch ihre Arbeit mit Formen und Mustern neue Sehgewohnheiten in ihren Installationen, Photographien und Skulpturen. Frans van Tartwijk hingegen setzt seinen Fokus auf die eher peinlichen Momente im Leben. Betrunkene, tanzende Nackte malt er mit schnellem Pinselstrich.

Susanne Maurer, die auch in einer Einzelausstellung in der Galerie ART-Isotope zu sehen ist, zeigt ihre Landschaftsbilder, während ihr Partner Marc Taschowsky eine Art abstrakter Portraits malt.

Im selben Raum zeigen Michel Aniol und Meike Kuhnert ihre Arbeiten. Aniol präsentiert mit „Draft for an Okziriental Lounge“ eine Installation, die die Entstehung einer neuen Weltkultur durch die Globalisierung zum Thema hat. Kuhnert benutzt für ihre Malerei alltägliche Stoffe, die sie auf Keilriemen spannt und als Malfläche benutzt.

Auch im Keller gibt es etwas zu sehen und zu hören. Mandy Krebs und Marko Schiefelbein zeigen Videoarbeiten.

Die Künstlerpärchen sind:

Michel Aniol und Meike Kuhnert

Pascal Aperdannier und Anne Paschvoß

Klaus Erich Dietl und Stephanie Müller

Guda Koster und Frans van Tartwijk

Mandy Krebs und Marko Schiefelbein

Susanne Kutter und Markus Willeke

Torben Laib und Madeleine Christin Leroy

Katharina Maderthaner und Christian Schreckenberger

Susanne Maurer und Marc Taschowsky

Kihyu Park und Florian Rosier




Fotokünstler in a box

Alle zwei jahre biette die Kunstbox einen Einblick in neue künstlerische Positionen. Hier ein Foto aus 2013. (Foto: © Jan Schmitz)
Alle zwei Jahre bietet die Kunstbox einen Einblick in neue künstlerische Positionen. Hier ein Foto aus 2013. (Foto: © Jan Schmitz)

Zum vierten Mal präsentiert das Depot Dortmund am 25. und 26. April die Kunstbox. 34 Künstlerinnen und Künstler aus dem Bereich künstlerische Fotografie präsentieren an diesem beiden Tagen ihre Arbeiten.

Über 100 Künstlerinnen und Künstler haben Interesse bekundet, eine unabhängige Fachjury hat davon 34 für die Kunstbox 2015 ausgewählt. Wolfgang Schmidt, der künstlerische Leiter, hat eine kleine Sortierung vorgenommen. So gibt es vier Schwerpunkte: Portrait, Experimentell, Orte und Stimmungen. Von den 34 Künstlerinnen und Künstler kommen drei aus Dortmund. Anja Bohnhof, Marina Paula de Abrantes und Alexander Hügel nehmen an der Kunstbox 2015 teil.

Die Besucher haben auch die Möglichkeit, einen der Teilnehmer mit dem Publikumspreis auszuzeichnen. Dazu haben sich die Organisatoren etwas Besonderes einfallen lassen: Jeder der 34 Künstlerinnen und Künstler hat zum Thema „Abgelichtet – Energie ist erneuerbar“ eine Arbeit eingereicht, die etwa Postkartengröße besitzt und in einer Auflage von 100 erscheint. Die Besucher können Karten von den Künstlern kaufen, die sie am besten fanden. Aber nur jeweils eine von jedem Künstler. Die Künstlerin oder der Künstler von der/dem die meisten Postkarten gekauft wurde, bekommt den Publikumspreis. Diese Auszeichnung wird am 26. April um 16 Uhr vom Autor und Kabarettisten Fritz Eckenga übergeben.

Doch auch die Juroren kommen während den beiden Kunstbox-Tagen noch einmal zusammen und küren mit der „BestBox“ den Künstler mit dem besten Messeauftritt. Die „BestBox“ ist mit einem Geldpreis von 500 € verbunden sowie einer Einzelausstellung in der Galerie im Foyer des RWE-Towers in Dortmund. Auch diese Preisverleihung ist am Sonntag um 16 Uhr.

Der Eintritt beträgt 3 €.




Naomi Kawase gewinnt den RWE Filmpreis 2015

Beim Internationalen Frauenfilmfestival Dortmund | Köln wurde der poetische Film STILL THE WATER (Futatsume no mado) von Naomi Kawase mit dem 6. RWE Filmpreis ausgezeichnet. Die Jury des Internationalen Spielfilmwettbewerbs wurde von Kawases Arbeit überzeugt: „Naomi Kawases Film zeigt eine herausragende Leistung. Sie erforscht die Stärke und Brüchigkeit des Lebens: Erste Liebe, Beziehungen zwischen Jugendlichen und ihren Eltern, der Umgang mit Verlusten, Krankheit und Tod. Die Kinematographie der Regisseurin, mit der sie kraftvoll die Natur einsetzt um die Emotionen der Figuren herauszuarbeiten oder zu konterkarieren, hat uns mehr als beeindruckt. STILL THE WATER zeugt von höchster filmischer Meisterschaft, ist visuell atemberaubend und steckt bis zum Ende voller Überraschungen.“ (Unsere Rezension hier)

Der RWE Filmpreis ist mit 15.000 Euro dotiert, davon gehen 5.000 Euro an die Regisseurin und 10.000 Euro an den deutschen Verleih, um den Vertrieb des Preisträgerinnenfilms in Deutschland nachhaltig zu fördern.

Die Jury des Internationalen Spielfilmwettbewerbs, an dem acht Spielfilme teilnahmen, war in diesem Jahr mit der deutschen Schauspielerin Lena Stolze („Die weiße Rose“, „Das schreckliche Mädchen“), der ägyptischen Regisseurin und Festivalleiterin Amal Ramsis und der britischen Produzentin Kate Kinninmont, Leiterin von Women in Film and Television UK (WFTV),  besetzt.

Die Jury vergab außerdem eine lobende Erwähnung für die schwarze Komödie BODY der polnischen Regisseurin Małgorzata Szumowska. (Unsere Rezension hier)

Den trailer-ruhr-Publikumspreis (1.000 Euro) für den beliebtesten Film des diesjährigen Festivalprogramms erhielt Amal Ramsis für ihren Dokumentarfilm THE TRACE OF THE BUTTERFLY (Ägypten 2014), eine Reise durch die ägyptische Revolution. Ramsis war in diesem Jahr Mitglied der Jury des RWE Filmpreises.




Berührende Abschiednahme

Mit „Frailer“ wurde am Sonntag, dem 19. April 2015 der letzte Beitrag für den Regiewettbewerb in der Schauburg gezeigt. Der niederländische Film von Mijke de Jong ist ein Zwischending zwischen Fiktion und Dokumentarfilm über das Abschiednehmen von einer Todkranken.

Um den Inhalt richtig zu verstehen, muss man die Vorgeschichte kennen. „Frailer“ – im Original „Brozer“ (Brüchiger), ist quasi der Nachfolgefilm von „Broos“ aus dem Jahre 1997, ebenfalls von de Jong. In dem Film wollen vier Schwestern ihren Eltern zum 40. Hochzeitstag eine Überraschung bereiten und erfahren, dass in der Ehe ihrer Eltern nicht alles glatt ging. Leonoor Pauw spielte in „Broos“ eine der Schwestern, Muis. 2010 machte Pauw bekannt, dass sie unheilbar an Krebs erkrankt ist. Schnell kam die Idee auf, einen zweiten Teil zu „Broos“ zu machen, eben „Brozer“.

„Brozer“ handelt von der Sterbebegleitung von Muis/Leonoor Pauw und wie die drei Filmschwestern und Schauspielkolleginnen damit umgehen. Er zeigt in berührender Weise die Freuden, aber auch die Qualen, die Muis/Leonoor erlebt. Zudem wird deutlich, dass es ab einem bestimmten Zeitpunkt für die anderen Schauspielerinnen eine zu große psychische Belastung wurde. In der letzten Phase wird aus Muis wieder Leonoor und aus der Fiktion wird eine intime Dokumentation über das Sterben. Der Film erspart dem Zuschauer nichts. Die Ängste und die Verzweiflung von Pauw schnüren einem die Kehle zu. Aber ebenso hat de Jong auch komische Elemente eingebaut. So tragen alle „Schwestern“ das gleiche Kleid oder liegen zur Probe im Sarg.

„Frailer“ ist schmerzvoll und berührend, aber gleichzeitig auch lehrreich, denn er zeigt uns, wie wichtig das Abschied nehmen von einem Menschen sein kann und wie beide, der Sterbende und der Angehörige, voneinander profitieren können.